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HIMMEL
UND HÖLLE

 

 

 

 

 

 

Beschrieben

nach Gehörtem und Gesehenem

von EMANUEL SWEDENBORG

 

 

 

 

 

1758

 

 

 

 

 

www.himmels-engel.de

 

www.angels-heaven.org


 

 

 

 

 

 

Titel der Urschrift

 

 

DE

COELO

ET EJUS

MIRABILIBUS

ET DE

INFERNO

EX

AUDITIS ET VISIS

 

 

 

LONDINI

 

MDCCLVIII.

(1758)

 

 


 

INHALT

(*)       
Vorwort

 

(I)      Erster Teil: DER HIMMEL

(1)      
Vom Himmel und der Hölle

(2)      
Der Herr ist der Gott des Himmels

(3)      
Das Göttliche des Herrn macht den Himmel

(4)      
Das Göttliche des Herrn im Himmel ist die Liebe zu Ihm und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten

(5)      
Der Himmel ist in zwei Reiche abgeteilt

(6)      
Es gibt drei Himmel

(7)      
Die Himmel bestehen aus unzähligen Gesellschaften

(8)      
Jede einzelne Gesellschaft ist ein Himmel in kleinerer Gestalt und jeder einzelne Engel ist es in der kleinsten

(9)      
Der gesamte Himmel in einer Zusammenfassung stellt einen Menschen dar

(10)    
Jede einzelne Gesellschaft in den Himmeln stellt einen Menschen dar

(11)    
Jeder Engel hat daher vollkommene Menschengestalt

(12)    
Daß der Himmel im Ganzen und in seinen Teilen einen Menschen darstellt, rührt vom Göttlich-Menschlichen des Herrn her

(13)    
Gesammeltes aus den »Himmlischen Geheimnissen« über den Herrn und Sein Göttlich-Menschliches

(14)    
Es besteht eine Entsprechung aller Teile des Himmels mit allen Teilen des Menschen

(15)    
Es besteht ein Entsprechungsverhältnis des Himmels zu allen Dingen der Erde

(16)    
Von der Sonne im Himmel

(17)    
Vom Licht und von der Wärme im Himmel

(18)    
Von den vier Hauptgegenden im Himmel

(19)    
Von den Zustandsveränderungen der Engel im Himmel

(20)    
Von der Zeit im Himmel

(21)    
Von den Vorbildungen und Erscheinungen im Himmel

(22)    
Von den Gewändern, mit denen die Engel angetan erscheinen

(23)    
Von den Wohnungen und Aufenthaltsorten der Engel

(24)    
Vom Raum im Himmel

(25)    
Von der Form des Himmels, nach welcher die Zusammengesellungen und Mitteilungen daselbst erfolgen

(26)    
Von den Regierungen im Himmel

(27)    
Vom Gottesdienst im Himmel

(28)    
Von der Macht der Engel des Himmels

(29)    
Von der Rede der Engel

(30)    
Von der Rede der Engel mit dem Menschen

(31)    
Von den Schriften im Himmel

(32)    
Von der Weisheit der Engel des Himmels

(33)    
Vom Zustand der Unschuld der Engel im Himmel

(34)    
Der Zustand des Friedens im Himmel

(35)    
Von der Verbindung des Himmels mit dem menschlichen Geschlecht

(36)    
Von der Verbindung des Himmels mit dem Menschen durch das Wort

(37)    
Daß Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht seien

(38)    
Von den Heiden oder den Völkern außerhalb der Kirche im Himmel

(39)    
Von den Kindern im Himmel

(40)    
Von den Weisen und Einfältigen im Himmel

(41)    
Gesammeltes aus den »Himmlischen Geheimnissen« über die Wissenschaften

(42)    
Von den Reichen und den Armen im Himmel

(43)    
Von den Ehen im Himmel

(44)    
Von den Verrichtungen der Engel im Himmel

(45)    
Von der himmlischen Freude und Glückseligkeit

(46)    
Von der unermeßlichen Größe des Himmels

 

(II)     Zweiter Teil: VON DER GEISTERWELT UND VOM ZUSTAND DES MENSCHEN NACH DEM TOD

(47)    
Was die Geisterwelt sei

(48)    
Daß jeglicher Mensch seinem Inwendigen nach ein Geist sei

(49)    
Von des Menschen Auferweckung von den Toten und seinem Eintritt ins ewige Leben

(50)    
Daß der Mensch nach dem Tode vollkommene Menschengestalt habe

(51)    
Daß der Mensch nach dem Tode alle Sinne, alles Gedächtnis, alles Denken und alle Neigung hat, die er in der Welt hatte, und daß er nichts zurückläßt, als seinen irdischen Leib

(52)    
Daß der Mensch nach dem Tode so sei, wie sein Leben in der Welt war

(53)    
Daß die Lustreize des Lebens eines jeden nach dem Tode sich in Entsprechendes verwandeln

(54)    
Von des Menschen erstem Zustand nach dem Tode

(55)    
Vom zweiten Zustand des Menschen nach dem Tode

(56)    
Vom dritten Zustand des Menschen nach dem Tode, welcher der Zustand des Unterrichts derer ist, die in den Himmel kommen

(57)    
Daß niemand durch unvermittelte Barmherzigkeit in den Himmel komme

(58)    
Daß es nicht so schwer sei, als man glaubt, ein Leben zu führen, das in den Himmel bringt

 

(III)    Dritter Teil: VON DER HÖLLE

(59)    
Der Herr regiert die Höllen

(60)    
Daß der Herr niemand in die Hölle werfe, sondern der Geist sich selbst

(61)    
Daß alle, die sich in den Höllen befinden, im Bösen und im Falschen aus diesem aus der Eigen - und Weltliebe sind

(62)    
Was das höllische Feuer und was das Zähneknirschen sei

(63)    
Von der Bosheit und den verruchten Kunstgriffen der bösen Geister

(64)    
Von der äußeren Erscheinung, Lage und Vielheit der Höllen

(65)    
Vom Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle

(66)    
Daß der Mensch in der Freiheit sei durch das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle

 

(67)     Gesammeltes aus den »Himmlischen Geheimnissen« über die Freiheit des Menschen, über den Einfluß und über die Geister, durch welche die Mitteilungen geschehen

     (a)    Von der Freiheit

     (b)    Vom Einfluß

     (c)    Von den Trägern

 


 

(*)

Vorwort

Das Aufblicken zu einem unendlichen Wesen und die Hoffnung auf ein ewiges Leben kennzeichnen den Menschen, und nur in Gewißheit darüber findet dieser seine innerste Gemütsruhe.

Gibt es einen Gott und ein Jenseits, so müssen auch redlichen Menschen die Mittel geboten sein, Aufschlüsse über dieselben erhalten zu können.

Wenn Swedenborg in nachfolgendem Werk über die Licht- und Schattenseiten der anderen Welt vor den Augen des Lesers ein Bild entrollt, das die Vernunft in jeder Hinsicht befriedigen muß, so nehme man nicht von vornherein Anstoß daran, daß er „Gesehenes und Gehörtes“ berichtet. Wahrheit ist Wahrheit, wie sie nun zu uns gelangen mag; und die wir unter ihr stehen, ziemt es nicht, ihr den Weg zu uns vorzuschreiben.

Hätte der große Autor sein „Himmel und Hölle“ als Dichtung gegeben, der größte Weltruhm hätte ihm nicht versagt werden können. Er gab es als Erfahrung, und wer will dagegen ein Wort erheben ? War er doch ein Mann „dessen Kenntnisse und Geradheit gleich sehr merkwürdig waren“, und legen seine einfachen Schilderungen, wie jede sich selbst beweisende Wahrheit, an und für sich schon das beste Zeugnis für ihre Glaubwürdigkeit ab, und ist ja mit dem Vorhandensein einer anderen Welt auch die Möglichkeit eines Verkehrs mit derselben zugegeben.

Die höchste Wahrheit mag sein, wo man sie am wenigsten vermutet, und viele mögen an ihr vorübergehen; der Gute aber, ob er auch erst manche Täuschungen erfahren mag, wird endlich zu ihr geführt und - er wird sie erkennen.

Der Verständige prüfe dieses Buch und sehe, ob nicht Wahrheit darin enthalten ist ! Er urteile, ob Himmel und Hölle anders eingerichtet sein können, als der Verfasser sie beschreibt. Der unbefangene Denker wird alles natürlich und folgerichtig finden.

Daß die fünfte Auflage dieses Werkes dazu beitragen werde, die Zahl derer wieder um viele zu vermehren, die in Swedenborgs Schriften eine Quelle der Aufklärung über geistige Dinge und ein Ende ihrer Zweifel gefunden haben, hoffen zuversichtlich

Die Herausgeber.

(I)

DER HIMMEL

(1)

VOM HIMMEL UND DER HÖLLE

(1)
Wo der Herr von der Vollendung des Zeitlaufs, welche die letzte Zeit der Kirche ist
1, vor den Jüngern spricht, da sagt Er am Ende der Vorhersagen über ihre aufeinanderfolgenden Zustände in Hinblick der Liebe und der Glaubens2, also:

„Gleich nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne sich verfinstern und der Mond wird seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel, und alsdann werden wehklagen alle Stämme der Erde: und sie werden sehen den Menschensohn kommend in des Himmels Wolken mit vieler Macht und Herrlichkeit. Und Er wird Seine Engel aussenden mit Posaune und großer Stimme, und sie werden Seine Auserwählten versammeln von den vier Winden, vom Äußersten der Himmel bis zum Äußersten derselben“: Matth.24/29-31.

Diejenigen, welche diese Worte nach dem Buchstabensinn verstehen, glauben nicht anders, als daß in der letzten Zeit, welche das Letzte Gericht heißt, alle diese Dinge, wie sie in jenem Sinn beschrieben sind, geschehen werden; daß also nicht nur Sonne und Mond sich verfinstern und die Sterne vom Himmel fallen werden und das Zeichen des Herrn am Himmel erscheinen wird und daß sie Ihn in den Wolken und zugleich Engel mit Posaunen sehen werden, sondern auch daß, nach den anderweitigen Vorhersagen, die ganze sichtbare Welt vergehen und dann ein neuer Himmel nebst einer neuen Erde entstehen werde; in dieser Meinung sind heutzutage die meisten innerhalb der Kirche; die aber so glauben, wissen nicht die Geheimnisse, die im einzelnen des Wortes verborgen liegen; denn im einzelnen des Wortes ist ein innerer Sinn, in welchem nicht natürliche und weltliche Dinge, wie diejenigen, die im Buchstabensinn sind, sondern geistige und himmlische Dinge verstanden werden, und zwar gilt dies nicht bloß vom Sinn mehrerer Wörter, sondern auch von jedem [einzelnen] Wort3; denn das Wort ist in lauter Entsprechungen4 geschrieben, eben damit im einzelnen ein innerer Sinn sei. Wie dieser Sinn beschaffen sei, kann aus allem dem erhellen, was über diesen Sinn in den »Himmlischen Geheimnissen« gesagt und gezeigt worden ist; was man auch aus ihnen gesammelt finden kann in der Auslegung vom »Weißen Pferd«, von dem in der Offenbarung (die Rede ist). Nach demselben Sinn ist auch zu verstehen, was der Herr in der oben angeführten Stelle von Seiner Ankunft in den Wolken des Himmels gesagt hat; durch die Sonne, die verfinstert werden soll, wird hier bezeichnet der Herr hinsichtlich der Liebe5; durch den Mond der Herr hinsichtlich des Glaubens6; durch die Sterne die Erkenntnisse des Guten und Wahren oder der Liebe und des Glaubens7; durch das Zeichen des Menschensohnes am Himmel die Erscheinung des göttlich Wahren; durch die Stämme der Erde, welche wehklagen werden, alle Dinge des Wahren und Guten oder des Glaubens und der Liebe8; durch die Ankunft des Herrn in den Wolken des Himmels mit Macht und Herrlichkeit Seine Gegenwart im Wort und die Offenbarung9; durch die Wolken wird der buchstäbliche Sinn des Wortes bezeichnet10, und durch die Herrlichkeit der innere Sinn des Wortes11; durch die Engel mit Posaune und großer Stimme wird bezeichnet der Himmel, aus dem das göttlich Wahre [kommt]12.

Hieraus kann erhellen, daß unter jenen Worten des Herrn verstanden wird, daß am Ende der Kirche, wann keine Liebe und darum auch kein Glaube mehr da ist, der Herr das Wort nach dessen innerem Sinn aufschließen und die Geheimnisse des Himmels offenbaren werde; die Geheimnisse, die in Nachstehendem geoffenbart werden, betreffen den Himmel und die Hölle und zugleich das Leben des Menschen nach dem Tode. Der Mensch der Kirche weiß heutzutage kaum etwas vom Himmel und von der Hölle und von seinem Leben nach dem Tode, obwohl alles sich im Wort beschrieben findet; ja viele, die innerhalb der Kirche geboren sind, leugnen sie sogar, indem sie in ihrem Herzen sprechen: Wer ist von da gekommen und hat es erzählt ? Damit nun solches Leugnen, das vorzüglich bei den Weltklugen herrscht, nicht auch diejenigen anstecke und verderbe, die einfältigen Herzens und einfältigen Glaubens sind, ist mir gegeben worden, mit den Engeln zusammen zu sein und mit ihnen zu reden, wie ein Mensch mit dem anderen und auch die in den Himmeln, desgleichen die in den Höllen befindlichen Dinge, und zwar nun schon dreizehn Jahre hindurch, zu sehen und so nun dieselben nach dem Gesehenen und Gehörten zu beschreiben, in der Hoffnung, daß so die Unkenntnis aufgeklärt und der Unglaube zerstreut werde. Eine solche unmittelbare Offenbarung findet heutzutage statt, weil sie diejenige ist, die unter der Ankunft des Herrn verstanden wird.

(2)

DER HERR IST DER GOTT DES HIMMELS

(2)
Zuerst muß man wissen, wer der Gott des Himmels ist, weil das übrige davon abhängt; im ganzen Himmel wird kein anderer als Gott des Himmels anerkannt, als der Herr allein; sie sagen daselbst, wie Er selbst gelehrt hat, daß Er einer [und derselbe sei] mit dem Vater; und daß der Vater in Ihm sei, und Er im Vater; und daß wer Ihn sieht, den Vater sehe; und daß alles Heilige aus Ihm hervorgehe: Joh.10/30,38; 14/10,11; 16/13-15.

Ich sprach hierüber öfter mit den Engeln, und sie sagten beharrlich, sie können im Himmel das Göttliche nicht in drei unterscheiden, weil sie wissen und wahrnehmen, daß das Göttliche eines ist und daß es eines ist im Herrn; sie sagten auch, daß die, welche von der Kirche aus der Welt herkommen, bei denen die Vorstellung dreier Göttlichen ist, nicht in den Himmel aufgenommen werden können, weil nämlich ihr Denken [hin und her] irrt von einem zum anderen und es dort nicht erlaubt ist, drei zu denken und einen zu nennen13, weil im Himmel jeder aus dem Denken redet; denn dort findet ein denkendes Reden oder ein redendes Denken statt; weshalb denn solche, die in der Welt das Göttliche in drei unterschieden und von jedem eine gesonderte Vorstellung gefaßt und diese nicht im Herrn zu einer gemacht und konzentriert hatten, nicht aufgenommen werden können; denn im Himmel findet ein Gemeinschaftlichmachen aller Gedanken statt: würde daher dorthin kommen, wer drei denkt und einen ausspricht, so würde er sogleich ausgekannt und ausgestoßen werden. Es ist jedoch zu wissen, daß alle, die nicht das Wahre vom Guten oder den Glauben von der Liebe getrennt hatten, im anderen Leben, wenn sie belehrt worden sind, die himmlische Idee vom Herrn, daß Er der Gott des Alls sei, annehmen; anders aber die, welche den Glauben vom Leben getrennt, das heißt, die nicht nach den Vorschriften des wahren Glaubens gelebt hatten.

(3)
Die innerhalb der Kirche den Herrn geleugnet und bloß den Vater anerkannt und in solchem Glauben sich bestärkt hatten, sind außerhalb des Himmels; und weil bei ihnen keinerlei Einfließen stattfindet aus dem Himmel, in dem der Herr allein angebetet wird, so werden sie stufenweise des Vermögens beraubt, über irgend etwas das Wahre zu denken, und werden endlich wie stumm oder reden albern und wanken im Gehen, und ihre Arme hängen herab und schwanken hin und her, wie wenn sie keine Kraft in den Gelenken hätten. Die aber das Göttliche des Herrn geleugnet und bloß Sein Menschliches anerkannt hatten, wie die Socinianer, sind gleichfalls außerhalb des Himmels und werden nach vorne etwas rechts hin gebracht und in die Tiefe hinabgelassen und so gänzlich von den übrigen aus der Christenheit abgesondert. Diejenigen aber, welche sagen, sie glauben an ein unschaubares Göttliche, das sie das Seiende des Alls nennen, aus dem alles entstanden ist, und den Glauben an den Herrn verwerfen, diese wurden als solche erfunden, die an keinen Gott glauben, weil das unschaubare Göttliche ihnen ist wie die Natur in ihrem ersten, woran es keinen Glauben und wozu es keine Liebe geben kann, weil es kein Denkbild davon gibt
14; diese werden unter diejenigen verwiesen, welche Naturalisten heißen. Anders ergeht es denen, die außerhalb der Kirche geboren sind und Heiden genannt werden, von denen im folgenden [die Rede sein wird].

(4)
Alle Kinder, aus denen der dritte Teil des Himmels besteht, werden in die Anerkennung und in den Glauben eingeleitet, daß der Herr ihr Vater ist, und nachher, daß Er der Herr aller, somit der Gott des Himmels und der Erde ist. Daß die Kinder in den Himmeln heranwachsen und durch Erkenntnisse vervollkommnet werden bis zur engelgleichen Einsicht und Weisheit, wird man im folgenden sehen.

(5)
Daß der Herr der Gott des Himmels sei, können die Angehörigen der Kirche nicht bezweifeln, denn Er selbst lehrte, daß alles, was der Vater hat, Sein sei: Matth.11/27; Joh.16/15; 17/2; und daß Er alle Gewalt im Himmel und auf Erden habe: Matth.28/18; im Himmel und auf Erden sagt Er, weil, wer den Himmel regiert, auch die Erde regiert, denn das eine hängt vom anderen ab
15. Den Himmel und die Erde regieren heißt, [diese] empfangen von Ihm alles Gute, das Sache der Liebe, und alles Wahre, das Sache des Glaubens ist, mithin alle Einsicht und Weisheit und so alle Seligkeit, mit einem Wort, das ewige Leben; dies lehrte auch der Herr, indem Er sagte:

„Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen“: Joh.3/36.

Anderwärts:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an Mich glaubt, wird leben, wenn er auch stirbt; jeder, der lebt und an Mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben“: Joh.11/24,25.

Und in einer anderen Stelle:

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“: Joh.14/6.

(6)
Es waren einige Geister, welche, solange sie in der Welt lebten, den Vater bekannt, vom Herrn aber keine andere Vorstellung als wie von einem anderen Menschen gehabt und daher nicht geglaubt hatten, daß Er der Gott des Himmels sei; diesen wurde deshalb erlaubt, herumzuwandern und, wo sie wollten, zu untersuchen, ob es einen anderen Himmel gebe, als den des Herrn; sie suchten auch wirklich einige Tage hindurch und fanden nirgends einen solchen. Sie gehörten zu denen, welche die Seligkeit des Himmels in die Herrlichkeit und ins Herrschen setzten, und weil sie ihren Wunsch nicht erlangen konnten und ihnen gesagt wurde, der Himmel bestehe nicht in dergleichen, so wurden sie unwillig und wollten einen Himmel haben, in dem sie über andere herrschen und durch eine Herrlichkeit, gleich der in der Welt, hervorragen könnten.

(3)

DAS GÖTTLICHE DES HERRN
MACHT DEN HIMMEL

(7)
Die Engel heißen zusammengenommen der Himmel, weil sie ihn ausmachen; allein gleichwohl ist es das aus dem Herrn hervorgehende Göttliche, das bei den Engeln einfließt und von ihnen aufgenommen wird, was den Himmel im allgemeinen und im besonderen macht. Das vom Herrn ausgehende Göttliche ist das Gute der Liebe und das Wahre des Glaubens; soviel also des Guten und des Wahren sie vom Herrn aufnehmen, insoweit sind sie Engel und insoweit sind sie der Himmel.

(8)
Ein jeder in den Himmeln weiß und glaubt, ja fühlt [percipit], daß er nichts Gutes aus sich will und tut und nichts Wahres aus sich denkt und glaubt, sondern aus dem Göttlichen, somit aus dem Herrn, und daß das Gute und das Wahre aus ihm selbst nichts Gutes und Wahres sind, weil das Leben aus dem Göttlichen nicht in ihnen ist; die Engel des innersten Himmels nehmen den Einfluß auch deutlich wahr und empfinden ihn, und wie weit sie ihn aufnehmen, so weit erscheint ihnen, daß sie im Himmel sind, weil so weit in der Liebe und im Glauben und so weit im Lichte der Einsicht und Weisheit und in der daraus kommenden himmlischen Freude; weil diese alle aus dem Göttlichen des Herrn hervorgehen und in ihnen für die Engel der Himmel ist, so ist offenbar, daß das Göttliche des Herrn den Himmel macht und nicht die Engel aus irgend etwas von ihrem Eigenen
16. Daher kommt, daß im Wort der Himmel die Wohnung des Herrn und Sein Thron heißt; und daß von denen, die darin sind, gesagt wird, sie seien im Herrn17. Wie aber das Göttliche aus dem Herrn hervorgeht und den Himmel erfüllt, wird im folgenden gesagt werden.

(9)
Die Engel gehen vermöge ihrer Weisheit noch weiter; sie sagen nicht nur, daß alles Gute und Wahre vom Herrn sei, sondern auch alles, was zum Leben gehört; sie begründen dies damit, daß nichts aus sich selbst entstehen könne, sondern aus einem Früheren, als es selbst ist, und daß somit alles aus dem Ersten entsteht, das sie das eigentliche Sein des Lebens von allem nennen, und daß in gleicher Weise [alles] bestehe, weil bestehen ist beständig entstehen, und was nicht fortwährend durch Mittelglieder im Zusammenhang mit dem ersten gehalten wird, das fällt alsbald zusammen und wird gänzlich zerstreut; sie sagen überdies, daß es nur einen einzigen Quell des Lebens gebe, und das Leben des Menschen ein Bächlein aus ihm sei, welches, sofern es nicht von seinem Quell her fortwährend Bestand erhält, alsbald versiegt. Ferner, daß aus jenem einzigen Quell des Lebens, welcher der Herr ist, nichts als göttlich Gutes und göttlich Wahres hervorgehe und daß diese jeden anregen je nach der Aufnahme; in denen, welche dieselben im Glauben und im Lebenswandel aufnehmen, sei der Himmel; diejenigen dagegen, die dieselben zurückstoßen oder sie ersticken, verkehren sie in eine Hölle; denn sie verkehren das Gute in Böses und das Wahre in Falsches, somit das Leben in Tod. Daß alles zum Leben Gehörige vom Herrn sei, begründen sie auch damit, daß alles im Weltall sich auf Gutes und Wahres zurückbezieht, das Willensleben des Menschen, welches das Leben seiner Liebe ist, auf Gutes, und das Verstandesleben des Menschen, welches das Leben seines Glaubens ist, auf Wahres; weshalb, da alles Gute und Wahre von oben kommt, hieraus folgt, daß auch alles des Lebens [von daher kommt].

Weil die Engel so glauben, so lehnen sie auch alle Danksagung ab für das Gute, das sie tun, und werden unwillig und treten zurück, wenn jemand ihnen Gutes zuschreibt; sie wundern sich, daß jemand glauben mag, er sei weise aus sich und tue das Gute aus sich; Gutes tun um seiner selbst willen nennen sie nicht Gutes, weil man es aus sich tut; aber Gutes tun um des Guten willen, das nennen sie Gutes aus dem Göttlichen, und dieses Gute sei es, was den Himmel macht, weil dieses Gute der Herr ist18.

(10)
Die Geister, welche, als sie in der Welt lebten, sich in jenem Glauben bestärkt hatten, daß das Gute, das sie tun, und das Wahre, das sie glauben, aus ihnen selbst sei oder ihnen als das ihrige zugeeignet worden sei (in welchem Glauben alle diejenigen sind, die ein Verdienst in Guttaten setzen und sich Gerechtigkeit zuschreiben), diese werden nicht in den Himmel aufgenommen; die Engel fliehen sie, betrachten sie als Stumpfsinnige und als Diebe; als Stumpfsinnige, weil sie in einem fort auf sich und nicht auf das Göttliche sehen, als Diebe, weil sie dem Herrn entziehen, was Ihm gehört. Diese sind wider den Glauben des Himmels, daß das Göttliche des Herrn bei den Engeln den Himmel mache.

(11)
Daß diejenigen, die im Himmel und in der Kirche sind, im Herrn seien und der Herr in ihnen, lehrt auch der Herr, indem Er sagt:

„Bleibet in Mir und Ich in euch; wie eine Rebe nicht Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in Mir bleibet. Ich bin der Weinstock, ihr die Reben; wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne Mich könnt ihr nichts tun“: Joh.15/4-7.

(12)
Hieraus kann nun erhellen, daß der Herr in dem Seinigen wohnt bei den Engeln des Himmels, und daß so der Herr alles in allem des Himmels ist; und zwar dies darum, weil das Gute vom Herrn der Herr bei ihnen ist; denn was aus Ihm ist, das ist Er selbst; daß mithin das Gute aus dem Herrn für die Engel der Himmel ist und nicht irgend etwas von ihrem Eigenen.

(4)

DAS GÖTTLICHE DES HERRN IM HIMMEL
IST DIE LIEBE ZU IHM UND DIE LIEBTÄTIGKEIT
GEGEN DEN NÄCHSTEN

(13)
Das vom Herrn ausgehende Göttliche wird im Himmel das göttlich Wahre genannt, aus einem im folgenden anzuführenden Grund. Dieses göttliche Wahre fließt in den Himmel ein vom Herrn aus Seiner göttlichen Liebe. Die göttliche Liebe und das göttliche Wahre aus ihr verhalten sich vergleichsweise wie in der Welt das Feuer der Sonne und das Licht aus: die Liebe wie das Feuer der Sonne, und das Wahre aus ihr wie das Licht aus der Sonne. Vermöge der Entsprechung bezeichnet auch das Feuer die Liebe und das Licht das aus ihr hervorgehende Wahre
19. Hieraus kann erhellen, welcherlei das aus der göttlichen Liebe des Herrn hervorgehende göttliche Wahre ist, daß es nämlich in seiner Wesenheit das göttliche Gute ist, verbunden mit dem göttlichen Wahren, und weil es verbunden ist, belebt es alles zum Himmel Gehörige, wie die mit dem Licht verbundene Sonnenwärme in der Welt alle Teile des Erdkörpers befruchtet, wie dies zur Zeit des Frühlings und des Sommers geschieht; anders, wann die Wärme nicht mit dem Licht verbunden, somit wenn das Licht kalt ist, dann erstarrt alles und liegt erstorben danieder. Jenes göttliche Gute, das der Wärme verglichen wurde, ist das Gute der Liebe bei den Engeln, und das göttliche Wahre, das dem Licht verglichen wurde, ist das, wodurch und woraus das Gute der Liebe [sich bildet].

(14)
Das Göttliche im Himmel, das diesen macht, ist die Liebe, weil die Liebe eine geistige Verbindung ist; sie verbindet die Engel mit dem Herrn und verbindet sie auch wechselweise unter sich; ja sie verbindet [sie] so, daß sie alle wie eines sind vor dem Auge des Herrn. Überdies ist die Liebe das eigentliche Sein des Lebens für jeden; weshalb aus ihr der Engel Leben hat und auch der Mensch Leben hat: daß aus der Liebe die innerste Lebenskraft [vitale] des Menschen herstammt, kann jeder wissen, der nachdenkt; denn infolge ihrer Gegenwart erwärmt er, infolge ihrer Abwesenheit erkaltet er, und infolge der gänzlichen Entziehung derselben stirbt er
20. Man muß jedoch wissen, daß bei jedem sein Leben so ist, wie seine Liebe ist.

(15)
Es gibt zweierlei unterschiedene Arten von Liebe im Himmel, eine Liebe zum Herrn und eine Liebe gegen den Nächsten; im innersten oder dritten Himmel ist die Liebe zum Herrn, und im zweiten oder mittleren Himmel ist die Liebe gegen den Nächsten; beide gehen vom Herrn aus, und beide machen den Himmel. Wie beiderlei Arten von Liebe sich unterscheiden und wie sie sich verbinden, stellt sich in hellem Licht heraus im Himmel, dagegen aber nur dunkel in der Welt; im Himmel wird unter „den Herrn lieben“ nicht verstanden, Ihn Seiner Person nach lieben, sondern das Gute lieben, das aus Ihm ist, und das Gute lieben heißt: das Gute aus Liebe wollen und tun; und unter „den Nächsten lieben“ wird nicht verstanden, den Genossen seiner Person nach lieben, sondern das Wahre lieben, das aus dem Wort ist, und das Wahre lieben heißt: das Wahre wollen und tun; hieraus erhellt, daß jene beiden Arten von Liebe sich unterscheiden wie das Gute und das Wahre, und daß sie sich verbinden wie das Gute mit dem Wahren
21. Allein dies geht schwer in die Vorstellung des Menschen ein, der nicht weiß, was Liebe, was Gutes und was der Nächste ist22.

(16)
Ich sprach hierüber einige Male mit Engeln, welche sagten, sie wundern sich, daß die Menschen der Kirche nicht wissen, daß den Herrn lieben und den Nächsten lieben ist, das Gute und Wahre lieben, und aus dem Wollen es tun, während sie doch wissen können, daß jeder seine Liebe bezeugt durch das Wollen und Tun dessen, was der andere will, und daß er so wieder geliebt und mit ihm verbunden wird, und nicht dadurch, daß er ihn liebt und gleichwohl seinen Willen nicht tut, was an sich nicht-lieben ist; und auch dies können sie wissen, daß das vom Herrn ausgehende Gute Sein Ebenbild ist, weil Er darin ist, und daß diejenigen Seine Ebenbilder werden und mit Ihm verbunden werden, die das Gute und Wahre zur Sache ihres Lebens machen durch das Wollen und Tun; wollen ist auch lieben zu tun. Daß dem so sei, lehrt auch der Herr im Wort, indem Er sagt:

„Wer Meine Gebote hat und sie tut, der ist es, der Mich liebt, und Ich werde ihn lieben und Wohnung bei ihm nehmen“: Joh.14/21,23;

und anderwärts:

„Wenn ihr Meine Gebote haltet, so werdet ihr in Meiner Liebe bleiben“: Joh.15/10,12.

(17)
Daß das vom Herrn ausgehende Göttliche, welches die Engel anregt und den Himmel macht, Liebe sei, bezeugt alle Erfahrung im Himmel; denn alle, die dort sind, sind Ausgestaltungen der Liebe und Liebtätigkeit, sie erscheinen in unaussprechlicher Schönheit, und Liebe leuchtet aus ihrem Antlitz, aus ihrer Rede und aus dem einzelnen ihres Lebens
23. Überdies gibt es geistige Strömungen [sphaerae] des Lebens, die aus jedem Engel und jedem Geist hervorgehen und sie umwallen, mittelst derer sie zuweilen in großer Entfernung erkannt werden, wie sie nämlich beschaffen sind hinsichtlich der Neigungen, die ihrer Liebe angehören; denn diese Strömungen entfließen dem Leben der Neigung und des Denkens aus dieser, oder dem Leben der Liebe und des aus dieser hervorgehenden Glaubens eines jeden; die aus den Engeln hervorgehenden Strömungen sind so voll Liebe, daß sie das Innerste des Lebens derer, bei denen sie sind, ergreifen; sie wurden einige Male von mir empfunden und regten mich also an24. Daß es die Liebe ist, aus der die Engel ihr Leben haben, ward auch daraus klar, daß jeder im anderen Leben sich seiner Liebe zukehrt; die in der Liebe zum Herrn und in der Nächstenliebe sind, wenden sich beständig dem Herrn zu; die aber in der Liebe zu sich sind, wenden sich beständig vom Herrn ab; dies geschieht bei jeder Wendung ihres Leibes; denn im anderen Leben verhalten sich die Räume gemäß den Zuständen ihres Inneren, ebenso die Himmelsgegenden, die hier nicht [hinsichtlich ihrer Lage] festgestellt sind wie in der Welt, sondern bestimmt werden gemäß der Richtung ihres Antlitzes: jedoch sind es nicht die Engel, die sich dem Herrn zuwenden, sondern der Herr ist es, Der diejenigen Sich zuwendet, die zu tun lieben, was aus Ihm ist25. Doch hierüber mehr im folgenden, wo von den Himmelsgegenden im anderen Leben [die Rede sein wird].

(18)
Das Göttliche des Herrn im Himmel ist Liebe, weil die Liebe das Aufnahmegefäß aller [Güter] des Himmels ist, welche sind Friede, Einsicht, Weisheit und Seligkeit; denn die Liebe nimmt alles und jedes in sich auf, was mit ihr übereinstimmt, sie sehnt sich nach demselben, sucht es auf und zieht es in sich wie von selbst; denn immer will sie durch dasselbe bereichert und vervollkommnet werden
26, was dem Menschen auch bekannt ist, denn die Liebe bei ihm ersieht sich und nimmt heraus aus den Dingen seines Gedächtnisses alles das, was [mit ihr] zusammenstimmt, und sammelt es, stellt es in sich und unter sich auf; in sich, damit es ihr eigen sei, und unter sich, damit es ihr diene; das übrige aber, das nicht [mit ihr] zusammenstimmt, wirft sie aus und entfernt es.

Daß der Liebe alle Fähigkeit innewohne, die mit ihr übereinstimmenden Wahrheiten in sich aufzunehmen, und das Verlangen, sie mit sich zu verbinden, war auch deutlich an solchen zu ersehen, die in den Himmel erhoben wurden; obwohl diese in der Welt einfältig waren, kamen sie doch in die Engelweisheit und in die Wonnen des Himmels, sobald sie unter die Engel [kamen]; und dies darum, weil sie das Gute und das Wahre um des Guten und Wahren willen geliebt und sie ihrem Leben eingepflanzt hatten und hierdurch fähig geworden waren, den Himmel mit all seinem Unaussprechlichen in sich aufzunehmen.

Diejenigen hingegen, die in der Liebe zu sich und zur Welt sind, sind in keiner Fähigkeit, sie aufzunehmen, sie haben eine Abneigung dagegen, stoßen dieselben von sich und entfliehen bei deren erstem Berühren und Einfließen und gesellen sich solchen in der Hölle bei, die mit ihnen in gleicher Art von Liebe stehen.

Es fanden sich Geister, welche zweifelten, ob dergleichen der himmlischen Liebe innewohne, und zu wissen verlangten, ob dem so sei; weshalb sie, unter einstweiliger Entfernung der Hindernisse, in den Zustand himmlischer Liebe versetzt und nach vorne hin in eine Ferne gebracht wurden, wo der Engelhimmel war, und von wo aus sie mit mir sprachen und sagten, sie fühlen eine Seligkeit, die inniger sei, als sie mit Worten ausdrücken können, sie bedauerten sehr, daß sie in ihren vorigen Zustand zurückkehren müßten.

Auch andere wurden in den Himmel erhoben, und so wie sie innerlicher oder höher gehoben wurden, traten sie auch in die Einsicht und Weisheit ein, so daß sie Dinge fassen konnten, die ihnen früher unbegreiflich waren.

Hieraus erhellt, daß die vom Herrn ausgehende Liebe das Aufnahmegefäß des Himmels und aller Dinge in ihm ist.

(19)
Daß die Liebe zum Herrn und die Liebe gegen den Nächsten alle göttlichen Wahrheiten in sich begreifen, kann aus dem erhellen, was der Herr selbst von diesen beiden Arten der Liebe gesagt hat, indem Er sprach:

„Du sollst deinen Gott lieben von deinem ganzen Herzen und von deiner ganzen Seele: dies ist das erste und größte Gebot; das zweite, das diesem gleich ist, ist, daß du deinen Nächsten lieben sollst wie dich selbst; an diesen zwei Geboten hängen das Gesetz und die Propheten“: Matth.22/37- 40.

Das Gesetz und die Propheten sind das ganze Wort, somit alles göttliche Wahre.

(5)

DER HIMMEL
IST IN ZWEI REICHE ABGETEILT

(20)
Weil im Himmel unendliche Mannigfaltigkeiten sind, und nicht eine Gesellschaft der anderen, ja nicht einmal ein Engel dem anderen ganz ähnlich ist
27, so wird der Himmel im allgemeinen, im besonderen und im einzelnen unterschieden; im allgemeinen in zwei Reiche, im besonderen in drei Himmel und im einzelnen in unzählige Gesellschaften; von jedem derselben wird in dem nun folgenden die Rede sein. Reiche heißen sie, weil der Himmel das Reich Gottes genannt wird.

(21)
Es gibt Engel, welche das vom Herrn ausgehende Göttliche mehr innerlich und [solche, die] es weniger [innerlich] aufnehmen; die es mehr innerlich aufnehmen, heißen himmlische Engel, die es aber weniger innerlich [aufnehmen], heißen geistige Engel; daher der Himmel unterschieden wird in zwei Reiche, deren eines genannt wird das himmlische Reich, das andere das geistige Reich
28.

(22)
Die Engel, welche das himmlische Reich ausmachen, werden, weil sie das Göttliche des Herrn mehr innerlich aufnehmen, innigere und auch höhere Engel genannt; und infolgedessen werden auch die Himmel, die aus ihnen bestehen, innigere und höhere genannt
29. Sie heißen höhere und niedrigere, weil das Innerliche und das Äußerliche so genannt wird30.

(23)
Die Liebe, in welcher die sind, die sich im himmlischen Reich befinden, heißt die himmlische Liebe; und die Liebe, in welcher die sind, die sich im geistigen Reich befinden, heißt die geistige Liebe; die himmlische Liebe ist die Liebe zum Herrn, und die geistige Liebe ist die Liebtätigkeit gegen den Nächsten. Und weil alles Gute Sache einer Liebe ist, indem, was jemand liebt, ihm Gutes ist, darum heißt auch das Gute des einen Reichs himmlisches und das des anderen geistiges Gute. Hieraus erhellt, worin sich jene beiden Reiche unterscheiden, nämlich wie das Gute der Liebe zum Herrn und das Gute der Liebtätigkeit gegen den Nächsten
31; und weil jenes Gute ein mehr innerliches Gute und jene Liebe eine innigere Liebe ist, darum sind die himmlischen Engel innigere Engel und heißen die höheren.

(24)
Das himmlische Reich heißt auch das priesterliche Reich des Herrn und im Wort Seine Wohnung, und das geistige Reich heißt Sein königliches Reich und im Wort Sein Thron; nach Seinem himmlisch Göttlichen wurde auch der Herr in der Welt Jesus und nach dem geistig Göttlichen Christus genannt.

(25)
Die Engel im himmlischen Reich des Herrn übertreffen weit an Weisheit und Herrlichkeit die Engel, die im geistigen Reich sind, und dies darum, weil sie das Göttliche des Herrn inniger aufnehmen; denn sie sind in der Liebe zu Ihm und daher Ihm näher und enger [mit Ihm] verbunden
32. Diese Engel sind so, weil sie die göttlichen Wahrheiten sogleich im Leben aufgenommen haben und aufnehmen, und nicht wie die geistigen nach vorgängigem Gedächtniswissen und Denken; weshalb dieselben ihren Herzen eingeschrieben sind und sie solche fühlen und gleichsam in sich schauen, und nie darüber Berechnungen anstellen [ratiocinantur], ob es so sei oder nicht so sei33; sie sind solche, welche bei Jeremia beschrieben werden:

„Ich werde Mein Gesetz in ihren Geist geben, und in ihr Herz es schreiben: nicht mehr wird jemand seinen Freund, noch jemand seinen Bruder lehren, sprechend: Erkennet den Jehovah; sie werden Mich erkennen vom Kleinsten derselben bis zum Größten derselben“: Jer.31/33,34. Und bei Jesajah heißen sie „von Jehovah Gelehrte“: Jes.54/13;

daß die von Jehovah Gelehrten die vom Herrn Gelehrten seien, lehrt der Herr selbst bei Joh.6/45,46.

(26)
Es ward gesagt, sie haben Weisheit und Herrlichkeit vor den übrigen, weil sie die göttlichen Wahrheiten sogleich im Leben aufnehmen; sobald sie nämlich selbige hören, wollen und tun sie solche auch, ohne sie im Gedächtnis niederzulegen, um dann nachzusinnen, ob es so sei; die so geartet sind, wissen alsbald durch einen Einfluß vom Herrn, ob das Wahre, das sie hören, wahr ist; denn der Herr fließt unmittelbar ein in das Wollen des Menschen und mittelbar durch das Wollen in sein Denken; oder was dasselbe ist, der Herr fließt unmittelbar ein in das Gute und mittelbar durch das Gute in das Wahre
34; denn Gutes heißt das, was Sache des Willens und aus diesem der Tat ist, Wahres hingegen, was Sache des Gedächtnisses und aus diesem des Denkens ist; auch wird alles Wahre in Gutes verwandelt und der Liebe eingepflanzt, sobald es in den Willen eingeht; solange aber das Wahre [nur] im Gedächtnis und aus diesem im Denken ist, wird es nicht Gutes, noch lebt es, noch wird es dem Menschen angeeignet, weil der Mensch Mensch ist vermöge des Willens und des Verstandes aus diesem und nicht vermöge des vom Willen getrennten Verstandes35.

(27)
Weil ein solcher Unterschied ist zwischen den Engeln des himmlischen Reiches und den Engeln des geistigen Reiches, so sind sie nicht beisammen, noch haben sie Umgang miteinander: es findet bloß eine Gemeinschaft statt durch die zwischen inne stehenden Engelgesellschaften, welche die geistig-himmlischen [coelestes spirituales] heißen; durch diese fließt das himmlische Reich in das geistige ein
36; daher kommt, daß der Himmel, obgleich er in zwei Reiche abgeteilt ist, dennoch einen einzigen ausmacht. Der Herr tut auch immer Vorsehung für solche vermittelnde Engel, durch die eine Gemeinschaft und Verbindung statt hat.     himmels-engel.de

(28)
Weil im folgenden von den Engeln des einen und des anderen Reiches umständlich gehandelt wird, so werden die Einzelheiten hier übergangen.

(6)

ES GIBT DREI HIMMEL

(29)
Es sind drei Himmel und diese untereinander völlig geschieden. Der innerste oder dritte, der mittlere oder zweite, und der unterste oder erste; sie folgen aufeinander und bestehen untereinander, wie das Oberste des Menschen, welches das Haupt heißt, sein Mittleres, welches der Leib, und das Unterste, welches die Füße sind; und wie der oberste Teil eines Hauses, sein mittlerer und sein unterster, in solcher Ordnung ist auch das Göttliche, das vom Herrn ausgeht und herabsteigt; daher ist infolge einer Notwendigkeit der Ordnung der Himmel in drei Teile geteilt.

(30)
Das Inwendige [interiora] des Menschen, welches das seines Gemütes [Mentis] und Charakters [Animi] ist, ist in ähnlicher Ordnung: er hat ein Innerstes, ein Mittleres und ein Letztes [ultimum]; denn in den Menschen sind, als er geschaffen wurde, alle [Stufen] der göttlichen Ordnung gelegt worden, so daß er zur göttlichen Ordnung im Bilde [in forma] und zu einem Himmel in kleinster Gestalt [effigie] wurde
37; darum auch steht der Mensch in Gemeinschaft mit den Himmeln nach seinem Inwendigen; und kommt auch unter die Engel nach seinem Tode, unter die Engel des innersten Himmels oder des mittleren oder des letzten, je nach der Aufnahme des göttlich Guten und göttlich Wahren vom Herrn, solange er in der Welt lebt.

(31)
Das Göttliche, das vom Herrn einfließt und im dritten oder innersten Himmel aufgenommen wird, heißt das Himmlische, und infolgedessen werden die Engel, die hier sind, himmlische Engel genannt; das Göttliche, das vom Herrn ausgeht und im zweiten oder mittleren Himmel aufgenommen wird, heißt das Geistige, und daher die Engel, welche hier sind, geistige Engel; das Göttliche aber, das vom Herrn einfließt und im untersten oder ersten Himmel aufgenommen wird, heißt das Natürliche; weil jedoch das Natürliche dieses Himmels nicht ist wie das Natürliche der Welt, sondern Geistiges und Himmlisches in sich hat, so heißt dieser Himmel der natürlich-geistige und -himmlische [Spirituale et Coeleste Naturale], und darum die Engel, die hier sind, die natürlich Geistigen und natürlich Himmlischen [Spirituales et Coelestes naturales]
38; natürlich Geistige [spirituales naturales] heißen, die den Einfluß aus dem mittleren oder zweiten Himmel aufnehmen, welcher der geistige Himmel ist, natürlich Himmlische aber [Coelestes naturales] heißen, die den Einfluß aus dem dritten oder innersten Himmel aufnehmen, welcher der himmlische Himmel ist; die natürlich-geistigen und die natürlich-himmlischen Engel sind unter sich abgeteilt, machen aber doch einen Himmel aus, weil sie auf einer [und derselben] Stufe stehen.

(32)
Es ist in jedem Himmel ein Inneres und ein Äußeres; die im Inneren sind, heißen dort innerliche Engel, die aber im Äußeren sind, heißen dort äußerliche Engel. Das Äußere und das Innere in den Himmeln oder in einem jeden Himmel verhalten sich wie das Wollende [Voluntarium] und dessen Verständiges [Intellectuale] beim Menschen, das Innere wie das Wollende, und das Äußere wie dessen Verständiges; alles Wollende hat sein Verständiges, das eine ohne das andere findet nicht statt; das Wollende verhält sich wie vergleichsweise die Flamme, und sein Verständiges wie das Licht aus ihr.

(33)
Wohl zu merken ist, daß das Inwendige [interiora] bei den Engeln macht, daß sie in dem einen oder in dem anderen Himmel sind; denn je mehr das Inwendige gegen den Herrn zu aufgeschlossen ist, in einem desto inwendigeren Himmel sind sie. Drei Stufen des Inwendigen gibt es bei jedem, sowohl dem Engel als dem Geist und auch beim Menschen; diejenigen, bei denen der dritte Grad aufgeschlossen ist, sind in dem innersten Himmel; bei denen der zweite oder nur der erste, die sind in dem mittleren oder dem äußersten Himmel: das Inwendige wird aufgeschlossen durch die Aufnahme des göttlichen Guten und dazu des göttlichen Wahren; die durch die göttlichen Wahrheiten angeregt werden und sie sogleich ins Leben, somit in den Willen und aus diesem in das Tun übergehen lassen, sind im innersten oder dritten Himmel, und hier je nach der Aufnahme des Guten infolge der Anregung des Wahren; die sie aber nicht sogleich in den Willen, sondern in das Gedächtnis und von da aus in den Verstand aufnehmen und aus diesem heraus sie wollen und tun, sind im mittleren oder zweiten Himmel; die aber moralisch leben und das Göttliche glauben und nicht so sehr sich angelegen sein lassen, unterrichtet zu werden, sind im untersten oder ersten Himmel
39. Hieraus kann erhellen, daß der Zustand des Inwendigen den Himmel macht, und daß der Himmel innerhalb eines jeden ist, und nicht außerhalb desselben, was auch der Herr lehrt, indem Er sagt:

„Nicht kommt das Reich Gottes so, daß es beobachtet werden könnte, noch wird man sagen: Siehe hier oder siehe da ! Denn sehet, ihr habt das Reich Gottes in euch“: Luk.17/20,21.

(34)
Auch nimmt alle Vollkommenheit zu nach innen, und nimmt ab nach außen zu, weil das Inwendige dem Göttlichen näher und in sich reiner, das Auswendige aber vom Göttlichen entfernter und in sich gröber ist
40. Die Engelvollkommenheit besteht in der Einsicht, in der Weisheit, in der Liebe und in allem Guten und in der Glückseligkeit daraus, nicht aber in einer Glückseligkeit ohne diese; denn die Glückseligkeit ohne sie ist äußerlich und nicht innerlich. Weil das Inwendige bei den Engeln des innersten Himmels im dritten Grad aufgeschlossen ist, so übertrifft ihre Vollkommenheit unendlich die Vollkommenheit der Engel im mittleren Himmel, deren Inwendiges im zweiten Grad aufgeschlossen ist; in gleicher Weise übertrifft die Vollkommenheit der Engel des mittleren Himmels die Vollkommenheit der Engel des letzten Himmels.

(35)
Weil ein solcher Unterschied besteht, so kann kein Engel des einen Himmels eingehen zu Engeln des anderen Himmels, oder es kann keiner aus einem niedrigeren Himmel hinaufsteigen, noch einer aus einem höheren Himmel herabsteigen; wer aus einem niederen Himmel hinaufsteigt, wird von einer bis zum Schmerz gehenden Bangigkeit ergriffen und kann die dort Befindlichen nicht sehen, noch weniger mit ihnen reden; und wer aus einem höheren Himmel herabsteigt, wird seiner Weisheit beraubt, stottert in seinen Reden und gerät in Verzweiflung. Es waren einige aus dem untersten Himmel, die noch nicht unterrichtet waren, daß der Himmel im Inwendigen des Engels liegt, und glaubten, sie würden in die höhere himmlische Seligkeit kommen, sobald sie nur in den Himmel [kämen], in dem dergleichen Engel sind; es ward ihnen auch gestattet, zu diesen einzugehen; als sie aber dort waren, sahen sie niemand, so sehr sie auch suchten, obwohl eine große Menge da war; denn das Inwendige der Ankömmlinge war nicht in demselben Grad aufgeschlossen, in dem das Inwendige der dort befindlichen Engel [geöffnet war], daher auch nicht ihr Gesicht; und bald nachher wurden sie von solcher Herzensangst befallen, daß sie kaum wußten, ob sie lebten oder nicht; weshalb sie sich schnell in den Himmel begaben, aus dem sie waren, und sich freuten, daß sie zu den Ihrigen kamen; sie gelobten, nicht mehr Höheres zu begehren, als mit ihrem Leben übereinstimmt. Ich sah auch solche, die aus einem höheren Himmel herabgelassen und ihrer Weisheit so sehr beraubt wurden, daß sie nicht wußten, welcherlei ihr Himmel war. Anders geschieht es, wenn der Herr irgendwelche aus einem niederen Himmel in einen höheren erhebt, damit sie die Herrlichkeit dort schauen, was öfter der Fall ist; dann werden sie erst vorbereitet und mit zwischen inne stehenden Engeln umgeben, durch die eine Gemeinschaft statthat. Hieraus erhellt, daß jene drei Himmel unter sich ganz geschieden sind.

(36)
Die aber in demselben Himmel sind, können mit allen und jeden in ihm Umgang haben, allein die Annehmlichkeiten des Umgangs verhalten sich gemäß den Verwandtschaften des Guten, in dem sie sind; doch hiervon in den folgenden Abschnitten.

(37)
Allein obgleich die Himmel so geschieden sind, daß die Engel des einen Himmels keinen Verkehr haben können mit den Engeln des anderen, so verbindet doch der Herr alle Himmel durch einen unmittelbaren und einen mittelbaren Einfluß, durch einen unmittelbaren Einfluß aus Ihm in alle Himmel und durch einen mittelbaren von einem Himmel in den anderen
41; und so bewirkt Er, daß die drei Himmel einer sind und alle in Zusammenhang stehen, vom ersten bis zum letzten, so daß es ein Verbandloses [inconnexum] [gar] nicht gibt; was nicht durch Mittelglieder mit dem ersten zusammenhängt, das besteht auch nicht, sondern löst sich auf und wird zu Nichts42.

(38)
Wer nicht weiß, wie es sich mit der göttlichen Ordnung hinsichtlich der Abstufungen [gradus] verhält, der kann auch nicht fassen, in welcher Weise die Himmel geschieden sind, ja nicht einmal, was der innere [internus] und der äußere Mensch [externus homo] ist. Die meisten in der Welt haben vom Inwendigen und vom Auswendigen oder vom Höheren und Niederen keinen anderen Begriff, als wie von einem Stetigen oder stetig Zusammenhängenden vom Reineren an bis zum Gröberen; allein das Inwendige [interiora] und das Auswendige [exteriora] verhalten sich nicht wie stetig Zusammenhängendes [continue], sondern wie Gesondertes [discrete]. Es gibt zweierlei Arten von Abstufungen [gradus], stetig fortlaufende Abstufungen und nicht stetig fortlaufende; die stetig fortlaufenden Abstufungen verhalten sich wie die Abstufungen der Abnahme des Lichtes von der Flammenhelle bis zu seinem Dunkel, oder wie die Abstufungen der Abnahme des Sehens von Gegenständen, die im Licht sind, bis zu solchen, die im Schatten sind, oder wie die Abstufungen der Reinheit der Atmosphäre von der untersten Schicht bis zur höchsten; die Abstände bestimmen diese Abstufungen. Dagegen die nicht stetig zusammenhängenden, sondern gesonderten Abstufungen sind voneinander getrennt wie das Frühere und das Spätere, wie die Ursache und wie die Wirkung und wie das Hervorbringende und das Hervorgebrachte; wer untersucht, wird sehen, daß in allem und jedem in der ganzen Welt, was nur irgend ist, solche Abstufungen der Hervorbringung und Zusammensetzung sind, daß nämlich von dem einen das andere und von dem anderen das dritte [wird], und so fort. Wer sich nicht einen Begriff von diesen Abstufungen verschafft, kann auch durchaus nicht die Unterschiede der Himmel erkennen, noch die Unterschiede der inneren und der äußeren Vermögen des Menschen, noch den Unterschied zwischen der geistigen Welt und der natürlichen Welt, noch den Unterschied zwischen dem Geist des Menschen und seinem Körper; und eben daher kann er auch nicht einsehen, was und woher die Entsprechungen und die Vorbildungen sind, noch wie der Einfluß beschaffen ist; die sinnlichen Menschen fassen diese Unterschiede nicht, denn sie machen die Zunahmen und Abnahmen auch nach diesen Abstufungen zu stetig fortlaufenden; daher sie das Geistige sich nicht anders denken können, denn als ein reineres Natürliches; weshalb sie auch draußen stehen und fern ab von der Einsicht
43.

(39)
Zuletzt darf noch ein gewisses Geheimnis von den Engeln der drei Himmel kundgegeben werden, das früher keinem in den Sinn kam, weil man die Abstufungen nicht verstand; daß nämlich bei jedem Engel und auch bei jedem Menschen eine innerste oder höchste Stufe oder ein Innerstes und Höchstes ist, in welches das Göttliche des Herrn zuerst und zunächst einfließt und aus welchem es das übrige Inwendige zurechtstellt, welches nach den Abstufungen der Ordnung bei ihm sich anreiht; dieses Innerste oder Höchste kann genannt werden der Eingang des Herrn zum Engel und zum Menschen und Seine eigentlichste Wohnung bei ihnen; durch dieses Innerste oder Höchste ist der Mensch (Mensch) und wird er von den unvernünftigen Tieren unterschieden, denn diese haben es nicht; daher kommt, daß der Mensch anders als die Tiere nach all seinem Inwendigen, welches das Gebiet seines Gemüts und seiner Gesinnung ist, vom Herrn zu Sich erhoben werden kann, daß er an Ihn glauben, von Liebe zu Ihm angeregt werden und so Ihn schauen, und daß er Einsicht und Weisheit in sich aufnehmen und aus der Vernunft heraus reden kann; daher kommt auch, daß er ewig fortlebt. Was aber in jenem Innersten in Ordnung gebracht und vorgesehen wird, fließt nicht deutlich ins Bewußtsein eines Engels ein, weil es über seinem Denken steht und seine Weisheit übersteigt.

(40)
Dies ist nun das Allgemeine von den drei Himmeln; im folgenden aber soll von jedem Himmel im Besonderen die Rede sein.

(7)

DIE HIMMEL BESTEHEN
AUS UNZÄHLIGEN GESELLSCHAFTEN

(41)
Die Engel eines jeden Himmels sind nicht [alle] an einem Ort beisammen, sondern in größere und kleinere Gesellschaften abgeteilt, je nach den Unterschieden des Guten der Liebe und des Glaubens, in dem sie sind; die in gleichem Guten sind, bilden eine Gesellschaft; das Gute in den Himmeln ist in unendlicher Mannigfaltigkeit; und jeder Engel ist wie sein Gutes
44.

(42)
Die Engelvereine in den Himmeln sind auch voneinander entfernt, je nachdem das Gute im allgemeinen und im besonderen verschieden ist; denn die Abstände in der geistigen Welt stammen aus keinem anderen Ursprung, als aus der Verschiedenheit des Zustandes des Inwendigen, somit in den Himmeln aus der Verschiedenheit der Zustände der Liebe; in großer Entfernung voneinander sind, die sehr verschieden sind, und in geringer Entfernung, die wenig verschieden sind; die Ähnlichkeit macht, daß sie beisammen sind
45.

(43)
Alle [einzelnen] in einer Gesellschaft sind in gleicher Weise voneinander verschieden; die vollkommener sind, das heißt, die voranstehen im Guten, somit in der Liebe, Weisheit und Einsicht, sind in der Mitte; die sich weniger hervortun, sind ringsherum, in einer Entfernung, gemäß den Graden, wie die Vollkommenheit geringer wird; es verhält sich damit wie mit dem Licht, das von der Mitte aus gegen die Umkreise hin abnimmt: die in der Mitte sind, sind auch im größten Licht, die gegen die Umkreise hin in immer geringerem.

(44)
Ähnliche werden wie von selbst zu ähnlichen geführt, denn sie sind bei ähnlichen wie unter den Ihrigen und wie zu Hause, bei anderen aber wie unter Fremden und wie außer dem Hause; sind sie bei ähnlichen, so sind sie auch in ihrer Freiheit und damit in allem Angenehmen des Lebens.

(45)
Hieraus erhellt, daß das Gute alle in den Himmeln zusammengesellt, und daß sie sich unterscheiden je nach dessen Beschaffenheit; gleichwohl jedoch sind es nicht die Engel, die sich so zusammentun, sondern der Herr ist es, von Dem das Gute kommt; Er führt sie, verbindet sie, scheidet sie ab und erhält sie in der Freiheit, insoweit [sie] im Guten [sind], somit jedem einzelnen im Leben seiner Liebe, seines Glaubens, seiner Einsicht und Weisheit, und infolgedessen in der Seligkeit
46.

(46)
Es kennen sich auch alle, die in ähnlichem Guten stehen, ganz wie die Menschen in der Welt ihre Verwandten, ihre Verschwägerten und ihre Freunde, obgleich sie dieselben nie zuvor gesehen haben; und dies darum, weil es im anderen Leben keine anderen Verwandtschaften, Schwägerschaften und Freundschaften gibt, als geistige, somit diejenigen der Liebe und des Glaubens
47. Das ist mir einige Male zu sehen gegeben worden, als ich im Geiste, also dem Körper entrückt und so im Umgang mit Engeln war, da sah ich einige, die mir wie von Kindheit an bekannt, andere aber, die mir als völlig unbekannt erschienen; die mir wie von Kindheit an bekannt erschienen, waren solche, die in einem dem Zustand meines Geistes ähnlichen Zustand; die mir aber unbekannt schienen, solche, die in unähnlichem waren.

(47)
Alle die, welche einen [und denselben] Engelverein bilden, sind von ähnlichem Angesicht im allgemeinen, aber nicht von ähnlichem im besonderen; wie es sich mit den Ähnlichkeiten im allgemeinen und den Verschiedenheiten im besonderen verhält, kann einigermaßen an dergleichen in der Welt ersehen werden; es ist bekannt, daß jedes Volk eine gemeinsame Ähnlichkeit im Gesicht und in den Augen hat, an der es erkannt und von einem anderen Volk unterschieden wird, und mehr noch eine Familie von der anderen; allein dies zeigt sich noch viel vollkommener in den Himmeln, weil dort alle inwendigen Regungen auf dem Angesicht erscheinen und aus ihm hervorleuchten; denn das Angesicht ist dort die äußere und vorbildliche Ausgestaltung derselben; ein anderes Antlitz zu haben als das seiner Regungen, geht im Himmel nicht an.

Es wurde auch gezeigt, wie die gemeinsame Ähnlichkeit sich im besonderen verändert in den einzelnen, die in einer und derselben Gesellschaft sind; es war ein engelartiges Gesicht, das mir erschien, und dieses veränderte sich nach den Neigungen des Guten und Wahren, wie sie bei denen waren, die sich in einer und derselben Gesellschaft befanden; diese Veränderungen setzten sich lange fort, und ich bemerkte, daß gleichwohl dasselbe Angesicht im allgemeinen als die Grundform blieb, und daß die übrigen bloß Ableitungen und Fortpflanzungen aus ihr waren; so wurden mir auch durch dieses Antlitz die Neigungen der ganzen Gesellschaft gezeigt, durch welche die Angesichter der in ihr Befindlichen verändert wurden; denn die Engelgesichter sind, wie oben gesagt worden, Ausgestaltungen ihres Inwendigen, somit der Neigungen, die mit ihrer Liebe und ihrem Glauben zusammenhängen.

(48)
Daher kommt auch, daß ein Engel, der durch seine Weisheit hervorragt, gleich im Angesicht des anderen sieht, welcher Art derselbe ist; nicht kann dort irgend jemand durch den Ausdruck seines Gesichtes das Inwendige verbergen und einen Schein annehmen, auch durchaus nicht lügen; noch durch List und Heuchelschein täuschen. Es geschieht zuweilen, daß in die Gesellschaften sich Heuchler einschleichen, die gelernt haben, ihr Inwendiges zu verbergen und ihr Äußeres so zu verstellen, daß es in der Gestalt des Guten erscheint, in dem die in der Gesellschaft Befindlichen sind, und so sich fälschlich als Engel des Lichtes hinzustellen; allein solche können nicht lange dort verweilen, denn sie fangen an, innerlich beängstigt und gequält zu werden, Totenblässe überzieht ihr Angesicht und sie werden wie entseelt; so werden sie verändert infolge der Entgegengesetztheit des Lebens, das einfließt und einwirkt; weshalb sie sich schnell in die Hölle hinabstürzen, in der ähnliche sind, und nicht mehr versuchen, heraufzusteigen; sie sind diejenigen, die verstanden werden unter jenem, der unter den zu Tische Liegenden und Geladenen als mit keinem hochzeitlichen Kleid angetan erfunden und in die äußerste Finsternis hinausgeworfen wurde: Matth.22/11f.

(49)
Alle Gesellschaften des Himmels stehen in Gemeinschaft miteinander, zwar nicht durch offenen Verkehr, denn wenige gehen aus ihrer Gesellschaft heraus in eine andere, weil das Herausgehen aus seiner Gesellschaft soviel ist, als das Herausgehen aus sich und seinem Leben und das Übergehen in ein anderes, das nicht so zusagt, allein sie stehen alle in Gemeinschaft durch die Ausdehnung der Strömung [sphaerae], die aus dem Leben eines jeden hervorgeht; die Lebensströmung ist die Strömung der Neigungen, die der Liebe und dem Glauben angehören; diese verbreitet sich in die Gesellschaften rings umher in die Länge und in die Breite, und zwar um so weiter und breiter, je innerlicher und vollkommener die Neigungen sind
48; je nach Verhältnis dieser Ausdehnung haben die Engel Einsicht und Weisheit; die im innersten Himmel, und zwar in dessen Mitte sind, haben eine Ausdehnung in den ganzen Himmel; daher findet eine Mitteilung aller [Güter] des Himmels an jeden einzelnen und jedes einzelnen an alle statt49. Doch von dieser Verbreitung wird weiter unten noch vollständiger gehandelt werden, wo [die Rede sein wird] von der himmlischen Form, nach der die Engelgesellschaften geordnet sind, und auch von der Weisheit und Einsicht der Engel; denn alle Verbreitung der Neigungen und Gedanken geht nach dieser Form vor sich.

(50)
Oben wurde gesagt, daß in den Himmeln größere und kleinere Gesellschaften seien; die größeren bestehen aus Myriaden, die kleineren aus einigen Tausenden, und die kleinsten aus einigen Hunderten von Engeln; es gibt auch solche, die einsam wohnen, gleichsam Haus und Haus, Familie und Familie; diese, obgleich sie so vereinzelt leben, sind doch in ähnlicher Weise geordnet, wie die in Gesellschaften, daß nämlich ihre Weiseren in der Mitte und die Einfältigeren an den Grenzen sind; diese sind näher unter der göttlichen Obhut des Herrn und unter den Engeln die besten.

(8)

JEDE EINZELNE GESELLSCHAFT
IST EIN HIMMEL IN KLEINERER GESTALT
UND JEDER EINZELNE ENGEL
IST ES IN DER KLEINSTEN

(51)
Jede einzelne Gesellschaft ist ein Himmel in kleinerer Gestalt und jeder einzelne Engel ist es in der kleinsten, weil das Gute der Liebe und des Glaubens es ist, was den Himmel macht, und dieses Gute in jeder Gesellschaft des Himmels und in jedem Engel der Gesellschaft ist; es tut der Sache keinen Eintrag, daß dieses Gute überall verschieden ist und wechselt, es ist doch das Gute des Himmels; der Unterschied ist nur, daß der Himmel hier so und dort so ist. Darum sagt man, wenn jemand in eine Gesellschaft des Himmels erhoben wird, er komme in den Himmel; und von denen, die dort sind, sie seien im Himmel und jeder in dem seinigen; dies wissen alle, die im anderen Leben sind, darum sagen auch die, welche außerhalb oder unterhalb des Himmels stehen und aus der Ferne dahin schauen, wo Versammlungen von Engeln sind, der Himmel sei hier und auch dort. Es verhält sich damit vergleichsweise wie mit den Großbeamten, Kammerherren und Dienern in einem königlichen Palast oder an einem Hof: obgleich sie alle besonders in ihren Wohnungen oder in ihrem Zimmer wohnen, der eine oben, der andere unten, so sind sie doch in einem Palast oder an einem Hof, jeder in seinem Beruf, dem König zu dienen. Hieraus erhellt, was verstanden wird unter den Worten des Herrn, daß

„in Seines Vaters Hause viele Wohnungen seien“: Joh.14/2,

und was unter den Wohnungen des Himmels und unter den Himmeln der Himmel bei den Propheten.

(52)
Daß jede einzelne Gesellschaft ein Himmel in kleinerer Form ist, konnte auch durchaus abgenommen werden, daß in jeder Gesellschaft eine ähnliche himmlische Form waltet, wie im ganzen Himmel; im ganzen Himmel sind in der Mitte, die sich vor den übrigen auszeichnen, und ringsumher bis zu den Grenzen sind in absteigender Ordnung die minder vorzüglichen, wie man dies im vorhergehenden Abschnitt Nr. 43 nachgewiesen sehen kann; und dann auch daraus, daß der Herr alle im ganzen Himmel Befindlichen führt, wie wenn sie ein Engel wären, und in gleicher Weise auch die in jeder einzelnen Gesellschaft Befindlichen; infolgedessen zuweilen auch eine ganze Engelsgesellschaft als eine Einheit in Engelsgestalt erscheint, was mir auch vom Herrn zu sehen gegeben wurde. Auch wenn der Herr inmitten der Engel erscheint, so erscheint Er nicht als von vielen umgeben, sondern als einer in Engelsgestalt; daher kommt, daß der Herr im Wort der Engel heißt, und ebenso eine ganze Gesellschaft; Michael, Gabriel und Raphael sind nichts [anderes] als Engelgesellschaften, die von ihren Verrichtungen so benannt werden
50.

(53)
Wie eine ganze Gesellschaft der Himmel in kleinerer Gestalt ist, so ist auch der Engel ein Himmel in kleinster; denn der Himmel ist nicht außerhalb des Engels, sondern innerhalb desselben; sein Inwendiges nämlich, das Gebiet seines Gemütes, ist zu einer Form des Himmels, somit zur Aufnahme aller Dinge des Himmels, die außerhalb seiner sind, eingerichtet worden; er nimmt sie auch in sich auf, je nach der Beschaffenheit des Guten, das in ihm ist aus dem Herrn; infolgedessen ist der Engel auch ein Himmel.

(54)
Man kann durchaus nicht sagen, der Himmel sei außerhalb jemandes, sondern innerhalb; denn jeder Engel nimmt je nach dem Himmel, der innerhalb seiner ist, den Himmel in sich auf, der außerhalb seiner ist. Hieraus erhellt, wie sehr sich täuscht, wer glaubt, in den Himmel kommen sei bloß unter die Engel erhoben werden, wie man auch immer nach seinem inwendigen Leben beschaffen sein möge, und daß somit der Himmel jedem aus unvermittelter Barmherzigkeit gegeben werde
51; während doch, sofern der Himmel nicht innerhalb jemandes ist, nichts vom Himmel, der außerhalb ist, einfließt und aufgenommen wird. Es gibt viele Geister, die in solcher Meinung stehen und deshalb auch ihres Glaubens wegen in den Himmel erhoben wurden; weil aber ihr inwendiges Leben dem Leben, in dem die Engel sind, entgegengesetzt war, so begannen sie, sobald sie dort waren, ihrem Verstand nach zu erblinden, so daß sie wie Dummköpfe wurden, und auch in ihrem Wollen sich so peinlich beengt zu fühlen, daß sie sich zuletzt wie Wahnsinnige gebärdeten: mit einem Wort, die ein böses Leben führen und in den Himmel geraten, kämpfen dort mit dem Atem und quälen sich ab, vergleichsweise wie Fische außerhalb des Wassers in der Atmosphäre, und sind wie Tiere in Luftpumpen im Äther nach ausgezogener Luft. Hieraus kann erhellen, daß der Himmel innerhalb und nicht außerhalb jemandes ist52.

(55)
Weil alle den Himmel, der außer ihnen ist, je nach Beschaffenheit des Himmels aufnehmen, der innerhalb ihrer ist, darum nehmen sie in gleicher Weise den Herrn auf, weil das Göttliche des Herrn den Himmel macht: daher kommt, daß der Herr, wenn Er Sich in einer Gesellschaft gegenwärtig darstellt, daselbst je nach der Beschaffenheit des Guten erscheint, in dem die Gesellschaft ist, also nicht in gleicher Weise in der einen Gesellschaft wie in der anderen: nicht als ob diese Ungleichheit im Herrn wäre, sondern in denen, die Ihn aus ihrem Guten, somit diesem gemäß sehen; sie werden auch durch Seine Erscheinung angeregt je nach der Beschaffenheit ihrer Liebe; die Ihn innigst lieben, werden innigst ergriffen, die Ihn weniger lieben, werden weniger angeregt; die Bösen, die außerhalb des Himmels sind, leiden Pein bei Seiner Gegenwart. Wenn der Herr in einer Gesellschaft erscheint, so erscheint Er daselbst als Engel; Er unterscheidet Sich aber von anderen durch das Göttliche, das hindurchscheint.

(56)
Der Himmel ist auch da, wo man den Herrn anerkennt, an Ihn glaubt und Ihn liebt; die Mannigfaltigkeit in Seiner Verehrung infolge der Mannigfaltigkeit des Guten in der einen und der anderen Gesellschaft bringt keinen Nachteil, sondern Vorteil; denn die Vollkommenheit des Himmels beruht auf ihr; daß die Vollkommenheit des Himmels davon abhängt, kann nur schwer der Fassungskraft nahe gebracht werden, wenn man nicht die in der gelehrten Welt gebräuchlichen Kunstwörter zu Hilfe nimmt und durch sie erklärt, wie die vollkommene Einheit sich aus dem Mannigfaltigen bildet: alle Einheit entsteht aus Mannigfaltigem; denn eine Einheit, die nicht aus Mannigfaltigem [besteht], ist kein Etwas, hat keine Form und darum auch keine Qualität: entsteht hingegen die Einheit aus Mannigfaltigem, und sind die mannigfaltigen [Bestandteile] in vollkommener Form, in der jegliches sich dem anderen als befreundetes Übereinstimmende der Reihe nach anschließt, dann hat sie eine vollkommene Qualität: auch der Himmel ist eine aus mannigfaltigen, in die vollkommenste Form zusammengeordneten Bestandteilen zusammengesetzte Einheit; denn die himmlische Form ist unter allen Formen die vollkommenste. Daß alle Vollkommenheit von daher stamme, zeigt sich an jeder Schönheit, Lieblichkeit und Anmut, die sowohl die Sinne als das Gemüt anregen; denn sie entstehen und kommen aus nichts anderem, als aus dem Zusammenklang und der Harmonie vieler einhelligen und übereinstimmenden Dinge, mögen nun diese gleichzeitig in Ordnung beisammen sein oder in Ordnung aufeinanderfolgen, und nicht aus einem ohne vieles: daher sagt man: die Mannigfaltigkeit ergötze, und weiß man, daß das Ergötzen sich je nach deren Beschaffenheit verhält; hieraus kann man wie im Spiegel sehen, woher die Vollkommenheit aus dem Mannigfaltigen kommt, auch im Himmel; denn aus den Dingen, die in der natürlichen Welt existieren, können wie im Spiegel die in der geistigen Welt befindlichen Dinge gesehen werden
53.

(57)
Von der Kirche kann ähnliches gesagt werden wie vom Himmel; denn die Kirche ist der Himmel des Herrn auf Erden: auch ihrer sind viele, und doch heißt jede einzelne eine Kirche und ist auch eine Kirche, inwieweit das Gute der Liebe und des Glaubens in ihr herrscht: der Herr macht auch hier aus Mannigfaltigem eine Einheit, somit aus vielen Kirchen eine
54. Gleiches, wie von der Kirche im allgemeinen, kann auch gesagt werden vom Menschen der Kirche im besonderen, daß nämlich die Kirche innerhalb des Menschen ist und nicht außerhalb desselben, und daß jeder Mensch eine Kirche ist, in dem der Herr gegenwärtig ist im Guten der Liebe und des Glaubens55. Gleiches, wie vom Engel, in dem der Himmel ist, kann auch gesagt werden vom Menschen, in dem die Kirche ist, daß er nämlich die Kirche in kleinster Gestalt sei, wie der Engel der Himmel in kleinster Gestalt ist: ja noch mehr, daß der Mensch, in dem die Kirche ist, ebenso wie der Engel ein Himmel ist; denn der Mensch ist dazu geschaffen, daß er in den Himmel komme und ein Engel werde; weshalb derjenige, der das Gute vom Herrn hat, ein Engelmensch ist56. Es darf erwähnt werden, was der Mensch gemein hat mit dem Engel, und was er vor den Engeln voraus hat: der Mensch hat gemein mit dem Engel, daß sein Inwendiges ebenso nach dem Bild des Himmels gebildet ist, und daß er auch ein Ebenbild des Himmels wird, inwieweit er im Guten der Liebe und des Glaubens ist; der Mensch hat vor den Engeln voraus, daß sein Äußeres nach dem Bild der Welt gebildet ist, und daß, insoweit als er im Guten ist, die Welt bei ihm dem Himmel untergeordnet wird und dem Himmel dient57; und daß alsdann der Herr bei ihm gegenwärtig ist in beiden wie in Seinem Himmel; denn Er ist bei beiden überall in Seiner göttlichen Ordnung, weil Gott die Ordnung ist58.

(58)
Endlich ist noch zu bemerken, daß, wer den Himmel in sich hat, nicht bloß den Himmel in seinem Größten oder Allgemeinen, sondern auch in seinem Kleinsten oder Einzelnen hat; und daß das Kleinste in ihm das Größte im Bilde darstellt; dies kommt daher, daß ein jeder seine Liebe ist und so geartet, wie seine herrschende Liebe; was herrscht, das fließt ins Einzelne ein und ordnet es und drückt überall sein Bild auf
59: in den Himmeln ist die Liebe zum Herrn die herrschende, weil dort der Herr über alles geliebt wird; daher ist der Herr dort alles in allem, Er fließt in alle und jede ein, bringt sie in Ordnung und zieht [ihnen] Sein Ebenbild an und macht, daß der Himmel ist, wo Er ist: darum ist der Engel ein Himmel in kleinster Form, die Gesellschaft in größerer, und alle Gesellschaften zusammengenommen in der größten. Daß das Göttliche des Herrn den Himmel macht, und daß es alles in allem ist, sehe man Nr. 7 - 12.

(9)

DER GESAMTE HIMMEL
IN EINER ZUSAMMENFASSUNG
STELLT EINEN MENSCHEN DAR

(59)
Daß der Himmel in seinem Gesamtumfang einen Menschen darstellt, ist ein in der Welt noch nicht bekanntes Geheimnis; in den Himmeln aber ist es ganz bekannt; es zu kennen, und zwar das Besondere und Einzelne davon, ist eine Hauptaufgabe der Einsicht der Engel in ihm; auch ist davon vieles abhängig, was ohne dasselbe als seinen gemeinsamen Grund nicht deutlich und klar in die Vorstellung ihres Geistes eingehen würde. Weil sie wissen, daß alle Himmel zugleich mit ihren Gesellschaften einen Menschen darstellen, so heißen sie auch den Himmel den Größten und den göttlichen Menschen
60; den göttlichen darum, weil das Göttliche des Herrn den Himmel macht; siehe Nr. 7 - 12.

(60)
Daß die himmlischen und die geistigen Dinge in diese Form und in dieses Bild zusammengeordnet und verbunden sind, können diejenigen nicht fassen, die von den geistigen und himmlischen Dingen keine richtige Vorstellung haben; sie denken, die irdischen und materiellen Dinge, welche das Äußerste des Menschen bilden, machen diesen aus, und ohne sie sei der Mensch nicht Mensch: allein sie mögen wissen, daß der Mensch nicht durch sie Mensch ist, sondern davon, daß er das Wahre einsehen und das Gute wollen kann; dieses ist das Geistige und Himmlische, das den Menschen ausmacht. Der Mensch weiß auch, daß jeder ein solcher Mensch ist, wie er seinem Verstand und Willen nach beschaffen ist; und auch das kann er wissen, daß sein irdischer Leib gebildet ist, diesen in der Welt zu dienen und ihnen in gleichförmiger Weise Nutzen zu schaffen in der untersten Sphäre der Natur; darum auch tut der Körper nichts aus sich, sondern wird in gänzlicher Nachgiebigkeit nach den Winken des Verstandes und des Willens getrieben, so sehr, daß der Mensch alles, was er nur denkt, auch mit der Zunge und dem Mund redet, und alles, was er will, auch mit dem Körper und den Gliedern ausführt, so daß der Verstand und der Wille das Tuende ist, und der Körper nicht im geringsten aus sich; hieraus erhellt, daß die zum Verstand und zum Willen gehörigen Dinge den Menschen ausmachen, und daß diese die gleiche Gestalt haben, weil sie in die einzelnsten Teile des Körpers einwirken wie das Innere ins Äußere; der Mensch heißt demnach von ihnen her ein innerer und geistiger Mensch. Ein solcher Mensch in größter und vollkommenster Gestalt ist der Himmel.

(61)
Eine solche Vorstellung haben die Engel vom Menschen, weshalb sie niemals auf das merken, was der Mensch mit dem Körper tut, sondern auf den Willen, aus dem heraus der Körper tätig ist; diesen nennen sie den eigentlichen Menschen, und den Verstand insoweit, als er mit dem Willen übereinwirkt
61.

(62)
Die Engel sehen zwar den Himmel nicht seinem ganzen Umfang nach in solcher Gestalt; denn der ganze Himmel fällt nicht ins Gesicht irgendeines Engels, wohl aber sehen sie zuweilen entlegene Gesellschaften, die aus vielen Tausenden von Engeln bestehen, als eines in solcher Gestalt; und aus der Gesellschaft als dem Teil schließen sie auf das Ganze [commune], welches der Himmel ist; denn in der vollkommensten Form verhalten sich die Ganzen [communia] wie die Teile und die Teile wie die Ganzen; der Unterschied ist nur wie zwischen dem größeren und dem kleineren Ebenbild [simile]. Daher sagen sie, der ganze Himmel sei so vor dem Auge des Herrn, weil das Göttliche aus dem Innersten und Obersten alles sieht.

(63)
Weil der Himmel so beschaffen ist, so wird er auch vom Herrn regiert wie ein Mensch und somit wie eines; denn es ist bekannt, daß der Mensch, obwohl er aus unzähligem Mannigfaltigen besteht, sowohl im ganzen als im Teil (im Ganzen aus Gliedmaßen, Organen und Eingeweiden; im Teil aus Reihen von Fibern, Nerven und Blutgefäßen; somit aus Gliedern innerhalb der Glieder und aus Teilen innerhalb der Teile), daß gleichwohl der Mensch, wenn er handelt, als einer handelt: von solcher Beschaffenheit ist auch der Himmel unter der Obhut und Leitung des Herrn.

(64)
Daß so viele verschiedene Dinge im Menschen als eines zusammenwirken [unum agant], kommt daher, daß in ihm nicht das Geringste ist, das nicht etwas zum gemeinen Wesen beitrüge und Nutzen leistete; das Allgemeine leistet Nutzen seinen Teilen und die Teile leisten Nutzen dem Allgemeinen; denn das Allgemeine besteht aus den Teilen und die Teile bilden das Allgemeine; weshalb sie füreinander sorgen, ihr Absehen aufeinander haben und in solcher Form miteinander verbunden werden, daß alles und jedes sich auf das Allgemeine und dessen Gutes bezieht; daher denn kommt, daß sie als eines zusammenwirken. Von ähnlicher Art sind die Gesellschaftsbildungen in den Himmeln; sie werden dort je nach den Nutzleistungen in ähnlicher Form verbunden; weshalb denn solche, die dem Allgemeinen nicht Nutzen schaffen, aus dem Himmel ausgestoßen werden, weil sie Fremdartiges sind. Nutzen schaffen heißt: anderen wohlwollen um des allgemeinen Besten willen, und nicht Nutzen schaffen heißt: anderen wohlwollen nicht um des allgemeinen Besten, sondern um seiner selbst willen; diese sind die, welche sich selbst über alles lieben, jene aber sind die, welche den Herrn über alles lieben; daher kommt, daß die, welche im Himmel sind, als eines zusammenwirken, nicht jedoch aus sich, sondern aus dem Herrn; denn sie sehen auf Ihn als den einzigen Urgrund, und auf Sein Reich als das Allgemeine, für das man sorgen soll; dies wird verstanden unter den Worten des Herrn:

„Suchet zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit, und alles wird euch hinzugefügt werden“: Matth.6/33.

Seine Gerechtigkeit suchen heißt, Sein Gutes [suchen]62. Die in der Welt das Beste des Vaterlandes mehr als ihr eigenes und das Beste des Nächsten wie das ihrige lieben, sind die, welche im anderen Leben das Reich des Herrn lieben und suchen; denn dort ist das Reich des Herrn an der Stelle des Vaterlandes; und die, welche anderen Gutes zu tun lieben, nicht um ihret-, sondern um des Guten willen, die lieben den Nächsten; denn dort ist das Gute der Nächste63; alle, die so geartet sind, sind im Größten Menschen, das ist, im Himmel.

(65)
Weil der ganze Himmel einen Menschen darstellt, und er auch der göttliche geistige Mensch in größter Form und auch im Abbild ist, darum wird der Himmel in Glieder und Teile unterschieden, wie der Mensch, und diese werden auch ebenso benannt. Die Engel wissen auch, in welchem Glied die eine Gesellschaft ist und in welchem Glied die andere ist; und sie sagen, diese Gesellschaft sei in einem Glied oder in einer Gegend des Hauptes, jene in einem Glied oder in einer Gegend der Brust, jene in einem Glied oder in einer Gegend der Lenden und so fort. Im allgemeinen bildet der oberste oder dritte Himmel das Haupt bis zum Hals; der mittlere oder zweite Himmel bildet die Brust bis zu den Lenden und Knien. Der unterste oder erste Himmel bildet die Beine bis zu den Fußsohlen und auch die Arme bis zu den Fingern, denn die Arme und Hände sind das Äußerste [ultima] des Menschen, obwohl von der Seite. Hieraus erhellt wiederum, warum der Himmel drei sind.   www.cosmic-people.com

(66)
Die Geister, die unterhalb des Himmels sind, wundern sich sehr, wenn sie hören und sehen, daß der Himmel sowohl unterhalb als oberhalb ist; denn sie sind in derselben Vorstellung und Meinung, in der die Menschen in der Welt sind, daß nämlich der Himmel nirgend anders als oberhalb sei; denn sie wissen nicht, daß die Lage der Himmel ist wie die Lage der Glieder, Organe und Eingeweide im Menschen, von denen einige oberhalb und einige unterhalb sind, und daß sie ist wie die Lage der Teile in einem Glied, Organ und Eingeweidestück, von denen einige innerhalb, andere außerhalb sind; daher sie in Verwirrung geraten in Beziehung auf den Himmel.

(67)
Diese Dinge vom Himmel als Größten Menschen sind angeführt worden, weil man ohne diese vorgängige Erkenntnis das, was [nun] über den Himmel folgt, durchaus nicht fassen, noch sich eine deutliche Vorstellung machen kann von der Gestalt des Himmels, von der Verbindung des Herrn mit dem Himmel, von der Verbindung des Himmels mit dem Menschen, auch nicht vom Einfluß der geistigen Welt in die natürliche, und gar keine von der Entsprechung, wovon jedoch in dem nun folgenden der Reihe nach gehandelt werden soll: weshalb denn, um hierin Licht zu geben, Obiges vorausgeschickt worden ist.

(10)

JEDE EINZELNE GESELLSCHAFT
IN DEN HIMMELN STELLT EINEN MENSCHEN DAR

(68)
Daß auch jede einzelne Gesellschaft des Himmels einen Menschen darstellt und ebenso die Gestalt eines Menschen hat, wurde mir mehrmals zu sehen gegeben: es war eine Gesellschaft, in die sich mehrere eingeschlichen hatten, die sich in Engel des Lichtes zu verstellen wußten; sie waren Heuchler. Als diese von den Engeln ausgeschieden wurden, sah ich, daß die ganze Gesellschaft zuerst wie eine dunkle Masse erschien, hernach allmählich in menschlicher Gestalt, [jedoch] noch dunkel, und zuletzt im Licht wie ein Mensch: die in dem Menschen waren und ihn ausmachten, waren diejenigen, die im Guten dieser Gesellschaft standen; die übrigen, welche nicht in diesem Menschen waren und ihn nicht ausmachten, waren die Heuchler; diese wurden ausgestoßen, jene beibehalten: so ging die Ausscheidung vor sich. Heuchler sind, die gut reden und auch gut handeln, im einzelnen aber ihr Absehen auf sich haben; sie reden wie die Engel vom Herrn, vom Himmel, von der Liebe, vom himmlischen Leben, und tun auch Gutes, damit es scheine, als wären sie so wie sie reden; sie denken aber anders, sie glauben nichts und wollen keinem wohl, als sich selbst; daß sie Gutes tun, geschieht um ihrer selbst willen; geschieht es um anderer willen, so ist es, um zu scheinen, und so ebenfalls um ihrer selbst willen.

(69)
Daß eine ganze Engelgesellschaft, wenn der Herr Sich als gegenwärtig darstellt, als eines in menschlicher Gestalt erscheint, ist mir auch zu sehen gegeben worden: es erschien in der Höhe gegen Aufgang eine vom Glänzendweißen ins Rote übergehende, von Sternchen umgebene Wolke, die sich niedersenkte; diese wurde allmählich, so wie sie sich senkte, immer lichter, und endlich sah man sie in vollkommen menschlicher Gestalt: die Sternchen rings um die Wolke waren Engel, die so erschienen vermöge des Lichtes aus dem Herrn.

(70)
Man muß wissen, daß, obschon alle, die in einer Gesellschaft des Himmels sind, zuweilen zusammengenommen als eines in Menschengestalt erscheinen, gleichwohl nicht eine Gesellschaft der gleiche Mensch ist wie eine andere; sie unterscheiden sich voneinander wie die menschlichen Gesichter aus einem Stamm; aus dem gleichen Grund, wovon Nr. 47, daß sie nämlich sich verschieden zeigen je nach den Verschiedenheiten des Guten, in dem sie sind und das sie gestaltet. In der vollkommensten und schönsten menschlichen Gestalt erscheinen die Gesellschaften, die im innersten oder obersten Himmel und dort in der Mitte sind.

(71)
Bemerkenswert ist, daß je mehrere in einem Verein des Himmels sind und zugleich als eines zusammenwirken, desto vollkommener dessen menschliche Gestalt ist; denn die in himmlische Form zusammengeordnete Mannigfaltigkeit macht die Vollkommenheit, wie dies Nr. 56 gezeigt worden ist; und Mannigfaltigkeit findet statt, wo viele sind. Auch nimmt jede Gesellschaft von Tag zu Tag an Zahl zu, und wie sie zunimmt, wird sie vollkommener; so wird nicht nur die Gesellschaft vervollkommnet, sondern auch der Himmel im allgemeinen, weil die Gesellschaften den Himmel ausmachen. Da nun der Himmel durch die zunehmende Menge vervollkommnet wird, so ist offenbar, wie sehr diejenigen irren, welche glauben, der Himmel werde seiner Fülle wegen geschlossen, während doch das Gegenteil stattfindet, daß er nämlich niemals geschlossen wird und daß die immer größer und größer werdende Fülle ihn vervollkommnet: weshalb die Engel nach nichts sich so sehr sehnen, als daß neue Engelgäste zu ihnen kommen mögen.

(72)
Jede einzelne Gesellschaft, wenn sie zusammen als eines erscheint, hat darum die Gestalt eines Menschen, weil der ganze Himmel diese Gestalt hat, wie man dies im vorhergehenden Abschnitt nachgewiesen sehen kann; und in der vollkommensten Form, wie dies die Form des Himmels ist, findet eine Ähnlichkeit der Teile mit dem Ganzen statt und des Kleineren mit dem Größten; das Kleinere und die Teile des Himmels sind die Gesellschaften, aus denen er besteht, und daß diese auch Himmel, nur in kleinerer Gestalt, sind, sehe man Nr. 51-58. Eine solche durchgängige Ähnlichkeit findet darum statt, weil in den Himmeln das Gute aller aus einer einzigen Liebe, somit aus einem einzigen Urquell stammt; diese eine Liebe, aus der alles Gute in ihm entspringt, ist die Liebe zum Herrn aus dem Herrn; daher kommt, daß der ganze Himmel Sein Ebenbild ist im allgemeinen, jede Gesellschaft im weniger allgemeinen und jeder Engel im besonderen; man sehe auch, was Nr. 58 hierüber gesagt worden ist.

(11)

JEDER ENGEL HAT DAHER
VOLLKOMMENE MENSCHENGESTALT

(73)
In den zwei vorhergehenden Abschnitten ist gezeigt worden, daß der Himmel im Gesamtumfang und ebenso jede einzelne Gesellschaft im Himmel einen Menschen darstellt; aus dem Zusammenhang der dort angeführten Ursachen geht hervor, daß auch jeder einzelne Engel diese Gestalt hat; wie der Himmel Mensch ist in größter Form und die Gesellschaft des Himmels in kleinerer, so ist es der Engel in der kleinsten; denn in der vollkommensten Form, wie dies die Form des Himmels ist, ist ein Ebenbild des Ganzen im Teil und des Teiles im Ganzen; dem ist aber darum so, weil der Himmel eine Gemeinschaft ist; denn er teilt all das Seinige mit jeglichem, und ein jeder empfängt aus der Gemeinschaft dieses alles [als] das Seinige; der Engel ist Aufnahmegefäß, und somit der Himmel in kleinster Gestalt, wie dies auch oben in seinem Abschnitt gezeigt worden ist. Auch der Mensch ist, inwieweit er den Himmel in sich aufnimmt, insoweit ein Aufnahmegefäß, ist ein Himmel und ist ein Engel; man sehe Nr. 57. Dies wird in der Offenbarung also beschrieben:

„Er maß die Mauer des heiligen Jerusalems, hundertvierundvierzig Ellen, das Maß eines Menschen, das ist, eines Engels“: Offb.21/17;

Jerusalem ist hier die Kirche des Herrn und in höherem Sinn der Himmel64; die Mauer ist das Wahre, das gegen den mutwilligen Angriff des Falschen und Bösen schützt65; die hundertvierundvierzig sind alle Wahrheiten und alles Gute im Inbegriff66; das Maß ist die Beschaffenheit desselben67; der Mensch ist es, in dem jenes alles im Allgemeinen und im Besonderen, in dem somit der Himmel ist; und weil auch der Engel Mensch ist durch jene, darum heißt es das Maß eines Menschen, das ist eines Engels; dies ist der geistige Sinn jener Worte; wer würde ohne diesen Sinn verstehen, daß die Mauer des heiligen Jerusalem das Maß eines Menschen, das ist eines Engels sein soll ?68

(74)
Doch nun zur Erfahrung; daß die Engel menschliche Gestalten oder Menschen sind, habe ich tausend Male gesehen, denn ich sprach mit ihnen wie ein Mensch mit dem Menschen, bald mit einem, bald mit mehreren in Gesellschaft, und ich sah durchaus nichts an ihnen, das vom Menschen hinsichtlich der Gestalt unterschieden wäre; und einige Male wunderte ich mich, daß sie so waren; und damit man nicht sagen möge, es sei eine Täuschung oder ein Gebilde der Phantasie, wurde mir gegeben, sie zu sehen, als ich in vollem wachen oder in vollem Gefühl des Körpers und im Zustand des klaren Bewußtseins war. Öfter erzählte ich ihnen auch, die Menschen in der Christenheit seien hinsichtlich der Engel und der Geister in so tiefer Unwissenheit, daß sie glauben, diese seien Geistwesen [mentes] ohne Gestaltung und bloße Gedanken, von denen sie keine andere Vorstellung haben, als von etwas Ätherischem, in dem Lebenskraft ist, und weil sie ihnen so nichts vom Menschen zuerkennen als die Denkfähigkeit, so glauben sie, sie sehen nicht, weil sie keine Augen haben, sie hören nicht, weil sie keine Ohren haben, und sie reden nicht, weil sie keinen Mund und keine Zunge haben. Hierauf sagten die Engel, sie wissen, daß in der Welt viele diesen Glauben haben, und daß er herrsche bei den Gelehrten und selbst auch, worüber sie sich wunderten, bei den Geistlichen; sie sagten auch die Ursache, daß nämlich die Gelehrten, welche die Vortreter waren und zuerst eine solche Vorstellung von den Engeln und Geistern ausbrüteten, aus dem Sinnlichen des äußeren Menschen darüber dachten; die aber aus diesem Denken und nicht aus dem inneren Licht und aus der allgemeinen Idee, die jedem eingepflanzt ist, müssen notwendig solcherlei Dinge ersinnen, weil das Sinnliche des äußeren Menschen nichts anderes faßt, als was innerhalb der Natur ist, nicht aber, was über ihr ist, somit durchaus nichts von der geistigen Welt
69; von diesen Vortretern als den Führern ging die falsche Vorstellung von den Engeln auf andere über, die nicht aus sich, sondern aus jenen dachten; die aber zuerst aus anderen denken und [deren Meinungen] zu ihrem Glauben machen und erst nachher sie mit ihrem Verstand beschauen, können nur schwer wieder davon abgehen; weshalb die meisten sich dabei beruhigen, sie zu bekräftigen. Weiter sagten sie, daß die ihrem Glauben und Herzen nach Einfältigen nicht in jener Vorstellung von den Engeln [befangen] seien, sondern sich dieselben als die Menschen des Himmels vorstellen, und dies darum, weil sie das ihnen Eingepflanzte, das aus dem Himmel ist, nicht durch die Gelehrsamkeit ausgelöscht haben, und auch nichts Gestaltloses sich denken können; daher kommt, daß die Engel in den Kirchen, seien sie nun ausgehauen oder gemalt, nicht anders denn als Menschen dargestellt werden. Von dem Eingepflanzten, das aus dem Himmel ist, sagten sie, es sei das Göttliche, das bei denen einfließt, die im Guten des Glaubens und des Lebens sind.     www.universe-people.com

(75)
Nach aller Erfahrung, die ich nun schon viele Jahre hindurch gehabt habe, kann ich sagen und versichern, daß die Engel ihrer Gestalt nach völlig Menschen sind, daß sie Angesicht, Augen, Ohren, Brust, Arme, Hände, Füße haben; daß sie sich gegenseitig sehen, hören, miteinander reden, mit einem Wort, daß ihnen durchaus nichts fehlt, was zum Menschen gehört, als daß sie nicht mit einem materiellen Leib überkleidet sind; ich sah sie in ihrem Licht, welches das Mittagslicht in der Welt um viele Grade übertrifft, und in ihm alle Züge ihres Gesichts bestimmter und deutlicher, als die Gesichter der Menschen auf Erden gesehen wurden. Es wurde mir auch gegeben, einen Engel des innersten Himmels zu sehen, sein Antlitz war schöner und glänzender als das der Engel der unteren Himmel; ich betrachtete ihn genau, er hatte menschliche Gestalt in aller Vollkommenheit.

(76)
Man muß jedoch wissen, daß die Engel vom Menschen nicht gesehen werden können durch die Augen seines Körpers, sondern durch die Augen des Geistes, der im Menschen ist
70, weil dieser in der geistigen Welt ist und alles zum Körper Gehörige in der natürlichen Welt; Gleiches sieht Gleiches, weil aus Gleichem; überdies ist das Gesichtsorgan des Körpers, welches das Auge ist, so grob, daß es nicht einmal die kleineren Gegenstände der Natur anders als durch Vergrößerungsgläser sieht, wie jedem bekannt ist; noch weniger also die Dinge, die über der Natursphäre sind, wie dies bei allen der Fall ist, die in der geistigen Welt sind: gleichwohl jedoch werden diese vom Menschen gesehen, wenn er dem Gesicht des Körpers entrückt und ihm das Gesicht seines Geistes geöffnet wird, was auch augenblicklich geschieht, wenn es dem Herrn gefällt, daß sie gesehen werden; und dann weiß der Mensch nicht anders, als daß er sie sehe mit den Augen des Körpers; so wurden die Engel gesehen von Abraham, Lot, Manoach und den Propheten; so auch wurde der Herr nach der Auferstehung von den Jüngern gesehen: in gleicher Weise sind auch von mir die Engel gesehen worden. Weil die Propheten so sahen, darum wurden sie Seher genannt und [Männer], denen die Augen geöffnet sind, 1Sa.9/9; 4Mo.24/3; und machen, daß sie so sehen, hieß die Augen öffnen, wie dies dem Knaben Elisas geschah, von dem man also liest:

„Elisa betete und sprach: Jehovah, öffne doch seine Augen, daß er sehe; und als Jehovah die Augen seines Knaben öffnete, sah er, und siehe, der Berg war voll von feurigen Rossen und Wagen um Elisa her“: 2Kö.6/17.

(77)
Gute Geister, mit denen ich auch über diesen Gegenstand sprach, bedauerten von Herzen, daß innerhalb der Kirche eine solche Unwissenheit in betreff des Zustandes des Himmels und hinsichtlich der Geister und der Engel war, und sie sagten unwillig, ich sollte in alle Wege berichten, daß sie nicht gestaltlose Geistwesen, noch luftige Gebilde seien, sondern Menschen in voller Gestalt, und daß sie ebenso hören, sehen und empfinden wie die in der Welt
71.

(12)

DAß DER HIMMEL IM GANZEN
UND IN SEINEN TEILEN EINEN MENSCHEN DARSTELLT,
RÜHRT VOM GÖTTLICH-MENSCHLICHEN DES HERRN HER

(78)
Daß es vom Göttlich-Menschlichen des Herrn herrühre, daß der Himmel im Ganzen und in seinen Teilen einen Menschen darstellt, ergibt sich als Schlußfolge aus all dem, was in den vorhergehenden Abschnitten gesagt und gezeigt worden ist; in den vorangegangenen Abschnitten wurde nämlich gezeigt,

I. Daß der Herr der Gott des Himmels ist;

II. Daß das Göttliche des Herrn den Himmel macht;

III. Daß der Himmel aus unzähligen Gesellschaften besteht, und daß jede Gesellschaft ein Himmel in kleinerer Gestalt ist und jeglicher Engel einer in der kleinsten;

IV. Daß der gesamte Himmel in einer Zusammenfassung einen Menschen darstellt;

V. Daß auch jegliche Gesellschaft im Himmel einen Menschen darstellt;

VI. Daß daher jeglicher Engel vollkommene Menschengestalt hat;

dies alles führt zu dem Schluß, daß das Göttliche, weil es den Himmel macht, das Menschliche in [seiner] Gestalt ist. Daß dieses das Göttlich-Menschliche des Herrn sei, kann aus dem, was als Zugabe aus den »Himmlischen Geheimnissen« aufgenommen und zusammengestellt worden ist, noch deutlicher ersehen werden, weil es im Auszug [gegeben] ist. Daß das Menschliche des Herrn göttlich ist und [daß] nicht, wie man innerhalb der Kirche glaubt, Sein Menschliches nicht göttlich sei, kann ebenfalls aus diesem Zusammentrag ersehen werden, sowie auch aus der Lehre des heiligen Jerusalems am Ende, wo vom Herrn gehandelt wird.

(79)
Daß dem so sei, ist mir durch viele Erfahrung bewährt worden, wovon einiges in dem nun folgenden. Alle Engel, die in den Himmeln sind, erkennen das Göttliche nirgends in einer anderen Gestalt, als der menschlichen; und was wunderbar ist, die in den oberen Himmeln sind, können sich das Göttliche gar nicht anders denken; sie werden in diese Denknotwendigkeit geführt durch das Göttliche selbst, welches einfließt, sowie auch durch die Form des Himmels, nach der ihre Gedanken sich rings umher ausbreiten, denn jeder Gedanke, den die Engel haben, hat eine Ausbreitung in den Himmel, und nach Maßgabe dieser Ausbreitung haben sie Einsicht und Weisheit; daher kommt, daß alle daselbst den Herrn anerkennen; weil es ein Göttlich-Menschliches nur in Ihm gibt. Dies ist mir nicht nur von den Engeln gesagt, sondern auch selbst zu erkennen gegeben worden, als ich in die inwendige Sphäre des Himmels erhoben wurde. Hieraus erhellt, daß die Engel, je weiser sie sind, um so deutlicher dies erkennen, und daher kommt, daß der Herr ihnen erscheint; denn der Herr erscheint in göttlicher Engelsgestalt, welche die menschliche ist, denen, die ein schaubares Göttliches, nicht aber denen, die ein unschaubares Göttliches anerkennen und glauben; denn jene können ihr Göttliches schauen, diese aber können es nicht.

(80)
Weil die Engel nicht ein unschaubares Göttliches, das sie ein formloses Göttliches nennen, sondern ein schaubares Göttliches in menschlicher Gestalt erkennen, darum ist ihnen gewöhnlich zu sagen, daß der Herr allein Mensch sei und sie [nur] Menschen seien von Ihm her, und daß jeder insoweit Mensch sei, als er Ihn in sich aufnimmt; unter den Herrn aufnehmen verstehen sie das Gute und Wahre in sich aufnehmen, das von Ihm ist, weil der Herr in Seinem Guten und in Seinem Wahren ist; dies nennen sie auch Weisheit und Einsicht; sie sagen, jeder wisse, daß Einsicht und Weisheit den Menschen machen und nicht das Angesicht ohne diese. Daß dem so sei, erscheint auch an den Engeln der inneren Himmel; weil diese vom Herrn im Guten und Wahren sind und hieraus in der Weisheit und Einsicht, sind sie auch in der schönsten und vollkommensten Menschengestalt, und die Engel der unteren Himmel in minder vollkommener und minder schöner: umgekehrt aber in der Hölle; die, welche dort sind, erscheinen im Licht des Himmels kaum als Menschen, sondern als Ungeheuer, denn sie sind im Bösen und Falschen und nicht im Guten und Wahren und daher in den Gegensätzen der Weisheit und Einsicht, weshalb auch ihr Leben nicht Leben heißt, sondern geistiger Tod.

(81)
Weil der Himmel im Ganzen und in seinen Teilen einen Menschen darstellt, vermöge des Göttlich-Menschlichen des Herrn, darum sagen die Engel, sie seien im Herrn, und einige, sie seien in Seinem Leib, worunter sie das Sein im Guten Seiner Liebe verstehen; wie auch der Herr selbst lehrt, indem Er sagt:

„Bleibet in mir, und Ich in euch; wie die Rebe nicht Frucht bringen kann von sich selber, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in Mir bleibet; denn ohne Mich könnet ihr nichts tun; bleibet in Meiner Liebe; wenn ihr Meine Gebote haltet, so werdet ihr in Meiner Liebe bleiben“: Joh.15/4-10.

(82)
Weil solch ein Begriff [perceptio] vom Göttlichen in den Himmeln ist, so ist auch jedem Menschen, der einigen Einfluß aus dem Himmel in sich aufnimmt, eingepflanzt, sich Gott unter menschlicher Gestalt zu denken; dies taten die Alten, dies tun auch die jetzt Lebenden, sowohl außerhalb als innerhalb der Kirche; die Einfältigen sehen Ihn in Gedanken als einen Alten in Lichtglanz. Allein dieses Eingepflanzte haben alle diejenigen ausgelöscht, die den Einfluß aus dem Himmel durch die eigene Verständigkeit und durch ein Leben des Bösen entfernt haben; die ihn durch die eigene Verständigkeit ausgelöscht haben, wollen einen unschaubaren Gott; die [ihn] aber durch ein Leben des Bösen [ausgelöscht, wollen] keinen Gott; jene und diese wissen nicht, daß es ein solches Eingepflanztes gibt, weil es nicht bei ihnen ist, während es doch das himmlisch Göttliche selbst ist, das vorzugsweise [primario] aus dem Himmel bei den Menschen einfließt, weil der Mensch zum Himmel geboren ist, und niemand in den Himmel kommt ohne die Idee des Göttlichen.

(83)
Daher kommt, daß, wer nicht in der Idee des Himmels, das heißt nicht in der Idee des Göttlichen ist, aus dem der Himmel [entstanden] ist, nicht bis zur ersten Schwelle des Himmels erhoben werden kann; sobald er dahin kommt, empfindet er Widerstand und starken Gegendruck; der Grund hiervon ist, daß das Inwendige bei ihm, das den Himmel aufnehmen sollte, verschlossen ist, weil es sich nicht in der Form des Himmels befindet, ja sich um so fester verschließt, je näher er dem Himmel kommt. Ein solches Los trifft diejenigen innerhalb der Kirche, die den Herrn und welche, wie die Socinianer, Sein Göttliches leugnen; welches Los aber denjenigen zuteil werde, die außerhalb der Kirche geboren sind, denen der Herr nicht bekannt ist, weil sie das Wort nicht haben, wird man im folgenden sehen.

(84)
Daß die Alten von dem Göttlichen die Vorstellung des Menschlichen gehabt haben, erhellt aus den Erscheinungen des Göttlichen vor Abraham, Lot, Josua, Gideon, Manoach, dessen Weib und anderen, welche, obwohl sie Gott als einen Menschen gesehen hatten, Ihn dennoch als den Gott des Weltalls anbeteten, indem sie Ihn den Gott des Himmels und der Erde und Jehovah nannten; daß es der Herr war, Der von Abraham gesehen wurde, lehrt Er selbst bei Joh.8/56; daß auch [Er es war, Der] den übrigen [erschien], erhellt aus den Worten des Herrn,

„daß niemand den Vater und Seine Gestalt gesehen, noch Seine Stimme gehört habe“: Joh.1/18; 5/37.

(85)
Daß aber Gott Mensch sei, kann von denen, die über alles aus dem Sinnlichen des äußeren Menschen urteilen, nur schwer begriffen werden, denn der sinnliche Mensch kann über das Göttliche nicht anders als aus der Welt und aus den in ihr befindlichen Dingen denken, also den göttlichen und den geistigen Menschen sich nur als eine körperlichen und natürlichen vorstellen; demgemäß schließt er so: wäre Gott Mensch, so müßte Er so groß sein wie das Weltall, und würde Er den Himmel und die Erde regieren, so müßte dies in der Weise der Könige in der Welt durch viele geschehen; wollte man ihm sagen, im Himmel sei keine Ausdehnung des Raumes wie in der Welt, so würde er es durchaus nicht fassen; denn wer aus der Natur und bloß aus ihrem Licht denkt, denkt durchaus nicht anders als nach dem Ausgedehnten, wie es vor den Augen liegt; allein solche täuschen sich gar sehr, wenn sie vom Himmel ebenso denken: das Ausgedehnte, das dort ist, ist nicht wie das Ausgedehnte in der Welt; in der Welt ist das Ausgedehnte abgegrenzt und darum meßbar, im Himmel aber ist das Ausgedehnte nicht abgegrenzt und darum nicht meßbar; doch über das Ausgedehnte im Himmel wird man im folgenden, wo vom Raum und der Zeit in der geistigen Welt [die Rede sein wird, weiteres] sehen. Überdies weiß jeder, wie weit die Sehkraft des Auges sich erstreckt, nämlich bis zur Sonne und zu den Sternen, die [doch] so weit entfernt sind; wer höher denkt, weiß auch, daß das innere Sehen, welche das des Denkens ist, sich noch weiter erstreckt, und somit das noch inwendigere Sehen noch weiter [reicht]: um wie viel weiter also das göttliche Sehen, welches das allerinnerste und höchste ist ? Da nun die Gedanken solcher Ausdehnung fähig sind, so werden auch alle Dinge des Himmels mit jeglichem in ihm geteilt, somit alles, was zum Göttlichen gehört, das den Himmel macht und ihn erfüllt, wie dies in den vorhergehenden Abschnitten gezeigt worden ist.

(86)
Die im Himmel wunderten sich, daß sich diejenigen Menschen für aufgeklärt [intelligentes] halten, die, wenn sie an Gott denken, sich ein unschaubares, unter keiner Gestalt erfaßbares Wesen denken; und daß sie die Andersdenkenden Beschränkte, ja selbst Einfältige nennen, während doch das Gegenteil statthat. Sie sagen, wenn doch solche, die sich deshalb für aufgeklärt halten, sich prüfen möchten, ob sie nicht statt Gottes die Natur sehen, einige diejenige, die vor Augen liegt, andere diejenige, die nicht vor Augen liegt, und ob ihre Blindheit nicht so weit gehe, daß sie nicht wissen, was Gott, was ein Engel, was ein Geist, was ihre nach dem Tode fortlebende Seele, was das Leben des Himmels beim Menschen, und vieles andere ist, das zur Einsicht gehört; während doch dies alles die von ihnen so genannten Einfältigen auf ihre Weise wissen, indem sie von ihrem Gott die Idee haben, daß Er das Göttliche in menschlicher Gestalt sei, vom Engel, daß er ein himmlischer Mensch sei, von ihrer Seele, die nach dem Tode fortleben soll, daß sie wie ein Engel sei, und vom Leben des Himmels beim Menschen, daß es soviel sei als nach den göttlichen Geboten leben; daher denn diese bei den Engeln aufgeklärt und für den Himmel geschickt, jene aber im Gegenteil beschränkt heißen.

(13)

Gesammeltes aus den
»Himmlischen Geheimnissen«
über den Herrn und
Sein Göttlich-Menschliches

Der Herr hatte das Göttliche schon von der Empfängnis her [ex ipsa conceptione] Nr. 4641, 4963, 5041, 5157, 6716, 10125. Der Herr allein hatte den göttlichen Samen, Nr. 1438. Seine Seele war Jehovah, Nr. 1999, 2004, 2005, 2018, 2025. So war das Innerste des Herrn das Göttliche selbst und die Umhüllung von der Mutter, Nr. 5041. Das Göttliche Selbst war das Sein des Lebens des Herrn, aus dem danach das Menschliche hervorging; und das Dasein aus diesem Sein wurde, Nr. 3194, 3210, 10370, 10372.

Innerhalb der Kirche, wo das Wort und durch dieses der Herr bekannt ist, darf das Göttliche des Herrn nicht geleugnet werden, noch das aus Ihm hervorgehende Heilige, Nr. 2359. Die innerhalb der Kirche den Herrn nicht anerkennen, haben keine Verbindung mit dem Göttlichen; anders [ist es bei denen], die außerhalb der Kirche sind, Nr. 10205. Das Wesentliche der Kirche ist, das Göttliche des Herrn und Seine Vereinigung mit dem Vater anerkennen, Nr. 10083, 10112, 10370, 10730, 10738, 10816-10818, 10820.

Im Wort wird mit vielem von der Verherrlichung des Herrn gehandelt, Nr. 10828, und überall im inneren Sinn des Wortes, Nr. 2249, 2523, 3245. Der Herr hat Sein Menschliches verherrlicht und nicht das Göttliche, weil dieses an sich schon verherrlicht war, Nr. 10057. Der Herr kam in die Welt, um Sein Menschliches zu verherrlichen, Nr. 3637, 4286, 9315. Der Herr hat Sein Menschliches verherrlicht durch die göttliche Liebe, die von der Empfängnis her in Ihm war, Nr. 4727. Die Liebe des Herrn zum ganzen Menschengeschlecht war das Leben des Herrn in der Welt, Nr. 2253. Die Liebe des Herrn übersteigt jeden menschlichen Verstand, Nr. 2077. Der Herr hat das menschliche Geschlecht dadurch errettet, daß Er Sein Menschliches verherrlichte, Nr. 4180, 10019, 10152, 10655, 10659, 10828. Sonst wäre das ganze Menschengeschlecht des ewigen Todes gestorben, Nr. 1676. Vom Stand der Verherrlichung und der Erniedrigung des Herrn, Nr. 1785, 1999, 2159, 6866. Die Verherrlichung, wenn vom Herrn die Rede ist, ist die Vereinigung Seines Menschlichen mit dem Göttlichen, und verherrlichen heißt: göttlich machen, Nr. 1603, 10053, 10828. Der Herr zog, als Er Sein Menschliches verherrlichte, alles Menschliche von der Mutter aus, bis dahin, daß Er nicht mehr ihr Sohn war, Nr. 2159, 2574, 2649, 3036, 10830.

Der Sohn Gottes von Ewigkeit war das göttlich Wahre im Himmel, Nr. 2628, 2798, 2803, 3195, 3704. Der Herr machte, als Er in der Welt war, auch Sein Menschliches zum göttlich Wahren aus dem göttlich Guten, das in Ihm war, Nr. 2803, 3194, 3195, 3210, 6716, 6864, 7014, 7499, 8127, 8724, 9199. Der Herr brachte damals alles bei Sich in die himmlische Form, die dem göttlich Wahren gemäß ist, Nr. 1928, 3633. Darum ward der Herr das Wort genannt, welches das göttlich Wahre ist, Nr. 2533, 2818, 2859, 2894, 3393, 3712. Der Herr allein hatte ein Wahrnehmen und Denken aus Sich selbst, und erhaben über alles Wahrnehmen und Denken der Engel, Nr. 1904, 1914, 1919.

Der Herr vereinigte das göttlich Wahre, das Er selbst [war], mit dem göttlich Guten, das in Ihm [war], Nr. 10047, 10052, 10076. Die Vereinigung war eine wechselseitige, Nr. 2004, 10067. Der Herr hat, als Er aus der Welt ging, auch Sein Menschliches zum göttlich Guten gemacht, Nr. 3210, 3736, 6864, 7499, 8724, 9199, 10076. Dies wird verstanden unter dem, daß Er vom Vater ausging und zum Vater zurückging, Nr. 3194, 3210. So ist Er eines geworden mit dem Vater, Nr. 2751, 3704, 4766. Nach der Vereinigung geht das göttlich Wahre vom Herrn aus, Nr. 3704, 3712, 3969, 4577, 5704, 7499, 8127, 8241, 9199, 9398. Wie das göttlich Wahre hervorgehe, ins Licht gesetzt, Nr. 7270, 9407. Der Herr vereinigte aus eigener Macht das Menschliche mit dem Göttlichen, Nr. 1616, 1749, 1752, 1813, 1921, 2025, 2026, 2523, 3141, 5005, 5045, 6716. Hieraus kann erhellen, daß das Menschliche des Herrn nicht war wie das Menschliche eines anderen Menschen, weil Er aus dem Göttlichen Selbst empfangen war, Nr. 10125, 10826. Seine Vereinigung mit dem Vater, aus dem Seine Seele [war], war nicht wie zwischen Zweien, sondern wie zwischen Seele und Leib, Nr. 3737, 10824.

Die Allerältesten [Antiquissimi, die Urmenschen] konnten nicht das göttliche Sein [Esse] anbeten, sondern das göttliche Dasein [Existere], welches das Göttlich-Menschliche ist, und der Herr kam dazu in die Welt, um das göttliche Dasein aus dem göttlichen Sein zu werden, Nr. 4687, 5321. Die Alten [Antiqui] erkannten das Göttliche an, weil es ihnen in menschlicher Gestalt erschien, und dies war ihnen das Göttlich-Menschliche, Nr. 5110, 5663, 6846, 10737. Das unendliche Sein konnte nicht in den Himmel bei den Engeln noch bei den Menschen einfließen, außer durch das Göttlich-Menschliche, Nr. 1646, 1990, 2016, 2034. Im Himmel wird kein anderes Göttliche erkannt als das Göttlich-Menschliche, Nr. 6475, 9267, 9303, 10067. Das Göttlich-Menschliche von Ewigkeit war das göttlich Wahre im Himmel und das durch den Himmel hindurchgehende Göttliche, somit das göttliche Dasein [Existere], das nachher im Herrn zum göttlichen Sein an sich [per se] wurde, aus dem das göttliche Dasein im Himmel, Nr. 3061, 6280, 6880, 10579. Wie der Zustand des Himmels vor der Ankunft des Herrn beschaffen war, Nr. 6371-6373. Das Göttliche war nicht erfaßbar [perceptibile] außer nachdem es durch den Himmel hindurchgegangen war, Nr. 6982, 6996, 7004.

Die Bewohner aller Weltkörper beten das Göttliche unter menschlicher Gestalt, somit den Herrn an, Nr. 6700, 8541-8547, 10736-10738. Sie freuen sich, wenn sie hören, daß Gott wirklich Mensch geworden sei, Nr. 9361. Der Herr nimmt alle auf, die im Guten sind und das Göttliche in menschlicher Gestalt anbeten, Nr. 9359. Gott kann nicht gedacht werden, außer in menschlicher Gestalt, und was unbegreiflich ist, fällt in keine Vorstellung, somit auch nicht in den Glauben, Nr. 9359, 9972. Der Mensch kann verehren, wovon er eine Vorstellung hat, nicht aber, wovon er keine hat, Nr. 4733, 5110, 5633, 7211, 9356, 10067. Darum wird von den meisten auf dem ganzen Erdkreis [in universo terrarum orbe]das Göttliche unter menschlicher Gestalt verehrt, und zwar geschieht dies infolge eines Einflusses aus dem Himmel, Nr. 10159. Alle, die dem Leben nach im Guten sind, denken sich, wenn sie an den Herrn denken, das Göttlich-Menschliche und nicht ein vom Göttlichen getrenntes Menschliche; anders diejenigen, die kein gutes Leben führen, Nr. 2326, 4724, 4731, 4766, 8878, 9193, 9198. Das Menschliche des Herrn ohne das Göttliche denken heutzutage in der Kirche diejenigen, die ihrem Leben nach im Bösen sind, dann auch die, welche in einem von der Liebtätigkeit getrennten Glauben sind, und sie fassen nicht, was das Göttlich-Menschliche [sein soll]: Gründe [warum], Nr. 3212, 3241, 4689, 4692, 4724, 4731, 5321, 6372, 8878, 9193, 9198. Daß das Menschliche des Herrn göttlich sei, weil es aus dem Sein des Vaters [gebildet wurde], das Ihm Seele [war], verdeutlicht durch die Ähnlichkeit des Vaters in seinen Kindern, Nr. 10269, 10372, 10823. Und weil es aus der göttlichen Liebe [gebildet wurde], die das eigentliche Sein [ipsum Esse] seines Lebens von der Empfängnis her war, Nr. 6872. Jeglicher Mensch ist so wie seine Liebe, und er ist seine Liebe, Nr. 6872, 10177, 10284. Der Herr hat all Sein Menschliches, sowohl das innere als das äußere, göttlich gemacht, Nr. 1603, 1815, 1902, 1926, 2083, 2093. Darum ist Er auch Seinem ganzen Körper nach auferstanden, anders als irgendein Mensch, Nr. 1729, 2083, 5078, 10825.

Daß das Menschliche des Herrn göttlich ist, wird erkannt aus Seiner Allgegenwart im heiligen Abendmahl, Nr. 2343, 2359. Und aus Seiner Verklärung vor den drei Jüngern, Nr. 3212, sowie auch aus dem Wort des Alten Testaments, sofern Er dort Gott heißt, Nr. 10154 sowie Jehovah, Nr. 1603, 1736, 1815, 1902, 2921, 4738, 5110, 6281, 6303, 8864, 9194, 9315. Im Buchstabensinn wird unterschieden zwischen Vater und Sohn oder Jehovah und dem Herrn, nicht aber im inneren Sinn des Wortes, in dem die Engel des Himmels sind, Nr. 3035. Daß man in der Christenheit das Menschliche des Herrn nicht als göttlich anerkannte, geschah in der Kirchenversammlung des Papstes wegen, damit dieser als Sein Stellvertreter anerkannt würde, Nr. 4738.

Die Christen wurden im anderen Leben geprüft, welcherlei Vorstellung sie von dem einen Gott hätten, und man fand, daß sie die Vorstellung dreier Götter haben, Nr. 2329, 5256, 10736-10738, 10821. Eine Dreifaltigkeit [Trinitas] oder ein dreifaltiges Göttliche [Trinum Divinum] in einer Person kann begriffen werden und in dieser Weise ein Gott, nicht aber in drei Personen, Nr. 10738, 10821, 10824. Ein dreifaches Göttliche im Herrn wird anerkannt im Himmel, Nr. 14, 15, 1729, 2005, 5256, 9303. Das Dreifaltige im Herrn ist das Göttliche Selbst, das der Vater heißt, das Göttlich-Menschliche, das der Sohn, und das ausgehende Göttliche, das der Heilige Geist [heißt], und dieses dreifache Göttliche ist Eines, Nr. 2149, 2156, 2288, 2321, 2329, 2447, 3704, 6993, 7182, 10738, 10822, 10823. Der Herr selbst lehrt, daß der Vater und Er eines seien, Nr. 1729, 2004, 2005, 2018, 2025, 2751, 3704, 3736, 4766, und daß das heilige Göttliche von Ihm ausgehe, und daß es das Seine sei, Nr. 3969, 4673, 6788, 6993, 7499, 8127, 8302, 9199, 9228,9229, 9270, 9407, 9818, 9820, 10330.

Das Göttlich-Menschliche fließt in den Himmel ein und macht den Himmel, Nr. 3038. Der Herr ist alles im Himmel und ist das Leben des Himmels, Nr. 7211, 9128. Der Herr wohnt in dem Seinigen bei den Engeln, Nr. 9338, 10125, 10151, 10157. Daher sind die, welche im Himmel sind, im Herrn, Nr. 3637, 3638. Die Verbindung des Herrn mit den Engeln verhält sich gemäß der Aufnahme des Guten der Liebe und Liebtätigkeit von Ihm, Nr. 904, 4198, 4205, 4211, 4220, 6280, 6832, 7042, 8819, 9680, 9682, 9683, 10106, 10811. Der gesamte Himmel bezieht sich auf den Herrn, Nr. 551, 552. Der Herr ist der gemeinsame Mittelpunkt des Himmels, Nr. 3633. Alle dort kehren sich dem Herrn zu, Der über den Himmeln ist, Nr. 9828, 10130, 10189. Doch kehren nicht die Engel sich dem Herrn zu, sondern der Herr kehrt dieselben Sich zu, Nr. 10189. Es ist nicht eine Gegenwart der Engel beim Herrn, sondern eine Gegenwart des Herrn bei den Engeln, Nr. 9415. Es findet im Himmel keine Verbindung mit dem Göttlichen Selbst statt, sondern mit dem Göttlich-Menschlichen, Nr. 4211, 4724, 5633.

Der Himmel entspricht dem Göttlich-Menschlichen des Herrn, und daher ist der Himmel in seiner Gesamtheit wie ein Mensch, und darum wird der Himmel der Größte Mensch genannt, Nr. 2996, 2998, 3624-3649, 3741-3745, 4625. Der Herr ist der alleinige Mensch, und nur diejenigen sind Menschen, die das Göttliche von Ihm aufnehmen, Nr. 1894. Inwieweit sie [Ihn] aufnehmen, insoweit sind sie Menschen und Seine Ebenbilder, Nr. 8547. Darum sind die Engel Formen der Liebe und Liebtätigkeit in menschlicher Gestalt, und zwar dies vom Herrn, Nr. 3804, 4735, 4797, 4985, 5199, 5530, 9879, 10177.

Der gesamte Himmel ist des Herrn, Nr. 2751, 7086. Sein ist alle Gewalt in den Himmeln und auf Erden, Nr. 1607, 10089, 10827. Weil der Herr den gesamten Himmel regiert, so regiert Er auch alles, was von diesem abhängt, somit alles in der Welt, Nr. 2026, 2027, 4523, 4524. Der Herr allein hat die Macht, die Höllen zu entfernen, [die Macht] vom Bösen abzuhalten und im Guten zu erhalten, somit selig zu machen, Nr. 10019.

(14)

ES BESTEHT EINE ENTSPRECHUNG
ALLER TEILE DES HIMMELS MIT
ALLEN TEILEN DES MENSCHEN

(87)
Was Entsprechung [correspondentia] sei, weiß man heutzutage nicht; daß man es nicht weiß, rührt von mehrerlei Ursachen her; die hauptsächlichste ist, daß der Mensch sich vom Himmel entfernt hat durch die Liebe zu sich und zur Welt; denn wer sich und die Welt über alles liebt, der hat sein Absehen auf nichts anderes, als auf weltliche Dinge, weil diese den äußeren Sinnen schmeicheln und die Genußsucht ergötzen, nicht aber auf die geistigen Dinge, weil diese die inneren Sinne ansprechen und das Gemüt erfreuen; weshalb man diese von sich stößt und sagt, sie seien zu hoch, als daß sie Gegenstand des Denkens sein könnten. Anders verhielten sich die Alten; ihnen war die Wissenschaft der Entsprechungen die vornehmste aller Wissenschaften; durch sie auch gelangten sie zur Einsicht und Weisheit; und die Angehörigen der Kirche hatten durch sie Gemeinschaft mit dem Himmel; denn die Wissenschaft der Entsprechungen ist eine Engelwissenschaft. Die Urmenschen [Antiquissimi], die himmlische Menschen waren, dachten, wie die Engel, aus der Entsprechung selbst; darum auch redeten sie mit den Engeln und darum erschien ihnen öfter der Herr und unterrichtete sie. Heutzutage aber ist diese Wissenschaft so ganz verloren gegangen, daß man nicht mehr weiß, was Entsprechung ist
72.

(88)
Da nun ohne die Kenntnis dessen, was Entsprechung ist, nichts im Licht erkannt werden kann von der geistigen Welt, noch von ihrem Einfluß in die natürliche, noch auch nur, was das Geistige ist gegenüber dem Natürlichen, noch etwas im Licht vom Geist des Menschen, den man die Seele nennt, und von seiner Einwirkung auf den Körper, noch vom Zustand des Menschen nach dem Tod; so muß gesagt werden, was Entsprechung ist und wie sie beschaffen ist: so wird dann auch der Weg zum folgenden gebahnt.

(89)
Zuerst also soll gesagt werden, was Entsprechung ist: die ganze natürliche Welt entspricht der geistigen Welt; nicht nur die natürliche Welt im allgemeinen, sondern auch im einzelnen; weshalb alles, was in der natürlichen Welt aus der geistigen entsteht [existit], Entsprechendes heißt. Man muß wissen, daß die natürliche Welt aus der geistigen Welt entsteht und besteht, ganz wie die Wirkung aus ihrer wirkenden Ursache. Natürliche Welt heißt all das Ausgedehnte, das unter der Sonne ist und aus ihr Wärme und Licht empfängt, und zu dieser Welt gehört alles, was von jener aus besteht. Die geistige Welt aber ist der Himmel und zu dieser Welt gehört alles, was in den Himmeln ist.

(90)
Weil der Mensch der Himmel und auch die Welt in kleinster Gestalt ist, nach dem Bild des Größten [man sehe Nr. 57], darum ist bei ihm die geistige Welt und die natürliche Welt: das Inwendige, das zu seinem Gemüt gehört und sich auf Verstand und Willen bezieht, macht seine geistige Welt aus; das Auswendige aber, das zu seinem Körper gehört, und sich auf dessen Sinne und Handlungen bezieht, macht seine natürliche Welt aus. Alles daher, was in seiner natürlichen Welt, das heißt, in seinem Körper und dessen Sinnen und Handlungen, aus seiner geistigen Welt, das heißt, aus seinem Gemüt und dessen Verstand und Willen, entsteht, heißt Entsprechendes.

(91)
Welcherlei die Entsprechung sei, kann man beim Menschen an seinem Angesicht sehen; in einem Gesicht, das sich nicht zu verstellen gelernt hat, stellen sich alle Regungen des Gemüts in natürlicher Gestalt wie im Abdruck dar (daher das Angesicht der Angeber des Gemüts genannt wird), somit seine geistige Welt in seiner natürlichen Welt; ebenso die Dinge des Verstandes in der Rede; und die Dinge des Willens in den Bewegungen des Körpers. Das also, was im Körper vorgeht, sei es im Angesicht, sei es in der Rede, sei es in den Gebärden, heißt Entsprechung.

(92)
Hieraus kann man auch sehen, was der innere Mensch und was der äußere ist; daß nämlich der innere Mensch derjenige ist, welcher der geistige Mensch, und der äußere derjenige, welcher der natürliche Mensch genannt wird. Dann auch, daß der eine vom anderen unterschieden ist, wie der Himmel von der Welt, sowie auch, daß alles, was im äußeren oder natürlichen Menschen geschieht und entsteht, vom inneren oder geistigen Menschen her geschieht und entsteht.

(93)
Im Bisherigen ist die Rede gewesen von der Entsprechung des inneren oder geistigen Menschen mit seinem äußeren oder natürlichen; im folgenden soll nun gehandelt werden vom Entsprechungsverhältnis des ganzen Himmels zu den Einzelteilen des Menschen.

(94)
Es ist gezeigt worden, daß der ganze Himmel einen Menschen darstellt, und daß er ein Mensch im Bilde ist und darum auch der Größte Mensch heißt; es ist auch gezeigt worden, daß infolgedessen die Engelgesellschaften, aus denen der Himmel besteht, geordnet sind wie die Gliedmaßen, Organe und inneren Teile im Menschen, und daß es demnach solche gibt, die sich im Haupt, solche, die sich in der Brust, solche, die sich in den Armen, und solche, die sich in deren einzelnen Teilen befinden, (man sehe Nr. 59 - 72). Die Gesellschaften nun, die sich in einem gewissen Glied daselbst befinden, entsprechen dem gleichen Glied im Menschen; so z.B. die dort im Haupt sind, entsprechen dem Haupt am Menschen; die dort in der Brust sind, entsprechen der Brust am Menschen; und die dort in den Armen sind, entsprechen den Armen am Menschen; und so bei den übrigen; infolge dieser Entsprechung besteht der Mensch; denn der Mensch hat nirgend anderswoher sein Bestehen als aus dem Himmel.

(95)
Daß der Himmel in zwei Reiche abgeteilt ist, deren eines das himmlische Reich heißt, das andere das geistige Reich, sehe man oben in seinem Abschnitt: das himmlische Reich entspricht im allgemeinen dem Herzen und allem, was im ganzen Leib zum Gebiet des Herzens gehört; und das geistige Reich entspricht der Lunge und allem, was im ganzen Körper zu ihr gehört. Das Herz und die Lunge bilden auch zwei Reiche im Menschen; das Herz regiert in ihm durch die Schlag- und Blutadern und die Lunge durch die Nerven- und Bewegfibern, beide in jeglicher Kraft und Bewegung. In jedem Menschen sind auch in seiner geistigen Welt, die sein geistiger Mensch heißt, zwei Reiche; das eine ist das des Willens und das andere das des Verstandes; der Wille regiert durch die Neigungen zum Guten, der Verstand durch die Neigungen zum Wahren; diese Reiche entsprechen auch den Reichen des Herzens und der Lunge im Körper: ebenso in den Himmeln; das himmlische Reich ist das Wollende des Himmels, und in ihm herrscht das Gute der Liebe, und das geistige Reich ist das Verständige des Himmels, und in ihm herrscht das Wahre: diese sind das, was den Verrichtungen des Herzens und der Lunge im Menschen entspricht. Von dieser Entsprechung rührt her, daß das Herz im Wort den Willen und auch das Gute der Liebe bezeichnet, und das Atemholen der Lunge den Verstand und das Wahre des Glaubens; daher kommt auch, daß dem Herzen Neigungen zugeschrieben werden, obgleich sie nicht in ihm sind und nicht aus ihm kommen
73.

(96)
Das Entsprechungsverhältnis der zwei Reiche des Himmels zum Herzen und der Lunge ist das allgemeine Entsprechungsverhältnis des Himmels zum Menschen; ein weniger allgemeines aber ist das zu den einzelnen Gliedmaßen, Organen und inneren Teilen desselben; und welcherlei dieses sei, soll nun auch gesagt werden: Diejenigen im Größten Menschen, das ist im Himmel, die sich im Haupt befinden, sind vor den übrigen in allem Guten; denn sie sind in der Liebe, im Frieden, in der Unschuld, Weisheit, Einsicht, und hieraus in der Freude und Seligkeit; diese fließen in das Haupt und in alle Dinge ein, die beim Menschen zum Haupt gehören, und entsprechen ihnen. Diejenigen im Größten Menschen, das ist im Himmel, die sich in der Brust befinden, sind im Guten der Liebtätigkeit und des Glaubens und fließen auch in die Brust des Menschen ein und entsprechen ihr. Diejenigen aber im Größten Menschen oder dem Himmel, die sich in den Lenden und in den Zeugungsorganen daselbst befinden, sind in der ehelichen Liebe. Die in den Füßen sich befinden, sind im letzten Guten des Himmels, welches Gute das geistig Natürliche heißt. Die sich in den Armen und Händen befinden sind in der Macht des Wahren aus dem Guten. Die in den Augen Befindlichen sind im Verstand. Die in den Ohren sind im Aufmerken und Gehorsam. Die in der Nase sind in der Wahrnehmung [in perceptione]. Die im Mund und in der Zunge Befindlichen sind in der Redefertigkeit [in sermocinatione] aus dem Verstand und der Wahrnehmung. Die in den Nieren Befindlichen sind in dem sichtenden, ausscheidenden und zurechtweisenden Wahren. Die in der Leber, Gekrösedrüse und Milz Befindlichen sind in mannigfaltiger Reinigung des Guten und Wahren: anders wieder bei den übrigen. Sie fließen in die ähnlichen Teile des Menschen ein und entsprechen ihnen. Der Einfluß des Himmels geht in die Verrichtungen [functiones] und Nutzzwecke [usus] der Glieder ein, und die Nutzzwecke, weil sie aus der geistigen Welt stammen, gestalten sich in solche Dinge, die in der natürlichen Welt sind, und stellen sich so in der Wirkung dar; daher rührt die Entsprechung.

(97)
Daher kommt, daß durch ebendieselben Gliedmaßen, Organe und inneren Teile [viscerea] im Wort ähnliches bezeichnet wird, denn in diesem hat alles seine Bedeutung gemäß den Entsprechungen; durch das Haupt wird daher die Einsicht und Weisheit bezeichnet; durch die Brust die Liebtätigkeit; durch die Lenden die eheliche Liebe; durch die Arme und Hände die Macht des Wahren; durch die Füße das Natürliche; durch die Augen der Verstand; durch die Nase die Wahrnehmung [perceptio]; durch die Ohren der Gehorsam; durch die Nieren die Sichtung [lustratio] des Wahren, und so weiter
74. Daher kommt auch, daß der Mensch zu sagen pflegt, wenn von einem Einsichtsvollen und Weisen [die Rede ist], er habe Kopf; von demjenigen, der in der Liebtätigkeit steht, er sei ein Busenfreund; von demjenigen, der in der Wahrnehmung ist, er habe eine scharfe Nase; von dem, der in der Einsicht ist, er habe ein scharfes Auge; von dem, der in der Macht ist, er habe weitreichende [oder lange] Hände; von dem, der aus Liebe will, [er wolle es] von Herzen; diese und viele andere Redensarten des Menschen rühren von der Entsprechung her; denn dergleichen stammen aus der geistigen Welt, obgleich der Mensch es nicht weiß.

(98)
Daß ein solches Entsprechungsverhältnis aller Dinge des Himmels zu allen Dingen des Menschen statthabe, ist mir durch vielfältige Erfahrung gezeigt worden, und zwar durch so häufige, daß ich davon als von einer ganz augenscheinlichen und unbezweifelbaren Sache völlig überzeugt worden bin; sie aber ganz hier anzuführen, ist nicht nötig, noch auch der Menge wegen zulässig; man kann sie angeführt finden in den »Himmlischen Geheimnissen«, wo von den Entsprechungen, von den Vorbildungen, vom Einfluß der geistigen Welt in die natürliche und von der Verbindung der Seele und des Leibes gehandelt wird
75.

(99)
Obwohl nun aber alle zum Menschen hinsichtlich des Körpers gehörigen Dinge allen Dingen des Himmels entsprechen, so ist doch der Mensch nicht seiner äußeren Form nach ein Ebenbild des Himmels, sondern nach seiner inneren; denn das Inwendige des Menschen nimmt den Himmel auf, und sein Auswendiges nimmt die Welt auf; inwieweit also sein Inwendiges den Himmel aufnimmt, insoweit ist der Mensch hinsichtlich desselben ein Himmel in kleinster Gestalt nach dem Bilde des Größten; inwieweit aber sein Inwendiges [denselben] nicht aufnimmt, insoweit ist er nicht Himmel und nicht Bild des Größten; dennoch aber kann das Auswendige, das die Welt aufnimmt, in einer Gestalt sein gemäß der Ordnung der Welt, und infolgedessen in mancherlei Schönheit; denn die äußere Schönheit, nämlich die des Körpers, rührt von den Eltern und von der Bildung im Mutterleib her und wird nachher erhalten durch den allgemeinen Einfluß aus der Welt; daher kommt, daß die natürliche Gestalt des Menschen sehr verschieden ist von der Gestalt seines geistigen Menschen. Es wurde einige Male gezeigt, wie der Geist eines Menschen seiner Gestalt nach beschaffen war, und man sah, daß er in einigen, die schön und lieblich von Angesicht waren, häßlich, schwarz und monströs war, so daß du ihn ein Bild der Hölle, nicht des Himmels nennen würdest; daß er aber in anderen, die nicht schön waren, wohlgestalt, weiß und engelähnlich war; wirklich erscheint auch der Geist des Menschen nach dem Tode so wie er im Körper war, solang er auf der Welt in diesem lebte.

(100)
Die Entsprechung erstreckt sich aber noch weiter als auf den Menschen, denn es findet auch eine Entsprechung der Himmel unter sich statt; dem dritten oder innersten Himmel entspricht der zweite oder mittlere Himmel, und dem zweiten oder mittleren Himmel entspricht der erste oder unterste Himmel, und dieser entspricht den körperlichen Gebilden im Menschen, welche seine Gliedmaßen, Organe und inneren Teile heißen; so ist es das Körperliche, in das der Himmel zuletzt sich endigt und auf dem er als auf seiner Grundlage ruht. Allein dieses Geheimnis soll anderwärts vollständiger entwickelt werden.

(101)
Man muß jedoch vor allem wissen, daß alle Entsprechung, die mit dem Himmel besteht, [ein Entsprechungsverhältnis] zu dem Göttlich-Menschlichen des Herrn ist, weil von Ihm der Himmel herrührt und Er der Himmel ist, wie dies in den vorhergehenden Abschnitten gezeigt worden ist; denn würde nicht das Göttlich-Menschliche in alle Teile des Himmels und gemäß den Entsprechungen in alle Teile der Welt einfließen, so gäbe es keinen Engel, so gäbe es auch keinen Menschen. Hieraus erhellt wiederum, warum der Herr Mensch geworden ist und Sein Göttliches mit Menschlichem vom ersten bis zum letzten bekleidet hat, daß es nämlich geschah, weil das Göttlich-Menschliche, aus dem der Himmel vor der Ankunft des Herrn [sich bildete], nicht mehr zureichte, alles [in seinem Bestand] zu erhalten, da der Mensch, der die Unterlage der Himmel ist, die Ordnung erschüttert und zerstört hatte. Was und welcherlei das Göttlich-Menschliche war, das vor der Ankunft des Herrn bestand, und wie der Zustand des Himmels damals beschaffen war, sehe man im Zusammentrag zum vorhergehenden Abschnitt.

(102)
Die Engel erstaunen, wenn sie hören, daß es Menschen gibt, die alles der Natur und nichts dem Göttlichen zuschreiben, und auch solche, die glauben, daß ihr Leib, in den so viele bewundernswerte Dinge des Himmels zusammengetragen sind, aus der Natur zusammengeflossen sei, ja daß sogar auch das Vernünftige des Menschen von daher stamme; während sie doch, wenn sie nur einigermaßen den Geist erheben wollen, sehen können, daß dergleichen Dinge aus dem Göttlichen und nicht aus der Natur stammen, und daß die Natur nur erschaffen ist, um das Geistige zu bekleiden, und es in entsprechender Weise im Letzten der Ordnung darzustellen; allein sie vergleichen solche den Nachteulen, die in der Finsternis und nichts im Lichte sehen.

(15)

ES BESTEHT EIN ENTSPRECHUNGSVERHÄLTNIS
DES HIMMELS ZU ALLEN DINGEN DER ERDE

(103)
Was die Entsprechung sei, ist im vorhergehenden Abschnitt gesagt und dort auch gezeigt worden, daß alle und jede [Teile] des beseelten Körpers Entsprechungen sind; nun ist, der Ordnung gemäß, noch zu zeigen, daß alle Teile der Erde, und überhaupt alle Teile der Welt, Entsprechungen sind.

(104)
Alle Dinge der Erde werden in drei Gattungen abgeteilt, welche Reiche heißen, nämlich das Tierreich, das Pflanzenreich und das Mineralreich; was im Tierreich ist, ist Entsprechung im ersten Grad, weil es lebt; was im Pflanzenreich ist, ist Entsprechung im zweiten Grad, weil es bloß wächst; was im Mineralreich ist, ist Entsprechung im dritten Grad, weil es nicht lebt und auch nicht wächst. Die Entsprechungen im Tierreich sind die lebenden Wesen verschiedener Art, sowohl die, welche auf der Erde schreiten und kriechen, als diejenigen, die in der Luft fliegen, die hier nicht im besonderen benannt werden, weil sie bekannt sind. Die Entsprechungen im Pflanzenreich sind alles, was in Gärten, Wäldern, Äckern und Feldern wächst, und blüht, und auch nicht benannt wird, weil es ebenfalls bekannt ist. Die Entsprechungen im Mineralreich sind die edleren und unedleren Metalle, die kostbaren und nicht kostbaren Steine und die verschiedenen Erdarten, dann auch die Wasser. Außer diesen sind auch Entsprechungen die Dinge, welche durch menschlichen Fleiß aus jenen zum Gebrauch bereitet werden, wie alle Arten von Speisen, Kleidungsstücken, Häusern, Gebäuden und vieles andere mehr.

(105)
Was über der Erde ist, wie Sonne, Mond, Sterne, und auch, was in den Atmosphären ist, wie Wolken, Nebel, Regen, Blitze, Donner, sind auch Entsprechungen. Was von der Sonne ausgeht, ihre Gegenwart und Abwesenheit, wie Licht und Schatten, Wärme und Kälte, sind ebenfalls Entsprechungen; ebenso, was eine Folge hiervon ist, wie die Jahreszeiten, die man Frühling, Sommer, Herbst und Winter nennt; und die Tageszeiten, wie Morgen, Mittag, Abend und Nacht.

(106)
Mit einem Wort, alle Dinge, die in der Natur entstehen, von ihrem Kleinsten bis zum Größten, sind Entsprechungen
76. Sie sind aber Entsprechungen, weil die natürliche Welt mit all dem Ihrigen aus der geistigen Welt entsteht und besteht, und beide aus dem Göttlichen; wir sagen, daß sie [so] auch bestehe, weil alles davon besteht, wovon es entstanden ist [denn das Bestehen ist ein fortwährendes Entstehen], und weil nichts bestehen kann durch sich, sondern durch ein ihm Vorhergehendes, somit durch das Erste; wird es also von diesem getrennt, so geht es völlig zugrunde und verschwindet.

(107)
Ein Entsprechendes ist alles das, was in der Natur nach der göttlichen Ordnung entsteht und besteht. Die göttliche Ordnung ist eine Wirkung des göttlichen Guten, das vom Herrn ausgeht; sie fängt bei Ihm an, geht von Ihm aus durch die Himmel allmählich in die Welt und endigt sich im Letzten in ihr; was in dieser der göttlichen Ordnung gemäß ist, ist Entsprechung; der Ordnung gemäß ist in ihr alles, was gut und vollkommen ist zu Erfüllung eines Nutzzwecks; denn alles Gute ist gut gemäß dem Nutzen [den es schafft], die Form bezieht sich auf das Wahre, weil das Wahre die Form des Guten ist; daher kommt, daß alles in der gesamten Welt und in der Natur der Welt, was in der göttlichen Ordnung ist, sich auf das Gute und Wahre zurückbezieht
77.

(108)
Daß alle Dinge in der Welt aus dem Göttlichen entstehen und in der Natur mit solchem bekleidet werden, durch das sie in ihr sein und Nutzen schaffen und so entsprechen können, zeigt sich deutlich an den einzelnen Erscheinungen sowohl in dem beseelten als im Pflanzenreich; in beiden sind solche Dinge, an denen jeder, wenn er aus dem Inwendigen denkt, sehen kann, daß sie aus dem Himmel stammen; zur Beleuchtung mag von Unzähligem nur weniges erwähnt werden; hier zuerst einiges aus dem Tierreich: Welch ein Wissen in ihm jedem Tiere gleichsam eingepflanzt sei, ist vielen bekannt; die Bienen wissen den Honig aus den Blumen zu sammeln, aus dem Wachs Zellen zu bauen, in denen sie ihren Honig niederlegen können und so sich und die ihrigen mit Speise zu versehen, auch für den künftigen Winter; ihr Weibchen legt Eier, die übrigen dienen und bebrüten diese, damit ein neues Geschlecht daraus entstehe; sie leben in einer gewissen Regierungsform, die sie infolge des Eingepflanzten alle kennen; die nützlichen erhalten sie, und die unnützen werfen sie aus und nehmen ihnen die Flügel; außer anderem Wunderbaren, das ihnen aus dem Himmel des Nutzzweckes wegen [zukommt]; denn das Wachs dient auf dem ganzen Erdkreis dem Menschengeschlecht zu leuchten und der Honig zu Versüssung der Speisen. Was geht nicht mit den Raupen vor, die doch im Tierreich das Verachtetste sind ? Sie wissen sich mit dem Saft aus den für sie tauglichen Blättern zu nähren und dann, wenn ihre Zeit vorüber ist, sich mit einer Hülle zu umgeben und gleichsam in einen Gebärleib zu legen und so die Brut ihrer Gattung auszubringen. Einige derselben verwandeln sich zuerst in Puppen und Goldpuppen [chrysalides], und spinnen Fäden, und nach vollbrachter Arbeit werden sie mit einem anderen Körper geschmückt und mit Flügeln versehen und fliegen in der Luft wie in ihrem Himmel, begatten sich dann, legen Eier und sorgen für eine Nachkommenschaft. Außer den hier besonders genannten kennen überhaupt alle geflügelten Tiere unter dem Himmel ihre Speisen, durch die sie ernährt werden, und zwar nicht nur welcherlei, sondern auch wo sie sind; sie wissen sich Nester zu bauen, die eine Gattung anders als die andere, Eier darin zu legen, sie auszubrüten, ihre Jungen auszubringen und zu ernähren und sie aus dem Haus zu treiben, sobald sie selbständig sein können; sie kennen auch ihre Feinde, die sie fliehen müssen, und ihre Freunde, denen sie sich beigesellen mögen, und zwar dies schon von der ersten Kindheit an: zu geschweigen die Wunderdinge in den Eiern selbst, in denen schon alles für die Bildung und Ernährung des werdenden Tierchens in seiner Ordnung bereitgelegt ist; außer Unzähligem anderem. Wer, der aus einiger Vernunftweisheit heraus denkt, würde wohl je sagen können, daß diese Dinge anderswoher kommen als aus der geistigen Welt, der die natürliche dazu dient, das, was von daher stammt, mit einem Leib zu bekleiden, oder das, was geistig in seiner Ursache ist, in der Wirkung darzustellen. Daß die Tiere auf dem Erdboden und die geflügelten Tiere unter dem Himmel in all jene Kenntnis geboren werden, nicht aber der Mensch, der doch mehr ist als sie, hat seinen Grund darin, daß die Tiere in der Ordnung ihres Lebens sind, und dasjenige, was in ihnen aus der geistigen Welt ist, nicht zerstören konnten, weil ihnen das Vernunftgebiet fehlt; anders der Mensch, der aus der geistigen Welt denkt; weil dieser durch ein Leben wider die Ordnung, dem die Vernünftelei günstig war, jenes bei sich verkehrt hat, so kann er nicht anders, als in lautere Unwissenheit geboren und hernach [nur] durch die göttlichen Mittel in die Ordnung des Himmels zurückgeführt werden.

(109)
Wie die Dinge im Pflanzenreich entsprechen, kann aus vielem erhellen; so z.B. daß winzige Samenkörnchen zu Bäumen emporwachsen, Blätter und Blüten treiben und nachher Früchte bringen, in denen [sich] wiederum Samen bilden, und daß diese Dinge nach und nach entstehen und zugleich in so bewundernswerter Ordnung bestehen, daß es nicht mit wenigem beschrieben werden kann; es müßten große Bücher sein, und doch würden die tieferen Geheimnisse, die ihren Nutzzwecken näher liegen, nicht durch die Wissenschaft ergründet werden können. Weil auch diese Dinge aus der geistigen Welt oder dem Himmel stammen, der, wie oben in seinem Abschnitt gezeigt worden ist, menschliche Gestalt hat, so haben auch die Einzelheiten in diesem Reich eine gewisse Beziehung auf die Dinge, die beim Menschen sind, was auch einigen in der gelehrten Welt bekannt ist. Das auch alle Dinge in diesem Reich Entsprechungen sind, stellte sich mir durch viele Erfahrung heraus; denn öfter, wenn ich in Gärten war und dort die Bäume, Früchte, Blumen und Hülsenfrüchte betrachtete, bemerkte ich im Himmel die Entsprechungen, und redete darüber mit denen, bei denen sie waren, und ward unterrichtet, woher sie kamen und wie sie beschaffen waren.

(110)
Allein die geistigen Dinge im Himmel, denen die natürlichen in der Welt entsprechen, kann heutzutage niemand anders als aus dem Himmel kennenlernen, weil die Wissenschaft der Entsprechungen heutzutage gänzlich verlorengegangen ist; wie aber das Entsprechungsverhältnis der geistigen Dinge zu den natürlichen beschaffen ist, möchte ich durch einige Beispiele beleuchten. Die beseelten Wesen auf Erden entsprechen im allgemeinen den Neigungen, die zahmen und nützlichen den guten Neigungen, die wilden und unnützen den bösen Neigungen; im besonderen entsprechen Rinder und Stiere den Neigungen des natürlichen Gemüts; Schafe und Lämmer den Neigungen des geistigen Gemüts; geflügelte Tiere aber je nach ihren Arten dem Verständigen beiderlei Gemüts
78; daher kommt, daß verschiedene Tiere, wie Rinder, Stiere, Widder, Schafe, Ziegen, Böcke, männliche und weibliche Lämmer, dann auch Tauben und Turteltauben in der israelitischen Kirche, die eine vorbildliche Kirche war, zu heiligem Gebrauch genommen und damit Schlachtopfer und Brandopfer gebracht wurden, denn sie entsprachen bei dieser Verwendung den geistigen Dingen, die im Himmel nach den Entsprechungen verstanden wurden. Daß auch die Tiere nach ihren Gattungen und Arten Neigungen sind, hat seinen Grund darin, daß sie leben, und das Leben eines jeden nicht anderswoher als aus dem Trieb stammt und ihm gemäß ist; daher hat jedes Tier ein angeborenes Wissen nach dem Trieb seines Lebens; auch der Mensch ist ihnen ähnlich nach seinem natürlichen Menschen, weshalb er ihnen auch verglichen wird im gemeinen Sprachgebrauch, so daß man z.B. den Sanftmütigen ein Schaf oder Lamm, den Wilden einen Bären oder Wolf, den Schlauen einen Fuchs oder eine Schlange nennt, und so fort.

(111)
Ein ähnliches Entsprechungsverhältnis besteht zu den Gegenständen im Pflanzenreich: Der Garten im allgemeinen entspricht dem Himmel hinsichtlich der Einsicht und Weisheit, weshalb der Himmel ein Garten Gottes und ein Paradies genannt wird
79, und auch vom Menschen das himmlische Paradies. Die Bäume je nach ihren Arten entsprechen den Wahrnehmungen und Erkenntnissen des Guten und Wahren, aus denen Einsicht und Weisheit kommt; darum hatten die Alten, die in der Kenntnis der Entsprechungen waren, ihren Gottesdienst in Hainen80; und daher kommt, daß im Wort so oft Bäume genannt werden und ihnen der Himmel, die Kirche und der Mensch verglichen wird, wie dem Weinstock, dem Ölbaum, der Zeder und anderen, und das Gute, das sie tun, den Früchten. Auch die Speisen, die aus ihnen, besonders aus den eingeernteten Feldfrüchten bereitet werden, entsprechen den Neigungen zum Guten und Wahren, und dies darum, weil diese das geistige Leben nähren, wie die irdischen Speisen das natürliche81. Das daraus bereitete Brot entspricht im allgemeinen der Neigung zu allem Guten, weil es mehr als die übrigen [Speisen] das Leben erhält, und weil unter demselben jegliche Speise verstanden wird; wegen dieser Entsprechung nennt auch der Herr Sich das Brot des Lebens; auch waren ihretwegen in der israelitischen Kirche die Brote im gottesdienstlichen Gebrauch; denn sie wurden auf den Tisch in der Stiftshütte gelegt und Schaubrote genannt; auch wurde aller Gottesdienst, der durch Schlacht- und Brandopfer vermittelt wurde, Brot genannt; dieser Entsprechung wegen ist auch das Heiligste des Gottesdienstes in der christlichen Kirche das heilige Abendmahl, bei denen Brot und Wein gereicht wird82. Aus diesem wenigen kann erhellen, wie die Entsprechung beschaffen ist.

(112)
Wie eine Verbindung des Himmels mit der Welt durch Entsprechungen bewirkt wird, soll auch mit wenigem gesagt werden: das Reich des Herrn ist ein Reich der Zwecke, welche Nutzwirkungen [usus] sind, oder, was dasselbe ist, es ist ein Reich der Nutzwirkungen, welche die Zwecke sind. Darum ist vom Göttlichen das Weltall so geschaffen und gebildet worden, daß die Nutzzwecke allenthalben sich in solche Dinge einkleiden können, durch die sie in Tätigkeit oder in Wirkung dargestellt werden, zuerst im Himmel und dann in der Welt, mithin stufenmäßig allmählich bis zum Letzten der Natur herab, woraus erhellt, daß das Entsprechungsverhältnis der natürlichen Dinge zu den geistigen aus der Welt zum Himmel durch die Zweckmäßigkeiten [usus] vermittelt wird, und daß die Zweckmäßigkeiten das Verbindende sind; sowie auch, daß die Formen, in welche die Zweckmäßigkeiten eingekleidet sind, insoweit Entsprechungen und insoweit Verbindungen sind, als sie Formen der Nutzzwecke sind. In der Natur der Welt, in deren dreifachem Reich, sind alle Dinge, die darin der Ordnung gemäß sind, Formen von Nutzzwecken, oder Wirkungen, die von einem Nutzzweck zu [weiterem] Nutzzweck fortgebildet worden sind, weshalb auch die darin befindlichen Dinge Entsprechungen sind. Beim Menschen aber sind, inwieweit er nach der göttlichen Ordnung lebt, inwieweit er also in der Liebe zum Herrn und in der Liebetätigkeit gegen den Nächsten ist, insoweit sind auch seine Handlungen Nutzzwecke in [ihrer] Ausgestaltung, und sind Entsprechungen, durch die er mit dem Himmel verbunden wird; den Herrn und den Nächsten lieben heißt, im allgemeinen Nutzen schaffen
83. Weiter ist zu wissen, daß es der Mensch ist, durch den die natürliche Welt mit der geistigen verbunden wird, oder daß er das Mittel der Verbindung ist; denn in ihm ist die natürliche Welt und ist auch die geistige Welt (man sehe Nr. 57); inwieweit daher der Mensch geistig ist, insoweit ist er ein Verbindungsmittel, inwieweit er aber natürlich und nicht geistig ist, insoweit ist er nicht Verbindungsmittel; gleichwohl besteht auch ohne die Vermittlung des Menschen ein göttlicher Einfluß in die Welt und auch in die Dinge, die aus der Welt beim Menschen sind, jedoch nicht in seinen Vernunftgebrauch [rationale].

(113)
Wie alles, was der göttlichen Ordnung gemäß ist, dem Himmel entspricht, so entspricht auch alles, was wider die göttliche Ordnung ist, der Hölle; was dem Himmel entspricht, bezieht sich alles auf das Gute und Wahre, was der Hölle entspricht, auf das Böse und Falsche.

(114)
Nun noch etwas von der Wissenschaft der Entsprechungen und von ihrem Nutzen: oben ist gesagt worden, daß die geistige Welt, welche der Himmel ist, mit der natürlichen Welt durch Entsprechungen verbunden sei; es wird also mittelst der Entsprechungen dem Menschen eine Gemeinschaft mit dem Himmel gegeben, denn die Engel des Himmels denken nicht wie der Mensch aus dem Natürlichen; ist daher der Mensch in der Kenntnis der Entsprechungen, so kann er mit den Engeln des Himmels zusammen sein hinsichtlich der Gedanken seines Gemüts und so seinem inneren oder geistigen Menschen nach mit ihnen verbunden werden. Damit eine Verbindung des Himmels mit dem Menschen sei, darum ist das Wort in lauter Entsprechungen geschrieben worden; denn alle und jede Dinge in ihm sind entsprechend
84, weshalb der Mensch, wenn er in der Kenntnis der Entsprechungen wäre, das Wort nach dessen geistigem Sinn verstehen würde, und ihm infolgedessen Geheimnisse kundgegeben werden würden, von denen er im Buchstabensinn nichts sieht. Im Wort ist nämlich ein buchstäblicher Sinn und ein geistiger Sinn; der buchstäbliche Sinn besteht aus solchem, was in der Welt ist, der geistige Sinn aber aus solchem, was im Himmel ist, und weil die Verbindung des Himmels mit der Welt durch Entsprechungen geschieht, so ist ein solches Wort gegeben worden, in dem das einzelne bis zum Jota herab entsprechend ist85.

(115)
Ich bin aus dem Himmel unterrichtet worden, daß die Angehörigen der Ältesten Kirche auf unserer Erde, welche himmlische Menschen waren, aus den Entsprechungen selbst heraus gedacht haben, und daß die natürlichen Dinge der Welt, die vor ihren Augen waren, ihnen als Mittel dienten, so zu denken; und daß sie, weil sie so waren, mit den Engeln zusammengesellt wurden, und mit ihnen sprachen, und so durch sie der Himmel mit der Welt verbunden war; darum wurde auch jene Zeit das Goldene Weltalter genannt, von dem es bei den alten Schriftstellern heißt, die Himmelsbewohner hätten mit den Menschen zusammengewohnt und Umgang mit ihnen gehabt, wie Freunde mit Freunden. Nach jenen Zeiten aber seien solche gekommen, die nicht aus den Entsprechungen selbst, sondern aus der Kenntnis der Entsprechungen dachten, und auch damals noch habe eine Verbindung des Himmels mit dem Menschen stattgehabt, aber keine so innige; ihre Zeit ist die, welche das Silberne Weltalter heißt. Nachher seien solche gekommen, die zwar die Entsprechungen kannten, aber nicht aus deren Kenntnis dachten, und zwar darum nicht, weil sie im natürlichen Guten waren, und nicht wie die früheren im geistigen; ihre Zeit wurde das Kupferne Weltalter genannt. Nach deren Zeit sei der Mensch allmählich äußerlich geworden und zuletzt materiell, und dann habe sich die Kenntnis der Entsprechungen ganz verloren und mit ihr die Kenntnis des Himmels und vieler den Himmel betreffenden Dinge. Daß sie jene Weltalter nach dem Gold, Silber und Kupfer benannten, rührte auch von der Entsprechung her
86, weil das Gold vermöge der Entsprechung das himmlische Gute bezeichnet, in dem die Menschen der Ältesten Kirche waren; das Silber aber das geistige Gute, in dem die Alten nach ihnen standen, und das Kupfer das natürliche Gute, in dem die nächste Nachkommenschaft war; das Eisen aber, nach dem das letzte Weltalter benannt wurde, bezeichnet das harte Wahre ohne das Gute.

(16)

VON DER SONNE IM HIMMEL

(116)
Im Himmel erscheint nicht die Sonne der Welt, noch irgend etwas, das von dieser Sonne herkommt, weil dieses alles natürlich ist, denn die Natur fängt mit dieser Sonne an, und was durch sie hervorgebracht wird, heißt natürlich; das Geistige aber, in dem der Himmel ist, ist über der Natur und völlig unterschieden vom Natürlichen; auch haben sie keine Gemeinschaft miteinander, außer durch Entsprechungen. Welch ein Unterschied sei, kann aus dem, was Nr. 38 von den Abstufungen, und welch eine Gemeinschaft [zwischen ihnen] sei, aus demjenigen abgenommen werden, was in den zwei vorhergehenden Abschnitten von den Entsprechungen gesagt worden ist.

(117)
Obgleich aber im Himmel nicht die Sonne der Welt erscheint, noch irgend etwas, was aus dieser Sonne ist, so gibt es doch dort eine Sonne, ein Licht und eine Wärme, und ist dort alles, was in der Welt ist, und noch Unzähliges mehr, jedoch nicht aus gleichem Ursprung; denn was im Himmel ist, ist geistig, und was in der Welt ist, natürlich. Die Sonne des Himmels ist der Herr [d.h. Er ist in ihr], das Licht daselbst ist das göttliche Wahre, und die Wärme daselbst ist das göttliche Gute, welche [beide] vom Herrn als der Sonne ausgehen; aus dieser Quelle stammt alles, was in den Himmeln entsteht und erscheint. Doch von dem Licht und der Wärme, und von den Dingen, die aus ihnen im Himmel entstehen, wird in den folgenden Abschnitten die Rede sein, hier nur von der Sonne daselbst. Der Herr erscheint aber im Himmel als Sonne, weil Er die göttliche Liebe ist, aus der alles Geistige und, mittelst der Sonne der Welt, alles Natürliche entsteht; diese Liebe ist es, welche als Sonne leuchtet.

(118)
Daß der Herr wirklich im Himmel als Sonne erscheint, ist mir nicht nur von den Engeln gesagt, sondern auch einigemal zu sehen gegeben worden; daher ich hier, was ich vom Herrn als Sonne gehört und gesehen habe, mit wenigem beschreiben will. Der Herr erscheint als Sonne nicht im Himmel, sondern hoch über den Himmeln, auch nicht über dem Haupt oder im Scheitelpunkt, sondern vor dem Angesicht der Engel, in mittlerer Höhe; Er erscheint an zweierlei Orten, an dem einen vor dem rechten Auge, an dem anderen vor dem linken Auge, in weiter Entfernung; vor dem rechten Auge erscheint Er ganz als Sonne, ungefähr in gleichem Feuer und in gleicher Größe wie die Sonne der Welt; vor dem linken Auge aber erscheint Er nicht als Sonne, sondern als Mond, in ähnlichem, doch mehr strahlendem Glanz, und in gleicher Größe wie der Mond unserer Erde, allein rings umgeben wie von mehreren kleineren Monden, deren jeder in ähnlicher Weise glänzt und schimmert. Daß der Herr an zwei Orten mit solchem Unterschied erscheint, kommt daher, daß Er jeglichem so erscheint, wie Er von ihm aufgenommen wird, und darum anders denen, die Ihn im Guten der Liebe, und anders denen, die Ihn im Guten des Glaubens aufnehmen; denen, die Ihn im Guten der Liebe aufnehmen, erscheint Er als Sonne, feurig und flammend je nach der Aufnahme, diese sind in Seinem himmlischen Reich; denen hingegen, die Ihn im Guten des Glaubens aufnehmen, erscheint Er als Mond, weißglänzend und schimmernd je nach der Aufnahme, diese sind in Seinem geistigen Reich
87; und dies darum, weil das Gute der Liebe dem Feuer entspricht, daher das Feuer im geistigen Sinn die Liebe ist, und das Gute des Glaubens dem Licht entspricht, und wirklich auch das Licht im geistigen Sinn der Glaube ist88; Er erscheint vor den Augen, weil das Inwendige, das dem Gemüt angehört, durch die Augen sieht, aus dem Guten der Liebe durch das rechte Auge, und aus dem Guten des Glaubens durch das linke Auge89; denn alles, was auf der rechten Seite beim Engel, und auch beim Menschen ist, entspricht dem Guten, aus dem Wahres kommt, und was auf der linken ist, dem Wahren, das aus dem Guten kommt90; das Gute des Glaubens ist seinem Wesen nach Wahres aus Gutem.

(119)
Daher kommt, daß im Wort der Herr hinsichtlich der Liebe mit der Sonne und hinsichtlich des Glaubens mit dem Mond verglichen wird; und dann auch, daß die Liebe aus dem Herrn zum Herrn durch die Sonne, und der Glaube aus dem Herrn zum Herrn durch den Mond bezeichnet wird, wie in folgenden Stellen:

„Es wird das Licht des Mondes wie das Licht der Sonne sein; das Licht der Sonne aber wird siebenfach sein wie das Licht von sieben Tagen“: Jes.30/26.

„Verhüllen will Ich, wenn Ich dich vernichtet, die Himmel, deren Sterne finster machen, die Sonne werde Ich mit einer Wolke bedecken, und der Mond soll seinen Schein nicht leuchten lassen; alle Leuchten des Lichts über dir will Ich verfinstern, und Finsternis in deinem Land verbreiten“: Ez.32/7,8.

„Verfinstert soll die Sonne bei ihrem Aufgang werden, und der Mond soll seinen Schein nicht leuchten lassen“: Jes.13/10.

„Es werden Sonne und Mond verfinstert werden, und die Sterne ihren Glanz zurückziehen, die Sonne soll in Finsternis, der Mond in Blut verwandelt werden“: Joel 2/2,10,31; 4/15.

„Die Sonne ward schwarz wie ein härener Sack, und der Mond ward wie Blut, und die Sterne fielen auf die Erde“: Offb.6/12.

„Gleich nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne verdunkelt werden, und der Mond sein Licht nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen“: Matth.24/29,

und anderwärts; in diesen Stellen wird durch die Sonne die Liebe bezeichnet und durch den Mond der Glaube und durch die Sterne die Erkenntnisse des Guten und Wahren91; von diesen heißt es, sie werden verdunkelt, verlieren das Licht und fallen vom Himmel, wenn sie nicht mehr vorhanden sind. Daß der Herr als Sonne im Himmel erscheint, erhellt auch aus Seiner Verklärung vor Petrus, Jakobus und Johannes, [wobei es heißt]:

„daß Sein Antlitz leuchtete wie die Sonne“: Matth.17/2;

so erschien der Herr jenen Jüngern, als sie dem Körper entrückt und im Licht des Himmels waren. Daher kam, daß die Alten, bei denen eine vorbildliche Kirche war, beim Gottesdienst ihr Angesicht der Sonne im Osten zuwandten; davon rührt auch her, daß man den Tempeln die Aussicht gegen Osten gab.

(120)
Wie groß und welcherlei die göttliche Liebe ist, kann aus dem Vergleich mit der Sonne der Welt erhellen, daß sie nämlich überschwenglich glühend und, wenn man es glauben will, noch viel glühender [als diese] ist; weshalb der Herr als Sonne nicht unmittelbar in die Himmel einfließt, sondern die Glut Seiner Liebe auf dem Weg stufenweise gemäßigt wird; die Mäßigungen erscheinen als Strahlengürtel [cingula radiosa] um die Sonne; und überdies werden die Engel mit einer [ihnen] angemessenen dünnen Wolke umhüllt, damit sie von dem Einfluß nicht verletzt werden
92; die Himmel sind daher in einer Entfernung gemäß der Aufnahme; die oberen Himmel sind, weil sie im Guten der Liebe stehen, dem Herrn als der Sonne näher; die unteren Himmel aber, weil sie im Guten des Glaubens stehen, sind von Ihm entfernter; die aber in keinem Guten sind, wie die in der Hölle, sind ganz entfernt [remotissimi], und zwar dort um so weiter entfernt, je mehr sie im Gegensatz wider das Gute sind93.

(121)
Wenn aber der Herr im Himmel erscheint, was öfter geschieht, so erscheint Er nicht von der Sonne umgeben, sondern in engelischer Gestalt, unterschieden von den Engeln durch das aus Seinem Angesicht hervorleuchtende Göttliche; denn Er ist dort nicht in Person, da der Herr in Person stets von der Sonne umgeben ist, sondern Er ist gegenwärtig durch den Hinblick; denn im Himmel ist es etwas Gewöhnliches, daß man wie gegenwärtig erscheint an dem Ort, auf den der Blick geheftet oder durch den er begrenzt wird, soweit auch dieser von dem Ort, wo man wirklich ist, entfernt sein mag; diese Gegenwart heißt die Gegenwart des inneren Sehens, wovon im folgenden. Auch mir erschien der Herr außerhalb der Sonne in Engelsgestalt etwas unterhalb der Sonne in der Höhe; und dann auch in der Nähe in gleicher Gestalt, mit leuchtendem Antlitz; einmal auch inmitten der Engel wie flammender Glanz.

(122)
Die Sonne der Welt erscheint den Engeln als etwas Stockfinsteres [Calignosum] gegenüber der Sonne des Himmels, und der Mond als etwas Verfinstertes [tenebrosum] gegenüber dem Mond des Himmels, und dies beständig. Der Grund ist, weil das Feurige der Welt der Selbstliebe entspricht; und die Helle aus ihm dem Falschen aus jener Liebe entspricht; und die Selbstliebe der göttlichen Liebe völlig entgegengesetzt und das Falsche aus dieser Liebe dem göttlichen Wahren völlig entgegengesetzt ist; und was der göttlichen Liebe und dem göttlichen Wahren entgegengesetzt ist, das ist den Engeln dichte Finsternis [caligo]. Daher kommt, daß die Sonne der Welt und den Mond anbeten und vor ihnen sich beugen, im Wort bedeutet, sich selbst lieben und das Falsche, das aus der Selbstliebe stammt, und daß diese ausgerottet werden sollen: 5Mo.4/19; 17/3-5; Jer.8/1,2; Ez.8/15,16,18; Offb.16/8; Matth.13/6
94.

(123)
Weil der Herr im Himmel als Sonne erscheint infolge der göttlichen Liebe, die in Ihm und von Ihm ist, darum kehren sich auch alle, die in den Himmeln sind, unausgesetzt Ihm zu, die im himmlischen Reich Ihm als der Sonne, die im geistigen Reich Ihm als dem Mond: die aber, so in der Hölle sind, wenden sich dem stockfinstern und dem verfinsterten Körper zu, welche jenen gegenüber sind, somit vom Herrn ab; und dies darum, weil alle, die sich in den Höllen befinden, in der Selbstliebe und Weltliebe sind, somit dem Herrn entgegengesetzt; die sich dem stockfinsteren Körper zuwenden, der an der Stelle der Weltsonne ist, sind in den Höllen nach hinten zu und heißen böse Engel [Genii]; die aber dem verfinsterten Körper sich zukehren, der an der Stelle des Mondes ist, sind in den Höllen nach vorne zu und heißen Geister [Spiritus]; daher kommt, daß von denen, die in den Höllen sind, gesagt wird, sie seien in der Finsternis, und von denen, die in den Himmeln sind, [sie seien] im Licht; die Finsternis [tenebrae] bedeutet das Falsche aus dem Bösen, und das Licht das Wahre aus dem Guten. Daß sie sich dorthin wenden, davon ist der Grund dieser: Alle im anderen Leben sehen auf das hin, was in ihrem Inwendigen herrscht, mithin auf ihre Liebe, und das Inwendige macht das Angesicht des Engels und des Geistes [zu seinem Gepräge]; und in der geistigen Welt gibt es keine Weltgegenden mit bestimmter Lage, wie in der natürlichen Welt, sondern das Angesicht ist es, was [die Lage] bestimmt. Auch der Mensch gibt sich seinem Geist nach die gleiche Richtung, abwärts vom Herrn, wer in der Liebe zu sich und zur Welt ist, und Ihm zugewendet, wer in der Liebe zu Ihm und zum Nächsten ist; allein der Mensch weiß dies nicht, weil er in der natürlichen Welt ist, wo sich die Weltgegenden nach dem Aufgang und Untergang der Sonne bestimmen: doch dies soll, weil es vom Menschen nur schwer gefaßt werden kann, im folgenden beleuchtet werden, wo von den Himmelsgegenden, vom Raum und von der Zeit im Himmel gehandelt werden wird.

(124)
Weil der Herr die Sonne des Himmels ist, und alles, was von Ihm ist, auf Ihn sieht, so ist der Herr auch der gemeinsame Mittelpunkt, von dem alle Richtung und Bestimmung ausgeht
95. Und darum ist auch in Seiner Gegenwart und unter Seiner Aufsicht alles, was unterhalb ist, sowohl was in den Himmeln, als was auf Erden ist.

(125)
Aus dem hier Gesagten kann nun in hellerem Licht gesehen werden, was in den vorausgeschickten Abschnitten über den Herrn gesagt und gezeigt worden ist, daß Er nämlich der Gott des Himmels ist, Nr. 2-6. Daß Sein Göttliches den Himmel macht, Nr. 7-12. Daß das Göttliche des Herrn im Himmel die Liebe zu Ihm und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten ist, Nr. 13-19. Daß ein Entsprechungsverhältnis aller [Teile] der Welt zum Himmel, und durch den Himmel zum Herrn besteht, Nr. 87-115. Dann auch, daß die Sonne der Welt und der Mond Entsprechendes sind, Nr. 105.

(17)

VOM LICHT UND VON DER WÄRME IM HIMMEL

(126)
Daß ein Licht in den Himmeln sei, können diejenigen nicht fassen, die bloß aus der Natur denken, während doch in den Himmeln ein so großes Licht ist, daß es das Mittagslicht in der Welt um viele Grade übertrifft; es ist mir öfter sichtbar geworden, auch zur Abend- und zur Nachtzeit; anfangs wunderte ich mich, als ich die Engel sagen hörte, das Licht der Welt sei im Vergleich mit dem Licht des Himmels kaum etwas mehr als ein Schatten; da ich es aber sah, so kann ich es bezeugen. Sein weißer Schimmer und Glanz sind von der Art, daß sie nicht beschrieben werden können. Was ich im Himmel sah, das sah ich in diesem Licht, mithin klarer und deutlicher als die Dinge in der Welt.

(127)
Das Licht des Himmels ist nicht ein natürliches, wie das Licht der Welt, sondern ein geistiges; denn es ist aus dem Herrn als der Sonne, und die Sonne ist die göttliche Liebe, wie im vorhergehenden Abschnitt gezeigt worden ist. Was vom Herrn als der Sonne ausgeht, heißt in den Himmeln das göttliche Wahre, ist aber seinem Wesen nach das göttliche Gute, vereint mit dem göttlichen Wahren; daraus kommt den Engeln Licht und Wärme: aus dem göttlichen Wahren haben die Engel Licht, und aus dem göttlichen Guten haben sie Wärme. Hieraus kann erhellen, daß das Licht des Himmels, weil es solchen Ursprungs ist, ein geistiges und nicht ein natürliches ist; ebenso die Wärme
96.

(128)
Das göttlich Wahre ist den Engeln das Licht, weil die Engel geistig sind, und nicht natürlich. Die Geistigen sehen aus ihrer Sonne und die Natürlichen aus der ihrigen; und das göttliche Wahre ist es, aus dem den Engeln Verstand kommt, und der Verstand ist ihr inneres Sehen, das in ihr äußeres Sehen einfließt und es hervorbringt; daher denn, was im Himmel vom Herrn als der Sonne erscheint, im Licht erscheint
97. Weil dies der Ursprung des Lichtes im Himmel ist, so ist es daselbst verschieden je nach der Aufnahme des göttlich Wahren vom Herrn, oder was dasselbe ist, nach der Einsicht und Weisheit, in der die Engel sind. Ein anderes ist es daher im himmlischen Reich als im geistigen Reich, und ein anderes in jeder Gesellschaft; das Licht im himmlischen Reich erscheint flammend, weil die Engel in ihm das Licht vom Herrn als der Sonne aufnehmen; das Licht im geistigen Reich aber ist glänzend weiß, weil die Engel in ihm das Licht vom Herrn als dem Mond aufnehmen, (man sehe Nr. 118); auch ist das Licht der einen Gesellschaft nicht dem der anderen gleich; auch in jeglicher Gesellschaft ist es wieder verschieden; in stärkerem Licht sind in ihr, die in der Mitte, und in schwächerem, die rings umher sind; man sehe Nr. 43. Mit einem Wort, in demselben Grad, in dem die Engel Aufnahmegefäße des göttlichen Wahren, das heißt in der Einsicht und Weisheit vom Herrn sind, haben sie Licht98; die Engel des Himmels werden infolgedessen Engel des Lichtes genannt.

(129)
Weil der Herr in den Himmeln das göttlich Wahre ist, und das göttlich Wahre dort das Licht ist, darum heißt der Herr im Wort das Licht, und ebenso alles Wahre, das von Ihm ist; wie in folgenden Stellen:

„Jesus sagte: Ich bin das Licht der Welt, wer Mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben“: Joh.8/12.

„Solange Ich in der Welt bin, bin Ich das Licht der Welt“: Joh.9/5

„Jesus sagte: Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch, wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch nicht Finsternis überfalle: solange ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichtes seiet. Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an Mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe“: Joh.12/35,36,46.

„Das Licht kam in die Welt, die Menschen aber liebten die Finsternis mehr als das Licht“: Joh.3/19.

Johannes vom Herrn:

„Dieser ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“: Joh.1/4,9.

„Das Volk, das im Finstern sitzt, sah großes Licht; und denen, die im Schatten des Todes saßen, ist ein Licht aufgegangen“: Matth.4/16.

„Ich werde dich zum Bund des Volkes geben, zum Licht der Nationen“: Jes.42/6.

„Ich machte dich zum Licht der Nationen, daß du Mein Heil seist bis ans Äußerste der Erde“: Jes.49/6.

„Die Völkerschaften, die errettet worden, werden zu Seinem Licht wandeln“: Offb.21/24.

„Sende Dein Licht und Deine Wahrheit, sie sollen mich leiten“: Ps.43/3;

in diesen und in anderen Stellen heißt der Herr das Licht vermöge des göttlichen Wahren, das aus Ihm ist, ebenso wird das Wahre selbst das Licht genannt. Weil vom Herrn als der Sonne Licht in den Himmeln ist, darum erschien, als Er vor Petrus, Jakobus und Johannes verklärt wurde,

„Sein Angesicht wie die Sonne, und Seine Kleider wie das Licht, schimmernd und weiß wie Schnee, wie sie kein Walker auf Erden weiß machen kann“: Mark.9/3; Matth.17/2;

daß die Kleider des Herrn so erschienen, geschah, weil sie das göttlich Wahre vorbildeten, das von Ihm in den Himmeln ist; die Kleider bezeichnen auch im Wort die Wahrheiten99; daher es bei David heißt:

„Jehovah, Du umhüllst Dich mit Licht, wie mit Gewand“: Ps.104/2.

(130)
Daß das Licht in den Himmeln geistig, und daß dieses Licht das göttlich Wahre sei, kann auch daraus geschlossen werden, daß auch der Mensch ein geistiges Licht, und daß er aus diesem Erleuchtung hat, inwieweit er in der Einsicht und Weisheit aus dem göttlichen Wahren ist. Das geistige Licht des Menschen ist das Licht seines Verstandes, dessen Gegenstände Wahrheiten sind, die er zergliedernd in Reihen ordnet, ins Verhältnis von Grund und Folge zueinander setzt, und aus ihnen der Reihe nach Folgerungen zieht
100. Daß es ein wirkliches Licht ist, aus dem der Verstand dergleichen sieht, weiß der natürliche Mensch nicht, weil er es nicht mit den Augen sieht, noch in seinem Denken sich vorstellen kann; gleichwohl jedoch wissen viele darum, und unterscheiden es auch von dem natürlichen Licht, in dem diejenigen sind, die natürlich und nicht geistig denken: natürlich aber denken die, welche ihren Blick nur auf die Welt heften und alles der Natur zuschreiben; geistig hingegen denken die, welche ihr Auge auf den Himmel richten und dem Göttlichen alles zuschreiben. Daß es das wahre Licht [Lux] sei, was das Gemüt erleuchtet, völlig verschieden vom Licht, welches das Naturlicht [lumen naturale] heißt, ist mir oftmals zu erfahren und auch zu sehen gegeben worden; ich wurde stufenweise in jenes Licht innerlich erhoben, und wie ich erhoben war, wurde mein Verstand erleuchtet, bis ich zuletzt erkannte, was ich früher nicht erkannt hatte, und am Ende selbst solches, was nicht einmal mit dem Gedanken aus dem Naturlicht hätte erreicht werden können, Ich ward zuweilen unwillig, daß man es nicht begreifen konnte, während es doch im himmlischen Licht klar und deutlich erkannt wurde101. Weil dem Verstand Licht zukommt, so sagt man von ihm gleiches wie vom Auge, daß er nämlich sehe und im Licht sei, wenn er erkennt, und daß er im Dunkeln und im Schatten sei, wenn er nicht erkennt, und dergleichen mehr.

(131)
Weil das Licht des Himmels das göttliche Wahre ist, so ist dieses Licht auch die göttliche Weisheit und Einsicht; daher unter „ins Licht des Himmels erhoben werden“ dasselbe verstanden wird, was unter „in die Weisheit und Einsicht erhoben und erleuchtet werden“; weshalb das Licht bei den Engeln ganz in demselben Grad ist wie ihre Einsicht und Weisheit. Weil das Licht des Himmels die göttliche Weisheit ist, so werden im Licht des Himmels auch alle erkannt, wie sie beschaffen sind; das Inwendige eines jeden liegt dort offen zutage in seinem Angesicht, ganz wie es ist, und nicht das Geringste bleibt verborgen; die inwendigeren Engel haben auch gern, daß alles bei ihnen offenbar sei, weil sie nichts als Gutes wollen; anders aber die, welche unterhalb des Himmels sind und nicht Gutes wollen, diese fürchten sich darum auch sehr, im Licht des Himmels gesehen zu werden; und, was wunderbar ist, die in der Hölle erscheinen sich untereinander als Menschen, im Licht des Himmels aber als Mißgestalten mit grauenhaftem Gesicht und grauenhaftem Körper, ganz in der Gestalt ihres Bösen
102. In gleicher Art erscheint auch der Mensch seinem Geist nach, wenn er von den Engeln gesehen wird; ist er gut, so erscheint er als ein schöner Mensch, je nach seinem Guten, ist er böse, als Mißgestalt, häßlich, je nach seinem Bösen. Hieraus erhellt, daß im Licht des Himmels alles offenbar wird; es wird offenbar, weil das Licht des Himmels das göttliche Wahre ist.

(132)
Weil das göttliche Wahre das Licht in den Himmeln ist, so leuchten auch alle Wahrheiten, wo sie auch immer sein mögen, ob innerhalb des Engels, oder außerhalb seiner, ob innerhalb der Himmel oder außerhalb derselben: jedoch leuchten die Wahrheiten außerhalb der Himmel nicht wie die Wahrheiten innerhalb der Himmel; die Wahrheiten außerhalb der Himmel leuchten frostig, wie Schneelicht [niveum] ohne Wärme, weil sie ihr Wesen nicht vom Guten her haben wie die Wahrheiten innerhalb der Himmel; weshalb auch jenes kalte Licht beim Einfallen des Himmelslichtes verschwindet und, wenn ihm Böses zugrunde liegt, in Finsternis verkehrt wird. Ich habe dies einigemal gesehen, so wie vieles andere Denkwürdige betreffend die leuchtenden Wahrheiten, was hier übergangen wird.

(133)
Nun soll etwas von der Wärme des Himmels gesagt werden: die Wärme des Himmels ist ihrem Wesen nach Liebe; sie geht vom Herrn als der Sonne aus, und daß diese die göttliche Liebe im Herrn und aus dem Herrn sei, kann man im vorhergehenden Abschnitt nachgewiesen finden; hieraus erhellt, daß die Wärme des Himmels ebenso geistig ist, als das Licht des Himmels, weil sie desselben Ursprungs ist
103. Zweierlei ist, was vom Herrn als der Sonne ausgeht, das göttliche Wahre und das göttliche Gute; das göttliche Wahre stellt sich in den Himmeln als Licht dar, und das göttliche Gute als Wärme; allein das göttliche Wahre und das göttliche Gute sind so vereinigt, daß sie nicht zwei sind, sondern eines; gleichwohl jedoch sind sie bei den Engeln getrennt; denn es gibt Engel, die mehr das göttliche Gute als das göttliche Wahre aufnehmen, und wieder solche, die mehr das göttliche Wahre als das göttliche Gute aufnehmen; die mehr das göttliche Gute aufnehmen, sind im himmlischen Reich des Herrn; die mehr das göttliche Wahre, sind im geistigen Reich des Herrn; die vollkommensten Engel sind die, welche beides in gleichem Grad aufnehmen.

(134)
Die Wärme des Himmels ist, wie das Licht des Himmels, überall verschieden, eine andere im himmlischen Reich, und eine andere im geistigen Reich, ja auch eine andere in jeglicher Gesellschaft daselbst, ein Unterschied nicht bloß dem Grad nach, sondern auch der Qualität nach; stärker [intensior] und reiner ist sie im himmlischen Reich des Herrn, weil da die Engel mehr das göttliche Gute aufnehmen; weniger stark und rein ist sie im geistigen Reich des Herrn, weil hier die Engel mehr das göttliche Wahre aufnehmen; auch in jeder Gesellschaft des Himmels ist sie je nach der Aufnahme verschieden. Es gibt auch eine Wärme in den Höllen, aber eine unreine
104. Die Wärme im Himmel ist die, welche durch das heilige und himmlische Feuer, und die Wärme der Hölle die, welche durch das unheilige und höllische Feuer bezeichnet wird, und unter beiden wird eine Liebe verstanden, unter dem himmlischen Feuer die Liebe zum Herrn und die Liebe gegen den Nächsten, und jede Neigung, die diesen Liebearten angehört, unter dem höllischen Feuer dagegen die Selbstsucht und Weltliebe und jede Begierde, welche diesen Arten von Liebe angehört105. Daß die Liebe eine Wärme geistigen Ursprungs ist, zeigt sich an dem Erwarmen je nach der Liebe; denn der Mensch kommt ins Feuer und erwarmt je nach der Größe und Beschaffenheit, und ihre Hitze offenbart sich, wenn sie bekämpft wird; daher kommt auch, daß man in Gebrauch hat, zu sagen: entzündet werden, erwarmen, entbrennen, aufwallen, ins Feuer kommen, wenn von Erregungen die Rede ist, welche der guten Liebe, und auch wenn von Begierden gesprochen wird, welche der bösen Liebe angehören.

(135)
Die vom Herrn als der Sonne ausgehende Liebe wird aber im Himmel darum als Wärme empfunden, weil das Innere der Engel aus dem göttlichen Guten, das vom Herrn [kommt], in der Liebe ist, daher dann das Äußere, das davon erwarmt, in der Wärme ist; daher kommt, daß im Himmel Wärme und Liebe sich einander so sehr entsprechen, daß dort jeder in demselben Grad in der Wärme ist, in dem er in der Liebe ist, gemäß dem, was soeben gesagt wurde. Von der Wärme der Welt dringt durchaus nichts in die Himmel ein, weil sie gröberer Art und natürlich, nicht geistig ist; anders jedoch bei den Menschen, weil die Menschen sowohl in der geistigen Welt, als in der natürlichen Welt sind; diese werden ihrem Geist nach warm, ganz gemäß ihrer Liebe [amores], dem Körper nach aber aus beiden, sowohl aus der Wärme ihres Geistes, als aus der Wärme der Welt; jene fließt in diese ein, weil sie sich entsprechen. Welcherlei die Entsprechung von beiderlei Wärme sei, kann an den Tieren erhellen, daß nämlich ihre Triebe [amores], von denen derjenige der Fortpflanzung ihrer Gattung obenan steht, hervorbrechen und wirken je nach der Gegenwart und dem Zuströmen der Wärme aus der Sonne der Welt, welche Wärme nur zur Zeit des Frühlings und Sommers eintritt. Gar sehr täuschen sich die, welche glauben, die einfließende Wärme der Welt erwecke die Triebe; denn es gibt keinen Einfluß des Natürlichen in das Geistige, sondern des Geistigen in das Natürliche; dieser Einfluß ist aus der göttlichen Ordnung, jener aber ist wider die göttliche Ordnung
106.

(136)
Die Engel haben, gleich den Menschen, Verstand und Willen; das Leben ihres Verstandes ist eine Wirkung des Himmelslichtes, weil das Licht des Himmels das göttliche Wahre und daher die göttliche Weisheit ist, und das Leben ihres Willens ist eine Wirkung der Wärme des Himmels, weil die Wärme des Himmels das göttliche Gute und daher die göttliche Liebe ist; das eigenste Leben der Engel ist aus der Wärme, nicht aber aus dem Licht, außer soweit die Wärme in diesem ist; daß das Leben aus der Wärme kommt, ist offenbar, denn mit deren Entfernung vergeht auch das Leben; ebenso ist es auch mit dem Glauben ohne die Liebe oder mit dem Wahren ohne das Gute; denn das Wahre, das man das des Glaubens nennt, ist das Licht, und das Gute, welches das der Liebe ist, ist die Wärme
107. Dies stellt sich noch deutlicher heraus an der Wärme und dem Licht der Welt, welchem die Wärme und das Licht des Himmels entsprechen; durch die Wärme der Welt, wenn sie mit dem Licht verbunden ist, lebt auf und blüht alles, was auf dem Erdboden ist, und verbunden sind sie zu den Zeiten des Frühlings und des Sommers; hingegen durch das von der Wärme getrennte Licht wird nichts belebt und blüht nichts, sondern erstarrt und erstirbt alles, und nicht verbunden sind sie zur Zeit des Winters, dann fehlt die Wärme, und das Licht bleibt noch; vermöge jener Entsprechung heißt der Himmel ein Paradies, weil in ihm das Wahre mit dem Guten, oder die Liebe mit dem Glauben verbunden ist, wie zur Frühlingszeit auf Erden das Licht mit der Wärme. Hieraus erhellt nun noch deutlicher die Wahrheit, von der oben in seinem Abschnitt Nr. 13-19 die Rede war, daß nämlich das Göttliche des Herrn im Himmel die Liebe zu Ihm und das Wohlwollen [Charitas] gegen den Nächsten ist.

(137)
Es heißt bei Joh.1/1,3,4,10,14:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort: alles ist durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht. Und das Wort ward Fleisch, und wohnte unter uns, und wir sahen Seine Herrlichkeit“.

Daß es der Herr ist, Der unter dem Wort verstanden wird, ist offenbar, denn es heißt, daß das Wort Fleisch geworden sei; was aber im besonderen unter dem Wort verstanden werde, ist noch nicht bekannt, darum soll es gesagt werden: Das Wort ist hier das göttliche Wahre, das im Herrn und vom Herrn ist108, weshalb es auch das Licht heißt; und daß dieses das göttliche Wahre sei, ist im Vorhergehenden dieses Abschnittes gezeigt worden. Daß durch das göttliche Wahre alles gemacht und erschaffen worden sei, soll nun erklärt werden: Im Himmel kommt alle Macht dem göttlichen Wahren zu, und ohne dasselbe gibt es durchaus keine109; alle Engel werden vermöge des göttlich Wahren Mächte genannt, und sie sind auch insoweit Mächte, als sie Aufnahmen oder Aufnahmegefäße desselben sind; durch dasselbe haben sie Macht über die Höllen und über alle, die sich widersetzen; tausend Feinde halten daselbst nicht einen Strahl des Himmelslichtes aus, welches das göttlich Wahre ist; weil die Engel Engel sind infolge der Aufnahme des göttlichen Wahren, so folgt, daß der ganze Himmel nicht von anderem herrührt, denn der Himmel besteht aus den Engeln. Daß so große Macht dem göttlichen Wahren innewohne, können diejenigen nicht glauben, die von dem Wahren keine andere Vorstellung haben, als wie von einem Gedanken oder einer Rede, die keine Macht in sich haben, außer soweit andere aus Gehorsam danach tun; dem göttlichen Wahren aber wohnt schon an sich Macht inne, und zwar eine solche Macht, daß durch dasselbe erschaffen wurde der Himmel und erschaffen wurde die Welt, mit allem, was in ihnen ist. Daß eine solche Macht dem göttlichen Wahren innewohne, kann durch zwei Vergleiche verdeutlicht werden, nämlich durch die Macht des Wahren und Guten im Menschen, und durch die Macht des Lichtes und der Wärme aus der Sonne in der Welt. Durch die Macht des Wahren und Guten im Menschen: Was immer der Mensch tut, das tut er aus dem Verstand und Willen, aus dem Willen tut er es durch das Gute und aus dem Verstand durch das Wahre; denn alles, was im Willen ist, bezieht sich auf das Gute, und alles, was im Verstand ist, bezieht sich auf das Wahre110; aus ihnen nun setzt der Mensch den ganzen Körper in Bewegung, und tausend Dinge in diesem eilen alsbald auf ihren Wink und Gebot von selbst herbei, woraus erhellt, daß der ganze Körper zum Dienst des Guten und Wahren, folglich auch aus dem Guten und Wahren gebildet ist. Durch die Macht der Wärme und des Lichtes aus der Sonne in der Welt: Alle Dinge, die in der Welt wachsen, wie Bäume, Saaten, Blumen, Gräser, Früchte und Samen, entstehen durch nichts anderes, als durch die Wärme und das Licht der Sonne; woraus erhellt, welche Hervorbringungskraft in diesen liegt; wie viel größer aber muß diejenige sein, die dem göttlichen Licht, welches das göttliche Wahre, und der göttlichen Wärme [innewohnt], die das göttliche Gute ist, aus denen, weil der Himmel, auch die Welt entsteht, denn durch den Himmel entsteht wie im Vorhergehenden gezeigt worden ist, die Welt. Hieraus kann erhellen, wie es zu verstehen ist, daß durch das Wort alles gemacht worden ist, und daß ohne dasselbe nichts gemacht ist, was gemacht ist, und daß auch die Welt durch dasselbe geworden ist, nämlich durch das göttliche Wahre vom Herrn111. Daher kommt auch, daß im Buch der Schöpfung zuerst vom Licht, und im folgenden von dem die Rede ist, was aus dem Licht [entstand]: 1Mo.1/3,4. Auch rührt daher, daß alles im Weltall, sowohl im Himmel als in der Welt, sich auf das Gute und Wahre und auf deren Verbindung zurückbezieht, damit es etwas sei (siehe Nr. 107).

(138)
Absatznumerierung fehlt im Original.

(139)
Man muß wissen, daß das göttliche Gute und das göttliche Wahre, die vom Herrn als der Sonne in den Himmeln sind, nicht im Herrn, sondern vom Herrn sind; im Herrn ist bloß die göttliche Liebe, die das Sein [Esse] ist, aus dem jene hervortreten [Existunt]; das Hervortreten [Existere] aus dem Sein wird unter dem Ausgehen [Procedere] verstanden. Dies kann auch durch Vergleich mit der Sonne der Welt verdeutlicht werden; die Wärme und das Licht, die in der Welt sind, sind nicht in der Sonne, sondern von der Sonne; in der Sonne ist bloß Feuer, und aus ihr treten jene hervor und gehen aus [existunt et procedunt].

(140)
Weil der Herr als Sonne die göttliche Liebe ist, und die göttliche Liebe das göttliche Gute selbst ist, darum wird auch das Göttliche, das von Ihm ausgeht, welches Sein Göttliches im Himmel ist, der Unterscheidung wegen das göttliche Wahre genannt, obgleich es das göttliche Gute vereint mit dem göttlichen Wahren ist. Dieses göttliche Wahre ist es, was das von Ihm ausgehende Heilige genannt wird.

(18)

VON DEN VIER HAUPTGEGENDEN IM HIMMEL

(141)
Im Himmel gibt es, wie in der Welt, vier Hauptgegenden, Aufgang, Mittag, Untergang und Mitternacht, in beiden bestimmt durch ihre Sonne, im Himmel durch die Sonne des Himmels, welche der Herr ist, in der Welt durch die Sonne der Welt; jedoch bestehen zwischen ihnen mancherlei Unterschiede: der erste ist, daß man in der Welt Mittag heißt, wo die Sonne in ihrer höchsten Höhe über der Erde ist, Mitternacht, wo sie im entgegengesetzten [Punkt] unter der Erde steht; Aufgang, wo sie zur Zeit der Nachtgleichen aufgeht, und Untergang, wo sie alsdann untergeht; so werden in der Welt alle Hauptgegenden durch den Mittag bestimmt. Im Himmel dagegen heißt Aufgang, wo der Herr als Sonne erscheint, diesem gegenüber ist der Untergang, zur Rechten im Himmel ist Mittag, und zur Linken in ihm ist Mitternacht, und dies bei jeder Wendung ihres Angesichts und Körpers; so werden im Himmel alle Hauptgegenden durch den Aufgang bestimmt. Daß Aufgang [die Stelle] heißt, wo der Herr als Sonne erscheint, hat seinen Grund darin, daß aller Ursprung [Origo] des Lebens von Ihm als der Sonne ist; und wirklich inwieweit bei den Engeln Wärme und Licht oder Liebe und Einsicht von Ihm aufgenommen wird, insoweit heißt es, der Herr gehe auf bei ihnen; daher kommt auch, daß der Herr im Wort der Aufgang [Oriens] heißt
112.

(142)
Der zweite Unterschied ist, daß die Engel immer vor dem Angesicht den Aufgang haben, hinter dem Rücken den Untergang, zur Rechten den Mittag und zur Linken die Mitternacht; da dies aber in der Welt darum schwer zu fassen ist, weil der Mensch sein Angesicht nach jeder Weltgegend hinwendet, so soll es erklärt werden. Der ganze Himmel wendet sich dem Herrn zu, als seinem gemeinsamen Mittelpunkt, folglich kehren sich alle Engel dahin; daß dem gemeinsamen Mittelpunkt auch alle Richtung auf der Erde zugewendet ist, ist bekannt; die Richtung im Himmel aber ist darin von der Richtung in der Welt verschieden, daß im Himmel die Vorderteile sich dem gemeinsamen Mittelpunkt zukehren, in der Welt aber die unteren Teile; die Richtung in der Welt ist diejenige, die man Zentripetalkraft und auch Gravitation nennt; das Inwendige der Engel ist auch wirklich nach vorne gekehrt; und weil das Inwendige sich im Angesicht darstellt, so ist es das Angesicht, was die Hauptgegenden bestimmt
113.

(143)
Daß aber die Engel den Aufgang vor dem Angesicht haben bei jeglicher Wendung ihres Angesichts und Körpers, kann in der Welt noch weniger begriffen werden, weil der Mensch jede Weltgegend je nach seiner Wendung vor dem Angesicht hat, darum soll auch dies erklärt werden. Die Engel wenden und drehen in gleicher Weise wie die Menschen ihre Angesichter und ihre Leiber nach allen Seiten hin, dennoch aber ist ihnen stets der Aufgang vor dem Auge; allein die Wendungen der Engel sind nicht wie die Wendungen der Menschen, denn sie sind anderen Ursprungs; sie erscheinen zwar als die gleichen, sind aber dennoch nicht gleich, die herrschende Liebe ist der Ursprung; aus ihr entspringen alle Bestimmungen [determinationes] bei den Engeln und bei den Geistern; denn, wie soeben gesagt worden, ihr Inwendiges ist wirklich ihrem gemeinsamen Mittelpunkt zugewendet, somit im Himmel dem Herrn als der Sonne; weshalb denn, weil ihre Liebe immerfort vor ihrem Inwendigen ist und ihr Angesicht aus ihrem Inwendigen sich bildet (denn es ist dessen äußere Form), darum auch diejenige Liebe, welche herrscht, immer vor ihrem Gesicht ist; in den Himmeln nun ist es der Herr als Sonne, weil Er es ist, von Dem sie die Liebe haben
114; und weil der Herr selbst in Seiner Liebe bei den Engeln ist, so ist es der Herr, Welcher macht, daß sie auf Ihn sehen, wohin sie sich auch wenden mögen; dies kann hier noch nicht weiter verdeutlicht werden, in den folgenden Abschnitten aber, besonders wo von den Vorbildungen und Erscheinungen und von Zeit und Raum im Himmel gehandelt werden wird, soll es dem Verständnis näher gebracht werden. Daß die Engel den Herrn beständig vor dem Angesicht haben, ist mir durch viele Erfahrungen zu wissen und auch selbst wahrzunehmen gegeben worden; denn sooft ich mit den Engeln im Umgang war, ward auch die Gegenwart des Herrn vor meinem Angesicht wahrgenommen, Welcher, obgleich ich Ihn nicht sah, doch im Licht erkannt wurde; daß dem so sei, bezeugten auch öfter die Engel. Weil der Herr beständig vor dem Angesicht der Engel ist, darum wird auch in der Welt gesagt, man solle Gott vor Augen und vor dem Angesicht haben und auf Ihn sehen, und daß diejenigen Ihn schauen, die an Ihn glauben und Ihn lieben; daß der Mensch so spricht, stammt aus der geistigen Welt, denn von daher ist vieles in der menschlichen Rede, obgleich der Mensch nicht weiß, daß es daher stammt.

(144)
Daß ein solches Sichhinwenden zum Herrn stattfindet, gehört unter die wunderbaren Erscheinungen des Himmels; denn es können daselbst viele an einem Ort sein, und der eine sein Angesicht und seinen Leib anderswohin wenden als der andere, und dennoch sehen alle den Herrn vor sich, und jeder hat zu seiner Rechten den Mittag und zu seiner Linken die Mitternacht, und hinter sich den Abend. Zu den Wunderdingen gehört auch, daß, obgleich aller Ausblick der Engel gegen Aufgang geht, sie dennoch auch einen Ausblick nach den drei übrigen Himmelsgegenden haben; allein nach diesen haben sie einen Ausblick aus ihrem inwendigeren Sehen, welches das des Denkens ist. Auch das gehört unter die Wunderdinge, daß es im Himmel durchaus keinem erlaubt ist, hinter dem Rücken des anderen zu stehen und auf sein Hinterhaupt hinzublicken, und daß alsdann der Einfluß des Guten und Wahren, der vom Herrn kommt, gestört wird.

(145)
Die Engel sehen auf andere Weise den Herrn, und der Herr sieht auf andere Weise die Engel; die Engel sehen den Herrn durch die Augen, der Herr aber sieht die Engel in der Stirne; der Grund, warum in der Stirne, ist, daß die Stirne der Liebe entspricht, und der Herr durch die Liebe in ihren Willen einfließt und macht, daß man Ihn durch den Verstand sieht, dem die Augen entsprechen
115.

(146)
Allein die Hauptgegenden in denjenigen Himmeln, die das himmlische Reich des Herrn ausmachen, sind verschieden von den Hauptgegenden in denjenigen Himmeln, die Sein geistiges Reich bilden, und dies darum, weil der Herr den Engeln, die in Seinem himmlischen Reich sind, als Sonne erscheint, denjenigen Engeln aber, die in Seinem geistigen Reich sind, als Mond, und der Aufgang da ist, wo der Herr erscheint; der Abstand zwischen Sonne und Mond beträgt daselbst dreißig Grad, daher denn auch der der Hauptgegenden der gleiche ist. Daß der Himmel in zwei Reiche abgeteilt ist, welches das himmlische Reich und das geistige Reich heißen, sehe man in seinem Abschnitt Nr. 20-28; und daß der Herr im himmlischen Reich als Sonne und im geistigen Reich als Mond erscheine, Nr. 118; gleichwohl jedoch werden die Hauptgegenden des Himmels dadurch nicht unbestimmt, weil die geistigen Engel nicht zu den himmlischen Engeln hinaufsteigen, noch diese zu jenen herabsteigen können, man sehe Nr. 35.

(147)
Hieraus erhellt, welcherlei die Gegenwart des Herrn in den Himmeln ist, daß Er nämlich allenthalben und bei jeglichem im Guten und Wahren ist, die von Ihm ausgehen; daß Er also, wie Nr. 12 gesagt wurde, in dem Seinigen bei den Engeln ist; das Innewerden der Gegenwart des Herrn ist in ihrem Inwendigen, aus diesem sehen die Augen, und so Ihn selbst außer sich, weil es ein stetig sich Fortsetzendes [continuum] ist; hieraus läßt sich entnehmen, wie es zu verstehen ist, daß der Herr in ihnen ist und sie im Herrn, nach den Worten des Herrn:

„Bleibet in Mir und Ich in euch“: Joh.15/4.

„Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, bleibt in Mir und Ich in ihm“: Joh.6/56;

das Fleisch des Herrn bedeutet das göttliche Gute und das Blut das göttliche Wahre116.

(148)
Alle in den Himmeln wohnen geschieden nach den Hauptgegenden; gegen Aufgang und Untergang wohnen die im Guten der Liebe sind, gegen Aufgang die in klarem Innewerden desselben sind, gegen Untergang die in dunklem Innewerden desselben sind; gegen Mittag und Mitternacht wohnen die in der Weisheit aus demselben sind, gegen Mittag die in hellem Licht der Weisheit sind, gegen Mitternacht, die im dunklen Licht der Weisheit sind. Die Engel, die im geistigen Reich des Herrn sind, wohnen ebenso wie die Engel, die in Seinem himmlischen Reich sind, nur mit einem Unterschied nach dem Guten der Liebe und dem Licht des Wahren aus dem Guten; denn die Liebe im himmlischen Reich ist die Liebe zum Herrn, und das Licht des Wahren aus ihm ist Weisheit; im geistigen Reich aber ist sie Liebe gegen den Nächsten, welche Liebtätigkeit [Charitas] heißt, und das Licht des Wahren aus ihr ist Einsicht, welche auch Glaube heißt, man sehe Nr. 23; sie unterscheiden sich auch nach den Hauptgegenden, denn die Hauptgegenden in dem einen und in dem anderen Reich stehen dreißig Grad voneinander ab, wie soeben Nr. 146 gesagt wurde.

(149)
Ebenso wohnen die Engel unter sich in jeglicher Gesellschaft des Himmels; gegen Aufgang wohnen in ihnen die in höherem Grad der Liebe und Liebtätigkeit, gegen Untergang die in geringerem Grad sind; gegen Mittag die in größerem Licht der Weisheit und Einsicht, gegen Mitternacht die in schwächerem sind. Sie wohnen aber so geschieden, weil jede Gesellschaft einen Himmel darstellt und auch ein Himmel in kleinerer Gestalt ist, man sehe Nr. 51-58. Gleiches geschieht bei ihren Versammlungen. Sie werden in diese Ordnung gebracht infolge der Form des Himmels, vermöge welcher jeglicher seiner Stelle kennt. Es wird auch vom Herrn dafür gesorgt, daß in jeder Gesellschaft einige aus jeder Gattung seien, und dies darum, damit der Himmel hinsichtlich seiner Form sich überall gleich sei; dennoch aber unterscheidet sich die Anordnung des ganzen Himmels von der Anordnung einer Gesellschaft, wie das Allgemeine vom Besonderen; denn die Gesellschaften, die gegen Morgen sind, sind vorzüglicher als die Gesellschaften, die gegen Abend sind, und die gegen Mittag sind vorzüglicher als die gegen Mitternacht.

(150)
Daher kommt, daß die Hauptgegenden in den Himmeln solches bezeichnen, was bei denen ist, die in ihnen wohnen, nämlich der Aufgang die Liebe und ihr Gutes bei klarem Innewerden, der Untergang ebendasselbe bei dunklem Innewerden, der Mittag die Weisheit und Einsicht in hellem Licht, und die Mitternacht dieselben in dunklem Licht. Und weil durch diese Hauptgegenden dergleichen bezeichnet wird, so wird das gleiche auch durch sie bezeichnet im inneren oder geistigen Sinn des Wortes
117; denn der innere oder geistige Sinn des Wortes verhält sich ganz nach dem, was im Himmel ist.

(151)
Das Gegenteil ist bei denen, die in den Höllen sind; die in diesen sind, sehen nicht auf den Herrn als die Sonne oder den Mond, sondern rückwärts vom Herrn weg auf jenen stockfinstern Körper, der anstatt der Weltsonne ist, und auf jenen verfinsterten Körper, der anstatt des Mondes der Erde; diejenigen, welche böse Engel [Genii] heißen, auf den stockfinstern Körper, der anstatt der Weltsonne ist, und diejenigen, welche Geister heißen, auf den verfinsterten Körper, der anstatt des Mondes der Erde ist
118; daß die Sonne der Welt und der Mond der Erde nicht in der geistigen Welt erscheinen, sondern anstatt jener Sonne etwas Stockfinsteres gegenüber der Sonne des Himmels, und anstatt jenes Mondes etwas Verfinstertes, das dem Mond des Himmels gegenüber ist, sehe man Nr. 122; sie haben daher Hauptgegenden, die den Hauptgegenden des Himmels entgegengesetzt sind; der Aufgang ist ihnen, wo jenes Stockfinstere und jenes Verfinsterte ist; der Untergang ist ihnen, wo die Sonne des Himmels ist; der Mittag ist ihnen zur Rechten, und die Mitternacht zur Linken, und dies auch bei jeder Wendung ihres Leibes; sie können auch nicht anders, darum weil alle Richtung ihres Inwendigen und daher alle Bestimmung dahin sich neigt und strebt; daß die Richtung des Inwendigen und somit die wirkliche Bestimmung aller im anderen Leben ihrer Liebe gemäß sei, sehe man Nr. 143; die Liebe derer, die in den Höllen sind, ist die Selbstliebe und Weltliebe, und diese Arten von Liebe sind es, die durch die Sonne der Welt und den Mond der Erde bezeichnet werden, man sehe Nr. 122; und diese Arten von Liebe sind auch entgegengesetzt der Liebe zum Herrn und der Liebe gegen den Nächsten119; daher kommt, daß sie sich rückwärts vom Herrn jenen finsteren Körpern zukehren. Auch die in den Höllen sind, wohnen nach ihren Hauptgegenden, die, so im Bösen aus der Selbstliebe sind, von ihrem Aufgang bis zu ihrem Untergang; die im Falschen des Bösen sind, von ihrem Mittag bis zu ihrer Mitternacht: doch hiervon unten mehr, wo von den Höllen [die Rede sein wird].

(152)
Kommt ein böser Geist unter die guten, so werden gewöhnlich die Hauptgegenden so verwirrt, daß die guten kaum wissen, wo ihr Aufgang ist; was ich auch einige Male tatsächlich erfuhr, und dann auch von Geistern hörte, die sich darüber beklagten.

(153)
Die bösen Geister erscheinen zuweilen als den Hauptgegenden des Himmels zugekehrt und haben dann Einsicht und Verständnis [perceptio] des Wahren, allein keine Neigung zum Guten; sobald sie daher sich wieder zu ihren Hauptgegenden zurückwenden, sind sie wieder ohne Einsicht und Verständnis des Wahren, und sagen dann, die Wahrheiten, die sie gehört und gefaßt hatten seien nicht wahr, sondern falsch. Sie wollen auch, daß das Falsche wahr sei. Über diese Umwandlung ward ich unterrichtet, daß nämlich bei den Bösen das Verstehen [intellectuale] also umgewandelt werden kann, nicht aber das Wollen [voluntarium]; und daß dies vom Herrn so vorgesehen worden sei, zu dem Ende, damit jeder die Wahrheiten sehen und anerkennen könne, daß aber niemand sie aufnehme, sofern er nicht im Guten ist, weil das Gute es ist, was die Wahrheiten aufnimmt, und durchaus nicht das Böse; dann auch, daß es ebenso beim Menschen sei, zu dem Ende, daß er durch die Wahrheiten gebessert werden könne, daß er aber nicht weiter gebessert werde, als er im Guten ist; und daher komme es, daß der Mensch in gleicher Weise dem Herrn zugekehrt werden kann; wenn er aber dem Leben nach im Bösen sei, so wende er sich alsbald vom Herrn ab und bestärke sich im Falschen seines Bösen wider die Wahrheiten, die er begriffen und gesehen hatte; und dies geschehe bei ihm, wenn er bei sich aus seinem Inwendigen heraus denke.

(19)

VON DEN ZUSTANDSVERÄNDERUNGEN
DER ENGEL IM HIMMEL

(154)
Unter den Zustandsveränderungen der Engel werden ihre Veränderungen hinsichtlich der Liebe und des Glaubens und daher der Weisheit und Einsicht, somit in Ansehung ihrer Lebenszustände verstanden: Zustände werden von Leben und von dem, was zum Leben gehört, ausgesagt; und weil das engelische Leben ein Leben der Liebe und des Glaubens und hieraus der Weisheit und Einsicht ist, so werden die Zustände von diesen ausgesagt und Zustände der Liebe und des Glaubens, sowie auch Zustände der Weisheit und Einsicht genannt. Wie diese Zustände bei den Engeln verändert werden, soll nun gesagt werden.

(155)
Die Engel sind nicht beständig in gleichem Zustand hinsichtlich der Liebe, und daher auch nicht in gleichem hinsichtlich der Weisheit; denn alle Weisheit haben sie aus der Liebe und nach Beschaffenheit der Liebe; bisweilen sind sie im Zustand inbrünstiger Liebe, bisweilen im Zustand nicht so inbrünstiger Liebe; sie nimmt stufenweise ab von ihrem höchsten bis zum niedrigsten Grad; wenn sie im höchsten Grad der Liebe sind, so sind sie in ihres Lebens Licht und Wärme, oder in ihrer Klarheit und Lust; sind sie aber im niedrigsten Grad, so sind sie im Schatten und Frost, oder in ihrer Dunkelheit und Unlust; vom untersten Stand kehren sie wieder zum ersten zurück und so fort. Diese Wechsel lösen sich einander ab, und zwar in mannigfaltiger Weise. Diese Zustände folgen aufeinander wie die Zustandswechsel des Lichtes und Schattens, der Wärme und Kälte, oder wie Morgen, Mittag, Abend und Nacht an jedem Tag in der Welt, mit steter Verschiedenheit innerhalb des Jahres; sie stehen auch im Entsprechungsverhältnis: der Morgen zum Zustand ihrer Liebe im Klaren, der Mittag zum Zustand ihrer Weisheit im Klaren, der Abend zum Zustand ihrer Weisheit im Dunkeln, und die Nacht zum Zustand der Lieblosigkeit und Unweisheit. Man muß jedoch wissen, daß keine Entsprechung stattfindet zwischen der Nacht und den Lebenszuständen derer im Himmel, sondern eine Entsprechung der Dämmerung, wie sie vor dem Morgen ist; eine Entsprechung der Nacht besteht mit denen in der Hölle
120. Von dieser Entsprechung rührt her, daß im Wort Tag und Jahr die Lebenszustände im allgemeinen bezeichnen; Wärme und Licht die Liebe und Weisheit; der Morgen die erste und höchste Stufe der Liebe; der Mittag die Weisheit in ihrem Licht; der Abend die Weisheit in ihrem Schatten; die Morgendämmerung das Dunkel, das dem Morgen vorausgeht; die Nacht aber den gänzlichen Mangel an Liebe und Weisheit121.

(156)
Mit dem Zustand des Inwendigen, welches das Gebiet der Liebe und Weisheit der Engel ist, werden auch die Zustände der mannigfaltigen Außendinge verändert, die vor ihren Augen erscheinen; denn die Dinge, die außerhalb ihrer sind, erhalten eine Erscheinung gemäß dem, was innerhalb ihrer ist: allein was und welcherlei diese Dinge seien, soll in den folgenden Abschnitten, in denen von den Vorbildungen und Erscheinungen im Himmel die Rede sein wird, gesagt werden.

(157)
Jeglicher Engel erfährt und durchläuft solche Zustandsveränderungen, und auch jegliche Gesellschaft im allgemeinen, aber immer wieder der eine in ihr anders als der andere, und dies darum, weil sie in Liebe und Weisheit voneinander verschieden sind; denn die in der Mitte sind in einem vollkommeneren Zustand als die, welche rings umher bis an die Grenzen sind (man sehe Nr. 23 und 128); allein die Unterschiede anzugeben, wäre zu weitläufig; denn jeder erfährt Veränderungen je nach der Beschaffenheit seiner Liebe und seines Glaubens; daher kommt, daß der eine in seiner Klarheit und Lust ist, während der andere in seiner Dunkelheit und Unlust ist; und zwar dies gleichzeitig innerhalb derselben Gesellschaft; und dann auch in einer Gesellschaft anders als in der anderen; und in den Gesellschaften des himmlischen Reiches anders als in den Gesellschaften des geistigen Reiches. Die Unterschiede ihrer Zustandsveränderungen im allgemeinen sind wie die Zustandswechsel der Tage in der einen und in der anderen Zone auf der Erde; denn hier gibt es solche, die Morgen haben, während andere Abend haben, und auch solche, die Wärme haben, während andere Kälte haben, und umgekehrt.     angels-heaven.org

(158)
Ich bin aus dem Himmel unterrichtet worden, warum dort solche Zustandsveränderungen stattfinden; die Engel sagten, es seien mehrere Ursachen; die erste, daß die Lust des Lebens und des Himmels, die ihnen aus der Liebe und Weisheit kommt, die vom Herrn sind, nach und nach ihren Wert verlieren würde, wenn sie ununterbrochen darin wären; wie dies denen geschieht, die ohne Abwechslung in Lustbarkeiten und Wonnen sind. Eine andere Ursache ist, daß sie ebenso wie die Menschen ein Eigenes haben, und dieses das sich selber lieben ist, und daß alle, die im Himmel sind, von ihrem Eigenen abgehalten werden, und inwieweit sie vom Herrn her davon abgehalten werden, insoweit in der Liebe und Weisheit sind, inwieweit sie aber nicht abgehalten werden, insoweit in der Liebe zu sich sind; und weil jeder sein Eigenes liebt und es [ihn] fortzieht
122, darum treten bei ihnen Zustandsveränderungen und aufeinanderfolgende Wechsel ein. Eine dritte Ursache ist, daß sie auf diese Weise vervollkommnet werden, weil sie sich daran gewöhnen, in der Liebe zum Herrn gehalten und von der Selbstliebe abgehalten zu werden; und dann auch, weil durch die Abwechslungen der Lust und Unlust das Innewerden und Gefühl des Guten feiner wird123. Sie setzten hinzu, daß nicht der Herr ihre Zustandsveränderungen hervorbringe, weil der Herr als Sonne stets mit Wärme und Licht, das heißt mit Liebe und Weisheit einfließe, sondern daß der Grund in ihnen selbst liege, weil sie ihr Eigenes lieben, das [sie] beständig abzieht; es wurde dies beleuchtet durch Vergleich mit der Sonne der Welt, sofern nicht in ihr der Grund der Zustandsveränderungen der Wärme und Kälte und des Lichtes und Schattens in jedem Jahr und an jedem Tag liege, da sie unbewegt stehe, sondern der Grund in der Erde sei.

(159)
Es wurde mir gezeigt, wie der Herr als Sonne den Engeln im himmlischen Reich in ihrem ersten Zustand, wie in ihrem zweiten, und wie in ihrem dritten erscheint; der Herr ward als Sonne rötlich und strahlend in solchem Glanz gesehen, daß es nicht beschrieben werden kann; man sagte, der Herr erscheine als solche Sonne den Engeln in ihrem ersten Zustand; hernach sah man einen großen dunklen Gürtel um die Sonne, durch den das Rötliche und Schimmernde, von dem sie so sehr glänzte, zuerst matter zu werden begann; man sagte, die Sonne erscheine ihnen so im anderen Zustand; hernach sah man, wie der Gürtel sich noch mehr verdunkelte, und die Sonne infolgedessen weniger rötlich erschien, und dies stufenweise, bis sie endlich wie weißschimmernd wurde; man sagte, so erscheine ihnen die Sonne im dritten Zustand. Nach diesem sah man dieses Weißschimmernde linkshin gegen den Mond des Himmels fortrücken und sich seinem Licht beifügen; infolgedessen dann der Mond über die Maßen erglänzte; man sagte, dies sei der vierte Zustand für die im himmlischen Reich und der erste für die im geistigen Reich, und so lösen sich die Zustandsveränderungen in beiden Reichen ab; jedoch nicht im ganzen, sondern in einer Gesellschaft nach der anderen; dann auch seien diese Wechsel nicht feststehend, sondern kommen später oder früher, ohne daß sie es wissen. Weiter sagten sie, nicht die Sonne verändere sich so in sich, noch rücke sie so fort, dennoch aber erscheine sie so je nach den allmählichen Fortbewegungen der Zustände bei ihnen, weil der Herr jeglichem nach der Beschaffenheit seines Zustandes erscheint, somit rotstrahlend, wenn sie in inbrünstiger Liebe sind, weniger rotstrahlend und zuletzt weißschimmernd, wenn die Liebe abnimmt; und die Beschaffenheit ihres Zustandes sei durch den dunklen Gürtel vorgebildet worden, welche der Sonne jene scheinbaren Wechsel hinsichtlich der Flamme und des Lichtes beibrachte.

(160)
Sind die Engel im letzten Zustand, welcher eintritt, wenn sie in ihrem Eigenen sind, so fangen sie an, niedergeschlagen zu werden; ich sprach mit ihnen, während sie in diesem Zustand waren, und sah ihre Niedergeschlagenheit; allein sie sagten, sie seien der Hoffnung, in kurzem wieder in den vorigen Zustand und so gleichsam wieder in den Himmel zu kommen; denn der Himmel ist für sie, von ihrem Eigenen abgehalten werden.

(161)
Auch in den Höllen gibt es Zustandsveränderungen, doch hiervon unten, wo von der Hölle die Rede sein wird.

(20)

VON DER ZEIT IM HIMMEL

(162)
Wie sehr auch im Himmel, wie in der Welt, alles wechselt und sich fortbewegt, so haben doch die Engel keinen Begriff, noch Vorstellung von Zeit und Raum, so gar keine, daß sie gar nicht wissen, was Zeit und Raum ist. Von der Zeit im Himmel soll nun hier die Rede sein und vom Raum unten in seinem Abschnitt.

(163)
Daß die Engel nicht wissen, was Zeit ist, obgleich alles bei ihnen allmählich fortschreitet, wie in der Welt, und zwar so ganz, daß gar kein Unterschied obwaltet, hat seinen Grund darin, daß es im Himmel gar keine Jahre und Tage gibt, sondern Zustandsveränderungen, und da, wo es Jahre und Tage gibt, auch Zeiten sind, da aber, wo es Zustandsveränderungen gibt, Zustände sind.

(164)
In der Welt gibt es darum Zeiten, weil die Sonne hier dem Schein nach von einem Grad zum anderen fortrückt und Zeiten macht, die man Jahreszeiten nennt; und sie überdies um die Erde läuft und Zeiten macht, die man Tageszeiten nennt, und zwar diese und jene in feststehendem Wechsel. Anders die Sonne des Himmels, diese macht nicht durch allmähliche Fortbewegungen und Umdrehungen Jahre und Tage, sondern dem Anschein nach Zustandsveränderungen, und auch diese nicht in festbestimmtem Wechsel, wie dies im vorhergehenden Abschnitt gezeigt worden ist. Daher kommt, daß die Engel nicht irgendwelche Vorstellung von der Zeit haben können, sondern [nur] an deren Statt vom Zustand, was Zustand sei, sehe man Nr. 154.

(165)
Weil die Engel keine Vorstellung aus der Zeit haben, wie die Menschen in der Welt, so haben sie auch keine Vorstellung von der Zeit und von den Zeitbestimmungen; von den der Zeit eigentümlichen Bestimmungen wissen sie nicht einmal, was sie sind, so z.B. was Jahr, Monat, Woche, Tag, Stunde, heute, morgen, gestern ist; wenn die Engel dergleichen vom Menschen hören, [denn immer sind dem Menschen Engel vom Herrn beigegeben], so vernehmen sie statt derselben Zustände und Bestimmungen der Zustände. So wird die natürliche Vorstellung des Menschen bei den Engeln in eine geistige Vorstellung verwandelt. Daher kommt, daß im Wort die Zeiten Zustände bezeichnen, und die der Zeit eigentümlichen Bestimmungen, wie die oben genannten, die ihnen entsprechenden geistigen Dinge bedeuten
124.

(166)
Gleiches geschieht bei allem, was von der Zeit herkommt, wie z.B. bei den vier Jahreszeiten, die man Frühling, Sommer, Herbst und Winter nennt; bei den vier Tageszeiten, die man Morgen, Mittag, Abend und Nacht nennt; und bei den vier Menschenaltern, die man Kindesalter, Jünglingsalter, Mannesalter und Greisenalter nennt; und so bei den übrigen, was entweder von der Zeit herrührt oder der Zeit nach erfolgt; wenn der Mensch sich dergleichen denkt, so denkt er aus der Zeit, der Engel aber aus dem Zustand; weshalb, was diese Dinge beim Menschen von der Zeit an sich haben, beim Engel in die Vorstellung des Zustandes verwandelt wird; der Frühling und der Morgen verwandeln sich in die Vorstellung des Zustandes der Liebe und Weisheit, wie diese im ersten Zustand bei den Engeln sind; Sommer und Mittag verwandeln sich in die Vorstellung der Liebe und Weisheit, wie sie im zweiten sind; Herbst und Abend, wie sie im dritten sind; Nacht und Winter in die Vorstellung des Zustandes, wie er in der Hölle ist; daher kommt, daß ähnliches durch diese Zeiten im Wort bezeichnet wird, man sehe Nr. 155; woraus erhellt, in welcher Weise die natürlichen Dinge, die im Denken des Menschen sind, bei den Engeln, die sich beim Menschen befinden, geistig werden.

(167)
Weil die Engel gar keinen Zeitbegriff haben, darum haben sie auch eine andere Idee des Ewigen, als die Menschen der Erde; die Engel verstehen unter dem Ewigen einen endlosen Zustand, nicht aber eine endlose Zeit
125. Ich dachte einst über das Ewige nach, und mittelst des Zeitbegriffs konnte ich wohl begreifen, was das „in Ewigkeit“ sein soll, nämlich das Endlose, nicht aber was das „von Ewigkeit“ sei, somit auch nicht, was Gott vor der Schöpfung von Ewigkeit her getan hätte; als ich hierdurch in ein Bangen geriet, ward ich in die Sphäre des Himmels erhoben, und so in die Auffassung, in der die Engel vom Ewigen sind, und dann wurde mir durch Erleuchtung klar, daß man über das Ewige nicht aus der Zeit denken darf, sondern vom Zustand aus und daß alsdann verstanden wird, was das von Ewigkeit ist; was auch bei mir geschah.

(168)
Die Engel, die mit Menschen reden, reden niemals mittelst der natürlichen, dem Menschen eigentümlichen Vorstellungen, die alle von der Zeit, vom Raum, vom Materiellen und von den diesen analogen Dingen hergenommen sind, sondern mittelst geistiger Ideen, die alle von den Zuständen und deren mannigfaltigen Veränderungen innerhalb und außerhalb der Engel entlehnt sind; dennoch aber werden die engelischen Vorstellungen, die geistig sind, sobald sie bei den Menschen einfließen, im Augenblick und von selbst in die natürlichen, dem Menschen eigentümlichen Vorstellungen verwandelt, die den geistigen völlig entsprechen; daß es so geschieht, wissen die Engel nicht und auch nicht die Menschen: von dieser Art ist aller Einfluß des Himmels bei dem Menschen. Es fanden sich Engel, die näher in meine Gedanken, und zwar bis in die natürlichen eingelassen wurden, in denen vieles aus Zeit und Raum war; weil sie aber alsdann nichts verstanden, so traten sie schnell zurück, und nachdem sie zurückgetreten, hörte ich sie reden und sagen, sie seien in der Finsternis gewesen. Welch ein Nichtwissen in betreff der Zeit bei den Engeln ist, wurde mir auch durch Erfahrung zu wissen gegeben. Es war einer aus dem Himmel da, der so beschaffen war, daß er auch in die natürlichen Vorstellungen, wie der Mensch sie hat, eingelassen werden konnte; mit diesem sprach ich daher später wie ein Mensch mit dem Menschen; anfangs wußte er nicht, was das sei, was ich Zeit nannte; weshalb ich ihn völlig unterrichten mußte, wie die Sonne sich um unsere Erde herum zu bewegen und Jahre und Tage zu machen scheine, und daß von daher die Jahre in vier Zeiten und auch in Monate und Wochen eingeteilt werden und die Tage in vierundzwanzig Stunden, und daß diese Zeiten in feststehendem Wechsel wiederkehren und hierdurch die Zeiten [entstehen]. Als er dies gehört, wunderte er sich und sagte, davon habe er nichts gewußt, sondern bloß, was Zustände seien. Während des Redens mit ihm sagte ich auch, man wisse in der Welt, daß es im Himmel keine Zeit gebe; denn die Menschen reden so, als wüßten sie es, sie sagten nämlich von denen, die sterben, daß sie das Zeitliche verlassen und daß sie aus der Zeit gehen, worunter sie verstehen, aus der Welt. Ich sagte auch, einige wissen wohl, daß die Zeiten ursprünglich Zustände sind, daraus nämlich, daß dieselben sich ganz nach den Zuständen der Neigungen verhalten, in denen sie sind, kurz für die, welche in Freuden und Wonnen sind, lang für die, welche in Unlust und Traurigkeit sind und wechselnd im Zustand der Hoffnung und Erwartung; und daß deshalb die Gelehrten untersuchen, was Zeit und Raum sei, wie denn auch einige wissen, daß die Zeit dem natürlichen Menschen angehört.

(169)
Der natürliche Mensch kann glauben, daß er gar kein Denken hätte, wenn die Vorstellungen der Zeit, des Raumes und der materiellen Dinge weggenommen würden, denn auf diese gründen sich alle Gedanken, die der Mensch hat
126: allein er möge wissen, daß die Gedanken insoweit endlich sind und beengt werden, als sie von Zeit, Raum und Materiellem etwas an sich haben, und insoweit nicht endlich sind und sich erweitern, als sie von diesen nichts an sich haben, weil insoweit das Gemüt über die materiellen und weltlichen Dinge erhoben wird. Den Engeln kommt von daher Weisheit, und diese ist von der Art, daß sie für unbegreiflich erklärt wird, weil sie nicht in die Vorstellungen fällt, die bloß aus solchem bestehen.

(21)

VON DEN VORBILDUNGEN
UND ERSCHEINUNGEN IM HIMMEL

(170)
Der Mensch, der aus dem bloß natürlichen Licht denkt, kann nicht begreifen, daß im Himmel etwas sein soll, das den Dingen in der Welt gleich ist, und zwar darum nicht, weil er aus jenem Licht gedacht und sich bestärkt hatte, daß die Engel bloß Denksubjekte [Mentes], und die Denksubjekte nur eine Art ätherischer Gebilde seien, und sie somit keine Sinne haben, wie der Mensch, also auch keine Augen, und wenn keine Augen, auch keine Gegenstände; während doch die Engel alle Sinne, die der Mensch hat, ja noch viel schärfere haben, auch das Licht, aus dem sie sehen, viel heller ist, als das Licht, aus dem der Mensch sieht. Daß die Engel Menschen in vollkommenster Gestalt sind, und sich aller Sinne erfreuen, sehe man Nr. 73-77; und daß das Licht im Himmel viel heller ist, als das Licht in der Welt, Nr. 126-132.

(171)
Welcherlei die Dinge sind, die den Engeln in den Himmeln erscheinen, kann nicht mit wenigem beschrieben werden; sie gleichen größtenteils den Dingen auf der Erde, nur daß ihre Gestalt noch vollkommener und ihre Menge noch größer ist. Daß es in den Himmeln dergleichen Dinge gibt, kann an demjenigen erhellen, was die Propheten sahen, wie z.B. was Ezechiel vom neuen Tempel und von der neuen Erde sah, was von Kap. 40-48 beschrieben wird; was Daniel von Kap. 7-12; was Johannes, vom ersten bis zum letzten Kapitel in der Apokalypse, und andere, wovon sowohl in den geschichtlichen, als in den prophetischen Büchern des Wortes die Rede ist. Dergleichen Dinge erschienen ihnen, wenn ihnen der Himmel geöffnet war, und es heißt, der Himmel werde geöffnet, wenn das innere Sehen, welches das Sehen des Menschengeistes ist, geöffnet wird; denn die Dinge in den Himmeln können nicht mit den Augen des Körpers des Menschen, sondern nur mit den Augen seines Geistes gesehen werden; und sobald es dem Herrn gefällt, werden diese geöffnet, während der Mensch vom natürlichen Licht, in dem er durch die Körpersinne ist, abgezogen und ins geistige Licht, in dem er durch seinen Geist ist, erhoben wird. In diesem Licht sah ich, was in den Himmeln ist.

(172)
Allein obgleich die Dinge, die in den Himmeln erscheinen, den Dingen auf Erden größtenteils ähnlich sind, so sind sie doch nicht ähnlich dem Wesen nach; denn die in den Himmeln entstehen aus der Sonne des Himmels und die auf Erden aus der Sonne der Welt; die aus der Sonne des Himmels entstehen, heißen geistig, die aber aus der Sonne der Welt, natürlich.

(173)
Die Dinge, die in den Himmeln entstehen, entstehen nicht in gleicher Weise wie die auf Erden; in den Himmeln entstehen alle Dinge aus dem Herrn gemäß den Entsprechungen mit dem Inwendigen der Engel; denn die Engel haben ein Inwendiges und ein Auswendiges; was in ihrem Inwendigen ist, bezieht sich alles auf Liebe und Glauben, somit auf den Willen und den Verstand; denn der Wille und der Verstand sind deren Aufnahmegefäße; das Auswendige aber entspricht dem Inwendigen: daß das Auswendige dem Inwendigen entspricht, sehe man Nr. 87-115. Erläutert kann dies durch dasjenige werden, was oben von der Wärme und dem Licht des Himmels gesagt worden ist, daß nämlich die Engel Wärme haben je nach Beschaffenheit ihrer Liebe, und Licht je nach Beschaffenheit ihrer Weisheit; man sehe Nr. 128-134. Ebenso verhält es sich mit den übrigen Dingen, die vor den Sinnen der Engel erscheinen.

(174)
Als mir gegeben wurde, mit den Engeln Umgang zu haben, wurden mir die bei ihnen befindlichen Dinge ganz so sichtbar, wie die Dinge in der Welt, und zwar so handgreiflich, daß ich nicht anders wußte, als sei ich in der Welt und da am Hofe eines Königs. Ich sprach auch mit ihnen, wie der Mensch mit dem Menschen.

(175)
Weil alle Dinge, die dem Inwendigen entsprechen, dieses auch vorbilden, werden sie Vorbildungen [Repraesentativa] genannt; und weil sie je nach dem Zustand des Inwendigen bei ihnen sich verändern, darum heißen sie Erscheinungen, [Apparentiae], obgleich die Dinge, die vor den Augen der Engel in den Himmeln erscheinen und mit ihren Sinnen wahrgenommen werden, ebenso lebhaft erscheinen und wahrgenommen werden, wie vom Menschen die Dinge auf Erden, ja noch viel deutlicher, bestimmter und wahrnehmbarer. Die Erscheinungen in den Himmeln, die diesen Ursprung haben, heißen reale Erscheinungen, weil sie reell existieren; es gibt auch unreale Erscheinungen, nämlich solche, die zwar erscheinen, aber nicht dem Inwendigen entsprechen
127; doch von diesen im folgenden.

(176)
Um deutlicher zu machen, welcherlei die Dinge sind, die den Engeln je nach den Entsprechungen erscheinen, möchte ich hier nur eines anführen: denen, die in der Einsicht sind, erscheinen Gärten und Paradiese voller Bäume und Blumen jeder Art; die Bäume sind da in der schönsten Ordnung gesetzt und bilden einzelne Gruppen, zu denen Bogengänge führen und um die herum Lustgänge angebracht sind, alles in solcher Schönheit, daß es nicht beschrieben werden kann; es ergehen sich auch in diesen die, so in der Einsicht sind und pflücken Blumen und winden Kränze, mit denen sie die Kinder schmücken; es gibt hier auch Arten von Bäumen und Blumen, die in der Welt nirgends gesehen wurden, noch hienieden vorkommen könnten; auch sind auf den Bäumen Früchte je nach dem Guten der Liebe, in dem die Einsichtsvollen sind; dergleichen sehen diese, weil der Garten und das Paradies und auch die fruchtbaren Bäume und die Blumen der Einsicht und Weisheit entsprechen
128. Daß dergleichen Dinge in den Himmeln sind, ist auch auf Erden bekannt, jedoch nur denen, die im Guten sind und das Licht des Himmels nicht durch das natürliche Licht und dessen Täuschungen bei sich ausgelöscht haben; denn wenn sie an den Himmel denken oder von ihm sprechen, so denken und sagen sie, es gebe dort solche Dinge, die kein Ohr gehört und kein Auge gesehen hat.

(22)

VON DEN GEWÄNDERN,
MIT DENEN DIE ENGEL ANGETAN ERSCHEINEN

(177)
Da die Engel Menschen sind, und untereinander leben wie die Menschen der Erde unter sich, so haben sie auch Kleider, sie haben Wohnungen und vieles Ähnliche, nur mit dem Unterschied, daß alles vollkommener ist, weil in vollkommenerem Zustand; denn wie die Engelweisheit die menschliche Weisheit in solchem Grad übertrifft, daß sie unaussprechlich genannt wird, so entspricht auch alles, was von den Engeln wahrgenommen wird und ihnen erscheint, ihrer Weisheit, man sehe Nr. 173.

(178)
Die Kleider, mit denen die Engel angetan sind, stehen, ebenso wie das übrige, in Entsprechung, und weil sie entsprechen, so existieren sie auch wirklich, man sehe Nr. 175; ihre Kleider entsprechen ihrer Einsicht; weshalb in den Himmeln alle je nach ihrer Einsicht bekleidet erscheinen, und weil der eine den anderen an Einsicht übertrifft, Nr. 43-128, darum hat auch der eine schönere Kleider als der andere: die Einsichtsvollsten haben wie im Feuerglanz schimmernde, einige aber wie vom Lichtglanz leuchtende Kleider; die minder Einsichtsvollen haben blendend weiße oder weiße Kleider ohne Glanz; und die noch weniger Einsichtigen haben bunte Kleider; die Engel des innersten Himmels aber sind unbekleidet.

(179)
Weil die Kleider der Engel ihrer Einsicht entsprechen, so entsprechen sie auch dem Wahren; denn alle Einsicht kommt aus dem göttlich Wahren; weshalb denn gleichviel ist, ob man sagt, die Engel seien je nach ihrer Einsicht oder nach dem göttlich Wahren bekleidet; daß die Kleider einiger wie von Flammenglanz funkeln und diejenigen von anderen wie von Lichtglanz leuchten, hat seinen Grund darin, daß die Flamme dem Guten und das Licht dem Wahren aus dem Guten entspricht
129; daß die Kleider einiger glänzend weiß und dann wieder mattweiß ohne Glanz, bei einigen aber bunt sind, kommt daher, daß bei minder Einsichtsvollen das göttlich Gute und Wahre weniger glänzt und auch verschieden aufgenommen wird130; auch das Glänzendweiße und das Mattweiße dem Wahren131, und die Farben dessen Mannigfaltigkeiten132 entsprechen. Daß sie im innersten Himmel nackt sind, kommt daher, daß sie in der Unschuld sind und die Unschuld der Nacktheit entspricht133.

(180)
Weil die Engel mit Kleidern angetan sind im Himmel, so erschienen sie auch mit Kleidern angetan, als sie in der Welt gesehen wurden, wie die, welche von den Propheten und auch die, welche beim Grab des Herrn gesehen wurden, deren Anblick war wie der Blitz und ihre Gewänder glänzend und weiß: Matth.28/3; Mark.16/5; Luk.24/4; Joh.20/11,[12],13; und die Johannes im Himmel sah, deren Gewänder von Byssus und weiß waren: Offb.4/4; 19/11,13. Und weil die Einsicht aus dem göttlichen Wahren kommt, darum waren die Gewänder des Herrn, als Er verwandelt wurde, strahlend und glänzend weiß wie das Licht: Matth.17/2; Mark.9/3; Luk.9/29; daß das Licht das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre sei, sehe man Nr. 129. Daher kommt, daß die Kleider im Wort die Wahrheiten und die Einsicht aus diesen bezeichnen, wie bei Johannes:

„Die ihre Gewänder nicht befleckt haben, sollen mit Mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind es wert; wer überwindet, soll bekleidet werden mit weißen Kleidern“: Offb.3/4,5.

„Selig, wer wacht und seine Kleider bewahrt“: Offb.16/15.

Und von Jerusalem, unter dem die Kirche, die im Wahren ist, verstanden wird134, bei Jes.52/1:

„Wach auf, zieh deine Stärke an, Zion, zieh an die Kleider deines Schmucks, Jerusalem“.

Und bei Ez.16/10,13:

„Jerusalem, Ich umwand mit Byssus dich und hüllte dich in Seide, deine Kleider waren Byssus und Seide“,

und so in vielen anderen Stellen. Wer aber nicht in den Wahrheiten ist, von dem heißt es, er sei nicht mit einem hochzeitlichen Kleid angetan, wie bei Matth.22/[11]-13:

„Nachdem der König eingetreten, sah er einen Menschen, der nicht mit einem hochzeitlichen Kleid angetan war und sagte zu ihm: Freund ! Wie bist du hier hereingekommen, da du kein hochzeitliches Kleid anhast ? Darum wurde er in die äußerste Finsternis hinausgestoßen“;

unter dem Hochzeitshaus wird verstanden der Himmel und die Kirche aus der Verbindung des Herrn durch Sein göttlich Wahres mit ihnen, weshalb der Herr im Wort der Bräutigam und Mann heißt, und der Himmel mit der Kirche die Braut und das Weib.

(181)
Daß die Kleider der Engel nicht [bloß] als Kleider erscheinen, sondern wirklich Kleider sind, erhellt daraus, daß sie dieselben nicht nur sehen, sondern auch durch Berührung fühlen; dann auch daraus, daß sie mehrere Gewänder haben und dieselben aus- und anziehen und diejenigen, die sie nicht brauchen, aufbewahren und, wenn sie selbige brauchen, wieder hervorlangen; daß sie die Kleider wechseln, habe ich tausendmal gesehen. Ich fragte, woher sie ihre Kleider haben, und sie sagten: vom Herrn, und sie werden damit beschenkt und zuweilen, ohne ihr Wissen, damit bekleidet. Sie sagten auch, ihre Kleider verändern sich je nach ihren Zustandsveränderungen, und zwar hätten sie in ihrem ersten und zweiten Zustand schimmernde und weißglänzende Kleider, im dritten und vierten aber etwas dunklere, und auch dies vermöge der Entsprechung, weil bei ihnen Zustandsveränderungen hinsichtlich der Einsicht und Weisheit seien, worüber man Nr. 154-161 nachsehen mag.

(182)
Weil in der geistigen Welt bei jedem die Kleider sich seiner Einsicht gemäß verhalten, somit gemäß den Wahrheiten, aus denen die Einsicht kommt, so erscheinen die in den Höllen, weil sie ohne Wahrheiten sind, zwar mit Kleidern angetan, aber mit zerrissenen, schmutzigen und häßlichen, jeder nach Beschaffenheit seiner Torheit, auch können sie nicht mit anderen angetan werden; es wird ihnen vom Herrn gegeben, sich zu bekleiden, damit sie nicht nackt erscheinen.

(23)

VON DEN WOHNUNGEN
UND AUFENTHALTSORTEN DER ENGEL

(183)
Weil es im Himmel Gesellschaften gibt und sie wie die Menschen leben, so haben sie auch Wohnungen und zwar wieder verschiedene je nach dem Lebenszustand eines jeden: prächtige für diejenigen, die in würdigerem Zustand sind und minder prächtige für die, welche in niedrigerem sind. Über die Wohnungen im Himmel sprach ich einige Male mit den Engeln und sagte [ihnen], heutzutage werde kaum jemand glauben, daß sie Wohnungen und Aufenthaltsorte haben, einige darum nicht, weil sie dieselben nicht sehen; andere nicht, weil sie nicht wissen, daß die Engel Menschen sind; andere, weil sie glauben, der Engelhimmel sei der Himmel, den sie mit ihren Augen um sich her sehen, und da dieser leer erscheint und sie meinen, die Engel seien ätherische Gebilde, so schließen sie, dieselben leben im Äther; überdies fassen sie, daß es in der geistigen Welt eben solche Dinge geben soll, wie in der natürlichen, darum nicht, weil sie vom Geistigen nichts wissen. Die Engel sagten, sie wissen, daß heutzutage eine solche Unwissenheit in der Welt herrsche, und zwar, worüber sie sich wunderten, hauptsächlich innerhalb der Kirche und in dieser mehr bei den Gebildeten, als bei denen, die man Einfältige nennt; sie sagten ferner, jene können aus dem Wort wissen, daß die Engel Menschen sind, weil diejenigen, die erschienen, als Menschen erschienen; ebenso der Herr, Welcher all Sein Menschliches mit Sich nahm; und daß sie, weil sie Menschen seien, auch Heimstätten und Wohnungen hätten und nicht, nach der Unwissenheit einiger, die sie Unsinn nannten, in der Luft herumflatterten, oder Winde seien, obwohl sie Geister genannt werden; und daß sie dies fassen könnten, wenn sie nur außerhalb des Kreises ihrer vorgefaßten Begriffe von den Engeln und Geistern darüber denken wollten, welches geschehe, wenn sie nicht die Vorfrage aufwerfen und zum unmittelbaren Gegenstand ihres Denkens machen, ob es so sei; (es liegt nämlich in jedem das allgemeine Denkbild, daß die Engel menschliche Gestalt und daß sie Behausungen haben, welche die Wohnungen des Himmels genannt werden und prächtiger sind als die Wohnungen der Erde); daß aber dieses Gemeinbild, das vom Einfluß des Himmels herrühre, sogleich in Nichts verfalle, sobald man die Frage, ob es so sei, als Gegenstand in die Mitte stellt und sich darüber in Untersuchungen einläßt, was besonders bei Gelehrten geschieht, die durch ihre eigene Verständigkeit sich den Himmel und den Weg des Lichtes aus diesem verschlossen haben. Ebenso geht es mit dem Glauben an das Leben des Menschen nach dem Tode; wer von diesem redet und nicht zugleich nach den gelehrten Meinungen über die Seele oder nach der Lehre von der Wiedervereinigung mit dem Körper darüber denkt, der glaubt, daß er nach dem Tode als Mensch fortleben werde und zwar unter den Engeln, wenn er ein gutes Leben geführt hat, und daß er alsdann Herrliches schauen und Wonnen empfinden werde; sobald er aber auf die Lehre von der Wiedervereinigung mit dem Körper oder auf die willkürliche Voraussetzung von der Seele hinsieht und der Gedanke aufstößt, ob die Seele solche Beschaffenheit habe, somit ob es so sei, zerstreut sich sogleich sein früheres Denkbild.

(184)
Allein es ist besser, Erfahrungsbelege vorzuführen: sooft ich mit den Engeln von Angesicht zu Angesicht sprach, war ich auch bei ihnen in ihren Wohnungen; ihre Wohnungen sind ganz wie die Wohnungen, die man Häuser nennt, nur schöner; es befinden sich in ihnen Säle, Zimmer und Schlafgemächer in großer Anzahl, und Vorhöfe, und ringsumher Gärten, Blumenauen und Felder; wo sie beisammen leben, da sind ihre Wohnungen aneinanderstoßend, die eine neben der anderen und bilden zusammen eine Stadt, mit Straßen, Gassen und Markplätzen, ganz in der Weise der Städte auf unserer Erde. Es wurde mir auch gegeben, sie zu durchwandern und mich überall umzusehen und hie und da in die Häuser einzutreten; dies geschah bei völligem Wachen, als das innere Sehen mir geöffnet wurde
135.

(185)
Ich sah Paläste des Himmels, die so herrlich waren, daß sie nicht beschrieben werden können; oben glänzten sie wie von reinem Gold und unten wie von Edelsteinen; immer ein Palast schimmernder als der andere; im Inneren ebenso; die Gemächer waren mit Verzierungen geschmückt, zu deren Beschreibung uns sowohl die Worte als die Kenntnisse fehlen; auf der Seite gegen Mittag waren Paradiese, in denen alles in gleicher Weise erglänzte und an einigen Stellen die Blätter wie von Silber und die Früchte wie von Gold; und die Blumen in ihren Beeten durch ihre Farben gleichsam Regenbogen darstellten; an den Grenzen erschienen wieder Paläste, in die sich die Aussichten endigten; die Werke der Baukunst des Himmels sind von der Art, daß man sagen möchte, hier sei Kunst in ihrer Kunst, was auch kein Wunder ist, da diese Kunst selbst vom Himmel stammt. Die Engel sagten, dergleichen Dinge und unzählige andere mehr, die noch vollkommener sind, werden vom Herrn vor ihre Augen hingestellt, und dieselben ergötzen mehr noch ihre Gemüter als ihre Augen, und dies darum, weil sie in den Einzelheiten Entsprechungen und mittelst der Entsprechungen das Göttliche sehen.

(186)
Über die Entsprechungen bin ich auch unterrichtet worden, daß nicht nur die Paläste und Häuser, sondern auch alles und jedes, was innerhalb und außerhalb derselben ist, dem Inwendigen entspreche, das vom Herrn bei ihnen ist; daß das Haus selbst im allgemeinen ihrem Guten entspreche und die Einzelheiten innerhalb der Häuser dem Mannigfaltigen, aus dem das Gute [besteht]
136; und die außerhalb der Häuser befindlichen Dinge den Wahrheiten, die aus dem Guten [kommen], und auch den Wahrnehmungen und Erkenntnissen [siehe Nr. 176]; und weil sie dem Guten und Wahren entsprechen, das bei ihnen vom Herrn ist, so entsprechen sie auch ihrer Liebe und somit der Weisheit und Einsicht, weil die Liebe dem Guten angehört, die Weisheit Angehör des Guten und zugleich des Wahren, die Einsicht aber die des Wahren aus dem Guten ist; und daß dies die Dinge sind, welche die Engel wahrnehmen, wenn sie jene Gegenstände erblicken und daß diese darum mehr ihre Gemüter als ihre Augen ergötzen und anziehen.

(187)
Daraus ward klar, warum der Herr Sich den Tempel nannte, der zu Jerusalem war: Joh.2/19,21
137; und warum das neue Jerusalem als aus lauterem Gold bestehend erschien, seine Tore aus Perlen und die Grundlagen aus kostbaren Steinen: Offb. Kap.21; darum nämlich, weil der Tempel das Göttlich-Menschliche des Herrn vorbildete; das neue Jerusalem die Kirche bezeichnet, die später gegründet werden sollte; die zwölf Tore die Wahrheiten, die zum Guten führen; und die Grundlagen [fundamenta] die Wahrheiten, auf denen ihre Gründung beruht138.

(188)
Die Engel, aus denen das himmlische Reich des Herrn besteht, wohnen meistens auf erhabenen Orten, welche wie Berge von Erde erscheinen; die Engel, aus denen das geistige Reich des Herrn besteht, wohnen auf weniger erhabenen Orten, welche wie Hügel erscheinen; die Engel aber, die in den untersten Teilen des Himmels sind, wohnen an Orten, die wie Felsenmassen erscheinen; auch diese Dinge kommen von der Entsprechung her: denn das Inwendige entspricht dem Höheren und das Auswendige dem Niedrigeren
139; daher kommt, daß die Berge im Wort die himmlische Liebe bezeichnen, die Hügel die geistige Liebe und die Felsen den Glauben140.

(189)
Es gibt auch Engel, die nicht in Gesellschaft, sondern abgesondert leben, Haus für Haus; diese wohnen in der Mitte des Himmels, weil sie die besten unter den Engeln sind.

(190)
Die Häuser, in denen die Engel wohnen, werden nicht wie die Häuser in der Welt gebaut, sondern ihnen vom Herrn aus Gnaden geschenkt, jeglichem gemäß der Aufnahme des Guten und Wahren; sie verändern sich auch ein wenig je nach den Zustandsveränderungen ihres Inwendigen, wovon Nr. 154-160. Alles, was die Engel besitzen, das verdanken sie dem Herrn, und alles, dessen sie irgend bedürfen, wird ihnen geschenkt.

(24)

VOM RAUM IM HIMMEL

(191)
Obgleich im Himmel alles ganz wie in der Welt an einem Ort und in einem Raum erscheint, so haben doch die Engel keinen Begriff und keine Vorstellung von Ort und Raum; da dies notwendig als widersinnig erscheinen muß, so will ich die Sache, weil sie von großer Wichtigkeit ist, ins Licht setzen.

(192)
Alle Fortbewegungen in der geistigen Welt geschehen durch Zustandsveränderungen des Inwendigen, so daß die Fortbewegungen nichts anderes sind als Veränderungen des Zustands
141; in dieser Weise bin auch ich vom Herrn in die Himmel und auf die Erdkörper im Weltall geführt worden und zwar dies dem Geiste nach, während der Körper an demselben Ort blieb142; in dieser Weise bewegen sich alle Engel von Ort zu Ort, daher es für sie keine Abstände, und wenn keine Abstände, auch keine Räume gibt, sondern statt derselben Zustände und deren Veränderungen.

(193)
Weil in dieser Weise die Fortbewegungen vor sich gehen, so ist offenbar, daß die Annäherungen Ähnlichkeiten hinsichtlich des Zustandes des Inwendigen und die Entfernungen Unähnlichkeiten sind; daher kommt, daß diejenigen in der Nähe sind, die sich in gleichem Zustand, in der Ferne aber, die sich in ungleichem befinden, und daß die Räume im Himmel nichts anderes sind, als äußere Zustände, die den inneren entsprechen. Nicht anderswoher kommt es, daß die Himmel voneinander geschieden sind und dann auch die Gesellschaften in jedem Himmel und ein jeder in einer Gesellschaft; daher kommt auch, daß die Himmel von den Höllen völlig abgesondert sind, denn sie sind in entgegengesetztem Zustand.

(194)
Hierin hat auch seinen Grund, daß in der geistigen Welt einer dem anderen als gegenwärtig dargestellt wird, sobald er nur ein sehnliches Verlangen nach dessen Gegenwart hat; denn so sieht er ihn in Gedanken und versetzt sich in dessen Zustand; daß aber umgekehrt der eine vom anderen entfernt wird, inwieweit er ihm abgeneigt ist; und weil alle Abneigung aus der Entgegengesetztheit der Neigungen und aus dem Zwiespalt der Gedanken entspringt, so geschieht es infolgedessen, daß mehrere, die sich an einem Ort befinden, solange sie zusammenstimmen, als [sich gegenwärtig] erscheinen, sobald sie aber voneinander abweichen, auch verschwinden.

(195)
Auch wenn einer von einem Ort zum anderen geht, sei es nun in seiner Stadt oder in den Vorhallen oder in den Gärten oder zu anderen außerhalb seiner Gesellschaft, so kommt er schneller dahin, wenn er sich danach sehnt, und langsamer, wenn er sich nicht hinsehnt; der Weg selbst wird je nach seinem Verlangen verlängert und verkürzt, obgleich er derselbe ist; dies habe ich öfter gesehen und mich darüber gewundert. Hieraus erhellt wieder, daß der Abstand, mithin die Räume sich ganz gemäß den Zuständen des Inwendigen bei den Engeln verhalten
143; und weil dem so ist, daß der Begriff und die Vorstellung des Raumes nicht in ihr Denken eindringen kann, obgleich es bei ihnen ebensowohl Räume gibt wie in der Welt.

(196)
Dies kann durch die Gedanken des Menschen beleuchtet werden, sofern auch diese keine Räume haben, denn das stellt sich ihm als gegenwärtig dar, worauf er mit angestrengter Aufmerksamkeit seine Gedanken richtet: so weiß auch, wer darüber nachdenkt, daß es auch für sein Sehen keine Räume gibt, außer infolge der dazwischen liegenden Gegenstände auf Erden, die er zugleich sieht, oder infolge seiner Kenntnis, vermöge welcher er weiß, wie weit sie entfernt sind; dies geschieht, weil es eine stetige Größe ist und in dem Stetigen das Entfernte nur infolge der Gegenstände erscheint, die nicht stetig sind; dies findet noch mehr bei den Engel statt, weil ihr Sehen mit ihrem Denken in Eines zusammenfällt und das Denken in Eines mit der Neigung, und weil Nahes und Entferntes erscheint und sich auch verändert je nach den Zuständen ihres Inwendigen, wie oben gesagt worden.

(197)
Daher kommt, daß im Wort durch die Orte und Räume und durch alles, was etwas vom Raumverhältnis an sich hat, Dinge bezeichnet werden, die sich auf die Zustände beziehen, wie z.B. durch die Abstände, das Nahe, Entfernte, die Wege, die Reisen, Wanderungen, durch die Meilensteine, Stadien, durch die Felder, Äcker, Gärten, Städte, Gassen, durch die Bewegungen, durch die Maße verschiedener Art, durch die Länge, Breite, Höhe und Tiefe und durch unzähliges andere; denn das meiste, was beim Menschen in seinem Denken aus der Welt ist, hat etwas von Raum und Zeit an sich. Ich will hier nur vorführen, was im Wort Länge, Breite und Höhe zu bedeuten haben; in der Welt wird lang und breit genannt, was lang und breit im Raume ist, ebenso auch hoch; im Himmel aber, wo man nicht aus dem Raum denkt, wird unter der Länge der Zustand des Guten, unter der Breite der Zustand des Wahren und unter der Höhe der Unterschied derselben je nach den Graden verstanden, wovon Nr. 38 die Rede war; der Grund, warum dergleichen unter jenen drei Dimensionen verstanden wird, ist der, daß das Lange im Himmel sich auf die Richtung vom Aufgang bis zum Niedergang bezieht und hier diejenigen sich befinden, die im Guten der Liebe stehen; und das Breite im Himmel sich auf die Richtung vom Mittag gegen Mitternacht bezieht und hier diejenigen sich befinden, die im Wahren aus dem Guten sind [man sehe Nr. 148], das Hohe im Himmel aber beides ist hinsichtlich seiner Grade; daher kommt, daß im Wort durch die Länge, Breite und Höhe dergleichen bezeichnet wird; wie z.B. bei Ezechiel vom 40. bis zum 48. Kapitel, wo durch die Maße nach Länge, Breite und Höhe der neue Tempel und die neue Erde beschrieben wird, mit den Vorhöfen, Gemächern, Toren, Türen, Fenstern, Vorstädten, durch welche die neue Kirche und das Gute und Wahre in ihr bezeichnet wird; wozu auch sonst alle jene Maße ? In ähnlicher Weise wird das neue Jerusalem in der Offenbarung beschrieben, mit den Worten:

„Die Stadt liegt ins Gevierte, ihre Länge ist so groß wie ihre Breite; er maß die Stadt mit dem Rohr zu zwölftausend Stadien, und die Länge, Breite und Höhe sind gleich“: Offb.21/16;

weil hier durch das neue Jerusalem die neue Kirche bezeichnet wird, so werden durch jene Maße die zur Kirche gehörigen Dinge bezeichnet, durch die Länge das Gute ihrer Liebe, durch die Breite das Wahre aus diesem Guten, durch die Höhe das Gute und Wahre nach den Graden, durch die zwölftausend Stadien das Gute und Wahre im Inbegriff: was sollte sonst bedeuten, daß die Höhe zwölftausend Stadien betrage gleich der Länge und Breite ? daß im Wort durch die Breite das Wahre bezeichnet wird, erhellt bei David:

„Jehovah, Du verschlossest mich nicht in Feindes Hand und ließest auf der Breite meine Füße stehen“: Ps.31/9.

„Aus der Bedrängnis rief ich zu Jehovah, Er erhörte mich in der Breite“: Ps.118/5;

außer anderen Stellen, als bei Jes.8/8, und bei Hab.1/6. Ebenso auch in den übrigen.

(198)
Hieraus kann man sehen, daß im Himmel, obwohl dort Räume sind, wie in der Welt, dennoch nichts daselbst nach den Räumen, sondern nach den Zuständen geschätzt wird; und daß somit die Räume dort nicht wie in der Welt gemessen, sondern nur gesehen werden können von und nach dem Zustand ihres [der Engel] Inwendigen
144.

(199)
Die eigentlichste erste Ursache ist, daß der Herr jeglichem gegenwärtig ist nach Maßgabe seiner Liebe und seines Glaubens
145; und daß alles als nah und als ferne erscheint je nach Seiner Gegenwart; denn durch diese ist alles in den Himmeln bestimmt: dadurch auch haben die Engel Weisheit; denn dadurch haben sie eine Ausbreitung [extensio] der Gedanken, und dadurch besteht ein Gemeinschaftlichmachen [communicatrio] aller Dinge, die in den Himmeln sind; mit einem Wort, dadurch ist ihnen [gegeben], daß sie geistig denken und nicht natürlich, wie die Menschen.

(25)

VON DER FORM DES HIMMELS,
NACH WELCHER DIE ZUSAMMENGESELLUNGEN
UND MITTEILUNGEN DASELBST ERFOLGEN

(200)
Welcherlei die Form des Himmels ist, kann einigermaßen aus dem erhellen, was in den vorhergehenden Abschnitten gezeigt worden ist, daß nämlich der Himmel im Größten und im Kleinsten sich gleich ist, Nr. 72; daher denn jede Gesellschaft ein Himmel in kleinerer Gestalt und jeder Engel in der kleinsten ist, Nr. 51-58; daß wie der ganze Himmel einen Menschen darstellt, so jede Gesellschaft des Himmels einen Menschen in kleinerer Gestalt und jeder Engel in der kleinsten, Nr. 59-77; daß in der Mitte die Weisesten und ringsumher bis an die Grenzen die weniger Weisen sind, und so in gleicher Weise in jeder Gesellschaft, Nr. 43; und daß vom Aufgang bis zum Niedergang im Himmel diejenigen wohnen, die im Guten der Liebe, und vom Mittag bis zur Mitternacht, die in den Wahrheiten aus dem Guten stehen, ebenso in jeglicher Gesellschaft, Nr. 148, 149; alles dies ist nach der Form des Himmels; daher man daraus schließen kann, wie seine Form im allgemeinen beschaffen ist
146.

(201)
Es ist von Wichtigkeit zu wissen, wie die Form des Himmels beschaffen ist, weil nicht nur ihr gemäß alle zusammengestellt sind, sondern auch ihr gemäß alle Mitteilung geschieht, und weil alle Mitteilung, auch alle Ausbreitung der Gedanken und Neigungen, somit alle Weisheit und Einsicht der Engel; daher kommt, daß inwieweit jemand in der Form des Himmels, inwieweit er also eine Gestalt des Himmels ist, insoweit er auch weise ist. Ob man sagt, in der Form des Himmels oder in der Ordnung des Himmels, läuft auf eines hinaus, weil die Form eines jeden Dinges aus der Ordnung stammt und ihr gemäß ist
147.

(202)
Hier soll zuerst gesagt werden, was es heiße, in der Form des Himmels sein: der Mensch ist nach dem Bilde des Himmels und nach dem Bilde der Welt geschaffen, sein Inneres nach dem Bilde des Himmels und sein Äußeres nach dem Bilde der Welt, man sehe Nr. 57; ob man sagt, nach dem Bilde oder nach der Form, ist dasselbe; weil aber der Mensch durch das Böse seines Willens und infolgedessen durch das Falsche seines Denkens das Bild des Himmels, somit dessen Form bei sich zerstört und an deren Stelle das Bild und die Form der Hölle eingesetzt hat, darum ist sein Inneres schon von seiner Geburt an verschlossen; und darin liegt der Grund, warum der Mensch, verschieden hierin von den Tieren jeder Art, in lautere Unwissenheit geboren wird; damit ihm aber das Bild oder die Form des Himmels wieder hergestellt werde, muß er in solchem, was zur Ordnung gehört, unterrichtet werden; denn der Ordnung gemäß verhält sich, wie oben gesagt worden, die Form: nun enthält das Wort alle Gesetze der göttlichen Ordnung; denn Gesetze der göttlichen Ordnung sind die in ihm gegebenen Vorschriften; inwieweit also der Mensch sie weiß und nach ihnen lebt, insoweit wird ihm das Innere aufgeschlossen und in diesem von neuem die Ordnung oder das Bild des Himmels gebildet; woraus erhellt, was es heißt, in der Form des Himmels sein, daß es nämlich soviel ist, als nach dem leben, was im Wort steht
148.

(203)
Inwieweit jemand in der Form des Himmels ist, insoweit ist er im Himmel, ja insoweit ist er ein Himmel in kleinster Gestalt, Nr. 57; mithin ist er auch insoweit in Einsicht und Weisheit; denn wie oben gesagt worden, jeder Gedanke, der aus seinem Verstand, und jedes Gefühl, das aus seinem Willen kommt, verbreitet sich allenthalben hin in den Himmel gemäß der Form desselben und teilt sich in wunderbarer Weise den Gesellschaften in ihm mit, so wie auch diese wieder sich ihm mitteilen
149. Es gibt einige, welche glauben, die Gedanken und Gefühle breiten sich nicht wirklich rings um sie her aus, sondern seien innerhalb ihrer, und dies darum, weil sie das, was sie denken, als etwas inwendig in ihnen Befindliches und nicht als etwas Entferntes sehen; allein sie täuschen sich sehr; denn wie das Sehen des Auges eine Ausdehnung bis zu Entlegenem hat und je nach der Ordnung der Gegenstände, die es in der Ausdehnung sieht, angeregt wird, so hat auch sein [des Menschen] inneres Sehen, welches der Verstand ist, eine Ausdehnung in der geistigen Welt, obgleich er es, aus dem Nr. 196 bemerkten Grund, nicht wahrnimmt; der Unterschied ist nur, daß das Gesicht des Auges naturmäßig affiziert150 wird, weil durch Gegenstände in der natürlichen Welt, das Gesicht des Verstandes aber geistig angeregt wird, weil durch die Dinge, die in der geistigen Welt sind, die sich sämtlich auf das Gute und Wahre beziehen; daß der Mensch nicht weiß, daß dem so ist, hat seinen Grund darin, daß er nicht weiß, daß es ein geistiges Licht gibt, das den Verstand erleuchtet, während doch der Mensch ohne das Licht, das den Verstand erleuchtet, gar nicht denken kann; über dieses Licht sehe man Nr. 126-132 nach. Es war ein gewisser Geist, der auch geglaubt hatte, er denke aus sich, mithin ohne irgendwelche Ausbreitung außerhalb seiner und somit ohne Gemeinschaft mit den Gesellschaften außer ihm; damit er nun erfahre, daß er im Falschen sei, wurde ihm die Gemeinschaft mit den nächsten Gesellschaften entzogen, und infolgedessen wurde er nicht nur alles Denkens beraubt, sondern fiel auch wie entseelt danieder, schlug jedoch mit den Armen hin und her wie ein neugeborenes Kind; nach einer Weile wurde ihm die Gemeinschaft wiedergegeben, und nach Maßgabe, wie sie wiederhergestellt wurde, kehrte er in den Zustand seines Denkens zurück. Die anderen Geister, die dies ansahen, bekannten nachher, daß jeder Gedanke und jede Neigung je nach der Mitteilung einfließe, und weil jeder Gedanke und jede Neigung, auch alles, was zum Leben gehört, weil alles, was zum Leben des Menschen gehört, darin besteht, daß er denken und angeregt werden, oder was dasselbe ist, einsehen und wollen kann151.

(204)
Jedoch ist zu wissen, daß die Einsicht und Weisheit bei jeglichem verschieden sind je nach der Mitteilung; diejenigen, deren Einsicht und Weisheit aus dem echten Wahren und Guten gebildet ist, haben Gemeinschaft mit Gesellschaften je nach der Form des Himmels; bei denjenigen aber, deren Einsicht und Weisheit nicht aus dem echten Wahren und Guten, jedoch aus solchem gebildet ist, das übereinstimmt, ist die Gemeinschaft eine zerrissene und ungleich angeknüpfte; denn sie findet nicht mit den Gesellschaften in der Reihenfolge statt, in der die Form des Himmels steht: diejenigen hingegen, die nicht in der Einsicht und Weisheit sind, haben, weil sie sich im Falschen aus dem Bösen befinden, eine Gemeinschaft mit Gesellschaften in der Hölle; die Ausdehnung verhält sich nach dem Grad der Bestärkung. Ferner ist zu wissen, daß jene Gemeinschaft mit den Gesellschaften nicht eine Gemeinschaft ist, die denen, die sich in diesen befinden, zum klaren Bewußtsein kommt, sondern eine Gemeinschaft mit ihrer Art und Weise, in der sie sind und die aus ihnen hervorgeht
152.

(205)
Zusammengesellt sind alle im Himmel nach geistigen Verwandtschaften, welche die des Guten und Wahren in seiner Ordnung sind, so im ganzen Himmel, so in jeder Gesellschaft und so in jedem Haus; daher kommt, daß die Engel, die in ähnlichem Guten und Wahren sind, sich kennen wie die Verwandten und Verschwägerten auf Erden, gerade wie wenn sie von Kindheit an miteinander bekannt gewesen wären. In ähnlicher Weise sind bei jedem einzelnen Engel zusammengesellt das Gute und die Wahrheiten, welche die Weisheit und Einsicht bilden; sie erkennen einander in gleicher Weise an, und wie sie sich anerkennen, verbinden sie sich auch
153. Weshalb denn die, bei denen die Wahrheiten und das Gute nach der Form des Himmels verbunden sind, die Folgen in ihrer Verkettung sehen und weit umher, wie sie zusammenhängen; anders diejenigen, bei denen das Gute und die Wahrheiten nicht nach der Form des Himmels verbunden sind.

(206)
Von solcher Art ist in jedem Himmel die Form, welcher gemäß die Engel Gemeinschaft und Ausbreitung der Gedanken und Neigungen haben, welcher gemäß sich also ihre Einsicht und Weisheit verhält, allein eine andere ist die Gemeinschaft des einen Himmels mit dem anderen, nämlich des dritten oder innersten mit dem zweiten oder mittleren und beider mit dem ersten oder letzten; die Gemeinschaft zwischen den Himmeln ist jedoch nicht sowohl eine Gemeinschaft, als vielmehr ein Einfluß zu nennen, und von diesem soll nun etwas gesagt werden. Daß es drei Himmel gibt, und diese unter sich geschieden sind, sehe man in seinem Abschnitt, Nr. 29-40.

(207)
Daß nicht ein Verkehr [communicatio] des einen Himmels mit dem anderen, sondern ein Einfluß statthabe, kann aus ihrer Lage gegeneinander erhellen; der dritte oder innerste Himmel ist oben, der zweite oder mittlere Himmel ist unten, und der erste oder letzte Himmel ist noch tiefer unten; in gleicher [Lage] befinden sich alle Gesellschaften eines jeden Himmels, so z.B. diejenigen, die auf erhabenen Orten wohnen, die wie Berge erscheinen, Nr. 188; auf den Gipfeln derselben wohnen die aus dem innersten Himmel, unterhalb derselben die aus dem zweiten, und unter diesen wieder die aus dem letzten Himmel, und so überall, sei es nun auf erhabenen oder nicht erhabenen Orten: eine Gesellschaft des höheren Himmels hat keinen Verkehr mit einer Gesellschaft des niederen Himmels, außer durch Entsprechungen, man sehe Nr. 100, und der Verkehr durch Entsprechungen ist derjenige, welcher Einfluß heißt.

(208)
Verbunden wird ein Himmel mit dem anderen oder eine Gesellschaft des einen Himmels mit einer Gesellschaft des anderen mittelst des Einflusses allein durch den Herrn in unmittelbarer und in mittelbarer Weise; unmittelbar von Ihm selbst und mittelbar durch die oberen Himmeln der Ordnung nach in die unteren
154. Weil die Verbindung der Himmel allein durch einen Einfluß vom Herrn besteht, darum wird auch die größte Vorsicht angewandt, daß nicht ein Engel des oberen Himmels herabsehe in eine Gesellschaft des unteren und mit jemand in dieser spreche; sobald dies geschieht, wird der Engel seiner Einsicht und Weisheit beraubt; die Ursache soll auch gesagt werden: ein jeder Engel hat drei Stufen des Lebens, wie es auch drei Stufen des Himmels gibt; denen, die im innersten Himmel sind, ist die dritte oder innerste Stufe geöffnet, die zweite und erste aber verschlossen; denen, die im mittleren Himmel sind, ist die zweite Stufe geöffnet, die erste und dritte aber verschlossen; und denen, die im letzten Himmels sind, ist die erste Stufe geöffnet und die zweite und dritte verschlossen; und denen, die im letzten Himmel sind, ist die erste Stufe geöffnet und die zweite und dritte verschlossen; sobald daher ein Engel des dritten Himmels in eine Gesellschaft des zweiten hinabsieht und mit jemand in ihr redet, wird seine dritte Stufe verschlossen, nach deren Schließung er seiner Weisheit beraubt wird, denn in der dritten Stufe hat seine Weisheit ihren Sitz, und er hat keine in der zweiten und ersten. Dies ist es, was verstanden wird unter den Worten des Herrn bei Matth.24/17,18:

„Wer auf dem Dach ist, steige nicht herab, etwas aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Feld ist, kehre nicht zurück, seine Kleider zu holen“.

Und bei Luk.17/31,32:

„An jenem Tage steige, wer auf dem Dach ist und seine Gefäße im Hause [hat], nicht herab, um sie zu holen; und wer auf dem Feld ist, kehre nicht zurück zu dem, was hinter ihm ist; gedenket des Weibes Lots“.

(209)
Es gibt keinen Einfluß der unteren Himmel in die oberen, weil dies gegen die Ordnung ist, sondern aus den oberen Himmeln in die unteren. Auch übertrifft die Weisheit der Engel des oberen Himmels die Weisheit der Engel des unteren Himmels wie eine Myriade zu eins; worin auch der Grund liegt, daß die Engel des unteren Himmels mit den Engeln des oberen Himmels nicht reden können, ja, wenn sie hinaufblicken, dieselben nicht sehen, [sondern ihnen] der Himmel derselben wie eine Nebelwolke über dem Haupt erscheint; wogegen die Engel des oberen Himmels diejenigen, die im unteren Himmel sind, sehen können, sich aber nicht mit ihnen in ein Gespräch einlassen dürfen, außer mit Verlust ihrer Weisheit, wie oben gesagt worden.

(210)
Die Gedanken und Gefühle, sowie auch die Reden der Engel des innersten Himmels werden niemals im mittleren Himmel vernommen, weil sie so sehr überschwenglich sind; wenn es jedoch dem Herrn gefällt, erscheint von da wie etwas Flammiges in den unteren Himmeln, und was [von dergleichen] im mittleren Himmel ist, wie eine Lichthelle im letzten Himmel und zuweilen auch wie eine glänzend weiße und bunte Wolke; an dieser Wolke, ihrem Aufsteigen, Niedersteigen und an ihrer Gestalt wird auch einigermaßen erkannt, was dort gesprochen wird.

(211)
Hieraus kann erhellen, welcherlei die Form des Himmels ist, daß sie nämlich im innersten Himmel die allervollkommenste ist, im mittleren Himmel ebenfalls vollkommen, jedoch in geringerem Grad und im letzten in noch geringerem Grad; und daß die Form des einen Himmels durch die andere mittelst des Einflusses vom Herrn besteht. Welcherlei Gemeinschaft aber durch den Einfluß bestehe, kann nicht begriffen werden, sofern man nicht weiß, wie die Grade der Höhe beschaffen sind, und welches der Unterschied dieser Grade von den Graden der Länge und der Breite ist; welcherlei jene und diese Grade sind, sehe man Nr. 38.

(212)
Was die Form des Himmels im besonderen anbelangt und wie sie läuft und fließt, ist auch den Engeln unbegreiflich; einiges davon kann der Vorstellungskraft nahegebracht werden durch die Form aller Teile im menschlichen Körper, so wie sie von einem Scharfsinnigen und Weisen untersucht und durchforscht worden; denn oben ist in seinen Abschnitten gezeigt worden, daß der ganze Himmel einen Menschen darstellt, man sehe Nr. 59-72, und daß alles, was im Menschen ist, dem Himmel entspricht, Nr. 87-102; wie unbegreiflich und unauflöslich diese Form sei, zeigt sich im allgemeinen schon an den Nervenfasern, durch die alles und jedes zusammengefügt wird; welcherlei diese sind und welchen Gang sie im Gehirn nehmen und weiter verfolgen, wird dem Auge nicht einmal sichtbar; denn unzählige sind hier so verschlungen, daß sie zusammengenommen wie eine weiche, stetig zusammenhängende Masse erscheinen, während doch alles und jedes, was zum Willen und Verstand gehört, ihrem Gang folgend in geschiedenster Weise in die Handlungen ausläuft; wie sie sich weiter im Körper verweben, zeigt sich an den verschiedenen Geflechten, wie z.B. an den Herznervengeflechten, den Gekrösenervengeflechten und anderen, sowie auch an den Knoten, die man Ganglien nennt, in die viele Fibern aus jeder Gegend einlaufen und hier sich vermischen und anders verbunden wieder zu [ihren] Verrichtungen heraustreten und so stets wieder und wieder; außer ähnlichem in jedem Eingeweidestück, Glied, Organ und Muskel; wer sie und die vielen Wunderdinge in ihnen mit weisem Auge durchspäht, wird ganz und gar in Erstaunen versinken, und doch ist, was das Auge sieht, nur weniges; was es nicht sieht, ist noch wundervoller, weil in der inwendigeren Natur. Daß diese Form der Form des Himmels entspricht, zeigt sich deutlich am Wirken aller Verstandes- und Willenstätigkeiten in ihr und ihr gemäß; denn alles, was der Mensch will, tritt ihr gemäß von selbst in Handlung, und alles, was er denkt, durchläuft die Fibern von ihren Anfängen aus bis an die Endpunkte; daher die Sinne; und weil sie die Form des Denkens und Wollens ist, ist sie auch die Form der Einsicht und Weisheit. Diese Form ist es, die der Form des Himmels entspricht; aus ihr kann man abnehmen, daß von solcher Art auch diejenige ist, nach der sich jede Neigung und jeder Gedanke der Engel fortbreitet, und daß sie insoweit in der Einsicht und Weisheit sind, als sie in dieser Form sind; daß diese Form des Himmels aus dem Göttlich-Menschlichen des Herrn stamme, sehe man Nr. 78-86. Diese Dinge sind angeführt worden, damit man auch wisse, daß die himmlische Form von der Art ist, daß sie nicht einmal nach ihrem allgemeinen je erschöpft werden kann und somit, wie oben gesagt worden, selbst den Engeln unbegreiflich ist.

(26)

VON DEN REGIERUNGEN IM HIMMEL

(213)
Da der Himmel in Gesellschaften abgeteilt ist und die größeren Gesellschaften aus einigen Hunderttausenden von Engeln bestehe, Nr. 50, und alle in einer Gesellschaft zwar in gleichem Guten, aber nicht in gleicher Weisheit sind, Nr. 43, so folgt notwendig, daß es auch Regierungen gibt; denn die Ordnung muß beobachtet und über alles, was zur Ordnung gehört, gewacht werden. Allein die Regierungen in den Himmeln sind verschieden; andere in den Gesellschaften, die das himmlische Reich des Herrn bilden, und andere in den Gesellschaften, die das geistige Reich des Herrn ausmachen; sie unterscheiden sich auch nach den Dienstverrichtungen, die jeder Gesellschaft zukommen. Allein in den Himmeln gibt es keine andere Regierung, als die Regierung der wechselseitigen Liebe, und die Regierung der wechselseitigen Liebe ist die himmlische Regierung.

(214)
Die Regierung im himmlischen Reich des Herrn heißt Gerechtigkeit, weil alle, die darin sind, im Guten der Liebe zum Herrn aus dem Herrn sind, und was aus diesem Guten geschieht, das Gerechte heißt. Die Regierung daselbst hat allein der Herr, Er führt sie und belehrt sie in den Dingen des Lebens; die Wahrheiten, welche die des Gerichts heißen, sind ihren Herzen eingeschrieben; jeder weiß sie, vernimmt und sieht sie
155; weshalb die Dinge des Gerichts daselbst nie in Erörterung kommen, sondern die Dinge der Gerechtigkeit, welche Sache des Lebens sind; die weniger Weisen fragen hierüber die Weiseren und diese den Herrn, und sie erhalten Antworten. Ihr Himmel oder ihre innigste Freude ist, gerecht leben aus dem Herrn.

(215)
Die Regierung im geistigen Reich des Herrn heißt das Gericht, weil sie im geistigen Guten sind, welches das Gute der Liebtätigkeit gegen den Nächsten ist, und dieses Gute ist seinem Wesen nach das Wahre
156; und das Wahre ist Sache des Gerichts, das Gute aber Sache der Gerechtigkeit157. Auch diese werden vom Herrn geführt, jedoch mittelbar, Nr. 208; weshalb sie Vorgesetzte haben, weniger oder mehr, je nach dem Bedürfnis der Gesellschaft, in der sie sind; auch haben sie Gesetze, nach denen sie unter sich leben sollen. Die Vorgesetzten verwalten alles nach den Gesetzen, sie verstehen diese, weil sie weise sind, und in zweifelhaften Fällen werden sie vom Herrn erleuchtet.

(216)
Weil die Regierung aus dem Guten, wie sie im himmlischen Reich des Herrn ist, Gerechtigkeit heißt, und die Regierung aus dem Wahren, wie sie im geistigen Reich des Herrn ist, Gericht heißt, darum wird im Wort die Gerechtigkeit und das Gericht genannt, wo vom Himmel und von der Kirche die Rede ist, und durch die Gerechtigkeit bezeichnet das himmlische Gute, und durch das Gericht das geistige Gute, welches Gute, wie oben gesagt worden, seinem Wesen nach das Wahre ist, wie in folgenden Stellen:

„Des Friedens wird kein Ende sein auf Davids Thron und über desselben Reich, es zu befestigen und es zu stützen in dem Gericht und der Gerechtigkeit, von nun an und in Ewigkeit“: Jes.9/6;

unter David wird hier der Herr verstanden158, und unter Seinem Reich der Himmel, wie dies aus der nun folgenden Stelle erhellt:

„Ich will dem David einen gerechten Sproß erwecken, und Er wird als König herrschen und verständig handeln und Gericht und Gerechtigkeit üben auf Erden“: Jer.23/5.

„Erhoben soll Jehovah werden, weil Er in der Höhe wohnt, erfüllt hat Zion mit Gericht und mit Gerechtigkeit“: Jes.33/5;

unter Zion wird auch der Himmel und die Kirche verstanden159.

„Ich Jehovah übe Gericht und Gerechtigkeit auf Erden, weil an ihnen Ich Wohlgefallen habe“: Jer.9/23.

„Ich will dich Mir in Ewigkeit verloben und dich Mir verloben in Gerechtigkeit und im Gericht“: Hos.2/19.

„Jehovah, in den Himmeln ist Deine Gerechtigkeit wie Berge Gottes und Deine Gerichte wie ein großer Abgrund“: Ps.36/6,7.

„Sie fragen Mich nach den Gerichten der Gerechtigkeit, und nach der Nähe Gottes mögen sie sich sehnen“: Jes.58/2;

und anderwärts.

(217)
Im geistigen Reich des Herrn sind mancherlei Regierungsformen, nicht die gleiche in einer Gesellschaft wie in der anderen; die Verschiedenheit verhält sich gemäß den Dienstverrichtungen, welche die Gesellschaften haben; ihre Dienstverrichtungen verhalten sich gemäß den Verrichtungen aller Teile im Menschen, denen sie entsprechen, und daß diese mancherlei sind, ist bekannt; denn eine andere Verrichtung hat das Herz, eine andere die Lunge, eine andere die Leber, eine andere die Gekrösedrüse und die Milz, und eine andere auch jedes einzelne Sinnesorgan. So sind auch die Verrichtungen der Gesellschaften im Größten Menschen, welcher der Himmel ist, verschieden; denn die Gesellschaften sind es, die jenen entsprechen. Daß ein Entsprechungsverhältnis aller Teile des Himmels zu allen Teilen des Menschen bestehe, sehe man in seinem Abschnitt Nr. 87-102. Allein alle Regierungsformen stimmen darin überein, daß sie ihr Absehen auf das öffentliche Wohl als ihren Endzweck haben und in diesem auf das Wohl jedes einzelnen
160; und dies geschieht, weil alle im gesamten Himmel unter der Obhut des Herrn stehen, Welcher alle liebt und aus göttlicher Liebe es so einrichtet, daß es das allgemeine Beste ist, aus dem die einzelnen ihr Gutes empfangen; ein jeder empfängt auch Gutes in dem Maß, wie er das Allgemeine liebt; denn inwieweit jemand das Allgemeine liebt, insoweit liebt er alle und jede; und weil diese Liebe [die] des Herrn ist, so wird er auch insoweit vom Herrn geliebt und geschieht ihm Gutes.

(218)
Hieraus kann erhellen, welcherlei die Vorgesetzten sind, daß sie nämlich diejenigen sind, die mehr als die übrigen in der Liebe und Weisheit sind, somit aus Liebe allen wohlwollen, und vermöge ihrer Weisheit es so einzurichten wissen, daß es zur Ausführung kommt; die so beschaffen sind, herrschen und befehlen nicht, sondern verwalten und dienen; den anderen Gutes tun aus Liebe zum Guten heißt dienen; und dafür sorgen, daß es geschieht, heißt verwalten; solche machen sich auch nicht größer als andere, sondern kleiner, denn die erste Stelle räumen sie dem Wohl der Gesellschaft und des Nächsten ein und die zweite dem ihrigen; was aber die erste Stelle einnimmt, ist das Größere, und was die zweite hat, das Kleinere. Gleichwohl jedoch genießen sie Ehre und Herrlichkeit; sie wohnen in der Mitte der Gesellschaft, erhabener als die übrigen und auch in prächtigen Palästen; sie nehmen auch diese Herrlichkeit und jene Ehre an, jedoch nicht um ihret- sondern um des Gehorsams willen, denn alle daselbst wissen, daß ihnen diese Ehre und Herrlichkeit vom Herrn kommt, und daß man darum ihnen gehorchen soll. Dies ist es, was verstanden wird unter den Worten des Herrn an die Jünger:

„Wer irgend unter euch groß werden will, sei euer Diener, und wer irgend unter euch der Erste sein will, sei euer Knecht: gleich wie des Menschen Sohn nicht gekommen ist, um Sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“: Matth.20/27,28.

„Wer unter euch der Größte sein will, soll sein wie der Kleinste, und wer Führer ist, wie einer, der dient“: Luk.22/26; Mark.10/42-44.

(219)
Eine ähnliche Regierung in kleinster Form ist auch in jeglichem Haus: es ist da ein Hausherr und sind Diener da; der Hausherr liebt die Diener, und die Diener lieben den Hausherrn, daher sie aus Liebe einander gegenseitig dienen; der Hausherr lehrt, wie man leben, und sagt, was man tun soll; die Diener gehorchen und leisten Dienste: Nutzen schaffen ist die Lebenslust aller. Hieraus erhellt, daß das Reich des Herrn ein Reich der Nutzwirkungen ist.

(220)
Es gibt auch Regierungen in den Höllen; denn wären keine Regierungen da, so würden sie nicht in Banden gehalten; die Regierungen daselbst sind aber den Regierungen in den Himmeln entgegengesetzt, sie sind alle [ein Ausfluß] der Selbstliebe; ein jeder will da über andere herrschen und über sie hervorragen; die, welche ihnen nicht günstig sind, hassen sie, üben Rache an ihnen und wüten gegen sie, denn dies ist die Weise der Selbstliebe, weshalb ihnen noch Bösartigere vorgesetzt werden, denen sie aus Furcht gehorchen
161. Doch davon unten, wo von den Höllen [die Rede sein wird].

(27)

VOM GOTTESDIENST IM HIMMEL

(221)
Der Gottesdienst in den Himmeln ist dem Gottesdienst auf Erden nicht unähnlich dem äußeren nach, dem Inneren nach aber ist er verschieden; sie haben dort ebenso Lehren, Predigten und Tempel: die Lehren stimmen im wesentlichen überein; allein die in den oberen Himmeln enthalten tiefere Weisheit als die in den unteren Himmeln; die Predigten sind den Lehren gemäß; und wie sie Häuser und Paläste haben, Nr. 183-190, so haben sie auch Tempel, in denen die Predigten gehalten werden. Daß dergleichen auch in den Himmeln sind, hat seinen Grund darin, daß die Engel fortwährend in Weisheit und Liebe vervollkommnet werden; denn sie haben ebenso wie die Menschen Verstand und Willen, und der Verstand ist so geartet, daß er fort und fort vervollkommnet werden kann, in gleicher Weise der Wille; der Verstand durch die Wahrheiten, welche Sache der Einsicht sind, und der Wille durch das Gute, das Sache der Liebe ist
162.

(222)
Der Gottesdienst selbst aber besteht in den Himmeln nicht im Besuch der Kirchen und im Anhören der Predigten, sondern im Leben der Liebe, der Liebtätigkeit und des Glaubens gemäß den Lehren; die Predigten in den Kirchen dienen bloß als Mittel, in den Dingen des Lebens unterwiesen zu werden. Ich sprach darüber mit den Engeln und sagte, in der Welt glaube man, der Gottesdienst bestehe bloß darin, daß man die Kirche besuche, die Predigten anhöre, drei oder vier Mal des Jahres zum heiligen Abendmahl gehe und die übrigen gottesdienstlichen Handlungen nach Anleitung der Kirchenordnungen mitmache und dann auch dem Gebet obliege und sich dabei andächtig benehme; die Engel sagten, dies seien Äußerlichkeiten, die man tun soll, sie fruchten aber nichts, wenn nicht das Innere da sei, aus dem sie hervorgehen sollen, und dieses Innere sei das Leben nach den Geboten, welche die Lehre lehrt.

(223)
Damit ich wüßte, wie ihre Versammlungen in den Tempeln beschaffen sind, ward mir gegeben, einigemal einzutreten und die Predigten anzuhören: der Prediger steht auf einer Erhöhung gegen Morgen, ihm gegenüber sitzen die, so vor den übrigen im Licht der Weisheit sind, diesen zur Rechten und Linken die in geringerem [Licht] sind; sie sitzen im Halbkreis umher, so daß sie alle dem Prediger im Angesicht sind; zu beiden Seiten, wo der Blick des Predigers nicht hingeht, befindet sich niemand; am Tor, das auf der Morgenseite des Tempels zur Linken des Predigtstuhles ist, stehen die, welche eingeleitet werden; hinter dem Predigtstuhl darf niemand stehen, steht jemand dort, so kommt der Prediger in Verwirrung; dasselbe geschieht, wenn jemand in der Versammlung anderer Ansicht ist, weshalb ein solcher das Angesicht wegwenden muß. Die Predigten werden mit solcher Weisheit gehalten, daß ihnen in der Welt nichts gleichgesetzt werden kann; denn in den Himmeln sind sie in inwendigerem Licht. Die Tempel erscheinen wie von Stein im geistigen Reich, und wie von Holz im himmlischen Reich, und dies darum, weil der Stein dem Wahren entspricht, in welchem die im geistigen Reich sind, das Holz aber dem Guten entspricht, in welchem die im himmlischen Reich sind
163; auch heißen die Kirchen [Aedes] in diesem Reich nicht Tempel, sondern Gotteshäuser. Im himmlischen Reich sind die Kirchen prunklos, im geistigen Reich aber von größerer oder geringerer Pracht.

(224)
Ich sprach auch mit einem gewissen Prediger über die Heiligkeit, in der diejenigen sind, welche die Predigten in den Kirchen anhören, und er sagte, Frömmigkeit, Andacht und Heiligkeit habe jeglicher nach Beschaffenheit seines Inwendigen, des Gebiets der Liebe und des Glaubens; denn in diesem sei das Heilige selbst, weil das Göttliche des Herrn, und er wisse nicht, was äußere Heiligkeit ohne jene sei; und als er über die äußere Heiligkeit ohne jene nachdachte, sagte er, vielleicht sei es entweder etwas künstlich Angebildetes oder etwas Heuchlerisches, das in äußerem Schein Heiligkeit lügt, und das irgendein unechtes, aus der Selbstsucht und Weltliebe hervorgehendes Feuer erwecke, und es als solches darstelle.

(225)
Alle Prediger sind aus dem geistigen Reich des Herrn und keiner aus dem himmlischen Reich; sie sind aus dem geistigen Reich, weil sie hier in den Wahrheiten aus dem Guten sind und aus den Wahrheiten alles Predigen hervorgeht; es ist keiner aus dem himmlischen Reich, weil man in diesem im Guten der Liebe ist, und aus diesem die Wahrheiten sieht und inne wird, nicht aber davon spricht [siehe Nr. 214, Fußnote]; obgleich die Engel, die im himmlischen Reich sind, die Wahrheiten inne werden und sehen, so werden doch auch dort Predigten gehalten, weil sie durch dieselben in den Wahrheiten, die sie schon wissen, erleuchtet, und durch viele, die sie vorher nicht kannten, vervollkommnet werden; sobald sie diese hören, anerkennen sie dieselben auch und werden sie so inne; die Wahrheiten, die sie inne werden, lieben sie auch, und dadurch, daß sie nach denselben leben, verleiben sie selbige ihrem Leben ein; nach den Wahrheiten leben heiße, sagen sie, den Herrn lieben
164.

(226)
Alle Prediger sind vom Herrn eingesetzt und haben daher die Gabe zu predigen; außer ihnen ist keinem anderen erlaubt, in den Tempeln zu lehren. Sie heißen Prediger, nicht aber Priester; darum nicht Priester, weil das Priestertum des Himmels das himmlische Reich ist; denn das Priestertum bedeutet das Gute der Liebe zum Herrn, in welchem die in diesem Reich sind; das Königtum des Himmels aber ist das geistige Reich, denn das Königtum bedeutet das Wahre aus dem Guten, in welchem die in diesem Reiche sind; man sehe Nr. 24
165.

(227)
Die Lehren, nach denen gepredigt wird, haben alle ihr Absehen auf das Leben als den Endzweck, keine aber auf den Glauben ohne das Leben. Die Lehre des innersten Himmels ist weisheitsvoller als die Lehre des mittleren Himmels, und die Lehre des mittleren Himmels einsichtsvoller als die Lehre des letzten Himmels; denn die Lehren sind der Fassungskraft [perceptio] der Engel in jedem Himmel angepaßt. Das Wesentliche aller Lehren ist, das Göttlich-Menschliche des Herrn anzuerkennen.

(28)

VON DER MACHT DER ENGEL DES HIMMELS

(228)
Daß die Engel Macht haben, können diejenigen nicht fassen, die nichts von der geistigen Welt und von ihrem Einfluß in die natürliche wissen; sie denken, die Engel können keine Macht haben, weil sie geistiger Natur und so reiner und feiner Art sind, daß sie nicht einmal mit den Augen gesehen werden können; die aber tiefer in die Gründe der Dinge eindringen, denken anders: diese wissen, daß alle Macht, die der Mensch hat, aus seinem Verstand und Willen kommt, denn ohne diese kann er kein Teilchen seines Körpers bewegen; der Verstand und Wille ist sein geistiger Mensch; dieser setzt den Körper und dessen Glieder ganz nach seinem Wink in Bewegung, denn was er denkt, das redet der Mund und die Zunge, und was er will, das tut der Körper, auch gibt er Kräfte nach Willkür; des Menschen Wille und Verstand werden vom Herrn durch Engel und Geister regiert und weil Wille und Verstand, auch alle Teile des Körpers, da diese von jenen abhängen; ja, wenn man es glauben will, der Mensch kann keinen Schritt tun ohne den Einfluß des Himmels. Daß dem so ist, ist mir durch viele Erfahrung gezeigt worden; es wurde den Engeln gegeben, meine Schritte, meine Handlungen, meine Zunge und Rede, wie sie nur wollten, zu bewegen, und zwar dies durch einen Einfluß in mein Wollen und Denken; und ich machte die Erfahrung, daß ich nichts aus mir vermag; nachher sagten sie, jeder Mensch werde so regiert, und könne dies aus der Lehre der Kirche und aus dem Wort wissen, denn er bete ja, Gott möge Seine Engel senden, daß sie ihn führen, seine Tritte regieren, ihn lehren und ihm eingeben, was er denken und reden soll, und so weiter, obwohl er, wenn er außerhalb der Lehre bei sich denkt, anders rede und glaube. Dies ist gesagt worden, damit man wisse, welche Macht die Engel beim Menschen haben.

(229)
In der geistigen Welt aber ist die Macht der Engel so groß, daß es, wollte ich alles vorführen, was ich davon gesehen, allen Glauben übersteigen würde; wenn dort etwas, das entfernt werden soll, weil es wider die göttliche Ordnung ist, Widerstand leistet, so wird es von ihnen bloß durch die Kraft ihres Willens und ihren Blick niedergeworfen und zerstört; so sah ich Berge, die von Bösen besetzt waren, umgeworfen und weggehoben, und zuweilen zerbröckelt von einem Ende bis zum anderen, wie dies bei Erdbeben geschieht; auch Felsmassen mitten bis in die Tiefe hinab zerspalten und die auf ihnen befindlichen Bösen verschlungen; ich sah auch, wie einige Hunderttausende von bösen Geistern von ihnen zerstreut und in die Hölle geworfen wurden; nichts vermag wider sie die Menge, nichts Künste, Schlauheiten und Zusammenrottungen, sie sehen alles und schlagen es augenblicklich nieder; doch hiervon sehe man mehreres in dem Bericht über das zerstörte Babel. Eine solche Macht haben sie in der geistigen Welt. Daß die Engel auch die gleiche Macht, wenn sie ihnen gelassen wird, in der natürlichen Welt haben, erhellt aus dem Wort; daß sie z.B. ganze Heere gänzlicher Niederlage übergaben, eine Pest herbeiführten, an der siebzigtausend Menschen starben; von welchem Engel man also liest:

„Der Engel streckte seine Hand aus wider Jerusalem, sie zu verderben, allein es reuete Jehovah des Bösen, und Er sprach zum Engel, der das Volk verderbte:

„Es ist genug, jetzt zieh deine Hand zurück ! Und David sah den Engel, der das Volk schlug“: 2Sam.24/15-17,

anderer Stellen nicht zu gedenken. Weil die Engel solche Macht haben, werden sie Mächte genannt; und bei David [heißt es]:

„Preiset Jehovah, ihr Engel, hochmächtig an Stärke“: Ps.103/20.

(230)
Es ist jedoch zu wissen, daß die Engel durchaus keine Macht aus sich haben, sondern alle Macht ihnen vom Herrn kommt; und daß sie insoweit Mächte sind, als sie dies anerkennen; wer unter ihnen glaubt, er habe Macht aus sich, wird alsbald so kraftlos, daß er auch nicht einem bösen Geist widerstehen kann; dies der Grund, warum die Engel sich selbst durchaus kein Verdienst zuschreiben, und daß sie allem Lob und Ruhm ob irgendeiner Tat abgeneigt sind und solches dem Herrn zueignen.

(231)
Es ist das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre, was alle Macht in den Himmeln hat; denn der Herr ist im Himmel das göttlich Wahre, vereint mit dem göttlichen Guten, man sehe Nr. 126-140; inwieweit die Engel Aufnahmegefäße desselben sind, insoweit sind sie Mächte
166. Ein jeder ist auch sein Wahres und sein Gutes, weil jeder so beschaffen ist wie sein Verstand und Wille und der Verstand dem Wahren angehört, weil all das Seinige aus Wahrheiten [besteht], der Wille aber dem Guten angehört, weil all das Seinige aus Gutem [besteht]; denn alles, was jemand versteht, das nennt er wahr, und alles, was er will, das nennt er gut; daher kommt, daß jeglicher sein Wahres und sein Gutes ist167; inwieweit also ein Engel das Wahre aus dem Göttlichen und das Gute aus dem Göttlichen ist, insoweit ist er eine Macht, weil insoweit der Herr bei ihm ist; und weil keiner in ganz gleichem oder in demselben Guten und Wahren wie der andere ist (denn iem Himmel ist wie in der Welt eine beständige Mannigfaltigkeit, Nr. 20), darum ist der eine Engel auch nicht in gleicher Macht wie der andere. In der größten Macht sind die, welche im Größten Menschen oder dem Himmel die Arme ausmachen, und dies darum, weil die, welche in diesen sind, mehr als die übrigen in den Wahrheiten sind und in ihre Wahrheiten das Gute aus dem gesamten Himmel einfließt; auch geht die Macht des ganzen Menschen in seine Arme über, und der ganze Körper äußert durch sie seine Kräfte; daher kommt, daß durch die Arme und durch die Hände im Wort die Macht bezeichnet wird168. Im Himmel erscheint auch infolgedessen zuweilen ein entblößter Arm, der so große Macht hat, daß er alles, was ihm aufstößt, zermalmen könnte, selbst wenn es ein Felsblock in der Erde wäre; einst kam er auch mir nahe, und ich fühlte, daß er meine Knochen kurz und klein zermalmen könnte.

(232)
Daß das göttliche Wahre, das vom Herrn ausgeht, alle Macht habe und die Engel nur so viel Macht besitzen, als sie Aufnahmegefäße des göttlichen Wahren sind, sehe man Nr. 137; die Engel sind aber insoweit Aufnahmegefäße des göttlichen Wahren, als sie Aufnahmegefäße des göttlichen Guten sind; denn die Wahrheiten haben alle Macht aus dem Guten und ohne das Gute haben die Wahrheiten keine; aus der Verbindung beider entsteht die Macht, ebenso verhält es sich mit dem Glauben und der Liebe; denn ob man sagt Wahres oder Glaube, ist einerlei, weil aller Inhalt des Glaubens Wahres ist; dann auch, ob man sagt Gutes oder Liebe, weil alles zur Liebe Gehörige Gutes ist
169. Welch eine große Macht die Engel durch die Wahrheiten aus dem Guten haben, ward auch darin offenbar, daß ein böser Geist schon durch den Blick der Engel in Ohnmacht fällt und nicht mehr als Mensch erscheint, und dies so lange, bis der Engel seine Augen wegwendet; der Grund, warum dergleichen durch den Blick der Augen der Engel entsteht, ist der, daß das Sehen der Engel vom Licht des Himmels herrührt, und das Licht des Himmels das göttliche Wahre ist, man sehe Nr. 126-132; die Augen entsprechen auch den Wahrheiten aus dem Guten170.

(233)
Weil alle Macht den Wahrheiten aus dem Guten zukommt, darum hat das Falsche aus dem Bösen keine Macht
171. Alle in der Hölle sind in Falschem aus Bösem, weshalb sie keine Macht wider das Wahre und Gute haben; welcherlei Macht aber sie unter sich haben, und welcherlei Macht die bösen Geister hatten, bevor sie in die Hölle geworfen wurden, soll im folgenden gesagt werden.

(29)

VON DER REDE DER ENGEL

(234)
Die Engel reden untereinander ganz wie die Menschen in der Welt, und zwar auch über mancherlei Dinge, wie z.B. von häuslichen Angelegenheiten, von Gegenständen der bürgerlichen Zustände, von den Dingen des moralischen Lebens und von den Dingen des geistigen Lebens, und kein anderer Unterschied waltet dabei ob, als daß sie einsichtsvoller als die Menschen, weil tiefer aus dem Denken heraus, miteinander reden. Es ist mir oft gegeben worden, mit ihnen im Umgang zu sein, und mit ihnen zu reden, wie ein Freund mit dem Freund, und zuweilen auch wie ein Unbekannter mit einem Unbekannten, und weil ich dann in gleichem Zustand mit ihnen war, so wußte ich nicht anders, als daß ich mit Menschen auf der Erde rede.

(235)
Die Engelrede ist ebenso in Wörter abgeteilt wie die menschliche Rede; sie wird auch ebenso tönend ausgesprochen und fällt tönend ins Gehör, denn sie haben ebenfalls einen Mund, eine Zunge und Ohren; auch haben sie eine Atmosphäre, in welcher der Ton ihrer Rede sich artikuliert, es ist aber eine geistige Atmosphäre, die den Engeln, sofern sie geistig sind, angemessen ist; sie atmen auch in ihrer Atmosphäre und geben mittelst des Atmens Worte von sich, wie die Menschen in der ihrigen
172.

(236)
Alle im gesamten Himmel haben [nur] eine Sprache; es verstehen einander alle, aus welcher Gesellschaft sie auch sein mögen, ob aus einer benachbarten oder entfernten: die Sprache wird hier nicht erlernt, sondern ist jedem eingepflanzt; sie entfließt unmittelbar ihrem Gefühl und ihrem Denken; die Betonung der Rede entspricht ihrem Gefühl, und die [Laut-]Gliederungen des Tones, welche die Wörter sind, entsprechen den Denkbildern, die aus dem Gefühl hervorgehen, und weil die Sprache ihnen entspricht, so ist auch sie geistig, denn sie ist das tönende Gefühl und das redende Denken. Wer darauf achtet, kann wissen, daß jeder Gedanke aus einem Gefühl, dem Ausfluß einer Liebe hervorgeht, und daß die Denkbilder die mancherlei Formen sind, in die sich das allgemeinen Gefühl zerteilt hat; denn es gibt durchaus keinen Gedanken und kein Denkbild ohne ein Gefühl; ihre Seele und ihr Leben stammt aus diesem; daher kommt, daß die Engel schon an der bloßen Rede erkennen, welcher Art der andere ist, und zwar an der Betonung, welcher Art sein Gefühl [affectio], und an den Gliederungen des Tones oder den Wörtern, welcher Art seine Gesinnung [mens] ist; die weiseren Engel erkennen an einem Redesatz [series loquelae], welcherlei das herrschende Gefühl ist, denn auf dieses besonders richten sie ihre Aufmerksamkeit. Daß jeder verschiedene Gefühle hat, ist bekannt: ein anderes in der Freude, ein anderes im Schmerz, ein anderes in der Milde und Barmherzigkeit, ein anderes in der Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, ein anderes in der Liebe und Liebtätigkeit, ein anderes im Eifer und Zorn, ein anderes in der Verstellung und im Betrug, ein anderes im Streben nach Ehre und Ruhm, und so weiter, allein die herrschende Neigung oder Liebe ist in diesen allen; weshalb die weiseren Engel, weil sie diese wahrnehmen, schon an der Rede den ganzen Zustand des anderen erkennen. Daß dem so sei ist mir durch viele Erfahrung zu wissen gegeben worden. Ich hörte Engel das Leben eines anderen enthüllen, sobald sie ihn nur gehört hatten; sie sagten auch, sie erkennen den ganzen Lebensinhalt eines anderen aus einigen seiner Denkbilder, weil sie an diesen seine herrschende Liebe erkennen, in der alles der Ordnung nach eingeschlossen liegt, und das Lebensbuch des Menschen sei nichts anderes.

(237)
Die Engelsprache hat nichts gemein mit den menschlichen Sprachen, mit Ausnahme einiger Wörter, die aus einem bestimmten Gefühl heraustönen, jedoch nicht mit den Wörtern selbst, sondern mit ihrer Betonung, worüber einiges im folgenden. Daß die Engelsprache nichts mit den menschlichen Sprachen gemein hat, zeigt sich daran, daß den Engeln unmöglich ist, auch nur ein Wort einer menschlichen Sprache auszusprechen; sie versuchten es, aber sie konnten es nicht, denn sie können nichts anderes aussprechen, als was ganz mit dem Gefühl übereinstimmt; was nicht übereinstimmt, das widerstreitet ihrem Leben selbst, denn das Leben gehört ihrem Gefühl an, und aus diesem stammt ihre Rede. Es wurde mir gesagt, die erste Sprache des Menschen auf unserer Erde sei [damit] zusammengetroffen, weil sie dieselbe aus dem Himmel hatten, auch treffe die hebräische Sprache in einigem damit zusammen.

(238)
Da die Rede der Engel ihrem Gefühl entspricht, das [Ausfluß] der Liebe ist, und die Liebe des Himmels die Liebe zum Herrn und die Nächstenliebe ist (man sehe Nr. 13-19), so läßt sich schließen, wie schön und angenehm ihre Rede ist; wirklich spricht sie nicht nur die Ohren, sondern auch das Inwendige des Gemüts derer an, die sie hören; da war ein gewisser Geist von hartem Herzen, mit dem ein Engel sprach; derselbe wurde von dessen Rede endlich so gerührt, daß er Tränen vergoß und sagte, er habe nicht widerstehen können, weil es die redende Liebe gewesen sei, und er habe früher niemals geweint.

(239)
Die Rede der Engel ist auch voll Weisheit, weil sie aus ihrem inwendigen Denken hervorgeht und ihr inwendiges Denken Weisheit ist, wie ihr inwendiges Gefühl Liebe ist; ihre Liebe und Weisheit verbindet sich in der Rede, daher ist diese so voll Weisheit, daß sie mit einem Wort ausdrücken können, was der Mensch nicht mit tausend Worten [sagen kann]; auch begreifen die Vorstellungen ihres Denkens solches in sich, was der Mensch nicht faßt, noch weniger aussprechen kann; daher kommt, daß die Dinge, die im Himmel gehört und gesehen worden, unaussprechlich heißen, und solches, was nie ein Ohr gehört, noch ein Auge gesehen hat. Das dem so sei, ist [mir] durch [eigene] Erfahrung zu wissen gegeben worden; ich wurde zuweilen in den Zustand versetzt, in dem die Engel sind, und in diesem Zustand sprach ich mit ihnen und verstand dann alles; als ich aber in meinen früheren Zustand und so in das dem Menschen eigene natürliche Denken zurückversetzt wurde und was ich gehört hatte, mir wieder vorführen wollte, konnte ich es nicht; denn es waren tausend Dinge, die nicht in die Vorstellungen des natürlichen Denkens eingingen, also nicht anders ausgedrückt werden konnten, als durch Farbenwechsel [variegationes] des himmlischen Lichtes und so durchaus nicht durch menschliche Worte. Die Denkbilder der Engel, aus denen ihre Worte hervorgehen, sind auch Modifikationen des Lichtes des Himmels, und die Gefühle, aus denen die Betonung der Worte kommt, sind Veränderungen der Wärme des Himmels, weil das Licht des Himmels das göttliche Wahre oder die Weisheit und die Wärme des Himmels das göttliche Gute oder die Liebe ist (man sehe Nr. 126-140), und aus der göttlichen Liebe die Engel Gefühl und aus der göttlichen Weisheit das Denken haben
173.

(240)
Weil die Rede der Engel unmittelbar aus ihrem Gefühl hervorgeht (denn wie Nr. 136 gesagt worden, sind die Denkbilder die verschiedenen Formen, in die das Gemeingefühl sich zerteilt), so können die Engel in einer Minute das ausdrücken, was der Mensch nicht in einer halben Stunde vermag, und können auch durch einige Worte darstellen, was auf vielen Blättern beschrieben ist; auch davon bin ich durch vielfache Erfahrung gewiß geworden
174. Die Denkbilder der Engel und die Wörter ihrer Rede machen ebenso eins aus, wie die wirkende Ursache und die Wirkung; denn in den Worten stellt sich in Wirkung dar, was in den Denkbildern in seiner Ursache ist; daher kommt, daß jedes Wort so vieles in sich begreift. Auch erscheinen die Einzelheiten des Denkens und infolgedessen die Einzelheiten der Rede der Engel, wenn sie sichtbar dargestellt werden, wie eine dünne Welle oder eine [sie] rings umfließende Atmosphäre, in der Unzähliges in seiner Ordnung ist, was aus ihrer Weisheit [hervorgeht] und in das Denken des anderen eindringt und es anregt. Die Denkbilder eines jeden, sowohl des Engels als des Menschen, stellen sich im Licht des Himmels sichtbar dar, wenn es dem Herrn gefällt175.

(241)
Die Engel, die aus dem himmlischen Reich des Herrn sind, reden ebenso wie die Engel, die aus dem geistigen Reich des Herrn sind; allein die himmlischen Engel aus einem inwendigeren Denken als die geistigen Engel; und weil die himmlischen Engel im Guten der Liebe zum Herrn sind, so reden sie aus der Weisheit, die geistigen Engel aber, weil sie im Guten der Liebtätigkeit gegen den Nächsten sind, das seinem Wesen nach das Wahre ist (Nr. 215), reden aus der Einsicht; denn aus dem Guten kommt Weisheit und aus dem Wahren Einsicht; daher ist die Rede der himmlischen Engel wie ein sanft hinfließender Strom, weich und gleichsam stetig fortlaufend [continua], die Rede der geistigen Engel dagegen ist ein wenig schwunghaft [vibratoria] und abgesetzt [discreta]; auch tönt die Rede der himmlischen Engel viel aus den Vokalen U und O, die Rede der geistigen Engel dagegen aus den Vokalen E und I; denn die Vokale geben den Ton, und im Ton ist das Gefühl; denn, wie Nr. 236 gesagt worden, der Ton der Rede der Engel entspricht dem Gefühl, und die Gliederungen des Tones, welche die Wörter sind, entsprechen den Denkbildern, die aus dem Gefühl [hervorgehen]; weil die Vokale nicht zur Sprache gehören, sondern zur Erhebung ihrer Worte durch den Ton zu den mancherlei Gefühlen je nach dem Zustand eines jeden [dienen], darum sind in der hebräischen Sprache die Vokale nicht ausgedrückt und werden auch verschieden ausgesprochen; daran erkennen die Engel die Beschaffenheit des Menschen hinsichtlich seiner Neigung und Liebe; die Rede der himmlischen Engel hat auch keine harten Konsonanten, und fällt selten von einem Konsonanten in den anderen, außer infolge des Dazwischentretens eines Wortes, das mit einem Vokal anfängt; daher kommt, daß im Wort so oft das Wörtchen ‚und‘ dazwischen gesetzt wird, wie denjenigen bekannt sein kann, die das Wort in der hebräischen Sprache lesen, in der jenes Wörtchen weich ist, und auf beiden Seiten den Ton eines Vokales gibt; auch kann man an den Wörtern im Wort in jener Sprache einigermaßen erkennen, ob sie zur himmlischen Klasse, oder zur geistigen Klasse gehören, somit ob sie das Gute oder das Wahre in sich schließen; die das Gute in sich schließen, haben viel von U und O an sich, und auch einigermaßen von A, die aber das Wahre in sich schließen, haben hauptsächlich E und I. Weil die Gefühle sich vorzüglich durch Töne äußern, darum werden auch, wenn es sich um Großes, wie um Himmel und Gott handelt, in der Rede des Menschen Wörter geliebt, in denen U und O ist; auch die musikalischen Töne erheben sich zu denselben, wenn ähnliches ausgedrückt wird; anders aber, wenn es sich um Nicht-Großes handelt; daher kommt, daß die Tonkunst die mancherlei Arten von Gefühlen auszudrücken versteht.

(242)
In der Engelrede ist ein gewisser Zusammenklang, der nicht beschrieben werden kann
176; dieser Zusammenklang kommt daher, daß die Gedanken und Gefühle, aus denen die Rede [hervorgeht], sich nach der Form des Himmels ergießen und verbreiten, und die Form des Himmels diejenige ist, nach der alle zusammengesellt sind und welcher gemäß alle Mitteilung stattfindet; daß die Engel nach der Form des Himmels zusammengesellt sind und ihre Gedanken und Gefühle derselben gemäß sich ausbreiten, sehe man Nr. 200-212.

(243)
Eine ähnliche Sprache [loquela] wie die in der geistigen Welt ist jedem Menschen eingepflanzt, jedoch in seinem inwendigeren Verstandesgebiet; da sie aber beim Menschen nicht, wie bei den Engeln, in die dem Gefühl analogen Worte fällt, so weiß der Mensch nicht, daß er in ihr ist; jedoch liegt hierin der Grund, warum der Mensch, sobald er ins andere Leben kommt, sofort dieselbe Sprache mit den Geistern und Engeln daselbst gemein hat, und sie zu sprechen weiß, ohne daß ihn jemand lehrt
177. Doch hiervon unten mehr.

(244)
Es haben zwar, wie oben gesagt worden, alle im Himmel einerlei Sprache, allein sie zeigt darin Verschiedenheit, daß die Redeweise der Weisen innerlicher ist und größere Fülle von Gefühlsvariationen und Denkbildern hat; die Redeweise der minder Weisen aber äußerlicher ist und jene Fülle nicht hat; und die Redeweise der Einfältigen noch äußerlicher ist und daher aus Worten besteht, aus denen der Sinn erst herausgezogen werden muß, wie dies der Fall ist, wenn Menschen miteinander reden. Es gibt auch eine Sprache durch das Angesicht, die in Laute ausläuft, das durch die Denkbilder modifiziert sind; auch gibt es eine Sprache, in der die Vorbildungen des Himmels mit Denkvorstellungen vermischt sind, und auch aus den Denkvorstellungen heraus dem Gesicht sich darstellen; ferner gibt es eine Sprache durch Gebärden, die den Gefühlen entsprechen und ähnliches darstellen wie ihre Laute; es gibt eine Sprache durch das Gemeinsame der Gedanken; es gibt eine donnernde Sprache und noch andere mehr.

(245)
Die Sprache der bösen und höllischen Geister ist in gleicher Weise natürlich, weil aus Neigungen, aber aus bösen Neigungen und infolgedessen aus unreinen Vorstellungen hervorgehen, die von den Engeln gänzlich verabscheut werden; die Redeweisen der Hölle sind den Redeweisen des Himmels entgegengesetzt; weshalb die Bösen die engelische Rede, und die Engel die höllische Rede nicht ertragen können; die höllische Rede ist den Engeln wie ein übler Geruch, der die Nase beleidigt. Die Rede der Heuchler, die sich in Engel des Lichtes verstellen können, ist zwar den Worten nach der Rede der Engel ähnlich, hinsichtlich der Gefühle und somit der Denkbilder aber völlig entgegengesetzt; weshalb ihre Rede, wenn sie so aufgefaßt wird, wie sie inwendig ist, was von den weisen Engeln geschieht, wie ein Zähneknirschen gehört wird und Schauder erregt.

(30)

VON DER REDE DER ENGEL
MIT DEM MENSCHEN

(246)
Die Engel, die mit dem Menschen reden, reden nicht in ihrer Sprache, sondern in der Sprache des Menschen und auch in anderen Sprachen, die der Mensch versteht, nicht aber in Sprachen, die dem Menschen unbekannt sind; der Grund hiervon ist, daß die Engel, wenn sie mit dem Menschen reden, sich ihm zuwenden und sich mit ihm verbinden, und die Verbindung des Engels mit dem Menschen macht, daß beide in gleichem Denken sind; und weil des Menschen Denken mit seinem Gedächtnis zusammenhängt und die Rede ein Ausfluß aus diesem ist, so sind beide in derselben Sprache; überdies tritt der Engel oder Geist, wenn er zum Menschen kommt und durch die Hinwendung zu ihm mit ihm verbunden wird, in dessen ganzes Gedächtnis ein, so sehr, daß er kaum anders weiß, als er wisse aus sich, was der Mensch weiß, somit auch die Sprachen. Ich sprach hierüber mit den Engeln und sagte, sie meinen vielleicht, sie reden mit mir in meiner Muttersprache, weil es so wahrgenommen wird, während doch nicht sie es seien, die reden, sondern ich; und man könne es auch daraus abnehmen, daß ja die Engel nicht ein einziges Wort einer menschlichen Sprache aussprechen können, Nr. 237; (wie denn überdies die menschliche Sprache natürlich ist, sie aber geistig sind, und die Geistigen nichts in naturmäßiger Weise vorzubringen vermögen); hierauf sagten sie, sie wissen wohl, daß ihre Verbindung mit dem Menschen, mit dem sie reden, mit dessen geistigem Denken statthabe, weil aber dieses in sein natürliches Denken einfließe und letzteres mit seinem Gedächtnis zusammenhänge, so erscheinen ihnen die Sprache des Menschen als die Ihrige, und ebenso all sein Wissen, und dies geschehe darum, weil es dem Herrn gefallen habe, daß eine solche Verbindung und gleichsam Einpfropfung des Himmels beim Menschen statthabe; indessen sei in jetziger Zeit der Zustand des Menschen ein anderer, so daß eine solche Verbindung nicht mehr mit den Engeln, sondern mit Geistern bestehe, die nicht im Himmel sind. Mit den Geistern sprach ich hierüber ebenfalls, sie aber wollten nicht glauben, daß der Mensch rede, sondern [meinten], sie [sprächen] im Menschen, ferner, daß nicht der Mensch wisse, was er weiß, sondern sie, und daß so alles, was der Mensch weiß, von ihnen sei; ich wollte sie durch vieles überführen, daß dem nicht so sei, aber vergebens. Welche diejenigen seien, die unter den Geistern, und welche diejenigen, die unter den Engeln verstanden werden, wird unten gesagt werden, wo von der Geisterwelt gehandelt werden soll.

(247)
Daß die Engel und Geister sich so eng mit dem Menschen verbinden, bis dahin, daß sie nicht anders wissen, als daß, was dem Menschen angehört, das Ihrige sei, hat seinen Grund auch darin, daß beim Menschen eine solche Verbindung der geistigen und der natürlichen Welt besteht, daß sie gleichsam eines sind; weil aber der Mensch sich vom Himmel getrennt hat, so ist vom Herrn Vorsehung geschehen, daß bei jedem Menschen Engel und Geister sind und durch diese der Mensch vom Herrn regiert wird, und darum besteht eine so enge Verbindung. Anders wäre es gewesen, wenn der Mensch sich nicht losgetrennt hätte, denn alsdann hätte er vom Herrn durch den allgemeinen Einfluß aus dem Himmel ohne ihm beigegebene Geister und Engel regiert werden können. Doch hierüber im besonderen in der Folge, wo von der Verbindung des Himmels mit dem Menschen [die Rede sein wird].

(248)
Die Rede eines Engels oder Geistes mit dem Menschen wird ebenso laut gehört, wie die eines Menschen mit einem Menschen, allein sie wird nicht gehört von denen, die dabeistehen, sondern bloß von ihm selbst; der Grund ist, weil die Rede des Engels oder Geistes zuerst in das Denken des Menschen einfließt und auf innerem Weg in sein Gehörorgan [kommt] und so dieses von innen her bewegt; die Rede des Menschen dagegen zuerst in die Luft und so auf äußerem Weg in sein Gehörorgan einfließt und es von außen her bewegt; woraus erhellt, daß die Rede des Engels und des Geistes mit dem Menschen im Menschen gehört wird, und zwar, weil sie ebensowohl die Gehörorgane bewegt, auch ebenso vernehmlich. Daß die Rede des Engels und des Geistes von innen her bis herab in das Ohr dringt, ward mir dadurch offenbar, daß sie auch in die Zunge einfließt, und sie in ein leichtes Zittern versetzt, ohne ihr jedoch diejenige Bewegung mitzuteilen, in die sie versetzt wird, wenn durch sie vom Menschen selbst der Ton der Rede in Worte gegliedert wird.

(249)
Mit Geistern zu reden, wird jedoch heutzutage selten gestattet, weil es gefährlich ist
178; denn alsdann wissen die Geister, daß sie bei einem Menschen sind, was sie außerdem nicht wissen; und die bösen Geister sind so, daß sie einen tödlichen Haß auf den Menschen haben und nichts sehnlichster wünschen, als ihn nach Seele und Leib zu verderben, was auch wirklich bei denjenigen geschieht, die den Phantasien viel nachgehängt haben, so daß sie die dem natürlichen Menschen angemessenen Genüsse von sich entfernten. Einige auch, die ein einsames Leben führen, hören zuweilen Geister mit sich reden und dies ohne Gefahr; allein die Geister werden von Zeit zu Zeit vom Herrn entfernt, damit sie nicht wissen, daß sie bei einem Menschen sind; denn die meisten Geister haben kein Bewußtsein davon, daß es noch eine andere Welt gibt, als in welcher sie sind, somit auch davon nicht, daß es noch anderswo Menschen gibt; weshalb dem Menschen nicht erlaubt ist, wieder mit ihnen zu reden, denn würde er reden, so würden sie ein Bewußtsein davon erhalten. Diejenigen, die viel an die Gegenstände der Religion denken und ihnen bis auf den Grad nachhängen, daß sie dieselben gleichsam inwendig in sich sehen, fangen auch an, Geister mit sich reden zu hören; denn die Gegenstände der Religion [religiosa], welcherlei sie auch seien, dringen, wenn der Mensch ihnen aus sich nachhängt, und sich nicht zwischen hinein mit Dingen beschäftigt, die im Leben Nutzen schaffen, ins Innere ein und setzen sich hier fest und nehmen den ganzen Geist des Menschen ein und dringen ein in die geistige Welt und regen die Geister in ihr auf; allein solche sind Schwärmer und Fanatiker, [visionarii et enthusiastae], und glauben, jeder Geist, den sie hören, sei der Heilige Geist, während es doch nur fanatische Geister sind; die so sind, sehen das Falsche, wie wenn es Wahrheit wäre, und weil sie es sehen, reden sie es sich und auch denen ein, auf die sie Einfluß haben; und weil jene Geister auch anfingen, Böses einzureden, wofür sie auch Gehör fanden, wurden sie nach und nach entfernt; die fanatischen Geister unterscheiden sich von anderen Geistern dadurch, daß sie glauben, sie seien der Heilige Geist, und was sie sagen sei göttlich; diese Geister fügen dem Menschen keinen Schaden zu, weil der Mensch ihnen göttliche Verehrung erweist. Mit diesen habe ich auch einigemal gesprochen, und es sind dann auch die Schändlichkeiten enthüllt worden, die sie ihren Verehrern eingeflößt hatten; sie wohnen beisammen zur Linken an einem wüsten Ort.

(250)
Dagegen aber mit den Engeln des Himmels zu reden, wird nur denen gestattet, die in den Wahrheiten aus dem Guten sind, und vor allem denen, die in der Anerkenntnis des Herrn und des Göttlichen in Seinem Menschlichen sind, weil dies die Wahrheit ist, in der die Himmel sind; denn der Herr ist, wie oben gezeigt worden, der Gott des Himmels, Nr. 2-6; das Göttliche des Herrn macht den Himmel, Nr. 7-12; das Göttliche des Herrn im Himmel ist die Liebe zu Ihm und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten von Ihm, Nr. 13-19; der gesamte Himmel in einem Inbegriff stellt einen Menschen vor, ebenso jegliche Gesellschaft des Himmels, und jeder einzelne Engel hat vollkommene Menschengestalt, und zwar dies aus dem Göttlich-Menschlichen des Herrn, Nr. 59-86; woraus erhellt, daß das Reden mit den Engeln des Himmels nur solchen gestattet wird, bei denen das Inwendige durch die göttlichen Wahrheiten bis zum Herrn hin geöffnet ist; denn in diese fließt der Herr beim Menschen ein, und wenn der Herr, fließt auch der Himmel ein. Die göttlichen Wahrheiten aber schließen darum die inwendigen Regionen des Menschen auf, weil der Mensch so geschaffen ist, daß er nach seinem inneren Menschen ein Bild des Himmels und nach seinem äußeren ein Bild der Welt ist, Nr. 57, und der innere Mensch nur durch das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre aufgeschlossen wird, weil dieses das Licht des Himmels und das Leben des Himmels ist, Nr. 126-140.

(251)
Der Einfluß des Herrn selbst beim Menschen geht in dessen Stirne und von da aus in das ganze Angesicht, weil die Stirne des Menschen der Liebe entspricht und das Angesicht mit allen seinen inwendigen Regionen in Entsprechung steht
179. Der Einfluß der geistigen Engel beim Menschen geht in sein Haupt überallher vom Vorderhaupt [frontispicio] und den Schläfen bis zu jedem Teil, unter dem das [große] Gehirn liegt, weil diese Gegend des Hauptes der Einsicht entspricht. Der Einfluß der himmlischen Engel aber geht in jenen Teil des Hauptes, unter dem das kleine Gehirn ist und [der] das Hinterhaupt heißt, von den Ohren überall herum bis hinab zum Nacken; denn diese Gegend entspricht der Weisheit. Alle Rede der Engel mit dem Menschen dringt auf diesen Wegen in sein Denken ein; daran wurde erkannt, welcherlei Engel es waren, die mit mir sprachen.

(252)
Diejenigen, die mit den Engeln des Himmels reden, sehen auch die Dinge, die im Himmel sind, weil sie aus dem Licht des Himmels sehen, in welchem ihr Inwendiges ist; auch sehen die Engel durch sie die Dinge, die auf der Erde sind
180; denn bei ihnen ist der Himmel mit der Welt verbunden und die Welt mit dem Himmel, weil, wie Nr. 246 gesagt worden, die Engel, wenn sie sich dem Menschen zuwenden, sich so mit ihm verbinden, daß sie nicht anders wissen, als daß, was des Menschen ist, das Ihre sei, und zwar nicht bloß die Dinge, welche Gegenstand seiner Rede, sondern auch diejenigen, die Gegenstand seines Gesichts und Gehörs sind; auf der anderen Seite weiß auch der Mensch nicht anders, als daß, was durch die Engel einfließt, sein sei. In solcher Verbindung mit den Engeln des Himmels waren die Menschen der Urkirche [Antiquissimi] auf dieser Erde, deren Zeiten darum auch das Goldene Weltalter genannt wurden; weil diese das Göttliche unter menschlicher Gestalt, somit den Herrn anerkannten, so sprachen sie auch mit den Engeln des Himmels wie mit ihresgleichen, und hinwieder die Engel des Himmels mit ihnen wie mit den Ihrigen, und in ihnen machten Himmel und Welt eines aus. Nach diesen Zeiten aber entfernte sich der Mensch allmählich vom Himmel, dadurch daß er sich mehr als den Herrn und die Welt mehr als den Himmel liebte, infolgedessen er anfing, die Reize [jucunda] der Selbst- und der Weltliebe, getrennt von den Reizen des Himmels, zu kosten, und dies zuletzt bis dahin, daß er nicht mehr wußte, daß es noch eine andere Wonne gibt; da wurden dann die inwendigen Regionen, die in den Himmel hinein offen standen, verschlossen und die auswendigen gegen die Welt hin geöffnet; und wenn dies geschieht, so ist der Mensch im Licht hinsichtlich alles dessen, was zur Welt gehört, und in Finsternis hinsichtlich alles dessen, was zum Himmel gehört.

(253)
Nach diesen Zeiten hat selten jemand mit den Engeln des Himmels gesprochen, einige aber mit Geistern, die nicht im Himmel sind; denn das Inwendige und das Auswendige des Menschen sind von der Art, daß sie entweder dem Herrn als dem gemeinsamen Mittelpunkt zugewendet sind, Nr. 124, oder aber sich selbst zugekehrt, somit vom Herrn abgewendet sind; was dem Herrn zugewendet ist, das ist auch dem Himmel zugewendet; was aber sich selbst zugekehrt ist, das ist auch der Welt zugekehrt; und was auf diese gerichtet ist, das kann nur schwer erhoben werden, es wird jedoch vom Herrn erhoben, soweit es geschehen kann, durch Umwandlung der Grundneigung [amoris], und dies geschieht durch die Wahrheiten aus dem Wort.

(254)
Ich bin unterrichtet worden, auf welche Weise der Herr mit den Propheten gesprochen hat, durch die das Wort [gegeben wurde]. Er hat mit ihnen nicht gesprochen wie mit den Alten, durch einen Einfluß in ihr Inwendiges, sondern durch Geister, die ihnen zugesandt wurden, und die der Herr mit Seinem Anblick erfüllte und so ihnen die Worte eingab, die sie den Propheten vorsagten, so daß es nicht ein Einfließen, sondern ein Vorsagen war; und weil die Worte unmittelbar aus dem Herrn hervorgingen, darum waren sie im einzelnen mit dem Göttlichen erfüllt, und enthalten in sich einen inneren Sinn, der von der Art ist, daß die Engel des Himmels dieselben im himmlischen und geistigen Sinn vernehmen, während die Menschen sie im natürlichen [Sinn verstehen]; so hat der Herr den Himmel und die Welt durch das Wort verbunden. Wie die Geister mit dem Göttlichen vom Herrn durch den Anblick erfüllt werden, ist auch gezeigt worden; der mit dem Göttlichen vom Herrn erfüllte Geist weiß nicht anders, als daß er der Herr sei, und daß, was er spricht, das Göttliche sei [quod Divinum ist, quod loquitur], und dies so lange, bis er ausgesprochen hat; nachher wird er sich bewußt und erkennt an, daß er ein Geist ist, und daß er nicht aus sich, sondern aus dem Herrn gesprochen hat. Weil dies der Zustand der Geister war, die mit den Propheten sprachen, darum heißt es auch von ihnen, daß Jehovah gesprochen habe, auch nannten sich die Geister selbst Jehovah, wie dies nicht bloß aus den prophetischen, sondern auch aus den historischen [Büchern] des Wortes erhellen kann.

(255)
Damit man wisse, welche Beschaffenheit die Verbindung der Engel und Geister mit dem Menschen hat, darf ich einiges Merkwürdige berichten, durch das sie beleuchtet und erkannt werden kann. Wenn die Engel und Geister sich dem Menschen zuwenden, so wissen sie nicht anders, als daß des Menschen Sprache die ihrige sei, und daß sie keine andere haben; und dies kommt daher, daß sie alsdann in der Sprache des Menschen und nicht in der ihrigen sind, deren sie sich auch nicht erinnern; sobald sie sich aber vom Menschen wegwenden, sind sie in ihrer engelischen und geistigen Sprache, und wissen nichts von der Sprache des Menschen; ähnliches geschah mit mir, wenn ich im Umgang mit den Engeln und in ähnlichem Zustand war wie sie, da sprach ich auch mit ihnen in ihrer Sprache und wußte nichts von der meinigen, deren ich mich auch nicht erinnerte; sobald ich aber nicht mehr mit ihnen in Gesellschaft war, war ich in meiner Sprache. Bemerkenswert ist auch, daß die Engel und Geister, wenn sie sich dem Menschen zuwenden, in jeder Entfernung mit ihm reden können; sie redeten auch mit mir aus der Ferne ebenso laut wie in der Nähe; wenn sie sich aber vom Menschen wegwenden und unter sich reden, so hört der Mensch durchaus nichts von dem, was sie reden, und wenn es auch hart an seinem Ohr wäre; daraus war offenbar, daß alle Verbindung in der geistigen Welt sich der Hinwendung gemäß verhält. Bemerkenswert ist auch, daß viele zugleich mit dem Menschen reden können, so wie der Mensch mit ihnen; sie senden nämlich einen Geist von sich ab zum Menschen, mit dem sie reden wollen, und der entsendete Geist wendet sich diesem zu, und jene vielen [wenden] sich ihrem Geist zu und konzentrieren so ihre Gedanken, die der Geist vorträgt; der Geist weiß alsdann nicht anders, als daß er aus sich rede, und sie [wissen] nicht anders, als daß sie selbst [reden]; so geschieht eine Verbindung vieler mit einem auch durch das Sichhinwenden
181. Doch von diesen Geistersendboten, die auch Träger [subjecta] heißen, und vom Verkehr mittels derselben soll im folgenden mehr gesagt werden.

(256)
Es darf kein Engel noch Geist aus seinem eigenen Gedächtnis mit dem Menschen reden, sondern [nur] aus dem des Menschen; die Engel und die Geister haben nämlich ebensowohl ein Gedächtnis wie die Menschen; spräche ein Geist aus seinem eigenen Gedächtnis mit dem Menschen, so würde der Mensch nicht anders wissen, als daß die Dinge, die er dann eben denkt, die seinigen seien, während sie doch dem Geist angehören; es ist wie die Rückerinnerung an etwas, das der Mensch doch niemals gehört, noch gesehen hat; daß dem so sei, ist mir durch [eigene] Erfahrung zu wissen gegeben worden. Von daher hatten einige Alten die Meinung, daß sie nach einigen tausend Jahren wieder in ihr voriges Leben und in alle ihre Handlungen werden zurückversetzt werden, ja sogar auch, daß sie schon zurückgekehrt seien; sie schlossen dies daraus, daß ihnen zuweilen wie eine Rückerinnerung an Dinge aufstieß, die sie doch niemals gesehen, noch gehört hatten; dies geschah, weil Geister aus ihrem [eigenen] Gedächtnis in die Vorstellungen ihres Denkens Einfluß hatten.

(257)
Es gibt auch Geister, die natürliche oder materielle Geister genannt werden; wenn diese zu einem Menschen kommen, so verbinden sie sich nicht, wie andere Geister, mit seinem Denken, sondern dringen in seinen Körper ein, und nehmen von allen seinen Sinnen Besitz, sie reden durch seinen Mund, und handeln durch seine Glieder, indem sie dann nicht anders wissen, als daß alles, was dem Menschen angehört, das Ihrige sei: dies sind die Geister, von denen der Mensch besessen wird, allein diese sind vom Herrn in die Hölle geworfen und so gänzlich entfernt worden; weshalb es gegenwärtig [hodie] keine solche Besessenheiten gibt
182.

(31)

VON DEN SCHRIFTEN IM HIMMEL

(258)
Weil die Engel eine Sprache haben und ihre Sprache eine Wörtersprache ist, so haben sie auch Schriften und drücken die Gefühle und Gedanken ihres Gemüts ebensowohl durch Schriften als durch die Rede aus; einigemal wurden mir Blätter zugesendet, die beschrieben waren, ganz wie die geschriebenen und auch wie die gedruckten Blätter in der Welt, auch konnte ich sie ebenso lesen, durfte aber nicht mehr als einen oder zwei Gedanken daraus entnehmen; und zwar darum nicht, weil es nicht der göttlichen Ordnung gemäß ist, durch Schriften aus dem Himmel unterrichtet zu werden, sondern durch das Wort, da durch dieses allein ein Verkehr und eine Verbindung des Himmels mit der Welt, somit des Herrn mit dem Menschen statthat. Daß im Himmel geschriebene Blätter auch den Propheten erschienen, erhellt bei Ez.2/9,10:

„Als ich hinblickte, siehe da eine Hand (vom Geist) gegen mich ausgestreckt, und in ihr eine Buchrolle, die sich vor meinen Augen entfaltete; sie war von vorne und hinten beschrieben“;

und in der Offb.5/1:

„Ich sah zur Rechten Dessen, Der auf dem Thron saß, ein Buch, inwendig und auswendig beschrieben, versiegelt mit sieben Siegeln“.

(259)
Daß es im Himmel Schriften gebe, ist vom Herrn vorgesehen worden um des Wortes willen; denn dieses ist in seiner Wesenheit das göttliche Wahre, aus dem alle himmlische Weisheit sowohl den Menschen als den Engeln kommt; denn dasselbe ist vom Herrn vorgesprochen worden [dictatum], und was vom Herrn vorgesprochen wird, das durchläuft alle Himmel der Ordnung nach, und kommt zu seinem Ende beim Menschen; daher es sowohl der Weisheit, in der die Engel sind, als der Einsicht angepaßt ist, in der die Menschen sind; daher kommt, daß auch die Engel das Wort haben, und daß sie dasselbe ebenso lesen wie die Menschen auf Erden; aus ihm auch sind ihre Lehrbestimmungen, und aus ihm wird daselbst gepredigt, Nr. 221; es ist dasselbe Wort; allein sein natürlicher Sinn, der uns der buchstäbliche Sinn ist, ist nicht im Himmel, sondern es ist sein geistiger Sinn, der sein innerer Sinn ist; welcherlei dieser Sinn sei, sehe man im Werkchen vom »Weißen Pferd«, von dem in der Offenbarung.

(260)
Einst ward auch an mich aus dem Himmel ein Blättchen gesandt, auf dem nur einige Worte mit hebräischen Buchstaben geschrieben standen, und es ward gesagt, daß jeder Buchstabe Geheimnisse der Weisheit in sich schließe, und diese in den Einbiegungen und Krümmungen der Buchstaben, und daher auch in ihren Lauten liegen, woraus mir klar wurde, was bezeichnet wird durch die Worte des Herrn:

„Wahrlich, Ich sage euch, bis daß Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen ein Jota oder ein Häkchen [corniculum] vom Gesetz“: Matth.5/18.

Daß das Wort bis auf jedes seiner Strichlein herab [quoad omnem ejus apicem] göttlich ist, ist auch in der Kirche bekannt; allein wo in jedem Strichlein das Göttliche verborgen liege, ist noch nicht bekannt, weshalb es gesagt werden soll: Die Schrift im Himmel besteht aus mancherlei eingebogenen und gekrümmten Zügen, und diese Einbiegungen und Krümmungen [inflexiones et circumflexiones] laufen nach der Form des Himmels; die Engel drücken durch sie die Geheimnisse ihrer Weisheit aus und auch viele Dinge, die sie nicht mit Worten auszusprechen vermögen; und, was wunderbar ist, diese Schrift kennen die Engel ohne Kunst und Lehrer; sie ist ihnen eingepflanzt, wie die Sprache selbst, wovon Nr. 236; weshalb diese Schrift die himmlische Schrift ist; sie ist eingepflanzt, weil alle Ausbreitung der Gedanken und Gefühle, und somit alle Mitteilung der Einsicht und Weisheit der Engel, sich nach der Form des Himmels fortbewegt, Nr. 201; daher kommt, daß in diese sich ihre Schrift ergießt. Es wurde mir gesagt, daß die von der Urkirche [Antiquissimi] auf dieser Erde, bevor die Buchstaben erfunden wurden, auch eine solche Schrift hatten, und daß diese in die Buchstaben der hebräischen Sprache übergegangen sei, welche Buchstaben in den alten Zeiten alle eingebogen waren, und gar nicht, wie jetzt, gradlinig auslaufend; daher kommt, daß im Wort göttliche Dinge und Geheimnisse des Himmels auch in den Jota, Strichen und Häkchen desselben liegen.

(261)
Diese Schrift, die durch Züge der himmlischen Form entsteht, ist im Gebrauch im innersten Himmel, in welchem sie vor den übrigen in der Weisheit sind; es werden durch dieselben Gefühle ausgedrückt, aus denen Gedanken hervorgehen und der Ordnung nach sich folgen, je nach dem Subjekt der Sache, von dem die Rede ist; daher kommt, daß diese Schriften Geheimnisse in sich schließen, die nicht durch das Denken erschöpft werden können; diese Schriften durfte ich auch sehen. In den unteren Himmeln dagegen sind nicht solcherlei Schriften; die Schriften in diesen Himmeln sind den Schriften in der Welt ähnlich, mit ähnlichen Buchstaben, die aber doch dem Menschen unverständlich sind, weil sie in der Sprache der Engel [geschrieben] sind, die Engelsprache aber von der Art ist, daß sie nichts mit den menschlichen Sprachen gemein hat, Nr. 237; denn durch die Vokale drücken sie Gefühle aus, durch die Konsonanten Denkbilder aus den Gefühlen, und durch die aus diesen hervorgehenden Worte den Sinn der Sache, man sehe Nr. 236, 241. Diese Schrift schließt auch in wenigen Worten mehr in sich, als der Mensch auf etlichen Blättern beschreiben kann; auch diese Schriften habe ich gesehen. In dieser Weise geschrieben haben sie das Wort in den unteren Himmeln, in himmlischen Formen aber im innersten Himmel.

(262)
Merkwürdig ist, daß die Schriften in den Himmeln schon von selbst ihren Gedanken entströmen, mit solcher Leichtigkeit, daß es ist, als ob der Gedanke sich herauswürfe, auch ist die Hand nie über die Wahl eines Wortes verlegen, weil die Wörter, sowohl diejenigen, die sie aussprechen, als die sie schrieben, ihren Denkbildern entsprechen, und alle Entsprechung etwas Natürliches und von selbst sich Ergebendes ist. Es gibt in den Himmeln auch Schriften, [die] ohne Hilfe der Hand, bloß durch die Entsprechung [entstanden sind]; allein diese bleiben nicht.

(263)
Ich sah auch Schriften aus dem Himmel, die in lauter Zahlen, in Ordnung und Reihenfolge geschrieben waren, ganz wie bei den aus Buchstaben und Wörtern bestehenden Schriften in der Welt, und ich wurde unterrichtet, daß diese Schrift aus dem innersten Himmel sei, und daß ihre himmlische Schrift, von der Nr. 260, 261 die Rede war, bei den Engeln des unteren Himmels sich in Zahlen darstelle, sobald ein Gedanke aus ihr herabdringe; und daß diese Zahlenschrift gleichfalls Geheimnisse in sich schließe, von denen einige nicht mit dem Gedanken erfaßt, noch mit Worten ausgedrückt werden können; denn alle Zahlen stehen in Entsprechung, und haben der Entsprechung gemäß ihre Bedeutung, gerade wie die Worte
183; nur mit dem Unterschied, daß die Zahlen das Allgemeine und die Worte das Besondere in sich schließen; und weil ein Allgemeines unzählig vieles Besondere in sich schließt, so ist die Folge, daß die Zahlenschrift mehr Geheimnisse in sich enthält als die Buchstabenschrift. Hieraus ward mir klar, daß die Zahlen im Wort ebensowohl Sachen bezeichnen, als die Wörter in ihm; was die einfachen Zahlen, als: 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 12, und was die zusammengesetzten 20, 30, 50, 70, 100, 144, 1000, 10.000, 12.000 und mehrere andere bedeuten, kann man in den »Himmlischen Geheimnissen« sehen, wo von ihnen gehandelt worden ist. In jener Schrift im Himmel wird immer eine Zahl vorangesetzt, von der, als ihrem Träger [subjecto], die folgenden der Reihe nach abhängen; denn diese Zahl ist gleichsam der Anzeiger [index] der Sache, von der gehandelt wird, und durch sie erhalten die folgenden Zahlen ihre Beziehung auf die im besonderen vorliegende Sache.

(264)
Die nichts vom Himmel wissen, und auch keine andere Vorstellung von ihm haben wollen, denn als ob er eine reine Luftregion wäre, in der die Engel als Verstandeswesen ohne Gehör- und Gesichtssinn umherschweben, können sich nicht denken, daß dieselben Rede und Schrift haben; denn ins Materielle setzen sie eines jeden Dinges Existenz, während doch die Dinge, die im Himmel sind, ebenso reell existieren als die Dinge in der Welt, und die Engel, die daselbst sind, alles besitzen, was für das Leben und was für die Weisheit von Nutzen ist.

(32)

VON DER WEISHEIT
DER ENGEL DES HIMMELS

(265)
Welcherlei die Weisheit der Engel des Himmels ist, läßt sich nur schwer begreifen, weil sie die menschliche Weisheit so sehr übersteigt, daß sie gar nicht verglichen werden können, und das, was übersteigend ist, so erscheint, als ob es kein Etwas wäre; es sind auch einige unbekannte Dinge, durch die sie beschrieben werden wird, die, bevor sie zu Bekannten werden, im Verstand wie Schattenbilder sind, und daher auch die Sache, so wie sie an sich ist, verdunkeln; doch sind sie solches, das man wissen, und wenn man es weiß, begreifen kann, sofern nur das Gemüt Vergnügen daran findet, denn das Vergnügen führt Licht mit sich, weil es aus der Liebe stammt, und denen, welche die Dinge der göttlichen und himmlischen Weisheit lieben, strahlt Licht aus dem Himmel zu, und sie haben Erleuchtung.

(266)
Welcherlei die Weisheit der Engel ist, kann man daraus schließen, daß sie im Licht des Himmels sind, und das Licht des Himmels seinem Wesen nach das göttliche Wahre oder die göttliche Weisheit ist, und dieses Licht ihr inneres Sehen, welches das des Gemütes ist, und ihr äußeres Sehen, welches das der Augen ist, zugleich erleuchtet: daß das Licht des Himmels das göttliche Wahre oder die göttliche Weisheit ist, sehe man Nr. 126-133. Auch sind die Engel in der himmlischen Wärme, die in ihrem Wesen das göttliche Gute oder die göttliche Liebe ist, aus der sie die Neigung und Sehnsucht haben, weise zu sein; daß die Wärme des Himmels das göttliche Gute oder die göttliche Liebe sei, sehe man Nr. 133-140. Daß die Engel in der Weisheit sind, so daß sie Weisheiten genannt werden können, kann man daraus schließen, daß alle ihre Gedanken und Gefühle sich nach der Form des Himmels ergießen, welche Form die Form der göttlichen Weisheit ist, und daß ihr Inwendiges, das die Weisheit aufnimmt, nach dieser Form zusammengesetzt ist; daß die Gedanken und Gefühle der Engel nach der Form des Himmels sich ergießen, somit auch ihre Einsicht und Weisheit, sehe man Nr. 201-212. Daß die Engel überschwengliche Weisheit haben, kann auch daraus erhellen, daß ihre Sprache die Sprache der Weisheit ist, denn sie entfließt unmittelbar und von selbst dem Denken, und dieses dem Gefühl, so daß ihre Sprache das Denken aus dem Gefühl in äußerer Gestaltung ist; woher dann kommt, daß nichts sie von dem göttlichen Einfluß abzieht, auch nichts Äußeres, wie dergleichen beim Menschen aus anderen Gedanken in seine Rede sich einmengt (daß die Rede der Engel die Rede ihres Denkens und Gefühl sei, sehe man Nr. 234-245). Zu solcher Weisheit der Engel trägt auch das bei, daß alle Dinge, die sie mit den Augen sehen und mit den Sinnen empfinden, mit ihrer Weisheit zusammenstimmen, weil sie Entsprechungen und sonach die Gegenstände vorbildliche Formen von Dingen der Weisheit sind; (daß alle Dinge, die in den Himmeln erscheinen, Entsprechungen des Inwendigen der Engel und Vorbildungen ihrer Weisheit sind, sehe man Nr. 170-182). Überdies werden die Gedanken der Engel nicht verendlicht und beengt durch Vorstellungen aus Raum und Zeit, wie die menschlichen Gedanken, denn die Räume und Zeiten sind Eigentümlichkeiten der Natur, und die Eigentümlichkeiten der Natur ziehen das Gemüt von geistigen Dingen ab und benehmen der intellektuellen Anschauung die Ausdehnung; (daß die Ideen der Engel ohne Zeit und Raum sind, und so vor den menschlichen voraus haben, daß sie schrankenlos sind, sehe man Nr. 162-169 und 191-199). Die Gedanken der Engel werden auch nicht zu Irdischem und Materiellem herabgezogen, und nicht unterbrochen durch irgendwelche Sorgen um die Notwendigkeiten des Lebens, somit auch nicht durch dergleichen von den Freuden der Weisheit abgelenkt, wie dies bei den Gedanken der Menschen in der Welt der Fall ist; denn alles kommt ihnen vom Herrn ohne Entgelt zu, sie werden umsonst gekleidet, umsonst ernährt, und wohnen umsonst (Nr. 181, 190), und überdies werden sie mit Freuden und Wonnen beschenkt je nach der Aufnahme der Weisheit vom Herrn. Dies ist gesagt worden, damit man wisse, woher die Engel so große Weisheit haben
184.

(267)
Daß die Engel so große Weisheit in sich aufnehmen können, kommt daher, daß ihr Inwendiges aufgeschlossen ist, und die Weisheit, wie alle Vollkommenheit, nach dem Inwendigen zu wächst, somit je nach dessen Aufschließung
185. Es gibt bei jedem Engel drei Grade des Lebens, die den drei Himmeln entsprechen (man sehe Nr. 29-40); diejenigen, bei denen der erste Grad aufgeschlossen ist, sind im ersten oder äußersten Himmel; diejenigen, bei denen der zweite Grad aufgeschlossen ist, sind im zweiten oder mittleren Himmel; diejenigen aber, bei denen der dritte Grad geöffnet ist, sind im dritten oder innersten Himmel; nach diesen Graden verhält sich die Weisheit der Engel in den Himmeln; daher übersteigt die Weisheit der Engel des innersten Himmels unermeßlich die Weisheit der Engel des mittleren Himmels, und die Weisheit dieser [letzteren] die Weisheit der Engel des äußersten Himmels (man sehe Nr. 209, 210, und welcherlei die Grade sind, Nr. 38). Daß dergleichen Unterschiede bestehen, kommt daher, daß das, was auf der höheren Stufe steht, das Besondere ist, das aber, was auf der niedrigeren [steht], das Allgemeine [ist], und das Allgemeine das Enthaltende des Besonderen ist; das Besondere verhält sich zu dem Allgemeinen wie tausend oder zehntausend zu eins; ebenso vergleichsweise die Weisheit des oberen Himmels zu der Weisheit des unteren Himmels. Die Weisheit dieser [letzteren] übersteigt jedoch in gleicher Weise die Weisheit des Menschen; denn der Mensch ist im Materiellen und dessen Sinnlichem, und das Materiell-Sinnliche ist im untersten Grad; hieraus erhellt, welcherlei Weisheit diejenigen haben, die aus dem Sinnlichen denken, das heißt diejenigen, die sinnliche Menschen genannt werden, daß sie nämlich in gar keiner Weisheit sind, sondern bloß in einem Wissen186; anders aber diejenigen Menschen, deren Gedanken über das Sinnliche erhoben sind, und mehr noch diejenigen, deren Inwendiges bis ins Licht des Himmels aufgeschlossen ist.

(268)
Wie groß die Weisheit der Engel ist, kann daraus erhellen, daß in den Himmeln eine Gemeinschaftlichmachung [communicatio] aller Dinge besteht; des einen Einsicht und Weisheit teilt sich dem anderen mit; der Himmel ist eine Gemeinschaft aller Güter; und dies darum, weil die himmlische Liebe von der Art ist; sie will, daß der andere habe, was sie hat; weshalb niemand im Himmel sein Gutes in sich als Gutes empfindet, sofern es nicht auch im anderen ist; daraus entspringt auch die Glückseligkeit des Himmels; dies haben die Engel vom Herrn, Dessen göttliche Liebe so ist. Daß ein solches Gemeinschaftlichmachen im Himmel besteht, ist mir auch durch Erfahrung zu wissen gegeben worden; einige Einfältige wurden zuweilen in den Himmel erhoben, und sowie sie dorthin [kamen], kamen sie auch in die Engelweisheit, und verstanden dann solches, was sie früher nicht hatten fassen können, und redeten, was sie im vorigen Zustand nicht aussprechen konnten.

(269)
Wie die Weisheit der Engel beschaffen ist, kann nicht mit Worten beschrieben, sondern nur durch einiges Allgemeine beleuchtet werden; die Engel können mit einem Wort ausdrücken, was der Mensch nicht mit tausend Worten vermag; und überdies liegt in einem engelischen Wort Unzähliges, was mit Worten der menschlichen Sprache nicht ausgedrückt werden kann; denn in [jedem] einzelnen, das die Engel reden, liegen in stetiger Verknüpfung Geheimnisse der Weisheit, zu denen die menschlichen Wissenschaften durchaus nicht hinanreichen; auch ergänzen die Engel, was sie mit den Worten ihrer Sprache nicht erschöpfen, durch eine Betonung, der das Gefühl der Dinge in deren Ordnung innewohnt, denn, wie Nr. 236, 241 gesagt worden, durch die Töne drücken sie Gefühle, und durch die Worte Denkbilder aus den Gefühlen aus; und daher kommt, daß, was im Himmel gehört wird, Unaussprechliches heißt. Die Engel können in gleicher Weise auch die Einzelheiten, die in einem ganzen Buch geschrieben stehen, mit wenigen Worten wiedergeben und in jedes Wort solches legen, was zu tieferer Weisheit erhebt; denn ihre Sprache ist von der Art, daß sie mit den Gefühlen und jedes einzelne Wort mit den Vorstellungen zusammenstimmt; die Worte wechseln auch in unendlichen Weisen, je nach den Verkettungen der Dinge, die in Zusammenfassung im Gedanken liegen. Die innerlichen Engel können auch aus dem Ton und zugleich aus einigen Worten des Redenden dessen ganzes Leben wissen; denn sie erkennen an der Betonung, so wie sie durch die in den Wörtern liegenden Ideen verschieden modifiziert ist [ex sonoro variegato per ideas in vocibus], seine herrschende Liebe, der die Einzelheiten seines Lebens gleichsam eingeschrieben sind
187. Hieraus erhellt, wie die Weisheit der Engel beschaffen ist; ihre Weisheit verhält sich zur menschlichen Weisheit wie zehntausend [myrias] zu eins, vergleichsweise wie die Bewegkräfte des ganzen Körpers, die unzählbar sind, zu den aus ihnen hervorgehenden Handlungen, die vor dem menschlichen Sinn als eines erscheinen; oder wie die tausenderlei Dinge eines Gegenstandes, die man durch ein vollkommenes Vergrößerungsglas sah, zu dem einen dunkeln Ding vor dem bloßen Auge. Ich will die Sache noch durch ein Beispiel beleuchten: ein Engel beschrieb aus seiner Weisheit die Wiedergeburt, und brachte von den dieselbe betreffenden Geheimnissen gegen Hunderte in ihrer Ordnung vor, und füllte jedes Geheimnis mit Ideen, in denen noch tiefere Geheimnisse lagen, und dies von Anfang bis zu Ende; denn er setzte auseinander, wie der geistige Mensch von neuem empfangen, gleichsam im Mutterleib getragen und geboren wird, aufwächst und allmählich vervollkommnet wird; er sagte, er hätte die Zahl der Geheimnisse bis zu einigen Tausenden vermehren können, und diejenigen, die angeführt worden, betreffen bloß die Wiedergeburt des äußeren Menschen, und unzählige weitere wären von der Wiedergeburt des inneren [zu sagen]. Aus diesem und anderem der Art, was von den Engeln gehört worden, war mir offenbar, wie große Weisheit sie haben, und wie groß die Unwissenheit des Menschen ist, welche kaum weiß, was Wiedergeburt ist, und nicht ein Moment des Fortschrittes derselben kennt.

(270)
Von der Weisheit der Engel des dritten oder innersten Himmels, und wie sehr sie die Weisheit des ersten oder äußersten Himmel übertrifft, soll jetzt [einiges] gesagt werden; die Weisheit der Engel des dritten oder innersten Himmels ist unfaßlich, auch für die, die im äußersten Himmel sind; und dies darum, weil das Inwendige der Engel des dritten Himmels bis zur dritten Stufe aufgeschlossen ist, das Inwendige der Engel des ersten Himmels aber bloß bis zur ersten Stufe aufgeschlossen ist und alle Weisheit gegen das Inwendige hin wächst und vervollkommnet wird je nach dessen Anschließung, Nr. 208, 267. Weil das Inwendige der Engel des dritten oder innersten Himmels bis zum dritten Grad aufgeschlossen ist, so sind ihnen die göttlichen Wahrheiten gleichsam eingeschrieben; denn das Inwendige des dritten Grades ist, mehr als das Inwendige des zweiten und des ersten Grades, in der Form des Himmels, und die Form des Himmels ist aus dem göttlichen Wahren, somit der göttlichen Weisheit gemäß; daher kommt, daß jenen Engeln die göttlichen Wahrheiten wie eingeschrieben oder wie eingepflanzt und angeboren zu sein scheinen; weshalb sie, sobald sie nur die echten göttlichen Wahrheiten hören, dieselben sogleich anerkennen und fühlen [percipiunt], und nachher sie gleichsam inwendig in sich schauen; weil die Engel jenes Himmels so beschaffen sind, so machen sie über die göttlichen Wahrheiten niemals Schlüsse [nusquam ratiocinantur], noch weniger streiten sie über irgendeine Wahrheit, ob dem so sei oder nicht, auch wissen sie nicht, was glauben [credere] oder Glauben haben [fidem habere] sein soll; denn sie sagen: was ist Glaube ? ich fühle und sehe ja, daß es so ist; sie erläutern dies durch Vergleiche; daß es nämlich ebenso wäre, wie wenn jemand mit seinem Genossen ein Haus und die mancherlei Dinge in demselben und um dasselbe her sähe und dann dem Genossen sagte, er müsse glauben, daß sie seien wie er [sie] gesehen; oder wie wenn jemand einen Garten und darin Bäume und Früchte sähe und dem Genossen sagte, er müsse Glauben haben, daß [es] ein Garten und daß es Bäume und Früchte seien, während er doch dieselben deutlich mit seinen Augen sieht; daher kommt, daß jene Engel den Glauben niemals nennen, noch eine Vorstellung desselben haben; weshalb sie auch niemals über die göttlichen Wahrheiten Schlüsse machen, noch weniger über irgendeine Wahrheit streiten, ob dem so sei oder nicht
188.

Die Engel des ersten oder äußersten Himmels dagegen besitzen die göttlichen Wahrheiten nicht so ihrem Inwendigen eingeschrieben, weil ihnen nur der erste Lebensgrad aufgeschlossen ist, daher sie über dieselben Schlüsse machen, und die, welche Schlüsse machen, sehen kaum über den Gegenstand der Sache hinaus, über die sie sich Schlüsse machen, noch gehen sie über das Subjekt hinaus, außer um es mit einigem zu begründen, und haben sie es begründet, so sagen sie, es sei Glaubenssache und man müsse daran glauben. Ich sprach hierüber mit den Engeln, welche sagten, es sei zwischen der Weisheit der Engel des dritten Himmels und der Weisheit der Engel des ersten Himmels ein Unterschied wie zwischen Licht und Dunkel; auch verglichen sie die Weisheit der Engel des dritten Himmels mit einem prächtigen Palast, reich versehen mit allem was zum Gebrauch dient, und um ihn her Paradiese, die wieder von Prachtvollem aller Art umgeben sind; und [fuhren sie fort] weil jene Engel in den Wahrheiten der Weisheit sind, so können sie in den Palast eintreten und alles sehen und auch in den Paradiesen nach allen Seiten hin sich ergehen und an allem sich erfreuen; nicht so aber die, welche über die Wahrheiten räsonieren, und noch weniger die, welche darüber streiten; weil diese die Wahrheiten nicht aus dem Licht des Wahren sehen, sondern sie entweder aus anderen oder aus dem Buchstabensinn des Wortes schöpfen, von dem sie kein tieferes Verständnis haben, so sagen sie, man müsse [daran] glauben, oder den Glauben haben, und wollen hernach nicht, daß das inwendigere Sehen in selbige eindringe; von diesen sagten sie, dieselben können nicht bis zur ersten Schwelle des Weisheitspalastes gelangen, noch weniger in denselben eintreten und in seinen Paradiesen sich ergehen, weil sie beim ersten Schritt stehen bleiben; anders diejenigen, die in den Wahrheiten selbst sind, diese halte nichts zurück, vorzuschreiten, und schrankenlos überallhin vorzudringen; denn die geschauten Wahrheiten leiten sie, wohin sie nur gehen, und zwar in weite Felder, weil jede Wahrheit von unendlicher Ausdehnung ist und in Verbindung mit vielerlei anderen steht. Weiter sagten sie, die Weisheit der Engel des innersten Himmels bestehe hauptsächlich darin, daß sie Göttliches und Himmlisches in den einzelnen Gegenständen und Wunderdinge in der Verkettung der vielen sehen; denn die Dinge, die vor ihren Augen erscheinen, stehen in Entsprechung; so z.B. wenn sie Paläste und Gärten sehen, so bleibe ihre Anschauung nicht bei den Dingen stehen, die vor den Augen sind, sondern sie sehen die inwendigeren Dinge, aus denen [sie entstanden sind] und denen sie somit entsprechen und zwar diese in aller Mannigfaltigkeit je nach dem Aussehen der Gegenstände, somit unzählige Dinge in Ordnung und Zusammenhang, die dann ihre Gemüter so sehr ergötzen, daß sie wie außer sich versetzt erscheinen; daß alle Dinge, die in den Himmeln erscheinen, den göttlichen Dingen entsprechen, die vom Herrn bei den Engeln sind, sehe man Nr. 170-176.

(271)
Die Engel des dritten Himmels sind aber darum so, weil sie in der Liebe zum Herrn sind und diese Liebe das Inwendige, das Gebiet des Gemütes, bis zum dritten Grad aufschließt und das Aufnahmegefäß aller Gegenstände der Weisheit ist. Ferner ist zu wissen, daß die Engel des innersten Himmels gleichwohl fortwährend an Weisheit vollkommener werden, und zwar dies auch anders als die Engel des äußersten Himmels; die Engel des innersten Himmels legen die göttlichen Wahrheiten nicht in ihrem Gedächtnis nieder und machen also auch nicht irgendein Wissen daraus, sondern sogleich, wie sie selbige hören, nehmen sie dieselben auch in sich auf und lassen sie ins Leben übergehen, und daher kommt, daß die göttlichen Wahrheiten bei ihnen wie eingeschrieben haften; denn was dem Leben einverleibt wird, das haftet in dieser Weise; anders aber verhält es sich mit den Engeln des äußersten Himmels, diese legen die göttlichen Wahrheiten zuerst ins Gedächtnis nieder und behalten sie im Wissen auf und nehmen sie von da wieder hervor und vervollkommnen durch sie ihren Verstand, und ohne innere Erfahrung, ob sie auch wahr sind, wollen sie dieselben und wenden sie aufs Leben an; daher sie im Vergleich [mit jenen] im Dunklen sind. Bemerkenswert ist, daß die Engel des dritten Himmels an Weisheit vollkommener werden durch das Gehör, nicht aber durch das Gesicht; was sie in der Predigt hören, geht nicht in ihr Gedächtnis, sondern unmittelbar in ihr Innewerden und in ihren Willen ein und wird zur Sache des Lebens; was aber diese Engel mit den Augen sehen, das dringt in ihr Gedächtnis und darüber gehen sie in Erörterungen ein und reden sie; daraus ward offenbar, daß der Weg des Gehörs für sie der Weg der Weisheit ist; und zwar auch dies infolge der Entsprechung; denn das Ohr entspricht dem Gehorsam, und der Gehorsam ist Sache des Lebens; das Auge dagegen entspricht der Einsicht, und die Einsicht bezieht sich auf die Lehre
189. Der Zustand dieser Engel wird auch hin und wieder im Wort beschrieben, wie bei Jer.31/33,34:

„Ich werde Mein Gesetz in ihr Gemüt geben und auf ihr Herz es schreiben, und es soll nicht mehr einer seinen Freund lehren, noch jemand seinen Bruder, sprechend: Erkennet den Jehovah, denn so viel ihrer sein werden, sollen sie Mich erkennen, vom Kleinsten derselben bis zum Größten derselben“.

Und bei Matth.5/37:

„Eure Rede sei: Ja, ja, nein, nein; was darüber ist, das ist aus dem Bösen“;

was darüber hinausgeht ist darum aus dem Bösen, weil es nicht aus dem Herrn ist; denn die Wahrheiten, die in den Engeln aus dem dritten Himmel sind, sind aus dem Herrn, weil sie in der Liebe zu Ihm sind; die Liebe zum Herrn ist in diesem Himmel das göttliche Wahre wollen und tun; denn das göttliche Wahre ist der Herr im Himmel.

(272)
Zu den schon angeführten Ursachen, wegen welcher die Engel so große Weisheit in sich aufnehmen können, kommt noch diese, welche auch im Himmel die Hauptursache ist, daß sie nämlich ohne Selbstliebe sind; denn inwieweit jemand ohne diese Liebe ist, insoweit kann er in göttlichen Dingen weise sein; diese Liebe ist es, die das Inwendige gegen den Herrn und gegen den Himmel hin verschließt und das Äußere öffnet und es sich zukehrt; weshalb auch alle die, bei denen diese Liebe herrscht, in dichter Finsternis sind in Ansehung der Dinge, die den Himmel betreffen, wie sehr sie auch im Licht hinsichtlich der weltlichen Dinge sein mögen; die Engel dagegen aber, weil sie von dieser Liebe frei sind, sind im Licht der Weisheit, denn die himmlischen Grundneigungen, in denen sie sind, nämlich die Liebe zum Herrn und die Nächstenliebe, schließen das Inwendige auf, weil diese Grundneigungen vom Herrn sind und der Herr selbst in ihnen ist; daß diese Grundneigungen den Himmel im allgemeinen ausmachen und auch den Himmel bei jedem im besonderen bilden, sehe man Nr. 13-19. Weil die himmlischen Grundneigungen das Inwendige gegen den Herrn hin aufschließen, darum wenden auch alle Engel ihr Angesicht dem Herrn zu, Nr. 142; denn in der geistigen Welt ist es die Liebe, die das Inwendige eines jeden sich zuwendet, und wohin sie das Inwendige kehrt, dahin kehrt sie auch das Angesicht; denn das Angesicht macht dort eins aus mit dem Inwendigen, weil es dessen Außenform ist; weil die Liebe das Inwendige und das Angesicht sich zukehrt, so verbindet sie sich auch mit diesen (denn die Liebe ist eine geistige Verbindung), und darum teilt sie denselben auch das Ihrige mit; durch diese Hinwendung und die davon herrührende Verbindung und Mitteilung haben die Engel Weisheit: daß alle Verbindung in der geistigen Welt sich der Zuwendung gemäß verhalte, sehe man Nr. 255.

(273)
Die Engel vervollkommnen sich fortwährend an Weisheit
190; gleichwohl jedoch können sie in Ewigkeit nicht bis dahin vervollkommnet werden, daß irgendein Verhältnis wäre zwischen ihrer Weisheit und der göttlichen Weisheit des Herrn; denn die göttliche Weisheit des Herrn ist unendlich und die der Engel endlich, und zwischen dem Unendlichen und dem Endlichen gibt es kein Verhältnis.

(274)
Weil die Weisheit die Engel vervollkommnet und ihr Leben ausmacht, und weil der Himmel bei jeglichem einfließt je nach seiner Weisheit, darum sehnen sich dort alle nach ihr und streben nach ihr, kaum anders als ein Mensch, der Hunger hat, nach Speise [sich sehnt]; wirklich ist auch die Wissenschaft, Einsicht und Weisheit eine geistige Nahrung, wie die Speise eine natürliche Nahrung ist; sie entsprechen sich auch gegenseitig.

(275)
Die Engel in einem [und demselben] Himmel und auch in einer [und derselben] Gesellschaft des Himmels sind nicht in gleicher, sondern in verschiedener Weisheit; in der größten Weisheit sind die in der Mitte, in geringerer, die ringsumher bis an die Grenzen sind; die Abnahme der Weisheit je nach den Erfahrungen von der Mitte ist wie die Abnahme des [allmählich] in Schatten übergehenden Lichtes (man sehe Nr. 43-128); auch ist bei ihnen Licht in demselben Grad, weil das Licht des Himmels die göttliche Weisheit ist, und jeder im Licht ist je nach der Aufnahme derselben. Vom Licht des Himmels und der verschiedenen Aufnahme desselben sehe man Nr. 126-132.

(33)

VOM ZUSTAND DER UNSCHULD
DER ENGEL IM HIMMEL

(276)
Was Unschuld sei und welche Beschaffenheit sie habe, wissen wenige in der Welt, und ganz und gar nicht die, welche im Bösen sind; sie erscheint zwar vor den Augen, und zwar [spricht sie] aus dem Angesicht, aus der Rede und den Gebärden, besonders der Kinder, dennoch aber weiß man nicht, was sie ist, noch weniger, daß sie es ist, in welcher der Himmel beim Menschen sich birgt; damit man es also wisse, will ich der Ordnung nach vorschreiten, und zuerst reden von der Unschuld der Kindheit, hernach von der Unschuld der Weisheit und zuletzt vom Zustand des Himmels hinsichtlich der Unschuld.

(277)
Die Unschuld der Kindheit oder der Kinder ist nicht die echte Unschuld, denn sie ist es nur in der äußeren, nicht aber in der inneren Form, gleichwohl jedoch kann man an ihr lernen, wie die Unschuld beschaffen ist; denn sie leuchtet aus ihrem Angesicht und aus einigen ihrer Gebärden, und aus ihrer ersten Sprache hervor, und rührt, weil sie nämlich kein inneres Denken haben, denn sie wissen noch nicht, was gut und böse, und was wahr und falsch ist, woraus eben das Denken kommt; daher haben sie keine Klugheit aus dem Eigenen, keinen Vorsatz und keine Überlegung, somit keine Absicht zum Bösen; sie haben kein aus der Selbst- und Weltliebe angebildetes Eigenes; sie schreiben sich selbst nichts zu, sondern verdanken alles ihren Eltern; sie sind mit Wenigem und Geringem, das ihnen geschenkt wird, zufrieden und haben Freude daran; sie machen sich keine Sorgen um Nahrung und Kleidung und um die Zukunft; sie sehen nicht auf die Welt und empfangen auch [nicht] viel aus ihr; sie lieben ihre Eltern, ihre Amme und ihre Altersgenossen, mit denen sie in Unschuld spielen; sie lassen sich leiten, merken auf und gehorchen; und weil sie in diesem Zustand sind, nehmen sie alles ins Leben auf; von daher haben sie, ohne zu wissen, woher [sie ihnen kommen], anständige Sitten, von daher die Sprache und von daher auch einen ersten Anfang von Gedächtnis und von Denken; zu deren Aufnahme und Aneignung ihr Unschuldsstand als Mittel dient; allein diese Unschuld ist, wie oben gesagt worden, eine äußerliche, weil bloß des Körpers, nicht des Gemütes
191: denn ihr Gemüt [mens] ist noch nicht gebildet, sofern nämlich das Gemüt Verstand und Wille und aus diesem Denken und Gefühl ist. Es ist mir aus dem Himmel gesagt worden, daß die Kinder vorzugsweise unter der Obhut des Herrn seien und der Einfluß aus dem innersten Himmel komme, wo ein Zustand der Unschuld ist, und daß der Einfluß durch ihr Inwendiges hindurchgehe, und im Hindurchgehen dieses nur durch die Unschuld anrege und daher die Unschuld im Gesicht und in einigen Gebärden sich darstellt und in Erscheinung trete; und daß sie es sei, durch welche die Eltern innigst gerührt werden und welche die sogenannten Eltern- und Kindesliebe [storge] hervorbringt.

(278)
Die Unschuld der Weisheit ist die echte Unschuld, weil sie eine innere ist; denn sie liegt im Gemüt selbst, somit im Willen selbst und aus diesem im Verstand selbst, und wenn die Unschuld in diesem ist, so ist sie auch Weisheit, denn die Weisheit gehört ihnen an; darum sagt man im Himmel, die Unschuld wohne in der Weisheit, und wieviel ein Engel Weisheit habe, so viel habe er Unschuld; daß dem so sei, bestätigen sie damit, daß, die im Zustand der Unschuld sind, sich selbst nichts Gutes zuschreiben, sondern alles dem Herrn verdanken und zu eigen geben; daß sie von Ihm geführt werden wollen und nicht von sich selbst; daß sie alles, was gut ist, lieben, und sich an allem, was wahr ist, ergötzen, weil sie wissen und fühlen, daß das Gute lieben und so es wollen und tun, den Herrn lieben heißt, und daß das Wahre lieben soviel ist als den Nächsten lieben; daß sie mit dem, was sie haben, sei es wenig oder viel, zufrieden leben, weil sie wissen, daß sie so viel empfangen, als ihnen zuträglich ist. Weniges, wenn ihnen wenig zuträglich ist, und vieles, wenn ihnen vieles zuträglich ist; und daß nicht sie wissen, was ihnen gut ist, sondern allein der Herr, Dem die ewigen Dinge [die Gegenstände] sind, für die Er Vorsehung tut; daher sie auch nicht bekümmert sind wegen der Zukunft; die Bekümmernis um die Zukunft nennen sie Sorge für den morgenden Tag, von der sie sagen, sie sei der Schmerz wegen des Verlustes oder Nichterlangens solcher Dinge, die zu den Bedürfnissen des Lebens nicht notwendig sind; gegen die Genossen handeln sie nie aus einer auf Böses abzielenden Absicht, sondern aus dem Guten, Gerechten und Redlichen; mit Absicht auf Böses handeln nennen sie Arglist, die sie wie das Gift der Schlange fliehen, weil sie schnurstraks wider die Unschuld ist; da ihnen nichts lieber ist, als vom Herrn geführt zu werden, und da sie Ihm alles verdanken, so sind sie von ihrem Eigenen entfernt, und inwieweit sie von ihrem Eigenen entfernt sind, insoweit hat der Herr Einfluß; daher kommt, daß sie, was sie von Ihm hören, sei es nun mittels des Wortes oder mittels der Predigt, nicht im Gedächtnis niederlegen, sondern sogleich befolgen, das heißt wollen und tun; der Wille ist ihr eigenstes Gedächtnis; sie erscheinen der äußeren Gestalt nach meistens als Einfältige, sind aber der inneren nach weise und klug; sie sind es, die vom Herrn verstanden werden [wenn Er sagt:]

„Seid klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben“: Matth.10/16;

von dieser Art ist die Unschuld [oder Kindlichkeit], welche die Kindlichkeit der Weisheit heißt. Weil die Kindlichkeit nichts Gutes sich selbst zuschreibt, sondern alles Gute dem Herrn zuerkennt, und weil sie also liebt, vom Herrn geführt zu werden, und infolgedessen eine Aufnahme alles Guten und Wahren ist, aus denen Weisheit kommt, darum ist der Mensch so geschaffen worden, daß er als Kind in der Unschuld, jedoch in der äußerlichen, ist, dagegen aber, wenn er ein Greis wird, in der inneren Unschuld [oder Kindlichkeit] ist, damit er durch jene in diese und durch diese in jene komme, weshalb denn der Mensch, wenn er alt wird, auch seinem Körper nach abnimmt und von neuem wie ein Kind wird, aber wie ein weises Kind, somit ein Engel, denn das weise Kind im eminenten Sinn ist ein Engel; daher kommt, daß im Wort das Kind den Unschuldigen [oder Kindlichen] bezeichnet und der Greis den Weisen, in dem Kindlichkeit ist192.

(279)
Gleiches geht mit jedem vor, der wiedergeboren wird; die Wiedergeburt ist eine Wiederentstehung hinsichtlich des geistigen Menschen; dieser wird zuerst in die Unschuld der Kindheit eingeführt, die darin besteht, daß er nichts Wahres weiß und nichts Gutes vermag aus sich, sondern bloß aus dem Herrn, und daß er nach beidem verlangt und trachtet bloß darum, weil es wahr und weil es gut ist; beide werden auch vom Herrn gegeben, so wie er an Alter fortschreitet; zuerst wird er in die Kenntnis derselben, dann von der Kenntnis in die Einsicht und zuletzt von der Einsicht in die Weisheit geführt, immer in Begleitung der Kindlichkeit, die, wie gesagt, darin besteht, daß er nichts Wahres weiß und nichts Gutes vermag aus sich, sondern aus dem Herrn; ohne diesen Glauben und dessen innere Erfahrung [perceptio] kann niemand etwas vom Himmel in sich aufnehmen; darin hauptsächlich besteht die Unschuld [oder Kindlichkeit] der Weisheit.

(280)
Weil die Kindlichkeit ist, vom Herrn geführt werden und nicht aus sich selbst, darum sind alle, die im Himmel sind, in der Kindlichkeit; denn alle, die dort sind, lieben vom Herrn geführt zu werden; sie wissen nämlich, daß sich selbst führen soviel ist, als vom Eigenen geführt zu werden, und das Eigene ist, sich selber lieben, und wer sich liebt, sich nicht von einem anderen führen läßt; daher kommt, daß der Engel, inwieweit er in der Unschuld ist, insoweit auch im Himmel ist, das heißt, insoweit im göttlich Guten und im göttlich Wahren ist, denn in diesen sein heißt, im Himmel sein; die Himmel werden darum auch nach der Kindlichkeit unterschieden: die, welche im äußersten oder ersten Himmel sind, sind in der Kindlichkeit des ersten oder untersten Grades; die, welche im mittleren oder zweiten Himmel sind, sind in der Kindlichkeit des zweiten oder mittleren Grades; die aber im innersten oder dritten Himmel sind, sind in der Kindlichkeit des dritten oder innersten Grades; diese sind darum die eigentlichen Kindlichkeiten [Innocentiae] des Himmels, denn sie lieben mehr als die übrigen, vom Herrn geführt zu werden, wie die Kinder von ihrem Vater; weshalb sie auch das göttlich Wahre, daß sie entweder unmittelbar vom Herrn oder mittelbar durch das Wort und durch die Predigten hören, alsbald in den Willen aufnehmen und es tun und so es dem Leben einverleiben; daher sie so große Weisheit vor den Engeln der unteren Himmel haben, man sehe Nr. 270, 271; weil diese Engel so beschaffen sind, darum sind sie auch dem Herrn am nächsten, von Dem sie die Kindlichkeit haben, und sind sie auch vom Eigenen getrennt, so daß sie gleichsam im Herrn leben; sie erscheinen dem äußeren Ansehen nach als Einfältige und vor den Augen der Engel der unteren Himmel wie Kinder, somit als Kleine; und auch als solche, die nicht viel wissen, während sie doch die Weisesten der Engel des Himmels sind; denn sie wissen, daß sie keine Weisheit aus sich haben, und daß weise sein heißt, dies anerkennen und daß das, was sie wissen, wie nichts ist, gegen das, was sie nicht wissen; dieses wissen, anerkennen und innerlich erfahren heißen sie die erste Stufe zur Weisheit; auch sind diese Engel unbekleidet, weil die Nacktheit der Kindlichkeit entspricht
193.

(281)
Über die Kindlichkeit habe ich viel mit den Engeln gesprochen und bin belehrt worden, daß die Kindlichkeit das Sein alles Guten, und daß daher das Gute insoweit Gutes ist, als in ihm Kindlichkeit ist, folglich die Weisheit insoweit Weisheit ist, als sie Kindlichkeit an sich hat, ebenso die Liebe, Liebtätigkeit und der Glaube
194; und daher komme, daß niemand in den Himmel eingehen kann, wenn er nicht Kindlichkeit hat; und dies sei es, was verstanden wird vom Herrn, [wenn Er sagt:]

„Lasset die Kinder zu Mir kommen, und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich der Himmel: wahrlich, Ich sage euch, wer das Reich der Himmel nicht aufnimmt wie ein Kind, wird nicht in dasselbe eingehen“: [Matth.19/14]; Mark.10/14,[15]; Luk.18/16,17;

unter den Kindern werden hier, wie auch anderwärts im Wort, die Kindlichen [Innocentes] verstanden [s. Nr. 278]; der Zustand der Kindlichkeit wird vom Herrn auch beschrieben: Matth.6/25-34; aber in lauter Entsprechungen; der Grund, warum das Gute insoweit Gutes ist, als Kindlichkeit in ihm ist, liegt darin, daß alles Gute vom Herrn ist, und die Kindlichkeit eben ist, vom Herrn geführt werden wollen. Ich bin auch unterrichtet worden, daß das Wahre mit dem Guten und das Gute mit dem Wahren nicht anders verbunden werden kann, als mittels der Kindlichkeit; daher kommt auch, daß der Engel nicht Engel des Himmels ist, sofern in ihm nicht Kindlichkeit ist; denn der Himmel ist nicht eher in jemanden, als bis in ihm das Wahre mit dem Guten verbunden ist, daher auch die Verbindung des Wahren und Guten eine himmlische Ehe heißt, und die himmlische Ehe der Himmel ist. Ich bin auch unterrichtet worden, daß die wahrhaft eheliche Liebe ihren Ursprung aus der Kindlichkeit hat, weil aus der Verbindung des Guten und Wahren, in der die zwei Gemüter sind, nämlich das des Mannes und das des Weibes, welche Verbindung, wenn sie niedersteigt, sich in der Gestalt der ehelichen Liebe darstellt, denn die Gatten lieben einander, wie ihre Gemüter; daher ist in der ehelichen Liebe ein Spiel wie das der Kindheit und der Unschuld195.

(282)
Weil die Kindlichkeit das eigentliche Sein des Guten bei den Engeln des Himmels ist, so ist auch offenbar, daß das vom Herrn ausgehende göttliche Gute die Kindlichkeit selbst ist, denn dieses Gute ist es, was bei den Engeln einfließt und ihr Innerstes anregt und zur Aufnahme alles Guten des Himmels empfänglich und geschickt macht; dasselbe geschieht bei den Kindern, deren Inwendiges durch das Hindurchströmen der Unschuld aus dem Herrn nicht nur gebildet, sondern auch fortwährend zubereitet und empfänglich gemacht wird, das Gute der himmlischen Liebe in sich aufzunehmen; denn das Gute der Unschuld wirkt vom Innersten her, weil es, wie gesagt, das Sein alles Guten ist: hieraus kann erhellen, daß alle Kindlichkeit aus dem Herrn ist; und daher kommt, daß der Herr im Wort das Lamm heißt, denn das Lamm bezeichnet die Unschuld
196. Weil die Kindlichkeit das Innerste in allem Guten des Himmels ist, so ergreift sie auch die Gemüter so sehr, daß wer sie fühlt (und dies geschieht bei Annäherung eines Engels des innersten Himmels), nicht mehr seiner selbst mächtig zu sein scheint, und durch sie von solcher Wonne überströmt und gleichsam fortgerissen wird, daß im Vergleich damit alle Lust der Welt als Nichts erscheint: dies sage ich aus eigener Erfahrung.

(283)
Alle, die im Guten der Kindlichkeit sind, werden auch durch die Kindlichkeit gerührt, und inwieweit jemand in diesem Guten ist, insoweit wird er [durch sie] gerührt; die aber nicht im Guten der Kindlichkeit sind, werden auch nicht durch sie angeregt, weshalb alle die, welche in der Hölle sind, ganz und gar wider die Kindlichkeit sind; sie wissen auch nicht, was Kindlichkeit ist; ja sie sind von der Art, daß inwieweit jemand kindlich ist, insoweit sie auch vor Begierde brennen, ihm Schaden zuzufügen; daher kommt, daß sie den Anblick der Kinder nicht ertragen können, sondern sobald sie dieselben sehen, von grausamer Begierde, zu schaden, entzündet werden. Daraus ward klar, daß das Eigene des Menschen und somit auch die Liebe zu sich wider die Kindlichkeit ist; denn alle, die in den Höllen sind, sind im Eigenen und daher in der Liebe zu sich
197.

(34)

DER ZUSTAND DES FRIEDENS IM HIMMEL

(284)
Wer nicht im Frieden des Himmels war, kann nicht fassen, was der Friede ist, in dem die Engel sind; auch kann der Mensch, solange er im Körper ist, den Frieden des Himmels nicht in sich aufnehmen, somit ihn nicht empfinden, weil die Empfindung [perceptio] des Menschen im Natürlichen ist; um ihn zu empfinden, muß er so beschaffen sein, daß er seinem Denken nach erhoben und vom Körper weggeführt und in den Geist versetzt werden und dann bei den Engeln sein kann; und weil ich auf diese Weise den Frieden des Himmels empfunden habe, kann ich ihn beschreiben, jedoch nicht mit Worten, wie er an sich ist, weil menschliche Worte nicht dazu ausreichen, sondern mit Worten nur, wie er ist in Vergleich mit jener Seelenruhe, die diejenigen haben, die in Gott vergnügt sind.

(285)
Es gibt zwei Innerste des Himmels, nämlich Kindlichkeit und Frieden; Innerste heißen sie, weil sie unmittelbar aus dem Herrn hervorgehen; die Kindlichkeit ist es, aus der alles Gute des Himmels und der Friede aus dem alles Angenehme des Guten kommt; alles Gute hat sein Angenehmes; beides, sowohl das Gute, als das Angenehme, gehört der Liebe an, denn was geliebt wird, das nennt man Gutes, und es wird auch als Angenehmes empfunden; daraus folgt, daß jene zwei Innersten, nämlich die Kindlichkeit und der Friede, aus der göttlichen Liebe des Herrn hervorgehen und die Engel vom Innersten heraus anregen. Daß die Kindlichkeit das Innerste des Guten sei, sehe man in dem unmittelbar vorhergehenden Abschnitt, wo vom Zustand der Kindlichkeit der Engel des Himmels gehandelt worden ist; daß aber der Friede das Innerste des Angenehmen aus dem Guten der Kindlichkeit sei, soll nun erklärt werden.

(286)
Zuerst soll gesagt werden, woher der Friede kommt: Der göttliche Friede ist im Herrn und entsteht aus der Vereinigung des Göttlichen Selbst und des Göttlich-Menschlichen in Ihm; das Göttliche des Friedens im Himmel ist vom Herrn und entsteht aus Seiner Verbindung mit den Engeln des Himmels und im besonderen aus der Verbindung des Guten und Wahren bei jeglichem Engel. Dies sind die Ursprünge des Friedens, woraus erhellen kann, daß der Friede in den Himmeln das Göttliche ist, das alles Gute dort inwendigst mit Seligkeit überströmt, aus dem also alle Himmelsfreude stammt; und daß er seinem Wesen nach die göttliche Freude der göttlichen Liebe des Herrn ist, die aus Seiner Verbindung mit dem Himmel und mit jedem in ihm hervorgeht; diese Freude, die vom Herrn in den Engeln und von den Engeln vom Herrn her empfunden wird, ist der Friede; von daher kommt den Engeln durch Ableitung alles Selige, Angenehme und Wonnige, oder dasjenige zu, was man die himmlische Freude nennt
198.

(287)
Weil dies die Quellen des Friedens sind, so heißt der Herr der Fürst des Friedens und sagt, daß von Ihm Friede komme und in Ihm Friede sei; darum heißen die Engel Engel des Friedens und der Himmel die Wohnung des Friedens, wie in folgenden Stellen:

„Ein Knabe ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, auf Dessen Schulter die Herrschaft ist, und Sein Name wird genannt werden Wunderbar, Rat, Gott, Held, Vater der Ewigkeit, des Friedens Fürst, dem Mehrer der Herrschaft, und des Friedens wird kein Ende sein“: Jes.9/5,6.

„Jesus sagte: Frieden lasse Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch, nicht wie die Welt gibt, gebe Ich euch“: Joh.14/27.

„Dieses habe Ich zu euch gesprochen, damit ihr in Mir Frieden habet“: Joh.16/33.

„Jehovah wird Sein Angesicht zu dir erheben, und dir Frieden geben“: 4Mo.6/26.

„Die Engel des Friedens weinen bitterlich, verwüstet sind die Pfade“: Jes.33/7,8.

„Das Werk der Gerechtigkeit wird Friede sein, und Mein Volk wird in der Wohnung des Friedens wohnen“: Jes.32/17,18.

Daß es der göttliche und himmlische Friede sei, der unter dem Frieden im Wort verstanden wird, kann auch aus anderen Stellen erhellen, in denen er genannt wird, als bei: Jes.52/7; 54/10; 59/8; Jer.16/5; 25/37; 29/11; Hag.2/9; Sach.8/12; Ps.37/37,

und anderwärts. Weil der Friede den Herrn und den Himmel bezeichnet, sowie auch die himmlische Freude und die Lust des Guten, so waren in alten Zeiten und sind auch jetzt noch die Begrüßungsworte: Friede sei mit euch ! Was auch der Herr bestätigte, indem Er zu den Jüngern, die Er aussandte, sagte:

„Wenn ihr in ein Haus tretet, so sprechet zuerst: Friede sei diesem Hause ! Und wenn darin ein Sohn des Friedens ist, so wird auf ihm euer Friede ruhen“: Luk.10/5,6;

auch sagte der Herr selbst, als Er den Aposteln erschien: Friede sei mit euch !: Joh.20/19,21,26. Der Zustand des Friedens wird im Wort auch verstanden, wenn es heißt:

„Jehovah habe den Geruch der Ruhe gerochen“, wie 2Mo.29/18,25,41; 3Mo.1/9,13,17; 2/2,9; 6/8,14; 23/[12],13,18; 4Mo.15/3,7,13; 28/6,8,13; 29/2,6,8,13,36;

durch den Geruch der Ruhe wird im himmlischen Sinn die Empfindung des Friedens bezeichnet199. Weil der Friede die Vereinigung des Göttlichen Selbst und des Göttlich-Menschlichen im Herrn bezeichnet, sowie auch die Verbindung des Herrn mit dem Himmel und mit der Kirche und mit allen im Himmel und auch in der Kirche, die Ihn aufnehmen, darum wurde zur Erinnerung der Sabbath eingesetzt und von der Ruhe oder dem Frieden benannt, und war die heiligste Vorbildung der Kirche, und darum auch nannte der Herr Sich den Herrn des Sabbaths: Matth.12/8; Mark.2/27,28; Luk.6/5200.

(288)
Weil der Friede des Himmels das Göttliche ist, sofern es das Gute selbst, das bei den Engeln ist, inwendigst mit Seligkeit überströmt, so kommt er ihnen nicht anders zum deutlichen Bewußtsein, als durch die Freudigkeit des Herzens, wenn sie im Guten ihres Lebens sind, und durch die Lust, wenn sie das mit ihrem Guten zusammenstimmende Wahre hören und durch die Heiterkeit des Gemüts, wenn sie deren Verbindung empfinden; von da aus aber fließt er in alle Handlungen und Gedanken ihres Lebens ein und stellt sich hier als Freude dar, auch in äußerer Erscheinung. Allein der Friede ist hinsichtlich auf Qualität und Quantität in den Himmeln verschieden je nach der Unschuld [oder Kindlichkeit] derer, die daselbst sind, weil Unschuld und Friede gleichen Schritt halten; denn, wie oben gesagt worden, die Unschuld ist es, aus der alles Gute des Himmels, und der Friede, aus dem alle Lust dieses Guten kommt; daraus kann erhellen, daß ähnliches, was im vorhergehenden Abschnitt vom Zustand der Unschuld [oder Kindlichkeit] in den Himmeln gesagt worden ist, auch vom Zustand des Friedens hier gesagt werden kann, weil Unschuld und Friede verbunden sind wie das Gute und sein Angenehmes; denn das Gute wird durch sein Angenehmes empfunden, und das Angenehme wird an seinem Guten erkannt; weil dem so ist, so ist offenbar, daß die Engel des innersten oder dritten Himmels im dritten oder innersten Grad des Friedens sind, weil sie im dritten oder innersten Grad der Kindlichkeit sind; und daß die Engel der unteren Himmel in geringerem Grad des Friedens sind, weil sie in geringerem Grad der Kindlichkeit sind, man sehe Nr. 280. Daß Unschuld und Friede beisammen sind, wie das Gute und sein Angenehmes, kann man bei den Kindern sehen, die, weil in der Unschuld, auch im Frieden sind; und weil sie im Frieden sind, so ist bei ihnen auch alles lauter Spiel; allein der Friede bei den Kindern ist ein äußerlicher Friede, der innerliche Friede aber findet sich, wie die innerliche Unschuld, nur in der Weisheit, und weil in der Weisheit, so findet er auch statt in der Verbindung des Guten und Wahren, denn aus dieser kommt die Weisheit. Es gibt auch einen himmlischen oder Engelsfrieden bei Menschen, die in der Weisheit sind infolge der Verbindung des Guten und Wahren und die sich daher zufrieden in Gott fühlen; allein dieser liegt, solange sie in der Welt leben, in ihrem Inwendigen verborgen, er wird jedoch offenbar, wenn sie den Körper verlassen und in den Himmel eingehen, denn alsdann wird das Inwendige aufgeschlossen.

(289)
Weil der göttliche Friede aus der Verbindung des Herrn mit dem Himmel und im besonderen bei jeglichem Engel aus der Verbindung des Guten und Wahren entsteht, so sind die Engel, wenn im Zustand der Liebe, auch im Zustand des Friedens; denn alsdann wird bei ihnen das Gute mit dem Wahren verbunden; daß die Zustände der Engel Wechsel erleiden, sehe man Nr. 154-160. Gleiches geschieht mit dem Menschen, der wiedergeboren wird: Wenn bei ihm die Verbindung des Guten und Wahren eintritt, was besonders nach den Versuchungen geschieht, so kommt er in den Zustand des Angenehmen aus dem himmlischen Frieden
201. Mit diesem Frieden verhält es sich vergleichsweise wie mit dem Morgen oder der Morgenröte zur Zeit des Frühlings, zu welcher Zeit, wenn die Nacht vergangen ist, von Sonnenaufgang an alles auf der Erde von neuem zu leben und aus dem Tau, der vom Himmel niedersteigt, ein balsamischer Geruch [odor vegetativus] sich zu verbreiten beginnt und auch mittels der Frühlingswärme dem Boden Fruchtbarkeit gibt, ja auch die menschlichen Gemüter mit Lust erfüllt; und dies darum, weil der Morgen oder die Morgenröte zur Frühlingszeit dem Zustand der Engel im Himmel entspricht, man sehe Nr. 155202.

(290)
Ich sprach auch mit den Engeln über den Frieden und sagte, in der Welt nenne man das Frieden, wenn die Kriege und Feindseligkeiten zwischen Staaten, und wenn die Feindschaften und Uneinigkeiten zwischen den Menschen aufhören; und man glaube, der innere Friede sei die Beruhigung der Seele [requies animi] nach Entfernung der Sorgen, und besonders das Gefühl der Ruhe und Lust [tranquillitas et jucunditas] bei glücklichem Fortgang der Dinge; allein die Engel sagten, die Seelenruhe und die Ruhe und Lust infolge der Entfernung der Sorgen und bei glücklichem Fortgang der Angelegenheiten erscheinen zwar als die des Friedens, gehören jedoch dem Frieden nicht an, außer bei denen, die im himmlischen Guten sind, weil nur in diesem Guten sich der Friede finde; denn der Friede aus dem Herrn fließe in ihr Innerstes ein und aus ihrem Innersten steige er herab und ergieße sich in ihr Unteres und bringe Beruhigung des Gemüts [requiem mentis], Seelenruhe [tranquillitatem animi] und die daraus hervorgehende Freude hervor; bei denen aber, die im Bösen sind, gebe es keinen Frieden
203; scheinbar zwar seien sie wie in Ruhe, Stille und Lust, wenn es ihnen nach Wunsch geht, allein sie sei eine äußerliche und keine innerliche, denn inwendig glimmen Feindschaft, Haß, Rachsucht, Grausamkeit und andere böse Begierden, in die auch ihr Gemüt verfalle, sobald sie jemand sehen, der ihnen nicht günstig ist und welche zum Ausbruch kommen, wenn nicht Furcht [sie zurückhält]; und daher rühre, daß ihre Lust in unsinniger Leidenschaft wohne, die [Lust] derer hingegen, die im Guten sind, in der Weisheit; der Unterschied sei, wie zwischen Hölle und Himmel.

(35)

VON DER VERBINDUNG DES HIMMELS
MIT DEM MENSCHLICHEN GESCHLECHT

(291)
Es ist in der Kirche eine bekannte Sache, daß alles Gute von Gott und nichts vom Menschen kommt, und daß darum niemand irgend etwas Gutes als das Seinige sich zuschreiben darf; bekannt ist auch, daß das Böse vom Teufel ist; daher kommt, daß diejenigen, die nach der Lehre der Kirche reden, von solchen, die gut handeln und auch von solchen, die fromm reden und predigen, zu sagen pflegen, sie seien von Gott geführt worden; das Gegenteil aber von denen, die böse handeln und gottlos reden. Dies könnte nicht so sein, wenn nicht der Mensch Verbindung mit dem Himmel und Verbindung mit der Hölle hätte, und wenn nicht diese Verbindungen mit seinem Willen und mit seinem Verstand beständen; denn aus diesen handelt der Körper und redet der Mund; was für eine Bewandtnis es mit dieser Verbindung habe, soll nun gesagt werden.

(292)
Bei jeglichem Menschen sind gute und sind böse Geister: durch die guten Geister hat der Mensch Verbindung mit dem Himmel und durch die bösen Geister mit der Hölle; diese Geister sind in der Geisterwelt, die in der Mitte zwischen Himmel und Hölle ist, von welcher Welt im folgenden im besonderen gehandelt werden wird. Wenn diese Geister zum Menschen kommen, so treten sie in all sein Gedächtnis und von da aus in all sein Denken ein, die bösen Geister in diejenigen Dinge seines Gedächtnisses und seines Denkens, welche böse sind; die guten Geister aber in diejenigen Dinge des Gedächtnisses und des Denkens, welche gut sind. Die Geister wissen ganz und gar nicht, daß sie beim Menschen sind, sondern wenn sie bei ihm sind, so halten sie das ganze Gedächtnis und das ganze Denken des Menschen für das ihrige; auch sehen sie den Menschen nicht, weil die in unserer Sonnenwelt befindlichen Dinge ihrem Auge nicht sichtbar werden
204. Der Herr trifft die größte Vorsorge, daß die Geister nicht wissen, daß sie beim Menschen sind; denn wüßten sie es, so sprächen sie mit ihm, und dann würden die bösen Geister ihn verderben; denn weil die bösen Geister mit der Hölle verbunden sind, so wünschen sie nichts so sehr, als den Menschen zu verderben, nicht nur seiner Seele nach, das heißt hinsichtlich des Glaubens und der Liebe, sondern auch dem Körper nach; anders aber ist es, wenn sie nicht mit dem Menschen reden; alsdann wissen sie auch nicht, daß aus ihm ist, was sie denken und auch was sie unter sich reden, denn auch unter sich reden sie aus dem Menschen, glauben aber, daß es das Ihre sei, und jeder hat das Seinige wert und lieb; so werden die Geister gehalten, den Menschen zu lieben und zu schätzen, obgleich sie es nicht wissen. Daß eine solche Verbindung der Geister mit dem Menschen besteht, ist mir durch vieljährige ununterbrochene Erfahrung so bekannt geworden, daß es nichts Bekannteres gibt.

(293)
Daß auch Geister, die mit der Hölle in Gemeinschaft stehen, dem Menschen beigegeben sind, kommt daher, daß der Mensch in Böses aller Art geboren wird, und daher sein erstes Leben nur aus diesem [abgeleitet] ist, weshalb denn, wenn ihm nicht solcherlei Geister, wie er selbst ist, beigegeben wären, der Mensch nicht leben, ja auch nicht von seinem Bösen abgezogen und gebessert werden könnte; daher er in seinem Leben durch böse Geister gehalten und von demselben durch gute Geister abgehalten wird; durch sie beide ist er auch im Gleichgewicht, und weil er im Gleichgewicht ist, ist er in seiner Freiheit, und kann vom Bösen abgezogen und zum Guten gelenkt und ihm auch Gutes eingepflanzt werden, was durchaus nicht geschehen kann, sofern er nicht in seiner Freiheit ist, und seine Freiheit kann ihm nicht gegeben werden, sofern nicht Geister aus der Hölle auf der einen Seite und Geister aus dem Himmel auf der anderen wirken und der Mensch in der Mitte ist. Es ist auch gezeigt worden, daß der Mensch, soweit er aus dem Anererbten und somit aus sich [wirkt], kein Leben hätte, wenn ihm nicht gestattet wäre, im Bösen zu sein, und auch keines, wenn er sich nicht in der Freiheit befände; ferner, daß er nicht zum Guten gezwungen werden könne, und daß das Erzwungene nicht hafte; sowie auch, daß das Gute, das der Mensch in der Freiheit annimmt, seinem Willen eingepflanzt und wie sein Eigenes werde
205; und daß daher komme, daß der Mensch Verbindung mit der Hölle und Verbindung mit dem Himmel hat.

(294)
Welch eine Verbindung des Himmels mit den guten Geistern und welch eine Verbindung der Hölle mit den bösen Geistern bestehe und welcherlei infolgedessen die Verbindung des Himmels und der Hölle mit dem Menschen sei, soll nun auch gesagt werden: alle Geister, die in der Geisterwelt sind, haben Verbindung mit dem Himmel oder mit der Hölle, die Bösen mit der Hölle und die Guten mit dem Himmel; der Himmel ist in Gesellschaften abgeteilt, ebenso die Hölle; jeglicher Geist gehört zu einer Gesellschaft und besteht auch durch den Einfluß aus ihr und wirkt somit in Einheit mit ihr zusammen; daher kommt, daß der Mensch, wie er verbunden ist mit Geistern, so auch verbunden ist mit dem Himmel oder mit der Hölle, und zwar mit derjenigen Gesellschaft daselbst, in der er seiner Neigung oder seiner Liebe nach ist; und alle Gesellschaften des Himmels sind je nach den Neigungen zum Guten und Wahren abgeteilt und alle Gesellschaften der Hölle je nach den Neigungen zum Bösen und Falschen; über die Gesellschaften des Himmels sehe man Nr. 41-45, ferner Nr. 148-151.

(295)
Die dem Menschen beigegebenen Geister sind so beschaffen, wie er selbst hinsichtlich seiner Neigung oder seiner Liebe, allein die guten Geister werden ihm vom Herrn beigegeben, die bösen Geister hingegen werden vom Menschen selbst herbeigezogen; jedoch werden die Geister beim Menschen gewechselt, ja nach den Veränderungen seiner Neigungen; daher er andere Geister hat in der Kindheit, andere im Knaben-, andere im Jünglings- und im Mannesalter und andere im Greisenalter; in seiner Kindheit sind bei ihm Geister, die in der Kindlichkeit sind, mithin solche, die mit dem Himmel der Kindlichkeit, welcher der innerste oder der dritte Himmel ist, in Verbindung stehen; in seinem Knabenalter sind bei ihm Geister, die in der Wißbegierde sind, also solche, die mit dem äußersten oder ersten Himmel in Verbindung stehen; in seinem Jünglings- oder Mannesalter sind bei ihm solche, die in dem Gefühl für das Wahre und Gute und infolgedessen in der Einsicht sind, mithin solche, die mit dem zweiten oder mittleren Himmel in Verbindung stehen; im Greisenalter aber sind bei ihm Geister, die in der Weisheit und Kindlichkeit [innocentia] sind, somit solche, die mit dem innersten oder dritten Himmel in Verbindung stehen; allein diese Beigebung geschieht von seiten des Herrn bei denen, die gebessert oder wiedergeboren werden können; anders aber bei denen, die nicht gebessert oder wiedergeboren werden können; zwar sind auch diesen gute Geister beigegeben, damit sie durch solche vom Bösen abgehalten werden, soweit es möglich ist; allein ihre unmittelbare Verbindung ist mit bösen Geistern, die mit der Hölle Gemeinschaft haben; daher sie solcherlei bei sich haben, wie sie, die Menschen, selbst sind; sind sie eigenliebig, oder gewinn- oder rachsüchtig, oder lieben sie den Ehebruch, so sind bei ihnen gleichgeartete Geister und wohnen gleichsam in ihren bösen Neigungen; und inwieweit der Mensch nicht durch gute Geister vom Bösen zurückgehalten werden kann, insoweit feuern sie ihn an, und inwieweit die Neigung herrscht, insoweit hängen sie sich ihm an und weichen nicht zurück. In dieser Weise ist der böse Mensch mit der Hölle und der gute Mensch mit dem Himmel verbunden.

(296)
Daß der Mensch durch Geister vom Herrn geleitet wird, geschieht deshalb, weil er nicht in der Ordnung des Himmels ist; denn er wird in Böses geboren, das der Hölle angehört, somit ganz und gar wider die göttliche Ordnung ist; er muß daher in die Ordnung zurückgebracht werden und kann nicht anders zurückgebracht werden, als mittelbar durch Geister; anders wäre es, wenn der Mensch in das Gute geboren würde, das der Ordnung des Himmels gemäß ist; alsdann würde er vom Herrn nicht durch Geister, sondern durch die Ordnung selbst geleitet werden, somit durch den allgemeinen Einfluß. Durch diesen Einfluß wird der Mensch geleitet hinsichtlich dessen, was vom Denken und Wollen ins Tun übergeht, somit hinsichtlich der Reden und der Handlungen; denn diese und jene ergießen sich gemäß der natürlichen Ordnung, und mit ihnen haben daher die Geister, die dem Menschen beigegeben sind, nichts gemein. Durch den allgemeinen Einfluß aus der geistigen Welt werden auch die Tiere geleitet, weil sie in der Ordnung ihres Lebens sind und diese nicht verkehren und zerstören konnten, da ihnen das Vernünftige fehlt
206. Welcher Unterschied zwischen den Menschen und Tieren sei, sehe man Nr. 39.

(297)
Was ferner die Verbindung des Himmels mit dem menschlichen Geschlecht betrifft, so ist zu wissen, daß der Herr selbst bei jeglichem Menschen gemäß der Ordnung des Himmels einfließt, sowohl in sein Innerstes als in sein Äußerstes, und daß Er ihn zur Aufnahme des Himmels geschickt macht und sein Äußerstes von seinem Innersten heraus und zugleich das Innerste von seinem Äußersten her leitet und so alles und jedes bei ihm im Zusammenhang erhält; dieser Einfluß des Herrn heißt der unmittelbare Einfluß; der andere Einfluß aber, der durch Geister geschieht, heißt der mittelbare Einfluß; dieser besteht durch jenen. Der unmittelbare Einfluß, welcher der des Herrn selbst ist, kommt aus Seinem Göttlich-Menschlichen und geht in den Willen des Menschen und durch den Willen in seinen Verstand, somit in das Gute des Menschen und durch das Gute in sein Wahres oder was dasselbe ist, in seine Liebe und durch seine Liebe in seinen Glauben, nicht aber umgekehrt, noch weniger in den Glauben ohne die Liebe oder in das Wahre ohne das Gute oder in einen Verstand, der nicht aus dem Willen stammt. Dieser göttliche Einfluß ist ein ununterbrochen fortwährender [perpetuus] und wird im Guten bei den Guten aufgenommen, nicht aber bei den Bösen; bei diesen wird er entweder zurückgestoßen oder erstickt oder verkehrt; daher ihr Leben ein böses ist, das im geistigen Sinn der Tod ist
207.

(298)
Die beim Menschen befindlichen Geister, sowohl diejenigen, die mit dem Himmel, als diejenigen, die mit der Hölle verbunden sind, fließen nirgends aus ihrem Gedächtnis und dem aus diesem hervorgehenden Denken beim Menschen ein; denn würden sie aus ihrem Denken einfließen, so würde der Mensch nicht anders wissen, als daß die ihnen angehörigen Dinge die seinigen seien (man sehe Nr. 256); gleichwohl jedoch fließt beim Menschen durch sie aus dem Himmel eine Neigung [affectio] ein, welche die der Liebe zum Guten und Wahren ist, und aus der Hölle eine Neigung, welche die der Liebe zum Bösen und Falschen ist; inwieweit daher die Neigung des Menschen zusammenstimmt mit derjenigen, die einfließt, insoweit wird sie von ihm in seinem Denken aufgenommen; denn das inwendige Denken des Menschen verhält sich ganz gemäß seiner Neigung oder Liebe; inwieweit sie aber nicht zusammenstimmt, insoweit wird sie nicht aufgenommen; daraus erhellt, daß, weil beim Menschen durch die Geister nicht ein Denken, sondern bloß die Neigung zum Guten und die Neigung zum Bösen eingeflößt wird, dem Menschen die Wahl, weil die Freiheit, bleibt, daß er somit in sein Denken das Gute aufnehmen und das Böse verwerfen kann; denn er weiß, was gut und was böse ist, aus dem Wort; was er im Denken aus Neigung aufnimmt, das wird ihm auch angeeignet; was er aber nicht im Denken aus Neigung aufnimmt, das wird ihm nicht angeeignet; hieraus kann erhellen, welcherlei der Einfluß des Guten aus dem Himmel und der Einfluß des Bösen aus der Hölle beim Menschen ist.

(299)
Es ist [mir] auch zu wissen gegeben worden, woher dem Menschen die Bangigkeit, der Seelenschmerz und die tiefere Traurigkeit kommt, die man Schwermut [melancholia] nennt; es gibt Geister, die noch nicht in der Verbindung mit der Hölle sind, weil sie sich noch in ihrem ersten Zustand befinden [von denen im folgenden, wo von der Geisterwelt die Rede sein wird]; diese lieben das Unverdaute [ingesta] und Bösartige wie das der unrein werdenden Speisen im Magen; weshalb sie, weil diese Dinge ihnen angenehm sind, sich da aufhalten, wo dergleichen beim Menschen sind, und aus ihrer bösen Neigung daselbst untereinander reden; von daher nun fließt die Stimmung [affectio] ihrer Rede beim Menschen ein, und wenn diese Stimmung der Neigung des Menschen zuwider ist, so entsteht ihm Traurigkeit und melancholische Beängstigung, sagt sie ihm aber zu, so entsteht ihm Fröhlichkeit und Heiterkeit; diese Geister erscheinen neben dem Magen, einige zu seiner Linken, einige zu seiner Rechten, einige unterhalb, einige oberhalb, auch näher und entfernter, somit in verschiedener Lage je nach den Neigungen, in denen sie sind; daß daher die Beängstigung des Gemütes komme, ist [mir] durch viele Erfahrung zu wissen und zu erproben gegeben worden; ich sah sie, hörte sie, fühlte die von ihnen her entstandenen Beängstigungen und redete mit ihnen; sie wurden weggetrieben, und die Bangigkeit hörte auf, sie kehrten zurück, und die Bangigkeit war wieder da, und ich empfand deren Zunahme und Abnahme je nach ihrer Annäherung und Entfernung; daher war mir offenbar, woher es kommt, daß einige, die, weil sie kein Gewissen haben, auch nicht wissen, was das Gewissen ist, dessen Beängstigungen dem Magen zuschreiben
208.

(300)
Die Verbindung des Himmels mit dem Menschen ist nicht wie die Verbindung des Menschen mit dem Menschen, sondern sie ist eine Verbindung mit dem Inwendigen, dem Gebiet seines Gemüts, also mit seinem geistigen oder inneren Menschen; mit seinem natürlichen oder äußeren aber findet eine Verbindung durch Entsprechungen statt, von welcher Verbindung im folgenden Abschnitt die Rede sein wird, in dem von der Verbindung des Himmels mit dem Menschen durch das Wort gehandelt werden soll.

(301)
Daß die Verbindung des Himmels mit dem menschlichen Geschlecht und des letzteren mit dem Himmel so beschaffen sei, daß das eine durch das andere besteht, soll auch im folgenden Abschnitte gezeigt werden.

(302)
Ich sprach mit den Engeln über die Verbindung des Himmels mit dem menschlichen Geschlecht und sagte, der Mensch der Kirche sage zwar, daß alles Gute von Gott komme und daß Engel beim Menschen seien; allein dennoch glauben wenige, daß sie mit dem Menschen verbunden seien, und noch weniger, daß sie in seinem Denken, und in seiner Neigung seien; hierüber sagten die Engel, sie wissen, daß ein solcher Glaube und dennoch dabei ein solches Reden in der Welt und, worüber sie sich wunderten, besonders in der Kirche sich finden, in der doch das Wort sei, das sie über den Himmel und über seine Verbindung mit dem Menschen belehre, während doch diese Verbindung von der Art sei, daß der Mensch nicht das Geringste denken kann ohne die ihm beigegebenen Geister und daß sein geistiges Leben davon abhängt; die Ursache der Unwissenheit in dieser Sache, sagten sie, sei die, daß der Mensch glaube, er lebe aus sich ohne Zusammenhang mit dem ersten Sein des Lebens, und daß er nicht wisse, daß dieser Zusammenhang durch die Himmel vermittelt wird, während doch der Mensch, wenn dieser Verband gelöst würde, sofort tot niederfiele; würde der Mensch die Sache so glauben, wie sie sich an sich verhält, daß nämlich alles Gute vom Herrn komme und alles Böse aus der Hölle, dann würde er das Gute bei ihm nicht zu Verdienstlichem machen, noch würde ihm das Böse zugerechnet werden; denn so würde er bei allem Guten, das er denkt und tut, auf den Herrn sehen, und alles Böse, das einfließt, zur Hölle, aus der es ist, zurückstoßen; weil aber der Mensch an keinen Einfluß aus dem Himmel und aus der Hölle glaubt und daher meint, alles, was er denkt und was er will, sei in ihm und folglich auch aus ihm, darum eignet er sich das Böse an und verunreinigt das Gute, das einfließt, mit dem Verdienst.

(36)

VON DER VERBINDUNG
DES HIMMELS MIT DEM MENSCHEN
DURCH DAS WORT

(303)
Diejenigen, die aus mehr inwendiger Vernunft denken, können sehen, daß alle Dinge durch Mittelglieder mit dem Ersten zusammenhängen, und daß alles, was nicht im Zusammenhang steht, zerfließt; denn sie wissen, wenn sie nachdenken, daß nichts durch sich selbst bestehen kann, sondern durch ein ihm Vorhergehendes, somit alles durch ein Erstes; und daß der Zusammenhang mit dem ihm Vorhergehenden sich verhält wie der der Wirkung mit ihrer wirkenden Ursache; denn wenn die wirkende Ursache von ihrer Wirkung weggenommen wird, so löst sich die Wirkung auf und zerfällt; weil die Gelehrten so dachten, so sahen sie und sprachen aus, daß das Bestehen ein fortwährendes Entstehen sei, und daß somit alles durch das Erste, weil es aus ihm entstanden ist, auch fortwährend entstehe, das heißt bestehe. Wie aber der Zusammenhang eines jeden Dinges mit dem ihm Vorhergehenden, also mit dem Ersten sei, aus dem alles ist, kann nicht mit wenigem gesagt werden, weil er mannigfaltig und verschieden ist; nur im allgemeinen, daß ein Zusammenhang der natürlichen mit der geistigen Welt besteht, und daß infolgedessen ein Entsprechungsverhältnis aller Dinge in der natürlichen Welt mit allen Dingen in der geistigen Welt statthat, über welche Entsprechung man nachsehe Nr. 103-115; ferner daß eine Verknüpfung und infolgedessen ein Entsprechungsverhältnis aller Teile des Menschen mit allen Teilen des Himmels bestehe, worüber auch Nr. 87-102.

(304)
Der Mensch ist so geschaffen, daß er Verknüpfung und Verbindung [nexum et conjunctionem] mit dem Herrn, dagegen aber mit den Engeln des Himmels bloß Zusammensein [consociationem] hat; daß er mit den Engeln nicht Verbindung, sondern bloß Zusammensein hat, kommt daher, daß der Mensch von der Schöpfung her dem Engel ähnlich ist hinsichtlich des Inwendigen, des Gebietes des Gemüts; denn der Mensch hat einen Willen ähnlich dem des Engels und auch einen ähnlichen Verstand; daher kommt, daß der Mensch, wenn er nach der göttlichen Ordnung gelebt hat, nach seinem Hingang ein Engel wird und dann eine Weisheit hat, gleich derjenigen der Engel; weshalb denn, wenn von einer Verbindung des Menschen mit dem Himmel die Rede ist, seine Verbindung mit dem Herrn und sein Zusammensein mit den Engeln verstanden wird; denn der Himmel ist nicht Himmel durch das Eigene der Engel, sondern durch das Göttliche des Herrn; daß das Göttliche des Herrn den Himmel macht, sehe man Nr. 7-22. Der Mensch aber hat überdies auch, was die Engel nicht haben, daß er nicht bloß seinem Inneren nach in der geistigen Welt, sondern auch zugleich seinem Äußeren nach in der natürlichen ist; sein Äußeres, das in der natürlichen Welt ist, begreift alles in sich, was in das Gebiet seines natürlichen oder äußeren Gedächtnisses gehört und aus diesem in seinem Denken und in seiner Einbildungskraft ist, im allgemeinen die Erkenntnisse und Wissenschaften mit ihren Annehmlichkeiten und Reizen, soweit sie durch die Welt bestimmt sind [sapiunt ex mundo]; sowie auch mehrere Vergnügungen, die dem Sinnlichen des Körpers angehören; überdies auch die Sinne selbst, die Rede und die Handlungen; dieses alles bildet auch das Letzte, in das der göttliche Einfluß des Herrn sich endigt; denn dieser bleibt nicht in der Mitte stehen, sondern dringt bis zu seinem Letzten vor. Hieraus kann nun erhellen, daß im Menschen das Letzte der göttlichen Ordnung ist, und daß er, weil das Letzte, auch die Stütze und Grundlage ist. Weil der göttliche Einfluß des Herrn nicht in der Mitte stehen bleibt, sondern, wie gesagt, bis zu seinem Letzten vordringt, und weil die Mitte, durch die er hindurchgeht, der Engelhimmel ist, das Letzte aber beim Menschen ist, und weil es nichts Verbandloses gibt, so folgt, daß eine solche Verknüpfung und Verbindung des Himmels mit dem menschlichen Geschlecht statthat, daß das eine durch das andere besteht, und daß das menschliche Geschlecht ohne den Himmel wie eine Kette ohne Haken, und der Himmel ohne das menschliche Geschlecht wie ein Haus ohne Grundlage wäre
209.

(305)
Weil aber der Mensch diesen Zusammenhang mit dem Himmel zerrissen hat, dadurch, daß er sein Inwendiges vom Himmel abwandte und es der Welt und sich selbst zuwandte durch Selbst- und Weltliebe und so sich unten wegzog, so daß er dem Himmel nicht mehr zur Stütze und Grundlage diente, so ist vom Herrn ein Mittel vorgesehen worden, das dem Himmel die Stelle der Stütze und Grundlage vertreten und auch zur Verbindung des Himmels mit dem Menschen dienen möchte; dieses Mittel ist das Wort. Wie aber das Wort zu solchem Mittel dient, ist umständlich gezeigt worden in den »Himmlischen Geheimnissen«, was man alles in eines zusammengezogen finden kann in dem Werkchen vom »Weißen Pferd«, wovon in der Offenbarung; und auch im »Anhang zur himmlischen Lehre«, aus welchen hier einiges in den Anmerkungen unter der Linie angeführt wird
210.

(306)
Ich bin aus dem Himmel unterrichtet worden, daß die Urmenschen eine unmittelbare Offenbarung hatten, weil ihr Inwendiges dem Himmel zugekehrt war, und daß infolgedessen eine Verbindung des Herrn mit dem menschlichen Geschlecht damals bestand. Daß aber nach ihren Zeiten keine solche unmittelbare Offenbarung statthatte, sondern eine mittelbare durch Entsprechungen; denn der ganze Gottesdienst dieser [späteren] bestand aus dergleichen, daher die Kirchen dieser Zeit vorbildliche hießen; denn sie wußten damals, was Entsprechung und was Vorbildung ist, und daß alles, was auf Erden ist, den geistigen Dingen, die im Himmel und in der Kirche sind, entspricht, oder, was dasselbe ist, sie vorbildet; weshalb die natürlichen Dinge, die das Äußere ihres Gottesdienstes waren, ihnen zu Mitteln dienten, geistig, also mit den Engeln, zu denken. Nachdem die Wissenschaft der Entsprechungen und Vorbildungen sich verloren hatte, da wurde das Wort geschrieben, in welchem alle Wörter und Bedeutungen der Wörter Entsprechungen sind und so einen geistigen oder inneren Sinn enthalten, in dem die Engel sind; weshalb denn, wenn ein Mensch das Wort liest und es nach seinem buchstäblichen oder äußeren Sinn versteht, die Engel es nach dem inneren oder geistigen Sinn verstehen; denn jeder Gedanke der Engel ist geistig, der Gedanke des Menschen aber ist natürlich; diese Gedanken erscheinen zwar als verschieden, sind aber gleichwohl eines, weil sie [einander] entsprechen. Daher kommt, daß, nachdem der Mensch sich vom Himmel entfernt und das Band zerrissen hatte, vom Himmel ein Mittel der Verbindung des Himmels mit dem Menschen durch das Wort vorgesehen wurde.

(307)
Wie der Himmel mit dem Menschen mittelst des Wortes verbunden wird, will ich durch einige Stellen aus ihm beleuchten: Das neue Jerusalem wird in der Offenbarung mit folgenden Worten beschrieben:

„Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, und der frühere Himmel und die frühere Erde war vergangen; und ich sah die heilige Stadt Jerusalem von Gott aus dem Himmel herabsteigen; die Stadt war viereckig, ihre Länge war so groß wie ihre Breite; und der Engel maß die Stadt mit dem Rohr zu zwölftausend Stadien; Länge, Breite und Höhe [sind] gleich. Und er maß ihre Mauer, 144 Ellen; das Maß eines Menschen, welches ist eines Engels; der Bau der Mauer war von Jaspis, die Stadt selbst aber reines Gold und ähnlich reinem Glas; und die Grundlage der Mauer mit jedem kostbaren Stein geschmückt; die zwölf Tore waren zwölf Perlen; und die Straße der Stadt reines Gold wie durchsichtiges Glas“: Offb.21/1,2,16-[19,21].

Der Mensch, der dieses liest, versteht es nicht anders als nach dem Buchstabensinn, daß nämlich der sichtbare Himmel mit der Erde vergehen und ein neuer Himmel entstehen werde, und daß auf die neue Erde die heilige Stadt Jerusalem herabkommen, und daß diese nach allen ihren Maßen der Beschreibung gemäß sein werde; allein die Engel, die beim Menschen sind, verstehen es ganz anders, nämlich [alles und] jedes geistig, was der Mensch natürlich [versteht]; unter dem neuen Himmel und der neuen Erde verstehen sie eine neue Kirche; unter der von Gott aus dem Himmel herabsteigenden Stadt verstehen sie deren vom Herrn geoffenbarte himmlische Lehre; unter der Länge, Breite und Höhe derselben, welche gleich und 12.000 Stadien [groß] sind, verstehen sie alles Gute und Wahre dieser Lehre im Inbegriff; unter der Mauer verstehen sie die sie beschützenden Wahrheiten; unter dem Maß der Mauer von 144 Ellen, welches das Maß eines Menschen, das ist eines Engels ist, verstehen sie alle diese schützenden Wahrheiten im Inbegriff und deren Beschaffenheit; unter ihren zwölf Toren, die von Perlen waren, verstehen sie die einleitenden Wahrheiten; die Perlen bezeichnen auch solche Wahrheiten; unter den Grundlagen der Mauer, die von Edelsteinen waren, verstehen sie die Erkenntnisse, auf die diese Lehre sich gründet; unter dem Gold gleich reinem Glas, aus dem die Stadt und aus dem deren Straße bestand, verstehen sie das Gute der Liebe, aus dem die Lehre mit ihren Wahrheiten durchscheint; in dieser Weise fassen die Engel jenes alles, mithin nicht so wie der Mensch; die natürlichen Vorstellungen des Menschen gehen so bei den Engeln in die geistigen Ideen über, ohne daß sie etwas wissen vom Buchstabensinn des Wortes, wie z.B. vom neuen Himmel und von der neuen Erde, von der neuen Stadt Jerusalem, von ihrer Mauer, von den Grundlagen der Mauer und von den Maßen; gleichwohl jedoch machen die Gedanken der Engel eins aus mit den Gedanken des Menschen, weil sie [einander] entsprechen; sie machen eins aus, beinahe wie die Worte des Redenden und deren Verständnis beim Hörenden, der nicht auf die Wörter, sondern bloß auf die Bedeutung achtet. Hieraus erhellt, wie der Himmel mit dem Menschen durch das Wort verbunden wird. Noch ein Beispiel aus dem Wort:

„An jenem Tage wird ein Fußsteig gehen von Ägypten nach Aschur, und Aschur wird nach Ägypten kommen und Ägypten nach Aschur, und die Ägypter werden Aschur dienen; an jenem Tage wird Israel der dritte sein für Ägypten und Aschur, ein Segen inmitten des Landes, den Jehovah Zebaoth segnen wird, sprechend: Gesegnet sei Mein ägyptisches Volk und Meiner Hände Werk, das assyrische, und Meine Erbschaft Israel“: Jes.19/23-25;

wie der Mensch denkt und wie die Engel [denken], wenn diese [Worte] gelesen werden, kann aus dem Buchstabensinn des Wortes und aus dessen innerem Sinn erhellen; der Mensch denkt nach dem Buchstabensinn, daß die Ägypter und Assyrer zu Gott bekehrt und angenommen werden sollten, und daß sie eins ausmachen werden mit dem israelitischen Volk; allein die Engel denken nach dem inneren Sinn an den Menschen der geistigen Kirche, der in diesem Sinn hier beschrieben wird und dessen Geistiges Israel ist, das Natürliche der Ägypter, und das Vernünftige, welches das Mittlere ist, Aschur ist211; dieser und jener Sinn sind gleichwohl eines, weil sie [einander] entsprechen; wenn daher die Engel in dieser Weise geistig denken und der Mensch in jener Weise natürlich, so sind sie verbunden beinahe wie Seele und Leib; wirklich ist auch der innere Sinn des Wortes dessen Seele und der Buchstabensinn dessen Leib. Von dieser Art ist das Wort allenthalben; daraus erhellt, daß es ein Mittel der Verbindung des Himmels mit dem Menschen ist und daß sein Buchstabensinn zur Stütze und Grundlage dient.

(308)
Durch das Wort besteht auch eine Verbindung des Himmels mit denen, die außerhalb der Kirche sind, wo das Wort nicht ist; denn die Kirche des Herrn ist allumfassend, und bei allen denen, die das Göttliche anerkennen und in Liebtätigkeit leben; sie werden auch nach ihrem Hingang von Engeln unterrichtet und nehmen die göttlichen Wahrheiten an
212; worüber man unten in seinem Abschnitt, wo von den Heiden [die Rede sein wird], nachsehen mag. Die allgemeine Kirche auf Erden ist vor dem Auge des Herrn wie ein Mensch, ganz wie der Himmel, wovon Nr. 59-72; dagegen ist die Kirche, in der das Wort und durch dasselbe der Herr bekannt ist, wie das Herz und wie die Lunge in jenem Menschen; es ist bekannt, daß alle Eingeweide und Glieder des ganzen Körpers durch mannigfache Verzweigungen ihr Leben vom Herzen und der Lunge her haben, somit auch derjenige Teil des Menschengeschlechts, der außerhalb der Kirche, wo das Wort ist, lebt, und die Glieder jenes Menschen bildet; die Verbindung des Himmels durch das Wort mit denen, die fernestehen, kann auch verglichen werden mit dem Licht, das von der Mitte aus sich ringsumher verbreitet; das göttliche Licht ist im Wort und in ihm der Herr mit dem Himmel gegenwärtig, und infolge dieser Gegenwart sind auch die Fernestehenden im Licht; anders wäre es, wenn es kein Wort gäbe; dies kann noch weiteres Licht erhalten durch das, was oben von der Form des Himmels, nach der die Zusammengesellungen und Mitteilungen daselbst geschehen, gezeigt worden ist. Allein dieses Geheimnis ist begreiflich für diejenigen, die in geistigem Licht sind, nicht aber für diejenigen, die bloß in natürlichem sind; denn jene, die in geistigem Licht sind, sehen in Klarheit Unzähliges, was diejenigen, die bloß in natürlichem Licht sind, gar nicht, oder nur als einen dunklen Gegenstand sehen.

(309)
Wäre nicht ein solches Wort auf diesem Erdkörper gegeben worden, so wäre der Mensch dieser Erde vom Himmel abgetrennt und wenn vom Himmel abgetrennt, würde er nicht mehr vernünftig sein; denn das Menschlich-Vernünftige entsteht durch den Einfluß des Himmelslichtes. Der Mensch dieser Erde ist auch von der Art, daß er nicht, wie die Bewohner anderer Weltkörper, von welchem in einem besonderen Werkchen gehandelt worden ist, eine unmittelbare Offenbarung empfangen, und durch sie in den göttlichen Wahrheiten unterrichtet werden kann; denn er ist mehr als sie im Weltlichen, somit im Äußeren, und das Innere ist es, was die Offenbarung aufnimmt; würde das Äußere sie empfangen, so würde das Wahre nicht verstanden werden. Daß der Mensch dieses Weltkörpers so beschaffen ist, zeigt sich an denen innerhalb der Kirche, die, obwohl sie aus dem Wort vom Himmel, von der Hölle, vom Leben nach dem Tode Kunde haben, dennoch dergleichen im Herzen leugnen, unter denen auch solche sind, die mehr als die übrigen nach dem Ruf der Gelehrsamkeit getrachtet haben, von denen man also glauben sollte, sie seien weiser als die anderen.

(310)
Mit den Engeln sprach ich mehrmals über das Wort und sagte, daß es von einigen verachtet werde wegen seiner einfachen Schreibart, und daß man durchaus nichts wisse von seinem inneren Sinn, und daher auch nicht glaube, daß so große Weisheit in ihm verborgen liege; die Engel sagten, die Schreibart des Wortes, obschon sie im Buchstabensinn als einfach erscheine, sei gleichwohl von der Art, daß ihr nirgends etwas an Vortrefflichkeit verglichen werden könnte, weil göttliche Weisheit nicht bloß in jedem Gedanken in ihr, sondern auch in jedem einzelnen Wort verborgen liege und diese Weisheit im Himmel hervorleuchte; sie wollten sagen, sie sei das Licht des Himmels, weil sie das göttliche Wahre ist; denn das göttliche Wahre leuchtet im Himmel (man sehe Nr. 132); sie sagten auch, daß ohne ein so beschaffenes Wort kein Himmelslicht bei den Menschen unseres Erdkörpers, somit auch keine Verbindung des Himmels mit ihnen wäre, denn inwieweit Licht des Himmels beim Menschen ist, insoweit findet Verbindung statt, und insoweit wird ihm auch Offenbarung des göttlich Wahren durch das Wort; daß der Mensch nicht weiß, daß diese Verbindung durch den dem natürlichen Sinn des Wortes entsprechenden geistigen Sinn desselben geschieht, hat seinen Grund darin, daß der Mensch dieses Erdkörpers gar nichts weiß vom geistigen Denken und Reden der Engel, und daß dieses vom natürlichen Denken und Reden der Menschen verschieden ist, und daß er, sofern er dies nicht weiß, durchaus nicht wissen kann, was der innere Sinn ist und somit [auch nicht], daß durch diesen eine solche Verbindung bewirkt werden kann. Sie sagten auch: Wenn der Mensch wüßte, daß es einen solchen Sinn gibt, und während dem Lesen des Wortes aus einiger
213 Kenntnis desselben heraus dächte, so würde er in tiefere Weisheit kommen und noch inniger mit dem Himmel verbunden werden, weil er dadurch in engelgleiche Ideen eintreten würde.

(37)

DAß HIMMEL UND HÖLLE
AUS DEM MENSCHLICHEN
GESCHLECHT SEIEN

(311)
In der Christenheit ist völlig unbekannt, daß Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht sind; denn man glaubt, die Engel seien von Anbeginn erschaffen und daher stamme der Himmel, und der Teufel oder Satan sei ein Engel des Lichtes gewesen, weil er aber ein Empörer wurde, mit seiner Rotte hinabgestoßen worden und daher stamme die Hölle. Daß in der Christenheit ein solcher Glaube ist, darüber wundern sich die Engel gar sehr und noch mehr darüber, daß man gar nichts vom Himmel weiß, während doch dies ein Hauptpunkt der Lehre [primarium doctrinae] in der Kirche ist; und weil eine solche Unwissenheit herrscht, so freuten sie sich herzlich, daß es dem Herrn gefallen hat, denselben nun mehreres über den Himmel und auch über die Hölle zu offenbaren, und dadurch, soviel möglich, die Finsternis zu zerstreuen, die von Tag zu Tag wächst, weil die Kirche zu ihrem Ende gelangt ist; weshalb sie wollen, daß ich aus ihrem Munde versichere, daß im ganzen Himmel nicht ein Engel ist, der von Anbeginn erschaffen, noch in der Hölle irgendein Teufel, der als Engel des Lichts erschaffen und hinabgestoßen worden wäre, sondern daß alle, sowohl im Himmel als in der Hölle, aus dem menschlichen Geschlecht sind, im Himmel diejenigen, die in der Welt in himmlischem Lieben und Glauben gelebt, in der Hölle diejenigen, die in höllischem Lieben und Glauben [gelebt hatten]; und daß die Hölle im ganzen Inbegriff dasjenige sei, was Teufel und Satan heißt, diejenige Hölle [nämlich], die rückwärts liegt, wo die sind, die böse Engel [mali genii] genannt werden, der Teufel; und diejenige Hölle, die vorwärts liegt, wo die sind, die böse Geister genannt werden, der Satan
214; wie die eine Hölle und wie die andere Hölle beschaffen sei, wird im folgenden gesagt werden. Daß die Christenheit einen solchen Glauben von denen im Himmel und von denen in der Hölle gefaßt hat, das komme, sagten sie, von einigen Stellen im Wort her, die nicht anders als nach dem Buchstabensinn verstanden und nicht durch die echte Lehre aus dem Wort beleuchtet und erklärt worden waren, während doch der Buchstabensinn des Wortes, sofern nicht die echte Lehre vorleuchte, die Gemüter in verschiedene [Richtungen] auseinanderziehe, woraus dann Unwissenheit, Sekten [haereses] und Irrtümer entstehen215.

(312)
Daß der Mensch der Kirche so glaubt, hat seinen Grund auch darin, daß er glaubt, kein Mensch komme früher in den Himmel oder in die Hölle, als zur Zeit des Letzten Gerichts, von dem er die Meinung gefaßt hat, daß alsdann alles, was vor den Augen erscheint, untergehen, und Neues entstehen, und daß die Seele dann in ihren Körper zurückkehren werde, kraft welcher Verbindung der Mensch wieder als Mensch leben werde; dieser Glaube schließt jenen anderen in betreff der Engel in sich, daß sie nämlich von Anbeginn erschaffen worden seien; denn man kann nicht glauben, daß Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht seien, wenn man glaubt, daß kein Mensch früher dahin komme, als am Ende der Welt. Damit aber der Mensch überzeugt werde, daß dem nicht so ist, ist mir gegeben worden, Umgang mit den Engeln zu haben, und auch mit denen, die in der Hölle sind, zu reden, und dies nun schon viele Jahre hindurch, zuweilen ununterbrochen vom frühen Morgen bis zum Abend und so mich über den Himmel und die Hölle zu unterrichten, und zwar dies darum, damit der Mensch der Kirche nicht länger in seinem Irrglauben an eine Auferstehung zur Zeit des Gerichtes und an einen Zwischenzustand der Seele bis dahin, sowie auch in betreff der Engel und des Teufels verharre; welcher Glaube, weil er ein Glaube an Falsches ist, Finsternis in sich schließt, und denen, die aus der eigenen Verständigkeit darüber denken, erst Zweifel und zuletzt Leugnung beibringt; denn sie sagen in ihrem Herzen: Wie kann ein so großer Himmel mit so vielen Gestirnen und mit Sonne und Mond zerstört und zerstreut werden ? Und wie können alsdann die Sterne vom Himmel auf die Erde fallen, während sie doch größer als die Erde sind ? Und wie können die Körper, die von Würmern aufgefressen, durch Fäulnis zerstört und in alle Winde zerstreut worden sind, wieder zu ihrer Seele versammelt werden ? Wo ist inzwischen die Seele, und wie ist sie beschaffen, wenn sie der Sinne entbehrt, die sie im Körper hatte und dergleichen Dinge mehr, die, weil sie unbegreiflich sind, nicht in den Glauben fallen und bei vielen den Glauben an das Fortleben der Seele nach dem Tode und an Himmel und Hölle und damit auch das übrige zerstören, was zum Glauben der Kirche gehört; daß sie es zerstört haben, zeigt sich an denen, welche sagen: Wer ist aus dem Himmel zu uns gekommen und hat erzählt, daß er sei ? Was soll die Hölle sein, und gibt es wirklich eine ? Was soll das heißen, daß der Mensch in Ewigkeit mit Feuer werde gequält werden ? Was soll der Tag des Gerichts sein ? Ist er nicht schon jahrhundertelang vergeblich erwartet worden ? Und so vieles, was mit der Leugnung aller [Glaubensartikel] zusammenhängt. Damit nun diejenigen, die so denken (und dies tun viele, die wegen der weltlichen Dinge, die sie verstehen, Gebildete und Gelehrte heißen), nicht länger mehr diejenigen, so einfältigen Glaubens und Herzens sind, irre machen und verführen, und nicht höllische Finsternis über Gott, über den Himmel, und das ewige Leben und über das übrige, was davon abhängt, über sie bringen möchten, ist vom Herrn das Inwendige, das Gebiet meines Geistes, aufgeschlossen und so [mir] gegeben worden, mit allen, die ich je bei Leibesleben gekannt habe, nach ihrem Tode zu reden, mit einigen tagelang, mit einigen monatelang, und mit einigen ein Jahr lang, und auch mit so vielen anderen, daß ich wenig sage, wenn ich hunderttausend nenne, von denen viele in den Himmeln und viele in den Höllen waren; ich sprach auch mit einigen zwei Tage nach ihrem Verscheiden und erzählte ihnen, daß nun eben zu ihrer Einsargung und ihrem Leichenbegängnis Anstalt gemacht werde, sie zu beerdigen, worauf sie sagten, man tue wohl daran, dasjenige wegzuschaffen, was ihnen als Leib und zu dessen Verrichtungen in der Welt gedient hatte, und sie wollten, daß ich sage, sie seien nicht tot, sondern leben jetzt ebensowohl als Menschen wie zuvor, und seien bloß von einer Welt in die andere hinübergewandert, und wüßten nicht, daß sie irgend etwas verloren hätten, da sie wie zuvor in einem Leib und dessen Sinnen seien, und auch in einem Verstand und in einem Willen wie zuvor, und daß sie ähnliche Gedanken und Neigungen, ähnliche Empfindungen und ähnliche Wünsche haben wie in der Welt. Viele der Kurzverstorbenen, als sie sahen, daß sie als Menschen leben wie zuvor und in ähnlichem Zustand (denn nach dem Tode befindet sich jeder zuerst in dem Lebenszustand, in dem er in der Welt war, allein derselbe verwandelt sich bei ihm allmählich entweder in den Himmel oder in die Hölle), fühlten neue Freude darüber, daß sie leben und sagten, dies hätten sie nicht geglaubt; sie wunderten sich aber sehr, daß sie in solcher Unwissenheit und Blindheit über den Zustand ihres Lebens nach dem Tode gewesen waren; und noch mehr darüber, daß der Mensch der Kirche in solchem ist, während doch dieser vor allen auf dem ganzen Erdkreis im Licht hierüber sein könnte
216. Die Ursache dieser Blindheit und Unwissenheit sahen sie jetzt erst, daß nämlich die äußeren Dinge, die das Weltliche und Körperliche sind, ihre Gemüter so sehr eingenommen und erfüllt hatten, daß sie nicht ins Licht des Himmels erhoben werden konnten, um, erhaben über den Lehrbestimmungen, die Dinge der Kirche betrachten zu können; denn aus dem Körperlichen und Weltlichen, wenn es so sehr geliebt wird, wie dies heutzutage geschieht, fließt lauter Finsternis ein, wenn sie weiter gehen.

(313)
Gar viele von den Gebildeten aus der Christenheit erstaunen, wenn sie sich nach ihrem Hinscheiden in einem Leib, in Kleidern und in Häusern sehen wie in der Welt; und wenn in ihre Erinnerung zurückgerufen wird, was sie über das Leben nach den Tod, über die Seele, über die Geister und über Himmel und Hölle gedacht hatten, so schämen sie sich und sagen, sie hätten albern gedacht, dagegen aber die einfältig Glaubenden viel weiser als sie; es wurden Gebildete, die sich in dergleichen bestärkt und alles der Natur zugeschrieben hatten, einer Prüfung unterworfen, und es fand sich, daß ihr Inwendiges völlig verschlossen und ihr Äußeres geöffnet ist, so daß sie ihren Blick nicht zum Himmel, sondern zur Welt und somit auch zur Hölle gerichtet hatten; denn inwieweit das Inwendige aufgeschlossen ist, insoweit richtet der Mensch seinen Blick zum Himmel, inwieweit aber das Inwendige verschlossen und das Äußere aufgetan ist, insoweit richtet er seinen Blick zur Hölle; denn das Inwendige des Menschen ist zur Aufnahme aller Dinge des Himmels gebildet, und das Auswendige zur Aufnahme aller Dinge der Welt, und diejenigen, welche die Welt und nicht zugleich den Himmel in sich aufnehmen, die nehmen die Hölle auf
217.

(314)
Daß der Himmel aus dem menschlichen Geschlecht stamme, kann auch daraus erhellen, daß die engelischen Gemüter und die menschlichen Gemüter einander ähnlich sind; beide haben das Vermögen zu verstehen, wahrzunehmen und zu wollen; beide sind zur Aufnahme des Himmels gebildet; denn das menschliche Gemüt ist derselben Weisheit fähig wie das engelische Gemüt; daß es aber in der Welt nicht so weise ist, rührt daher, daß es in einem irdischen Körper ist, und in diesem sein geistiges Gemüt natürlich denkt; anders aber, wenn es von den Banden dieses Körpers befreit ist; alsdann denkt es nicht mehr natürlich, sondern geistig, und wenn geistig, dann denkt es Dinge, die dem natürlichen Menschen unbegreiflich und unaussprechlich sind, ist also weise wie der Engel, woraus erhellen kann, daß das Innere des Menschen, das sein Geist heißt, seinem Wesen nach ein Engel ist [man sehe Nr. 57]
218; wenn dieser vom irdischen Körper abgelöst ist, so ist er ebenso in menschlicher Gestalt wie der Engel; daß der Engel vollkommen menschliche Gestalt hat, sehe man Nr. 73-77; ist aber das Innere des Menschen nicht nach oben, sondern nur nach unten aufgeschlossen, so ist es zwar nach der Ablösung vom Körper auch in menschlicher Gestalt, aber in scheußlicher und teuflischer; denn es kann nicht aufwärts zum Himmel, sondern nur abwärts zur Hölle blicken.

(315)
Wer über die göttliche Ordnung unterrichtet ist, kann auch einsehen, daß der Mensch dazu geschaffen ist, ein Engel zu werden, weil in ihm das Letzte der Ordnung ist (Nr. 304), in welchem dasjenige gebildet werden kann, was zur himmlischen und engelischen Weisheit gehört und vervollständigt und vermehrt werden kann; die göttliche Ordnung bleibt niemals in der Mitte stehen, um hier etwas ohne das Letzte zu bilden, denn sie ist [hier] nicht in ihrer Fülle und Vollkommenheit, sondern sie dringt bis zum Letzten vor [siehe Nr. 304, die Fußnote am Ende des Absatzes); ist sie aber in ihrem Letzten, dann bildet sie und vervollständigt sich auch durch die hier zusammengebrachten Mittel und bringt weiteres hervor, was durch die Zeugungen geschieht, weshalb hier die Pflanzschule des Himmels ist.

(316)
Daß der Herr nicht nur dem Geiste nach, sondern auch dem Körper nach auferstanden ist, beruht darauf, daß der Herr, als Er in der Welt war, Sein ganzes Menschliches verherrlicht, das heißt göttlich gemacht hat; denn die Seele, die Er vom Vater hatte, war aus sich das Göttliche Selbst, und der Leib wurde zum Ebenbild der Seele; das heißt des Vaters, somit auch göttlich; daher kommt, daß Er anders als irgendein Mensch in Ansehung beider auferstand
219; was Er auch den Jüngern, die, als sie Ihn sahen, einen Geist zu sehen glaubten, offenbarte, indem Er sprach:

„Sehet Meine Hände und Meine Füße, daß Ich es selbst bin; betastet Mich und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß Ich habe“: Luk.24/36-[39],

wodurch Er anzeigte, daß Er nicht bloß ein Mensch war dem Geiste nach, sondern auch dem Körper nach.

(317)
Damit man wisse, daß der Mensch nach dem Tode lebt, und seinem Leben in der Welt gemäß entweder in den Himmel oder in die Hölle kommt, ist mir vieles über den Zustand des Menschen nach dem Tode geoffenbart worden, wovon im folgenden, wo von der Geisterwelt die Rede sein wird, der Ordnung nach gehandelt werden soll.

(38)

VON DEN HEIDEN ODER DEN VÖLKERN
AUßERHALB DER KIRCHE IM HIMMEL

(318)
Die gemeine Meinung ist, daß diejenigen, die außerhalb der Kirche geboren worden und Nicht-Christen oder Heiden [Gentes seu Gentiles] genannt werden, nicht selig werden können, darum, weil sie das Wort nicht haben und somit vom Herrn nichts wissen, ohne den Herrn aber kein Heil sei; allein daß auch sie selig werden [können], kann man schon allein daraus wissen, daß die Barmherzigkeit des Herrn allumfassend ist, das heißt sich auf [alle und] jede erstreckt; ferner daß sie ebensogut als Menschen geboren werden wie diejenigen innerhalb der Kirche, welche verhältnismäßig nur wenige sind; und daß es nicht ihre Schuld ist, daß sie vom Herrn nichts wissen; jeder, der nur irgend aus erleuchteter Vernunft denkt, kann sehen, daß kein Mensch zur Hölle geboren ist; denn der Herr ist die Liebe selbst, und Seine Liebe ist, alle selig machen zu wollen; weshalb Er auch Vorsehung getroffen hat, daß alle eine Religion haben und durch diese Anerkennung des Göttlichen und inwendigen Leben; der Religion gemäß leben heißt nämlich, inwendig leben; denn der Mensch richtet alsdann seinen Blick auf das Göttliche, und inwieweit er auf dieses blickt, blickt er nicht auf die Welt, sondern entfernt sich von der Welt, somit vom Leben der Welt, das ein äußerliches Leben ist
220.

(319)
Daß die Heiden ebensowohl selig werden [können] als die Christen, können diejenigen wissen, welche wissen, was den Himmel beim Menschen ausmacht; denn der Himmel ist im Menschen, und die den Himmel in sich haben, kommen in den Himmel; der Himmel im Menschen ist: das Göttliche anerkennen und vom Göttlichen sich führen lassen. Das Erste und Hauptsächlichste aller Religion ist: das Göttliche anerkennen; eine Religion, die das Göttliche nicht anerkennt, ist keine Religion; und die Vorschriften jeder Religion haben ihr Absehen auf den Gottesdienst, somit wie das Göttliche zu verehren sei, damit man Ihm wohlgefällig sei; und wenn dieses in seinem Gemüt haftet, inwieweit er also es will, oder inwieweit er es liebt, insoweit wird er vom Herrn geführt. Es ist bekannt, daß die Heiden ein sittliches Leben führen, so gut als die Christen und viele von ihnen ein besseres als die Christen; ein sittlich gutes Leben führt man entweder um des Göttlichen willen oder um der Menschen in der Welt willen; ein sittlich gutes Leben, das man um des Göttlichen willen lebt, ist ein geistiges Leben; beide erscheinen sich zwar gleich in der äußeren Form, in der inneren aber sind sie ganz ungleich; das eine macht den Menschen selig, das andere aber macht nicht selig; denn wer ein sittlich gutes Leben führt um des Göttlichen willen, der wird vom Göttlichen geleitet; wer aber ein sittlich gutes Leben führt um der Menschen in der Welt willen, der wird von sich selbst geführt; doch dies soll durch ein Beispiel beleuchtet werden. Wer dem Nächsten darum nichts Übles zufügt, weil es gegen die Religion, somit wider das Göttliche ist, der enthält sich des Übeltuns aus geistigem Beweggrund; wer hingegen dem anderen kein Übel zufügt bloß aus Furcht vor dem Gesetz, vor dem Verlust des guten Rufs, der Ehre oder des Gewinns, somit um seiner selbst und der Welt willen, der enthält sich aus natürlichen Beweggründen des Übeltuns, und ein solcher wird von sich selbst geführt; das Leben dieses letzteren ist ein natürliches, das des ersteren aber ein geistiges; der Mensch, dessen moralisches Leben ein geistiges ist, hat den Himmel in sich; wessen moralisches Leben aber ein bloß natürliches ist, der hat den Himmel nicht in sich; der Grund hiervon ist, daß der Himmel von oben her einfließt und sein Inwendiges aufschließt und durch das Inwendige in das Äußere einfließt; die Welt hingegen von unten her einfließt und das Äußere öffnet, nicht aber das Inwendige; denn es gibt keinen Einfluß von der natürlichen Welt in die geistige, sondern von der geistigen Welt in die natürliche; wird daher nicht zugleich der Himmel aufgenommen, so wird das Inwendige verschlossen; hieraus kann man sehen, welche [Menschen] den Himmel in sich aufnehmen und welche ihn nicht aufnehmen. Der Himmel ist jedoch nicht derselbe in dem einen wie in dem anderen; er ist in jedem verschieden je nach der Neigung zum Guten und infolgedessen zum Wahren; die in der Neigung zum Guten sind um des Göttlichen willen, die lieben das göttliche Wahre; denn das Gute und das Wahre lieben sich gegenseitig und wollen verbunden werden
221; weshalb die Heiden, obgleich sie in der Welt nicht in den echten Wahrheiten sind, gleichwohl dieselben im anderen Leben aus Liebe annehmen.

(320)
Es war ein gewisser Geist aus den Heiden, der in der Welt im Guten der Liebtätigkeit nach seiner Religion gelebt hatte; als dieser Geister aus den Christen über die Glaubensartikel räsonieren hörte, (die Geister räsonieren unter sich erschöpfender und schärfer als die Menschen, besonders über das Gute und Wahre), wunderte er sich, daß sie also stritten; er sagte, er wolle dergleichen nicht hören; sie zogen nämlich ihre Schlüsse aus Scheinwahrheiten und Täuschungen; er aber gab ihnen die Lehre: wenn ich gut bin, so kann ich, was wahr ist, aus dem Guten selbst wissen, und was ich nicht weiß, kann ich aufnehmen.

(321)
Ich bin durch vieles belehrt worden, daß Heiden, die einen sittlichen Lebenswandel geführt und in Gehorsam und Untergebung, sowie in gegenseitiger Liebtätigkeit nach ihrer Religion gelebt und infolgedessen einiges Gewissen empfangen hatten, im anderen Leben willkommen sind und hier mit emsiger Sorgfalt von den Engeln im Guten und in den Wahrheiten des Glaubens unterrichtet werden, und daß sie sich, wenn sie unterrichtet werden, bescheiden, verständig und weise benehmen, und mit Leichtigkeit die Wahrheiten aufnehmen und sich aneignen; hatten sie sich doch auch keine Grundsätze des Falschen wider die Glaubenswahrheiten angebildet, die erst zu entfernen wären, noch weniger Anstößiges wider den Herrn, wie so viele Christen, die von Ihm keine andere Vorstellung als die von einem gewöhnlichen Menschen hegen; anders die Heiden, sobald diese hören, daß Gott Mensch geworden ist, und Sich so in der Welt geoffenbart hat, erkennen sie es sogleich an und beten den Herrn an, indem sie sagen, allerdings habe Gott Sich geoffenbart, da Er ja der Gott des Himmels und der Erde ist und das Menschengeschlecht Ihm gehört
222. Göttliche Wahrheit ist zwar, daß ohne den Herrn kein Heil ist; allein dies ist so zu verstehen, daß es kein Heil gibt außer vom Herrn; es gibt im Weltall viele Weltkörper und alle sind voll Bewohner, und kaum einige auf ihnen wissen, daß der Herr das Menschliche auf unserer Erde angenommen hat; gleichwohl jedoch werden sie, weil sie das Göttliche unter menschlicher Gestalt verehren, vom Herrn angenommen und geführt, worüber man nachsehe in dem Werkchen von den »Weltkörpern im Weltall«.

(322)
Es gibt unter den Heiden, wie unter den Christen, Weise und Einfältige; damit ich mich unterrichte, wie sie beschaffen sind, wurde mir gegeben, mit jenen und mit diesen zu reden, zuweilen stunden- und tagelang; allein solche, die weise sind, gibt es heutzutage nicht wie im Altertum, besonders in der Alten Kirche, die über einen großen Teil Asiens verbreitet war, und von welcher aus die Religion zu vielen Heiden hindurchgedrungen ist; damit ich wüßte, wie sie beschaffen waren, wurde mir gegeben, mit einigen mich in ein vertrautes Gespräch einzulassen. Es war bei mir einer, der einst zu den Weiseren gehörte und daher auch in der gelehrten Welt bekannt war; mit diesem unterhielt ich mich über mancherlei Gegenstände; ich wurde auf den Glauben geführt, daß er Cicero war; und weil ich wußte, daß er ein Weiser war, so kam ich mit ihm ins Gespräch über die Weisheit, über die Einsicht, über die Ordnung, über das Wort und zuletzt über den Herrn; von der Weisheit sagte er, daß es keine andere Weisheit gebe, als die des Lebens und daß auf etwas anderes die Weisheit nicht bezogen werden könne; von der Einsicht, daß sie aus jener stamme; von der Ordnung, die Ordnung stamme vom höchsten Gott her und nach dieser Ordnung leben heiße, weise und verständig sein; was das Wort anbelangt, so hatte er, als ich ihm einiges aus den prophetischen Büchern vorlas, sehr große Freude, besonders daran, daß die einzelnen Namen und Wörter Inwendiges bezeichneten und wunderte sich sehr, daß die Gebildeten heutzutage keine Freude an solchem Studium haben; ich erkannte deutlich, daß das Inwendige seines Denkens oder Gemütes aufgeschlossen war; er sagte, er können länger nicht dabei verweilen, weil er Heiligeres empfinde, als er ertragen könne; so tief innerlich nämlich ward er ergriffen. Endlich sprach ich mit ihm vom Herrn, daß Er als Mensch geboren, aber von Gott empfangen worden sei und daß Er das Mütterlich-Menschliche ausgezogen und das Göttlich-Menschliche angezogen habe, und daß Er es sei, Der das Weltall regiert; hierauf erwiderte er, er wisse vieles vom Herrn und ward auch auf seine Weise inne, daß es nicht anders hätte geschehen können, wenn das menschliche Geschlecht gerettet werden sollte; inzwischen streuten einige böse Christen mancherlei Anstößiges ein, allein er bekümmerte sich nicht darum, sondern sagte, es sei kein Wunder, da sie bei Leibesleben dergleichen nicht, wie sich ziemt, in sich aufgenommen hatten, und daß sie, bevor solche [unwürdige Vorstellungen] ausgestoßen werden, die begründenden Wahrheiten nicht [so leicht] zulassen könnten, wie diejenigen, die gar nichts davon wissen.     himmels-engel.de

(323)
Ich durfte auch mit anderen reden, die in alten Zeiten gelebt und damals unter die Weiseren gehört hatten; sie erschienen zuerst nach vorne in einiger Entfernung und konnten dort das Inwendige meiner Gedanken wahrnehmen, somit vieles in Vollständigkeit; aus einem Denkbild konnten sie eine ganze Reihe wissen und sie mit Wonnigem der Weisheit unter lieblichen Vorbildungen erfüllen; daran wurde erkannt, daß sie zu den Weiseren gehörten und es ward gesagt, sie seien von den Alten; und nun traten sie näher herbei; und als ich ihnen jetzt etwas aus dem Wort vorlas, waren sie darüber höchlich erfreut; ich empfand ihre Freude und Wonne, welche hauptsächlich daher kam, daß alles und jedes, was sie aus dem Wort hörten, Vorbildliches und Bezeichnendes himmlischer und geistiger Dinge war; sie sagten, zu ihrer Zeit, da sie in der Welt lebten, sei die Weise ihres Denkens und Redens und dann auch die ihres Schreibens ebenso gewesen und darin habe ihre Weisheitsforschung bestanden.

(324)
Was aber die Heiden betrifft, die heutzutage leben, so sind sie nicht so weise, sondern meistens einfältigen Herzens; dennoch aber nehmen im anderen Leben die Weisheit diejenigen von ihnen auf, die in gegenseitiger Liebtätigkeit gelebt hatten; von diesen darf ich ein und das andere Beispiel anführen. Als ich das 17. und 18. Kapitel der Richter von Micha las, welchem die Söhne Dans sein Götzenbild, die Teraphim und den Leviten wegnahmen, da war ein Geist aus den Heiden zugegen, der bei Leibesleben ein Götzenbild verehrt hatte; als dieser aufmerksam anhörte, was dem Micha widerfahren war und in welchem Jammer er um sein Bild war, das die Daniten weggenommen hatten, überfiel und ergriff auch ihn der Schmerz so sehr, daß er vor inwendigem Schmerzgefühl kaum wußte, was er denken sollte; dieses Schmerzgefühl teilte sich mit, und zugleich ward auch die Kindlichkeit in seinen einzelnen Gefühlen empfunden; es waren auch Geister aus den Christen zugegen und beobachteten es und wunderten sich, daß ein Götzendiener von so tiefem Gefühl des Mitleids und der Kindlichkeit ergriffen werden konnte. Nachher sprachen gute Geister mit ihm und sagten, ein Götzenbild dürfe nicht angebetet werden, und dies könne er selbst einsehen, da er ja ein Mensch sei, vielmehr müsse er sich ohne gehauenes Bild Gott als Schöpfer und Regierer des ganzen Himmels und der ganzen Erde denken und daß der Herr dieser Gott sei; bei diesen Worten ward die große Inbrunst seiner Anbetung zu empfinden gegeben, welche sich mir mitteilte und viel heiliger war als bei den Christen; woraus offenbar sein kann, daß die Heiden leichter in den Himmel kommen als die Christen heutzutage, gemäß den Worten des Herrn bei Luk.13/29,30:

„Alsdann werden welche kommen von Morgen und von Abend, und von Mitternacht und Mittag, und zu Tische liegen im Reiche Gottes; und siehe, es gibt Letzte, welche die Ersten sein, und es gibt Erste, welche die Letzten sein werden“;

denn in dem Zustand, in dem jener sich befand, konnte er in alle Glaubenswahrheiten eingeführt werden und sie mit innigem Gefühl ergreifen; bei ihm war die Barmherzigkeit, die der Liebe eigen ist, und in seiner Unwissenheit war Kindlichkeit, und wenn diese da sind, wird alles, was zum Glauben gehört, wie von selbst aufgenommen und zwar mit Freuden; er wurde nachher unter die Engel aufgenommen.

(325)
Eines Morgens hörte man in einiger Entfernung einen Chor, und aus den Vorbildungen des Chores war zu entnehmen, daß es Chinesen waren; denn sie stellten das Bild eines wolligen Bockes, dann einen Hirsekuchen und einen Löffel von Ebenholz, sowie auch die Abbildung einer schwimmenden Stadt dar; sie verlangten, näher zu mir herzukommen, und als sie sich herbeimachten, sagten sie, sie möchten mit mir allein sein, um ihre Gedanken zu eröffnen; allein es ward ihnen gesagt, daß sie nicht allein wären, es seien noch andere da, welche unwillig darüber seien, daß sie allein sein wollten, während sie doch Gäste seien; als sie deren Unwillen wahrnahmen, verfielen sie in Nachdenken, ob sie etwa gegen ihren Nächsten gesündigt, und ob sie sich etwas, das anderen gehört, zugeeignet hätten, (die Gedanken teilen sich im anderen Leben alle mit); es wurde [mir] gegeben, ihre Gemütsbewegung zu durchfühlen; sie war die der Anerkennung, daß sie vielleicht jene beleidigt haben, dann die der Scham darüber und zugleich anderer gutherziger Gefühle, woraus erkannt wurde, daß sie mit Liebtätigkeit begabt waren; gleich darauf redete ich mit ihnen und zuletzt auch vom Herrn, und als ich Ihn Christus nannte, zeigte sich an ihnen ein gewisses Widerstreben; allein der Grund hiervon wurde darin gefunden, daß sie dies von der Welt her mitgebracht hatten, und zwar davon, daß sie wußten, die Christen führen einen schlimmeren Lebenswandel als sie und seien in keiner Liebtätigkeit; als ich aber bloß den Herrn nannte, wurden sie innig ergriffen; sie wurden nachher von den Engeln unterrichtet, daß die christliche Lehre mehr als jede andere in der ganzen Welt die Liebe und Liebtätigkeit vorschreibe, daß es aber nur wenige gebe, die nach ihr leben. Es gibt Heiden, die, als sie noch in der Welt lebten, aus eigenem Umgang oder durch das Gerücht erfuhren, daß die Christen einen bösen Lebenswandel führen und namentlich in Ehebruch, in Haß, in Hader, in Trunkenheit und in dergleichen leben, was jene verabscheuten, weil dergleichen wider ihre Religion ist; solche sind im anderen Leben ängstlicher als andere, die Glaubenswahrheiten anzunehmen; sie werden aber von den Engeln belehrt, daß die christliche Lehre und der Glaube selbst ganz anders lehre, jene aber weniger als die Heiden nach ihren Lehrbestimmungen leben; wenn sie dies erfahren, so nehmen sie zwar die Glaubenslehren auf und beten den Herrn an, jedoch erst etwas später.

(326)
Es ist gewöhnlich, daß Heiden, die irgendeinen Gott unter einem Bild oder einer Bildsäule oder irgendein Götzenbild angebetet hatten, wenn sie ins andere Leben kommen, zu gewissen [Geistern] geführt werden, welche die Stelle ihrer Götter oder Götzen vertreten, und zwar dies zu dem Ende, damit sie ihre Wahnbilder ablegen; sind sie dann einige Tage bei diesen gewesen, so werden sie wieder weggebracht. Die, welche Menschen angebetet hatten, werden auch zuweilen zu diesen oder zu anderen, welche deren Stelle vertreten, eingeführt; wie z.B. viele aus den Juden zu Abraham, Jakob, Moses und David; sobald sie aber bemerken, daß dieselben ein Menschliches haben wie die anderen auch, und daß sie zu nichts behilflich sein können, so fangen sie an, sich zu schämen, und werden je nach ihrem Leben an ihre Orte gebracht. Unter den Heiden werden im Himmel vorzugsweise die Afrikaner geliebt; denn diese nehmen leichter als die übrigen das Gute und Wahre des Himmels auf; sie wollen, daß man sie zunächst Gehorsame, nicht aber Gläubige nenne; sie sagen, die Christen können, weil sie die Glaubenslehre haben, Gläubige genannt werden, sie aber nicht, bis sie dieselbe annehmen, oder wie sie sagen, annehmen können.

(327)
Ich sprach mit einigen, die zur Alten Kirche gehört hatten, (Alte Kirche heißt die, welche nach der Sündflut bestand und damals über mehrere Reiche sich erstreckte, nämlich über Assyrien, Mesopotamien, Syrien, Äthiopien, Arabien, Libyen, Ägypten, Philistäa bis zu Tyrus und Sidon und über das Land Kanaan diesseits und jenseits des Jordans
223); und die damals vom Herrn wußten, daß Er kommen werde, und in das Gute des Glaubens eingeweiht waren, gleichwohl aber abfielen und Götzendiener wurden; sie befanden sich nach vorne zur Linken an einem finsteren Ort und in kläglichem Zustand; ihre Rede war wie ein Pfeifen [sicut tibialis], eintönig, beinahe ohne eine Spur vernünftigen Denkens; sie sagten, sie seien dort schon viele Jahrhunderte und würden nur zuweilen herausgenommen, um anderen zu gewissen Zwecken zu dienen, die jedoch geringfügiger Art seien. Durch sie ward Anlaß gegeben, an die vielen Christen zu denken, die zwar nicht äußerlich Götzendiener sind, wohl aber innerlich; denn sie sind Verehrer ihrer selbst und der Welt und leugnen im Herzen den Herrn; [daher die Frage nahe lag], welches Los sie im anderen Leben erwarten möge.

(328)
Daß die Kirche des Herrn über den ganzen Erdkreis verbreitet, somit universell ist, und daß in ihr alle diejenigen sind, die im Guten der Liebtätigkeit je nach ihrer Religion gelebt haben, und daß die Kirche, in der das Wort, und durch dasselbe der Herr bekannt ist, zu denjenigen, die außerhalb der Kirche sind, sich verhalte wie das Herz und die Lunge im Menschen, aus denen alle Eingeweide und Glieder des Körpers in mannigfacher Weise, je nach ihren Formen, Lagen und Verbindungen Leben haben, sehe man Nr. 308.

(39)

VON DEN KINDERN IM HIMMEL

(329)
Es gibt einige, die glauben, in den Himmel kommen nur diejenigen Kinder, die innerhalb der Kirche geboren sind, nicht aber die außerhalb der Kirche [geborenen]; als Grund geben sie an, die Kinder innerhalb der Kirche seien getauft, und durch die Taufe in den Glauben der Kirche eingeweiht worden; allein diese wissen nicht, daß durch die Taufe keinem der Himmel zuteil wird und auch nicht der Glaube; denn die Taufe dient nur zum Zeichen und zur Erinnerung, daß der Mensch wiedergeboren werden soll, und daß wiedergeboren werden kann, wer innerhalb der Kirche geboren ist, weil hier das Wort ist, in dem die göttlichen Wahrheiten sind, durch welche die Wiedergeburt, und hier der Herr bekannt ist, von Dem die Wiedergeburt kommt
224. Sie mögen also wissen, daß jedes Kind, wo es auch geboren sei, ob innerhalb oder außerhalb der Kirche, ob von frommen oder von gottlosen Eltern, wenn es stirbt, vom Herrn aufgenommen und im Himmel erzogen und der göttlichen Ordnung gemäß unterrichtet und in Gefühle des Guten und durch diese in Erkenntnisse des Wahren eingeleitet, hernach aber, sowie es zunimmt an Einsicht und Weisheit, in den Himmel eingeführt und ein Engel wird. Ein jeder, der vernünftig denkt, kann wissen, daß keiner für die Hölle, sondern alle für den Himmel geboren werden, und daß der Mensch selbst die Schuld trägt, wenn er in die Hölle kommt, die Kinder aber noch in keiner Schuld sein können.

(330)
Kinder, welche sterben, sind in gleicher Weise Kinder im anderen Leben, sie haben das gleiche kindliche Gemüt, die gleiche Unschuld in der Unwissenheit und die gleiche Zartheit in allem; sie sind bloß in den Anfängen, von denen aus sie Engel werden können; denn die Kinder sind nicht Engel, sondern werden Engel. Jeder nämlich, der aus der Welt geht, ist in einem seinem Leben ähnlichen Zustand, daß Kind im Zustand des Kindes, der Knabe im Zustand des Knaben, der Jüngling, der Mann, der Greis im Zustand des Jünglings, des Mannes und des Greises; allein nachher ändert sich eines jeden Zustand; der Zustand der Kinder aber hat vor dem Zustand der übrigen das voraus, daß sie im Zustand der Unschuld sind, und das Böse noch nicht infolge des wirklichen Lebens ihnen eingewurzelt ist; und die Unschuld hat die Beschaffenheit, daß ihr alles zum Himmel Gehörige eingepflanzt werden kann; denn die Unschuld ist ein Aufnahmegefäß des Wahren, des Glaubens und des Guten der Liebe.

(331)
Der Zustand der Kinder im anderen Leben ist viel besser als der Zustand der Kinder in der Welt; denn sie sind nicht mit einem irdischen, sondern mit einem engelgleichen Leib bekleidet; der irdische Körper ist an sich schwerfällig; er empfängt die ersten Empfindungen und Bewegungen nicht von innen oder von der geistigen Welt her, sondern von außen oder der natürlichen Welt; weshalb die Kinder in der Welt erst gehen, sich gebärden und reden lernen, ja die Sinne, wie das Gesicht und Gehör, ihnen erst durch die Übung geöffnet werden müssen; anders die Kinder im anderen Leben, diese, weil sie Geister sind, setzen sich sogleich ihrem Inwendigen gemäß in Tätigkeit, sie gehen ohne Vorübung, sie reden auch, jedoch zuerst nur aus allgemeinen, noch nicht in Denkbilder unterschiedenen Gefühlen, bald aber werden sie auch in diese eingeleitet, und zwar dies, weil ihr Äußeres gleichartig mit dem Inwendigen ist; daß die Rede der Engel aus den durch die Denkbilder verschiedenartig bestimmten Gefühlen hervorgehe, so daß ihre Rede den aus dem Gefühl stammenden Gedanken ganz gleichförmig wird, sehe man Nr. 234-245.

(332)
Die Kinder werden, sobald sie auferweckt sind, was sogleich nach ihrem Hingang geschieht, in den Himmel erhoben und Engeln übergeben, die aus dem weiblichen Geschlecht sind und bei ihres Leibesleben die Kinder zärtlich geliebt und zugleich auch Gott geliebt hatten; weil diese in der Welt alle Kinder mit gleichsam mütterlicher Zärtlichkeit geliebt hatten, nehmen sie dieselben wie die ihrigen auf, und auch die Kinder lieben sie aus eingepflanztem [Trieb] wie ihre Mütter; bei jeder sind so viele Kinder, als sie aus geistiger Mutterliebe zu haben verlangt. Dieser Himmel erscheint nach vorne in der Gegend der Stirne, gerade in der Linie oder Richtung, in der die Engel den Herrn schauen; die Lage dieses Himmels ist hier, weil alle die Kinder unter der unmittelbaren Obhut des Herrn sind; auch fließt bei ihnen der Himmel der Unschuld ein, welcher der dritte Himmel ist.

(333)
Die Kinder sind verschieden geartet, einige sind von der Art der geistigen Engel, einige von der Art der himmlischen Engel; die Kinder von der himmlischen Art erscheinen in jenem Himmel zur Rechten, die von geistiger Art aber zur Linken. Alle Kinder im Größten Menschen, welcher der Himmel ist, sind in der Gegend der Augen; in der Gegend des linken Auges sind die, welche geistiger Art sind, und in der Gegend des rechten Auges die, welche himmlischer Art sind; und dies darum, weil der Herr den Engeln, die im geistigen Reich sind, vor dem linken Auge erscheint, und denen im himmlischen Reich vor dem rechten Auge, man sehe Nr. 118. Daraus, daß die Kinder im Größten Menschen oder Himmel in der Gegend des Auges sind, erhellt auch, daß die Kinder unter der unmittelbaren Aufsicht und Leitung des Herrn stehen.

(334)
Wie die Kinder im Himmel erzogen werden, soll auch mit wenigem gesagt werden; von ihrer Erzieherin lernen sie reden; ihre erste Rede ist nur ein Tönen des Gefühls, das allmählich bestimmter wird, so wie Denkbilder in dasselbe eintreten; denn die aus den Gefühlen hervortretenden Denkbilder machen die ganze Engelsrede aus, worüber man in dem betreffenden Abschnitt Nr. 234-245 nachsehe. In ihre Gefühle, die alle aus der Unschuld hervorgehen, werden zuerst solche Dinge eingeflößt, die vor den Augen erscheinen und ergötzlicher Art sind; und weil diese aus geistigem Ursprung sind, fließt in sie zugleich auch solches ein, was dem Himmel angehört und durch das ihr Inwendiges aufgeschlossen wird; und so werden sie von Tag zu Tag vervollkommnet; wenn sie dieses erste Alter überschritten haben, werden sie in einen anderen Himmel versetzt, in dem sie von Lehrern unterrichtet werden, und so fort.

(335)
Die Kinder werden besonders durch Vorbildungen unterrichtet, die zu ihrer Gemütsart passen, und wie schön diese sind, und zugleich wie reich mit Weisheit von innen her erfüllt, kann nirgends jemand glauben; so wird ihnen stufenweise der Verstand eingeflößt, der seine Seele vom Guten her hat; zwei Vorbildungen, die mir zu sehen gegeben wurden, darf ich hier anführen, von denen man den Schluß auf die übrigen machen kann. Zuerst bildeten sie den aus dem Grab Sich erhebenden Herrn vor, und zugleich die Vereinigung Seines Menschlichen mit dem Göttlichen; was in so weisheitsvoller Weise geschah, daß es alle menschliche Weisheit überstieg, immer jedoch in kindlich unschuldiger Art; sie stellten auch das Begräbnis im Bilde dar, nicht jedoch zugleich ein Bild des Herrn, außer so entfernt, daß man kaum erkannte, daß es der Herr sei, und nur wie von weitem, und dies darum, weil in der Vorstellung des Grabes etwas von einer Leiche liegt, das sie auf diese Weise beseitigten; nachher brachten sie in das Grab mit feinem Bedacht etwas Atmosphärisches, das wie eine durchsichtige Flüssigkeit erschien, wodurch sie, ebenfalls unter schicklicher Fernhaltung, das geistige Leben in der Taufe bezeichneten. Später sah ich sie die Hinabfahrt des Herrn zu den Gebundenen und Seine Auffahrt mit den Gebundenen in den Himmel vorbilden, und dies mit unvergleichlich klugem und frommem Sinn; und was kindlich war, sie ließen beinahe unsichtbare, ganz weiche und zarte Strickchen nieder, um den Herrn bei Seiner Auffahrt damit emporzuheben, stets in frommer Besorgnis, bei der Vorbildung etwas zu berühren, in dem nichts himmlisch Geistiges läge. Ich übergehe andere Vorbildungen, in denen sie sind und durch die sie, wie durch Spiele, die den kindlichen Gemütern angemessen sind, in die Erkenntnisse des Wahren und in die Gefühle des Guten eingeleitet werden.

(336)
Wie ihr zarter Verstand beschaffen ist, ist auch gezeigt worden; als ich das Gebet des Herrn betete, und sie dann aus ihrer Verständigkeit in die Vorstellungen meines Denkens einflossen, wurde ihr Einfließen als ein so zartes und weiches gefühlt, daß es fast lauter Gefühl war; und zugleich wurde dabei auch bemerkt, daß ihr Verstandesgebiet bis zum Herrn hin aufgeschlossen war; denn es war wie etwas Durchströmendes, was von ihnen kam; wirklich fließt auch der Herr in die Vorstellungen der Kinder vorzugsweise vom Innersten her ein; denn nichts verschließt jene, wie bei den Erwachsenen, keine Grundsätze des Falschen gegen das Verständnis des Wahren, und kein Leben des Bösen gegen die Aufnahme des Guten, und somit gegen das Weise sein. Hieraus kann erhellen, daß die Kinder nicht sogleich nach dem Tode in den Engelzustand kommen, sondern durch Erkenntnisse des Guten und Wahren allmählich in denselben eingeführt werden, und zwar dies nach aller himmlischen Ordnung; denn das Allereinzelnste ihrer Anlage ist dem Herrn bekannt; daher sie nach allen und jeden Momenten ihrer Neigung zur Aufnahme der Wahrheiten des Guten und des Guten aus dem Wahren hingeführt werden.

(337)
Wie ihnen alles beigebracht wird durch Angenehmes und Liebliches, das ihrer Gemütsart zusagt, ist mir auch gezeigt worden; es ward mir gegeben, Kinder zu sehen, die aufs zierlichste gekleidet waren und um die Brust, wie auch um ihre zarten Arme, Gewinde von Blumen hatten, die in dem herrlichsten Schmelz himmlischer Farben glänzten; einmal durfte ich auch Kinder mit ihren Erzieherinnen und zugleich mit Jungfrauen in einem paradiesischen Garten sehen, denen nicht sowohl Bäume, als lorbeerartige, zu bedeckten Gängen ineinander geflochtene Sträucher aufs herrlichste schmückten, mit Wegen, die von den Eingängen aus ins Innere führten, und dann die Kinder selbst, wieder ebenso bekleidet, bei deren Eintritt das Blumengehänge über dem Eingang in freudigster Pracht erglänzte: woraus zu ersehen ist, in welchen Wonnen sie leben, und daß sie durch Liebliches und Angenehmes in das Gute der Unschuld und Liebtätigkeit eingeleitet werden, welches Gute der Herr fortwährend in jenes Angenehme und Liebliche hineinlegt.

(338)
Es ist mir auch in der im anderen Leben gewöhnlichen Mitteilungsweise gezeigt worden, wie die Vorstellungen der Kinder beschaffen sind, wenn sie einige Gegenstände sehen; es war nämlich, als wenn alles und jedes lebte; daher ist auch Leben in jedem einzelnen ihrer Denkbilder; und es ward klar, daß die Kinder auf Erden, wenn sie in ihren Spielen begriffen sind, beinahe ähnliche Vorstellungen haben; denn sie haben noch nicht, wie die Erwachsenen, sich die Frage aufgeworfen, was unbeseelt sei.

(339)
Es ist oben gesagt worden, daß die Kinder entweder von himmlischer oder geistiger Gemütsart seien; die, welche himmlischer Art sind, werden wohl unterschieden von denen, die geistiger Art sind; jene denken, reden und handeln so sanft, daß kaum etwas anderes zum Vorschein kommt, als ein Hinfließen aus der Liebe des Guten zum Herrn und gegen andere Kinder; diese hingegen nicht so sanft, sondern im einzelnen bei ihnen zeigt sich wie ein Flügelschlag [quasi alatum vibratile], dann stellt es sich unter anderem auch an dem bei ihnen vorkommenden Unwillen heraus.

(340)
Viele mögen in der Meinung stehen, die Kinder bleiben Kinder im Himmel und seien Kinder unter den Engeln; solche, die nicht wissen, was ein Engel ist, konnten in dieser Meinung bestärkt werden durch die in den Kirchen hin und wieder befindlichen Bilder, in denen die Engel als Kinder dargestellt werden; allein die Sache verhält sich anders; die Einsicht und Weisheit macht den Engel, und solange die Kinder diese noch nicht haben, sind sie zwar bei den Engeln, allein sie sind nicht Engel; wenn sie aber verständig und weise sind, dann erst werden sie Engel; ja, worüber ich mich wunderte, sie erscheinen dann nicht als Kinder, sondern als Erwachsene; denn sie haben alsdann nicht mehr die kindische Art an sich, sondern die reifere des Engels; die Einsicht und Weisheit bringt es mit sich. Daß die Kinder, sowie sie an Einsicht und Weisheit vollkommener werden, größer erscheinen, somit als Jünglinge und junge Männer, hat seinen Grund darin, daß die Einsicht und Weisheit die eigentliche geistige Nahrung ist
225; was daher ihre Gemüter nährt, das nährt auch ihre Leiber, und zwar dies vermöge der Entsprechung; denn die Gestalt des Leibes ist nichts anderes als die Außengestalt des Inwendigen. Zu wissen ist, daß die Kinder im Himmel nicht weiter heranwachsen, als bis zum ersten Mannesalter [ad priman juventutem], und in diesem ewig stehen bleiben. Damit ich gewiß wüßte, daß dem so sei, wurde mir gegeben, mit einigen zu reden, die als Kinder im Himmel erzogen worden und dort groß gewachsen waren; mit einigen auch, solange sie noch Kinder waren, und nachher mit ebendenselben, nachdem sie junge Männer [juvenes] geworden waren; und von ihnen vernahm ich den Fortgang ihres Lebens von einem Alter bis zum anderen.

(341)
Daß die Unschuld das Aufnahmegefäß aller [Einflüsse] des Himmels sei, und daß somit die Unschuld der Kinder die Grundlage [planum] aller Gefühle des Guten und Wahren sei, kann aus dem erhellen, was schon Nr. 276-283 von der Unschuld der Engel im Himmel gezeigt worden ist, daß nämlich die Unschuld [oder Kindlichkeit] darin besteht, daß man vom Herrn geführt sein will und nicht von sich selbst; daß mithin der Mensch insoweit in der Unschuld ist, als er von seinem Eigenen entfernt ist; und inwieweit jemand von seinem Eigenen entfernt ist, insoweit ist er im Eigenen des Herrn; das Eigene des Herrn ist, was die Gerechtigkeit und das Verdienst des Herrn heißt. Allein die Unschuld der Kinder ist nicht die echte Unschuld, weil sie noch ohne Weisheit ist; die echte Unschuld ist Weisheit; denn inwieweit jemand weise ist, insoweit liebt er vom Herrn geführt zu werden, oder was dasselbe ist, inwieweit jemand vom Herrn geführt wird, insoweit ist er weise. Die Kinder werden daher von der äußerlichen Unschuld, in der sie anfangs sind, und welche die Unschuld der Kindheit heißt, zu der innerlichen Unschuld fortgeleitet, welche die Unschuld der Weisheit ist; diese Unschuld ist das Endziel all ihrer Unterweisung und Entwicklung; sobald sie daher zur Unschuld der Weisheit gelangen, wird mit ihnen die Unschuld der Kindheit verbunden, die ihnen inzwischen als Grundlage gedient hatte. Wie die Unschuld der Kinder beschaffen sei, wurde mir im Bilde gezeigt durch etwas Hölzernes, das beinahe leblos ist, aber belebt wird, sowie sie durch die Erkenntnisse des Wahren und die Gefühle des Guten vervollkommnet werden; und nachher wurde die Beschaffenheit der echten Unschuld im Bilde gezeigt durch ein herrlich schönes, lebensvolles, nacktes Kind; denn die eigentlich Unschuldigen, die im innersten Himmel und so dem Herrn am nächsten sind, erscheinen vor den Augen anderer Engel nicht anders, denn als Kinder, und zwar als nackte; denn die Unschuld wird durch die Nacktheit vorgebildet, über die man nicht errötet; wie man dies liest vom ersten Menschen und seinem Weibe im Paradies: 1Mo.2/25; weshalb sie denn auch, als ihr Unschuldszustand verloren war, über die Nacktheit erröteten, und sich versteckten: 1Mo.3/7,10,11. Mit einem Wort, je weiser die Engel sind, desto unschuldiger, und je unschuldiger sie sind, desto mehr erscheinen sie sich als Kinder; daher kommt, daß die Kindheit im Wort die Unschuld bezeichnet, man sehe Nr. 278.

(342)
Ich sprach mit den Engeln von den Kindern, ob sie rein vom Bösen seien, da sie nicht, wie die Erwachsenen, Böses aus wirklichem Handeln haben; allein es wurde mir gesagt, sie seien ebensowohl im Bösen, ja auch sie seien nichts als Böses
226; sie werden aber, wie alle Engel, vom Herrn her vom Bösen abgehalten und im Guten festgehalten, so sehr, daß ihnen scheint, als ob sie aus sich selbst im Guten wären; weshalb auch die Kinder, wenn sie im Himmel herangewachsen sind, damit sie nicht in dem Irrwahn über sich sein möchten, als ob das Gute bei ihnen aus ihnen selbst wäre und nicht aus dem Herrn, zuweilen in ihr Böses, das sie erblich empfangen haben, zurückversetzt und darin gelassen werden, bis sie wissen, anerkennen und glauben, daß die Sache sich so verhält. So war auch ein Gewisser, der als Kind gestorben, aber im Himmel herangewachsen war, in der gleichen Meinung; er war der Sohn eines gewissen Königs; er wurde daher in das ihm angeborene Leben des Bösen zurückversetzt, und dann empfand ich aus seiner Lebensströmung, daß er einen Hang hatte, anderen zu gebieten, und daß er die Ehebrüche für nichts achtete, welches das ihm von seinen Eltern anererbte Böse war; nachdem er aber erkannt hatte, daß er so beschaffen sei, wurde er wieder unter die Engel aufgenommen, unter denen er vorher war. Nirgends leidet jemand im anderen Leben Strafe um des anererbten Bösen willen, weil es ihm nicht angehört und er somit auch keine Schuld hat, daß er so beschaffen ist; sondern um des wirklichen Bösen willen, das ihm selbst angehört, somit so viel er von dem anererbten Bösen durch das wirkliche Leben sich angeeignet hat. Daß die herangewachsenen Kinder in den Zustand ihres anererbten Bösen zurückversetzt werden, geschieht nicht darum, damit sie Strafe leiden, sondern damit sie wissen, daß sie aus sich selbst nichts als Böses sind, und daß sie aus der Hölle, die bei ihnen ist, durch die Barmherzigkeit des Herrn in den Himmel erhoben werden, sowie auch, daß sie nicht durch eigenes Verdienst im Himmel sind, sondern durch den Herrn; und damit sie also nicht wegen des Guten, das bei ihnen ist, sich vor anderen rühmen möchten; denn dies ist wider das Gute der gegenseitigen Liebe, wie es auch wider das Wahre des Glaubens ist.

(343)
Oftmals, wenn eine Anzahl von Kindern von noch völlig kindlichem Wesen in Chören bei mir zusammen war, wurden sie als etwas zartes Ungeordnetes gehört, so daß sie noch nicht als eines zusammenwirkten, wie dies nachher der Fall war, wann sie mehr herangewachsen waren; und worüber ich mich wunderte, die Geister bei mir konnten sich nicht enthalten, ihnen Anleitung zu geben, wie sie reden sollten; diese Sucht ist den Geistern angeboren; es wurde aber ebensooft bemerkt, daß die Kinder widerstrebten, und nicht so reden wollten; das Weigern und Widerstreben, das mit einer Art von Unwillen verbunden war, habe ich öfter wahrgenommen; und wenn sie einigermaßen zum Sprechen kommen konnten, sagten sie bloß: Es ist nicht so; ich ward unterrichtet, daß von dieser Art die Versuchung der Kinder sei, damit sie sich daran gewöhnen und lernen möchten, nicht nur dem Falschen und Bösen zu widerstehen, sondern auch nicht nach einem anderen zu denken, zu reden und zu handeln, somit sich von keinem anderen leiten zu lassen, als allein vom Herrn.

(344)
Aus dem, was angeführt worden, kann man nun sehen, wie die Erziehung der Kinder im Himmel beschaffen ist, daß sie nämlich durch die Erkenntnis des Wahren und durch die Weisheit des Guten eingeleitet werden in das engelische Leben, welches die Liebe zum Herrn und die wechselseitige Liebe ist, in denen Unschuld wohnt. Wie entgegengesetzt aber die Erziehung der Kinder auf Erden bei vielen ist, kann aus folgendem Beispiel erhellen. Ich befand mich auf der Straße einer großen Stadt und sah da kleine Knaben sich miteinander schlagen; es kam die Menge herbeigelaufen und sah mit großem Vergnügen zu, und man sagte mir, daß selbst die Eltern ihre kleinen Knaben zu dergleichen Kämpfen anreizen; die guten Geister und die Engel, die dies durch meine Augen sahen, verabscheuten es so tief, daß ich Schauder empfand, besonders darüber, daß die Eltern sie zu dergleichen reizten; sie sagten, daß sie so schon im ersten Alter alle wechselseitige Liebe und alle Unschuld auslöschen, welche die Kinder vom Herrn her haben, und daß sie dieselben in Haß und Rachsucht einführen, daß sie also ihre Kinder mit allem Fleiß vom Himmel ausschließen, wo nichts als wechselseitige Liebe ist. Mögen sich also vor dergleichen die Eltern hüten, die ihren Kindern Gutes wünschen.

(345)
Welcher Unterschied sei zwischen denen, die als Kinder, und denen, die als Erwachsene sterben, soll nun auch gesagt werden. Die als Erwachsene sterben, haben eine Unterlage [planum], die sie von der irdischen und materiellen Welt her bekommen, und nehmen solche mit sich; diese Unterlage ist ihr Gedächtnis und dessen körperlich-natürliche Neigung [affectio naturalis corporea]; sie bleibt unverrückt und ruht alsdann; gleichwohl jedoch dient sie ihrem Denken nach dem Tod als letzte Grundlage, denn in sie fließt das Denken ein; daher kommt, daß je wie diese Unterlage beschaffen ist, und je wie das Vernunftgebiet mit den darin befindlichen Dingen in Entsprechung steht, so auch der Mensch nach dem Tode beschaffen ist. Die Kinder aber, die als Kinder gestorben und im Himmel erzogen worden sind, haben keine solche Unterlage, sondern eine geistig-natürliche Unterlage, weil sie nichts von der materiellen Welt und vom irdischen Körper an sich haben; weshalb sie nicht in so groben Neigungen und daraus hervorgehenden Gedanken sein können, denn sie haben alles aus dem Himmel. Zudem ist den Kindern unbekannt, daß sie in der Welt geboren sind, weshalb sie glauben, sie seien im Himmel geboren; daher sie von keiner anderen Geburt wissen, als von der geistigen, die durch die Erkenntnisse des Guten und Wahren und durch die Einsicht und Weisheit geschieht, vermöge welcher der Mensch Mensch ist; und weil diese vom Herrn kommen, so glauben und lieben sie, daß sie dem Herrn selbst angehören. Dennoch aber kann der Zustand der Menschen, die auf der Erde groß wachsen, ebenso vollkommen werden, als der Zustand der Kinder im Himmel, wenn sie die körperlichen und irdischen Triebe, welche die Selbst- und Weltliebe sind, entfernen, und an deren Stelle geistige Triebe in sich aufnehmen.

(40)

VON DEN WEISEN
UND EINFÄLTIGEN IM HIMMEL

(346)
Man glaubt, die Weisen werden im Himmel Herrlichkeit und Vorrang vor den Einfältigen haben, weil es bei Dan.12/3 heißt:

„Die Einsichtsvollen werden leuchten wie der Glanz des ausgespannten [Himmels], und die, so viele zur Gerechtigkeit führen, wie die Sterne in Ewigkeit“;

allein wenige wissen, was unter den Einsichtsvollen und unter denen, die zur Gerechtigkeit führen, verstanden wird; gemeinhin glaubt man, sie seien die sogenannten Gebildeten und Gelehrten, besonders diejenigen, die in der Kirche gelehrt und durch Lehre und Predigt sich vor anderen hervorgetan, und noch mehr diejenigen unter ihnen, die viele zum Glauben bekehrt hatten, diese alle hält man in der Welt für die Einsichtsvollen; sie sind aber keineswegs die Einsichtsvollen im Himmel, von denen jene Worte gesagt werden, sofern ihre Einsicht nicht die himmlische Einsicht ist; und welcher Art diese sei, soll in dem nun folgenden gesagt werden.

(347)
Die himmlische Einsicht ist die tiefergehende Einsicht, welche entspringt aus der Liebe zum Wahren, nicht um irgendwelchen Ruhmes in der Welt, noch um irgendwelchen Ruhmes im Himmel willen, sondern um des Wahren selbst willen, von dem sie innigst angeregt und erfreut werden; die vom Wahren selbst angeregt und erfreut werden, die werden vom Licht des Himmels angeregt und erfreut; und die vom Licht des Himmels [angeregt und erfreut werden], die werden auch vom göttlich Wahren, ja vom Herrn selbst [angeregt und erfreut]; denn das Licht des Himmels ist das göttlich Wahre, und das göttlich Wahre ist der Herr im Himmel [man sehe Nr. 126-140]. Dieses Licht dringt nur in das Inwendige des Gemüts ein; denn das Inwendige des Gemüts ist zur Aufnahme dieses Lichtes gebildet, und je wie es eindringt, regt es an und erfreut; denn alles, was vom Himmel einfließt und aufgenommen wird, hat Angenehmes und Liebliches in sich; daher stammt die echte Liebe zur Wahrheit [affectio veri], welche eine Neigung zum Wahren um des Wahren willen ist; die, welche in dieser Neigung oder, was dasselbe ist, die in dieser Liebe sind, die sind in der himmlischen Einsicht und glänzen im Himmel wie vom Glanz des Himmelsgewölbes; daß sie glänzen, ist darum, weil das göttlich Wahre, wo immer es im Himmel ist, leuchtet, man sehe Nr. 132; und das Himmelsgewölbe bedeutet vermöge der Entsprechung jenes tiefere Verständige sowohl bei den Engeln als bei den Menschen, das im Lichte des Himmels ist. Die aber in der Liebe zum Wahren sind, entweder um des Ruhmes in der Welt oder um des Ruhmes im Himmel willen, die können nicht leuchten im Himmel, weil sie nicht durch das wirkliche Licht des Himmels erfreut und angeregt werden, sondern durch das Weltlicht und dieses Licht, ohne das im Himmel lauter Finsternis ist
227; denn der Selbstruhm herrscht [hier] vor, weil er der Endzweck ist, und wenn dieser Ruhm der Endzweck ist, so hat der Mensch selbst vor allem sich im Auge und betrachtet die Wahrheiten, die seinem Ruhm behilflich sind, nur als Mittel zum Zweck und als dienstbare Werkzeuge; denn wer die göttlichen Wahrheiten um seines eigenen Ruhmes willen liebt, der sieht in den göttlichen Wahrheiten auf sich selbst, und nicht auf den Herrn, daher er seinen Blick, nämlich denjenigen des Verstandes und des Glaubens, vom Himmel ab auf die Welt und vom Herrn ab auf sich selbst wendet; daher kommt, daß sie im Weltlicht und nicht im Himmelslicht sind. Diese erscheinen zwar in der äußeren Gestalt, also vor den Menschen, ebenso einsichtsvoll und unterrichtet wie die, welche im Licht des Himmels sind, und dies darum, weil sie ebenso, ja zuweilen dem äußeren Schein nach noch weiser reden, indem sie von der Liebe zu sich befeuert und eingeübt sind, himmlische Gefühle nachzulügen; gleichwohl aber sind sie in der inneren Gestalt, in der sie vor den Engeln erscheinen, ganz andere. Hieraus kann einigermaßen erhellen, wer diejenigen sind, die unter den Einsichtsvollen verstanden werden, die im Himmel glänzen werden wie der Glanz der Himmelsfeste; wer aber diejenigen seien, die verstanden werden unter denen, die viele zur Gerechtigkeit führen, und glänzen werden wie die Sterne, soll nun gesagt werden.

(348)
Unter denen, die viele zur Gerechtigkeit führen, werden diejenigen verstanden, die weise sind, und im Himmel heißen diejenigen weise, die im Guten sind, und im Guten sind dort diejenigen, welche die göttlichen Wahrheiten gleich ins Leben übergehen lassen; denn wenn das göttliche Wahre Sache des Lebens wird, wird es zum Guten; denn es wird Sache des Willens und der Liebe; und alles, was Sache des Willens und der Liebe ist, das heißt Gutes; diese werden darum Weise genannt, denn die Weisheit ist Sache des Lebens; jene dagegen heißen Einsichtige, weil sie die göttlichen Wahrheiten nicht sogleich ins Leben übergehen lassen, sondern sie zuerst im Gedächtnis [niederlegen], aus dem dieselben hernach hervorgeholt und dem Leben übergeben werden; worin und wie sehr diese und jene in den Himmeln verschieden sind, kann man in dem Abschnitt sehen, in dem von den zwei Reichen des Himmels, dem himmlischen und dem geistigen, gehandelt wird, Nr. 20-28; und in dem Abschnitt, in welchem gehandelt wird von den drei Himmeln, Nr. 29-40. Diejenigen, die im himmlischen Reich des Herrn, mithin die, welche im dritten oder innersten Himmel sind, heißen Gerechte, und zwar davon, daß sie keine Gerechtigkeit sich selbst, sondern alle dem Herrn zuschreiben; die Gerechtigkeit des Herrn ist im Himmel das Gute, das vom Herrn [herrührt]
228; weshalb diese hier unter den Rechtfertigenden verstanden werden; sie sind es auch, von denen der Herr sagt:

„Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne im Reich Meines Vaters“: Matth.13/43;

sie leuchten wie die Sonne, weil sie in der Liebe zum Herrn aus dem Herrn sind, und diese Liebe unter der Sonne verstanden wird, (man sehe Nr. 116-125); auch ist das Licht bei ihnen flammig, und ihre Denkbilder haben etwas Flammiges an sich, weil sie das Gute der Liebe unmittelbar vom Herrn als der Sonne im Himmel aufnehmen.

(349)
Alle, die sich in der Welt Einsicht und Weisheit erworben haben, sind im Himmel willkommen, und werden Engel, jeder nach der Beschaffenheit und Größe der Einsicht und Weisheit; denn alles, was der Mensch in der Welt erwirbt, das bleibt, und er bringt es mit sich nach dem Tode, und es wird auch vermehrt und zur Fülle gebracht, jedoch innerhalb des Grades seiner Neigung und seines Verlangens nach dem Wahren und Guten, nicht aber über diesen hinaus; diejenigen, die wenig Neigung und Verlangen hatten, nehmen wenig auf, jedoch immer so viel, als sie innerhalb jenes Grades aufnehmen können; diejenigen aber, die viel Neigung und Verlangen hatten, nehmen viel auf; der wirkliche Grad der Neigung und des Verlangens ist wie ein Maß, das voll gemessen wird, mehr [erhält] also, wer ein großes Maß, und weniger, wer ein kleines hat; das dem so ist, hat seinen Grund darin, daß die Liebe, der die Neigung und das Verlangen angehören, alles aufnimmt, das ihr zusagt: so groß also die Liebe ist, so viel nimmt sie auf. Dies wird verstanden unter den Worten des Herrn:

„Jedem, der hat, wird gegeben werden, daß er Überfluß habe“: Matth.13/12; 25/29.

„Ein gutes, eingedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird in [euren] Schoß gegeben werden“: Luk.6/38.

(350)
In den Himmel werden alle aufgenommen, die das Wahre und Gute um des Wahren und Guten willen geliebt hatten; die nun viel geliebt hatten, sind diejenigen, die Weise heißen; die aber wenig geliebt hatten, sind diejenigen, die Einfältige genannt werden; die Weisen im Himmel sind in starkem Licht, die Einfältigen im Himmel aber sind in schwächerem Licht; jeder nach dem Grad der Liebe zum Guten und Wahren. Das Wahre und Gute lieben um des Wahren und Guten willen heißt, es wollen und tun; denn die, welche wollen und tun, die lieben, nicht aber, die nicht wollen, noch tun; jene sind es auch, die den Herrn lieben und vom Herrn geliebt werden, weil das Gute und das Wahre vom Herrn sind, und weil sie vom Herrn sind, ist auch in ihnen, nämlich im Guten und Wahren, der Herr, mithin ist Er auch bei denen, die das Gute und Wahre in ihrem Leben aufnehmen durch das Wollen und Tun. Auch ist der Mensch an sich betrachtet nichts als sein Gutes und Wahres, weil das Gute Sache seines Willens und das Wahre Sache seines Verstandes ist, und der Mensch so beschaffen ist, wie sein Wille und Verstand; hieraus erhellt, daß der Mensch insoweit vom Herrn geliebt wird, als sein Wille vom Guten und sein Verstand vom Wahren gebildet ist. Vom Herrn geliebt werden heißt auch den Herrn lieben; denn die Liebe ist rückwirkend, da der Herr dem, der geliebt wird, auch gibt, daß er [wieder] liebe.

(351)
In der Welt glaubt man, daß diejenigen, die vieles wissen, sei es aus den Lehren der Kirche und aus dem Wort oder aus den Wissenschaften, tiefer und schärfer als die übrigen die Wahrheiten sehen, somit mehr Einsicht und Weisheit haben; auch haben diese selbst die gleiche Meinung von sich; was aber wahre Einsicht und Weisheit, was unechte und was falsche sei, soll in dem nun folgenden gesagt werden. Wahre Einsicht und Weisheit ist: sehen und inne werden, was wahr und gut, und hieraus auch, was falsch und böse ist, und es wohl voneinander unterscheiden, und zwar dies aus inwendigem Anschauen und Innewerden. Bei jedem Menschen ist ein Inwendiges und ein Auswendiges; das Inwendige ist das Gebiet des inneren oder geistigen Menschen, das Auswendige aber das Gebiet des äußeren oder natürlichen Menschen; je nachdem das Inwendige gebildet ist und mit dem Auswendigen eines ausmacht, sieht und empfindet der Mensch. Das Inwendige des Menschen kann nur im Himmel gebildet werden, das Auswendige aber wird in der Welt gebildet; ist das Inwendige im Himmel gebildet, dann fließt, was dort ist, in das Auswendige ein, das aus der Welt ist, und bildet es zur Entsprechung; das ist dazu, daß es mit ihm in Einheit zusammenwirke; ist dies geschehen, so sieht und empfindet der Mensch vom Inwendigen heraus. Um das Inwendige zu bilden, ist das einzige Mittel, daß der Mensch seinen Blick auf das Göttliche und auf den Himmel richte; denn das Inwendige wird, wie gesagt, im Himmel gebildet; der Mensch richtet aber alsdann seinen Blick auf das Göttliche, wenn er an das Göttliche glaubt, und wenn er glaubt, daß von daher alles Wahre und Gute, mithin alle Einsicht und Weisheit komme, und er glaubt alsdann an das Göttliche, wenn er sich vom Göttlichen führen lassen will; so und nicht anders wird das Inwendige des Menschen aufgeschlossen. Ein Mensch, der in diesem Glauben und in einem dem Glauben gemäßen Leben ist, hat auch das Vermögen und die Kraft, einsichtsvoll und weise zu werden; um aber wirklich einsichtsvoll und weise zu werden, muß er vieles erlernen, nicht nur, was den Himmel betrifft, sondern auch was zur Welt gehört; was den Himmel betrifft, aus dem Wort und von der Kirche; und was zur Welt gehört, aus den Wissenschaften; inwieweit der Mensch [diese Dinge] lernt und [sie] aufs Leben anwendet, insoweit wird er einsichtsvoll und weise; denn insoweit wird sein inwendiges Sehen, welches dasjenige seines Verstandes ist, und sein inwendiges Gefühl, welches dasjenige seines Willens ist, vervollkommnet. Die Einfältigen aus dieser Klasse sind diejenigen, denen das Inwendige zwar aufgeschlossen, jedoch nicht so ausgebildet ist durch geistige, moralische, bürgerliche und natürliche Wahrheiten; diese fühlen die Wahrheiten, wenn sie dieselben hören, allein sie sehen sie nicht in sich; die Weisen aus dieser Klasse dagegen sind diejenigen, denen das Inwendige nicht nur aufgeschlossen, sondern auch ausgebildet ist, diese sehen in sich die Wahrheiten und fühlen sie auch. Hieraus erhellt, was wahre Einsicht und Weisheit ist.

(352)
Die unechte Einsicht und Weisheit ist, nicht vom Inwendigen heraus sehen und fühlen, was wahr und gut, und somit was falsch und böse ist, sondern bloß glauben, dasjenige sei wahr und gut oder falsch und böse, was von anderen dafür ausgegeben wird, und hernach es begründen; weil diese das Wahre nicht aus dem Wahren, sondern aus einem anderen sehen, so können sie ebensowohl das Falsche, als das Wahre ergreifen und glauben, und es auch bis dahin begründen, daß es wie Wahres erscheint; denn alles, was begründet wird, nimmt den Schein der Wahrheit an, und es gibt nichts, das nicht begründet werden könnte; das Inwendige von diesen ist nur von unten her aufgeschlossen, das Auswendige aber insoweit, als sie sich bestärkt haben; weshalb das Licht, aus dem sie sehen, nicht das Licht des Himmels, sondern das Weltlicht ist, welches das Naturlicht heißt, denn in diesem Licht können die Irrtümer leuchten wie die Wahrheiten, ja, wenn sie begründet sind, können sie schimmern, nicht aber im Licht des Himmels. Die weniger Einsichtigen und weniger Weisen aus dieser Klasse sind die, welche sich sehr bestärkt haben, die Einsichtigeren und Weiseren dagegen, die sich wenig [bestärkt haben]; hieraus erhellt, was die unechte Einsicht und Weisheit ist. Allein zu dieser Klasse gehören nicht diejenigen, die in ihrem Knabenalter für wahr hielten, was sie von ihren Lehrern gehört hatten, dann aber im Jünglingsalter, wenn sie aus ihrem eigenen Verstand denken, nicht daran hängenbleiben, sondern ein Verlangen nach dem Wahren haben und aus dem Verlangen es suchen, und wenn sie es finden, inwendig davon angeregt werden; weil diese vom Wahren um des Wahren willen angeregt werden, so sehen sie das Wahre, bevor sie sich bestärken
229. Dies soll durch ein Beispiel beleuchtet werden: Es war unter den Geistern davon die Rede, woher es komme, daß die Tiere in alle zu ihren Naturen passende Kenntnis geboren werden, nicht aber der Mensch, und es wurde gesagt, der Grund hiervon sei der, daß die Tiere in der Ordnung ihres Lebens stehen, nicht aber der Mensch; weshalb dieser [erst] durch Kenntnisse und Wissenschaften in die Ordnung eingeführt werden müsse; würde hingegen der Mensch in die Ordnung seines Lebens geboren werden, welche ist, daß er Gott über alles und den Nächsten wie sich selber liebe, so würde er in die Einsicht und Weisheit geboren werden, und somit auch, soweit die Erkenntnisse hinzukämen, in den Glauben an alles Wahre; die guten Geister sahen und fühlten sogleich, daß dem so sei, und zwar dies bloß aus dem Licht des Wahren; diejenigen Geister dagegen, die sich in dem bloßen Glauben bestärkt und daher die Liebe und Liebtätigkeit auf die Seite geworfen hatten, konnten es nicht einsehen, weil das Licht des begründeten Falschen bei ihnen das Licht des Wahren verdunkelt hatte.

(353)
Falsche Einsicht und Weisheit ist alle die, der die Anerkennung des Göttlichen fehlt; die nämlich das Göttliche nicht anerkennen, sondern statt des Göttlichen die Natur, die denken alle aus dem Körperlich-Sinnlichen und sind rein sinnlich, so sehr sie auch in der Welt für Gebildete und Gelehrte gehalten werden
230; allein ihre Bildung erhebt sich nicht über die Gegenstände, die in der Welt vor dem Auge erscheinen, die sie im Gedächtnis behalten und sie beinahe nur in materieller Weise betrachten, obwohl es dieselben Wissenschaften sind, die den wahrhaft Verständigen zur Bildung des Verstandes dienen; unter den Wissenschaften werden die mancherlei auf Beobachtungen und Versuche gegründeten Kenntnisse [Experimentalia] verstanden, betreffend die Physik, Astronomie, Chemie, Mechanik, Geometrie, Anatomie, Psychologie, Philosophie, die Staaten- und Literaturgeschichte, die Kritik, die Sprachen. Kirchenvorsteher, die das Göttliche leugnen, auch sie erheben ihre Gedanken nicht über das Sinnliche, das zum Gebiet des äußeren Menschen gehört; den Inhalt des Wortes sehen sie nicht anders an, als andere die Wissenschaften, auch machen sie denselben nicht zum Gegenstand des Nachdenkens und einer Anschauung der erleuchteten Vernunft, und zwar darum nicht, weil ihr Inwendiges verschlossen ist und zugleich mit diesem auch dasjenige Auswendige, das dem Inwendigen am nächsten ist; diese Gebiete sind verschlossen, weil sie dem Himmel den Rücken zugekehrt und dasjenige, was den Blick dahin richten könnte, nämlich, wie gesagt, das Inwendige des Gemüts rückwärts gedreht haben; daher kommt, daß sie nicht zu sehen vermögen, was das Wahre und Gute ist, weil dies für sie in der Finsternis, dagegen, aber das Falsche und Böse im Licht ist. Gleichwohl jedoch können die sinnlichen Menschen vernünfteln, und zwar einige gewandter und schärfer als andere; allein es geschieht aus den Sinnestäuschungen, nachdem diese durch ihr Wissen begründet worden; und weil sie so vernünfteln können, halten sie sich selbst auch für weiser als andere231. Das Feuer, das ihren Erörterungen die Wärme des Gefühls gibt, ist das Feuer der Selbst- und Weltliebe. Diese sind es, die in falscher Einsicht und Weisheit sind, und die vom Herrn verstanden werden bei Matth.13/13-15:

„Sehend sehen sie nicht, und hörend hören sie nicht, noch verstehen sie“,

und anderwärts:

„Verborgen ist es den Verständigen und Weisen und geoffenbart den Kindern“: Matth.11/25,26.

(354)
Es ward mir gegeben, mit vielen Gebildeten nach ihrem Austritt aus der Welt zu reden, mit einigen, die einen großen Ruf hatten und durch ihre Schriften in der gelehrten Welt berühmt waren, und mit einigen, die nicht so berühmt waren, aber dennoch verborgene Weisheit in sich hatten. Diejenigen, die im Herzen das Göttliche geleugnet, wie sehr sie es auch mit dem Mund bekannt hatten, wurden so stumpf [stupidi], daß sie kaum eine Wahrheit des bürgerlichen Lebens, geschweige denn etwas Geistiges begreifen konnten; man fühlte und sah auch, daß ihr Inwendiges, das Gebiet ihres Gemütes, so verschlossen war, daß es wie schwarz erschien (dergleichen stellt sich in der geistigen Welt sichtbar dar) und sie daher nicht das geringste Himmelslicht ertragen, somit auch keinen Einfluß aus dem Himmel aufnehmen konnten; jene Schwärze, in der ihr Inwendiges erschien, war größer und ausgedehnter bei denen, die sich wider das Göttliche durch das Wissenschaftliche ihrer gelehrten Bildung bestärkt hatten. Solche nehmen im anderen Leben mit Lust alles Falsche an, das sie, wie ein Schwamm das Wasser, einsaugen, und stoßen alles Wahre zurück, wie eine elastische Kugel von Bein das, was auf sie stößt. Wirklich sagt man auch, daß das Inwendige derer, die sich wider das Göttliche und für die Natur bestärkt haben, verknöchert sei, auch erscheint ihr Haupt harthäutig wie von Ebenholz; was bis in die Nase sich hinabzieht, zum Zeichen, daß sie kein Innewerden mehr haben. Die nun so beschaffen sind, werden in Schlünde, die wie Sümpfe erscheinen, versenkt, in denen sie von Wahnbildern umhergetrieben werden, in die ihr Falsches sich verwandelt: ihr höllisches Feuer ist die Gier nach Ruhm und Namen, aus welcher Gier der eine sich auf den anderen wirft und aus höllischer Glut diejenigen daselbst quält, die ihn nicht als einen Gott verehren, und so abwechslungsweise der eine den anderen. In dergleichen verwandelt sich alle Weltbildung, die nicht Licht aus dem Himmel in sich aufgenommen hat durch die Anerkennung des Göttlichen.

(355)
Daß diese in der geistigen Welt, wenn sie nach dem Tode dahin kommen, eine solche Beschaffenheit haben, kann man schon daraus schließen, daß alle Dinge, die im natürlichen Gedächtnis und unmittelbar mit dem Sinnlichen des Körpers verbunden sind - und dahin gehört solcherlei Wissen, wie das soeben aufgezählte - alsdann ruhen, und bloß das daraus gewonnene Vernünftige zum Denken und zum Reden daselbst dient; der Mensch nimmt nämlich sein ganzes natürliches Gedächtnis mit sich hinüber, allein die darin enthaltenen Dinge fallen nicht mehr in seine Anschauung und kommen nicht mehr in sein Denken, wie damals, da er noch in der Welt lebte; er kann nichts von da herausnehmen und an das geistige Licht bringen, weil es nicht diesem Licht angehört, sondern die Vernunft- oder Verstandeswahrheiten, die der Mensch, da er noch im Körper lebte, aus den Wissenschaften sich erworben hat, stimmen zum Licht der geistigen Welt; inwieweit daher der Geist des Menschen vernünftig geworden ist durch die Kenntnisse und Wissenschaften in der Welt, insoweit ist er auch vernünftig nach der Trennung vom Körper; denn alsdann ist der Mensch ein Geist, und der Geist ist es, der im Körper denkt
232.

(356)
Denen aber, die durch die Kenntnisse und Wissenschaften sich Einsicht und Weisheit erwarben, welche diejenigen sind, die alles zum Nutzen des Lebens angewendet und zugleich das Göttliche anerkannt, das Wort geliebt und das geistig sittliche Leben, von dem Nr. 319 die Rede war, geführt hatten, denen dienten die Wissenschaften zu Mitteln, weise zu werden, und das, was mit dem Glauben zusammenhängt, zu stärken; ihr Inwendiges, nämlich dasjenige des Gemüts, ward empfunden und sogar geschaut wie durchscheinend vom Licht, in glänzend weißer, in flammroter und in himmelblauer Farbe, wie durchsichtige Diamanten, Rubine und Saphire, und zwar dies nach Maßgabe der Bestärkungen für das Göttliche und die göttlichen Wahrheiten durch die Wissenschaften; die wahre Einsicht und Weisheit erscheint so, wenn sie in der geistigen Welt sichtbar dargestellt wird; sie hat dies vom Licht des Himmels, welches das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre ist, aus dem alle Einsicht und Weisheit kommt (man sehe Nr. 126-133); die aufnehmenden Grundlagen dieses Lichtes, in denen sich ein Spiel wie von Farben zeigt, sind die inwendigen Gebiete des Gemüts, und die Begründungen der göttlichen Wahrheiten durch Dinge, die in der Natur, somit in den Wissenschaften sind, bringen jene Farbenwechsel hervor
233; denn das inwendige Gemüt des Menschen blickt in die Dinge des natürlichen Gedächtnisses hinein, und was in ihnen Bestätigendes ist, das sublimiert es gleichsam durch das Feuer der himmlischen Liebe, zieht es ab und läutert es empor zu geistigen Ideen; daß es so zugeht, weiß der Mensch nicht, solange er im Körper lebt, weil er in diesem sowohl geistig als natürlich denkt, allein dessen, was er alsdann geistig denkt, nicht bewußt wird, sondern bloß dessen, was er natürlich denkt; wenn er aber in die geistige Welt kommt, so wird er sich dessen nicht bewußt, was er in der Welt natürlich, sondern bloß dessen, was er geistig gedacht hat; so verändert sich der Zustand; hieraus erhellt, daß der Mensch durch Kenntnisse und Wissenschaften geistig wird, und daß sie die Mittel sind, weise zu werden, jedoch bloß für die, welche im Glauben und Leben das Göttliche anerkannt haben. Diese sind auch im Himmel mehr als andere willkommen und sind hier unter denen, die sich in der Mitte befinden, Nr. 43, weil sie mehr als die übrigen im Licht sind; diese sind die Verständigen und Weisen im Himmel, die wie der Glanz des Firmamentes glänzen und leuchten wie die Sterne; die Einfältigen aber sind hier die, welche das Göttliche anerkannt, das Wort geliebt und ein geistig sittliches Leben geführt, aber ihr Inwendiges, das Gebiet des Gemütes, nicht so durch Kenntnisse und Wissenschaften ausgebildet hatten. Das menschliche Gemüt ist wie ein Erdreich, das so beschaffen ist, wie es angebaut wird.

(41)

Gesammeltes aus den
»Himmlischen Geheimnissen«
über die Wissenschaften

Der Mensch muß mit Wissenschaften und Erkenntnissen erfüllt werden, weil er durch sie denken, hernach, was war und gut ist, einsehen und endlich weise werden lernt, Nr. 129, 1450, 1451, 1453, 1548, 1802. Die Kenntnisse [scientifica] sind das erste, worauf das Leben des Menschen, sowohl das bürgerliche und moralische, als das geistige gebaut und gegründet wird, und sie sollen erlernt werden wegen des Nutzens als Endzweck, Nr. 1489, 3310. Die Erkenntnisse öffnen den Weg zum inneren Menschen und verbinden ihn hernach mit dem äußeren je nach den Nutzwirkungen, Nr. 1563, 1616. Das Vernünftige entsteht durch die Wissenschaften und Erkenntnisse, Nr. 1895, 1900, 3086, jedoch nicht durch die Erkenntnisse selbst, sondern durch die Neigung zu Nutzleistungen aus denselben [per affectionem usuum ex illis], Nr. 1895.

Es gibt Wißtümliches, das göttliche Wahrheiten zuläßt, und solches, das sie nicht zuläßt, Nr. 5213. Das gehaltlose Wißtümliche [scientifica inania] muß zerstört werden, Nr. 1489, 1492, 1499, 1580. Gehaltloses Wissen ist solches, das die Selbstsucht und Weltliebe zum Endzweck hat und befestigt und von der Liebe zu Gott und dem Nächsten abzieht; denn dergleichen verschließt den inneren Menschen so sehr, daß der Mensch hernach gar nichts mehr aus dem Himmel aufnehmen kann, Nr. 1563, 1600. Die Kenntnisse sind Mittel, weise zu werden aber auch Mittel, töricht zu werden, und durch sie wird der innere Mensch entweder geöffnet oder verschlossen, und so das Vernünftige entweder ausgebildet oder zerstört, Nr. 4156, 8628, 9922.

Der innere Mensch wird durch die Kenntnisse aufgeschlossen und nach und nach vervollkommnet, wenn der Mensch guten Gebrauch beabsichtigt, besonders einen Gebrauch, der auf das ewige Leben abzielt, Nr. 3086. Den Kenntnissen, die im natürlichen Menschen sind, kommt dann Geistiges und Himmlisches aus dem geistigen Menschen entgegen und nimmt das ihm Zusagende in sich auf, Nr. 1495. Was zum Gebrauch des himmlischen Lebens dient, wird alsdann aus den Kenntnissen, die im natürlichen Menschen sind, durch den inneren Menschen vom Herrn ausgezogen, verfeinert und gehoben, Nr. 1895, 1896, 1900-1902, 5871, 5874, 5901. Und die nicht übereinstimmenden und widerstreitenden Kenntnisse werde zur Seite geschafft und entfernt, Nr. 5871, 5886, 5889.

Das Auge des inneren Menschen ruft aus den Kenntnissen des äußeren Menschen nichts anderes hervor, als was seiner Liebe zusagt, Nr. 9394. Unter dem Auge des inneren Menschen ist in der Mitte und in Klarheit, was seiner Liebe zusagt, auf den Seiten aber und in Dunkelheit, was seiner Liebe nicht zusagt, Nr. 6068, 6084. Die übereinstimmenden Kenntnisse werden nach und nach seinen Grundneigungen [amoribus] eingepflanzt und wohnen gleichsam in diesen, Nr. 6325. Der Mensch würde in die Einsicht hineingeboren, wenn er in die Liebe gegen den Nächsten [geboren würde], weil er aber in die Selbst- und Weltliebe geboren wird, so wird er in völlige Unwissenheit hineingeboren, Nr. 6323, 6325. Die Wissenschaft, Einsicht und Weisheit sind Kinder [filii] der Gottes- und Nächstenliebe, Nr. 1226, 2049, 2116.

Ein anderes ist weise sein, ein anderes einsehen [intelligere], ein anderes wissen, und ein anderes tun; dennoch aber folgt bei denen, die in geistigem Leben sind, das eine auf das andere, und im Tun oder in den Taten sind sie beisammen, Nr. 10331. Ein anderes ist auch wissen, ein anderes anerkennen, und ein anderes Glauben haben, Nr. 896.

Die Kenntnisse, die Angehör des äußeren oder natürlichen Menschen sind, sind im Licht der Welt, die Wahrheiten dagegen, die Sache des Glaubens und der Liebe geworden sind und so Leben erlangt haben, sind im Licht des Himmels, Nr. 5212. Die Wahrheiten, die geistiges Leben erlangt haben, werden durch natürliche Vorstellungen gefaßt, Nr. 5510. Es besteht ein geistiger Einfluß vom inneren oder geistigen Menschen in die Kenntnisse, die im äußeren oder natürlichen Menschen sind, Nr. 1940, 8005. Die Kenntnisse sind Behälter und gleichsam Gefäße des Wahren und des Guten, die dem inneren Menschen angehören, Nr. 1469, 1496, 3068, 5489, 6004, 6023, 6052, 6071, 6077, 7770, 9922. Die Kenntnisse sind gleichsam Spiegel, in denen die Wahrheiten und das Gute des inneren Menschen wie im Bild erscheinen, Nr. 5201. In ihnen sind sie beisammen als in ihrem Letzten, Nr. 5373, 5874, 5886, 5901, 6004, 6023, 6052, 6071.

Es besteht ein geistiger, nicht aber in physischer Einfluß, das heißt, es findet ein Einfluß vom inneren Menschen in den äußeren, somit in dessen Kenntnisse statt, nicht aber vom äußeren in den inneren, somit nicht von dessen Kenntnissen in die Wahrheiten des Glaubens, Nr. 3219, 5119, 5259, 5427, 5428, 5478, 6322, 9110, 9111. Von den Wahrheiten der Kirchenlehre, sofern sie aus dem Wort geschöpft sind, soll der Ausgang [principium] genommen, und diese sollen zuerst anerkannt werden, und nachher mag man das Wissenschaftliche zu Rate ziehen, Nr. 6047. Denjenigen also, die in Beziehung auf die Glaubenswahrheiten in der Bejahung sind, ist erlaubt, dieselben durch Wissenschaftliches verstandesmäßig zu begründen, nicht aber denjenigen, die in der Verneinung sind, Nr. 2568, 2588, 4760, 6047. Wer die göttlichen Wahrheiten nicht glaubt, sofern er nicht durch Wissenschaftliches überzeugt werde, der glaubt niemals, Nr. 2094, 2832. Durch Wissenschaftliches in die Glaubenswahrheiten eindringen ist gegen die Ordnung, Nr. 10236. Diejenigen, die dies tun, werden wahnsinnig hinsichtlich der Dinge des Himmels und der Kirche, Nr. 128-130. Sie verfallen auf Falsches des Bösen, Nr. 232, 233, 6047, und werden im anderen Leben, wenn sie über geistige Dinge denken, wie betrunken, Nr. 1072. Wie sie weiter beschaffen sind, Nr. 196. Beispiele, die beleuchten, daß die geistigen Dinge nicht gefaßt werden können, wenn man durch Wissenschaftliches in sie eindringt, Nr. 233, 2094, 2196, 2203, 2209. Viele Gebildete zeigen in geistigen Dingen mehr Unverstand als die Einfältigen, weil sie in der Verneinung sind, und diese durch Wissenschaftliches, das ihnen fortwährend und in Menge vor den Augen ist, begründen, Nr. 4760, 8629.

Diejenigen, die aus Wissenschaftlichen wider die Glaubenswahrheiten vernünfteln, vernünfteln mit Schärfe, weil aus den Täuschungen der Sinne, welche einnehmen und überreden, da sie nur schwer beseitigt werden können, Nr. 5700. Welche Sinnestäuschungen, und wie beschaffen ? Nr. 5084, 5094, 6400, 6948. Solche, die nichts Wahres fassen, und selbst solche, die im Bösen sind, können über die Wahrheiten und das Gute des Glaubens vernünfteln, und sie doch nicht verstehen, Nr. 4214. Eine Lehrbestimmung ohne weiteres begründen ist nicht Sache des Verständigen, sondern vor der Begründung erst sehen, ob jene wahr ist oder nicht, Nr. 4741, 6047.

Die Wissenschaften haben nach dem Tode keine Bedeutung, sondern nur das, was der Mensch durch die Wissenschaften in den Verstand und das Leben aufgenommen hat, Nr. 2480. Dennoch aber bleiben nach dem Tode alle Kenntnisse, allein sie ruhen alsdann, Nr. 2476-2479, 2481-2486.

Ebendieselben Kenntnisse sind bei den Bösen Falsches, weil sie auf Böses angewandt werden, bei den Guten aber Wahrheiten, weil sie auf das Gute angewandt werden, Nr. 6917. Die wissenschaftlichen Wahrheiten sind bei den Bösen nicht Wahrheiten, wie sehr sie auch während sie dieselben aussprechen, als Wahrheiten erscheinen, weil inwendig in denselben Böses ist, Nr. 10331.

Ein Beispiel, wie groß die Wißbegierde der Geister ist, Nr. 1973. Bei den Engeln ist eine unendliche Sehnsucht, zu wissen und weise zu werden, weil Wissenschaft, Einsicht und Weisheit die geistige Speise sind, Nr. 3114, 4459, 4792, 4976, 5147, 5293, 5340, 5342, 5410, 5426, 5576, 5582, 5588, 5656, 6277, 8562, 9003. Die Wissenschaft der Alten war die Wissenschaft der Entsprechungen und Vorbildungen, durch die sie sich in die Erkenntnis geistiger Dinge einführten, allein diese Wissenschaft ist heutzutage ganz in Vergessenheit geraten, Nr. 4844, 4749, 4964, 4965.

Die geistigen Wahrheiten können nicht gefaßt werden, sofern man nicht folgendes Universelle weiß, nämlich I. daß alles im Weltall sich auf Gutes und Wahres und auf die Verbindung beider zurückbezieht, damit sie etwas seien, somit auf Liebe und Glauben und deren Verbindung. II. Daß beim Menschen Verstand und Wille ist, und daß der Verstand das Aufnahmegefäß des Wahren und der Wille das des Guten ist, und daß beim Menschen alles auf diese beiden und auf deren Verbindung sich zurückbezieht, sowie alles auf das Wahre und Gute und auf deren Verbindung. III. Daß es einen inneren und einen äußeren Menschen gibt, und daß sie voneinander geschieden sind wie der Himmel und die Welt, gleichwohl aber eins ausmachen müssen, damit der Mensch wahrhaft Mensch sei. IV. Daß das Licht des Himmels dasjenige ist, in dem der innere Mensch sich befindet, und das Licht der Welt dasjenige, in dem der äußere ist, und daß das Licht des Himmels das göttliche Wahre selbst ist, aus dem alle Einsicht stammt. V. Daß zwischen den Dingen, die im inneren, und denjenigen, die im äußeren Menschen sind, eine Entsprechung besteht, und infolgedessen die Dinge in jenem und die in diesem unter so verschiedener Gestalt zur Erscheinung kommen, daß sie nur durch die Wissenschaft der Entsprechungen unterschieden werden können. Sofern man nicht diese und noch manch andere Dinge weiß, kann man sich von geistigen und himmlischen Dingen nur unpassende Vorstellungen machen und bilden, und es können somit die dem natürlichen Menschen eigenen Wissenschaften und Erkenntnisse ohne jenes Universelle dem Vernunftmenschen nur wenig zum Verständnis und Wachstum behilflich sein. Hieraus erhellt, wie notwendig die Kenntnisse sind.

(42)

VON DEN REICHEN
UND DEN ARMEN IM HIMMEL

(357)
Es gibt mancherlei Meinungen über die Aufnahme in den Himmel. Einige meinen, daß die Armen aufgenommen werden, nicht aber die Reichen; andere, daß ebensowohl Reiche als Arme; andere, daß die Reichen nicht aufgenommen werden können, sofern sie nicht ihrem Vermögen entsagen und wie die Armen werden; ein jeder begründet seine Meinung durch das Wort; allein wer hinsichtlich des Himmels einen Unterschied zwischen Armen und Reichen macht, versteht das Wort nicht. Das Wort ist in seinem Schoß geistig, im Buchstaben aber natürlich; wer daher das Wort nur nach seinem buchstäblichen Sinn, nicht aber einigermaßen nach dem geistigen auffaßt, der irrt in vielem, besonders in betreff der Reichen und Armen; so z.B. daß es den Reichen ebenso schwer sei, in den Himmel zu kommen, als einem Kamel durch ein Nadelöhr, den Armen aber leicht, eben weil sie arm seien, da es ja heiße:

„Selig sind die Armen, denn das Himmelreich ist ihr“: Luk.6/20,21; [Matth.5/3];

die aber etwas vom geistigen Sinn des Wortes wissen, die denken anders; sie wissen, daß der Himmel für alle die ist, die ein Leben des Glaubens und der Liebe leben, seien sie nun reich oder arm; wer aber im Wort unter den Reichen und wer unter den Armen verstanden wird, soll im folgenden gesagt werden. Aus vielem Reden und Zusammenleben mit den Engeln ist mir gegeben worden, gewiß zu wissen, daß die Reichen ebenso leicht in den Himmel kommen, als die Armen, und daß der Mensch nicht darum, weil er an vielem Überfluß hat, vom Himmel ausgeschlossen, noch darum, weil er in Dürftigkeit ist, in den Himmel aufgenommen wird; es sind daselbst sowohl Reiche als Arme und mehrere Reiche in größerer Herrlichkeit und Glückseligkeit als die Armen.

(358)
Voraus darf bemerkt werden, daß der Mensch Reichtümer erwerben und Schätze aufhäufen kann, so viel [ihm Gelegenheit] gegeben wird, wenn es nur nicht mit Arglist und durch schlechte Mittel geschieht; daß er gut essen und trinken kann, wenn er nur sein Leben nicht darein setzt; daß er standesmäßig prächtig wohnen und, gleich anderen, geselligen Umgang haben, daß er die Belustigungsorte [lusoria] besuchen, über weltliche Dinge sich traulich unterhalten kann und nicht nötig hat, andächtig, mit niedergeschlagenen Augen und mit Seufzen und hängendem Kopf einherzugehen, sondern fröhlich und wohlgemut; auch nicht, daß er das Seinige den Armen gebe, außer soweit ihn Neigung dazu antreibt; mit einem Wort, er kann in der äußeren Erscheinung ganz wie ein Weltmensch leben, und diese Dinge hindern nicht im geringsten, daß der Mensch in den Himmel komme, wenn er nur innerlich in sich an Gott denkt, wie sich ziemt, und gegen den Nächsten aufrichtig und gerecht handelt; denn der Mensch ist so, wie seine Neigung und sein Denken, oder wie seine Liebe und sein Glaube; alles, was er im Äußeren tut, hat von daher sein Leben, denn handeln ist wollen, und reden ist denken; denn aus dem Willen handelt er, und aus dem Denken redet er; wenn es daher im Wort heißt, der Mensch werde nach seinen Taten gerichtet, und es soll ihm nach seinen Werken vergolten werden, so wird darunter verstanden, nach seinem Denken und seiner Gesinnung, aus denen die Taten [hervorgehen], oder die in den Taten sind; denn ohne sie sind die Taten gar nichts, und diese sind ganz wie jene
234. Hieraus erhellt, daß das Äußere des Menschen nichts zur Sache tut, sondern sein Inneres, aus dem das Äußere [sich gestaltet]. Zur Verdeutlichung: wer redlich handelt und den anderen nicht betrügt, bloß darum, weil er die Gesetze, den Verlust des guten Namens und infolgedessen den der Ehre oder des Gewinns fürchtet, und wenn ihn diese Furcht nicht zügelte, den anderen betrügen würde, so viel er könnte, dessen Denken und Wollen ist Betrug, und doch erscheinen seine Taten in der äußeren Gestalt als redlich; ein solcher hat, weil er innerlich unredlich und betrüglich ist, die Hölle in sich; wer dagegen redlich handelt und den anderen nicht betrügt, darum weil es wider Gott und den Nächsten ist, der würde, wenn er auch den anderen betrügen könnte, es gleichwohl nicht wollen; sein Denken und Wollen ist gewissenhaft; er hat den Himmel in sich; die Taten beider erscheinen in der äußeren Gestalt als einander gleich, in der inneren aber sind sie ganz ungleich.

(359)
Da der Mensch in der äußeren Erscheinung wie ein anderer leben, da er reich werden, je nach seinem Stand und Amt herrlich speisen, wohnen und sich kleiden, Lust und Freude genießen und wegen der ihm obliegenden Berufspflichten und Geschäfte, sowie wegen des Lebens der Seele und des Körpers mit Weltlichem sich beschäftigen kann, sofern er nur das Göttliche anerkennt und dem Nächsten wohl will, so ist offenbar, daß es nicht so schwer ist, wie viele glauben, den Weg des Himmels zu betreten; die alleinige Schwierigkeit ist, der Selbstsucht und der Weltliebe widerstehen und sie zurückhalten zu können, daß sie nicht vorherrschen; denn aus ihnen entspringt alles Böse
235; daß es nicht so schwer ist, als man glaubt, wird verstanden unter den Worten des Herrn:

„Lernet von Mir, denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen; denn Mein Joch ist sanft, und Meine Last ist leicht“: Matth.11/29,30;

das Joch des Herrn ist sanft, und Seine Last ist leicht, weil der Mensch, inwieweit er dem aus der Selbst- und Weltliebe entspringenden Bösen widersteht, insoweit vom Herrn und nicht von sich selbst geführt wird, und der Herr hernach diesem beim Menschen widersteht, und es entfernt.

(360)
Ich sprach nach ihrem Tod mit einigen, die, als sie noch in der Welt lebten, der Welt entsagt und sich einem beinahe einsamen Leben ergeben hatten, um mittelst Abziehung der Gedanken von weltlichen Dingen frommen Betrachtungen obliegen zu können, indem sie glaubten, so den Weg des Himmels zu betreten; allein solche sind im anderen Leben von trauriger Gemütsart, sie verachten andere, die ihnen nicht ähnlich sind, sie sind ungehalten, daß ihnen nicht vorzugsweise vor anderen ein glückliches Los zuteil wird, indem sie es verdient zu haben glauben; sie bekümmern sich nicht um andere und wenden sich ab von den Dienstleistungen der Nächstenliebe, durch die eine Verbindung mit dem Himmel statthat; nach dem Himmel verlangen sie mehr als andere; werden sie aber dahin erhoben, wo die Engel sind, so führen sie Beängstigungen herbei, welche die Seligkeit der Engel stören, weshalb sie abgesondert werden, und sobald sie abgesondert sind, begeben sie sich an wüste Orte, um da ein ähnliches Leben wie in der Welt zu führen. Der Mensch kann nicht anders zum Himmel gebildet werden, als durch die Welt; in dieser sind die letzten Wirkungen, in die eines jeden Neigung sich endigen muß; sofern diese nicht in Handlungen ausläuft oder sich ergießt, was in Gesellschaft mehrerer geschieht, so erstickt sie, zuletzt so ganz, daß der Mensch seinen Blick nicht mehr auf den Nächsten, sondern bloß auf sich selber richtet; daraus erhellt, daß das Leben der tätigen Nächstenliebe, das darin besteht, daß man gerecht und recht handelt in jedem Werk und bei jeder Verrichtung, zum Himmel führt, nicht aber ein Leben der Frömmigkeit ohne sie
236; daß mithin die Übungen der Nächstenliebe und die davon abhängigen Fortschritte jenes Lebens nur insoweit statthaben können, als der Mensch in Verkehr mit anderen [in negotiis] ist, und inwieweit nicht statthaben, als er sich von diesem entfernt. Hiervon will ich nun aus Erfahrung reden: aus der Zahl derer, die in der Welt Kauf- und Handelsgeschäfte getrieben haben, und auch dadurch reich geworden sind, befinden sich viele im Himmel, wenigere aber von denen, die durch Ämter zu Ehrenstellen und Reichtümern gelangt sind; und dies darum, weil diese durch die Vorteile und Ehrenbezeugungen, die ihnen wegen der Verwaltung der Gerechtigkeit und des Rechts zukamen, sowie durch das Einkommen und die Ehrenstellen, die ihnen zuteil wurden, sich verleiten ließen, sich selbst und die Welt zu lieben und dadurch ihre Gedanken und Neigungen vom Himmel abzuwenden und sich selbst zuzukehren; denn inwieweit der Mensch sich selbst und die Welt liebt und in allen Dingen sich selbst und die Welt im Auge hat, insoweit entfremdet er sich dem Göttlichen und entfernt sich vom Himmel.

(361)
Das Los der Reichen im Himmel ist, daß sie mehr als die übrigen im Wohlstand sind; einige derselben wohnen in Palästen, in denen inwendig alles wie von Gold und Silber glänzt; sie haben Überfluß an allen Dingen, die zu den Zwecken des Lebens dienen; allein sie hängen ihr Herz nicht an dieselben, sondern an die Nutzzwecke selbst; diese sehen sie in Klarheit und wie im Licht, das Gold und Silber aber im Vergleich damit in Dunkelheit und wie im Schatten; der Grund hiervon ist, daß sie in der Welt die Nutzleistungen geliebt hatten, Gold und Silber aber nur als Mittel und dienstbares Werkzeug; die Nutzwirkungen selbst glänzen so im Himmel, das Gute der Nutzwirkung wie Gold, und das Wahre der Nutzwirkung wie Silber
237; je nach dem Nutzen, den sie in der Welt gestiftet, bestimmt sich auch ihr Reichtum und ihre Lust und Glückseligkeit. Gute Zwecke [Usus boni] sind: sich und die Seinigen mit den Notwendigkeiten des Lebens versehen, Überfluß haben wollen um des Vaterlandes und auch um des Nächsten willen, dem der Reiche vor dem Armen in vielerlei Weise wohltun kann; wie er denn auch so das Gemüt zurückziehen kann von dem untätigen Leben, das ein verderbliches Leben ist, weil in ihm der Mensch aus dem ihm eingepflanzten Bösen böse denkt. Diese Zwecke sind gut, inwieweit sie das Göttliche in sich haben, das heißt, inwieweit der Mensch sein Absehen auf das Göttliche und auf den Himmel hat und in sie sein Gutes setzt, in den Reichtümern aber nur das dazu dienende Gute [sieht].

(362)
Das Gegenteil aber ist das Los der Reichen, die das Göttliche nicht geglaubt und die Dinge des Himmels und der Kirche aus ihrem Gemüt verbannt haben, diese sind in der Hölle, wo Schmutz, Elend und Dürftigkeit ist; in dergleichen verwandeln sich Reichtümer, die als Endzweck geliebt werden; und nicht bloß die Reichtümer, sondern auch die Zwecke selbst [die man durch sie erreichen will], nämlich entweder seinem Hange nachleben und den Lüsten frönen, und üppiger und freier sich den Lastern hingeben, oder über andere, die man verachtet, sich erheben zu können; diese Reichtümer und dieser Gebrauch derselben gehen, weil sie nichts Geistiges, sondern nur Irdisches in sich haben, in Schmutz über; denn das Geistige in den Reichtümern und ihrer Anwendung ist wie die Seele im Körper, und wie das Himmelslicht in feuchtem Erdreich; sie gehen auch in Fäulnis über wie der Körper ohne die Seele, und wie das feuchte Erdreich ohne das Licht des Himmels; diese sind es, die der Reichtum verführt und vom Himmel abgezogen hat.

(363)
Jedem Menschen bleibt nach dem Tode seine Grundneigung oder herrschende Liebe; diese wird in Ewigkeit nicht ausgerottet, weil des Menschen Geist ganz so ist wie seine Liebe, und, was ein Geheimnis ist, eines jeden Geistes oder Engels Leib die äußere Gestaltung seiner Liebe ist, die der inneren Gestalt, nämlich derjenigen seiner Gesinnung und seines Gemütes, ganz entspricht; daher kommt, daß die Geister hinsichtlich ihrer Beschaffenheit an ihrem Angesicht, an ihren Gebärden und an ihrer Rede erkannt werden; und auch der Mensch würde, noch während er in der Welt lebt, seinem Geist nach erkannt werden, hätte er nicht gelernt, im Gesicht, in Gebärden und im Reden solches zu lügen, was nicht sein ist; daraus kann offenbar sein, daß der Mensch in Ewigkeit so bleibt, wie seine Grundneigung oder vorherrschende Liebe ist. Es wurde mir gegeben, mit einigen zu reden, die vor siebzehn Jahrhunderten gelebt hatten, und deren Leben aus den damals herausgekommenen Schriften bekannt ist, und es zeigte sich, daß ihre Liebe, wie sie dieselbe damals hatten, sie jetzt noch mit sich fortreißt. Daraus kann auch erhellen, daß seine Liebe zum Reichtum und der bestimmten Anwendung des Reichtums bei jedem in Ewigkeit bleibt und ganz so beschaffen ist, wie sie in der Welt sich gebildet hatte, mit dem Unterschied jedoch, daß die Reichtümer bei denen, welchen sie zu guten Zwecken gedient hatten, sich in Annehmlichkeiten je nach der Anwendung verwandeln, bei denen aber, denen dieselben zu bösen Zwecken gedient hatten, sich in Schmutz verkehren, an dem sie dann auch das gleiche Ergötzen haben, wie in der Welt an den Reichtümern um der schlimmen Zwecke willen; daß sie alsdann am Schmutz sich ergötzen, kommt daher, daß die schmutzigen Wollüste und die Schandtaten, wozu sie dieselben benützt hatten, sowie auch der Geiz, der eine Liebe zum Reichtum ohne Nutzzweck ist, dem Schmutz entsprechen; der geistige Schmutz ist kein anderer.

(364)
Arme kommen nicht in den Himmel der Armut wegen, sondern des Lebens wegen; einem jeglichen, er mag nun reich oder arm sein, folgt sein Leben nach; es gibt keine besondere Barmherzigkeit für den einen mehr als für den anderen
238; aufgenommen wird, wer einen guten Lebenswandel geführt, und verworfen wird, wer böse gelebt hat. Überdies wird der Mensch durch die Armut ebensosehr verführt und vom Himmel abgezogen, als durch den Reichtum; es gibt unter jenen sehr viele, die mit ihrem Los unzufrieden sind, die nach vielem trachten und Reichtümer für Segnungen halten239, und daher, wenn sie dieselben nicht erhalten, sich erzürnen und übel von der göttlichen Vorsehung denken; auch beneiden sie andere um ihre Güter; zudem betrügen sie auch andere ebensosehr, wenn sich Gelegenheit zeigt, und leben auch ebensosehr in schmutzigen Wollüsten. Anders freilich die Armen, die mit ihrem Lose zufrieden, emsig und fleißig in ihrem Geschäft sind und die Arbeit mehr als den Müßiggang lieben, die redlich und getreu handeln und zugleich dann ein christliches Leben führen. Ich sprach einige Male mit solchen, die aus dem Bauernvolk und aus der niederen Volksklasse waren und während ihres Lebens in der Welt an Gott geglaubt und in ihren Werken das Gerechte und Rechte getan hatten; weil diese ein Verlangen hatten, das Wahre zu erfahren, so fragten sie, was die tätige Liebe und was der Glaube sei; sie hatten nämlich in der Welt viel vom Glauben, im anderen Leben aber viel von der tätigen Liebe gehört; es wurde ihnen daher gesagt, die tätige Liebe sei alles, was zum Leben, und der Glaube alles, was zur Lehre gehört; mithin sei die tätige Liebe: das Gerechte und Rechte wollen und tun bei jeglichem Werk, der Glaube aber: gerecht und recht denken; und es verbinden sich der Glaube und die tätige Liebe wie die Lehre und das ihr gemäße Leben, oder wie der Gedanke und der Wille; und der Glaube werde zur tätigen Liebe, wenn der Mensch das, was er in gerechter und rechter Weise denkt, auch will und tut, und wenn dies geschehe, so seien sie nicht zwei, sondern eines; dies faßten sie ganz gut und freuten sich, indem sie sagten, sie hätten in der Welt nicht begriffen, daß das Glauben etwas anderes sein sollte als das Leben.

(365)
Hieraus kann nun offenbar sein, daß die Reichen ebensowohl als die Armen in den Himmel kommen, und der eine so leicht wie der andere. Daß man glaubt, die Armen kommen leicht und die Reichen schwer dahin, rührt daher, daß das Wort nicht verstanden wurde, wo es von Reichen und Armen spricht; unter den Reichen werden daselbst im geistigen Sinn diejenigen verstanden, die reich an Erkenntnissen des Guten und Wahren sind, somit solche, die innerhalb der Kirche sind, in der das Wort ist; und unter den Armen diejenigen, denen jene Erkenntnisse fehlen und die gleichwohl ein Verlangen nach denselben haben, somit solche, die außerhalb der Kirche sind, wo das Wort nicht ist. Unter dem Reichen, der sich in Purpur und Byssus kleidete und in die Hölle geworfen wurde, wird das jüdische Volk verstanden, das reich heißt, weil es das Wort hatte, und daher reich war an Erkenntnissen des Guten und Wahren; wirklich werden auch durch die Kleider von Purpur die Erkenntnisse des Guten, und durch die Kleider von Byssus die Erkenntnisse des Wahren bezeichnet
240; unter dem Armen aber, der auf dessen Vorplatz lag und ein Verlangen hatte, sich von den Brosamen zu sättigen, die von des Reichen Tische fielen, und der von den Engeln in den Himmel getragen wurde, werden die Heiden verstanden, welche die Erkenntnisse des Guten und Wahren nicht hatten und doch nach denselben sich sehnten: Luk.16/19-31. Unter den Reichen, die zum großen Abendmahl geladen wurden und sich entschuldigten, wird auch das jüdische Volk verstanden, und unter den Armen, die statt derselben eingeführt wurden, werden die Heiden verstanden, die außerhalb der Kirche sind: Luk.14/16-24. Welche es sind, die unter dem Reichen verstanden, von dem der Herr sagt:

„Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes komme“: Matth.19/24,

soll auch gesagt werden. Unter dem Reichen werden hier die Reichen in beiderlei Sinn, sowohl dem natürlichen, als dem geistigen, verstanden; die Reichen im natürlichen Sinn, welche Überfluß an Gütern haben und ihr Herz an diese hängen; im geistigen Sinn aber die, welche Überfluß an Erkenntnissen und Wissenschaften haben, denn diese sind geistige Reichtümer, und mittelst derselben wollen sie sich durch eigene Einsicht in die Dinge des Himmels und der Kirche einführen, und weil dieses gegen die göttliche Ordnung ist, so heißt es, es sei leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe; denn in diesem Sinn wird durch das Kamel das Erkennen und Wissen im allgemeinen, und durch das Nadelöhr das geistige Wahre bezeichnet241; daß unter dem Kamel und dem Nadelöhr diese Dinge verstanden werden, weiß man heutzutage nicht, weil bis daher die Wissenschaft nicht aufgeschlossen war, welche lehrt, was im geistigen Sinn bezeichnet wird durch die Dinge, die im buchstäblichen Sinn im Wort ausgedrückt sind; im einzelnen des Wortes ist nämlich ein geistiger und auch ein natürlicher Sinn; denn damit, nachdem die unmittelbare Verbindung aufgehört hat, noch eine Verbindung des Himmels mit der Welt oder der Engel mit den Menschen sein möchte, wurde das Wort in lauter Entsprechungen der natürlichen Dinge mit den geistigen geschrieben, woraus denn erhellt, welche es sind, die unter den Reichen in ihm insbesondere verstanden werden. Daß unter den Reichen im Wort im geistigen Sinn diejenigen verstanden werden, die in den Erkenntnissen des Wahren und Guten sind, und unter den Reichtümern die Erkenntnisse selbst, die auch wirklich geistige Reichtümer sind, kann aus verschiedenen Stellen in ihm erhellen, die man nachsehen mag, als: Jes.10/12-14; 30/6,7; 45/3; Jer.17/3; 47/7; 50/36,37; 51/13; Da.5/2-4; Ez. 26/7,12; Kap.27; Sach.9/3,4; Ps.45/13; Hos.12/9; Offb.3/17,18; Luk.14/33; und anderwärts, und daß unter den Armen im geistigen Sinn diejenigen bezeichnet werden, welche die Erkenntnisse des Guten und Wahren nicht haben und gleichwohl nach denselben sich sehnen, Matth.11/5; Luk.6/20,21; 14/21; Jes.14/30; 29/19; 41/17,18; Ze.3/12,13. Alle diese Stellen kann man nach dem geistigen Sinn ausgelegt sehen in den »Himmlischen Geheimnissen«, Nr. 10227.

(43)

VON DEN EHEN IM HIMMEL

(366)
Weil der Himmel aus dem menschlichen Geschlecht ist, und daher die Engel in ihm von beiderlei Geschlecht sind, und weil es von der Schöpfung her [so geordnet] ist, daß das Weib für den Mann und der Mann für das Weib sein, somit das eine dem anderen angehören soll, und weil beiden diese Liebe angeboren ist, so folgt, daß es in den Himmeln ebensowohl Ehen gibt, als auf Erden; allein die Ehen in den Himmeln sind sehr verschieden von den Ehen auf Erden. Wie nun die Ehen in den Himmeln beschaffen, worin sie von den Ehen auf Erden verschieden sind und worin sie übereinstimmen, soll in dem nun folgenden gesagt werden.

(367)
Die Ehe in den Himmeln ist eine Verbindung zweier zu einem Gemüt; wie diese Verbindung beschaffen sei, soll zuerst erklärt werden: das Gemüt besteht aus zwei Teilen, von denen der eine der Verstand, der andere der Wille heißt; wirken diese beiden Teile in Einheit zusammen, dann heißen sie ein Gemüt; der Mann ist dabei als derjenige Teil tätig, welcher der Verstand heißt, und das Weib als derjenige, welcher der Wille heißt; steigt diese Verbindung, welche die der inwendigen Gebiete ist, herab in die unteren Gebiete, welche die ihres Körpers sind, so wird sie als Liebe gefühlt und empfunden, und diese Liebe heißt die eheliche Liebe. Hieraus erhellt, daß die eheliche Liebe ihren Ursprung in der Verbindung zweier zu einem Gemüt hat; dies nennt man im Himmel ein Zusammenwohnen; und man sagt [dann], daß sie nicht zwei, sondern eines seien; weshalb die zwei Ehegatten im Himmel nicht zwei, sondern ein Engel genannt werden
242.

(368)
Daß auch eine solche Verbindung des Mannes und der Frau im Innersten, nämlich in dem der Gemüter statthabe, kommt von der Schöpfung selbst her; der Mann nämlich wird zum Verstandeswesen geboren, so daß er aus dem Verstand denkt, das Weib dagegen zum Willenswesen, so daß sie aus dem Willen denkt; was sich auch an der Hinneigung oder angeborenen Gemütsanlage eines jeden, sowie an der Gestalt herausstellt; an der Gemütsanlage, daß nämlich der Mann nach der Vernunft, das Weib aber nach dem Gefühl handelt; an der Gestalt, sofern der Mann eine strengere und minder schöne Gesichtsbildung, eine rauhere Sprache und einen derberen Körper, das Weib aber eine sanftere und schönere Gesichtsbildung, eine zartere Sprache und einen weicheren Körper hat; ein gleicher Unterschied ist zwischen dem Verstand und dem Willen, oder zwischen dem Gedanken und dem Gefühl; ein gleicher auch zwischen dem Wahren und dem Guten, und ein gleicher zwischen dem Glauben und der Liebe; denn das Wahre und der Glaube gehören dem Verstand, das Gute und die Liebe aber dem Willen an. Daher kommt, daß im Wort unter dem Jüngling und Mann im geistigen Sinn das Verständnis des Wahren, unter der Jungfrau und dem Weib aber das Gefühl für das Gute verstanden wird, sowie auch, daß die Kirche vom Gefühl für das Gute und Wahre Weib und auch Jungfrau heißt; ferner, daß alle die, welche im Gefühl für das Gute sind, Jungfrauen genannt werden, wie Offb.14/4
243.

(369)
Beide, sowohl der Mann als das Weib, haben Verstand und Willen, allein dennoch herrscht beim Mann der Verstand, und beim Weibe der Wille vor, und der Mensch verhält sich gemäß dem, was vorherrscht; bei den Ehen in den Himmeln aber ist gar kein Vorherrschen, denn der Wille des Weibes ist auch der des Mannes, und der Verstand des Mannes ist auch der des Weibes, weil das eine zu wollen und zu denken liebt wie das andere, somit in Gegenseitigkeit und Erwiderung; daher denn ihre Verbindung zu einem. Diese Verbindung ist ein wirkliches Verbundensein; denn der Wille des Weibes dringt in den Verstand des Mannes, und der Verstand des Mannes in den Willen des Weibes ein, und dies besonders, wenn sie einander anblicken; denn wie oben schon öfter gesagt worden, besteht in den Himmeln eine Mitteilung der Gedanken und Gefühle, mehr noch zwischen dem Gatten und der Gattin, weil sie sich gegenseitig lieben. Hieraus kann erhellen, von welcher Beschaffenheit die Verbindung der Gemüter ist, welche die Ehe macht und die eheliche Liebe hervorbringt in den Himmeln, daß sie nämlich darin besteht, daß das eine will, daß das seinige dem anderen gehöre, und so wechselseitig.

(370)
Es ist mir von den Engeln gesagt worden, daß inwieweit zwei Ehegatten in solcher Verbindung stehen, insoweit sie in der ehelichen Liebe und zugleich auch insoweit in der Einsicht, Weisheit und Glückseligkeit seien, und dies darum, weil das göttlich Wahre und das göttlich Gute, aus denen alle Einsicht, Weisheit und Glückseligkeit [kommt], vornehmlich in die eheliche Liebe einfließt, daß mithin die eheliche Liebe die eigentliche Grundlage des göttlichen Einflusses ist, weil sie zugleich eine Ehe des Wahren und Guten ist; denn wie sie eine Verbindung des Verstandes und Willens ist, so ist sie auch eine Verbindung des Wahren und Guten, da der Verstand das göttliche Wahre aufnimmt, auch aus den Wahrheiten sich bildet, und der Wille das göttliche Gute aufnimmt, und auch durch das Gute sich bildet; denn was der Mensch will, das ist ihm Gutes, und was er einsieht, das ist ihm Wahres; daher kommt, daß es einerlei ist, ob man sagt, eine Verbindung des Verstandes und Willens, oder ob man sagt, eine Verbindung des Wahren und Guten. Die Verbindung des Wahren und Guten macht den Engel, und auch seine Einsicht, Weisheit und Seligkeit; denn der Engel ist so, wie bei ihm das Gute mit dem Wahren und das Wahre mit dem Guten verbunden ist, oder, was dasselbe ist, der Engel ist so, wie bei ihm die Liebe mit dem Glauben und der Glaube mit der Liebe verbunden ist.

(371)
Daß das vom Herrn ausgehende Göttliche hauptsächlich in die eheliche Liebe einfließt, hat seinen Grund darin, daß die eheliche Liebe aus der Verbindung des Guten und Wahren hervorgeht [descendit]; denn, wie oben gesagt worden, ob man sagt, eine Verbindung des Verstandes und Willens, oder eine Verbindung des Guten und Wahren ist gleichviel; die Verbindung des Guten und Wahren hat ihren Ursprung in der göttlichen Liebe des Herrn zu allen, die in den Himmeln und auf Erden sind; aus der göttlichen Liebe geht das göttliche Gute hervor, und das göttliche Gute wird von den Engeln und von den Menschen in den göttlichen Wahrheiten aufgenommen; das alleinige Aufnahmegefäß des Guten ist das Wahre, weshalb von keinem, der nicht in den Wahrheiten ist, etwas vom Herrn und aus dem Himmel aufgenommen werden kann; inwieweit daher die Wahrheiten beim Menschen verbunden sind mit dem Guten, insoweit ist der Mensch mit dem Herrn und mit dem Himmel verbunden; daher kommt nun der eigentliche Ursprung der ehelichen Liebe, weshalb diese die eigentliche Grundlage des göttlichen Einflusses ist. Daher rührt, daß die Verbindung des Guten und Wahren in den Himmeln die himmlische Ehe heißt, und daß der Himmel im Wort mit der Ehe verglichen und auch Ehe genannt wird, und daß der Herr der Bräutigam und Mann, der Himmel mit der Kirche aber die Braut und auch das Weib heißt
244.

(372)
Das Gute und das Wahre sind, wenn beim Engel und dem Menschen verbunden, nicht zwei, sondern eines, weil alsdann das Gute dem Wahren, und das Wahre dem Guten angehört; mit dieser Verbindung verhält es sich, wie wenn der Mensch denkt was er will, und will was er denkt, alsdann machen der Gedanke und der Wille eines aus, ja ein Gemüt; denn der Gedanke bildet oder stellt in einer Gestalt dar, was der Wille will, und der Wille macht es zur Lust [jucundat id]; daher kommt auch, daß im Himmel zwei Ehegatten nicht zwei, sondern ein Engel heißen. Dies ist es auch, was verstanden wird unter den Worten des Herrn:

„Habt ihr nicht gelesen, daß der Schöpfer von Anfang sie Mann und Weib schuf und sprach: Um dessentwillen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen, und seinem Weib anhangen, und es werden die zwei ein Fleisch sein, weshalb sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch sind; was nun Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen; nicht alle fassen dieses Wort, sondern die, denen es gegeben ist“: Matth.19/4-6,11; Mark.10/6-9; 1Mo.2/24;

hier wird die himmlische Ehe beschrieben, in der die Engel sind, und zugleich die Ehe des Guten und Wahren; und darunter, daß der Mensch nicht trennen soll, was Gott verbunden hat, wird verstanden, daß das Gute nicht vom Wahren getrennt werden soll.

(373)
Hieraus kann man nun sehen, woher die wahre eheliche Liebe kommt, daß sie nämlich zuerst gebildet wird in den Gemütern derer, die in der Ehe sind; und daß sie hernach herabsteigt und weitergeleitet wird in den Körper und hier gefühlt und empfunden wird als Liebe; denn alles, was im Körper empfunden und gefühlt wird, hat seinen Ursprung aus dessen Geistigem, weil aus dem Verstand und Willen; Verstand und Wille machen den geistigen Menschen aus; alles, was vom geistigen Menschen in den Körper niedersteigt, das stellt sich in diesem in anderer Gestalt dar, ist aber gleichwohl ähnlich und übereinstimmend [unanimum], wie Seele und Leib, und wie die Ursache und die Wirkung, wie dies erhellen kann aus dem, was in den beiden Abschnitten von den Entsprechungen gesagt und gezeigt worden ist.

(374)
Ich hörte einen Engel die wahrhaft eheliche Liebe und ihre himmlischen Freuden in folgender Weise schildern: Sie sei das Göttliche des Herrn in den Himmeln, welches das göttliche Gute und das göttliche Wahre ist, in zweien so vereint, daß sie nicht zwei, sondern eines sind; er sagte, zwei Gatten im Himmel seien diese Liebe, weil jeder sein Gutes und sein Wahres ist, sowohl hinsichtlich des Gemütes, als des Leibes; denn der Leib ist das Nachbild [effigies] des Gemütes, weil er nach Art desselben gebildet ist; er zog daraus den Schluß, daß das Göttliche abgebildet sei in zweien, die in wahrhaft ehelicher Liebe sind, und weil das Göttliche, sei auch nachgebildet der Himmel, da der gesamte Himmel das vom Herrn ausgehende göttliche Gute und göttliche Wahre ist, und daher komme, daß alles, was zum Himmel gehört, und so viele Seligkeiten und Wonnen, daß keine Zahl sie erreiche, dieser Liebe eingeschrieben sind; er drückte diese Zahl aus durch ein Wort, das Myriaden von Myriaden in sich schließt; er wunderte sich, daß der Mensch der Kirche nichts davon weiß, während doch die Kirche der Himmel des Herrn auf Erden, und der Himmel die Ehe des Guten und Wahren ist; er staune, sagte er, wenn er denke, daß innerhalb der Kirche mehr Ehebrüche begangen und sogar gerechtfertigt werden, als außerhalb derselben, während doch der Lustreiz derselben an sich im geistigen Sinn und daher auch in der geistigen Welt nichts anderes sei, als die Lust an dem mit dem Bösen verbunden Falschen, welche Lust eine höllische ist, weil völlig entgegengesetzt der Lust des Himmels, welche die Lust der Liebe des mit dem Guten verbunden Wahren ist.

(375)
Ein jeder weiß, daß zwei Ehegatten, die sich lieben, innerlich vereinigt sind, und daß das Wesentliche der Ehe die Vereinigung der Seelen oder Gemüter ist, woraus er auch wissen kann, daß je wie die Seelen oder Gemüter in sich sind, so auch die Vereinigung und so auch ihre Liebe zueinander beschaffen ist; das Gemüt bildet sich einzig aus Wahrem und Gutem; denn alles, was im Weltall ist, bezieht sich auf das Gute und Wahre und auch auf ihre Vereinigung zurück, weshalb die Vereinigung der Gemüter ganz so ist wie die Wahrheiten und das Gute, aus denen sie gebildet sind, daß also die Vereinigung der Gemüter, die aus dem echten Wahren und Guten gebildet sind, die vollkommenste ist. Man muß wissen, daß nichts sich gegenseitig mehr liebt als das Wahre und Gute, weshalb aus dieser Liebe die wahrhaft eheliche Liebe niedersteigt
245; zwar lieben sich auch das Falsche und das Böse, allein diese Liebe verwandelt sich nachher in eine Hölle.

(376)
Aus dem, was nun vom Ursprung der ehelichen Liebe gesagt worden ist, läßt sich schließen, wer in der ehelichen Liebe ist, und wer nicht in ihr: daß nämlich in der ehelichen Liebe diejenigen sind, die aus den göttlichen Wahrheiten im göttlichen Guten sind, und daß die eheliche Liebe insoweit echter Art ist, als die Wahrheiten, die mit dem Guten verbunden werden, mehr echter Art sind, und weil alles Gute, das mit den Wahrheiten verbunden wird, vom Herrn ist, so folgt, daß niemand in der wahrhaft ehelichen Liebe sein kann, sofern er nicht den Herrn und Sein Göttliches anerkennt, denn ohne diese Anerkennung kann der Herr keinen Einfluß haben, noch mit den Wahrheiten, die beim Menschen sind, verbunden werden.

(377)
Hieraus erhellt, daß in der ehelichen Liebe diejenigen nicht sind, die sich im Falschen befinden, und ganz und gar nicht die, so im Falschen aus dem Bösen sind; bei denjenigen, die im Bösen und aus diesem im Falschen sind, ist auch das Inwendige, das Gebiet des Gemütes, verschlossen, weshalb es in diesem keinerlei Ursprung der ehelichen Liebe geben kann, sondern unterhalb desselben in dem von inneren getrennten äußeren oder natürlichen Menschen findet eine Verbindung des Falschen und Bösen statt, die eine höllische Ehe heißt; sie reden miteinander, und verbinden sich auch aus Lüsternheit, inwendig aber brennen sie von tödlichem Haß widereinander, der so groß ist, daß er nicht beschrieben werden kann.

(378)
Es gibt auch keine eheliche Liebe zwischen zweien, die von verschiedener Religion sind, weil das Wahre des einen nicht mit dem Guten des anderen zusammenstimmt, zwei ungleiche und mißhellige [Ansichten] aber nicht aus zweien ein Gemüt machen können, weshalb der Ursprung ihrer Liebe gar nichts vom Geistigen an sich hat; leben sie auch zusammen und vertragen sich, so geschieht es bloß aus natürlichen Ursachen
246. Aus diesem Grund werden im Himmel die Ehen mit solchen geschlossen, die in derselben Gesellschaft sind, weil sie in gleichem Guten und Wahren sind, nicht aber mit solchen, die außerhalb der Gesellschaft sind; daß alle, die in derselben Gesellschaft sind, in gleichem Guten und Wahren stehen, und sich von denen, die außerhalb derselben sind, unterscheiden, sehe man Nr. 41f; dies wurde auch beim israelitischen Volk dadurch vorgebildet, daß Ehen innerhalb der Stämme, und insbesondere innerhalb der Familien und nicht außerhalb derselben eingegangen wurden.

(379)
Wahrhaft eheliche Liebe ist auch nicht möglich zwischen einem Mann und mehreren Frauen; denn dies Verhältnis zerstört ihren geistigen Ursprung, der darin besteht, daß aus zweien ein Gemüt gebildet wird, mithin zerstört es die inwendige Verbindung, nämlich die des Guten und Wahren, die diejenige ist, aus der das eigentliche Wesen dieser Liebe stammt; die Ehe mit mehr als einer ist wie ein in mehrere Willen geteilter Verstand, und wie ein Mensch, der nicht einer, sondern mehreren Kirchen zugetan ist, wo dann sein Glaube so zerrissen wird, daß er zuletzt keiner mehr ist. Die Engel sagen, mehrere Weiber nehmen sei ganz und gar gegen die göttliche Ordnung; und sie hätten sich hiervon durch mehrere Gründe, und dann auch dadurch überzeugt, daß sie, sobald sie nur an die Ehe mit mehreren dächten, alsbald der inneren Seligkeit und himmlischen Wonne entfremdet, und alsdann wie betrunken würden, weil bei ihnen das Gute von seinem Wahren abgetrennt werde; und weil das Inwendige, das Gebiet ihres Gemüts, schon beim bloßen Gedanken daran, verbunden mit einiger Hinneigung dazu, in solchen Zustand komme, so erkennen sie deutlich, daß die Ehe mit mehr als einer ihr Inneres verschließe und mache, daß statt der ehelichen Liebe die Liebe der rohen Lust [lasciviae] sich einschleicht, welche Liebe vom Himmel abführe
247. Sie sagen ferner, der Mensch begreife dies nur schwer, weil es nur wenige gebe, die in der wahrhaft ehelichen Liebe sind, und die, welche nicht in ihr sind, ganz und gar nichts wissen von der inwendigen Lust, die in dieser Liebe ist, sondern bloß von der Lust der Zügellosigkeit [lasciviae], welche Lust nach kurzer Beiwohnung sich in Unlust verkehre, wogegen die Lust [jucundum] der wahrhaft ehelichen Liebe nicht bloß bis ins späte Alter in der Welt fortdaure, sondern auch zur Himmelslust nach dem Tode werde, und dann mit inwendiger Wonne sich erfülle, die in Ewigkeit fort sich vervollkommne. Sie sagten auch, es können der Seligkeiten der wahrhaft ehelichen Liebe viele Tausende aufgezählt werden, von denen dem Menschen auch nicht eine bekannt sei, noch mit dem Verstand von jemand erfaßt werden können, der nicht in der Ehe des Guten und Wahren vom Herrn ist.

(380)
Die Sucht eines Ehegatten, den anderen zu beherrschen, hebt die eheliche Liebe und ihre himmlische Wonne völlig auf, denn, wie oben gesagt worden, die eheliche Liebe und ihre Wonne besteht darin, daß des einen Wille der des anderen ist, und dies gegenseitig und in Erwiderung; diese nun wird durch die Herrschsucht in der Ehe zerstört, denn der Herrschende will, daß sein Wille allein im anderen gelte, und umgekehrt der des anderen in ihm keine Geltung habe, somit keine Gegenseitigkeit da sei und folglich auch keine Mitteilung irgendeiner Liebe und ihrer Lust am anderen, und umgekehrt; während doch die Mitteilung und die aus ihr hervorgehende Verbindung die eigentliche inwendige Wonne, die Seligkeit heißt, in der Ehe ist; die Liebe zum Herrschen löscht diese Seligkeit und mit ihr alles Himmlische und Geistige dieser Liebe gänzlich aus, so sehr, daß man gar nicht weiß, daß es so etwas gibt, und man es, wenn es genannt würde, für so geringfügig hielte, daß man schon bei der bloßen Erwähnung dieser Seligkeit auflachen oder sich erzürnen würde. Wenn der eine dasselbe will oder liebt, was der andere, so stehen beide in der Freiheit; denn alle Freiheit gehört der Liebe an, wo hingegen Herrschaft ist, da hat keiner Freiheit; der eine ist Sklave, auch der Herrschende ist es, weil er von der Herrschbegierde als Sklave geführt wird; allein dies begreift ganz und gar nicht, wer nicht weiß, was die Freiheit der himmlischen Liebe ist; dennoch aber kann man aus dem, was oben vom Ursprung und Wesen der ehelichen Liebe gesagt worden ist, wissen, daß inwieweit das Herrschen eintritt, insoweit die Gemüter nicht verbunden, sondern geteilt werden; die Herrschaft unterjocht, und das unterjochte Gemüt hat entweder keinen Willen, oder es hat einen entgegengesetzten Willen; hat es keinen Willen, so hat es auch keine Liebe; hat es einen entgegengesetzten Willen, so ist Haß statt der Liebe da. Das Inwendige derer, die in solcher Ehe leben, steht in gegenseitigem Zusammenstoß und Kampf, wie dies bei zwei einander widerstreitenden [Kräften] der Fall ist, wie sehr auch das Auswendige zurückgehalten und beschwichtigt wird um der Ruhe willen; der Zusammenstoß und Kampf ihres Inwendigen offenbart sich nach ihrem Tod; sie kommen meistens zusammen und kämpfen dann miteinander wie Feinde und zerfleischen sich gegenseitig; denn sie handeln alsdann gemäß dem Zustand ihres Inwendigen; ihre Kämpfe und Zerfleischungen sind mir einige Male zu sehen gegeben worden, und bei einigen waren sie voll Rachsucht und Wut; denn im anderen Leben wird das Inwendige eines jeden in Freiheit gesetzt und nicht mehr aus Rücksichten, wie sie in der Welt vorliegen, durch Äußeres im Zaum gehalten, weil alsdann jeder so ist, wie er inwendige beschaffen ist.

(381)
Es gibt bei einigen etwas der ehelichen Liebe Ähnlichscheinendes, ist aber gleichwohl nicht eheliche Liebe, wenn sie nicht in der Liebe zum Guten und Wahren sind; es ist etwas, das den Schein der ehelichen Liebe annimmt aus mehreren Ursachen, als: um zu Hause bedient zu werden, um in Sicherheit oder in Ruhe oder in Gemächlichkeit leben zu können, oder um in kranken Tagen und im Alter Pflege zu haben, oder aus Sorge für ihre Kinder, die sie lieben; einige tun sich Zwang an aus Furcht vor dem Gatten, für ihren Ruf, vor üblen Folgen; einige bringt die Sinnlichkeit dazu. Die eheliche Liebe ist auch verschieden bei den Gatten: bei dem einen kann sich mehr oder weniger von ihr finden, bei dem anderen wenig oder gar keine; und weil sie verschieden ist, kann der eine den Himmel, der andere die Hölle haben.

382a. Die echte eheliche Liebe ist im innersten Himmel, weil die Engel daselbst in der Ehe des Guten und Wahren sind und auch in der Unschuld; die Engel der unteren Himmel sind auch in der ehelichen Liebe, jedoch in dem Maß, als sie in der Unschuld sind; denn die eheliche Liebe ist an sich betrachtet der Zustand der Unschuld, weshalb zwischen Gatten, die sich in der ehelichen Liebe befinden, himmlische Wonnen sind; vor ihren Seelen bewegen sich beinahe die gleichen Spiele der Kindlichkeit wie zwischen Kindern; denn alles erfreut ihre Gemüter, weil der Himmel mit seiner Freude in die Einzelheiten ihres Lebens einfließt, weshalb im Himmel die eheliche Liebe durch die schönsten Dinge vorgebildet wird; ich sah sie vorgebildet durch eine Jungfrau von unaussprechlicher Schönheit, umgeben mit einer glänzend weißen Wolke; es wurde gesagt, von der ehelichen Liebe hätten die Engel all ihre Schönheit; die aus ihr kommenden Gefühle und Gedanken werden vorgebildet durch Lüfte, die in Diamantenglanz schimmern und wie von Pyropen und Rubinen funkeln, und dies mit Wonnen, die das Inwendige der Gemüter ergreifen. Mit einem Wort, in der ehelichen Liebe stellt sich der Himmel dar, weil der Himmel bei den Engeln die Verbindung des Guten und Wahren ist und diese Verbindung die eheliche Liebe hervorbringt.

382b. Die Ehen in den Himmeln unterscheiden sich von den Ehen auf Erden darin, daß die Ehen auf Erden noch weiter der Erzeugung der Nachkommenschaft wegen da sind, nicht aber die in den Himmeln; statt jener Erzeugung ist in den Himmeln die Erzeugung des Guten und Wahren; diese Erzeugung tritt darum an die Stelle von jener, weil, wie oben gezeigt worden, ihre Ehe die Ehe des Guten und Wahren ist, und in dieser Ehe das Gute und Wahre und deren Vereinigung über alles geliebt wird; weshalb es diese sind, die durch die Ehen in den Himmeln fortgepflanzt werden; daher kommt, daß durch die Geburten und Zeugungen im Wort geistige Geburten und Zeugungen, welche die des Guten und Wahren sind, bezeichnet werden, durch die Mutter und den Vater das mit dem Guten verbundenen Wahre, welches erzeugt, durch die Söhne und Töchter die Wahrheiten und das Gute, die erzeugt werden, und durch die Schwiegersöhne und Schwiegertöchter deren Verbindungen und so weiter248. Hieraus erhellt, daß die Ehen in den Himmeln nicht sind wie die Ehen auf Erden; in den Himmeln sind sie geistige Vermählungen, die nicht Heiraten zu nennen sind, sondern Verbindungen der Gemüter infolge der Ehe des Guten und Wahren, auf Erden aber sind sie Heiraten, weil sie nicht nur den Geist, sondern auch das Fleisch angehen; und weil sie in den Himmel nicht Heiraten sind, so werden die zwei Gatten daselbst nicht Mann und Frau [maritus et uxor] genannt, sondern es wird infolge der engelischen Idee der Verbindung zweier Gemüter in eines der Gatte des anderen mit einem Wort benannt, das dessen Gegenseitiges in Rückwirkung [suum mutuum vicissim] ausdrückt. Hieraus kann man ersehen, wie die Worte des Herrn über die Heiraten, Luk. 20/35,36, zu verstehen sind.

(383)
Wie die Ehen im Himmel geschlossen werden, ist [mir] auch zu sehen gegeben worden; allenthalben im Himmel werden Ähnliche einander beigesellt, Unähnliche aber voneinander getrennt, daher jede Gesellschaft des Himmels aus Ähnlichen besteht; Ähnliche werden mit Ähnlichen zusammengeführt, nicht aus ihnen selbst, sondern aus dem Herrn (man sehe Nr. 41, 43, 44f), in gleicher Weise die Gatten
249, [solche nämlich,] deren Gemüter in eines verbunden werden können, weshalb sie schon beim ersten Anblick einander innigst lieben und sich als Gatten ansehen und eine Ehe eingehen; daher kommt, daß alle Ehen des Himmels allein vom Herrn kommen; sie feiern auch ein Fest, das in Beisein vieler statthat; die Festlichkeiten sind in den Gesellschaften verschieden.

(384)
Weil die Ehen auf Erden die Pflanzschulen des menschlichen Geschlechts und auch der Engel des Himmels sind, (denn wie oben in seinem Abschnitt gezeigt worden ist, ist der Himmel aus dem menschlichen Geschlecht,) dann auch, weil sie aus geistigem Ursprung, nämlich aus der Ehe des Guten und Wahren sind, und das Göttliche des Herrn vornehmlich in diese Liebe einfließt: so sind sie in den Augen der Engel des Himmels höchst heilig; und umgekehrt werden die Ehebrüche, weil sie der ehelichen Liebe entgegengesetzt sind, von ihnen als gottlos [profana] angesehen; denn wie die Engel in den Ehen die Ehe des Guten und Wahren, welche der Himmel ist, erblicken, so erblicken sie in den Ehebrüchen die Ehe des Falschen und Bösen, welche die Hölle ist, weshalb sie denn auch, sobald sie den Ehebruch nur nennen hören, sich wegwenden, worin auch die Ursache liegt, daß dem Menschen, wenn er den Ehebruch mit Lust begeht, der Himmel verschlossen wird, nach dessen Verschließung er das Göttliche nicht mehr anerkennt, noch etwas vom Glauben der Kirche
250. Daß alle, die sich in der Hölle befinden, wider die eheliche Liebe sind, ward [mir] durch die Wallung [sphaera] zu empfinden gegeben, die von da ausdünstete und wie ein fortwährendes Streben war, die Ehen zu zerreißen und zu verletzen; daraus erhellt, daß die in der Hölle herrschende Lust die Lust des Ehebruches ist, und daß die Lust des Ehebruches auch die Lust ist, die Verbindung des Guten und Wahren zu zerstören, welche Verbindung den Himmel ausmacht, woraus folgt, daß die Lust des Ehebruches eine höllische Lust ist, völlig entgegengesetzt der Lust der Ehe, die eine himmlische Lust ist.

(385)
Es waren gewisse Geister, die infolge einer im Leben angenommenen Gewohnheit mich mit besonderer Gewandtheit anfochten, und zwar mittelst eines ganz gelinden, gleichsam wellenförmig sich fortbewegenden Einfließens, wie es von gutgesinnten Geistern zu kommen pflegt; [ich] ward jedoch inne, daß Arglist und dergleichen in ihnen steckte, [mich] zu fangen und zu hintergehen; endlich sprach ich mit einem von ihnen, der, wie mir gesagt ward, als er noch in der Welt lebte, Heerführer gewesen war; und weil ich wahrnahm, daß in seinen Denkbildern etwas Unzüchtiges [lascivum] war, sprach ich mit ihm über die Ehe in geistiger, mit Vorbildlichem verbundener Rede, welche die Gedanken vollständig und in einem Augeblick mehrere ausdrückt; er sagte, er habe bei Leibesleben die Ehebrüche wie nichts geachtet; allein es wurde [mir] gegeben, ihm zu sagen, die Ehebrüche seien Verruchtheiten, obgleich sie Leuten solcher Art infolge der Lust, die sie begierig einsogen, und der aus dieser kommenden Selbstberedung nicht als solche, ja wohl gar als erlaubt erscheinen, was er auch schon daraus wissen könne, daß ja die Ehen die Pflanzschulen des menschlichen Geschlechtes und somit auch die Pflanzschulen des himmlischen Reiches seien, und darum in keiner Weise verletzt, sondern heilig gehalten werden sollen; dann auch daraus, daß er, da er im anderen Leben und im Zustand des Bewußtseins [perceptionis] sei, wissen müsse, daß die eheliche Liebe vom Herrn durch den Himmel herniedersteigt, und daß von dieser Liebe, als der Erzeugerin, die gegenseitige Liebe herstammt, welche die Grundfeste des Himmels ist; sowie daraus, daß die Ehebrecher, sobald sie sich den himmlischen Gesellschaften nähern, ihren eigenen Gestank riechen und sich infolgedessen gegen die Hölle hinabstürzen; zum wenigsten hätte er wissen können, daß die Verletzung der Ehen wider die göttlichen Gesetze und wider die bürgerlichen Gesetze aller Reiche, und dann auch, weil sowohl gegen göttliche als menschliche Ordnung, wider das echte Vernunftlicht ist, und dergleichen mehr; er erwiderte aber, dergleichen habe er bei Leibesleben nicht bedacht; er wollte vernünfteln, ob es so sei; allein es ward ihm bemerkt, die Wahrheit lasse keine Vernünfteleien zu, denn diese nehmen die Lustreize, somit das Böse und Falsche in Schutz, und er müsse erst über das, was gesagt worden, nachdenken, weil es Wahrheit sei; oder auch aus dem in der Welt allbekannten Grundsatz, daß niemand dem anderen tun soll, was er nicht will, daß der andere ihm tue; und wenn demnach jemand seine Gattin, die er geliebt hatte (was zu Anfang jeder Ehe geschieht), in solcher Weise weggefangen, und er dann im Zustand der Entrüstung darüber sich befunden, und in diesem Zustand sich ausgesprochen hätte, ob dann nicht auch er die Ehebrüche verabscheut, und sofort, bei seinem guten Kopf, sich mehr als andere wider dieselben bestärkt, ja sie zur Hölle verdammt haben würde.

(386)
Es ward mir gezeigt, wie die Freuden der ehelichen Liebe zum Himmel fortschreiten, und die Lustreize des Ehebruchs zur Hölle; die Fortbewegung der Freuden der ehelichen Liebe gegen den Himmel ging in immer mehr Seligkeiten und Wonnen bis zu zahllosen und unaussprechlichen hinein, und je tiefer [sie eindrang], in desto zahllosere und unaussprechlichere, bis zu den eigentlichen des innersten Himmels oder des Himmels der Unschuld, und zwar dies in der höchsten Freiheit; denn alle Freiheit stammt aus der Liebe, somit die höchste Freiheit aus der ehelichen Liebe, welche die himmlische Liebe selbst ist. Die Fortbewegung des Ehebruchs aber ging gegen die Hölle, und zwar stufenweise bis zur untersten, wo nichts als Schreckliches und Schauderhaftes ist; ein solches Los erwartet die Ehebrecher nach ihrem Leben in der Welt. Unter Ehebrechern werden diejenigen verstanden, die Lust in den Ehebrüchen und Unlust in den Ehen empfinden.

(44)

VON DEN VERRICHTUNGEN
DER ENGEL IM HIMMEL

(387)
Die Verrichtungen in den Himmeln können nicht aufgezählt, noch im besonderen beschrieben, sondern es kann bloß im allgemeinen etwas darüber gesagt werden; denn sie sind unzählig, und auch je nach den Obliegenheiten der Gesellschaften verschieden; denn wie die Gesellschaften abgeteilt sind, je nach ihrem Guten (man sehe Nr. 41), so sind sie es auch nach den Nutzleistungen, weil das Gute bei allen in den Himmeln Gutes in Handlung, und dieses Nutzleistung ist. Jeder schafft dort Nutzen, denn das Reich des Herrn ist ein Reich der Nutzwirkungen
251.

(388)
Es gibt in den Himmeln, wie auf Erden, vielerlei Verwaltungen; denn es gibt kirchliche, es gibt bürgerliche und es gibt häusliche Angelegenheiten; daß es kirchliche Angelegenheiten gibt, erhellt aus dem, was Nr. 221-227 vom Gottesdienst gesagt und gezeigt worden ist; daß es bürgerliche gibt, aus dem, was von den Regierungen im Himmel, Nr. 213-220; und daß es häusliche gibt, aus dem, was von den Wohnungen und Heimstätten der Engel, Nr. 183-190, und von den Ehen im Himmel, Nr. 366-386 [gesagt und gezeigt worden ist]; hieraus erhellt, daß es der Verrichtungen und Verwaltungen innerhalb jeder himmlischen Gesellschaft mancherlei gibt.

(389)
Alles in den Himmeln ist der göttlichen Ordnung gemäß eingerichtet, welche allenthalben überwacht wird durch die Verwaltungen von seiten der Engel, von den Weiseren die Dinge, die das allgemeine Beste und den gemeinen Nutzen, von den minder Weisen diejenigen, die das Wohl eines engeren Kreises betreffen, und so weiter herab; diese [Dinge] sind einander untergeordnet, ganz so wie in der göttlichen Ordnung die Nutzwirkungen einander untergeordnet sind; daher ist mit jeder Dienstverrichtung auch Würde je nach der Würde der Nutzleistung verknüpft; gleichwohl jedoch eignet der Engel nicht sich die Würde zu, sondern gibt sie ganz der Nutzwirkung; und weil die Nutzwirkung das Gute ist, das er leistet, und alles Gute vom Herrn kommt, so gibt er sie ganz dem Herrn; wer daher an Ehre für sich und dann erst an die für die Nutzwirkung, nicht aber zuerst an die für die Nutzwirkung und von da aus an die für sich denkt, der kann im Himmel gar kein Amt verwalten, weil er den Blick rückwärts vom Herrn zuerst auf sich und dann erst auf die Nutzleistung richtet; wenn die Nutzleistung genannt wird, so wird auch der Herr verstanden, weil, wie schon oben gesagt worden, die Nutzleistung das Gute ist, und das Gute vom Herrn kommt.

(390)
Hieraus kann man nun schließen, welcherlei die Unterordnungen in den Himmeln sind, daß nämlich jeder in dem Maß, als er die Nutzleistung liebt, achtet und ehrt, so auch die Person, an die jene Nutzleistung geknüpft ist, liebt, achtet und ehrt; und dann auch, daß die Person insoweit geliebt, geachtet und geehrt wird, als sie die Nutzleistung nicht sich, sondern dem Herrn zuschreibt; denn insoweit ist sie weise, und insoweit leistet sie die Nutzwirkungen, die sie hervorbringt, aus dem Guten; die geistige Liebe, Achtung und Ehre ist nichts anders als die Liebe, Achtung und Ehre der Nutzleistung in der Person und die Ehre der Person von der Nutzleistung her und nicht die der Nutzleistung von der Person her: wer die Menschen aus dem geistig Wahren würdigt, der würdigt sie auch nicht anders; denn er sieht, daß ein Mensch dem anderen gleich ist, er mag nun in hoher Würde oder in niedriger stehen, und daß der Unterschied nur in der Weisheit liegt, und die Weisheit ist, die Nutzstiftung lieben, sowie das Beste des Mitbürgers, der Gesellschaft, des Vaterlandes und der Kirche. Hierin besteht auch die Liebe zum Herrn, weil vom Herrn alles Gute kommt, das Gutes der Nutzleistung ist; und auch die Liebe zum Nächsten, weil der Nächste das Gute ist, das man im Mitbürger, in der Gesellschaft, im Vaterland und in der Kirche lieben und diesen erweisen soll
252.

(391)
Alle Gesellschaften in den Himmeln sind nach den Nutzleistungen abgeteilt, weil sie, wie Nr. 41f gesagt worden, nach dem Guten abgeteilt sind, und das Gute werktätiges Gute oder Gutes der Liebtätigkeit, dieses aber Nutzleistung ist; es gibt Gesellschaften, deren Verrichtungen in der Pflege der Kinder bestehet; es gibt andere Gesellschaften, deren Verrichtungen sind dieselben, wenn sie heranwachsen, zu unterrichten und zu erziehen; es gibt andere, die Knaben und Mädchen, die infolge ihrer Erziehung in der Welt guter Art sind und daher in den Himmel kommen, in gleicher Weise unterrichten und erziehen; es gibt andere, welche die einfältig Guten aus der Christenheit lehren und sie auf den Weg zum Himmel leiten; es gibt andere, die in gleicher Art die mancherlei Heidenvölker [unterweisen]; es gibt andere, welche die Geisterneulinge, diejenigen nämlich, die frisch von der Welt herkommen, vor den Anfechtungen von seiten böser Geister beschützen; es gibt auch solche, die denen, die sich in der unteren Erde befinden, beistehen; und auch solche, die bei den in den Höllen Befindlichen sind und sie im Zaum halten, damit sie nicht über die vorgeschriebenen Grenzen hinaus einander peinigen; auch gibt es solche, die denen beistehen, die von den Toten auferweckt werden. Überhaupt werden Engel von jeder Gesellschaft zu den Menschen gesandt, sie zu behüten und sie von bösen Neigungen und den aus diesen kommenden Gedanken abzulenken, um ihnen, soviel sie deren mit Freiheit annehmen, gute Neigungen einzuflößen, durch die sie dann auch der Menschen Taten oder Werke in der Art leiten, daß sie, soweit es möglich ist, die bösen Absichten entfernen; die Engel wohnen, wenn sie bei den Menschen sind, gleichsam in deren Neigungen und insoweit in der Nähe des Menschen, als er im Guten aus den Wahrheiten ist, entfernter aber, inwieweit sein Leben davon entfernt ist
253. Allein alle diese Verrichtungen der Engel sind Verrichtungen des Herrn durch die Engel; denn die Engel unterziehen sich denselben nicht aus sich, sondern aus dem Herrn; daher kommt, daß unter den Engeln im Wort in dessen inneren Sinn nicht Engel, sondern etwas vom Herrn verstanden wird; und daher kommt auch, daß die Engel im Wort Götter genannt werden254.

(392)
Diese Verrichtungen der Engel sind ihre gemeinsamen Verrichtungen; allein jeder hat noch ein ihm besonders zugeteiltes Gebiet; denn jede gemeinsame Nutzleistung setzt sich zusammen aus unzähligen, welche vermittelnde, helfende und dienende Nutzleistungen heißen; alle und jede sind der göttlichen Ordnung gemäß einander bei- und untergeordnet, und zusammengenommen machen sie aus und vollenden den allgemeinen Nutzen, der das gemeine Beste ist.

(393)
In kirchlichen [Ämtern] stehen im Himmel die, welche das Wort geliebt und mit Sehnsucht nach den Wahrheiten in ihm geforscht hatten, nicht der Ehre oder des Gewinnes wegen, sondern zum Nutzen sowohl ihres eigenen Lebens, als des Lebens anderer; diese sind nach Maßgabe ihrer Liebe und ihres Verlangens zu nützen daselbst in Erleuchtung und im Licht der Weisheit, in das sie auch durch das in den Himmeln befindliche Wort kommen, welches nicht, wie in der Welt, natürlich, sondern geistig ist (man sehe Nr. 259); diese verwalten das Predigtamt, und zwar sind dort, gemäß der göttlichen Ordnung, diejenigen höher gestellt, die in der aus der Erleuchtung kommenden Weisheit über andere hervorragen. In bürgerlichen [Ämtern] stehen die, welche in der Welt das Vaterland und dessen gemeines Wohl mehr als ihr eigenes geliebt und das Gerechte und Rechte aus Liebe zum Gerechten und Rechten getan hatten; inwieweit diese aus dem Verlangen der Liebe die Gesetze des Gerechten durchforscht und dadurch Einsicht erlangt hatten, insoweit sind sie auch befähigt, Ämter im Himmel zu verwalten, die sie auch wirklich verwalten in derjenigen Stellung oder Stufe, in der ihre Einsicht steht, welche alsdann auch gleichen Schritt hält mit der Liebe, Nutzen zu schaffen für das gemeine Beste. Überdies gibt es im Himmel so viele Ämter [officia] und so viele Verwaltungen [administrationes], und auch so viele Geschäfte [operas], daß sie der Menge wegen nicht aufgezählt werden können; in der Welt gibt es im Vergleich damit nur wenige: alle, so viele ihrer sind, sind in der Lust zu ihrem Werk und ihrer Arbeit aus der Liebe Nutzen zu schaffen und niemand aus Selbst- oder Gewinnsucht; auch hat keiner Liebe zum Gewinn um des Lebensunterhaltes willen, weil alle Bedürfnisse des Lebens ihnen umsonst gegeben werden, sie wohnen umsonst, sie werden umsonst gekleidet, sie essen umsonst; woraus erhellt, daß die, welche sich und die Welt mehr als die Nutzleistungen geliebt hatten, im Himmel keine Stelle finden; denn seine Liebe oder Neigung bleibt jedem nach dem Leben in der Welt und wird in Ewigkeit nicht ausgerottet (man sehe Nr. 363).

(394)
Jeder ist im Himmel in seinem Werk gemäß der Entsprechung, und die Entsprechung findet nicht statt mit dem Werk, sondern mit dem Nutzen jeglichen Werkes (man sehe Nr. 112); und zwischen allem besteht Entsprechung, Nr. 106; wer im Himmel in einer Verrichtung oder Wirksamkeit ist, die seiner Brauchbarkeit entspricht, der ist ganz in dem gleichen Lebenszustand, in dem er in der Welt war; denn das Geistige und Natürliche gehen auf eines hinaus [unum agunt] mittelst der Entsprechungen mit dem Unterschied jedoch, daß er mehr in inwendiger Lust ist, weil in geistigem Leben, welches Leben inwendiger und daher empfänglicher für himmlische Seligkeit ist.

(45)

VON DER HIMMLISCHEN
FREUDE UND GLÜCKSELIGKEIT

(395)
Was der Himmel und was die himmlische Freude sei, weiß heutzutage kaum jemand; diejenigen, die über jenen und über diese dachten, machten sich eine so gemeine und so grobe Vorstellung davon, daß es kaum noch eine zu nennen war; von den Geistern, die von der Welt her ins andere Leben kommen, konnte ich am besten erfahren, welchen Begriff sie vom Himmel und von der himmlischen Freude hatten; denn sich selbst überlassen, als ob sie noch in der Welt wären, denken sie ebenso. Der Grund, warum man nicht weiß, was die himmlische Freude ist, liegt darin, daß die, welche darüber dachten, nach den äußeren Freuden, welche die des natürlichen Menschen sind, urteilten, und nicht wußten, was der innere oder geistige Mensch, somit auch nicht, was dessen Lust und Seligkeit ist; wäre daher auch von denen, die sich in der geistigen oder inneren Lust befanden, [ihnen] gesagt worden, was und welcherlei die himmlische Freude ist, so hätten sie es doch nicht begreifen können; denn es wäre nicht in eine ihnen bekannte Vorstellung, somit nicht in ihre Auffassung gefallen, und daher unter denjenigen Dingen gewesen, die der natürliche Mensch verworfen hätte. Indessen kann jeder wissen, daß der Mensch, wenn er den äußeren oder natürlichen Menschen verläßt, in den inneren oder geistigen kommt; woraus er auch wissen kann, daß die himmlische Lust eine innere und geistige, nicht aber eine äußere oder natürliche ist, und daß sie, weil sie eine innere und geistige ist, auch eine reinere und höhere sein, und das Inwendige des Menschen, das Gebiet seiner Seele oder seines Geistes, ansprechen muß. Jeder kann schon hieraus den Schluß ziehen, daß seine Lust von der Art sein werde, wie die Lust seines Geistes gewesen war, und daß die Lust des Körpers, welche die Fleischeslust heißt, im Vergleich damit nicht himmlisch ist; auch bleibt ja, was im Geist des Menschen ist, wenn er den Körper verläßt, nach dem Tode zurück; denn alsdann lebt er als Geistmensch.

(396)
Alle Lustreize quellen aus einer Liebe hervor; denn was der Mensch liebt, das fühlt er als Lust; nicht anderswoher hat jemand Lust; daraus folgt, daß wie die Liebe, so die Lust ist; die Lustreize des Körpers oder Fleisches fließen alle aus der Selbst- und Weltliebe; daher stammen auch die Begierden und deren Vergnügungen; die Lustreize der Seele oder des Geistes aber fließen alle aus der Liebe zum Herrn und aus der Nächstenliebe, und daher stammen auch die Neigungen zum Guten und Wahren und die Zustände innerer Freudigkeit; diese [beiden] Arten der Liebe fließen vom Herrn und aus dem Himmel auf einem inneren Weg ein, nämlich von oben herab, und regen das Inwendige an; jene [beiden] Triebe aber mit ihren Lustreizen fließen aus dem Fleisch und aus der Welt ein auf einem äußeren Weg, nämlich von unten her, und regen das Auswendige an. Inwieweit nun jene beiderlei Liebe des Himmels aufgenommen wird und anregt, insoweit wird das Inwendige aufgeschlossen, welches das der Seele oder des Geistes ist und von der Welt ab zum Himmel aufsieht; inwieweit aber jene beiderlei Liebe der Welt aufgenommen wird und anregt, insoweit wird das Äußerliche aufgeschlossen, welches das des Körpers oder Fleisches ist und vom Himmel ab auf die Welt blickt; je wie die eine oder die andere Liebe einfließt und aufgenommen wird, so fließen zugleich auch ihre Lustreize [jucunda] ein, ins Inwendige die Lustreize des Himmels, ins Auswendige die Lustreize der Welt, weil, wie gesagt, jede Lust einer Liebe angehört.

(397)
Der Himmel ist an sich so beschaffen, daß er voller Lustreize ist, so sehr, daß er an sich betrachtet nichts als Seligkeit und Lust ist, weil das aus der göttlichen Liebe des Herrn hervorgehende göttliche Gute bei jedem daselbst den Himmel macht im allgemeinen und im besonderen, die göttliche Liebe aber ist wollen, daß alle das Heil und alle die Seligkeit vom Innersten heraus und vollständig haben; daher kommt, daß es eines ist, ob man sagt Himmel oder himmlische Freude.

(398)
Die Lustreize des Himmels sind unaussprechlich und auch unzählig, allein von diesen unzähligen kann nicht einen einzigen wissen, noch glauben, wer bloß in der Lust des Körpers oder Fleisches ist, weil, wie oben gesagt worden, sein Inwendiges vom Himmel nach der Welt, also rückwärts blickt; denn wer ganz und gar in der Körper- oder Fleischeslust, oder, was dasselbe ist in der Selbst- und Weltliebe ist, der empfindet an nichts anderem Lust, als an Ehre, Gewinn und den Vergnügungen des Körpers und der Sinne, die dann die inwendigen Lustreize, nämlich die des Himmels, so ganz auslöschen und ersticken, daß man nicht mehr an deren Dasein glaubt; weshalb [ein solcher] sich sehr wundern würde, wenn man sagte, es gebe noch Lustreize nach Entfernung der Lustreize der Ehre und des Gewinnes, und noch mehr, wenn man sagte, die Lustreize des Himmels, die an deren Stelle treten, seien zahllos und von der Art, daß die Lustreize des Körpers und des Fleisches, die besonders die der Ehre und des Gewinnes sind, mit ihnen gar nicht verglichen werden können; hieraus erhellt, worin die Ursache liegt, daß man nicht weiß, was die himmlische Freude ist.

(399)
Wie groß die Lust des Himmels ist, kann schon daraus erhellen, daß es allen in ihm eine Lust ist, ihre Wonnen und Seligkeiten dem anderen mitzuteilen, und da in den Himmeln alle so sind, so ist offenbar, wie überschwänglich groß die Lust des Himmels sein muß; denn wie Nr. 268 gezeigt worden, findet in den Himmeln eine Mitteilung aller an jeden einzelnen und jedes einzelnen an alle statt. Ein solches Gemeinschaftlichmachen geht aus den zwei Grundneigungen des Himmels hervor, die, wie gesagt, die Liebe zum Herrn und die Liebe gegen den Nächsten sind; diese Liebearten sind mitteilsam hinsichtlich ihrer Lust. Daß die Liebe zum Herrn so ist, kommt daher, daß die Liebe des Herrn die Liebe ist, all das Ihrige allen mitzuteilen, denn sie will die Seligkeit aller; eine ähnliche Liebe ist auch in allen einzelnen, die Ihn lieben, weil der Herr in ihnen ist; daher kommt, daß eine gegenseitige Mitteilung der Wonnen unter den Engeln statthat; daß auch die Nächstenliebe von der Art ist, wird man im folgenden sehen; woraus erhellen kann, daß diese Liebearten mitteilsam hinsichtlich ihrer Wonnen sind; anders ist es mit der Selbstsucht und der Weltliebe; die Selbstliebe entzieht und entreißt anderen alle Lust, und leitet sie auf sich über; denn sie will sich allein wohl; und die Weltliebe will, daß ihr gehöre was des Nächsten ist; weshalb diese Triebe zerstörend sind für die Lust anderer; sind sie je mitteilsam, so ist es um ihrer selbst, nicht um jener willen; daher sie hinsichtlich auf jene, soweit nicht deren Lustreize bei ihnen oder in ihnen sind, nicht mitteilsam, sondern zerstörend sind. Daß die Selbst- und die Weltliebe, wenn sie herrschen, so beschaffen sind, ist mir oft durch eigene Erfahrung zu empfinden gegeben worden; sooft Geister, die, solange sie als Menschen in der Welt lebten, in jenen Trieben waren, sich [mir] nahten, so oft entwich auch meine Lust und verschwand; und es ward mir auch gesagt, daß wenn solche auch nur auf eine himmlische Gesellschaft zugehen, ganz nach dem Grad ihrer Annäherung die Lust derer, die in der Gesellschaft sind, sich vermindere, und was wunderbar ist, jene Bösen sich alsdann in ihrer Lust fühlen; daraus war offenbar, wie der Zustand des Geistes eines solchen Menschen im Körper beschaffen sein muß; denn er ist der gleiche wie nach der Trennung vom Körper, daß er nämlich begierig und lüstern ist nach den Genüssen oder Gütern des anderen und insoweit in seiner Lust ist, als er sie erhält; hieraus kann man sehen, daß die Selbst- und die Weltliebe zerstörend für die Freuden des Himmels, somit völlig entgegengesetzt sind den himmlischen Liebesarten, welche mitteilsam sind.

(400)
Man muß aber wissen, daß die Lust, in der diejenigen, die in der Selbst- und Weltliebe stehen, bei ihrer Annäherung zu irgendeiner himmlischen Gesellschaft sind, die Lust ihrer Begierde, somit auch der Lust des Himmels völlig entgegengesetzt ist; in die Lust ihrer Begierde kommen sie dadurch, daß die himmlische Lust denen, die darin sind, geraubt und entrissen wird; anders aber verhält es sich, wenn keine Beraubung und Entfernung stattfindet; alsdann können sie nicht hinzunahen, weil sie in dem Maß ihres Herzunahens auch in Beängstigungen und Schmerzen kommen; daher sie denn selten wagen, nahe hinzuzutreten; auch dies wurde mir durch viele Erfahrungen zu wissen gegeben, von denen ich ebenfalls etwas anführen will. Die Geister, die aus der Welt ins andere Leben kommen, wünschen nichts so sehnlich, als in den Himmel zu kommen; fast alle trachten danach, indem sie glauben, der Himmel sei nichts als [eine Wirkung des] Eingelassen- und Aufgenommenwerdens; weshalb sie denn auch, weil sie es wünschen, zu einer Gesellschaft des untersten Himmels gebracht werden; die nun in der Selbst- und Weltliebe stehen, fangen schon bei Betreten der ersten Schwelle dieses Himmels an beängstigt und innerlich so gequält zu werden, daß sie in sich vielmehr die Hölle als den Himmel empfinden; weshalb sie sich von da Hals über Kopf hinabstürzen und nicht eher ruhen, als bis sie in den Höllen bei den Ihrigen sind. Öfter geschah auch, daß dergleichen [Geister] zu erfahren wünschten, was die himmlische Freude sei, und wenn sie hörten, daß sie im Inwendigen der Engel wohne, verlangten sie, daß dieselbe ihnen mit zu empfinden gegeben werde, was denn auch geschah; denn wonach ein Geist, der noch nicht im Himmel oder in der Hölle ist, ein Verlangen hat, das wird ihm, wenn es dienlich ist, auch gegeben; nach geschehener Mitteilung fingen sie an, so sehr gequält zu werden, daß sie vor Schmerz nicht wußten, wie sie den Leib eindrücken sollten; man sah, wie sie den Kopf bis zu den Füßen hinunterbogen, sich zur Erde warfen und da wie eine Schlange sich im Kreis zusammenkrümmten, und zwar dies vor inwendiger Qual; eine solche Wirkung hatte die himmlische Lust bei denen, die in den Lustreizen aus der Selbst- und Weltliebe waren; die Ursache ist, weil diese Triebe [den himmlischen] völlig entgegengesetzt sind, und wenn ein Entgegengesetztes auf sein Entgegengesetztes wirkt, ein solcher Schmerz entsteht; und weil die himmlische Lust auf innerem Weg eindringt und auf die entgegengesetzte Lust einwirkt, so dreht sie das Inwendige, das in dieser Lust ist, rückwärts, somit in das ihm Entgegengesetzte, daher dann solche Qualen. Daß sie einander entgegengesetzt sind, hat, wie oben gesagt worden, seinen Grund darin, daß die Liebe zum Herrn und die Nächstenliebe all das Ihrige anderen mitteilen wollen (denn dies ist ihre Lust), die Selbst- und die Weltliebe dagegen anderen das Ihrige nehmen und auf sich überleiten wollen, und inwieweit sie dies können, in ihrer Lust sind. Hieraus kann man auch wissen, woher es kommt, daß die Hölle vom Himmel getrennt ist, denn alle, die in der Hölle sind, waren, solange sie in der Welt lebten, bloß in den Lustreizen des Körpers und des Fleisches aus der Selbst- und Weltliebe, alle dagegen, die in den Himmeln sind, waren, als sie in der Welt lebten, in den Lustreizen der Seele und des Geistes aus der Liebe zum Herrn und aus der Nächstenliebe; und weil diese [letzteren Arten der] Liebe [den ersteren] entgegengesetzt sind, darum sind auch die Höllen und die Himmel gänzlich voneinander geschieden, und zwar so sehr, daß ein Geist, der in der Hölle ist, nicht einmal einen einzigen Finger von da heraus zu strecken oder den Scheitel des Hauptes darüber emporzuheben wagt, denn wenn er auch nur ein klein wenig [jenen] hinausstreckt, oder [diesen] emporhebt, wird er sofort verrenkt und gequält; auch dies habe ich oft gesehen.

(401)
Ein Mensch, der in der Selbst- und Weltliebe ist, empfindet, solange er im Körper lebt, die Lust aus ihnen, und auch in den einzelnen Vergnügungen, die aus ihnen stammen; ein Mensch dagegen, der in der Liebe zu Gott und in der Nächstenliebe ist, empfindet, solange er im Körper lebt, keine ins Bewußtsein hervortretende Lust aus ihnen und aus den guten Regungen, die aus ihnen hervorgehen, sondern nur etwas Beseligendes, das ihm beinahe unmerklich bleibt, weil es in seinem Inwendigen verborgen und durch das Auswendige, das dem Körper angehört, verhüllt und durch die Sorgen der Welt abgeschwächt ist; nach dem Tod aber verändern sich die Zustände ganz und gar; die Lustreize der Selbst- und Weltliebe verkehren sich alsdann in Schmerzhaftes und Schreckliches, weil in solches, das höllisches Feuer heißt, und zuweilen auch in Ekelhaftes und Schmutziges, das ihren unreinen Wollüsten entspricht und ihnen, merkwürdigerweise, alsdann angenehm ist; dagegen aber die verborgene Lust und die beinahe unmerkliche Seligkeit, die in der Welt bei denen war, die in der Liebe zu Gott und in der Nächstenliebe standen, verwandelt sich alsdann in die Lust des Himmels, die auf alle Weise fühlbar und empfindbar wird; denn jenes Selige, das, als sie noch in der Welt lebten, im Inwendigen verborgen lag, wird alsdann offenbar und tritt ins deutliche Bewußtsein heraus, weil sie jetzt im Geist sind und jene Lust die ihres Geistes war.

(402)
Alle Lustreize des Himmels sind mit den Nutzleistungen verbunden und wohnen diesen inne, weil die Nutzleistungen das Gute der Liebe und Liebtätigkeit sind, in dem die Engel sich befinden; weshalb jeder solcherlei Lustreize hat, welcherlei [seine] Nutzleistungen sind, und auch in demselben Grad, in dem die Neigung zur Nutzleistung steht. Daß alle Lustreize des Himmels Lustreize der Nutzleistungen sind, kann aus dem Vergleich mit den fünf Körpersinnen beim Menschen erhellen; es ist jeglichem Sinn ein Lustreiz je nach seiner Nutzleistung gegeben; dem Gesicht sein Lustreiz, dem Gehör der seinige, dem Geruch der seinige, dem Geschmack der seinige und dem Gefühl der seinige; dem Gesicht ein Lustreiz aus der Schönheit und den Formen, dem Gehör aus den Harmonien, dem Geruch aus den Wohlgerüchen, dem Geschmack aus dem Wohlschmeckenden; die nützlichen Dienste, welche die einzelnen [Sinne] leisten, sind denen bekannt, die sie zum Gegenstand ihres Nachdenkens machen, und noch vollständiger denen, welche die Entsprechungen kennen; daß dem Gesichtssinn ein solcher Lustreiz zugeteilt ist, rührt von dem Nutzen her, den er dem Verstand leistet, welcher der innere Gesichtssinn ist; daß der Gehörsinn einen solchen Lustreiz hat, kommt von dem Nutzen her, den er dem Verstand und dem Willen durch das Aufmerken leistet; daß der Geruchssinn solch einen Lustreiz hat, kommt von dem Nutzen her, den er dem Gehirn und auch der Lunge leistet; daß der Geschmackssinn einen Lustreiz hat, kommt von dem Nutzen her, den er dem Magen und von da aus dem ganzen Körper leistet, indem er ihn ernährt; die eheliche Lust, welche die reinere und erhöhtere Lust des Gefühls ist, ist vorzüglicher als jene alle wegen der Nutzleistung, welche die Erzeugung des Menschengeschlechts und somit der Engel des Himmels ist. Diese Lustreize wohnen jenen Sinnesorganen inne infolge eines Einflusses des Himmels, wo jeder Lustreiz einer Nutzleistung angehört und der Nutzleistung gemäß ist.

(403)
Einige Geister hatten infolge einer in der Welt gefaßten Meinung geglaubt, die himmlische Seligkeit bestehe in einem müßigen Leben, in dem sie von anderen bedient würden; allein es ward ihnen gesagt, nirgends bestehe irgendwelche Glückseligkeit darin, daß man ruht und darin Glückseligkeit genießt; denn so würde jeder die Glückseligkeit der anderen für sich haben wollen, und wenn jeder, so würde sie keiner haben; ein solches Leben wäre kein tätiges, sondern ein müßiges, in dem sie erschlaffen würden, während ihnen doch bekannt sein könne, daß es ohne ein tätiges Leben kein Lebensglück gibt, und daß die Muße bei einem solchen Leben bloß der Erholung wegen statthat, damit man um so munterer zur Tätigkeit seines Lebens zurückkehren könne; nachher wurde mit vielem gezeigt, daß das engelische Leben in Leistung des Guten der Liebtätigkeit besteht, das Nutzwirkung ist, und daß die Engel alle ihre Glückseligkeit in der Nutzleistung, von der Nutzleistung und gemäß der Nutzleistung haben. Um solche zu beschämen, die jene Vorstellung hatten, als ob die himmlische Freude darin bestehe, daß sie müßig dahin leben und im Müßiggang ewige Freude einschlürfen, ward ihnen zu empfinden gegeben, wie ein solches Leben beschaffen wäre, und so empfanden sie denn, daß es ein höchst trauriges Leben wäre, und daß es, weil so alle Freude unterginge, nach kurzer Zeit sie anwidern und anekeln würde.

(404)
Geister, die besser als die anderen unterrichtet zu sein glaubten, sagten, ihr Glaube sei in der Welt gewesen, die himmlische Freude bestehe bloß darin, Gott zu loben und zu preisen, und daß dies das tätige Leben sei; allein es ward ihnen gesagt, Gott loben und preisen sei nicht ein solch tätiges Leben, und Gott bedürfe auch nicht des Lobes und Preises, sondern verlange, daß man Nutzen schaffe und so das Gute tue, das man das Gute der Liebtätigkeit heißt; sie aber konnten mit dem Guten der tätigen Liebe nicht die geringste Vorstellung himmlischer Freude, sondern nur die der Knechtschaft verbinden; daß jedoch [diese Tätigkeit] eine höchst freie ist, weil sie aus tieferem Gefühl hervorgeht und mit unaussprechlicher Wonne verbunden ist, bezeugten die Engel.

(405)
Beinahe alle, die ins andere Leben kommen, meinen, daß die Hölle für jeden die gleiche sei und ebenso auch der Himmel für jeden der gleiche, während doch in beiden unendliche Mannigfaltigkeiten und Verschiedenheiten sind, und nirgends einer ganz die gleiche Hölle wie der andere, und ebenso auch keiner irgendwo ganz den gleichen Himmel wie der andere hat, sowie es auch nirgends einen Menschen, Geist oder Engel gibt, der einem anderen, und wäre es auch nur in den Gesichtszügen, ganz gleich wäre; schon als ich nur den Gedanken hatte, es könnten zwei einander ganz ähnlich oder gleich sein, entsetzten sich die Engel und sagten, jede Einheit werde durch die harmonische Zusammenstimmung vieler gebildet, und die Beschaffenheit der Einheit sei durch die Beschaffenheit der Zusammenstimmung bestimmt; und so bilde jede Gesellschaft des Himmels eine Einheit, und ebenso bilden alle Gesellschaften des Himmels eine Einheit, und dies nur allein aus dem Herrn durch die Liebe
255. In gleicher Weise sind in den Himmeln die Nutzleistungen in aller Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit, und nirgends ist die Nutzleistung des einen ganz gleich und dieselbe mit der Nutzleistung des anderen, somit auch nicht die Lust des einen mit der des anderen; ja noch mehr, die Lustreize jeglicher Nutzleistung sind unzählig, und diese unzähligen in gleicher Weise voneinander verschieden, und doch wieder in solcher Ordnung miteinander verbunden, daß sie gegenseitig ihr Absehen aufeinander haben, wie die Nutzwirkungen jedes Gliedes, Organes und Eingeweidestücks im Körper, ja sogar wie die eines jeden Gefäßes oder Fäserchen in jedem Glied, Organ und Eingeweidestück, welche alle und jede so zusammengestellt sind, daß sie ihr Gutes im anderen erblicken, und so in allen, und alle in jedem einzelnen; infolge dieses allgemeinen und besonderen Absehens aufeinander wirken sie wie eines zusammen.

(406)
Mit Geistern, die frisch von der Welt her kamen, sprach ich einigemal über den Zustand des ewigen Lebens, daß nämlich von Wichtigkeit sei zu wissen, wer der Herr des Reiches, welcherlei die Regierung und wie die Regierungsform ist, wie bei denen, die in der Welt in ein anderes Reich kommen; wenn diesen nichts wichtiger sei, als zu erfahren, wer der König, und wie er, wie seine Regierung [regimen] beschaffen ist, und so vieles, was dieses Reich betrifft, wieviel mehr [also] in diesem Reich, in dem sie ewig leben sollen ! Sie mögen demnach wissen, daß es der Herr ist, Der den Himmel und Der auch das Weltall regiert; denn wer den einen regiert, regiert auch das andere; daß also das Reich, in dem sie jetzt sind, das des Herrn ist, und die Gesetze dieses Reiches die ewigen Wahrheiten sind, die alle in dem einen Gesetz gegründet sind, daß sie den Herrn über alles und den Nächsten wie sich selber lieben sollen, ja noch mehr, daß sie, wollen sie wie die Engel sein, den Nächsten mehr als sich selbst lieben müssen. Als sie dies hörten, konnten sie nichts darauf erwidern, weil sie bei Leibesleben wohl dergleichen gehört, aber nicht geglaubt hatten; sie wunderten sich, daß es im Himmel eine solche Liebe geben soll und könne, daß nämlich jemand den Nächsten mehr als sich selber liebe; sie wurden aber belehrt, daß alles Gute im anderen Leben ins Unendliche fort zunimmt, und daß es in der Art des Lebens im Körper liege, daß man [in ihm] nicht weiter fortschreiten kann, als den Nächsten wie sich selbst zu lieben, weil man noch im Körperlichen [befangen] ist; nach dessen Entfernung aber werde die Liebe immer reiner und zuletzt eine engelische, welche eben sei, den Nächsten mehr als sich selbst zu lieben; denn in den Himmeln sei es eine Lust, dem anderen Gutes zu tun, und Unlust, sich selbst Gutes zu tun, außer zu dem Zweck, daß es dem anderen zuteil werde, somit um des anderen willen geschieht; und dies heiße den Nächsten mehr als sich selber lieben. Daß eine solche Liebe möglich sei, das hätte man, ward bemerkt, sehen können an der ehelichen Liebe einiger, welche lieber sterben als zugeben wollten, daß dem Gatten ein Leid geschehe, an der Liebe der Eltern zu den Kindern, daß die Mutter lieber Hunger leiden, als ihr Kind hungern sehen will, sowie auch an der aufrichtigen Freundschaft, bei der man für die Freunde sich in Gefahren begibt, und in der konventionellen und erheuchelten Freundschaft, die es der aufrichtigen darin gleich zu tun sucht, daß sie die besseren Stücke denen anbietet, gegen die sie Wohlwollen zu hegen vorgibt, und auch wirklich dergleichen im Mund, obwohl nicht im Herzen führt; endlich schon an der Natur der Liebe, die von der Art ist, daß sie ihre Freude darein setzt, anderen zu dienen, und zwar nicht um des eigenen Selbst, sondern um des anderen willen. Dies konnten jedoch diejenigen nicht fassen, die sich mehr als andere liebten und bei Leibesleben gewinnsüchtig waren, am allerwenigsten die Geizigen.

(407)
Einer, der bei Leibesleben mächtiger als andere gewesen war, behielt im anderen Leben bei, daß er auch noch befehlen wollte; diesem ward gesagt, er sei [hier] in einem anderen Reich, das ewig ist, und sein Befehlen sei auf Erden gestorben und jetzt werde niemand nach etwas anderem geachtet als nach dem Guten und Wahren und nach der Gnade des Herrn, in der er infolge seines Lebens in der Welt stehe; auch werde es in diesem Reich gehalten wie auf Erden, wo man geschätzt werde wegen des Vermögens und wegen der Gunst beim Fürsten; das Vermögen sei hier das Gute und Wahre und die Gunst beim Fürsten sei die Gnade [Misericordia], in welcher der Mensch je nach seinem in der Welt geführten Leben beim Herrn steht; wollte er in anderer Weise befehlen, so wäre er ein Empörer, denn er sei in eines anderen Reich; als er dies hörte, ward er beschämt.

(408)
Ich sprach mit Geistern, welche meinten, der Himmel und die himmlische Freude bestehe darin, daß man ein Großer sei; allein es ward ihnen gesagt; im Himmel sei der Größte, wer der Kleinste ist; denn der Kleinste heiße, wer nichts vermag und weiß und auch nichts vermögen und wissen will aus sich selbst, sondern aus dem Herrn; ein solcher Kleinster genieße die größte Glückseligkeit; und weil er die größte Glückseligkeit genieße, so sei er auch der Größte; denn so vermöge er aus dem Herrn alles und sei weiser als alle; und was anderes heiße der Größte sein, als der Glückseligste sein ? Denn die höchste Glückseligkeit suchen die Mächtigen durch die Macht und die Reichen durch den Reichtum. Weiter ward gesagt, der Himmel bestehe auch nicht darin, daß man der Kleinste sein wolle, um der Größte zu sein, denn dann trachte und verlange man danach, der Größte zu sein, sondern er bestehe darin, daß man von Herzen anderen mehr wohl will als sich selbst und anderen dienen will um ihrer Glückseligkeit willen, ohne irgendwelche selbstische Absicht, um belohnt zu werden, sondern aus Liebe.

(409)
Die eigentliche himmlische Freude, wie sie in ihrem Wesen ist, kann nicht beschrieben werden, weil sie im Innersten des Lebens der Engel und von da aus im einzelnen ihrer Gedanken und Gefühle ist, und von diesen aus im einzelnen ihres Redens und im einzelnen ihres Handelns; es ist, wie wenn das Inwendige ganz aufgeschlossen und aufgelöst wäre, um Lust und Seligkeit in sich aufzunehmen, die sich in die einzelnen Fibern und so durch das Ganze verbreitet; daher die Empfindung und das Gefühl davon so ist, daß es nicht beschrieben werden kann; denn was im Innersten beginnt, das fließt in [alles] einzelne ein, das vom Innersten herkommt, und verbreitet sich mit immer neuem Zuwachs gegen das Auswendige hin. Gute Geister, die noch nicht in jener Wonne, weil noch nicht in den Himmel erhoben sind, werden, wenn sie dieselbe an einem Engel infolge der Ausströmung [sphaera] seiner Liebe empfinden, mit solcher Wonne erfüllt, daß sie gleichsam in süße Ohnmacht versinken; dies geschah einige Male mit denen, die zu wissen verlangten, was himmlische Freude sei.

(410)
Gewisse Geister verlangten ebenfalls zu wissen, was himmlische Freude sei; sie ward ihnen daher bis zu demjenigen Grad zu empfinden gegeben, daß sie es nicht mehr aushalten konnten, und doch war es noch nicht die engelische Freude; es war kaum wie das geringste Engelische, was mir durch Mitteilung zu empfinden gegeben wurde; es war so unbedeutend [leve], daß es beinahe matt [frigidiusculum] zu nennen war, und doch nannten sie es höchst himmlisch, weil es ihr Innerstes war; daraus ward klar, nicht bloß daß es Grade der Freude des Himmels gibt, sondern auch, daß das Innerste des einen kaum zum Äußersten oder Mittleren des anderen hinanreicht; ferner, daß wer seine innerste empfängt, in seiner himmlischen Freude ist, und daß er die noch innigere nicht erträgt und sie ihm schmerzhaft wird.

(411)
Einige Geister, die nicht böse waren, versanken in einen Zustand der Ruhe, der wie ein Schlaf war, und wurden so nach ihrem Inwendigen, dem Gebiet ihres Gemütes, in den Himmel, versetzt; denn die Geister können, bevor ihr Inwendiges aufgeschlossen ist, in den Himmel versetzt werden und die Seligkeit derer, die dort sind, kennenlernen; ich sah, wie sie so eine halbe Stunde lang ruhten und dann in das Äußerliche, in dem sie zuvor waren, zurückfielen, doch aber zugleich auch in die Rückerinnerung dessen, was sie gesehen hatten; und sie sagten, sie seien unter den Engeln im Himmel gewesen und haben daselbst erstaunenswerte Dinge gesehen und vernommen, alles glänzend wie von Gold, Silber und kostbaren Steinen, in bewundernswerten Gestalten, die in wunderbarer Weise wechselten; und die Engel hätten sich nicht an den Außendingen selbst ergötzt, sondern an denjenigen, die sie vorbildeten, welche unaussprechliche göttliche Dinge waren, von unendlicher Weisheit, und an diesen hätten dieselben ihre Freude gehabt; außer Unzähligem, was durch menschliche Sprachen nicht zum zehntausendsten Teil ausgedrückt werden, noch in Vorstellungen fallen könne, in denen etwas Materielles ist.

(412)
Fast allen, die ins andere Leben kommen, ist unbekannt, was die himmlische Seligkeit und Wonne ist, weil sie nicht wissen, was und wie beschaffen die innere Freude ist; sie haben bloß einen Begriff von körperlichen und weltlichen Genüssen und Freuden; was sie daher nicht wissen, das halten sie für nichts, während doch die körperlichen und weltlichen Freuden im Vergleich damit nichts sind; damit nun Gutgesinnte, die nicht wissen, was himmlische Freude ist, solches wissen und erkennen mögen, werden sie zuerst in paradiesische Gefilde gebracht, die jedes Denkbild der Einbildungskraft übertreffen; sie meinen dann, sie seien ins himmlische Paradies gekommen; werden aber belehrt, daß dies nicht die wahrhaft himmlische Seligkeit ist; es werden ihnen daher die tiefer inwendigen Zustände der Freude bis zu ihrem Innersten zu empfinden gegeben; hernach werden sie in den Zustand des Friedens bis in ihr Innerstes versetzt, wo sie dann bekennen, daß nichts davon je [durch Worte] ausgedrückt, oder auch nur durch Gedanken erreicht werden könne; endlich in den Zustand der Unschuld, gleichfalls bis zu ihrer innersten Empfindung; dadurch wird ihnen zu erkennen gegeben, was das wahrhaft geistige und himmlische Gute ist.

(413)
Damit ich aber wissen möge, was und wie beschaffen der Himmel und die himmlische Freude ist, wurde mir vom Herrn gegeben, oft und lange die Wonnen der himmlischen Freuden zu empfinden, weshalb ich sie, weil aus lebendiger Erfahrung wohl kennen, aber durchaus nicht beschreiben kann; damit man aber auch nur ein Denkbild davon haben möge, soll etwas darüber gesagt werden: sie ist ein Gefühl [affectio] zahlloser Wonnen und Freuden, die zusammen ein Allgemeines [commune] darstellen, in welchem Allgemeinen oder in welchem allgemeinen Gefühl die Harmonien unzähliger Gefühle liegen, die nicht deutlich, sondern nur dunkel zum Bewußtsein [ad perceptionem] kommen, weil die Empfindung [perceptio] eine höchst allgemeine ist; gleichwohl ward zu empfinden gegeben, daß Unzähliges darin liegt, und zwar so geordnet, daß es durchaus nicht beschrieben werden kann; diese unzähligen Bestandteile fließen ihrer Beschaffenheit nach aus der Ordnung des Himmels; eine solche Ordnung ist in jedem einzelnen, auch dem kleinsten Teil des Gefühls, daß nur als die allgemeinste Einheit dargestellt und empfunden wird je nach der Empfänglichkeit des [aufnehmenden] Subjekts; mit einem Wort, unendliches vieles liegt in der geordnetsten Gestalt in jedem Allgemeinen, und nichts ist, das nicht lebt und anregt, und zwar alles vom Innersten heraus; denn die himmlischen Freuden gehen aus dem Innersten hervor. Es ward auch empfunden, daß die Freude und Wonne wie vom Herzen kam und sich ganz sanft durch alle innersten Fibern und von da aus in die Faserbündel mit solchem innigsten Wonnegefühl ergoß, daß die Fiber gleichsam nichts als Freude und Wonne war und alle daher rührende Wahrnehmung und Empfindung [perceptivum et sensitivum] in gleicher Weise, lebend aus Seligkeit heraus; die Freude der Wollüste des Körpers verhält sich zu diesen Freuden wie ein plumper und stechender Klotz zu dem reinsten und sanftesten Lüftchen. Ich bemerkte, daß wenn ich all meine Lust auf einen anderen übertragen wollte, an deren Stelle beständig eine innigere und vollkommenere Lust, als die vorige war, einströmte, und daß, soviel ich jenes wollte, soviel auch einströmte; und ich ward inne, daß dies vom Herrn kam.

(414)
Die im Himmel sind, schreiten fortwährend zum Frühling ihres Lebens fort, und zwar zu einem um so wonnigeren und seligeren Frühling, je mehr Jahrtausende sie leben, und dies in Ewigkeit fort, mit Zunahme, je nach den Fortschritten und Graden der Liebe, Liebtätigkeit und des Glaubens. Vom weiblichen Geschlecht gelangen die, welche bejahrt und vom Alter abgezehrt gestorben sind, und im Glauben an den Herrn, in der Liebe gegen den Nächsten und in glücklicher ehelicher Liebe mit ihrem Mann gelebt hatten, mit dem Fortgang der Jahre mehr und mehr in die Blüte des jugendlichen und mannbaren Alters und in eine Schönheit, die jedes Ideal von Schönheit übertrifft, das je das Auge geschaut haben könnte. Die Güte und Liebtätigkeit ist es, die so gestaltet und ihr Ebenbild darstellt und macht, daß das Angenehme und Schöne der Liebtätigkeit aus den einzelnsten Zügen des Angesichts hervorleuchtet, so daß sie die eigentlichen Ausgestaltungen der Liebtätigkeit sind; einige sahen sie und waren darüber erstaunt; die Gestalt der tätigen Liebe ist von der Art, daß sich im Himmel lebendig vor Augen stellt, daß es die tätige Liebe selbst ist, die abbildet und abgebildet wird, und zwar so, daß der ganze Engel, besonders sein Antlitz, gleichsam Liebtätigkeit ist, welche klar sowohl erscheint, als empfunden wird; diese Gestalt, wenn sie geschaut wird, ist unaussprechliche Schönheit, die unmittelbar das innerste Leben des Gemüts mit Liebe überströmt; mit einem Wort, alt werden im Himmel heißt, jung werden; die in der Liebe zum Herrn und in der Liebtätigkeit gegen den Nächsten gelebt haben, werden solche Gestalten oder solche Schönheiten im anderen Leben; alle Engel sind solche Gestalten, mit unübersehbarer Mannigfaltigkeit; aus diesen besteht der Himmel.

(46)

VON DER UNERMEßLICHEN
GRÖßE DES HIMMELS

(415)
Daß der Himmel des Herrn unermeßlich groß ist, kann aus vielem erhellen, was im Vorhergehenden gesagt und gezeigt worden ist, besonders daraus, daß der Himmel aus dem menschlichen Geschlecht ist (man sehe Nr. 311-317), und zwar nicht bloß aus demjenigen [Teil desselben], der innerhalb der Kirche, sondern auch aus demjenigen, der außerhalb derselben geboren ist, Nr. 318-328, somit aus allen, die von der ersten Entstehung dieser Erde an im Guten gelebt haben. Welch große Menschenmenge auf diesem ganzen Erdkreis ist, kann jeder sich denken, der von den Weltteilen, Ländern und Reichen dieser Erde etwas weiß; wer eine Berechnung anstellt, wird finden, daß jeden Tag viele Tausende aus ihr wegsterben, somit innerhalb eines Jahres einige Myriaden oder [vielmehr] Millionen (und dies von den ersten Zeiten an, seit denen einige Jahrtausende verflossen sind), die alle nach ihrem Verscheiden in die andere Welt, genannt die geistige Welt, kamen, und noch fort und fort kommen. Wie viele aber von diesen Engel des Himmels geworden sind und noch werden, kann nicht gesagt werden; das wurde mir gesagt, daß [es] in den alten Zeiten sehr viele [wurden], weil damals die Menschen innerlicher und geistiger dachten und infolgedessen in himmlischer Neigung waren; in den folgenden Zeiten aber nicht so viele, weil der Mensch mit dem Fortgang der Zeit äußerlicher wurde und mehr natürlich zu denken, und infolgedessen in irdischer Neigung zu sein begann. Dies kann nun den ersten Beleg dafür geben, daß der Himmel nur allein von den Bewohnern dieses Weltkörpers schon groß ist.

(416)
Daß der Himmel des Herrn unermeßlich groß ist, kann aber auch schon daraus erhellen, daß alle Kinder, seien sie nun innerhalb oder außerhalb der Kirche geboren, vom Herrn an Kindes Statt angenommen und Engel werden, und ihre Zahl bis zum vierten oder fünften Teil des Menschengeschlechts auf Erden sich erhebt. Daß jegliches Kind, wo es auch geboren sein mag, sei es innerhalb der Kirche oder außerhalb derselben, sei es von frommen oder von gottlosen Eltern, wenn es stirbt, vom Herrn angenommen und im Himmel erzogen und nach der göttlichen Ordnung unterrichtet und mit Neigungen zum Guten und durch diese mit Erkenntnissen des Wahren erfüllt und hernach, sowie es an Einsicht und Weisheit vollkommener wird, in den Himmel eingeführt und ein Engel wird, sehe man Nr. 329-345; welch große Menge Engeln des Himmels also von der ersten Schöpfung an bis auf den heutigen Tag schon allein aus diesen [Kindern] hervorging, kann man [hieraus] schließen.

(417)
Wie unermeßlich groß der Himmel des Herrn sei, kann auch daraus erhellen, daß alle den Augen in unserer Sonnenwelt sichtbaren Planeten Erdbälle sind, und daß es außer ihnen noch unzählige im Weltall gibt und alle voll Bewohner sind, von denen in einem besonderen Werkchen [»Über die Erdkörper« Nr. 2-4, 6, 126] über jene Weltkörper gehandelt worden ist, aus dem ich folgendes anführen will:

„Daß es viele Erdbälle und auf ihnen Menschen gibt, und aus diesen Geister und Engel, ist im anderen Leben eine ganz bekannte Sache; denn es wird jedem daselbst, der aus Liebe zum Wahren und zu dem aus diesen kommenden Nutzen ein Verlangen danach hat, gestattet, mit Geistern anderer Erdkörper zu reden und dadurch von der Mehrheit der Welten überzeugt und belehrt zu werden, daß das Menschengeschlecht nicht bloß aus einem Erdkörper, sondern aus unzähligen hervorgeht. Ich sprach hierüber einige Male mit Geistern unseres Erdkörpers, und es ward gesagt, daß ein Mensch, der Verstand hat, aus vielen ihm bekannten Dingen wissen könne, daß es viele Erdbälle und auf ihnen Menschen gibt; denn aus [Gründen] der Vernunft kann man schließen, daß so große Massen wie die Planeten, deren einige größer als diese Erde sind, nicht leere Klumpen, noch bloß dazu geschaffen sind, um die Sonne sich zu wälzen und zu ergehen und mit ihrem geringen Schimmer einem einzigen Erdkörper zu leuchten, sondern daß ihr Nutzzweck ein höherer als dieser sein muß. Wer glaubt (wie denn jeder so glauben muß), daß das Göttliche das Weltall zu keinem anderen Zweck erschaffen hat, als daß ein Menschengeschlecht und aus diesem ein Himmel entstehe [denn das Menschengeschlecht ist die Pflanzschule des Himmels], der muß notwendig glauben, daß überall Menschen sind, wo nur immer ein Erdball ist. Daß die Planeten, die, weil innerhalb der Grenzen dieser Sonnenwelt, befindlich, unseren Augen sichtbar sind, Erdbälle seien, kann man handgreiflich daraus erkennen, daß sie Körper von irdischer Materie sind, da sie ja das Licht der Sonne zurückwerfen und, durch Fernrohre betrachtet, nicht wie die Sterne einen rötlichen Schimmer von einer Flamme zeigen, sondern wie Erdkörper von dunklem Grunde her als vielfarbig erscheinen; dann auch daraus, daß sie gerade wie unsere Erde sich um die Sonne bewegen und auf der Bahn des Tierkreises fortgehen, und dadurch Jahre und Jahreszeiten, nämlich Frühling, Sommer, Herbst und Winter bilden; desgleichen daß sie sich ebenso wie unsere Erde um ihre Achse drehen und dadurch Tage und Tageszeiten machen, nämlich Morgen, Mittag, Abend und Nacht; und überdies auch, daß einige von ihnen Monde haben, welche Trabanten heißen, und in festgesetzten Zeiten ihren Umlauf um ihren Erdkreis machen wie der Mond um den unseren; und daß der Planet Saturn, weil er am weitesten von der Sonne entfernt ist, auch einen großen leuchtenden Gürtel hat, der diesem Erdkörper vieles, obwohl nur zurückgeworfenes Licht gibt. Wer könnte wohl je, wenn er diese Dinge weiß, und vernünftig denkt, noch sagen, dies seien unbewohnte Körper ? Überdies habe ich mit Geistern gesprochen, der Mensch könne den Glauben, daß im Weltall mehr als ein Erdkörper sei, schon daraus fassen, daß ja der Sternenhimmel so unermeßlich groß ist und in ihm so unzählig viele Sterne sind, deren jeder an seiner Stelle oder in seiner Welt eine Sonne ist wie unsere Sonne, [nur] in verschiedener Größe; wer dies wohl erwägt, der zieht den Schluß, daß dies unermeßlich große Ganze notwendig ein Mittel zu dem Endzweck sein muß, welcher der letzte der Schöpfung ist, und welcher Endzweck das himmlische Reich ist, in dem das Göttliche mit den Engeln und Menschen wohnen kann; denn das sichtbare Weltall oder der Himmel, der von so unzählig vielen Sternen erleuchtet ist, die ebenso viele Sonnen sind, ist nur das Mittel, daß Erdbälle und auf ihnen Menschen existieren, aus denen das himmlische Reich sich bilden [möge]. Jene Umstände müssen den vernünftigen Menschen notwendig zu dem Schluß führen, daß ein so unermeßliches Mittel zu so großem Endzweck nicht bloß für das Menschengeschlecht [und den aus diesen hervorgehendem Himmel] aus einem Erdball gemacht sein könne; was wäre auch dies für das Göttliche, welches das Unendliche ist, für das Tausende, ja Myriaden von Erdbällen, und diese alle voller Bewohner, nur wenig, ja kaum etwas wären ? Es gibt Geister, deren einziges Streben ist, sich Erkenntnisse zu erwerben, weil sie daran allein Vergnügen haben; diesen Geistern ist daher erlaubt, umher zu schweifen, und auch über dieses Sonnensystem hinaus in andere [Sonnensysteme] überzugehen und so sich Erkenntnisse zu erwerben; diese sagten, Erdbälle, auf denen Menschen sind, gebe es nicht bloß in diesem Sonnensystem, sondern auch außerhalb desselben, im Fixsternhimmel, in unermeßlicher Anzahl; diese Geister sind aus dem Planeten Merkur. Man hat berechnet: wenn 1,000.000 Erdbälle im Weltall wären, und auf jedem Erdball eine Zahl von 300 Millionen Menschen, und 200 Generationen innerhalb von 6000 Jahren, und jedem Menschen oder Geist ein Raum von drei Kubikellen gegeben würde, so würde gleichwohl die Gesamtzahl so vieler Menschen oder Geister nicht den Raum des [tausendsten Teiles] dieser Erde und kaum etwas mehr als den Raum eines Trabanten um die Planeten ausfüllen, was im Weltall ein Raum von beinahe unbemerkbarer Kleinheit wäre, da ein Trabant dem bloßen Auge nicht leicht erscheint; was wäre dies für den Schöpfer des Weltalls, Dem noch nicht genügte, wenn auch das ganze Weltall angefüllt wäre, da Er ja unendlich ist ? Ich sprach hierüber mit Engeln, welche sagten, sie hätten die gleiche Vorstellung von der geringen Zahl des Menschengeschlechts gegenüber der Unendlichkeit des Schöpfers, doch dächten sie nicht aus den Räumen, sondern aus den Zuständen, und nach ihrer Idee wären Erdbälle in der Zahl so vieler Myriaden, als irgend gedacht werden könnten, dennoch ganz und gar nichts vor dem Herrn.“

Über die Erdbälle im Weltall und über ihre Bewohner und die aus ihnen stammenden Geister und Engel sehe man in oben genanntem Werkchen nach; das darin Enthaltene ist mir zu dem Ende geoffenbart und gezeigt worden, damit man wissen möge, daß der Himmel des Herrn unermeßlich groß, und daß er ganz aus dem menschlichen Geschlecht ist; ferner, daß unser Herr allenthalben als Gott des Himmels und der Erde anerkannt wird.

(418)
Daß der Himmel des Herrn unermeßlich groß ist, kann auch daraus erhellen, daß der Himmel im ganzen Inbegriff einen Menschen darstellt und auch allem und jedem beim Menschen entspricht, und daß diese Entsprechung niemals ausgefüllt werden kann, weil nicht nur eine Entsprechung mit den einzelnen Gliedmaßen, Organen und Eingeweiden des Körpers im allgemeinen, sondern auch im besonderen und einzelnen mit allen und jeden Eingeweidestückchen und kleinsten Organen, die innerhalb derselben befindlich sind, ja mit den einzelnen Gefäßen und Fasern statthat, und nicht nur mit diesen, sondern auch mit den organischen Substanzen, die von innen den Einfluß des Himmels aufnehmen, aus welchem dem Menschen die inwendigen Tätigkeiten kommen, die seinen Seelenwirkungen [als Anstoß] dienen; denn alles, was inwendig im Menschen existiert, hat seine Existenz in Formen, welche Substanzen sind; denn was nicht in Substanzen als Trägern seine Existenz hat, das ist nichts; alle diese Dinge stehen im Entsprechungsverhältnis mit dem Himmel, wie dies aus dem Abschnitt erhellen kann, in welchem von der Entsprechung aller Dinge des Himmels mit allen Dingen des Menschen gehandelt worden ist, Nr. 87-102; diese Entsprechung kann niemals zu ihrer ganzen Fülle gelangen, weil je mehr engelische Zusammengesellungen stattfinden, die einem Glied entsprechen, desto vollkommener der Himmel wird, denn in den Himmeln wächst alle Vollkommenheit mit der größeren Zahl; die Ursache, warum die Vollkommenheit in den Himmeln mit der Vielheit wächst, liegt darin, daß daselbst alle ein Endziel haben und ein einmütiges Hinblicken aller auf dieses Endziel statthat; dieses Endziel ist das allgemeine Wohl, und wenn dieses herrscht, so fließt von dem allgemeinen Wohl auch den Einzelnen Gutes zu, und von dem Guten der Einzelnen fließt Gutes dem Allgemeinen zu; dies geschieht, weil der Herr alle im Himmel Sich zukehrt [man sehe Nr. 123] und dadurch macht, daß sie eins sind in Ihm. Daß die Einmütigkeit und Eintracht vieler, besonders aus solchem Ursprung und in solchem Verband, die Vollkommenheit hervorbringt, kann jeder durch die einigermaßen erleuchtete Vernunft einsehen.

(419)
Es wurde mir auch gegeben, die Ausdehnung des bewohnten Himmels und auch die des unbewohnten zu sehen, und ich sah, daß der Umfang des unbewohnten Himmels so groß ist, daß er in Ewigkeit nicht ausgefüllt werden könnte, wenn es auch Myriaden Erdbälle, und auf jedem Erdball eine Menschenmenge so groß wie auf dem unseren gäbe, worüber man auch nachsehe in dem Werkchen »Die Erdkörper im Weltall« Nr. 168.

(420)
Daß der Himmel nicht unermeßlich groß, sondern klein sei, schließen einige aus einigen Stellen im Wort, die sie nach dessen buchstäblichem Sinn verstanden, wie z.B. aus denen, in denen es heißt, daß in den Himmel nur die Armen aufgenommen werden, dann auch, daß nur die Auserwählten [electi], und daß nur die innerhalb der Kirche, nicht aber die außerhalb derselben sind, daß nur die, für die der Herr Fürsprache tut, [aufgenommen werden;] daß der Himmel geschlossen werde, wenn er ausgefüllt ist, und daß diese Zeit vorausbestimmt sei; allein diese wissen nicht, daß der Himmel niemals geschlossen wird, und daß gar keine Zeit vorausbestimmt, noch eine bestimmte Menge festgesetzt ist, und daß Auserwählte heißen, die im Leben des Guten und Wahren sind
256, und Arme, die nicht in den Erkenntnissen des Guten und Wahren sind, und doch nach denselben ein Verlangen haben, wie sie denn auch dieses Verlangens wegen Hungrige genannt werden257. Die, welche infolge des nicht verstandenen Wortes die Meinung gefaßt haben, der Himmel sei klein, die wissen auch nicht anders, als daß der Himmel an einem Orte sei, wo der Sammelplatz für alle ist, während doch der Himmel aus unzähligen Gesellschaften besteht (man sehe Nr. 41-50); auch wissen sie nicht anders, als daß der Himmel jedem aus unvermittelter Gnade zuteil werde und somit bloß eine Einlassung und Aufnahme nach Wohlgefallen sei; auch sehen sie nicht ein, daß der Herr aus Gnaden jeden führt, der Ihn aufnimmt, und daß derjenige Ihn aufnimmt, der nach den Gesetzen der göttlichen Ordnung lebt, welche die Gebote der Liebe und des Glaubens sind; und daß, also vom Herrn geführt werden von der Kindheit an bis zum letzten Lebensziel in der Welt und nachher in Ewigkeit, die Gnade ist, die gemeint ist; sie mögen also wissen, daß jeglicher Mensch für den Himmel geboren wird, und daß aufgenommen wird, wer in der Welt den Himmel in sich aufnimmt, und ausgeschlossen wird, wer ihn nicht aufnimmt.

(II)

VON DER GEISTERWELT
UND VOM
ZUSTAND DES MENSCHEN
NACH DEM TOD

(47)

WAS DIE GEISTERWELT SEI

(421)
Die Geisterwelt ist nicht der Himmel und ist auch nicht die Hölle, sondern ein Mittelort oder Mittelzustand zwischen beiden; denn dahin kommt der Mensch nach dem Tode zuerst, und dann nach vollbrachter Zeit wird er gemäß seinem Leben in der Welt entweder in den Himmel erhoben oder in die Hölle geworfen.

(422)
Die Geisterwelt ist ein Mittelort zwischen Himmel und Hölle und ist auch ein Mittelzustand des Menschen nach dem Tode; daß sie ein Mittelort ist, ward mir dadurch offenbar, daß die Höllen unterhalb, und die Himmel oberhalb sind; und daß sie ein Mittelzustand ist, dadurch, daß der Mensch, solange er daselbst ist, noch nicht im Himmel und auch noch nicht in der Hölle ist. Der Zustand des Himmels beim Menschen ist die Verbindung des Guten und Wahren bei ihm, und der Zustand der Hölle ist die Verbindung des Bösen und Falschen bei ihm; ist bei einem Geistmenschen das Gute mit dem Wahren verbunden, dann kommt er in den Himmel, weil, wie gesagt, diese Verbindung der Himmel bei ihm ist; ist aber beim Geistmenschen das Böse mit dem Falschen verbunden, dann kommt er in die Hölle, weil diese Verbindung die Hölle bei ihm ist; diese Verbindung geschieht in der Geisterwelt, weil alsdann der Mensch im Mittelzustand ist. Es ist gleichviel, ob man sagt: Verbindung des Verstandes und Willens, oder ob man sagt: Verbindung des Wahren und Guten.

(423)
Zuerst soll hier etwas von der Verbindung des Verstandes und Willens und von ihrer Gleichheit mit der Verbindung des Guten und Wahren gesagt werden, weil diese Verbindung in der Geisterwelt geschieht. Der Mensch hat Verstand und hat Willen; der Verstand nimmt die Wahrheiten auf und bildet sich aus ihnen, und der Wille nimmt das Gute auf und wird aus ihm gebildet; alles daher, was der Mensch einsieht und infolgedessen denkt, das nennt er wahr, und alles, was der Mensch will und infolgedessen denkt, das nennt er gut; der Mensch kann aus dem Verstand denken und daher auch inne werden, daß etwas wahr und auch daß es gut sei; gleichwohl jedoch denkt er es nicht aus dem Willen, sofern er es nicht will und es tut; wenn er es will und aus dem Wollen es tut, dann ist es sowohl im Verstand, als im Willen, mithin im Menschen, denn der Verstand allein macht den Menschen nicht aus, und auch nicht der Wille allein, sondern Verstand und Wille zusammen; was daher in beiden ist, das ist im Menschen und ihm angeeignet; was bloß im Verstand ist, das ist zwar beim Menschen, aber nicht in ihm; es ist bloß Sache seines Gedächtnisses und Sache des Gedächtniswissens, an die er denken kann, wenn er nicht in sich, sondern außer sich bei anderen ist, von der er also auch reden und darüber Betrachtungen anstellen, und nach welcher er auch Gefühle und Gebärden heucheln kann.

(424)
Daß der Mensch aus dem Verstand denken kann, ohne zugleich aus dem Willen zu denken, ist zu dem Ende vorgesehen worden, daß er umgebildet werden könne; denn der Mensch wird durch die Wahrheiten umgebildet [reformatur], und die Wahrheiten sind, wie gesagt, Sache des Verstandes; der Mensch wird nämlich dem Willen nach in alles Böse geboren, daher er keinem wohl will, als nur sich allein, und wer sich allein wohl will, der freut sich über das Übel, das anderen, besonders seinetwegen, zustößt; denn er will die Güter aller anderen, seien es nun Ehrenstellen oder Reichtümer, an sich bringen, und inwieweit er dies kann, ist er in sich vergnügt; damit nun dieses Wollen gebessert und umgebildet werde, ist dem Menschen gegeben, die Wahrheiten einsehen und durch dieselben die Neigungen zum Bösen, die aus seinem Willen hervorbrechen, zähmen zu können; daher kommt, daß der Mensch die Wahrheiten aus dem Verstand denken und sie auch aussprechen und tun kann, gleichwohl aber sie nicht aus dem Willen zu denken vermag, bevor er so geartet ist, daß er sie aus sich, das heißt von Herzen will und sie tut; ist der Mensch so, dann ist, was er aus dem Verstand denkt, Sache seines Glaubens, und was er aus dem Willen denkt, Sache seiner Liebe; weshalb sich alsdann Glaube und Liebe bei ihm verbinden, wie Verstand und Wille.

(425)
Inwieweit demnach die Wahrheiten, die im Verstand sind, verbunden sind mit dem Guten, das im Willen ist, inwieweit also der Mensch die Wahrheiten will und infolgedessen sie tut, insoweit hat der Mensch den Himmel in sich, weil, wie oben gesagt worden, die Verbindung des Guten und Wahren der Himmel ist; inwieweit dagegen das Falsche, das im Verstand ist, verbunden ist mit dem Bösen, das im Willen ist, insoweit hat der Mensch die Hölle in sich; inwieweit aber die Wahrheiten, die im Verstand sind, nicht verbunden sind mit dem Guten, das im Willen ist, insoweit ist der Mensch im Mittelzustand; fast jeder Mensch ist heutzutage in einem solchen Zustand, daß er Wahrheiten weiß, und aus dem Wissen und auch aus dem Verstand sie denkt, und entweder vieles oder wenig oder gar nichts aus ihnen tut, oder wider sie tut aus Liebe zum Bösen und dem daher rührenden Glauben an Falsches; damit er nun entweder den Himmel oder die Hölle habe, wird er nach dem Tode zuerst in die Geisterwelt geführt, und dort erfolgt eine Verbindung des Guten und Wahren bei denen, die in den Himmel erhoben, und eine Verbindung des Bösen und Falschen bei denen, die in die Hölle geworfen werden sollen; denn weder im Himmel, noch in der Hölle darf jemand ein zerteiltes Gemüt haben, nämlich anderes erkennen und anderes wollen, sondern was er will, das soll er auch erkennen, und was er erkennt, das soll er auch wollen; wer daher im Himmel das Gute will, der soll auch das Wahre einsehen, und wer in der Hölle das Böse will, soll Falsches verstehen; darum wird dort bei den Guten das Falsche entfernt und werden ihnen die mit ihrem Guten übereinstimmenden und gleichförmigen Wahrheiten gegeben, und bei den Bösen daselbst werden die Wahrheiten weggeschafft, und es wird ihnen das mit ihrem Bösen übereinstimmende Falsche gegeben. Hieraus erhellt, was die Geisterwelt ist.

(426)
In der Geisterwelt ist eine ungeheure Zahl, weil dort der erste Sammelplatz aller ist, und daselbst alle geprüft und zubereitet werden; die Dauer ihres Aufenthaltes daselbst hat kein festbestimmtes Ziel: einige treten nur ein und werden dann gleich entweder in den Himmel erhoben oder in die Hölle hinabgeworfen; einige bleiben nur etliche Wochen dort, einige viele Jahre, jedoch nicht über dreißig. Die Verschiedenheit der Dauer findet statt infolge der Entsprechung und Nichtentsprechung des Inwendigen und des Auswendigen beim Menschen. Wie aber der Mensch in jener Welt von einem Zustand in den anderen übergeleitet und zubereitet wird, soll im folgenden gesagt werden.

(427)
Die Menschen werden nach ihrem Hingang, sobald sie in die Geisterwelt kommen, vom Herrn wohl unterschieden; die Bösen werden sogleich an die höllische Gesellschaft gekettet, in der sie ihrer herrschenden Liebe nach [schon] in der Welt waren; die Guten aber werden alsbald mit der himmlischen Gesellschaft verknüpft, in der auch sie schon in der Welt hinsichtlich der Liebe, der Liebtätigkeit und des Glaubens waren. Obgleich sie aber so unterschieden sind, kommen sie doch in jener Welt zusammen, und es sprechen sich, wenn sie es wünschen, alle, die bei Leibesleben miteinander befreundet und bekannt waren, besonders die Ehefrauen und Ehemänner und auch die Brüder und Schwestern; ich sah, wie ein Vater mit seinen sechs Söhnen sprach und sie wieder erkannte; und viele andere mit ihren Verwandten und Freunden; weil sie aber von ihrem Leben in der Welt her verschiedener Gesinnung waren, trennten sie sich nach kurzer Zeit voneinander; diejenigen hingegen, die aus der Geisterwelt in den Himmel, und die in die Hölle kommen, sehen sich nachher nicht wieder, noch erkennen sie einander, außer wenn sie gleicher Gesinnung aus gleicher Liebe sind; die Ursache, warum sie wohl in der Geisterwelt, nicht aber im Himmel und in der Hölle sich wiedersehen, ist die, daß die, welche in der Geisterwelt sind, in die gleichen Zustände, die sie bei Leibesleben hatten, und zwar von einem in den anderen versetzt werden, nachher aber alle in einen bleibenden Zustand gebracht werden, der dem Zustand ihrer herrschenden Liebe gleich ist, und in dem der eine den anderen bloß infolge der Gleichheit der Liebe kennt; denn, wie Nr. 41-50 gesagt worden, die Ähnlichkeit verbindet und die Unähnlichkeit trennt.

(428)
So wie die Geisterwelt ein Mittelzustand zwischen Himmel und Hölle beim Menschen ist, so ist sie auch ein Mittelort; unterhalb sind die Höllen, und oberhalb sind die Himmel. Alle Höllen sind gegen jene Welt hin verschlossen und nur zugänglich durch Löcher und Ritze wie die der Felsen und durch in die Breite sich ausdehnende Spalten, welche bewacht sind, damit keiner herausgehe, außer es sei ihm erlaubt worden, was auch zuweilen geschieht, wenn irgendeine Notwendigkeit es erfordert, wovon im folgenden; auch der Himmel ist auf allen Seiten umzäunt, und zu irgendeiner himmlischen Gesellschaft ist der Zutritt nur offen auf einem schmalen Pfad, dessen Eingang auch bewacht ist; jene Ausgänge und diese Eingänge sind es, die im Wort Tore und Pforten der Hölle und des Himmels heißen.

(429)
Die Geisterwelt erscheint wie ein Tal zwischen Bergen und Felsen, das da und dort sich einsenkt und ansteigt. Die Tore und Pforten zu den himmlischen Gesellschaften sind nur sichtbar für die, welche zum Himmel zubereitet sind und werden von anderen nicht gefunden; zu jeder Gesellschaft führt aus der Geisterwelt ein Eingang, und hinter diesem ein Weg, der aber beim Hinansteigen sich in mehrere teilt; die Tore und Eingänge zu den Höllen erscheinen auch nur denen, die hineingehen sollen und denen sie alsdann geöffnet werden; wenn sie geöffnet sind, so erscheinen finstere, wie mit Ruß überzogene Höhlen, die sich schief abwärts in die Tiefe ziehen, wo wieder mehrere Eingänge sind; durch jene Höhlen dünsten garstige Dämpfe und ekelhafte Gerüche hervor, welche die guten Geister fliehen, weil sie ihnen ein Abscheu sind, während die bösen Geister sie begierig aufsuchen, weil sie ihnen behagen; denn wie jeder in der Welt sich an seinem Bösen ergötzte, so ergötzt er sich nach dem Tod an dem üblen Geruch, dem sein Böses entspricht; sie können hierin den Raubvögeln und reißenden Tieren, z.B. den Raben, Wölfen, Schweinen verglichen werden, die, wenn sie den Qualm davon wittern, auf das Aas und den Mist zufliegen und zulaufen; ich hörte einen wie von inwendigem Schmerz laut aufschreien, als ihn der dem Himmel entströmende Hauch berührte, dagegen aber [sah ich ihn] ruhig und vergnügt, als ihn der aus der Hölle ausströmende Dunst traf.

(430)
Es gibt auch bei jeglichem Menschen zwei Pforten, deren eine gegen die Hölle zu offen steht und geöffnet ist für das Böse und das Falsche aus diesem, die andere Pforte aber gegen den Himmel zu offen steht und geöffnet ist für das Gute und die Wahrheiten aus diesem; die Pforte der Hölle ist denjenigen geöffnet, die im Bösen und hieraus im Falschen sind, und nur durch die Spalten oben fließt etwas Licht aus dem Himmel ein, durch welchen Einfluß der Mensch denken, schließen und reden kann; die Pforte des Himmels hingegen ist denen geöffnet, die im Guten und hieraus im Wahren sind; es gibt nämlich zwei Wege, die zum vernünftigen Gemüt des Menschen führen, einen oberen oder inneren Weg, durch den Gutes und Wahres vom Herrn her eindringt, und einen unteren oder äußeren Weg, durch den Böses und Falsches von der Hölle her eindringt; das vernünftige Gemüt selbst, zu dem beide Wege führen, liegt in der Mitte; in dem Maß daher, in welchem Licht aus dem Himmel eingelassen wird, ist der Mensch vernünftig, in dem Maß aber, in dem es nicht aufgenommen wird, ist er nicht vernünftig, wie sehr er sich auch dünken mag. Dies ist gesagt worden, damit man auch wisse, in welcher Entsprechung der Mensch mit dem Himmel und mit der Hölle steht; sein vernünftiges Gemüt entspricht, solange es in der Bildung begriffen ist, der Geisterwelt, was über jenem ist, dem Himmel, und was unterhalb ist, der Hölle; die oberhalb desselben befindlichen Gebiete werden geöffnet und die unterhalb desselben befindlichen dem Einfluß des Bösen und des Falschen verschlossen, bei denen, die zum Himmel zubereitet werden; dagegen werden die unterhalb desselben befindlichen Dinge geöffnet und die oberhalb desselben befindlichen dem Einfließen des Guten und Wahren verschlossen bei denen, die zur Hölle zubereitet werden; daher diese nur unter sich, das heißt nach der Hölle zu blicken können, jene dagegen nur über sich, das heißt zum Himmel; über sich blicken heißt, zum Herrn aufsehen, weil Er der allgemeine Mittelpunkt ist, auf den alle Dinge des Himmels ihr Absehen haben, unter sich blicken aber heißt, rückwärts vom Herrn weg auf den entgegengesetzten Mittelpunkt hinblicken, gegen den alle Dinge der Hölle hinsehen und sich hinwenden, man sehe Nr. 123, 124.

(431)
Diejenigen, die in der Geisterwelt sind, sind im bisherigen unter den Geistern, wo diese genannt wurden, verstanden worden, unter den Engeln dagegen die, welche im Himmel sind.

(48)

DAß JEGLICHER MENSCH
SEINEM INWENDIGEN NACH EIN GEIST SEI

(432)
Wer es gehörig erwägt, kann wissen, daß der Körper, weil er materiell ist, nicht denkt, sondern die Seele, weil sie geistig ist; die Seele des Menschen, über deren Unsterblichkeit viele geschrieben haben, ist sein Geist; denn dieser ist unsterblich nach allem, was ihm angehört, und er ist es auch, der im Körper denkt; denn er ist geistig, und das Geistige nimmt das Geistige in sich auf und lebt geistig, das heißt, es denkt und will; alles geistige Leben daher, das im Körper erscheint, gehört jenem und nichts davon dem Körper an; denn der Körper ist, wie oben gesagt worden, materiell, und das Materielle, welches das Eigentümliche des Körpers ist, ist dem Geiste nur beigefügt und beinahe wie beigebunden, zu dem Ende, daß der Geist des Menschen sein Leben führen und Nutzen schaffen könne in der natürlichen Welt, deren sämtliche Dinge materiell und an sich leblos sind, und weil das Materielle nicht lebt, sondern bloß das Geistige, so kann offenbar sein, daß alles, was beim Menschen lebt, seinem Geist angehört, und daß der Körper diesem nur dient, ganz wie ein Werkzeug der lebendigen Bewegkraft; zwar sagt man von einem Werkzeuge, daß es wirke, bewege oder stoße; glaubt man aber wirklich, daß dies dem Werkzeug und nicht demjenigen zukomme, welcher wirkt, bewegt und stößt, so täuscht man sich.

(433)
Da nun alles, was im Körper lebt und aus dem Leben wirkt und fühlt, einzig dem Geist und nichts davon dem Körper angehört, so folgt, daß der Geist der Mensch selbst ist; oder, was gleichviel ist, daß der Mensch an sich betrachtet ein Geist ist und [dieser] auch gleiche Gestalt hat; denn alles, was im Menschen lebt und empfindet, gehört seinem Geist an, und vom Haupt bis zur Fußsohle ist nichts im Menschen, das nicht lebt und empfindet; woraus folgt, daß wenn der Körper von seinem Geist abgetrennt wird, was man sterben heißt, der Mensch dennoch Mensch bleibt und lebt. Ich hörte aus dem Himmel, daß einige bei ihrem Sterben, wenn sie auf der Totenbahre [ferali mensa] liegen und noch nicht auferweckt sind, in ihrem erkalteten Körper fortdenken und nicht anders wissen, als daß sie noch leben, mit dem Unterschied jedoch, daß sie kein einziges materielles Teilchen, das zum Körper gehört, bewegen können.

(434)
Der Mensch kann nicht denken und nicht wollen, sofern nicht eine substantielle Unterlage da ist, aus der und in der es geschieht; was vermeintlich existieren soll ohne substantielle Unterlage, das ist ein Nichts; man kann dies daraus wissen, daß der Mensch ohne ein Organ, das die Unterlage seines Gesichtssinnes ist, nicht sehen, und ohne ein Organ, das die Unterlage seines Gehörsinnes ist, nicht hören kann; Gesicht und Gehör sind ohne diese ein Nichts, ja eine Unmöglichkeit; so denn auch das Denken, welches das innere Sehen, und das Innewerden [apperceptio], welches das innere Hören ist, wären diese nicht in Substanzen und aus solchen, die organische Formen und die Unterlagen sind, so würden sie durchaus nicht zum Dasein kommen; woraus erhellen kann, daß der Geist des Menschen, wenn er vom Körper getrennt ist, ebenso eine Gestalt hat, und daß diese Gestalt die menschliche ist, und daß er ebensowohl Sinnesorgane und Sinne hat, wie da er noch in jenem [Körper] war, und daß alles Leben des Auges und alles Leben des Ohres, kurz alles Leben der Sinne, das der Mensch hat, nicht seinem Körper, sondern seinem Geist angehört, der in jenen und im einzelnsten derselben ist; daher kommt, daß die Geister ebensogut wie die Menschen sehen, hören und empfinden, jedoch nach der Trennung vom Körper nicht [mehr] in der natürlichen, sondern in der geistigen Welt; daß der Geist, solange er im Körper war, in natürlicher Weise empfand, geschah durch das ihm beigefügte Materielle, gleichwohl jedoch empfand er damals auch zugleich geistig, indem er dachte und wollte.

(435)
Dies ist zu dem Ende gesagt worden, daß der vernünftige Mensch überführt werde, daß der Mensch an sich betrachtet ein Geist, und daß das ihm wegen seiner Verrichtungen in der natürlichen und materiellen Welt beigefügte Körperliche nicht der Mensch, sondern nur ein Werkzeug seines Geistes ist. Doch besser sind Belege aus der Erfahrung, weil die Vernunftgründe von vielen nicht gefaßt und von denen, die sich im Gegenteil bestärkt haben, durch Folgerungen aus den Täuschungen der Sinne in Zweifelhaftes verwandelt werden. Die sich im Gegenteil bestärkt haben, denken gewöhnlich, die Tiere leben und empfinden ja in gleicher Weise und haben also ein Geistiges gleich dem des Menschen, und doch sterbe dasselbe mit dem Körper, allein das Geistige der Tiere ist nicht von der Art, wie das des Menschen; der Mensch hat, was die Tiere nicht haben, ein Innerstes, in welches das Göttliche einfließt, es zu Sich erhebt und dadurch mit Sich verbindet, infolgedessen der Mensch vor den Tieren voraus hat, daß er über Gott und über die göttlichen Dinge, welche die des Himmels und der Kirche sind, denken und Gott aus diesen und in ihnen lieben, und so mit Ihm verbunden werden kann, und was mit dem Göttlichen verbunden werden kann, das kann nicht zerfallen; was aber nicht mit dem Göttlichen verbunden werden kann, das zerfällt; vom Innersten, das der Mensch vor den Tieren voraus hat, ist Nr. 39 gehandelt worden, und das dort Gesagte muß hier wieder eingerückt werden, weil von Wichtigkeit ist, die Trugschlüsse zu zerstreuen, die aus jenem [Schein] gezogen werden, wie dies von vielen geschieht, die aus Mangel an Kenntnissen und wegen nicht aufgeschlossenen Verstandes hierüber nicht vernünftig urteilen können; die dort stehenden Worte sind:

„Ich möchte ein Geheimnis von den Engeln der drei Himmel kund geben, das früher keinem in den Sinn kam, weil man die Abstufungen [gradus] nicht kannte, von denen Nr. 38 die Rede war; daß nämlich bei jedem Engel und auch bei jedem Menschen eine innerste und höchste Stufe ist, oder ein Innerstes und Höchstes, in welches das Göttliche des Herrn zuerst oder zunächst einfließt, und aus dem es das übrige Inwendige zurechtstellt, das nach den Abstufungen der Ordnung bei ihnen sich anreiht: dieses Innerste oder Höchste kann der Eingang des Herrn zum Engel und zum Menschen und Seine eigentlichste Wohnung bei ihnen genannt werden; durch dieses Innerste oder Höchste ist der Mensch Mensch und unterscheidet er sich von den unvernünftigen Tieren, denn diese haben es nicht; daher kommt, daß der Mensch, zum Unterschied von den Tieren, nach all seinem Inwendigen, dem Gebiet seines Gemütes und seiner Gesinnung, vom Herrn zu Sich erhoben werden, daß er an Ihn glauben, von Liebe zu Ihm angeregt werden und so Ihn sehen, und daß er Einsicht und Weisheit in sich aufnehmen und mit Vernunft reden kann; daher kommt auch, daß er ewig fortlebt. Was aber in jenem Innersten vom Herrn in Ordnung gebracht und vorgesehen wird, das fließt nicht klar ins Bewußtsein eines Engels ein, weil es über seinem Denken steht und über seine Weisheit hinausgeht“.

(436)
Daß der Mensch seinem Inwendigen nach ein Geist ist, ward mir durch viele Erfahrungen zu wissen gegeben, die, wenn ich sie alle anführen wollte, wie man zu sagen pflegt, ganze Bücher füllen würden; ich sprach mit den Geistern als Geist und sprach mit ihnen als Mensch im Körper; und wenn ich mit ihnen als Geist sprach, so wußten sie nicht anders, als daß ich selbst ein Geist sei und auch wie sie in menschlicher Gestalt; so erschien ihnen mein Inwendiges, weil, solange ich als Geist sprach, mein materieller Körper nicht erschien.

(437)
Daß der Mensch seinem Inwendigen nach ein Geist ist, kann daraus erhellen, daß er, nachdem sein Körper abgetrennt ist, was mit dem Tode geschieht, nachher dennoch als Mensch fortlebt wie zuvor; damit ich darin bestärkt würde, ward mir gegeben, fast mit allen zu reden, die ich je bei ihres Körpers Leben gekannt hatte, mit einigen stundenlang, mit einigen wochen- und monatelang und mit einigen jahrelang, und dies hauptsächlich darum, damit ich darin bestärkt würde und es bezeugen könnte.

(438)
Diesem darf ich beifügen, daß jeglicher Mensch, auch während er noch im Körper lebt, seinem Geiste nach, obwohl er nichts davon weiß, in Gesellschaft von Geistern, und durch diese der Gute in einer engelischen Gesellschaft, und der Böse in einer höllischen Gesellschaft ist, und daß er in dieselbe Gesellschaft auch nach dem Tode kommt; dies ist denen, die nach dem Tod unter die Geister kamen, öfter gesagt und gezeigt worden. Zwar erscheint der Mensch, solange er in der Welt lebt, nicht als Geist in dieser Gesellschaft, weil er so lange noch naturmäßig denkt; diejenigen jedoch, welche abgezogen [abstracte] vom Körper denken, erscheinen, weil sie dann im Geiste sind, zuweilen in ihrer Gesellschaft und werden, wenn sie erscheinen, von den darin befindlichen Geistern wohl unterschieden; denn sie gehen, in Gedanken versunken, stumm einher und sehen andere nicht an, es ist, wie wenn sie diese gar nicht bemerkten, und sobald ein Geist sie anredet, verschwinden sie.

(439)
Zur Verdeutlichung, daß der Mensch seinem Inwendigen nach ein Geist ist, will ich aus [meiner] Erfahrung anführen, wie es zugeht, wenn der Mensch dem Körper entrückt, und wie, wenn er vom Geist an einen anderen Ort versetzt wird.

(440)
Was das erste anbelangt, nämlich das vom Körper weggeführt werden, so verhält es sich damit so: der Mensch wird in einen Zustand gebracht, der die Mitte hält zwischen Schlafen und Wachen, und wenn er in diesem Zustand ist, so kann er nicht anders wissen, als daß er völlig wach sei; alle Sinne sind so wach wie beim vollkommensten Wachen des Körpers, sowohl das Gesicht als das Gehör, und, merkwürdigerweise, auch das Gefühl, das alsdann feiner ist, als es je beim Wachen des Körpers möglich wäre; in diesem Zustand sind auch Geister und Engel ganz leibhaftig [von mir] gesehen und gehört, und, merkwürdigerweise, auch berührt worden, und doch war damals fast nichts vom Körper dabei [intererat]; dies ist der Zustand, von dem es heißt, man werde vom Körper weggeführt und wisse nicht, ob man im Körper oder außerhalb des Körpers sei. In diesem Zustand bin ich bloß drei- oder viermal versetzt worden, bloß damit ich wisse, wie er beschaffen ist, und zugleich auch, daß die Geister und Engel alle Sinne haben und ebenso der Mensch als Geist, wenn er dem Körper entrückt ist.

(441)
Was das andere anbelangt, nämlich vom Geist an einen anderen Ort entrückt werden, so ist mir durch lebendige Erfahrung gezeigt worden, was es ist und wie es geschieht, doch dies nur zwei- oder dreimal; ich will bloß die Erfahrung anführen; indem ich durch die Straßen einer Stadt und durch die Gefilde lustwandelte und zugleich auch im Gespräch mit Geistern war, wußte ich nicht anders, als daß ich ebenso wache und sehe, wie zu anderen Zeiten; so ging ich, ohne mich zu verirren, und währenddessen war ich im Gesicht und sah Haine, Ströme, Paläste, Häuser, Menschen und anderes mehr; nachdem ich aber so stundenlang mich ergangen hatte, war ich im Gesichtssinn des Körpers und gewahrte, daß ich mich an einem anderen Ort befinde, worüber ich sehr erstaunte und nun bemerkte, daß ich in einem Zustand war, wie die, von denen es heißt, daß sie „vom Geist an einen anderen Ort entrückt worden seien“; denn solange derselbe währt, denkt man nicht an den Weg, und wenn es auch mehrere Meilen weit ginge, noch wird irgend Ermüdung empfunden; auch wird man dann auf Wegen geführt, die man selbst nicht kennt, bis an den bestimmten Ort, ohne sich zu verirren.

(442)
Allein diese beiden Zustände des Menschen, die seine Zustände sind, wenn er sich in seinem Inwendigen befindet, oder, was dasselbe besagt, in seinem Geist ist, sind außerordentlich mir bloß gezeigt, damit ich wüßte, wie sie beschaffen sind, weil sie innerhalb der Kirche bekannt sind; hingegen mit Geistern zu reden und bei ihnen zu sein wie einer von ihnen, ist mir auch bei vollem Wachen des Körpers gegeben worden, und dies nun schon viele Jahre hindurch.

(443)
Daß der Mensch seinem Inwendigen nach ein Geist ist, kann noch weiter bestätigt werden durch das, was Nr. 311-317 gesagt und gezeigt worden ist, wo davon, daß Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht sind, gehandelt worden ist.

(444)
Unter dem, daß der Mensch seinem Inwendigen nach ein Geist sei, wird verstanden, hinsichtlich dessen, was zu seinem Denken und Wollen gehört, weil diese das eigentliche Inwendige sind, das macht, daß der Mensch Mensch ist, und zwar ein solcher Mensch, wie er hinsichtlich derselben beschaffen ist.

(49)

VON DES MENSCHEN
AUFERWECKUNG VON DEN TOTEN
UND SEINEM EINTRITT INS EWIGE LEBEN

(445)
Wenn der Körper seine Verrichtungen in der natürlichen Welt, die den Gedanken und Neigungen seines Geistes, die er aus der geistigen Welt hat, entsprechen, nicht mehr versehen kann, so sagt man, der Mensch sterbe; dies geschieht, wenn die Atemzüge der Lunge und die Pulsschläge des Herzens aufhören; gleichwohl jedoch stirbt der Mensch nicht, sondern wird bloß vom Körperlichen getrennt, das ihm in der Welt zum Gebrauch gedient hatte; der Mensch selbst lebt; ich sagte, der Mensch selbst lebe, weil der Mensch nicht Mensch ist durch den Körper, sondern durch den Geist, da es ja der Geist ist, der im Menschen denkt und das Denken nebst der Neigung den Menschen ausmacht. Hieraus erhellt, daß der Mensch, wenn er stirbt, nur von einer Welt in die andere übergeht; daher kommt, daß der Tod im Wort in dessen innerem Sinn die Auferstehung und das Fortleben bedeutet
258.

(446)
Der Geist steht in innigster Gemeinschaft mit dem Atmen und mit dem Herzschlag, sein Denken mit dem Atmen und die Neigung [affectio], die seiner Liebe angehört, mit dem Herzen
259, weshalb, sobald diese beiden Bewegungen im Körper aufhören, sofort die Trennung da ist; jene beiden Bewegungen, nämlich das Atemholen der Lunge und der Pulsschlag des Herzens, sind die eigentlichen Bande, nach deren Zerreißung der Geist sich selbst überlassen ist, und der Körper, weil er alsdann ohne das Leben seines Geistes ist, erkaltet und verwest. Daß die innigste Gemeinschaft des Menschengeistes mit dem Atem und mit dem Herzen besteht, hat seinen Grund darin, daß alle Lebensbewegungen davon abhängen, nicht bloß im allgemeinen, sondern auch in jedem Teil260.

(447)
Der Geist des Menschen bleibt nach der Lostrennung noch eine Zeitlang im Körper, jedoch nicht länger als bis zum völligen Stillstehen des Herzens, was mit Verschiedenheit geschieht je nach dem Zustand der Krankheit, an welcher der Mensch stirbt; denn die Bewegung des Herzens hält bei einigen lange und bei anderen nicht lange an; sobald diese Bewegung aufhört, wird der Mensch auferweckt: dies geschieht aber allein vom Herrn; unter der Auferweckung wird verstanden die Herausführung des Menschengeistes aus dem Körper und seine Einführung in die geistige Welt, die gemeinhin die Auferstehung genannt wird. Daß der Geist des Menschen nicht früher vom Körper getrennt wird, als wann die Bewegung des Herzens aufgehört hat, hat seinen Grund darin, daß das Herz der aus der Liebe kommenden Neigung entspricht, die das eigentliche Leben des Menschen ist; denn aus einer Liebe hat jeder seine Lebenswärme
261; solange daher diese Verbindung besteht, so lange ist auch die Entsprechung da und aus dieser das Leben des Geistes im Körper.

(448)
Wie die Auferweckung vor sich gehe, ist mir nicht bloß gesagt, sondern auch durch lebendige Erfahrung gezeigt worden; die Erfahrung selbst geschah an mir, damit ich vollkommen wissen möchte, wie es damit zugeht.

(449)
Ich ward in einen Zustand der Empfindungslosigkeit hinsichtlich der körperlichen Sinne, somit beinahe in den Zustand der Sterbenden gebracht, während jedoch das inwendige Leben samt dem Denken unversehrt blieb, damit ich wahrnehmen und im Gedächtnis behalten möchte, was vorging und was denen geschieht, die von den Toten auferweckt werden; ich nahm war, daß das Atmen des Körpers beinahe weggenommen war, während das inwendige Atmen, welches das des Geistes ist, zurückblieb, verbunden mit einem schwachen und leisen des Körpers. Zuerst ward nun eine Gemeinschaft hinsichtlich des Herzschlages mit dem himmlischen Reich eröffnet, weil dieses Reich dem Herzen des Menschen entspricht
262; es erschienen auch Engel aus demselben, einige in der Ferne und zwei nahe beim Haupt, bei dem sie sich niederließen; infolgedessen wurde [mir] alle eigene Gemütsregung [affectio] weggenommen, dennoch aber blieb das Denken und das Bewußtsein [perceptio]; in diesem Zustand war ich einige Stunden lang. Die Geister, die um mich gewesen waren, entfernten sich jetzt, weil sie meinten, ich sei gestorben; auch ward ein aromatischer Geruch empfunden, wie von einem einbalsamierten Leichnam; denn wenn himmlische Engel zugegen sind, so wird das Leichenhafte wie Aromatisches empfunden, und wenn dieses die Geister riechen, so können sie nicht herzunahen; so werden denn auch die bösen Geister vom Geist des Menschen gleich bei seiner Einführung in das ewige Leben abgehalten. Die Engel, die beim Haupt saßen, waren still; sie brachten bloß ihre Gedanken in Berührung mit den meinigen; werden jene aufgenommen, so wissen die Engel, daß der Geist des Menschen in dem Zustand ist, daß er aus dem Körper herausgeführt werden kann. Die Mitteilung ihrer Gedanken geschah dadurch, daß sie mir ins Angesicht sahen; denn so geschehen im Himmel die Mitteilungen der Gedanken. Weil mir das Denken und Empfinden gelassen war, und zwar zu dem Ende, daß ich wissen und behalten möchte, wie die Auferweckung geschieht, so ward ich inne, daß jene Engel zuerst forschten, wohin mein Denken gehe, (ob es gleich sei dem der Sterbenden, die gewöhnlich an das ewige Leben denken), und daß sie mein Gemüt in diesen Gedanken festhalten wollten; nachher wurde [mir] gesagt, daß der Geist des Menschen beim Verscheiden des Körpers so lange in seinem letzten Gedanken festgehalten wird, bis er zu den Gedanken zurückkehrt, die aus derjenigen Neigung hervorgehen, die in der Welt die allgemeine oder herrschende bei ihm gewesen war. Besonders ward [mir] wahrzunehmen und auch zu empfinden gegeben, daß ein Ansichziehen und gleichsam Herausreißen des Inwendigen, des Gebietes meines Gemütes, somit meines Geistes aus dem Körper stattfand, und es ward [mir] gesagt, daß dies vom Herrn kam, und daß daher die Auferstehung komme.

(450)
Wenn die himmlischen Engel beim Auferweckten sind, so verlassen nicht sie ihn, weil sie jeglichen lieben; ist aber der Geist von der Art, daß er nicht länger mehr im Umgang mit den himmlischen Engeln sein kann, so ist er es, der sich von ihnen hinwegsehnt; wenn dies geschieht, so kommen Engel aus dem geistigen Reich des Herrn, durch die ihm der Genuß des Lichtes gegeben wird, denn vorher hatte er nichts gesehen, sondern bloß gedacht; es ward auch gezeigt, wie dies geschieht; es schien, als ob jene Engel die Haut des linken Auges gegen die Scheidewand der Nase hin aufwickelten, damit das Auge geöffnet und das Sehen gegeben würde; der Geist nimmt auch nicht anders wahr, als daß es so geschehe, allein es ist ein Schein; haben sie nun, wie es schien, das Häutchen weggezogen, so erscheint einige Helle, jedoch noch dunkel, wie wenn der Mensch beim ersten Erwachen durch die Augenwimpern blickt; dies Helldunkel schien mir von himmlischer Farbe zu sein; nachher wurde [mir] jedoch gesagt, daß dies [nach Umständen] in verschiedener Weise geschehe; hierauf fühlt man, als ob vom Angesicht etwas sanft ausgewickelt werde; ist dies geschehen, so wird [ihm] geistiges Denken beigebracht; jene Auswickelung aus dem Angesicht ist auch ein Schein, denn es wird dadurch vorgebildet, daß er aus dem natürlichen Denken ins geistige Denken komme; die Engel suchen dann mit größter Sorgfalt zu bewirken, daß vom Auferweckten keine andere Vorstellung ausgehe, als die nach der Liebe schmeckt [sapit ex amore]; dann sagen sie ihm, daß er ein Geist sei. Die geistigen Engel leisten, nachdem ihm der Genuß des Lichtes gegeben worden, dem neuen Geist alle Dienste, die er in diesem Zustand irgend wünschen mag, und unterrichten ihn über die Dinge, die im anderen Leben sind, soweit er es nämlich fassen kann; ist er aber nicht von der Art, daß er unterrichtet werden will, so sehnt sich der Auferweckte aus der Gesellschaft dieser Engel hinweg; gleichwohl jedoch verlassen nicht die Engel ihn, sondern er trennt sich von ihnen; denn die Engel lieben einen jeden und wünschen nichts sehnlicher, als Dienste zu leisten, zu unterrichten und in den Himmel zu erheben; darin besteht ihr größtes Vergnügen. Trennt sich nun der Geist auf diese Weise, so wird er von guten Geistern aufgenommen, und wenn er in ihrer Gemeinschaft ist, so werden ihm auch alle Dienste geleistet; ist aber sein Leben in der Welt so beschaffen gewesen, daß er in der Gesellschaft der Guten nicht sein konnte, so sehnt er sich auch von diesen weg, und dies so lange und so oft, bis er sich solchen beigesellt, die mit seinem in der Welt geführten Leben völlig übereinstimmen, bei diesen findet er sein Leben und führt dann, merkwürdigerweise, das gleiche Leben wie in der Welt.

(451)
Allein dieser Anfang des Lebens des Menschen nach dem Tode währt nicht länger als einige Tage; wie er aber nachher von einem Zustand in den anderen und zuletzt entweder in den Himmel oder in die Hölle geführt wird, soll im folgenden gesagt werden; auch dies ist mir durch viele Erfahrung zu wissen gegeben worden.

(452)
Ich sprach mit einigen am dritten Tag nach ihrem Hinscheiden, und da ging dasjenige vor, wovon Nr. 449, 450 [die Rede war] mit dreien auch, die ich in der Welt gekannt hatte, und diesen erzählte ich, daß man nun eben zu ihrem Leichenbegängnis Anstalten treffe, damit ihr Körper begraben werde; ich hatte den Ausdruck gebraucht, damit sie begraben würden; da sie dies hörten, befiel sie einiges Staunen; sie sagten, sie leben ja, das aber möge man beerdigen, was ihnen in der Welt gedient hatte; nachher wunderten sie sich sehr, daß sie, solange sie im Körper lebten, nicht an ein solches Leben nach dem Tode geglaubt hatten, und besonders darüber, daß innerhalb der Kirche beinahe alle [in solchem Unglauben sind]. Die, welche in der Welt an gar kein Leben der Seele nach dem Tode des Körpers geglaubt hatten, sind, wenn sie bemerken, daß sie leben, sehr beschämt; allein diejenigen, die sich hierin bestärkt hatten, werden zu gleichen gesellt und von denen, die im Glauben waren, getrennt; meistens werden sie an eine höllische Gesellschaft gekettet, weil solche ebenfalls das Göttliche geleugnet und die Wahrheiten der Kirche verachtet hatten; denn inwieweit jemand sich wider das ewige Leben seiner Seele bestärkt, insoweit bestärkt er sich auch wider die Dinge des Himmels und der Kirche.

(50)

DAß DER MENSCH NACH DEM TODE
VOLLKOMMENE MENSCHENGESTALT HABE

(453)
Daß die Gestalt des Geistes des Menschen die menschliche Gestalt sei, oder daß der Geist auch seiner Gestalt nach Mensch sei, kann aus demjenigen erhellen, was oben in mehreren Abschnitten gezeigt worden ist, besonders aus denen, in denen gezeigt wurde, daß jeglicher Engel vollkommene Menschengestalt hat, Nr. 73-77, und daß jeder Mensch seinem Inwendigen nach ein Geist ist, Nr. 432-444; und daß die Engel im Himmel aus dem menschlichen Geschlecht stammen, Nr. 311-317. Noch deutlicher aber läßt es sich daraus erkennen, daß der Mensch Mensch ist vermöge seines Geistes und nicht vermöge des Körpers; und daß die Körpergestalt dem Geist beigefügt ist nach dessen Gestalt, und nicht umgekehrt; denn der Körper umkleidet den Geist unter Anschmiegung an dessen Gestalt, weshalb der Geist des Menschen in die einzelnen, ja in die allereinzelnsten [Teilchen] des Körpers einwirkt, so sehr, daß derjenige Teil, der nicht vom Geist in Bewegung gesetzt wird, oder in dem der Geist nicht das in Bewegungssetzende ist, auch nicht lebt; daß dem so ist, kann jeder schon daraus wissen, daß der Gedanke und der Wille alle und jede [Teile] des Körpers so ganz nach seinem Wink in Bewegung setzt, daß da nichts ist, das nicht herbeieilte, und was nicht herbeieilt, auch kein Teil des Körpers ist, wie es denn auch ausgestoßen wird als solches, in dem nichts Lebendiges ist. Gedanke und Wille aber gehören dem Geist des Menschen an, nicht dem Körper. Daß der Geist, nachdem er vom Körper abgelöst worden, dem Menschen nicht in menschlicher Gestalt erscheint und auch nicht [der] in einem anderen Menschen, kommt daher, daß das Gesichtsorgan des Körpers oder sein Auge, soweit es in der Welt sieht, materiell ist, und das Materielle nichts als das Materielle sieht, das Geistige hingegen das Geistige sieht, weshalb denn, wenn das Materielle des Auges verhüllt und seiner Mitwirkung mit dem Geistigen beraubt wird, die Geister alsdann in ihrer Gestalt erschienen, welche die menschliche ist, und zwar nicht bloß die Geister, die in der geistigen Welt sind, sondern auch der Geist, der in einem anderen ist, während derselbe sich noch in seinem Körper befindet.

(454)
Daß die Gestalt des Geistes die menschliche Gestalt ist, kommt daher, daß der Mensch seinem Geist nach gemäß der Gestalt des Himmels erschaffen ist; denn alle Dinge des Himmels und seiner Ordnung sind in die zum Gemüt des Menschen gehörigen Dinge hineingelegt worden
263; daher dieser die Fähigkeit hat, Einsicht und Weisheit in sich aufzunehmen; ob man sagt, die Fähigkeit, Einsicht und Weisheit in sich aufzunehmen, oder ob man sagt, die Fähigkeit, den Himmel in sich aufzunehmen, ist gleichviel; wie dies aus demjenigen erhellen kann, was gezeigt wurde vom Licht und von der Wärme des Himmels, Nr. 126-140; von der Gestalt des Himmels, Nr. 200-212; von der Weisheit der Engel, Nr. 265-275; und im Abschnitt, in dem gezeigt wurde, daß der Himmel hinsichtlich seiner Gestalt im Ganzen und in seinen Teilen einen Menschen darstelle, Nr. 59-77; und zwar dies vermöge des Göttlich-Menschlichen des Herrn, aus dem der Himmel und dessen Gestalt stammt, Nr. 78-86.

(455)
Was soeben gesagt worden, kann der vernünftige Mensch verstehen; denn er kann es aus dem Zusammenhang der Ursachen und aus den Wahrheiten in ihrer Ordnung sehen; derjenige Mensch aber, der nicht vernünftig ist, faßt es nicht; er faßt es nicht aus mehreren Gründen; der Hauptgrund ist, daß er es nicht fassen will, weil es wider sein Falsches ist, das er zu seinen Wahrheiten gemacht hat; und wer aus diesem Grund nicht fassen will, der hat den Weg des Himmels zu seinem Vernünftigen verschlossen, der jedoch stets [wieder] geöffnet werden kann, wenn nur der Wille nicht widersteht (man sehe Nr. 424); daß der Mensch die Wahrheiten einsehen und vernünftig sein kann, wenn er nur will, ist mir durch viele Erfahrung gezeigt worden; es wurden öfter böse Geister, die dadurch unvernünftig geworden waren, daß sie in der Welt das Göttliche und die Wahrheiten der Kirche geleugnet und sich wider dieselben bestärkt hatten, durch göttliche Kraft zu denen gewendet, die im Licht des Wahren waren, und dann begriffen sie alles, wie die Engel, und bekannten, daß es Wahrheiten seien, und daß sie auch alles begreifen; sobald sie aber wieder in sich selbst zurückgefallen, und der Liebe ihres Willens zugekehrt waren, begriffen sie nichts und redeten das Gegenteil; ich hörte auch einige Höllische sagen, sie wissen und fühlen, daß böse sei, was sie tun, und falsch, was sie denken; allein sie können dem Lustreiz ihrer Liebe, somit ihrem Willen nicht widerstehen, und von diesem seien ihre Gedanken getragen, so daß sie das Böse als Gutes und das Falsche als Wahres ansehen; hieraus war klar, daß die, welche im Falschen aus dem Bösen sind, einsehen, somit vernünftig sein konnten, daß sie es aber nicht wollten; und daß sie darum nicht wollten, weil sie das Falsche mehr als das Wahre liebten, sofern es mit dem Bösen, in dem sie waren, zusammenstimmte; lieben und wollen ist dasselbe, denn was der Mensch will, das liebt er, und was er liebt, das will er. Eben weil der Zustand der Menschen so beschaffen ist, daß sie die Wahrheiten einsehen können, wenn sie nur wollen, ist mir gestattet worden, die geistigen Wahrheiten, welche die der Kirche und des Himmels sind, auch durch Vernunftgründe zu bestätigen, somit zu dem Ende, daß das Falsche, das bei vielen das Vernunftgebiet verschlossen hat, durch Vernunftwahrheiten zerstreut und so vielleicht das Auge einigermaßen aufgeschlossen werde; denn die geistigen Wahrheiten durch Vernunftwahrheiten zu begründen, ist allen erlaubt, die in den Wahrheiten sind; wer würde je das Wort aus dessen buchstäblichen Sinn verstehen, wenn er nicht die in ihm enthaltenen Wahrheiten aus der erleuchteten Vernunft sehen würde ? Woher sonst so viele Irrlehren aus demselben Wort
264 ?

(456)
Daß der Geist des Menschen nach der Trennung vom Körper Mensch ist und in derselben Gestalt, ist mir durch tägliche Erfahrung vieler Jahre zur unleugbaren Wahrheit geworden; denn ich habe sie tausendmal gesehen, gehört und mit ihnen gesprochen, auch darüber, daß die Menschen in der Welt nicht glauben, daß sie so beschaffen sind, und daß diejenigen, die es glauben, von den Gebildeten für einfältig gehalten werden; es tat den Geistern herzlich leid, daß noch eine solche Unwissenheit auf dem Erdkreis und besonders innerhalb der Kirche fortbesteht; sie sagten aber, diese Ansicht sei hauptsächlich von den Gelehrten ausgegangen, die aus dem Fleischlich-Sinnlichen über die Seele gedacht und aus diesem sich keinen anderen Begriff von ihr gemacht haben, als den von einem bloßen Denken, das, wenn es ohne irgendwelche Unterlage, in der es [ist] und aus der es [kommt], betrachtet wird, wie ein schwebendes [Teilchen] des reinen Äthers ist, das, wenn der Körper stirbt, notwendig zerstreut werden muß; weil aber die Kirche nach Anleitung des Wortes an die Unsterblichkeit der Seele glaubt, so konnten sie nicht umhin, ihr etwas Lebenskräftiges [vitale], wie das des Denkens ist, zuzuschreiben, jedoch nicht das Empfindungsvermögen [sensitivum], wie der Mensch es hat, bevor sie wieder mit dem Körper verbunden sein würde; auf diese Meinung gründet sich die Lehre von der Auferstehung und der Glaube, daß die Verbindung geschehen werde, wann das Letzte Gericht kommt; daher rührt, daß wer sich die Seele nach der Lehre und zugleich nach der Voraussetzung denkt, durchaus nicht faßt, daß sie ein Geist ist, und dieser menschliche Gestalt hat; dazu kommt noch, daß heutzutage kaum jemand weiß, was das Geistige ist, und weniger noch, daß diejenigen, die geistig sind, wie alle Geister und Engel, irgend menschliche Gestalt haben. Daher kommt auch, daß fast alle, die aus der Welt ankommen, sich gar sehr wundern, daß sie leben, und daß sie Menschen sind gerade wie zuvor, daß sie sehen, hören und reden, und daß ihr Körper einen Tastsinn hat, wie zuvor, und daß ganz und gar kein Unterschied ist, man sehe Nr. 74; wenn sie aber aufhören, sich über sich selbst zu verwundern, so wundern sie sich darüber, daß die Kirche nichts von einem solchen Zustand der Menschen nach dem Tode weiß, somit auch nicht vom Himmel und der Hölle, während doch alle, die je in der Welt lebten, im anderen Leben sind und als Menschen fortleben; und weil sie sich auch darüber wunderten, daß dies, als ein so wesentliches Stück des Glaubens der Kirche, dem Menschen nicht durch Gesichte geoffenbart worden ist, so wurde ihnen aus dem Himmel gesagt, dies hätte wohl geschehen können, denn nichts sei leichter, wenn es dem Herrn gefällt, allein alsdann würden gleichwohl diejenigen nicht geglaubt haben, die sich im Falschen dawider bestärkt hatten, auch wenn sie selbst es gesehen hätten; dann sei es aber auch bei denen, die im Falschen sind, gefährlich, etwas durch Gesichte zu beweisen, weil sie so zuerst glauben und nachher wieder leugnen und somit jene Wahrheit selbst entheiligen würden; denn entheiligen heißt glauben und nachher leugnen, und die, welche die Wahrheiten entweihen, werden in die unterste und härteste aller Höllen hinabgestoßen
265. Diese Gefahr ist es, die verstanden wird unter den Worten des Herrn:

„Verblendet hat Er ihre Augen, und verhärtet ihre Herzen, damit sie nicht mit den Augen sehen, und mit dem Herzen verstehen, und sich bekehren, und Ich sie heile“: Joh.12/40;

und daß die, welche im Falschen sind, dennoch nicht glauben würden, unter folgendem:

„Abraham sprach zum Reichen in der Unterwelt: Sie haben Moses und die Propheten, mögen sie diese hören; er aber sagte: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen käme, würden sie sich bekehren; Abraham aber sprach zu ihnen: Hören sie Moses und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten auferstände“: Luk.16/29-31.

(457)
Anfänglich, wenn der Geist des Menschen in die Geisterwelt eintritt, was kurz nach seiner Auferweckung geschieht, wovon oben, hat er dasselbe Angesicht und denselben Ton der Rede, die er in der Welt hatte; der Grund ist, weil er sich alsdann im Zustand seines Auswendigen befindet und sein Inwendiges noch nicht aufgedeckt ist. Dieser Zustand ist der Menschen erster Zustand nach dem Hingang; nachher aber verändert sich sein Angesicht und wird ein ganz anderes, es wird gleich seiner herrschenden Neigung oder Liebe, in der sein Inwendiges, nämlich das seines Gemütes, in der Welt und in der sein Geist im Körper gewesen war; denn das Angesicht des Menschengeistes ist vom Angesicht seines Körpers sehr verschieden; das Angesicht des Körpers stammt von den Eltern her, das Angesicht des Geistes aber aus seiner Neigung, deren Bild es ist; in dieses kommt der Geist nach dem Leben im Körper, wenn das Auswendige entfernt und das Inwendige enthüllt wird; dieser Zustand ist des Menschen dritter. Ich sah einige, wie sie aus der Welt neu angekommen waren, und erkannte sie am Angesicht und der Rede, später aber, als ich sie wieder sah, erkannte ich sie nicht mehr; die, welche in guten Neigungen waren, erschienen mit schönem Angesicht, die aber in bösen Neigungen waren, mit häßlichem Angesicht; denn der Geist des Menschen ist an sich betrachtet nichts als seine Neigung, deren Außengestalt das Angesicht ist. Eine Ursache auch, warum die Gesichter sich verändern, ist die, daß im anderen Leben keiner Gefühle heucheln darf, die ihm nicht eigen sind, somit auch nicht Gesichtszüge annehmen, die der Liebe, in der er ist, entgegengesetzt sind; alle, soviel ihrer dort sind, werden in den Zustand gebracht, daß sie reden wie sie denken und in Miene und Gebärden kundgeben, wie sie wollen; daher kommt nun, daß die Gesichter aller zu Gestalten und Ebenbilder ihrer Neigungen werden; und daher kommt auch, daß alle, die sich in der Welt gekannt hatten, sich auch in der Geisterwelt kennen, nicht aber im Himmel und in der Hölle, wie Nr. 427 gesagt worden ist
266.

(458)
Die Gesichter der Heuchler verändern sich später als die der übrigen, und dies darum, weil sie durch Übung eine Fertigkeit erlangt haben, ihrem Inwendigen die Außengestalt guter Neigungen zu geben, weshalb sie lange Zeit nicht unschön aussehen; weil [ihnen] aber nach und nach die erheuchelte Miene ausgezogen und ihr Inwendiges, das ihres Gemütes, der Gestalt ihrer Neigungen angepaßt wird, so werden sie nachher häßlicher als andere. Heuchler sind diejenigen, die wie Engel geredet, inwendig aber bloß die Natur und somit nicht das Göttliche anerkannt und daher die Dinge der Kirche und des Himmels geleugnet hatten.

(459)
Zu wissen ist, daß die menschliche Gestalt eines jeden Menschen nach dem Tode um so schöner ist, je inniger er die göttlichen Wahrheiten geliebt und nach denselben gelebt hatte; denn das Inwendige eines jeden wird gemäß der Liebe zu denselben und dem Leben [nach denselben] aufgeschlossen und gebildet; je inniger daher die Neigung, desto gleichförmiger dem Himmel und desto schöner infolgedessen das Angesicht; daher kommt, daß die Engel des innersten Himmels die schönsten sind, weil sie Gestalten der himmlischen Liebe sind; die aber äußerlich die göttlichen Wahrheiten geliebt und so auch äußerlich nach denselben gelebt hatten, sind weniger schön, denn nur Äußerliches scheint aus ihrem Angesicht hervor und nicht inwendige himmlische Liebe leuchtet durch das auswendige hindurch, folglich auch nicht die Gestalt des Himmels, wie sie an sich ist; es scheint im Vergleich damit etwas Dunkles aus ihrem Gesicht hervor, das nicht belebt ist vom Durchglänzen des inwendigen Lebens; mit einem Wort, es wächst alle Vollkommenheit gegen das Inwendige hin und nimmt ab gegen das Auswendige hin, und wie die Vollkommenheit, so wächst und schwindet auch die Schönheit. Ich sah Engelangesichter des dritten Himmels, die so [schön] waren, daß kein Maler je mit all seiner Kunst solchen Schmelz in seine Farben bringen könnte, um auch nur den tausendsten Teil des Lichtes und Lebens, das in ihrem Angesicht erscheint, wiederzugeben; die Gesichter der Engel des untersten Himmels aber können einigermaßen erreicht werden.

(460)
Zum Schluß möchte ich noch ein bis jetzt niemandem bekanntes Geheimnis mitteilen, welches ist, daß alles Gute und Wahre, das vom Herrn ausgeht und den Himmel macht, menschliche Gestalt hat, und zwar nicht nur im ganzen und im größten, sondern auch in jedem Teil und im Kleinsten, und daß diese Gestalt auf jeglichen einwirkt, der das Gute und Wahre vom Herrn aufnimmt und macht, daß jeder im Himmel menschliche Gestalt hat gemäß der Aufnahme; daher kommt, daß der Himmel sich selbst gleich ist im Allgemeinen und im Besonderen, und daß menschliche Gestalt hat das Ganze, jede Gesellschaft und jeder Engel, wie dies in vier Abschnitten von Nr. 59-86 gezeigt worden ist; dem noch beizufügen ist, daß diese [Gestalt] auch haben die Einzelheiten des Gedankens, der aus der himmlischen Liebe bei den Engeln stammt. Allein dieses Geheimnis geht nur schwer in den Verstand irgendeines Menschen ein, mit Klarheit aber in den Verstand der Engel, weil sie im Licht des Himmels sind.

(51)

DAß DER MENSCH NACH DEM TODE
ALLE SINNE, ALLES GEDÄCHTNIS, ALLES DENKEN
UND ALLE NEIGUNG HAT, DIE ER IN DER WELT HATTE,
UND DAß ER NICHTS ZURÜCKLÄßT,
ALS SEINEN IRDISCHEN LEIB

(461)
Daß der Mensch, wenn er aus der natürlichen Welt in die geistige übergeht, welches geschieht, wenn er stirbt, all das Seinige, oder was zu seinem Menschen gehört, mit sich nimmt, mit Ausnahme seines irdischen Leibes, ist mir durch vielfache Erfahrung gewiß geworden; denn wenn der Mensch in die geistige Welt oder in das Leben nach dem Tod eintritt, so ist er in einem Leib wie in der Welt; dem Anschein nach ist gar kein Unterschied; weil er keinen Unterschied fühlt und empfindet; allein sein Leib ist ein geistiger, also vom Irdischen geschiedener oder gereinigter, und da das Geistige das Geistige berührt und sieht, so ist es ganz, wie wenn das Natürliche das Natürliche berührt und sieht; daher denn der Mensch, wenn er ein Geist geworden ist, nicht anders weiß, als daß er in seinem Körper ist, in dem er in der Welt war, und somit nicht weiß, daß er gestorben ist. Der Geistmensch besitzt auch jeden äußeren und inneren Sinn, den er in der Welt hatte; er sieht wie zuvor, er hört und redet wie zuvor, er riecht und schmeckt auch, und wenn er berührt wird, fühlt er auch, wie zuvor; er begehrt auch, verlangt, wünscht, denkt, überlegt, wird angeregt, liebt, will, wie zuvor; und wer Freude an wissenschaftlicher Beschäftigung hat, liest und schreibt wie zuvor; mit einem Wort, wenn der Mensch von dem einen Leben ins andere, oder von der einen Welt in die andere übergeht, so ist es, wie wenn er von einem Ort in den anderen [geht] und alles mit sich nimmt, was er in sich als Mensch besitzt, so daß man nicht sagen kann, daß der Mensch nach dem Tod, der bloß derjenige seines irdischen Körpers ist, etwas von dem Seinigen verloren habe; auch das natürliche Gedächtnis nimmt er mit sich; denn alles, was er in der Welt gehört, gesehen, gelesen, gelernt, gedacht hat von der ersten Kindheit an bis zum letzten Lebensziel, das behält er; weil aber die natürlichen Gegenstände, die im Gedächtnis sind, in der geistigen Welt nicht hervorgerufen werden können, so ruhen sie, wie dies beim Menschen geschieht, wenn er nicht aus ihnen denkt; sie werden aber dennoch hervorgerufen, wann es dem Herrn gefällt; doch von diesem Gedächtnis und seinem Zustand nach dem Tode soll in dem nun gleich folgenden mehreres gesagt werden. Daß ein solcher Zustand des Menschen nach dem Tode statthat, kann der sinnliche Mensch durchaus nicht glauben, weil er es nicht faßt; denn der sinnliche Mensch kann nicht anders als nur natürlich denken, und zwar auch von geistigen Dingen; darum sagt er von Dingen, die er nicht empfindet, das heißt nicht mit den Augen seines Körpers sieht, noch mit dessen Händen greift, sie seien nicht, wie man von Thomas liest Joh.20/25,27,29; wie der sinnliche Mensch beschaffen ist, sehe man Nr. 267 und in den Anmerkungen daselbst.

462a. Dennoch aber ist zwischen dem Leben des Menschen in der geistigen Welt und seinem Leben in der natürlichen Welt ein großer Unterschied, sowohl hinsichtlich der äußeren Sinne und ihrer Eindrücke [affectiones], als hinsichtlich der inneren Sinne und ihrer Eindrücke; die, welche im Himmel sind, empfinden, das heißt sehen und hören viel schärfer und denken auch weiser, als da sie auf der Welt waren; denn sie sehen aus dem Licht des Himmels, welches das Licht der Welt um viele Grade übertrifft, (man sehe Nr. 126); auch hören sie mittelst der geistigen Atmosphäre, die ebenfalls die irdische um viele Grade übertrifft, Nr. 235; der Unterschied dieser äußeren Sinne ist wie der Unterschied zwischen der Helle [des Sonnenscheins] und dem Dunkel des dichten Nebels [nimbi] in der Welt und wie des Lichtes am Mittag und des Schattens am Abend; denn das Licht des Himmels verleiht, weil es das göttliche Wahre ist, dem Gesichtssinn der Engel, daß sie die allerkleinsten Dinge bemerken und unterscheiden; auch entspricht ihr äußeres Sehen ihrem inneren Sehen oder Verstand; denn bei den Engeln fließt das eine Sehen in das andere ein, so daß sie als eines zusammenwirken; daher sie eine so große Schärfe [des Gesichtes] haben; und ebenso entspricht auch ihr Gehör ihrem Innewerden [perceptioni], das sowohl dem Verstand als dem Willen angehört; daher sie im Ton und in den Worten des Redenden die kleinsten Einzelheiten seiner Neigung und seines Gedankens wahrnehmen; im Ton diejenigen der Neigung und in den Worten diejenigen des Gedankens (man sehe Nr. 234-245); allein die übrigen Sinne sind bei den Engeln nicht so scharf wie der Sinn des Gesichtes und der des Gehörs, und dies darum, weil das Gesicht und das Gehör ihrer Einsicht und Weisheit dienen, nicht aber die übrigen; wären auch diese in gleichem Grade scharf, so würden sie das Licht und die Lust ihrer Weisheit wegnehmen und die Lust der Neigungen einstreuen, die den mannigfaltigen Begierden und dem Körper angehören, und dem Verstand in demselben Maße verdunkeln und schwächen, in dem sie überwiegen, wie dies auch bei den Menschen in der Welt geschieht, die hinsichtlich der geistigen Wahrheiten insoweit stumpfsinnig und dumm sind, als sie dem Geschmack und den Lockungen des körperlichen Kitzels frönen. Daß auch die inwendigen Sinne der Engel, welche die ihres Denkens und ihrer Neigung sind, schärfer und vollkommener sind, als sie dieselben in der Welt hatten, kann aus demjenigen erhellen, was in dem Abschnitt von der Weisheit der Engel des Himmels gesagt und gezeigt worden ist, Nr. 265-275. Was aber den Unterschied zwischen dem Zustand derer, die in der Hölle sind, und ihrem Zustand in der Welt anbelangt, so ist auch dieser groß; denn so groß die Vollkommenheit und Vorzüglichkeit der äußeren und inneren Sinne bei den Engeln im Himmel ist, so groß ist die Unvollkommenheit [derselben] bei denen, die in der Hölle sind; doch vom Zustand dieser soll im folgenden gehandelt werden.

462b. Daß der Mensch aus der Welt auch sein ganzes Gedächtnis bei sich habe, ist durch vieles gezeigt worden; ich habe darüber vieles Denkwürdige gesehen und gehört, wovon ich einiges der Ordnung nach berichten will; da waren solche, die ihre Verbrechen und Schandtaten, die sie in der Welt begangen hatten, leugneten; weshalb, damit sie nicht für schuldlos gehalten würden, alles enthüllt und aus ihrem Gedächtnis der Ordnung nach aufgezählt wurde von ihrem ersten Lebensalter an bis zum letzten; es waren hauptsächlich Ehebrüche und Verbrechen der Unzucht. Da waren solche, die andere mittelst arglistiger Kunstgriffe betrogen und welche gestohlen hatten; ihre Schlauheiten und Betrügereien wurden der Reihe nach aufgezählt, worunter viele, die kaum jemandem in der Welt, außer ihnen selbst bekannt gewesen waren; sie erkannten dieselben auch an, weil sie wie ins Licht herausgestellt wurden, mit jedem Gedanken, jeder Absicht, Lust und Befürchtung, die damals zugleich ihre Gemüter hin und her getrieben hatten. Da waren solche, die Geschenke angenommen und aus dem Gericht eine Erwerbsquelle gemacht hatten, diese wurden ebenfalls nach ihrem Gedächtnis untersucht und aus diesem alles von der ersten Zeit ihrer Amtsführung an bis zur letzten hererzählt; die einzelnen [Bestechungen] nach ihrer Größe und Beschaffenheit, nebst der Zeit, ihrem Gemütszustand und ihrer Absicht, was alles zugleich in ihre Erinnerung zurückgerufen und sichtbar dargestellt wurde; die Fälle überstiegen die Zahl von mehreren Hunderten; dies geschah mit einigen, und wunderbarerweise wurden selbst ihre Tagebücher, in denen sie dergleichen eingezeichnet hatten, aufgeschlagen und ihnen von Seite zu Seite vorgelesen. Da waren solche, die Jungfrauen zur Unzucht verlockt, und welche die Keuschheit verletzt hatten, auch sie wurden vor ein gleiches Gericht gefordert und aus ihrem Gedächtnis die Einzelheiten herausgenommen und hererzählt; selbst die Gestalten der Jungfrauen und Weiber wurden ebenfalls wie gegenwärtig dargestellt, nebst Ort, Gespräch und Gesinnung, und dies so schnell, wie wenn etwas sich sichtbar darstellt; die Enthüllungen dauerten zuweilen stundenlang. Da war einer, der sich nichts daraus gemacht hatte, andere anzuschwärzen [vituperare]; ich hörte seine Anschwärzungen der Reihe nach aufgezählt und auch seine Lästerung mit seinen eigenen Worten, über welche Personen und vor welchen [sie ausgestoßen worden], was alles vorgeführt und zusammen lebendig dargestellt wurde, und doch war von ihm, als er noch in der Welt lebte, alles sorgfältig verborgen gehalten worden. Da war einer, der unter trügerischem Vorwand seinen Verwandten der Erbschaft beraubt hatte, auch er wurde in gleicher Weise überführt und gerichtet, und merkwürdigerweise wurden auch die Briefe und Zettel, die zwischen ihnen [gewechselt worden waren], vor meinen Ohren abgelesen und gesagt, daß kein Wort fehle. Ebenderselbe hatte auch, kurz vor seinem Tode, seinen Nachbar heimlich mit Gift getötet; dies wurde auf folgende Weise enthüllt: Er schien unter den Füßen eine Grube zu graben, nach deren Aufgrabung ein Mann daraus hervorging, wie aus einem Grab, und ihn anschrie: Was hast du mir getan ? Und nun ward alles enthüllt, wie nämlich der Giftmischer freundlich mit ihm geredet und ihm einen Becher dargereicht, dann auch, was er vorher gedacht hatte und was sich nachher zutrug; nachdem dieses aufgedeckt war, wurde er zur Hölle verurteilt. Mit einem Wort, alle bösen und ruchlosen Taten, Räubereien, Kunstgriffe und Betrügereien werden jedem bösen Geist sichtbar dargestellt und aus seinem eigenen Gedächtnis herausgenommen und er so überführt; es bleibt auch kein Raum zum Leugnen übrig, weil alle Umstände zugleich erscheinen. So hörte ich aus dem Gedächtnis eines Gewissen, das von Engel eingesehen und durchgangen worden war, [hersagen,] was er innerhalb eines Monats von einem Tag zum anderen gedacht hatte, und dies ohne irgendwelche Täuschung, ja diese [Gedanken] wurden so zurückgerufen, wie er selbst in jenen Tagen in denselben gewesen war. Aus diesen Beispielen kann erhellen, daß der Mensch sein ganzes Gedächtnis mit sich [hinüber] nimmt, und daß nichts in der Welt so verborgen ist, das nicht offenbar wird nach dem Tode, und zwar dies vor einer Versammlung vieler, gemäß den Worten des Herrn:

„Nichts ist verborgen, das nicht aufgedeckt, und nichts heimlich, das nicht kund werden sollte; darum, was ihr im Finstern gesprochen habt, das wird man im Licht hören, und was ihr ins Ohr gesagt habt, wird auf den Dächern verkündigt werden“: Luk.12/2,3.

(463)
Wenn dem Menschen nach dem Tode seine Taten aufgedeckt werden, so betrachten die Engel, denen das Amt der Untersuchung übergeben ist, sein Angesicht, und die Untersuchung fährt durch den ganzen Leib, indem sie bei den Fingern der einen und der anderen Hand anfängt und von da aus durch das Ganze sich verbreitet; da ich mich wunderte, woher dies komme, so wurde es [mir] entdeckt; daß nämlich die Einzelheiten des Denkens und Wollens, wie sie dem Gehirn eingeschrieben sind (denn in diesem sind deren Anfänge), so auch dem ganzen Leib eingeschrieben sind, weil in diesen alle Teile des Denkens und Wollens von ihren Anfängen aus sich verbreiten und in ihm als in ihrem Letzten sich endigen; daher kommt, daß, was dem Gedächtnis aus dem Wollen und aus seinem daraus hervorgehenden Denken eingeschrieben ist, nicht bloß dem Gehirn, sondern auch dem ganzen Menschen eingeschrieben ist und in ihm der Reihe nach gemäß der Ordnung der Körperteile vorliegt; hieraus war klar, daß der Mensch im ganzen so ist, wie er in seinem Wollen und in dem daraus hervorgehenden Denken ist, so ganz, daß der böse Mensch sein Böses und der gute Mensch sein Gutes ist
267. Hieraus kann auch erhellen, was verstanden wird unter dem Lebensbuch des Menschen, von dem im Wort die Rede ist, nämlich dies, daß alles, sowohl die Handlungen als die Gedanken dem ganzen Menschen eingeschrieben sind, und wenn sie aus dem Gedächtnis zurückgerufen werden, wie aus einem Buch abgelesen erscheinen, und wie im Bilde gesehen, wenn der Geist im Licht des Himmels betrachtet wird. Diesem will ich noch etwas Denkwürdiges über das nach dem Tode bleibende Gedächtnis des Menschen beifügen, wodurch ich bestärkt wurde, daß nicht nur das Allgemeine, sondern auch das Allereinzelnste, was ins Gedächtnis eingegangen war, darin haftet und nie ausgelöscht wird; es erschienen mir Bücher mit Schrift darin, wie in der Welt, und ich ward belehrt, daß sie aus dem Gedächtnis derer seien, die sie geschrieben hatten, und daß darin auch nicht ein Wort fehle, das in dem von ihnen in der Welt geschriebenen Buch stand, und daß in dieser Weise aus dem Gedächtnis eines anderen die allereinzelnsten Dinge herausgenommen werden können, auch solche, die er in der Welt vergessen hatte; die Ursache ward auch enthüllt, daß nämlich der Mensch ein äußeres und ein inneres Gedächtnis hat; ein äußeres, welches das seines natürlichen Menschen ist, und ein inneres, welches das seines geistigen Menschen ist; und daß die Einzelheiten, die der Mensch gedacht, gewollt, geredet, getan, ja selbst die er gehört und gesehen hat, seinem inneren oder geistigen Gedächtnis eingeschrieben sind268; und daß die darin befindlichen Dinge niemals verlöschen, weil sie zugleich, wie oben gesagt worden, dem Geist selbst und den Gliedern seines Leibes eingeschrieben sind; und daß demnach der Geist nach den Gedanken und Handlungen seines Willens gebildet ist; ich weiß, daß diese Dinge als Widersinniges erscheinen und daher kaum geglaubt werden, allein gleichwohl sind sie wahr. Der Mensch glaube also nicht, daß irgend etwas, das er in sich gedacht und im Verborgenen getan hat, nach dem Tode verborgen sei; sondern er glaube, daß alles und jedes sich alsdann wie am hellen Tage zeigt.

(464)
Ob nun gleich das äußere oder natürliche Gedächtnis nach dem Tode noch im Menschen ist, so werden doch die bloß natürlichen Dinge, die darin sind, im anderen Leben nicht zurückgerufen, sondern [nur] die geistigen, die mittelst der Entsprechungen mit den natürlichen zusammenhängen, die jedoch, wenn sie sichtbar dargestellt werden, in ganz gleicher Gestalt erscheinen, wie in der natürlichen Welt; denn alle Dinge, die in den Himmeln erscheinen, erscheinen ebenso in der Welt, obgleich sie ihrem Wesen nach nicht natürlich, sondern geistig sind, wie man dies im Abschnitt von den Vorbildungen und Erscheinungen im Himmel Nr. 170-176 nachgewiesen sehen kann. Allein das äußere oder natürliche Gedächtnis, soweit es diejenigen Dinge in ihm betrifft, die vom Materiellen und von Zeit und Raum und von dem übrigen, was der Natur eigentümlich ist, etwas an sich haben, dient dem Geist nicht zu demjenigen Gebrauch, zu dem es ihm in der Welt gedient hatte, weil der Mensch in der Welt, da er aus dem äußeren Sinnlichen und nicht zugleich aus dem inneren oder verstandesmäßigen Sinnlichen dachte, natürlich und nicht geistig gedacht hatte; dagegen aber im anderen Leben der Geist, weil er in der geistigen Welt ist, nicht natürlich, sondern geistig denkt; geistig denken aber heißt verstandes- oder vernunftmäßig denken; wovon die Folge ist, daß das äußere oder natürliche Gedächtnis hinsichtlich derjenigen Dinge, die materiell sind, alsdann ruht, und nur dasjenige in Gebrauch kommt, was der Mensch mittelst derselben in der Welt in sich aufgenommen und zu Vernunftmäßigem gemacht hat; daß das äußere Gedächtnis hinsichtlich seiner materiellen Dinge ruht, hat seinen Grund darin, daß diese nicht zurückgerufen werden können, da die Geister und Engel aus den Neigungen und den aus diesen hervorgehenden Gedanken, dem Gebiet ihres Gemütes, reden, und daher Dinge, die nicht zu diesen passen, gar nicht aussprechen können, wie dies aus demjenigen erhellen kann, was von der Rede der Engel im Himmel und von ihrem Sprechen mit dem Menschen Nr. 234-257 gesagt worden ist; daher kommt, daß der Mensch insoweit, als er durch die Sprachen und durch die Wissenschaften in der Welt vernünftig geworden ist, auch vernünftig ist nach dem Tode, keineswegs aber in dem Maß, als er die Sprachen und Wissenschaften verstanden hat. Ich sprach mit vielen, die man in der Welt für Gebildete hielt, weil sie die alten Sprachen, wie die hebräische, die griechische und die lateinische verstanden, da sie aber ihre Vernunft nicht durch das, was in diesen [Sprachen] geschrieben war, ausgebildet hatten, so erschienen einige so einfältig wie die, welche nichts von jenen Sprachen verstanden, einige als dumm, dennoch aber blieb bei ihnen der Dünkel, als ob sie weiser als andere wären. Ich sprach mit einigen, die in der Welt geglaubt hatten, der Mensch sei in dem Maß weise, als er viel im Gedächtnis behalte, und die auch wirklich ihr Gedächtnis mit vielem bereichert hatten und fast nur aus diesem, somit nicht aus sich, sondern aus anderen sprachen, und durch die Gedächtnisdinge in keiner Weise ihre Vernunft vervollkommnet hatten; einige von ihnen waren stumpfsinnig [stupidi], einige albern [fatui], durchaus unfähig zu beurteilen, ob eine Wahrheit wahr ist oder nicht, und alles Falsche ergreifend, was von denen, die sich Gebildete [eruditos] nennen, für wahr ausgegeben wird; denn ob etwas so ist oder nicht, können sie durchaus nicht aus sich selber sehen, folglich nichts mit der Vernunft, wenn sie andere hören. Ich sprach auch mit einigen, die in der Welt vieles, und zwar in Wissenschaftlichem jeder Art geschrieben hatten und daher weit und breit in großem Ruf der Gelehrsamkeit standen; einige derselben konnten zwar auch über die Wahrheiten vernünfteln, ob sie wahr oder nicht wahr seien; einige konnten, wenn sie denen zugewandt wurden, die im Licht des Wahren standen, einsehen, daß sie wahr seien, wollten es aber dennoch nicht einsehen; weshalb sie dieselben leugneten, sobald sie in ihrem Falschen und so in sich selber waren; einige waren nicht viel weiser als die ungebildete Menge, somit der eine und der andere in verschiedener Weise, je wie er durch die wissenschaftlichen Dinge, die er zusammen- und aufgeschrieben, seine Vernunft ausgebildet hatte; diejenigen hingegen, die wider die Wahrheiten der Kirche gewesen waren und aus Wissenschaftlichem [darüber] gedacht und sich wider dieselben im Falschen bestärkt hatten, hatten nicht ihre Vernunft ausgebildet, sondern nur das Vermögen zu vernünfteln [ratiocinandi]; dieses Vermögen wird zwar in der Welt für Vernünftigkeit gehalten, ist aber eine von der Vernünftigkeit getrennte Fertigkeit; sie ist die Fertigkeit, alles, was man nur will, zu begründen; und aus [willkürlich] angenommenen Grundsätzen, sowie aus Trugschlüssen Falsches, nicht aber die Wahrheiten zu sehen; solche können niemals zur Anerkennung der Wahrheiten gebracht werden, weil man aus dem Falschen nicht das Wahre, sondern nur aus dem Wahren das Falsche sehen kann. Die Vernunft des Menschen gleicht einem Garten und Blumenbeet, sowie auch einem Neubruch: Das Gedächtnis ist das Erdreich [humus], die wissenschaftlichen Wahrheiten und Erkenntnisse sind die Samen, das Licht und die Wärme bringen hervor, ohne sie gibt es kein Keimen; so verhält es sich auch, sofern nicht das Licht des Himmels, welches das göttliche Wahre ist, und die Wärme des Himmels, welche die göttliche Liebe ist, zugelassen werden; aus ihnen allein stammt das Vernünftige. Die Engel beklagen gar sehr, daß die Gebildeten [eruditi] größtenteils alles der Natur zuschreiben und infolgedessen das Inwendige ihres Gemüts sich so sehr verschlossen habe, daß sie nichts Wahres aus dem Licht des Wahren, welches das Licht des Himmels ist, sehen können; sie werden darum im anderen Leben der Fähigkeit, zu vernünfteln, beraubt, damit sie nicht durch die Vernünfteleien Falsches unter die einfältig Guten ausstreuen und sie verführen mögen; sie selbst aber werden in Wüsten verwiesen.

(465)
Ein gewisser Geist war ungehalten, daß er sich mehrerer Dinge, die er im Leben des Körpers gekannt hatte, nicht mehr erinnerte; er war betrübt über die verlorene Unterhaltung, die ihm sehr großes Vergnügen gemacht hatte; allein es ward ihm gesagt, er habe durchaus nichts verloren, sondern wisse noch alles und jedes; es sei ihm aber in der Welt, in der er sich jetzt befinde, nicht erlaubt, dergleichen zurückzurufen, und es sei ja genug, daß er jetzt viel besser und vollkommener denken und reden und seine Vernunft nicht mehr wie früher in dichtes Dunkel, in materielle und körperliche Dinge versenken könne, welche Dinge in dem Reich, in das er jetzt gekommen, von gar keinem Nutzen seien; auch habe er ja jetzt alles, was zum Genuß des ewigen Lebens diene, und nur so und nicht anders könne er selig und glücklich werden; es sei also ein Zeichen von Unwissenheit, zu glauben, daß in diesem Reich dadurch, daß die materiellen Dinge entfernt werden und im Gedächtnis ruhen, die Verständigkeit verloren gehe
269, während doch die Sache sich so verhalte, daß in dem Maß, als das Gemüt von den sinnlichen Dingen, die dem äußeren Menschen oder dem Körper angehören, abgelenkt werden kann, es zu geistigen und himmlischen Dingen erhoben wird.

(466)
Wie die Gedächtnisse beschaffen sind, stellt sich im anderen Leben zuweilen sichtbar in Gestalten dar, die nur dort zur Erscheinung kommen (es stellt sich dort vieles dar, was sonst bei den Menschen nur in die Denkbilder fällt); das auswendige Gedächtnis stellt sich dort als Erscheinung dar wie eine dicke Haut [instar calli], das inwendige Gedächtnis aber wie eine Marksubstanz, dergleichen im menschlichen Gehirn ist; woraus denn auch zu wissen gegeben wird, wie sie beschaffen sind. Bei denen, die bei Leibesleben bloß dem Gedächtnis obgelegen und so ihre Vernunft nicht ausgebildet hatten, erscheint ihre Dickhäutigkeit wie etwas Hartes und inwendig mit Strichen von Sehnen durchzogen. Bei denen, die ihr Gedächtnis mit Falschem angefüllt hatten, erscheint es haarig und struppig, und zwar dies infolge der ungeordneten Zusammenhäufung von Dingen. Bei denen, die aus Selbstsucht und Weltliebe dem Gedächtniswissen oblagen, erscheint es wie zusammengeleimt und verknöchert. Bei solchen, die durch Wissenschaftliches, besonders durch Philosophisches, in die göttlichen Geheimnisse eindringen und nicht eher glauben wollten, als bis sie durch dieselben überzeugt würden, erscheint das Gedächtnis als etwas Finsteres, das so geartet ist, daß es die Lichtstrahlen in sich schluckt und in Finsternis verkehrt. Bei solchen, die betrügerisch und heuchlerisch waren, erscheint es hart verknöchert wie von Ebenholz, und wirft die Lichtstrahlen zurück. Bei denen hingegen, die im Guten der Liebe und in den Wahrheiten des Glaubens waren, erscheint keine solche dicke Haut, weil ihr inwendiges Gedächtnis die Lichtstrahlen hindurchläßt in das auswendige, in dessen Eindrücken oder Denkbildern die Strahlen wie in ihrer Unterlage oder in ihrem Erdreich zu ihrem Ende kommen und hier vergnügliche Aufnahmegefäße finden; denn das auswendige Gedächtnis ist das Letzte der Ordnung, in welchem die geistigen und himmlischen Dinge sich sanft begrenzen und niederlassen, vorausgesetzt, daß daselbst Gutes und Wahres ist.

(467)
Menschen, die in der Liebe zum Herrn und in der tätigen Liebe gegen den Nächsten stehen, haben während ihres Lebens in der Welt Engelseinsicht und Weisheit bei sich und in sich, jedoch verborgen im Innersten ihres inwendigen Gedächtnisses, welche Einsicht und Weisheit aber durchaus nicht für sie zum Vorschein kommen kann, bevor sie das Körperliche ausziehen; alsdann wird das natürliche Gedächtnis eingeschläfert, und sie erwachen in das inwendige Gedächtnis und hierauf allmählich in das eigentliche engelmäßige.

(468)
Wie die Vernunft ausgebildet werden kann, soll auch mit wenigem gesagt werden: die echte Vernunft besteht aus Wahrheiten und nicht aus Falschem; die, welche aus Falschem besteht, ist nicht Vernunft; die Wahrheiten sind von dreifacher Art: es gibt bürgerliche, moralische und geistige; die bürgerlichen Wahrheiten beziehen sich auf die Dinge, welche Gegenstand des Gerichts und der Regierung in den Staaten sind, im allgemeinen auf die Gerechtigkeit und Billigkeit [justum et aequum] in denselben; die moralischen Wahrheiten beziehen sich auf die Dinge, welche das Leben eines jeden Menschen hinsichtlich auf die Gesellschaft und den Umgang betreffen, im allgemeinen auf die Redlichkeit und Geradheit [sincerum et rectum] und im besonderen auf die Tugenden jeder Art; die geistigen Wahrheiten hingegen beziehen sich auf die Dinge des Himmels und der Kirche, im allgemeinen auf das Gute, das Sache der Liebe, und das Wahre, das Sache des Glaubens ist. Es gibt drei Stufen des Lebens bei jeglichem Menschen (man sehe Nr. 267); die Vernunft wird bis zur ersten Stufe aufgeschlossen durch die bürgerlichen [das Leben im Staate betreffenden] Wahrheiten; bis zur zweiten Stufe durch die moralischen Wahrheiten und bis zur dritten Stufe durch die geistigen Wahrheiten. Man muß jedoch wissen, daß die Vernunft aus denselben nicht dadurch gebildet und aufgeschlossen wird, daß der Mensch sie weiß, sondern dadurch, daß er nach ihnen lebt; und unter „nach ihnen leben“ wird verstanden sie lieben aus geistiger Neigung, und sie aus geistiger Neigung lieben heißt, das Gerechte und Billige lieben, weil es gerecht und billig ist, das Redliche und Gerade, weil es redlich und gerade ist, und das Gute und Wahre, weil es gut und wahr ist; hingegen nach ihnen leben und sie lieben aus fleischlicher Neigung heißt, sie lieben um seinet-, um seines Rufes, seiner Ehre oder seines Vorteils willen; inwieweit daher der Mensch jene Wahrheiten aus fleischlicher Neigung liebt, insoweit wird er nicht vernünftig; denn er liebt nicht sie, sondern sich, dem die Wahrheiten dienen wie die Knechte ihrem Herrn; und wenn die Wahrheiten zu dienstbaren Werkzeugen werden, so dringen sie nicht in den Menschen ein und schließen keinen einzigen Grad des Lebens auf, nicht einmal den ersten, sondern haben ihren Sitz bloß im Gedächtnis, als Kenntnisse unter materieller Gestalt, und verbinden sich hier mit der Selbstliebe, die eine fleischliche Liebe ist. Hieraus kann erhellen, wie der Mensch vernünftig wird, daß er es nämlich bis zum dritten Grad wird durch die geistige Liebe zum Guten und zum Wahren, die dem Himmel und der Kirche angehören; bis zum zweiten Grad durch die Liebe zum Redlichen und Geraden; und bis zum ersten Grad durch die Liebe zum Gerechten und Billigen, welche beide Liebesarten auch geistig werden durch die geistige Liebe zum Guten und Wahren, weil diese in sie einfließt und sich mit ihnen verbindet und in ihnen gleichsam ihre Gesichtszüge bildet.

(469)
Die Geister und Engel haben ebensowohl ein Gedächtnis wie die Menschen; denn es bleibt bei ihnen alles, was sie hören, sehen, denken, wollen und tun, und es wird dadurch auch ihre Vernunft fortwährend ausgebildet, und dies in Ewigkeit fort; daher kommt, daß die Geister und Engel durch die Erkenntnisse des Wahren und Guten an Einsicht und Weisheit vollkommener werden, ebenso wie die Menschen. Daß die Geister und Engel ein Gedächtnis haben, ist mir auch durch viele Erfahrung zu wissen gegeben worden; denn ich sah, daß alles, was sie, sowohl öffentlich als im Verborgenen, gedacht und getan hatten, aus ihrem Gedächtnis hervorgerufen wurde, wenn sie mit anderen Geistern zusammen waren; und auch, daß solche, die in einigem Wahren aus dem einfältigem Guten waren, mit Erkenntnissen und durch diese mit Einsicht ausgestattet und hierauf in den Himmel erhoben wurden. Man muß jedoch wissen, daß sie nicht weiter mit Erkenntnissen und durch diese mit Einsicht ausgestattet werden, als bis zu demjenigen Grad der Neigung zum Guten und Wahren, in dem sie in der Welt standen, nicht aber über diesen hinaus; denn jedem Geist und Engel bleibt seine Neigung in der Größe und Beschaffenheit, wie er sie in der Welt hatte, und diese wird nachher vervollkommnet durch Befriedigung was auch in Ewigkeit fort geschieht; denn alles kann in Ewigkeit fort weiter erfüllt werden, weil jegliches Ding unendlich verändert, somit durch Mannigfaltiges bereichert, folglich vervielfältigt und fruchtbarer gemacht werden kann; kein Ende hat irgendein gutes Ding, weil es vom Unendlichen herstammt. Daß die Geister und Engel fortwährend an Einsicht und Weisheit vervollkommnet werden durch die Erkenntnisse des Wahren und Guten, sehe man in den Abschnitten, in denen von der Weisheit der Engel des Himmels, Nr. 265-275; von den Heiden und den Völkern außerhalb der Kirche im Himmel, Nr. 318-328; und von den Kindern im Himmel, Nr. 329-345 gehandelt worden ist; und daß dies bis zu demjenigen Grad der Neigung zum Guten und Wahren gehe, in dem sie in der Welt waren, und nicht über diesen hinaus, Nr. 349.

(52)

DAß DER MENSCH NACH DEM TODE
SO SEI, WIE SEIN LEBEN IN DER WELT WAR

(470)
Daß jedweden nach dem Tod sein Leben erwartet, ist jedem Christen aus dem Wort bekannt; denn in diesem wird in so vielen Stellen gesagt, daß der Mensch nach seinen Taten und Werken werde gerichtet und ihm vergolten werden; jeglicher auch, der aus dem Guten und aus dem Wahren selbst heraus denkt, sieht nicht anders, als daß wer ein gutes Leben führt, in den Himmel, und wer böse lebt, in die Hölle kommt; wer hingegen im Bösen ist, der will nicht glauben, daß sein Zustand nach dem Tode sich seinem Leben in der Welt gemäß verhält, sondern er denkt - und zwar hauptsächlich wenn er krank ist - den Himmel habe jeder aus lauter Gnade, gleichviel wie er gelebt hatte, und [er habe denselben] gemäß dem Glauben, den er vom Leben trennt.

(471)
Daß der Mensch nach seinen Taten und Werken werde gerichtet und ihm vergolten werden, wird in vielen Stellen im Wort gesagt, von denen ich einige hier anführen will:

„Des Menschen Sohn wird kommen in der Herrlichkeit Seines Vaters mit Seinen Engeln, und dann jeglichem vergelten nach seinen Werken“: Matth.16/27.

„Selig die Toten, die im Herrn sterben; ja, spricht der Geist, sie sollen ruhen von ihren Arbeiten, ihre Werke folgen ihnen nach“: Offb.14/13.

„Ich werde jeglichem nach seinen Werken geben“: Offb.2/23.

„Ich sah die Toten, Kleine und Große, vor Gott stehen, und Bücher wurden geöffnet, und gerichtet wurden die Toten nach dem, was geschrieben war in den Büchern, nach ihren Werken: das Meer gab die in ihm befindlichen Toten, und der Tod und die Unterwelt gaben die in ihnen befindlichen Toten; und gerichtet wurden sie, jeglicher nach seinen Werken“: Offb.20/[12],13,15.

„Siehe, Ich komme, und Mein Lohn mit Mir, zu geben einem jeglichen nach seinen Werken“: Offb.22/12.

„Jeden, der Meine Worte hört und sie tut, will Ich einem klugen Manne vergleichen, jeden aber, der sie hört, und nicht tut, will ich einem törichten Manne vergleichen“: Matth.7/24,26.

„Nicht jeder, der zu Mir sagt: Herr, Herr, wird in das Himmelreich eingehen, sondern der den Willen tut Meines Vaters, Der in den Himmeln ist; viele werden an jenem Tag zu Mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht durch Deinen Namen geweissagt, und durch Deinen Namen Dämonen ausgetrieben, und in Deinem Namen viele Kräfte geübt ? Alsdann aber werde Ich ihnen bekennen: Ich habe euch nicht erkannt, weichet von Mir, ihr Übeltäter !“: Matth.7/[21]-23.

„Alsdann werdet ihr anheben zu sagen: Wir haben vor Dir gegessen und getrunken, [und] in unseren Straßen hast Du gelehrt; Er aber wird sprechen: Ich sage euch, Ich kenne euch nicht, ihr Täter der Ungerechtigkeit“: Luk.13/25-27.

„Vergelten will ich ihnen nach ihrem Werk und nach der Tat ihrer Hände“: Jerem.25/14.

„Jehovah, Dessen Augen geöffnet sind über alle Wege des Menschen, zu geben einem jeglichen nach seinen Wegen, und nach der Frucht seiner Werke“: Jerem.32/19.

„Heimsuchen will Ich über seinen Wegen und seine Werke ihm vergelten“: Hos.4/9. „Jehovah tut mit uns nach unseren Wegen und nach unseren Werken“: Sach.1/6.

Wo der Herr vom Letzten Gericht voraussagt, zählt Er bloß die Werke auf, und [sagt], daß diejenigen ins ewige Leben eingehen werden, die gute Werke getan haben, und in die Verdammnis, die böse Werke getan haben: Matth.25/32-46; und so in vielen anderen Stellen, in denen von der Seligmachung und von der Verdammnis des Menschen die Rede ist. Daß die Werke und Taten das äußere Leben des Menschen sind, und daß durch sie sein inneres Leben, so wie es ist, sich herausstellt, ist offenbar.

(472)
Allein unter den Taten und Werken werden nicht verstanden die Taten und Werke, bloß wie sie sich in der äußeren Gestalt darstellen, sondern auch wie sie in der inneren sind; denn ein jeglicher weiß, daß jede Tat und jedes Werk aus dem Wollen und Denken des Menschen hervorgeht; denn gingen sie nicht aus diesem hervor, so wären sie eine bloße Bewegung, wie die der Selbstgetriebe und der Gaukelpuppen [ex automatis et simulacris]; weshalb die Tat oder das Werk an sich betrachtet eine bloße Wirkung ist, die ihre Seele und ihr Leben vom Wollen und Denken bekommt, so sehr, daß sie das Wollen und Denken in Wirksamkeit, somit das Wollen und Denken in der Außengestalt ist, woraus denn folgt, daß so wie das Wollen und Denken, die eine Tat oder ein Werk hervorbringen, beschaffen sind, so auch die Tat und das Werk beschaffen ist; sind der Gedanke und der Wille gut, so sind auch die Taten und die Werke gut, sind aber Gedanke und Wille böse, so sind auch die Taten und Werke böse, obgleich sie in der Außengestalt als die gleichen erscheinen; es können tausend Menschen das gleiche tun, das heißt, die gleiche Handlung darstellen, so gleich, daß sie der Außengestalt nach kaum unterschieden werden können, und doch ist jede, an sich betrachtet, [von der anderen] verschieden, weil aus verschiedenem Wollen [hervorgehend]; zum Beispiel diene das redlich und gerecht an dem Nebenmenschen Handeln; der eine kann redlich und gerecht an ihm handeln in der Absicht, als redlich und gerecht zu erscheinen um seiner selbst und seiner Ehre willen; ein anderer um der Welt und seines Vorteils willen; ein dritter, damit sie ihm wieder vergolten und als Verdienst angerechnet werden möge; ein vierter um der Freundschaft willen; ein fünfter aus Furcht vor dem Gesetz und dem Verlust seines guten Rufes und seines Amtes; ein sechster, um jemand für seine Absichten zu gewinnen, auch die bösen; ein siebenter, um zu hintergehen; so andere anders; allein die Taten dieser aller, obgleich sie als gut erscheinen, (denn redlich und gerecht an seinem Nebenmenschen handeln ist gut), sind dennoch böse, weil sie nicht um des Redlichen und Gerechten willen, nicht aus Liebe zu diesem, sondern um des eigenen Selbst und der Welt willen geschehen, die er liebt, und welcher Liebe die Redlichkeit und Gerechtigkeit dienen, wie die Knechte ihrem Herrn, die ihr Herr auch geringschätzt und fortschickt, sobald sie ihm nicht dienen. Redlich und gerecht handeln in der Außengestalt scheinbar in gleicher Weise diejenigen, die wirklich aus Liebe zur Redlichkeit und Gerechtigkeit handeln; einige von ihnen aus dem Wahren des Glaubens oder aus Gehorsam, weil es im Wort so geboten ist; einige aus dem Guten des Glaubens oder aus Gewissen, weil aus Religion; einige aus dem Guten der Liebtätigkeit gegen den Nächsten, weil für dessen Wohl gesorgt werden muß; einige aus Liebe zum Herrn, weil man das Gute um des Guten, somit auch das Redliche und Gerechte um der Redlichkeit und Gerechtigkeit willen tun soll, welche [letztere] sie lieben, weil sie vom Herrn sind, und weil das vom Herrn ausgehende Göttliche darin ist, und dieselben daher, in ihrem eigentlichen Wesen betrachtet, göttlich sind; die Taten oder Werke von diesen sind inwendig gut, weshalb sie denn auch auswendig gut sind, denn, wie oben gesagt worden, die Taten oder Werke sind ganz so, wie das Denken und Wollen ist, aus denen sie hervorgehen, und ohne diese sind sie keine Taten und Werke, sondern nur seelenlose Bewegungen. Hieraus ergibt sich, was unter den Werken und Taten im Wort verstanden wird.

(473)
Weil die Taten oder Werke dem Willen und Denken angehören, so gehören sie auch der Liebe und dem Glauben an und sind folglich so beschaffen, wie die Liebe und der Glaube beschaffen ist; denn ob man die Liebe oder den Willen des Menschen nennt, ist gleichviel, und wieder, ob man sagt, der Glaube oder ein bestimmtes Denken des Menschen ist auch dasselbe; denn was der Mensch liebt, das will er auch, und was der Mensch glaubt, das denkt er auch; wenn der Mensch liebt, was er glaubt, so will er es auch und tut es, soweit er kann; jeder kann wissen, daß die Liebe und der Glaube in des Menschen Wollen und Denken wohnen und nicht außerhalb derselben sind, weil der Wille es ist, der von der Liebe entzündet wird, und das Denken, das in den Dingen des Glaubens erleuchtet wird; weshalb nur die, welche weise denken können, erleuchtet werden, und gemäß der Erleuchtung die Wahrheiten denken und die Wahrheiten wollen, oder was dasselbe ist, die Wahrheiten glauben und die Wahrheiten lieben
270.

(474)
Man muß jedoch wissen, daß der Wille den Menschen ausmacht, und das Denken nur insoweit, als es aus dem Willen hervorgeht, und daß die Taten oder Werke aus beiden hervorgehen, oder was dasselbe ist, daß die Liebe den Menschen ausmacht, und der Glaube nur insoweit, als er aus der Liebe hervorgeht, und daß die Taten oder Werke aus beiden hervorgehen; woraus folgt, daß der Wille oder die Liebe der Mensch selbst ist; denn was hervorgeht, gehört demjenigen an, aus dem es hervorgeht; hervorgehen heißt, hervorgebracht und in übereinstimmender Gestalt dargestellt werden, damit es wahrgenommen werde und in Erscheinung trete
271. Hieraus kann erhellen, was der von der Liebe getrennte Glaube ist, daß er nämlich kein Glaube, sondern bloß ein Wissen ist, das kein geistiges Leben in sich hat, ebenso was die Tat oder das Werk ohne die Liebe ist, daß sie nämlich nicht eine Tat oder ein Werk des Lebens, sondern eine Tat oder ein Werk des Todes ist, dem ein Schein des Lebens innewohnt aus der Liebe zum Bösen und aus dem Glauben an Falsches; dieser Schein des Lebens ist, was der geistige Tod genannt wird.

(475)
Weiter ist zu wissen, daß in den Taten oder Werken sich der ganze Mensch herausstellt und daß sein Wollen und Denken oder seine Liebe und sein Glaube, die das Inwendige des Menschen sind, nicht ihre Vollständigkeit haben, bevor sie in Taten oder Werken sind, die das Auswendige des Menschen sind; diese sind nämlich das Letzte, in dem jene sich begrenzen, und ohne diese Begrenzungen sind sie wie das Unbegrenzte, das noch nicht existiert, somit noch nicht im Menschen ist; denken und wollen, ohne zu tun, während man doch letzteres kann, ist wie eine in ein Gefäß eingeschlossene Flamme, die erlischt, und wie ein in den Sand geworfener Same, der nicht aufgeht, sondern samt seiner fruchtbringenden Kraft verdirbt; dagegen aber denken und wollen, und hieraus auch tun, ist wie eine Flamme, die ringsumher Wärme und Licht verbreitet; und ist wie ein Same im Erdreich, der zum Baum oder zur Blume aufkeimt und aufwächst. Jeder kann wissen, daß wollen und nicht tun, wenn man es doch kann, soviel ist als nicht wollen, und daß lieben und nicht tun das Gute, während man es doch kann, soviel ist als nicht lieben, daß es also bloß das Denken ist, daß man wolle und liebe, somit ein [vom Sein] abgetrenntes Denken, das entschwindet und vergeht; das Lieben und Wollen ist die eigentliche Seele der Tat oder des Werkes; es bildet seinen Leib im Redlichen und Gerechten, das der Mensch tut, der geistige Leib oder der Leib des Menschengeistes stammt nicht anderswoher, das heißt, er wird aus nichts anderem gebildet, als aus dem, was der Mensch aus Liebe oder mit Willen tut (man sehe Nr. 463); mit einem Wort, alles, was zum Menschen und seinem Geist gehört, ist in seinen Taten oder Werken
272.

(476)
Hieraus kann nun erhellen, was unter dem Leben verstanden wird, das den Menschen nach dem Tod erwartet; daß es nämlich seine Liebe und der aus dieser stammende Glaube ist, nicht nur dem Vermögen nach, sondern auch in Handlung, daß es also die Taten oder Werke sind, weil diese alles, was zur Liebe oder zum Glauben des Menschen gehört, in sich schließen.     universe-people.com

(477)
Es ist die herrschende Liebe, die den Menschen nach dem Tod erwartet, und in Ewigkeit niemals verändert wird; jeder hat mehrerlei [Triebe der] Liebe [amores], sie beziehen sich aber alle auf seine herrschende Liebe und machen eines mit ihr aus, oder bilden sie miteinander; alles im Willen, was mit der herrschenden Liebe zusammenstimmt, heißt Liebe [amores], weil es geliebt wird; diese [Triebe der] Liebe sind teils innerliche, teils äußerliche, teils unmittelbar, teils mittelbar verbundene, teils nähere, teils entferntere und in verschiedener Weise dienende; zusammengenommen bilden sie gleichsam ein Reich; denn in solcher Art sind sie beim Menschen geordnet, obgleich der Mensch von ihrer Zusammenordnung durchaus nichts weiß, es wird ihm jedoch im anderen Leben etwas davon offenbar; denn je nach ihrer Ordnung hat er daselbst Ausdehnung des Denkens und der Neigung, Ausdehnung in himmlische Gesellschaften, wenn seine herrschende Liebe aus Trieben des Himmels besteht, in höllische Gesellschaften dagegen, wenn die herrschende Liebe aus Trieben der Hölle besteht. Daß jeder Gedanke und jede Neigung der Geister und Engel eine Ausdehnung in Gesellschaften hat, sehe man im Abschnitt von der Weisheit der Engel des Himmels und im Abschnitt von der Gestalt des Himmels, nach der die Zusammengesellungen und Mitteilungen daselbst geschehen.

(478)
Doch das, was bisher gesagt worden, spricht nur das Denken des vernünftigen Menschen an; um es nun auch den Sinnen vor Augen zu stellen, will ich Erfahrungen anführen, durch die ebendasselbe verdeutlicht und bestätigt wird. Erstens, daß der Mensch nach dem Tode seine Liebe oder sein Wille ist. Zweitens, daß der Mensch [nach dem Tod] in Ewigkeit so bleibt, wie er seinem Willen oder seiner herrschenden Liebe nach beschaffen ist. Drittens, daß in den Himmel derjenige Mensch kommt, der eine himmlische und geistige Liebe hat, und in die Hölle derjenige, der eine fleischliche und weltliche Liebe ohne die himmlische und geistige hat. Viertens, daß dem Menschen nicht sein Glaube bleibt, sofern dieser nicht aus der himmlischen Liebe stammt. Fünftes, daß es die tätige Liebe [amor actu] ist, welche bleibt, somit das Leben des Menschen.

(479)
Daß der Mensch nach dem Tode seine Liebe oder sein Wille ist, ist mir durch vielfältige Erfahrung gewiß geworden. Der gesamte Himmel ist in Gesellschaften abgeteilt je nach den Unterschieden des Guten der Liebe, und jeglicher Geist, der in den Himmel erhoben und ein Engel wird, wird zu der Gesellschaft geführt, in der seine Liebe ist, und wenn er dahin kommt, ist er da gleichsam heimisch und wie in dem Haus, in dem er sozusagen geboren wurde: dies wird der Engel inne und gesellt sich hier zu seinesgleichen; geht er von da weg und kommt anderswohin, so fühlt er fortwährend ein Widerstreben und einen Zug der Sehnsucht, zu seinesgleichen, somit zu seiner herrschenden Liebe zurückzukehren; in dieser Weise geschehen die Zusammengesellungen im Himmel; ebenso in der Hölle, wo sie ebenfalls nach ihren, den himmlischen entgegengesetzten Trieben zusammengesellt sind; daß es Gesellschaften sind, die den Himmel und auch solche, welche die Hölle bilden; und daß sie alle nach den Unterschieden der Liebe unterschieden sind, sehe man Nr. 41-50 und Nr. 200-212. Daß der Mensch nach dem Tode seine Liebe ist, konnte auch daraus erhellen, daß alsdann dasjenige entfernt und ihm gleichsam genommen wird, was mit seiner herrschenden Liebe nicht eins ausmacht; wer gut ist, dem wird alles Nichtzusammenstimmende oder Abweichende weggerückt und gleichsam genommen, und er wird so in seine Liebe versetzt; ebenso der Böse, nur mit dem Unterschied, daß diesem die Wahrheiten genommen werden, dem Guten hingegen das Falsche weggenommen wird, bis dahin, daß endlich jeder seine Liebe wird; dies geschieht, wenn der Geistmensch in seinen dritten Zustand gebracht wird, von dem im folgenden [die Rede sein wird]. Ist dies geschehen, dann wendet er sein Angesicht beständig seiner Liebe zu, die er stets vor Augen hat, wohin er sich auch wendet, man sehe Nr. 123, 124. Alle Geister können, wohin man will, geführt werden, wenn man sie nur in ihrer herrschenden Liebe festhält, und sie können auch nicht widerstehen, wie sehr sie sich auch bewußt sind, daß [ihnen] so geschieht, und wie sehr sie auf Widerstand sinnen; es ward mehrmals versucht, ob sie etwas dawider tun können, jedoch vergebens; ihre Liebe ist wie ein Band oder wie ein Tau, mit dem sie gleichsam umbunden sind, durch das sie gezogen werden können und von dem sie sich nicht loszumachen vermögen; ähnliches geschieht mit den Menschen in der Welt, auch diese führt ihre Liebe, und mittelst ihrer Liebe werden sie von anderen gelenkt, noch mehr jedoch, wenn sie Geister werden, weil sie alsdann nicht eine andere Liebe zur Schau tragen, noch solches lügen dürfen, das ihnen nicht eigen ist. Daß der Geist des Menschen seine herrschende Liebe ist, zeigt sich im ganzen Verkehr im anderen Leben; denn inwieweit jemand nach der Liebe des anderen [alterius] handelt und spricht, insoweit erscheint dieser [hic] ganz [wie er ist], mit vollem, heiterem und lebendigen Angesicht; inwieweit dagegen jemand wider dessen [ejus] Liebe handelt und spricht, insoweit fängt dessen [ejus] Gesicht an sich zu verändern und zu verfinstern und unsichtbar zu werden, und zuletzt verschwindet er ganz, wie wenn er nicht zugegen gewesen wäre; daß dies geschieht, hat mich oft in Verwunderung gesetzt, weil so etwas in der Welt nicht statthaben kann; allein es ward mir gesagt, daß ähnliches mit dem Geist im Menschen vorgehe, der auch, wenn er sich vom anderen abwendet, nicht mehr unter dessen Augen ist. Daß der Geist seine herrschende Liebe ist, ging auch daraus hervor, daß jeder Geist alles das an sich reißt und sich aneignet, was mit seiner Liebe übereinstimmt, dagegen aber alles zurückstößt und von sich tut, was nicht übereinstimmt; eines jeden Liebe gleicht einem schwammartigen und löcherigen Holz, das solche Flüssigkeiten einsaugt, die seiner pflanzlichen Entwicklung zuträglich sind, die übrigen aber von sich stößt; auch gleicht sie den Tieren jeglicher Art, die ihr Futter kennen und nach dem begehren, was zu ihrer Natur stimmt, dagegen aber scheuen, was nicht zu ihr stimmt; denn jede Liebe will mit dem Ihrigen sich nähren, die böse Liebe mit Falschem und die gute Liebe mit Wahrem; es ward [mir] einige Male zu sehen gegeben, daß einige Einfältig-Gute die Bösen im Wahren und Guten unterrichten wollten, diese aber beim Unterricht weit weg flohen, und als sie zu den Ihrigen kamen, das mit ihrer Liebe übereinstimmende Falsche mit großer Lust ergriffen; dann auch, daß gute Geister über die Wahrheiten miteinander redeten, und die anwesenden Guten diese mit Verlangen anhörten, die Bösen aber, die auch zugegen waren, auf nichts merkten, wie wenn sie [selbige] nicht hörten. Es zeigen sich in der Geisterwelt Wege, von denen einige zum Himmel, andere zur Hölle führen, jeder zu einer gewissen Gesellschaft; die guten Geister gehen keine anderen Wege, als die zum Himmel führen, und zwar zu derjenigen Gesellschaft, die im Guten ihrer Liebe ist, und die anderswohin zielenden Wege sehen sie nicht; die bösen Geister hingegen gehen keine anderen Wege, als die zur Hölle führen, und in dieser zu derjenigen Gesellschaft, die im Bösen ihrer Liebe ist; anderwärtshin zielende Wege sehen sie nicht, und wenn sie solche sehen, wollen sie selbige doch nicht gehen. Solche Wege in der geistigen Welt sind Erscheinungen mit Wirklichkeit, die den Wahrheiten oder Falschem entsprechen; weshalb die Wege im Wort diese bezeichnen
273. Durch diese Erfahrungsbelege wurde bestätigt, was eben aus [Gründen] der Vernunft gesagt wurde, daß nämlich jeder Mensch nach dem Tode seine Liebe ist und sein Wille; der Wille wird genannt, weil der eigenste Wille eines jeden seine Liebe ist.

(480)
Daß der Mensch nach dem Tod in Ewigkeit so bleibt, wie er seinem Willen oder seiner herrschenden Liebe nach beschaffen ist, ist auch durch viele Erfahrungen bestätigt worden; es ward [mir] gegeben, mit einigen zu reden, die vor zweitausend Jahren gelebt hatten, und deren Leben in den Geschichtswerken beschrieben und aus denselben bekannt ist; es fand sich, daß sie sich gleich geblieben und noch ganz so sind, wie sie beschrieben wurden, somit hinsichtlich der Liebe, aus der ihr Leben hervorging und der es gemäß war. Da waren andere, die vor siebenzehn Jahrhunderten gelebt hatten und auch aus den Geschichtsbüchern bekannt waren, und wieder solche, die vor vier Jahrhunderten und die vor dreien gelebt hatten, und so weiter; auch mit diesen durfte ich reden, und es fand sich, daß noch die gleiche Neigung bei ihnen herrschte, ohne anderen Unterschied, als daß die Lustreize ihrer Liebe sich in solche Dinge verwandelt hatten, die jenen entsprachen. Die Engel sagten, das Leben der herrschenden Liebe werde bei keinem je in Ewigkeit verändert, weil jeder seine Liebe ist, diese also bei einem Geist verändern soviel wäre, als ihn seines Lebens berauben oder [ihn] vernichten. Sie nannten auch die Ursache, daß nämlich der Mensch nach dem Tode nicht mehr, wie in der Welt, durch Unterricht gebessert werden könne, weil die letzte Unterlage, die aus natürlichen Erkenntnissen und Neigungen besteht, alsdann ruht und nicht aufgeschlossen werden kann, da sie nicht geistig ist (man sehe Nr. 464), und daß auf dieser Unterlage das Inwendige, nämlich das des Gemütes [mentis] oder der Gesinnung [animi] ruht, wie ein Haus auf seiner Grundlage; und daher komme, daß der Mensch in Ewigkeit so bleibt, wie sein Leben der Liebe in der Welt gewesen war; die Engel wundern sich sehr, daß der Mensch nicht weiß, daß jeder so ist wie seine herrschende Liebe; und darüber, daß viele glauben, sie können aus unvermittelter Gnade und durch den bloßen Glauben selig werden, wie sie auch immer ihrem Leben nach beschaffen sein mögen, sowie auch darüber, daß diese nicht wissen, daß die göttliche Gnade eine vermittelte ist und darin besteht, daß man vom Herrn geführt wird, sowohl in der Welt als nachher in Ewigkeit, und daß durch die Gnade diejenigen geführt werden, die nicht im Bösen leben; auch wissen diese nicht, daß der Glaube eine Hinneigung zur Wahrheit ist, hervorgehend aus der himmlischen Liebe, die aus dem Herrn ist.

(481)
Daß in den Himmel derjenige Mensch kommt, der eine himmlische und geistige Liebe hat, und in die Hölle derjenige, der eine fleischliche und weltliche Liebe ohne die himmlische und geistige hat, dies konnte ich an allen denjenigen bewährt finden, die ich in den Himmel erhoben, und [an denen, die ich] in die Hölle geworfen sah; diejenigen, die in den Himmel erhoben wurden, hatten ein Leben aus himmlischer und geistiger Liebe gehabt, diejenigen aber, die in die Hölle geworfen wurden, hatten ein Leben aus fleischlicher und weltlicher Liebe gehabt; himmlische Liebe ist, das Gute, Redliche und Gerechte lieben, weil es gut, redlich und gerecht ist, und aus dieser Liebe es tun, infolgedessen jene ein Leben des Guten, Redlichen und Gerechten haben, welches das himmlische Leben ist; diejenigen, die jenes um ihrer selbst willen lieben und es tun oder es üben im Leben, lieben auch den Herrn über alles, weil es aus Ihm ist, und lieben auch den Nächsten, weil jenes der Nächste ist, der geliebt werden soll
274; fleischliche Liebe aber ist, das Gute, Redliche und Gerechte nicht um ihret-, sondern um seiner selbst willen lieben, weil man mittelst derselben Ruf, Ehrenstellen und Vorteile erhascht; solche sehen im Guten, Redlichen und Gerechten nicht auf den Herrn und den Nächsten, sondern auf sich selbst und die Welt und empfinden Lust im Betrug; das aus dem Betrug stammende Gute, Redliche und Gerechte ist aber Böses, Unredliches und Ungerechtes, das sie in jenem lieben. Da nun in dieser Weise die Triebe das Leben eines jeden bestimmen, so werden alle, sobald sie nach dem Tod in die Geisterwelt kommen, sofort geprüft, wie sie beschaffen sind, und mit denjenigen in Verband gebracht, die in gleicher Liebe sind; die in himmlischer Liebe stehen, mit solchen, die im Himmel sind, und die in fleischlicher Liebe stehen, mit denen, die in der Hölle sind; auch werden sie nach durchlaufenem ersten und zweiten Zustand dergestalt voneinander getrennt, daß sie nicht mehr einander sehen, noch sich erkennen; denn es wird jeglicher seine Liebe, nicht nur dem Inwendigen nach, dem Gebiete seines Gemütes, sondern auch dem Auswendigen nach, nämlich demjenigen seines Angesichtes, seines Leibes und seiner Rede; denn jeder wird das Abbild seiner Liebe, auch im Äußeren; diejenigen, die fleischliche Liebe sind, erscheinen schwerfällig [crassi], dunkel, schwarz und mißgestaltet; solche aber, die himmlische Liebe sind, erscheinen rüstig [vegeti], strahlend [lucidi], weiß und schön; auch hinsichtlich ihrer Gesinnungen und Denkweisen sind sie völlig verschieden; solche, die himmlische Liebe sind, sind auch einsichtsvoll und weise; die aber fleischliche Liebe sind, sind dumm und sozusagen albern. Wenn das Inwendige und Auswendige des Denkens und der Neigung derer, die in himmlischer Liebe sind, sichtbar herausgestellt wird, so erscheint das Inwendige wie ein Licht, bei einigen wie ein Flammenlicht, und das Auswendige in mancherlei schönen Farben, wie Regenborgen; dagegen erscheint das Inwendige derer, die in fleischlicher Liebe sind, wie schwarz, weil es verschlossen ist, und bei einigen wie dunkelfeurig, nämlich bei denen, die innerlich in bösartiger Hinterlist waren; das Auswendige aber erscheint in garstiger und für das Auge unangenehmer Farbe (das Inwendige und das Auswendige, nämlich des Gemütes und der Gesinnung, wird in der geistigen Welt, sooft es dem Herrn gefällt, sichtbar dargestellt); solche, die in fleischlicher Liebe sind, sehen nichts im Licht des Himmels; das Licht des Himmels ist für sie Finsternis, das Licht der Hölle aber, das wie das Licht von glühenden Kohlen ist, ist für sie wie helles Licht; im Licht des Himmels verfinstert sich auch ihr inwendiges Sehen so sehr, daß sie wahnsinnig werden [insaniant]; weshalb sie dasselbe fliehen und sich in Höhlen und Schlünden verbergen, in einer Tiefe je nach dem Falschen aus Bösem, das bei ihnen ist; umgekehrt aber sehen die, welche in himmlischer Liebe sind, je inwendiger oder höher sie in das Licht des Himmels kommen, alles um so heller und auch alles um so schöner, und mit um so größerer Einsicht und Weisheit erfassen sie die Wahrheiten. Solche, die in fleischlicher Liebe sind können in der Wärme des Himmels gar nicht leben, (denn die Wärme des Himmels ist die himmlische Liebe), wohl aber in der Wärme der Hölle, welche die Sucht ist, gegen andere, die ihnen nicht günstig sind, zu wüten; Geringschätzung anderer, Feindseligkeiten, Ausbrüche des Hasses, der Rache, sind die Lustreize dieser Liebe, und wenn sie in diesen sind, so sind sie in ihrem Leben, und wissen ganz und gar nicht, was da ist anderen Gutes tun aus dem Guten selbst und um des Guten selbst willen, sondern nur das Gute aus dem Bösen und um des Bösen willen. Die in fleischlicher Liebe sind, können auch nicht atmen im Himmel; wird ein böser Geist dahin gebracht, so schnappt er nach Luft wie einer, der mit dem Tode kämpft; die aber in himmlischer Liebe sind, atmen um so freier und bewegen sich um so mehr in der Lebensfülle, je inwendiger sie im Himmel sind. Hieraus kann erhellen, daß die himmlische und die geistige Liebe der Himmel bei den Menschen ist, weil dieser Liebe alle Dinge des Himmels eingeschrieben sind; und daß die fleischliche und die weltliche Liebe ohne die himmlische und geistige die Hölle beim Menschen sind, weil diesen Liebearten alle Dinge der Hölle eingeschrieben sind. Hieraus ist klar, daß in den Himmel kommt, wer die himmlische und [wer] die geistige Liebe hat, und in die Hölle, wer die fleischliche und [wer] die weltliche Liebe ohne die himmlische und geistige hat.

(482)
Daß dem Menschen nicht der Glaube bleibt, wenn dieser nicht aus der himmlischen Liebe stammt, hat sich mir durch so viele Erfahrungen herausgestellt, daß, was ich davon gesehen und gehört habe, wenn es angeführt werden sollte, ein [ganzes] Buch anfüllen würde; das kann ich bezeugen, daß bei denen, die in fleischlicher und weltlicher Liebe ohne die himmlische und geistige sind, gar kein Glaube ist, noch irgendwelcher sein kann, und daß er nur ein Wissen oder eine Überredung ist, daß es Wahrheit sei, weil es ihrer Liebe dient; es wurden auch viele von denen, die meinten, sie seien im Glauben gewesen, zu solchen hinzugeführt, die [wirklich] im Glauben standen, und da wurden sie, nach gegebener Gemeinschaft, inne, daß sie gar keinen Glauben haben; sie bekannten auch nachher, daß das bloße Glauben an eine Wahrheit und an das Wort nicht Glaube sei, sondern das Wahre lieben aus himmlischer Liebe, und es wollen und tun aus inwendiger Neigung; es ward auch gezeigt, daß ihre Überredung, die sie Glauben nannten, nur wie das Winterlicht war, in dem, weil es der Wärme ermangelt, alles auf Erden zusammengefriert und erstarrt und unter Schnee begraben liegt; weshalb das Licht des Überredungsglaubens bei ihnen, sobald die Strahlen des Himmelslichtes auf dasselbe treffen, nicht nur sofort erlischt, sondern auch wie dichte Finsternis wird, in der sich niemand sieht; wie denn auch alsdann ihr Inwendiges sich zugleich so verfinstert, daß sie gar nichts verstehen und zuletzt infolge des Falschen wahnsinnig sind [insaniant]. Es werden daher bei solchen alle Wahrheiten, die sie aus dem Wort und aus der Kirchenlehre gewußt und für diejenigen ihres Glaubens ausgegeben hatten, weggenommen, und statt derselben werden sie mit allem Falschen erfüllt, das mit dem Bösen ihres Lebens zusammenstimmt; es werden nämlich alle in ihre Grundneigungen und mit diesen in das dazu stimmende Falsche versetzt; und weil die Wahrheiten dem Falschen des Bösen, in dem sie sind, widerstreiten, so hassen und verabscheuen sie dieselben dann und stoßen sie so von sich. Das kann ich nach aller Erfahrung über die Dinge des Himmels und der Hölle bezeugen, daß die, welche den bloßen Glauben der Lehre gemäß bekannt hatten und hinsichtlich ihres Lebens im Bösen waren, alle in der Hölle sind; ich sah, wie sie zu vielen Tausenden in dieselbe hinabgeworfen wurden, wovon im Werkchen vom »Letzten Gericht und vom zerstörten Babylonien» [die Rede ist].

(483)
Daß es die ins Handeln übergehende Liebe ist, welche bleibt, somit das Leben des Menschen, folgt als Schlußsatz aus allem dem, was nun aus der Erfahrung nachgewiesen, sowie auch aus dem, was oben von den Taten und Werken gesagt worden ist. Die ins Handeln übergehende Liebe ist das Werk und die Tat.

(484)
Man muß wissen, daß alle Werke und Taten Sache des moralischen und bürgerlichen Lebens sind, und daß sie demnach auf das Redliche und Gerade [sinserum et rectum], und dann auch auf das Gerechte und Billige [justum et aequum] sich beziehen; das Redliche und Gerade sind Gegenstand des moralischen Lebens, und das Gerechte und Billige sind Gegenstand des bürgerlichen Lebens; die Liebe aus der sie hervorgehen, ist entweder eine himmlische oder eine höllische; die Werke und Taten des moralischen und bürgerlichen Lebens sind himmlisch, wenn sie aus himmlischer Liebe heraus getan werden; denn was aus himmlischer Liebe geschieht, geschieht aus dem Herrn, und was aus dem Herrn geschieht, ist alles gut; dagegen sind die Taten und Werke des sittlichen und bürgerlichen Lebens höllisch, wenn sie aus höllischer Liebe geschehen; denn was aus dieser Liebe, welche die Selbst- und Weltliebe ist, geschieht, das geschieht aus dem Menschen selbst, und was aus dem Menschen selbst geschieht, das ist alles in sich böse; denn der Mensch an sich betrachtet, oder sein Eigenes, ist nichts als Böses
275.

(53)

DAß DIE LUSTREIZE DES LEBENS
EINES JEDEN NACH DEM TODE
SICH IN ENTSPRECHENDES VERWANDELN

(485)
Daß die Grundneigung [Affectio regnans] oder herrschende Liebe bei jeglichem in Ewigkeit bleibt, ist in dem vorhergehenden Abschnitt gezeigt worden; daß aber die Lustreize [jucunda] seiner Neigung oder Liebe sich in Entsprechendes verwandeln, soll jetzt gezeigt werden: unter dem in Entsprechendes verwandelt werden wird verstanden in Geistiges, das dem Natürlichen entspricht; daß es in Geistiges verwandelt wird, kann daraus erhellen, daß der Mensch, solange er in seinem irdischen Leib ist, sich in der natürlichen Welt befindet, dann aber, nachdem er diesen Leib verlassen hat, in die geistige Welt kommt und einen geistigen Leib anzieht. Daß die Engel in vollkommener Menschengestalt und [wirklich] auch Menschen sind nach dem Tode, und daß ihre Leiber, mit denen sie bekleidet sind, geistig sind, sehe man Nr. 73-77 und Nr. 453-460; und was das Entsprechungsverhältnis der geistigen Dinge mit den natürlichen sei, Nr. 87-115.

(486)
Alle Lustreize, die der Mensch hat, gehören seiner herrschenden Liebe an; denn der Mensch empfindet nichts anderes als Lust, als was er liebt, somit am allermeisten das, was er über alles liebt; ob man sagt: die herrschende Liebe, oder: das, was er über alles liebt, ist gleichviel. Diese Lustreize sind von mancherlei Art; im allgemeinen [sind ihrer] so viele, als es Arten von herrschender Liebe, mithin [ebenso viele], als es Menschen, Geister und Engel gibt; denn die herrschende Liebe des einen ist der des anderen nicht durchgängig gleich; daher kommt, daß keiner ganz die gleiche Gesichtsbildung wie der andere hat; denn das Angesicht ist das Abbild der Gesinnung eines jeden, und in der geistigen Welt ist es das Abbild der herrschenden Liebe eines jeden; die Lustreize eines jeden im besonderen sind ebenfalls von unendlicher Mannigfaltigkeit, und es gibt bei einem [und demselben] auch nicht einen Lustreiz [unum alicujus jucundum], der dem anderen ganz gleich oder mit ihm derselbe wäre, weder solche, die aufeinander folgen, noch solche, die zugleich beisammen sind; es gibt nicht einen, der [oder eines, das] mit dem anderen dasselbe wäre [unum idem cum altero non datur]; dennoch aber beziehen sich die Lustreize bei jeglichem insonderheit auf eine Liebe bei ihm, welche die herrschende Liebe ist, denn sie bilden [componunt] diese, und machen so eines mit ihr aus; ebenso beziehen sich auch alle Lustreize überhaupt auf eine allgemein durchherrschende Liebe zurück, im Himmel auf die Liebe zum Herrn, und in der Hölle auf die Liebe zu sich.

(487)
Welche und welcherlei die geistigen Lustreize sind, in die sich eines jeden natürlichen Lustreize nach dem Tode verwandeln, kann man nicht anderswoher wissen, als aus der Wissenschaft der Entsprechungen; diese lehrt im allgemeinen, daß es nichts Natürliches gibt, dem nicht etwas Geistiges entspricht, und sie lehrt auch im besonderen, was und welcher Art das ist, das damit in Entsprechung steht; daher denn, wer diese Wissenschaft innehat, seinen Zustand nach dem Tod erkennen und wissen kann, wenn er nur seinen Trieb kennt und [weiß], welche Beschaffenheit derselbe in der durchherrschenden Liebe hat, auf welche sich, wie soeben gesagt worden, alle Triebe zurückbeziehen. Allein, ihre herrschende Liebe zu kennen, ist denjenigen unmöglich, die in der Liebe zu sich sind, weil sie das Ihrige lieben und ihr Böses gut heißen, und zugleich auch das Falsche, das [ihnen] günstig ist und durch das sie ihr Böses begründen, Wahres nennen; gleichwohl jedoch können sie es, wenn sie wollen, von anderen, die weise sind, erfahren, weil diese sehen, was sie nicht selbst [sehen]; allein auch dies geschieht nicht bei denen, die so von Selbstliebe gesättigt sind, daß sie alle Lehre der Weisen von sich stoßen. Solche aber, die in himmlischer Liebe sind, nehmen Unterricht an und sehen ihr Böses, in das sie hineingeboren wurden, sobald sie in dasselbe versetzt werden, aus den Wahrheiten, denn diese machen das Böse offenbar: Jeder nämlich kann aus dem Wahren, das aus dem Guten ist, das Böse und dessen Falsches sehen, niemand aber kann aus dem Bösen das Gute und Wahre sehen; die Ursache ist, weil das Falsche des Bösen Finsternis ist und dieser auch entspricht; weshalb die, welche im Falschen aus dem Bösen sind, den Blinden gleichen, welche die Dinge, die im Licht sind, nicht sehen, und dieselben auch fliehen, wie die Nachteulen
276; die Wahrheiten aus dem Guten hingegen sind Licht und entsprechen auch dem Licht (man sehe Nr. 126-134); weshalb die, welche in den Wahrheiten aus dem Guten sind, Sehende sind und offene Augen haben und die Dinge des Lichts von denjenigen, die im Schatten sind, zu unterscheiden wissen. Auch hierin ward [mir] gegeben, durch die Erfahrung bestärkt zu werden; die Engel, die in den Himmeln sind, sehen nicht nur, sondern empfinden auch [percipiunt] das Böse und Falsche, das zuweilen in ihnen [in se] aufsteigt, und auch das Böse und Falsche, in dem sich die Geister befinden, die in der Geisterwelt an die Höllen gekettet sind, die Geister selbst aber können ihr Böses und Falsches nicht sehen; was das Gute der himmlischen Liebe, was Gewissen, was das Redliche und Gerechte sei, außer dem, das sie um ihrer selbst willen tun, was das vom Herrn geführt werden sei, fassen sie nicht; sie sagen, dergleichen gebe

es nicht, somit sei es nichts. Dies ist zu dem Ende gesagt worden, damit der Mensch sich prüfe und aus seinen Lustreizen seine Liebe erkenne, und hieraus, inwieweit er es aus der Kenntnis der Entsprechungen faßt, den Zustand seines Lebens nach dem Tode wissen möge.

(488)
Auf welche Weise die Lebensreize eines jeden sich nach dem Tod in Entsprechendes verwandeln, kann man zwar aus der Wissenschaft der Entsprechungen wissen; weil aber diese Wissenschaft noch nicht kundgegeben ist, so will ich die Sache durch einige Beispiele aus der Erfahrung einigermaßen ins Licht setzen. Alle die, welche im Bösen sind und sich im Falschen wider die Wahrheiten der Kirche bestärkt, besonders solche, die das Wort verworfen haben, fliehen das Licht des Himmels und stürzen sich in unterirdische Höhlen, die in ihren Öffnungen finster erscheinen, und in Felsenklüften und verbergen sich darin; und dies darum, weil sie das Falsche geliebt und die Wahrheiten gehaßt hatten; denn solche unterirdische Höhlen und auch die Felsenklüfte
277, sowie die Falschheiten entsprechen der Finsternis, das Licht aber den Wahrheiten; ihre Lust ist, sich darin aufzuhalten, Unlust aber, auf freiem Felde.

Ebenso machen es diejenigen, deren Lust war, heimlich [anderen] nachzustellen und im Verborgenen Ränke zu schmieden; auch diese sind in jenen unterirdischen Höhlen und verkriechen sich in Gewölbe, die so dunkel sind, daß nicht einmal einer den anderen sieht, und raunen sich in den Winkeln einander in die Ohren; darein verwandelt sich die Lust ihrer Liebe.

Solche, die ohne anderen Endzweck, als um für gelehrt zu gelten, sich auf die Wissenschaften gelegt und nicht ihre Vernunft durch dieselben ausgebildet und Lust an den Gedächtnisdingen infolge des daher rührenden Dünkels gefunden haben, diese lieben sandige Orte, die sie vor den Feld- und Gartenplätzen sich erwählen, weil das Sandige solchen Studien entspricht.

Solche, die in der Kenntnis der Lehrbestimmungen ihrer und anderer Kirchen gewesen waren und nichts davon aufs Leben angewandt hatten, erwählen sich felsige Orte und halten sich zwischen Steinhaufen auf, die angebauten Orte fliehen sie, weil sie einen Widerwillen dagegen haben.

Solche, die alles der Natur, und auch solche, die alles der eigenen Klugheit zugeschrieben und durch mancherlei Kunstgriffe sich zu Ehrenstellen emporgeschwungen und Reichtümer gewonnen hatten, legen sich im anderen Leben auf Zauberkünste, die ein Mißbrauch der göttlichen Ordnung sind, und empfinden in diesen die höchste Lebenslust.

Diejenigen, welche die göttlichen Wahrheiten nach ihren Neigungen gedreht und so sie verfälscht hatten, lieben das Harnhafte [urinosa], weil das Harnhafte den Lustreizen einer solchen Liebe entspricht278.

Solche, die schmutzig geizig waren, wohnen in Kellern und lieben den Unflat der Schweine, sowie auch die Dünste, die aus den Unverdaulichkeiten des Magens aufsteigen.

Solche, die ihr Leben bloß in Vergnügungen zugebracht und üppig [delicate] gelebt und dem Gaumen und Bauch gefrönt hatten, indem sie diese [Genüsse] als das höchste Gut des Lebens liebten, die lieben im anderen Leben die Exkremente und Kloaken; an diesen haben sie alsdann ihr Ergötzen; und dies darum, weil jene Art Vergnügungen geistiger Schmutz sind; reinliche und schmutzfreie Orte fliehen sie, weil sie ihnen unangenehm sind.

Diejenigen, die in Ehebrüchen ihre Lust gefunden hatten, halten sich in unzüchtigen Häusern auf, wo alles schmutzig und unflätig ist; diese lieben sie, die sittlich reinen Häuser aber fliehen sie; sobald sie zu diesen kommen, fallen sie in Ohnmacht; nichts ist ihnen angenehmer, als die Ehen zu zerreißen.

Solche, die rachgierig waren und sich daher eine blutdürstige und grausame Natur angebildet hatten, lieben das Aashafte und sind auch in dergleichen Höllen. Andere anders.

(489)
Die Lebensreize derer hingegen, die in der Welt in himmlischer Liebe gelebt hatten, verwandeln sich in entsprechende Dinge, dergleichen in den Himmeln sind, die aus der Sonne des Himmels und aus dem aus ihr hervorgehenden Licht entstehen, welches Licht solche Dinge zur Erscheinung bringt, die inwendig das Göttliche in sich bergen; die infolgedessen erscheinenden Dinge regen das Inwendige der Engel, das ihrem Gemüt angehört, und zugleich das Auswendige an, das ihrem Leib angehört; und weil das göttliche Licht, welches das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre ist, in ihre Gemüter einfließt, die durch die himmlische Liebe aufgeschlossen sind, so stellt es im Äußeren solche Dinge dar, die den Lustreizen ihrer Liebe entsprechen; daß die Dinge, die in den Himmeln dem Auge erscheinen, dem Inwendigen der Engel oder denjenigen Dingen entsprechen, welche die Gegenstände ihres Glaubens und ihrer Liebe und hieraus der Einsicht ihrer Weisheit sind, ist gezeigt worden im Abschnitt, in dem von den Vorbildungen und Erscheinungen im Himmel, Nr. 170-176, und im Abschnitt, in dem von der Weisheit der Engel des Himmels, Nr. 265-275, gehandelt wurde. Da ich nun angefangen habe, diese Sache durch Beispiele aus der Erfahrung zu bestätigen, damit das vorerst aus den Gründen der Dinge Abgeleitete verdeutlicht würde, so will ich auch einiges von den himmlischen Lustreizen vorführen, in welche die natürlichen Lustreize bei denen, die in der Welt in himmlischer Liebe leben, verwandelt werden.

Solche, welche die göttlichen Wahrheiten und das Wort aus inwendiger Neigung oder aus Neigung zur Wahrheit selbst geliebt hatten, wohnen im anderen Leben im Licht, auf erhabenen Orten, die wie Berge erscheinen, und sind hier fortwährend im Licht des Himmels; sie wissen nicht, was Finsternis ist, wie die der Nacht in der Welt; auch leben sie in Frühlingswärme [in temperie verna]; ihrem Blick stellen sich wie Äcker und Ernten und auch Weinberge dar; in ihren Häusern glänzt alles wie von Edelsteinen; ihr Ausblick durch die Fenster wie durch reinen Kristall; diese Lustreize sind die ihres Gesichtssinnes, aber ebendieselben sind auch inwendig Lustreize vermöge der Entsprechung mit himmlisch Göttlichem; denn die Wahrheiten aus dem Wort, die sie geliebt hatten, entsprechen den Ernten, den Weinbergen, den Edelsteinen, den Fenstern und Kristallen279.

Diejenigen, welche die dem Wort entnommenen Lehren der Kirche sogleich aufs Leben angewandt hatten, sind im innersten Himmel und mehr als die übrigen in der Lust der Weisheit; in den einzelnen Gegenständen erblicken sie Göttliches; sie sehen zwar die Gegenstände, allein das entsprechende Göttliche fließt alsbald in ihre Gemüter ein und erfüllt sie mit einer Seligkeit, von der alle ihre Empfindungen angeregt werden, daher dann alles vor ihren Augen gleichsam lacht, spielt und lebt; man sehe hierüber Nr. 270.

Bei solchen, welche die Wissenschaften geliebt und durch dieselben ihre Vernunft ausgebildet und dadurch sich Einsicht erworben und zugleich das Göttliche anerkannt hatten, wird ihr Vergnügen an den Wissenschaften und ihr vernunftmäßiger Lustreiz im anderen Leben in einen geistigen Lustreiz verwandelt, welcher der der Erkenntnisse des Guten und Wahren ist; sie wohnen in Gärten, in denen Blumenauen und grüne Plätze schön in Beete abgeteilt und ringsumher Baumgruppen mit Bogengängen und Alleen erscheinen; die Bäume und Blumen wechseln von einem Tag zum anderen; der Anblick des Ganzen gibt ihren Gemütern die Lustreize im Gesamteindruck, während die Mannigfaltigkeiten im besonderen dieselben fortwährend erneuern; und weil diese Dinge Göttlichem entsprechen und sie in der Wissenschaft der Entsprechungen sind, so werden sie stets mit neuen Erkenntnissen erfüllt, und durch diese wird ihr geistig Vernünftiges vervollkommnet; in diesen Lustreizen sind sie, weil die Gärten, Blumenbeete [floreta], grünen Plätze [vireta] und Bäume den Wissenschaften, Erkenntnissen und der daraus hervorgehenden Einsicht entsprechen280.

Solche, die alles dem Göttlichen zugeschrieben und die Natur ihm gegenüber als Totes und nur den geistigen Dingen Dienendes betrachtet und sich hierin bestärkt hatten, sind in himmlischem Licht, und alles, was vor ihren Augen erscheint, hat von diesem Licht, daß es durchsichtig ist, und in dieser Durchsichtigkeit sehen sie unzählige Wechselspiele des Lichtes, die ihr inneres Sehen gleichsam unmittelbar einzieht; infolgedessen empfinden sie inwendige Lustreize; die in ihren Häusern erscheinenden Dinge sind wie von Diamant, und in ihnen ist ein ähnliches Strahlenspiel; es ward gesagt, die Wände ihrer Häuser seien wie von Kristall, somit ebenfalls durchsichtig, und an ihnen erscheinen wie fließende Gestalten, welche himmlische Dinge vorbilden, ebenfalls in beständigem Wechsel; und dies, weil solche Durchsichtigkeit dem Verstand entspricht, der vom Herrn erleuchtet worden, nach Entfernung der Schatten aus dem Glauben und der Liebe der natürlichen Dinge; dergleichen und unendlich viele andere Dinge sind es, von denen solche, die im Himmel waren, sagen, sie hätten Dinge gesehen, die noch kein Auge je sah, und infolge des ihnen durch dieselben mitgeteilten Innewerdens göttlicher Dinge, sie hätten gehört, was noch kein Ohr je gehört.

Solche, die nichts heimlich taten, sondern wollten, daß alles, was sie dachten, offenbar sei, soweit das bürgerliche Leben dies zuließ, die haben, weil sie nur Redliches und Gerechtes aus dem Göttlichen dachten, im Himmel ein leuchtendes Angesicht, und vermöge dieses Lichtes erscheinen in ihrem Angesicht die einzelnen Gefühle und Gedanken wie in Gestalt, und was ihre Reden und Handlungen betrifft, so sind sie gleichsam die Abbilder ihrer Neigungen; sie werden daher mehr als andere geliebt; wenn sie reden, verdunkelt sich ihr Angesicht ein wenig, nachdem sie aber ausgeredet haben, erscheint dasselbe, was sie geredet, zumal und völlig sichtbar im Angesicht; auch alles, was um sie her ist, zeigt sich, weil es ihrem Inwendigen entspricht, in solcher Erscheinung, daß die anderen deutlich wahrnehmen, was es vorbildet und bezeichnet; Geister, die Lust an heimlichem Handeln hatten, fliehen schon von Ferne vor ihnen, und erscheinen sich, als verkröchen sie sich wie Schlangen vor ihnen.

Solche, welche die Ehebrüche für Schandtaten gehalten und in keuscher ehelicher Liebe gelebt hatten, sind mehr als die übrigen in der Ordnung und Form des Himmels und infolgedessen in aller Schönheit und fortwährend in der Blüte der Jugend; die Wonnen ihrer Liebe sind unaussprechlich und nehmen in Ewigkeit fort zu; denn in diese Liebe fließen alle Wonnen und Freuden des Himmels ein; weil diese Liebe aus der Verbindung des Herrn mit dem Himmel und mit der Kirche, und im allgemeinen aus der Verbindung des Guten und Wahren entspringt, welche Verbindung der Himmel selbst im allgemeinen und bei jeglichem Engel im besonderen ist, (man sehe Nr. 366-386); ihre äußeren Freuden sind von der Art, daß sie nicht mit menschlichen Worten beschrieben werden können. Allein was hier von den Entsprechungen der Lustreize bei denen, die in himmlischer Liebe sind, gesagt worden, ist nur weniges.

(490)
Hieraus kann man wissen, daß die Lustreize aller nach dem Tode sich in Entsprechendes verwandeln, während jedoch die Liebe selbst in Ewigkeit bleibt, wie z.B. die eheliche Liebe, die Liebe zum Gerechten, zum Redlichen, zum Guten und Wahren, die Liebe zu den Wissenschaften und Erkenntnissen, die Liebe zur Einsicht und Weisheit, und [so] die übrigen; die [Zustände nun], die aus diesen wie die Bäche aus ihrer Quelle hervorfließen, sind die Lustreize, die ebenfalls fortdauern, aber auf eine höhere Stufe erhoben werden, wenn vom Natürlichen zum Geistigen.

(54)

VON DES MENSCHEN
ERSTEM ZUSTAND NACH DEM TODE

(491)
Es sind drei Zustände, die der Mensch nach dem Tode durchläuft, bevor er entweder in den Himmel oder in die Hölle kommt; der erste Zustand ist der seines Auswendigen; der zweite Zustand ist der seines Inwendigen; und der dritte Zustand ist der seiner Zubereitung; der Mensch durchläuft diese Zustände in der Geisterwelt. Es gibt jedoch einige, welche diese Zustände nicht durchlaufen, sondern sogleich nach dem Tode entweder in den Himmel erhoben oder in die Hölle geworfen werden; diejenigen, die sogleich in den Himmel erhoben werden, sind solche, die wiedergeboren und so zum Himmel zubereitet worden sind in der Welt; solche, die dergestalt wiedergeboren und zubereitet sind, daß sie nur nötig haben, die natürlichen Unreinheiten mit dem Körper abzuwerfen, werden sogleich von den Engeln in den Himmel geführt; ich sah, wie welche nach der Todesstunde dahin erhoben wurden. Solche aber, die inwendig bösartig und auswendig dem Schein nach gut waren, die also ihre Bösartigkeit mit Trugkünsten erfüllt und sich des Guten als eines Trugmittels bedient hatten, werden sogleich in die Hölle geworfen; ich sah, wie einige von dieser Art alsbald nach ihrem Tod in die Hölle geworfen wurden; einen Erzbetrüger mit dem Kopf nach unten und den Füßen nach oben; und andere anders. Es gibt auch solche, die gleich nach dem Tod in Höhlen geworfen und so von denen in der Geisterwelt abgesondert und abwechslungsweise von da herausgenommen und wieder hinein versetzt werden; dies sind solche, die unter dem Schein des Wohlwollens bösartig an ihrem Nächsten gehandelt hatten. Allein diese und jene sind wenige gegen die, welche in der Geisterwelt behalten und hier der göttlichen Ordnung gemäß zum Himmel oder zur Hölle zubereitet werden.

(492)
Was den ersten Zustand betrifft, welcher der des Auswendigen ist, so kommt in ihn der Mensch sogleich nach dem Tode; jeder Mensch hat hinsichtlich seines Geistes ein Auswendiges und ein Inwendiges; das Auswendige des Geistes ist das, wodurch dieser den Körper des Menschen in der Welt, besonders sein Gesicht, seine Rede und seine Gebärden dem Umgang mit anderen anpaßt; das Inwendige des Geistes aber ist das, was zu seinem eigenen Willen und aus diesem kommenden Denken gehört und sich selten im Gesicht, in Rede und Gebärde offenbart; denn der Mensch gewöhnt sich von Kindheit an, Freundschaft, Wohlwollen und Redlichkeit auszuhängen und die Absichten seines eigenen Willens zu verbergen; daher er aus Angewöhnung ein sittlich und bürgerlich gutes Leben im Äußeren annimmt, wie er auch im Inneren beschaffen sei; von dieser Angewöhnung kommt her, daß der Mensch kaum sein Inwendiges kennt, sowie auch, daß er nicht darauf merkt.

(493)
Der erste Zustand des Menschen nach dem Tode gleicht seinem Zustand in der Welt, weil er alsdann in gleicher Weise im Äußeren ist; er hat auch die gleiche Gesichtsbildung, die gleiche Rede- und Denkweise, somit das gleiche moralische und bürgerliche Leben; daher kommt, daß er alsdann nicht anders weiß, als daß er noch in der Welt sei, sofern er nämlich nicht auf dasjenige merkt, was ihm aufstößt und was ihm die Engel sagten, als er auferweckt wurde, daß er nämlich jetzt ein Geist sei, Nr. 450. So setzt sich das eine Leben in das andere fort, und der Tod ist bloß der Übergang.

(494)
Weil der neuangekommene Geist des Menschen nach dem Leben in der Welt diese Beschaffenheit hat, so wird er alsdann auch von seinen Freunden und von denen, die er in der Welt gekannt hatte, erkannt; denn die Geister erkennen ihn nicht nur an seinem Angesicht und an seiner Rede, sondern auch an seiner Lebenssphäre, wenn sie ihm nahe kommen; jeder im anderen Leben stellt, wenn er an den anderen denkt, sich auch dessen Gesicht und zugleich vieles vor, was zu dessen Leben gehört, und sobald er dies tut, wird der andere gegenwärtig, wie wenn er herbeigeholt und gerufen wäre; dergleichen findet in der geistigen Welt statt infolgedessen, daß daselbst die Gedanken sich mitteilen und die Räume dort nicht sind wie in der natürlichen Welt (man sehe Nr. 191-199); daher kommt, daß alle, sobald sie in das andere Leben kommen, von ihren Freunden, Verwandten und einigermaßen Bekannten wiedererkannt werden, und daß sie auch miteinander reden und hernach sich zusammentun je nach ihren freundschaftlichen Verbindungen in der Welt; ich hörte mehrmals mit an, wie die, welche aus der Welt ankamen, sich freuten, daß sie ihre Freunde wieder sahen, und auf der anderen Seite auch die Freunde, daß [jene] zu ihnen gekommen seien. Etwas Gewöhnliches ist, daß die Gatten zusammenkommen und sich einander gegenseitig beglückwünschen; sie verweilen auch beieinander, aber länger oder kürzer, je nach der Lust ihres Zusammenwohnens in der Welt; dennoch aber, wenn nicht wahrhaft eheliche Liebe sie verbunden hatte, welche Liebe eine Verbindung der Gemüter aus himmlischer Liebe ist, trennen sie sich nach einigem Zusammenleben wieder. Waren aber die Gemüter der Ehegatten miteinander uneinig und hatten sie innerlich einen Widerwillen gegeneinander, so brechen sie in offene Feindschaften aus und streiten miteinander, und dennoch trennen sie sich nicht eher, als bis sie in den zweiten Zustand treten, von dem in dem gleich folgenden die Rede sein wird.

(495)
Weil das Leben der neuangekommenen Geister nicht unähnlich ist ihrem Leben in der natürlichen Welt, und weil sie nichts wissen vom Zustand ihres Lebens nach dem Tod, noch etwas von Himmel und Hölle, außer dem, was sie aus dem Buchstabensinn des Wortes und aus der daraus genommenen Predigt gelernt hatten, so kommt sie, nachdem sie sich gewundert, daß sie in einem Leib sind und alle Sinne haben, wie in der Welt, und daß sie ähnliche Gegenstände sehen, ein Verlangen an, zu wissen, wie der Himmel und wie die Hölle beschaffen und wo diese seien; weshalb sie von ihren Freunden über den Zustand des ewigen Lebens belehrt und auch herumgeführt werden an mancherlei Orte und in mancherlei Gesellschaften, und einige in Städte und auch in Gärten und Paradiese, meistens zu Prächtigem, weil dergleichen das Äußere ergötzt, in dem sie sind; sie werden dann auch von Zeit zu Zeit in ihre Gedanken, die sie im Leben des Körpers vom Zustand ihrer Seele nach dem Tod und von Himmel und Hölle gehabt hatten, zurückversetzt, und dies so lange, bis sie unwillig werden, daß ihnen dergleichen Dinge ganz unbekannt blieben, und daß auch die Kirche nichts davon weiß. Fast alle sehnen sich zu erfahren, ob sie in den Himmel kommen werden; die meisten versprechen sich den Himmel, weil sie in der Welt ein sittlich und bürgerlich gutes Leben geführt hatten, und bedenken nicht, daß Böse und Gute das gleiche Leben im Äußeren führen, in gleicher Weise anderen Gutes tun und in gleicher Weise die Kirchen besuchen und die Predigten anhören und beten; sie wissen gar nicht, daß es nicht auf die äußeren Handlungen und auf den äußeren Gottesdienst ankommt, sondern auf das Innere, aus dem das Äußere hervorgeht; unter einigen Tausenden weiß kaum einer, was das Innere ist, und daß in diesem der Himmel und die Kirche für den Menschen liegt; und weniger noch, daß die äußeren Handlungen so beschaffen sind wie die Absichten und Gedanken, und in diesen die Liebe und der Glaube, aus denen jene stammen; und werden sie darüber belehrt, so fassen sie nicht, daß auf das Denken und Wollen etwas ankommt, sondern [meinen], bloß auf das Reden und Tun; von dieser Art sind die meisten, die heutzutage aus der christlichen Welt ins andere Leben kommen.

(496)
Sie werden jedoch von guten Geistern geprüft, wie sie beschaffen sind, und dies in verschiedener Weise, weil in diesem ersten Zustand die Bösen ebensowohl Wahres reden und Gutes tun, wie die Guten, aus dem oben erwähnten Grund, weil sie nämlich, da sie in Staaten und unter Gesetzen lebten, in der äußeren Form ebenso sittlich gut lebten, und dadurch den Ruf der Redlichkeit und Gerechtigkeit erlangten, und die Gemüter für sich einnahmen, und so zu Ehrenstellen erhoben wurden und zu Reichtümern gelangten; es werden aber die bösen Geister, den Guten gegenüber, besonders daran erkannt, daß die Bösen begierig auf das achten, was von Außendingen, und wenig auf das, was von Innerem, nämlich von den Wahrheiten und dem Guten der Kirche und des Himmels gesagt wird; diese Dinge hören sie zwar an, aber nicht mit Aufmerksamkeit und Freude; sie werden auch daran erkannt, daß sie sich häufig gegen gewisse Gegenden hinwenden, und, wenn sie sich selbst überlassen sind, die dahin führenden Wege gehen; an dem Sichhinwenden gegen bestimmte Gegenden und an dem Wandel auf bestimmten Wegen wird erkannt, welcherlei die leitende Liebe ist.

(497)
Alle Geister, die aus der Welt anlangen, stehen zwar im Verband mit einer gewissen Gesellschaft im Himmel, oder mit einer gewissen Gesellschaft in der Hölle, jedoch nur ihrem Inwendigen nach; das Inwendige ist aber keinem offenbar, solange sie im Auswendigen sind; denn das Äußere verdeckt und verbirgt das Innere, besonders bei denen, die in inwendigerem Bösen sind; nachher aber, wenn sie in den zweiten Zustand kommen, liegt es offen zutage, weil alsdann ihr Inwendiges aufgeschlossen und das Auswendige eingeschläfert wird.

(498)
Dieser erste Zustand des Menschen nach dem Tode dauert bei einigen tagelang, bei einigen monatelang, und bei einigen ein Jahr lang, und nur selten bei irgendeinem über ein Jahr; bei den einzelnen mit Unterschied je nach der Zusammenstimmung oder Nichtzusammenstimmung ihres Inwendigen mit dem Auswendigen; denn bei jedem müssen das Auswendige und das Inwendige eins ausmachen und einander entsprechen; keiner darf in der geistigen Welt anders denken und wollen und anders reden und handeln, jeder muß dort das Abbild seiner Neigung oder Liebe sein; wie er daher im Inwendigen ist, so muß er auch im Auswendigen sein; weshalb das Auswendige des Geistes zuerst aufgedeckt und in Ordnung gebracht wird, damit es dem Inwendigen zur entsprechenden Unterlage diene.

(55)

VOM ZWEITEN ZUSTAND
DES MENSCHEN NACH DEM TODE

(499)
Der zweite Zustand des Menschen nach dem Tode heißt der Zustand des Inwendigen, weil er alsdann in das Inwendige, das seinem Gemüt oder Wollen und Denken angehört, versetzt und das Auswendige, in dem er in seinem ersten Zustand war, eingeschläfert wird. Jeder, der auf das Leben des Menschen und seine Reden und Handlungen merkt, kann erkennen, daß bei jedem Menschen ein Auswendiges und ein Inwendiges, oder auswendige und inwendige Gedanken und Absichten sind; er kann dies aus folgendem abnehmen: wer seine Lebensart hat, denkt zwar über andere, wie er entweder durch das Gerücht oder durch Umgang von ihnen gehört und wahrgenommen hat, dennoch aber redet er nicht mit ihnen wie er denkt, und obwohl sie böse sind, benimmt er sich doch mit Artigkeit gegen sie; daß dem so ist, ist besonders von den Gleisnern und Schmeichlern bekannt, die ganz anders reden und handeln, als sie denken und wollen; und von den Heuchlern, die von Gott, vom Himmel, vom Heil der Seelen, von den Wahrheiten der Kirche, vom Wohl des Vaterlandes und vom Nächsten wie aus Glauben und Liebe reden, und doch im Herzen anders glauben und sich allein lieben. Hieraus kann erhellen, daß es ein zweifaches Denken gibt, ein auswendiges und ein inwendiges, und daß sie aus dem auswendigen Denken reden und aus dem inwendigen Denken andere Gedanken haben, und daß diese zweifachen Gedanken voneinander getrennt sind; denn man nimmt sich in Acht, daß der inwendige nicht in den auswendigen einfließe und einigermaßen zum Vorschein komme. Von der Schöpfung her ist der Mensch so geartet, daß das inwendige Denken eins ausmacht mit dem auswendigen durch Entsprechung; und wirklich macht es auch eins aus bei denen, die im Guten sind; denn diese denken nichts als Gutes und reden nichts als Gutes; bei denen hingegen, die im Bösen sind, macht das inwendige Denken nicht eins aus mit dem auswendigen, denn diese denken Böses und reden Gutes; bei diesen ist die Ordnung umgekehrt; denn das Gute ist bei ihnen außerhalb, und das Böse ist innerhalb; daher kommt, daß das Böse über das Gute herrscht und dieses sich unterwirft wie einen Knecht, damit es ihm zum Mittel zur Erreichung seiner Endzwecke diene, welche Gegenstand seiner Liebe sind, und weil in dem Guten, das sie reden und tun, ein solcher Endzweck liegt, so ist offenbar, daß ihr Gutes nicht gut, sondern vom Bösen angesteckt ist, wie sehr es auch in der Außengestalt bei denen, die dies Inwendige nicht kennen, als Gutes erscheinen mag; anders bei denen, die im Guten sind; bei diesen ist die Ordnung nicht verkehrt, sondern das Gute fließt aus dem inwendigen Denken in das auswendige und so in die Rede und Handlungen ein; dies ist die Ordnung, in die der Mensch geschaffen wurde; denn so ist ihr Inwendiges im Himmel und in dem Licht daselbst, und weil das Licht des Himmels das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre, folglich der Herr im Himmel ist, Nr. 126-140, so werden sie vom Herrn geführt. Dies ist gesagt worden, damit man wisse, daß jeder Mensch ein inwendiges und ein auswendiges Denken hat, und daß diese voneinander unterschieden sind. Wenn das Denken genannt wird, so wird auch der Wille verstanden, denn das Denken kommt aus dem Willen, da niemand ohne den Willen denken kann. Hieraus erhellt, was der Zustand des Auswendigen und der Zustand des Inwendigen des Menschen ist.

(500)
Wenn der Wille und das Denken genannt wird, so wird unter dem Willen auch die Neigung und Liebe, sowie alle Annehmlichkeit und Lust [jucunditas et voluptas] verstanden, die mit der Neigung und Liebe zusammenhängen, weil diese sich auf den Willen als ihren Träger [subjectum] beziehen; denn was der Mensch will, das liebt er und empfindet [es als etwas] Angenehmes und Vergnügliches, und umgekehrt, was der Mensch liebt und als angenehm und vergnüglich empfindet, das will er; unter dem Denken aber wird alsdann auch alles das verstanden, wodurch er seine Neigung oder Liebe begründet; denn das Denken ist nichts anderes, als die Form des Willens oder [das Mittel], daß im Licht erscheine, was der Mensch will; diese Form stellt sich durch mancherlei vernunftmäßige Zergliederungen dar, die aus der geistigen Welt herstammen und [ganz] eigentlich dem Geist des Menschen angehören.

(501)
Man muß wissen, daß der Mensch ganz so ist, wie er seinem Inwendigen nach beschaffen ist, nicht aber wie er hinsichtlich des vom Inwendigen getrennten Auswendigen ist; die Ursache ist, weil sein Inwendiges sein Geist ist und das Leben des Menschen das Leben seines Geistes ist; denn aus diesem lebt der Körper; weshalb auch der Mensch in Ewigkeit so bleibt, wie er seinem Inwendigen nach beschaffen ist; das Auswendige aber, weil es auch zum Körper gehört, wird nach dem Tode abgetrennt, und dasjenige davon, was dem Geist anhängt, wird eingeschläfert und dient nur dem Inwendigen zur Unterlage [pro plano], wie dies oben gezeigt worden ist, wo von dem nach dem Tode noch fortdauernden Gedächtnis des Menschen gehandelt wurde. Daraus erhellt, was des Menschen Eigenes und was nicht sein Eigenes ist, daß nämlich bei den Bösen alles das, was zum auswendigen Denken, aus dem sie reden, und zum auswendigen Wollen gehört, aus dem sie handeln, nicht ihr Eigenes ist, sondern das, was ihrem inwendigen Denken und Wollen angehört.

(502)
Nach vollbrachtem ersten Zustand, welcher der Zustand des Auswendigen ist, von dem im vorhergehenden Abschnitt gehandelt worden ist, wird der Geistmensch in den Zustand seines Inwendigen oder in den Zustand seines inwendigen Wollens und des daher stammenden Denkens versetzt, in dem er in der Welt war, wenn er, sich selbst überlassen, frei und zügellos dachte; in diesen Zustand verfällt er, ohne es selbst zu wissen, gerade wie in der Welt, wenn er das der Rede am nächsten liegende Denken, oder dasjenige, aus dem die Rede hervorgeht, gegen das inwendigere zurückzieht und in diesem stehen bleibt; ist daher der Geistmensch in diesem Zustand, so ist er in sich selbst und in seinem eigentlichen Leben; denn frei denken aus der eigenen Neigung ist das eigenste Leben des Menschen und ist er selbst.

(503)
Der Geist denkt in diesem Zustand aus seinem eigensten Willen, somit aus seiner eigensten Neigung, oder aus seiner eigensten Liebe, und alsdann macht sein Denken eins aus mit seinem Wollen, und zwar so sehr eines, daß er kaum zu denken, sondern nur zu wollen scheint; fast ebenso [ist es], wenn er spricht, mit dem Unterschied jedoch, daß es mit einiger Furcht geschieht, es möchten die Gedanken seines Willens nackt hervortreten, weil auch dies infolge der geselligen Verhältnisse in der Welt [ein Bestandteil] seines Willens geworden war.

(504)
Alle Menschen, so viele ihrer sind, werden nach dem Tod in diesen Zustand versetzt, weil er der ihrem Geist eigene ist; der vorige Zustand ist derjenige, in welchem der Mensch seinem Geist nach ist im Verkehr mit anderen [in consortiis], welcher Zustand nicht der ihm eigene ist; daß dieser Zustand, oder der Zustand des Auswendigen in dem der Mensch nach dem Tode zuerst ist und von dem im vorhergehenden Abschnitt gehandelt wurde, nicht der ihm eigene Zustand ist, kann aus vielem erhellen, wie z.B. daraus, daß die Geister aus ihrer Neigung nicht nur denken, sondern auch reden; denn ihre Rede kommt aus dieser, wie dies aus demjenigen erhellen kann, was im Abschnitt von der Rede der Engel, Nr. 234-245, gesagt und gezeigt worden ist; in gleicher Weise hatte auch der Mensch in der Welt gedacht, wenn er innerhalb seiner [selbst dachte]; denn alsdann dachte er nicht aus der Rede seines Körpers, sondern sah nur diese Dinge, und zwar zugleich in einer Minute mehr, als er nachher in einer halben Stunde aussprechen konnte; daß der Zustand des Auswendigen nicht der dem Menschen oder seinem Geist eigene ist, erhellt auch daraus, daß er in der Welt, wenn er im Verkehr mit anderen ist, sich nach den Gesetzen des moralischen und bürgerlichen Lebens ausspricht, und daß alsdann sein inwendiges Denken das auswendige regiert, wie einer den anderen, damit es die Grenzen des Anständigen und Ehrbaren nicht überschreite; es erhellt auch daraus, daß der Mensch, wenn er innerhalb seiner selbst denkt, auch denkt, wie er reden und handeln muß, um zu gefallen, und um Freundschaft, Wohlwollen und Gunst zu erwerben, und zwar dies in einer [ihm] äußerlichen Weise [modis extraneis], somit anders, als wenn es aus dem eigenen Willen geschehen würde. Hieraus erhellt, daß der Zustand des Inwendigen, in den der Geist versetzt wird, sein eigener Zustand ist, also auch der eigene des Menschen [war], da er noch in der Welt lebte.

(505)
Wenn der Geist im Zustand seines Inwendigen ist, dann liegt offen zutage, wie der Mensch in sich in der Welt beschaffen war; denn alsdann handelt er aus seinem Eigenen; wer inwendig im Guten war in der Welt, der handelt dann vernünftig und weise, ja jetzt noch weiser als in der Welt, weil er jetzt los ist vom Verband mit dem Körper und infolgedessen auch von dem mit den irdischen Dingen, die eine Verdunkelung und gleichsam eine Wolke dazwischen gestellt hatten. Wer aber im Bösen war in der Welt, der handelt alsdann unweise und unverständig, ja noch unverständiger als in der Welt, weil er jetzt in Freiheit ist und nicht in Schranken gehalten wird; denn solange er noch in der Welt lebte, war er im Äußeren verständig, da er durch dieses einen vernünftigen Menschen darstellte; sobald ihm daher das Äußere genommen ist, werden seine Tollheiten offenbar. Der Böse, der im Äußeren einen guten Menschen nachbildet, kann einem äußerlich glänzenden und fein geglätteten und mit einem Überwurf bedeckten Gefäß verglichen werden, innerhalb dessen alle Arten von Unreinheiten verborgen sind nach dem Ausspruch des Herrn:

„Ihr seid gleich übertünchten Gräbern, die von außen hübsch erscheinen, inwendig aber voller Totengebeine und aller Unreinheit sind“: Matth.23/27.

(506)
Alle, die in der Welt im Guten gelebt und nach dem Gewissen gehandelt haben, welche diejenigen sind, die das Göttliche anerkannt und die göttlichen Wahrheiten geliebt, und besonders die, welche sie auf das Leben angewandt hatten, erscheinen sich, wenn sie in den Zustand ihres Inwendigen versetzt werden, wie die, welche aus dem Schlaf erwacht in den Zustand des Wachens, und wie die, welche aus dem Schatten ins Licht kommen; sie denken auch aus dem Licht des Himmels, somit aus inwendiger Weisheit, und handeln aus dem Guten, somit aus inwendiger Neigung; auch fließt der Himmel in ihre Gedanken und Neigungen ein mit einer inwendigen Seligkeit und Lust, von der sie früher nichts gewußt hatten; denn sie haben Gemeinschaft mit den Engeln des Himmels; sie erkennen auch alsdann den Herrn an und verehren Ihn aus ihrem eigensten Leben; denn sie sind in ihrem eigensten Leben, wenn sie im Zustand ihres Inwendigen sind, wie soeben Nr. 505 gesagt worden ist; und sie erkennen Ihn auch an und verehren Ihn in Freiheit; denn die Freiheit gehört der inwendigen Neigung an; so entsagen sie auch der äußerlichen Heiligkeit und kommen in die innere Heiligkeit, in welcher der eigentliche Gottesdienst wesentlich besteht; von solcher Art ist der Zustand derer, die nach den Geboten im Wort ein christliches Leben geführt haben. Ganz entgegengesetzt aber ist der Zustand derer, die auf der Welt im Bösen gelebt und kein Gewissen gehabt und daher das Göttliche geleugnet hatten; denn alle, die im Bösen leben, leugnen inwendig bei sich das Göttliche, wie sehr sie auch, wenn sie im Äußeren sind, glauben mögen, daß sie dasselbe nicht leugnen, sondern anerkennen; denn das Göttliche anerkennen und böse leben, sind Gegensätze; die so beschaffen sind, erscheinen im anderen Leben, wenn sie in den Zustand ihres Inwendigen kommen und man sie reden hört und handeln sieht, wie Narren [fatui]; denn von ihren bösen Begierden aus stürzen sie sich in Schandtaten, in Geringschätzung anderer, in Verhöhnungen und Lästerungen, in Ausbrüche des Hasses, der Rache, sie schmieden Ränke, und zwar einige von ihnen mit solcher Arglist und Bosheit, daß man kaum glauben kann, daß dergleichen inwendig in einem Menschen [verborgen] gewesen sei; sie sind nämlich alsdann im Zustand der Freiheit, nach ihres Willens Gedanken zu handeln, weil sie vom Auswendigen abgeschieden sind, das sie in der Welt in Zaum und Zügel hielt; mit einem Wort, sie sind der Vernünftigkeit beraubt, weil das Vernünftige in der Welt seinen Sitz nicht in ihrem Inwendigen, sondern im Auswendigen gehabt hatte; gleichwohl jedoch erscheinen sie sich selbst alsdann als weiser denn andere. Weil sie von der Art sind, so werden sie, wenn sie in diesem zweiten Zustand sind, zwischenhinein für kurze Zeit in den Zustand ihres Auswendigen und alsdann in die Rückerinnerung an die Handlungen versetzt, die sie begangen hatten, als sie im Zustand des Inwendigen waren; einige schämen sich alsdann und erkennen an, daß sie wahnsinnig waren; andere schämen sich nicht; andere sind unwillig, daß sie nicht fortwährend im Zustand ihres Auswendigen sein dürfen; allein diesen wird gezeigt, wie sie sein würden, wenn sie unausgesetzt in diesem Zustand wären, daß sie nämlich heimlich mit ähnlichen Tücken umgehen und durch den Schein des Guten, Redlichen und Gerechten diejenigen, die einfältigen Herzens und Glaubens sind, verführen und auch sich selbst vollends ganz verderben würden; denn das Auswendige würde zuletzt in gleichen Brand geraten wie das Inwendige, der dann ihr ganzes Leben verzehren würde.

(507)
Wenn die Geister in diesem zweiten Zustand sind, so erscheinen sie ganz so, wie sie in der Welt in sich waren, und es kommt auch an den Tag, was sie im Verborgenen getan und geredet hatten; denn weil das Äußere nicht mehr zurückhält, so reden sie alsdann Gleiches und versuchen auch Gleiches zu tun und fürchten nicht, wie in der Welt, die üble Nachrede; sie werden auch in mehrere Zustände ihres Bösen versetzt, damit sie den Engeln und den guten Geistern so erscheinen möchten, wie sie wirklich sind; so wird das Verborgene geöffnet und das Heimliche aufgedeckt, nach den Worten des Herrn:

„Nichts ist zugedeckt, das nicht enthüllt, und nichts verborgen, das nicht erkannt werden wird; was ihr im Finstern gesagt habt, wird man im Lichte hören, und was ihr ins Ohr geredet in den Gemächern, das wird man auf den Dächern verkündigen“: Luk.12/2,3;

und anderwärts:

„Ich sage euch, daß von jedem unnützen Wort, das die Menschen geredet haben, sie werden Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts“: Matth.12/36.

(508)
Wie die Bösen in diesem Zustand beschaffen sind, kann nicht mit wenigem beschrieben werden; denn jeder rast dann je nach seinen Begierden, und diese sind verschieden; weshalb ich nur einige einzelne Fälle anführen will, aus denen man auf die übrigen schließen kann. Diejenigen, die sich selbst über alles geliebt und in ihren Ämtern und Verrichtungen nur auf ihre eigene Ehre gesehen und nicht um des Nutzenschaffens willen Nutzen geleistet und daran Freude gehabt hatten, sondern um ihres Rufes willen, damit sie deshalb für würdiger als andere gehalten würden, und so ihre Freude am Ruf ihrer Ehre gehabt hatten, die sind, wenn sie sich in dem zweiten Zustand befinden, stumpfsinniger als die übrigen; denn inwieweit jemand sich selbst liebt, insoweit entfernt er sich vom Himmel, und inwieweit vom Himmel, insoweit auch von der Weisheit. Solche aber, die in der Selbstsucht und zugleich schlau gewesen waren und sich durch List zu Ehrenstellen emporgeschwungen hatten, gesellen sich zu den Schlimmsten und erlernen Zauberkünste, die ein Mißbrauch der göttlichen Ordnung sind, und durch diese reizen und beunruhigen sie alle, die ihnen keine Ehre erweisen, sie legen Hinterhalt, hegen Haß, brennen von Rachgier und wollen in Wut ausbrechen gegen alle, die sich [ihnen] nicht unterwerfen, und in all dieses stürzen sie sich so tief hinein, als der bösartige Haufen sie [durch Beifall] begünstigt, und zuletzt gehen sie in ihrem Gemüt damit um, wie sie in den Himmel aufsteigen möchten, um denselben zu zerstören, oder um in ihm als Götter verehrt zu werden; bis dahin treibt sie ihr Wahnsinn. Diejenigen von solcher Art, die der päpstlichen Religion angehörten, sind noch rasender als die übrigen, denn sie tragen sich mit dem Gedanken, sie haben Gewalt über Himmel und Hölle, und sie können nach Willkür die Sünden vergeben, sie maßen sich alles Göttliche an und nennen sich Christus; ihre Selbstberedung, daß dem so sei, ist so stark, daß sie, wo sie eindringt, die Gemüter verwirrt und mit Finsternis überzieht bis zum Schmerz; sie sind sich beinahe gleich in beiden Zuständen, im zweiten aber sind sie ohne Vernunft; doch von ihren Rasereien und von ihrem Los nach diesem Zustand soll noch einiges im besonderen gesagt werden in dem Werkchen »Vom Letzten Gericht und dem zerstörten Babylonien«. Solche, welche die Schöpfung der Natur zugeschrieben und daher im Herzen, obwohl nicht mit dem Mund, das Göttliche, mithin auch alle Dinge der Kirche und des Himmels geleugnet hatten, gesellen sich in diesem Zustand zu ihresgleichen und nennen jeden, der durch Schlauheit sich auszeichnet, [ihren] Gott und erzeigen ihm auch göttliche Ehre; ich sah, wie solche in Versammlung einen Zauberer anbeteten und über die Natur um Rat fragten und sich so albern benahmen, wie wenn sie vernunftlose Tiere in Menschengestalt wären; unter ihnen befanden sich auch solche, die in der Welt hochgestellt waren, und einige, die in der Welt für gelehrt und weise gehalten wurden. Andere anders. Hieraus kann man schließen, wie diejenigen beschaffen sind, deren Inwendiges des Gemüts gegen den Himmel zu verschlossen ist, wie dies der Fall ist bei allen, die gar keinen Einfluß aus dem Himmel aufnehmen durch Anerkennung des Göttlichen und durch ein Leben des Glaubens; jeder kann aus sich urteilen, wie er werden würde, wenn er ein solcher wäre und handeln dürfte ohne Furcht vor dem Gesetz und für sein Leben und ohne äußere Bande, welche sind die Befürchtungen, er möchte an seinem Ruf Schaden leiden und der Ehre, des Gewinnes und der daher rührenden Genüsse beraubt werden. Gleichwohl jedoch wird ihre Raserei vom Herrn in Schranken gehalten, damit sie nicht über die Grenzen des Nützlichen hinausrenne; denn von jedem so Gearteten kommt immerhin noch Nutzen; die guten Geister sehen an ihnen, was Böse ist und wie es beschaffen ist und wie der Mensch beschaffen ist, wenn er nicht vom Herrn geführt wird; ein Nutzen ist auch, daß durch sie die gleichgearteten Bösen zusammengesammelt und von den Guten ausgeschieden werden; ferner, daß das Wahre und Gute, das die Bösen im Äußeren gezeigt und gelogen hatten, ihnen genommen wird und sie in das Böse ihres Lebens und in das Falsche des Bösen gebracht und so zur Hölle zubereitet werden; denn keiner kommt früher in die Hölle, als bis er in seinem Bösen und im Falschen des Bösen ist, weil keiner ein geteiltes Gemüt haben, nämlich anderes denken und reden und anderes wollen darf; jeder daselbst befindliche Böse muß dort das Falsche aus dem Bösen denken und aus dem Falschen des Bösen reden, beides aus dem Willen, somit aus seiner eigenen Liebe und aus deren Lust und Freude, wie er in der Welt, wenn er in seinem Geiste, das heißt, wie er in sich, wenn aus inwendiger Neigung, dachte; die Ursache hiervon ist, weil der Wille der Mensch selbst ist und nicht das Denken, außer soviel solches vom Willen an sich hat, der Wille aber die eigenste Natur oder Anlage des Menschen ist; daher denn in seinen Willen zurückversetzt werden soviel ist, als in seine Natur oder Anlage und auch in sein Leben [zurückversetzt werden]; denn durch das Leben zieht der Mensch eine Natur an; und der Mensch bleibt nach dem Tode in derjenigen Natur, die er durch das Leben in der Welt sich angebildet hat und die bei den Bösen nicht mehr auf dem Wege des Denkens oder des Verständnisses des Wahren gebessert und verändert werden kann.

(509)
Wenn die bösen Geister in diesem zweiten Zustand sind, so pflegen sie, weil sie in alle Arten des Bösen rennen, häufig und schwer gestraft zu werden; die Strafen sind vielfach in der Geisterwelt; und es gilt durchaus kein Ansehen der Person, ob einer König oder Knecht in der Welt gewesen war; jegliches Böse führt seine Strafe mit sich, sie sind miteinander verknüpft; daher wer im Bösen ist, auch in der Strafe des Bösen ist; dennoch aber wird daselbst keiner wegen des Bösen gestraft, das er in der Welt getan, sondern wegen des Bösen, das er jetzt tut; es kommt jedoch auf dasselbe hinaus und ist gleichviel, ob man sagt, sie büßen für ihr in der Welt verübtes Böse, oder ob man sagt, sie büßen für das Böse, das sie im anderen Leben tun, weil nach dem Tode jeder wieder in sein Leben und so in sein Böses zurückkehrt; denn der Mensch ist so, wie er im Leben seines Körpers beschaffen war, Nr. 470-480. Sie werden aber gestraft, weil die Furcht vor der Strafe das einzige Mittel ist, das Böse in diesem Zustand zu zähmen; nichts vermag mehr Ermahnung, nichts Belehrung, noch die Furcht vor dem Gesetz und der üblen Nachrede, weil er aus seiner Natur heraus handelt, die nicht anders in Schranken gehalten, noch gebrochen werden kann, als durch Strafen. Die guten Geister hingegen werden niemals gestraft, obgleich sie Böses in der Welt getan hatten; denn ihr Böses kehrt nicht zurück, und es wird auch zu wissen gegeben, daß ihr Böses von anderer Art oder Natur war; denn [sie hatten] nicht aus Vorsatz wider das Wahre und nicht aus anderem bösen Herzen, als demjenigen [gehandelt], das ihnen von den Eltern angeerbt war, und in das sie, wenn sie in dem vom Inneren getrennten Äußeren waren, aus blinder Lust fortgerissen wurden.

(510)
Jeder kommt zu der Gesellschaft, in der sein Geist in der Welt [schon] gewesen war; denn jeder Mensch ist seinem Geiste nach mit irgendeiner Gesellschaft, entweder einer höllischen oder einer himmlischen verbunden, der böse mit einer höllischen Gesellschaft, der gute mit einer himmlischen Gesellschaft; daß jeglicher nach dem Tode zu seiner Gesellschaft zurückkehrt, sehe man Nr. 438; zu dieser wird der Geist allmählich hingeführt, und zuletzt tritt er in sie ein; der böse Geist wird, wenn er im Zustand seines Inwendigen ist, stufenweise seiner Gesellschaft zugekehrt und zuletzt ihr gerade [zugewandt], noch ehe dieser Zustand zu seinem Ende gelangt ist; und ist dieser Zustand zu Ende, so stürzt der böse Geist selbst sich in die Hölle, wo seinesgleichen sind; das Hinabstürzen selbst erscheint dem Auge, wie wenn einer rücklings den Kopf nach unten und die Füße nach oben hinabfällt; die Ursache, daß es so aussieht, ist, weil derselbe in verkehrter Ordnung ist; denn er hatte die höllischen Dinge geliebt und die himmlischen verworfen; einige Böse gehen in diesem zweiten Zustand abwechslungsweise in die Höllen und auch wieder heraus, diese aber erscheinen alsdann nicht als rücklings hinabfallend, wie dies der Fall ist, wenn sie völlig abgeödet sind. Die Gesellschaft selbst, in der sie ihrem Geiste nach in der Welt sich befanden, wird ihnen auch [schon] gezeigt, wenn sie [noch] im Zustand ihres Auswendigen sind, damit sie daraus erkennen, daß sie auch schon während ihres Lebens im Körper in der Hölle waren, dennoch aber sind sie nicht im gleichen Zustand mit denen, die in der Hölle selbst, sondern im gleichen Zustand mit denen, die in der Geisterwelt sind; vom Zustand der letzteren gegenüber dem [Zustand] derer in der Hölle wird im folgenden die Rede werden.

(511)
Die Trennung der bösen Geister von den guten Geistern geschieht in diesem zweiten Zustand; denn im ersten Zustand sind sie beisammen, weil der Geist, solange er in seinem Auswendigen ist, so ist, wie er in der Welt war, mithin wie dort, der Böse beim Guten, und der Gute beim Bösen; anders, wenn er in sein Inwendiges versetzt und seiner Natur oder seinem Willen überlassen ist. Die Ausscheidung der Guten von den Bösen geschieht auf mancherlei Weise, gemeinhin durch Herumführung zu denjenigen Gesellschaften, mit denen sie Gemeinschaft hatten durch gute Gedanken und Gefühle im ersten Zustand, und so zu denen, die sie durch äußeren Schein auf den Glauben gebracht hatten, daß sie nicht böse seien; meistens pflegt man sie in weitem Kreise herumzuführen und überall den guten Geistern zu zeigen, wie sie in sich beschaffen sind; bei ihrem Anblick wenden dann die guten Geister sich ab, und wie diese sich abwenden, so werden auch die bösen Geister, die herumgeführt werden, mit dem Angesicht ab- und zu der Gegend hingewendet, in der ihre höllische Gesellschaft ist, in die sie kommen sollen. Zu schweigen von anderen Arten der Trennung, deren es mehrere gibt.

(56)

VOM DRITTEN ZUSTAND
DES MENSCHEN NACH DEM TODE,
WELCHER DER ZUSTAND
DES UNTERRICHTS DERER IST,
DIE IN DEN HIMMEL KOMMEN

(512)
Der dritte Zustand des Menschen nach dem Tod oder seines Geistes ist der Zustand des Unterrichts; dieser Zustand ist für die, welche in den Himmel kommen und Engel werden; nicht aber für die, welche in die Hölle kommen, weil diese nicht unterrichtet werden können; weshalb deren zweiter Zustand auch ihr dritter ist und sich damit endigt, daß sie ganz und gar ihrer Liebe, somit der höllischen Gesellschaft zugewendet sind, die in ähnlicher Liebe steht; ist dies geschehen, dann wollen und denken sie aus dieser Liebe; und weil diese Liebe höllisch ist, so wollen sie nichts als Böses und denken nichts als Falsches; dies sind ihre Lustreize, weil sie [die Gegenstände] ihrer Liebe sind; und infolgedessen verwerfen sie alles Gute und Wahre, das sie früher angenommen hatten, weil es ihrer Liebe zum Mittel gedient hatte. Die Guten hingegen werden vom zweiten Zustand in den dritten geführt, welcher der Zustand ihrer Zubereitung zum Himmel mittelst des Unterrichts ist; denn niemand kann anders zum Himmel zubereitet werden, als durch Kenntnisse des Guten und Wahren, somit nicht anders als durch Unterricht; denn niemand kann wissen, was das geistig Gute und Wahre ist, und was das diesem entgegengesetzte Böse und Falsche ist, sofern er nicht unterrichtet wird; was das bürgerlich und das sittlich Gute und Wahre sei, die man das Gerechte und Redliche nennt, kann man in der Welt wissen, weil es hier bürgerliche Gesetze gibt, welche lehren, was gerecht ist, und auch Genossenschaften, mit denen der Mensch leben lernt nach den sittlichen Gesetzen, welche alle sich auf das Redliche und Gerade beziehen; das geistig Gute und Wahre hingegen lernt man nicht aus der Welt, sondern aus dem Himmel; wissen zwar kann man sie aus dem Wort und aus der wirklich aus dem Wort genommenen Lehre der Kirche, dennoch aber können sie nicht ins Leben eindringen, sofern nicht der Mensch seinem Inwendigen nach, das seinem Gemüt angehört, im Himmel ist; und im Himmel ist der Mensch alsdann, wenn er das Göttliche anerkennt und zugleich gerecht und redlich handelt, weil man so handeln soll, da es im Wort geboten ist; so lebt er gerecht und redlich um des Göttlichen willen und nicht um seiner selbst und der Welt als der Zwecke willen; allein so zu handeln vermag niemand, sofern er nicht zuvor unterrichtet worden ist, daß nämlich ein Gott ist, daß Himmel und Hölle sind, daß ein Leben nach dem Tod ist, daß man Gott über alles lieben soll und den Nächsten wie sich selbst, und daß man, was im Wort steht, glauben soll, weil das Wort göttlich ist; ohne die Kenntnis und Anerkenntnis dieser [Wahrheiten] kann der Mensch nicht geistig denken, und ohne das Denken an sie will er sie nicht; denn was der Mensch nicht weiß, kann er nicht denken, und was er nicht denkt, kann er nicht wollen; sobald also der Mensch jene Dinge will, fließt der Himmel, das heißt durch den Himmel der Herr ins Leben ein; denn er fließt in den Willen und durch diesen ins Denken und durch beide ins Leben ein; denn alles Leben des Menschen stammt daher; hieraus erhellt, daß man das geistige Gute und Wahre nicht aus der Welt, sondern aus dem Himmel lernt, und daß keiner zum Himmel anders zubereitet werden kann, als mittelst des Unterrichts. In dem Maß auch, als der Herr in jemandes Leben einfließt, unterweist Er ihn; denn insoweit befeuert er den Willen mit der Liebe, die Wahrheiten zu wissen, und insoweit erleuchtet er das Denken, daß es sie erkennt; und inwieweit dies geschieht, insoweit wird das Inwendige des Menschen aufgeschlossen und der Himmel ihm eingepflanzt; ja noch mehr, insoweit fließt das Göttliche und das Himmlische in das Redliche ein, das Sache des sittlichen Lebens, und in das Gerechte, das Sache des bürgerlichen Lebens beim Menschen ist, und macht sie geistig, indem der Mensch sie alsdann aus dem Göttlichen, weil um des Göttlichen willen, tut; denn die redlichen und die gerechten [Handlungen] des moralischen und bürgerlichen Lebens, die der Mensch aus diesem Grund tut, sind die eigensten Wirkungen des geistigen Lebens; und die Wirkung nimmt all das Ihrige aus ihrer wirkenden Ursache; denn wie diese ist, so ist auch jene.

(513)
Die Unterweisungen geschehen durch Engel mehrerer Gesellschaften, besonders durch die, welche in der nördlichen und südlichen Gegend sind; denn diese Engelgesellschaften sind in der Einsicht und Weisheit aus den Kenntnissen des Guten und Wahren; die Orte des Unterrichts sind gegen Norden und sind mannigfaltig geordnet und unterschieden je nach den Gattungen und Arten des himmlischen Guten, damit dort alle und jede unterrichtet werden je nach ihrer Anlage und Empfänglichkeit; diese Orte dehnen sich ringsumher in weitem Umfang aus. Dahin werden, nachdem sie ihren zweiten Zustand in der Geisterwelt vollbracht haben, die guten Geister, die unterrichtet werden sollen, vom Herrn geführt; jedoch nicht alle; denn die, welche [schon] in der Welt unterrichtet worden sind, sind dort auch vom Herrn zum Himmel zubereitet worden und werden auf anderem Weg in den Himmel erhoben; einige sogleich nach dem Tod; andere nach kurzem Verweilen bei den guten Geistern, wo das Gröbere ihrer Gedanken und Neigungen, das sie von den Ehrenstellen und Reichtümern in der Welt her an sich genommen hatten, entfernt wird und sie so gereinigt werden; andere werden vorher abgeödet, was an den Orten unter den Fußsohlen geschieht, welche die untere Erde genannt werden, wo einige Hartes zu erleiden haben; dies sind die, welche sich im Falschen bestärkt und dennoch einen guten Lebenswandel geführt hatten; denn das begründete Falsche klebt hartnäckig an und bevor es weggeschafft ist, kann man die Wahrheiten nicht sehen, somit auch nicht annehmen. Doch von den Abödungen und von den Weisen, wie sie geschehen, ist in den »Himmlischen Geheimnissen« gehandelt worden, und das aus diesem Gesammelte mag man in den Anmerkungen unter der Linie nachsehen
281.

(514)
Alle, die an den Orten des Unterrichts sind, wohnen getrennt voneinander; denn die einzelnen stehen ihrem Inwendigen nach im Verband mit den Gesellschaften des Himmels, zu denen sie kommen sollen; da nun die Gesellschaften des Himmels nach der Form des Himmels geordnet sind, (man sehe Nr. 200-212), so sind es auch die Orte, an denen die Unterweisungen geschehen; daher denn diese Orte, wenn sie vom Himmel aus betrachtet werden, wie ein Himmel in verjüngter Gestalt erscheinen; sie dehnen sich daselbst in die Länge aus von Osten nach Westen und in die Breite von Süden nach Norden; allein die Breite ist dem Anschein nach kleiner als die Länge. Die Ordnung ist im allgemeinen folgende: vorne sind die, welche als Kinder gestorben und bis zum ersten Jünglingsalter im Himmel erzogen worden sind; diese werden, nachdem sie den Stand der Kindheit bei Erzieherinnen zugebracht, vom Herrn dahin geführt und unterrichtet. Hinter diesen sind die Orte, an denen diejenigen unterrichtet werden, die als Erwachsene gestorben sind und in der Welt in der Neigung zum Wahren aus dem Guten des Lebens gewesen waren. Hinter diesen aber sind die, welche der mohammedanischen Religion zugetan waren und in der Welt ein sittlich-gutes Leben geführt und ein göttliches [Wesen], den Herrn aber als den eigentlichen Propheten anerkannt hatten; wenn diese von Mohammed zurücktreten, weil er ihnen gar keine Hilfe leisten kann, so kommen sie zum Herrn und verehren Ihn und erkennen Sein Göttliches an und werden dann in der christlichen Religion unterrichtet. Hinter diesen mehr gegen Norden sind die Unterrichtsorte der mancherlei Heiden, die in der Welt ein ihrer Religion gemäßes gutes Leben geführt und von daher sich eine Art von Gewissen angeeignet und das Gerechte und Rechte getan hatten, nicht sowohl um ihrer Regierungsgesetze als um der Religionsgesetze willen, die sie glaubten unverbrüchlich halten zu müssen und auf keine Weise durch ihr Tun verletzen zu dürfen; diese alle werden, wenn sie unterrichtet sind, leicht zur Anerkennung des Herrn gebracht, weil sie im Herzen tragen, daß Gott nicht unsichtbar, sondern unter menschlicher Gestalt sichtbar ist, diese sind zahlreicher als die übrigen; die besten unter ihnen sind aus Afrika.

(515)
Jedoch werden nicht alle in gleicher Weise, noch von den gleichen Gesellschaften des Himmels unterrichtet; die, welche von Kindheit an im Himmel erzogen wurden, werden von Engeln der inwendigeren Himmel unterrichtet, weil sie nichts Falsches aus falschen Religionslehren eingesogen, noch ihr geistiges Leben durch die Hefen der Ehrenstellen und Reichtümer verunreinigt hatten. Solche, die als Erwachsene gestorben sind, werden meistens von Engeln des äußersten Himmels unterrichtet, weil diese Engel mehr zu ihnen passen, als die Engel der inwendigeren Himmel, denn diese sind in mehr inwendiger Weisheit, die noch nicht aufgenommen wird. Die Mohammedaner aber von Engeln, die früher in derselben Religion gewesen und zur christlichen bekehrt worden waren. Die Heiden ebenfalls von ihren Engeln.

(516)
Aller Unterricht geschieht daselbst aus der Lehre, die aus dem Wort ist, und nicht aus dem Wort ohne die Lehre; die Christen werden aus der himmlischen Lehre unterrichtet, die ganz mit dem inneren Sinn des Wortes zusammenstimmt. Die übrigen, wie die Mohammedaner und die Heiden, nach Lehren, die ihrer Fassungskraft angemessen sind und sich von der himmlischen Lehre bloß darin unterscheiden, daß das geistige Leben durch das sittliche, den guten Lehrbestimmungen ihrer Religion gemäße Leben gelehrt wird, nach dem sie ihr Leben in der Welt eingerichtet hatten.

(517)
Die Unterweisungen im Himmel unterscheiden sich von den Unterweisungen auf Erden darin, daß die Kenntnisse nicht dem Gedächtnis, sondern dem Leben übergeben werden; denn das Gedächtnis der Geister ist in ihrem Leben, indem sie alles annehmen und sich aneignen, was mit ihrem Leben zusammenstimmt, dagegen aber nicht annehmen, noch weniger sich aneignen, was nicht übereinstimmt; denn die Geister sind Neigungen [affectiones], und daher in einer ihren Neigungen ähnlichen Menschengestalt. Weil sie so beschaffen sind, wird ihnen fortwährend die Neigung zum Wahren, welche auf die Anwendung im Leben abzielt, eingeflößt; denn der Herr tut Vorsehung, daß jeder die Nutzzwecke liebt, die mit seiner Anlage zusammenstimmen; diese Liebe wird auch erhöht durch die Hoffnung, Engel zu werden; und weil alle Nutzzwecke des Himmels sich auf den allgemeinen Nutzzweck beziehen, welcher der für das Reich des Herrn ist, das dort ihr Vaterland ist, und weil alle besonderen und einzelnen Nutzzwecke um so höher stehen, als sie näher und umfassender auf jenen allgemeinen abzielen, darum sind alle besonderen und einzelnen Nutzzwecke, welche unzählig sind, gut und himmlisch; weshalb bei jeglichem die Neigung zum Wahren mit der Neigung, Nutzen zu schaffen, sich so sehr verbindet, daß sie eins ausmachen; dadurch wird das Wahre dem Nutzzweck eingepflanzt, so daß die Wahrheiten, die sie lernen, Nutzwahrheiten [usus vera, praktische Wahrheiten] sind; in dieser Weise werden die Engelgeister unterwiesen und zum Himmel zubereitet. Die Neigung zu dem mit dem Nutzzweck übereinstimmenden Wahren wird durch verschiedene Mittel eingeflößt, von denen die meisten in der Welt unbekannt sind; besonders durch Vorbildungen von Nutzwirkungen, die in der geistigen Welt auf tausenderlei Weise und mit solchen Wonnen und Genüssen dargestellt werden, daß sie den Geist vom Inwendigen her, dem Gebiet seines Gemütes, bis zum Auswendigen, dem Gebiet seines Leibes, durchdringen, und so ihn ganz ergreifen; daher der Geist gleichsam zu seinem Nutzzweck wird; weshalb der Geist, sobald er in seine Gesellschaft kommt, in die er durch den Unterricht eingeleitet wird, in seinem Leben, weil in seiner Nutzwirkung ist
282. Hieraus kann erhellen, daß die Kenntnisse, die äußere Wahrheiten sind, nicht machen, daß jemand in den Himmel kommt, sondern das Leben selbst, das ein Leben der Nutzwirkungen ist, beigebracht durch die Kenntnisse.

(518)
Es waren Geister, die infolge der Gedanken, die sie in der Welt hatten, sich überredeten, sie würden in den Himmel kommen und vor anderen aufgenommen werden, weil sie gelehrt waren und vieles aus dem Wort und aus den Lehren der Kirchen wußten, indem sie so meinten, sie seien weise und seien unter denen verstanden worden, von denen es heißt, sie werden strahlen wie der Glanz des Himmelsgewölbes und wie die Sterne, bei Da.12/3; allein sie wurden geprüft, ob ihre Kenntnisse ihren Sitz im Gedächtnis oder im Leben hätten; diejenigen, die in echter Neigung zum Wahren waren, somit dieses liebten und der von körperlichen und weltlichen [Dingen] getrennten Nutzzwecke willen, die in sich geistige Nutzzwecke sind, wurden auch, nachdem sie unterrichtet worden waren, in den Himmel aufgenommen, und es wurde ihnen dann zu wissen gegeben, was im Himmel glänzt, daß es nämlich das göttliche Wahre, das dort das Licht des Himmels ist, in der Nutzwirkung sei, welche die Grundlage ist, welche die Strahlen jenes Lichtes in sich aufnimmt und in mancherlei Glanzströmungen verwandelt. Solche hingegen, bei denen die Kenntnisse bloß im Gedächtnis saßen, und die von daher die Fähigkeit erlangt hatten, über die Wahrheiten zu vernünfteln und diejenigen [Sätze] zu begründen, die sie als Grundsätze [principia] angenommen hatten, die sie dann, obwohl sie falsch waren, nach der Begründung als Wahrheiten ansahen, die, weil sie in keinem Licht des Himmels waren und doch infolge des Dünkels, der solchem Wissen gewöhnlich anklebt, im Glauben standen, sie seien gelehrter als andere und werden so in den Himmel kommen und die Engel werden ihnen dienen, diese wurden, damit sie von ihrem albernen Glauben abgebracht würden, bis zum ersten oder untersten Himmel erhoben, um in eine gewisse Engelgesellschaft eingeführt zu werden; als sie aber im Eingang standen, fingen sie an, beim Einfluß des Himmelslichtes an den Augen zu erblinden und dann im Verstand verwirrt zu werden und zuletzt mit dem Atem zu kämpfen [trahere animam], wie die Sterbenden; und als sie die Wärme des Himmels fühlten, welche die himmlische Liebe ist, begannen sie inwendig gequält zu werden, weshalb sie von da herabgeworfen und nachher belehrt wurden, daß die Kenntnisse den Engel nicht machen, sondern das wirkliche Leben, das man durch die Kenntnisse erlangt hat, weil die Kenntnisse an sich betrachtet außerhalb des Himmels sind, das durch die Kenntnisse erlangte Leben aber innerhalb des Himmels ist.

(519)
Nachdem die Geister an den oben bemerkten Orten durch Unterweisungen zum Himmel zubereitet worden sind, was in kurzer Zeit geschieht, weil sie in geistigen Ideen sind, die vieles zugleich umfassen, so werden sie mit Engelgewändern bekleidet, die meistens glänzend weiß wie von feiner Leinwand [ex bysso] sind, und so auf den Weg gebracht, der aufwärts zum Himmel führt, und dort Hüter-Engeln übergeben und hernach von anderen Engeln aufgenommen und in Gesellschaften eingeführt und in diesen in viele Seligkeiten; hierauf wird jeder vom Herrn in seine eigene Gesellschaft gebracht, was auch auf verschiedenen Wegen geschieht, zuweilen auf Umwegen; die Wege, auf denen sie geführt werden, weiß kein Engel, sondern allein der Herr; wenn sie zu ihrer Gesellschaft kommen, dann wird ihr Inwendiges aufgeschlossen, und weil dieses dem Inwendigen der Engel, die in dieser Gesellschaft sind, gleichförmig ist, so werden sie sogleich anerkannt und mit Freuden aufgenommen.

(520)
Diesem möchte ich noch etwas Denkwürdiges über die Wege beifügen, die von jenen Orten zum Himmel führen und auf denen die neuen Engel eingeführt werden; es sind acht Wege, zwei von jedem Ort des Unterrichts, der eine erhebt sich gegen Osten, der andere gegen Westen; die in das himmlische Reich des Herrn kommen, werden auf dem östlichen Weg eingeführt; die aber in das geistige Reich [kommen], werden auf dem westlichen Weg eingeführt. Die vier Wege, die zum himmlischen Reich des Herrn führen, erscheinen mit Ölbäumen und fruchtbaren Bäumen von mancherlei Art geziert; die aber zum geistigen Reich des Herrn kommen, erscheinen mit Weinstöcken und Lorbeerbäumen geziert; dies infolge der Entsprechung, weil die Weinstöcke und Lorbeerbäume der Neigung zum Wahren und deren Nutzzwecken entsprechen, die Ölbäume und Früchte aber mit der Neigung zum Guten und deren Nutzzwecken in Entsprechung stehen.

(57)

DAß NIEMAND DURCH UNVERMITTELTE
BARMHERZIGKEIT IN DEN HIMMEL KOMME

(521)
Solche, die über den Himmel und über den Weg zum Himmel, sowie auch über das Leben des Himmels beim Menschen nicht unterrichtet sind, stehen in der Meinung, das in den Himmel-aufgenommen-werden geschehe bloß aus Barmherzigkeit, die denen zuteil werde, die im Glauben sind, und für die der Herr Fürbitte einlegt [intercedit], somit sei es bloß ein Hineinlassen aus Gnaden, folglich können alle Menschen, so viele ihrer seien, nach Wohlgefallen selig gemacht werden, ja sogar, wie einige meinen, auch alle in der Hölle. Allein diese wissen nichts vom Menschen, daß er nämlich ganz so ist wie sein Leben, und sein Leben wie seine Liebe, nicht nur hinsichtlich des Inwendigen, des Gebietes seines Willens und seines Verstandes, sondern auch hinsichtlich des Auswendigen, das seinem Körper angehört, und daß die Körperform nur die äußere Gestaltung ist, in der das Inwendige sich in Wirkung darstellt, und daß somit der ganze Mensch seine Liebe ist; man sehe Nr. 363; auch wissen sie nicht, daß der Körper nicht aus sich lebt, sondern aus seinem Geist, und daß der Geist des Menschen seine eigenste Neigung ist und sein geistiger Leib nichts anderes als des Menschen Neigung in menschlicher Gestalt, in der er auch nach dem Tod erscheint, man sehe Nr. 453-460. Solange diese Dinge unbekannt sind, kann der Mensch zu dem Glauben verleitet werden, die Seligmachung sei nichts als die göttliche Willkür [Beneplacentia], die man Barmherzigkeit und Gnade [Misericordia et Gratia] nennt.

(522)
Was aber die göttliche Barmherzigkeit sei, soll zuerst gesagt werden. Die göttliche Barmherzigkeit ist lauteres Erbarmen gegen das ganze menschliche Geschlecht, es selig zu machen, und sie ist auch unausgesetzt bei jeglichem Menschen und tritt von keinem je zurück, weshalb denn jeder, der selig gemacht werden kann, auch selig gemacht wird; es kann jedoch niemand anders selig werden, als durch die göttlichen Mittel, welche Mittel vom Herrn im Wort geoffenbart worden sind; die göttlichen Mittel sind, was man die göttlichen Wahrheiten nennt; diese lehren, wie der Mensch leben muß, um selig werden zu können; durch dieselben führt der Herr den Menschen zum Himmel, und durch dieselben flößt Er ihm das Leben des Himmels ein; dies tut der Herr bei allen; allein das Leben des Himmels kann Er in keinen legen, sofern er nicht vom Bösen absteht; denn das Böse steht hindernd im Weg; inwieweit nun der Mensch vom Bösen absteht, insoweit führt ihn der Herr durch Seine göttlichen Mittel aus lauter Barmherzigkeit, und dies von der Kindheit an bis ans Ende seines Lebens in der Welt und nachher in Ewigkeit; dies ist die göttliche Barmherzigkeit, die gemeint ist; daraus erhellt, daß die göttliche Barmherzigkeit lauteres Erbarmen ist, aber nicht ein unvermitteltes, das darin bestände, daß alle nach Willkür selig gemacht werden, wie sie auch immer gelebt hatten.

(523)
Der Herr tut nirgends etwas gegen die Ordnung, weil Er selbst die Ordnung ist; das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre ist es, was die Ordnung macht, und die göttlichen Wahrheiten sind die Gesetze der Ordnung; nach diesen führt der Herr den Menschen; den Menschen selig machen aus unvermitteltem Erbarmen ist wider die göttliche Ordnung, und was wider die göttliche Ordnung ist, das ist wider das Göttliche. Die göttliche Ordnung ist der Himmel beim Menschen; sie hatte der Mensch bei sich verkehrt durch ein Leben wider die Gesetze der Ordnung, welche die göttlichen Wahrheiten sind; in diese Ordnung wird der Mensch zurückgeführt aus lauterer Barmherzigkeit durch die Gesetze der Ordnung, und inwieweit er zurückgeführt wird, insoweit nimmt er den Himmel in sich auf, und wer den Himmel in sich aufnimmt, der kommt in den Himmel. Daraus erhellt wiederum, daß die göttliche Barmherzigkeit des Herrn lauteres Erbarmen, aber nicht ein unvermitteltes ist
283.

(524)
Hätten die Menschen aus unvermittelter Barmherzigkeit selig gemacht werden können, so würden alle selig gemacht werden, auch die in der Hölle sind, ja es gäbe keine Hölle, weil der Herr die Barmherzigkeit selbst, die Liebe selbst und das Gute selbst ist; daher es wider Sein Göttliches ist, zu sagen, daß Er alle unmittelbar selig machen könne und sie [doch] nicht selig mache; aus dem Wort ist bekannt, daß der Herr das Heil aller und keines einzigen Verdammnis will.

(525)
Die meisten, die aus der Christenheit in das andere Leben kommen, bringen jenen Glauben mit sich, daß sie nämlich durch unmittelbare Barmherzigkeit selig werden müssen, denn diese flehen sie an; wenn sie aber geprüft worden sind, so hat sich herausgestellt, daß sie geglaubt hatten, das in den Himmel-kommen sei bloß Eingelassen-werden, und die eingelassen werden, seien in der himmlischen Freude; sie wußten gar nicht, was der Himmel und was die himmlische Freude ist, weshalb ihnen gesagt wurde, daß vom Herrn niemandem der Himmel verwehrt werde, und daß sie, wenn sie es wünschten, hineingelassen werden und auch daselbst verweilen könnten; diejenigen, die dies verlangten, wurden auch wirklich zugelassen; als sie aber auf der ersten Schwelle waren, wurden sie beim Anwehen der himmlischen Wärme, welche die Liebe ist, in der die Engel sind, und vom Einfluß des himmlischen Lichtes, welches das göttliche Wahre ist, von solcher Herzensangst ergriffen, daß sie statt himmlischer Freude höllische Pein in sich empfanden, von welcher niedergeworfen sie sich jählings von da herabstürzten; so wurden sie durch lebendige Erfahrung belehrt, daß keinem der Himmel durch unmittelbare Barmherzigkeit gegeben werden kann.

(526)
Ich sprach hierüber zuweilen mit Engeln und sagte, die meisten in der Welt, die im Bösen leben, sprechen sich, wenn sie mit anderen über den Himmel und über das ewige Leben reden, nicht anders aus, als daß das in den Himmel-kommen nur ein Eingelassen-werden aus bloßer Barmherzigkeit sei, und in dieser Meinung stehen besonders diejenigen, die den Glauben zum einzigen Heilsmittel machen; denn diese sehen infolge des obersten Grundsatzes ihrer Religion nicht aufs Leben, noch auf die Taten der Liebe, die das Leben ausmachen, somit auch nicht auf die anderen Mittel, durch die der Herr den Himmel in den Menschen legt und macht, daß er empfänglich für die himmlische Freude wird; und weil sie so alle Vermittlung durchs Tun verwerfen, so behaupten sie vermöge des Zwangs ihres Prinzips, der Mensch komme in den Himmel durch die bloße Barmherzigkeit, zu der, wie sie glauben, Gott der Vater durch die Dazwischenkunft des Sohnes bewogen werde; hierauf sagten die Engel, sie wissen, daß solch eine Lehre mit Notwendigkeit folge aus dem angenommenen Grundsatz vom bloßen Glauben, und weil diese Lehrbestimmung das Haupt der übrigen sei, und in sie, da sie nicht wahr ist, gar kein Licht aus dem Himmel einfließen könne; so sei daraus die Unwissenheit hervorgegangen, in der die Kirche heutzutage ist, betreffend den Herrn, den Himmel, das Leben nach dem Tod, die himmlische Freude, das Wesen der Liebe und Liebtätigkeit und überhaupt in betreff des Guten und dessen Verbindung mit dem Wahren, mithin hinsichtlich des Lebens des Menschen, woher es stamme und wie es beschaffen sei, welches [Leben] jedoch niemand je aus dem Denken, sondern aus dem Willen und den aus diesem hervorgegangenen Taten habe und nur insoweit aus dem Denken, als das Denken aus dem Willen stammt, somit nicht aus dem Glauben, außer soweit der Glaube aus der Liebe stammt [trahit ex amore]; die Engel bedauern sehr, daß jene nicht wissen, daß der bloße Glaube bei keinem möglich ist, weil der Glaube ohne seine Quelle, welche die Liebe ist, ein bloßes Wissen ist und bei einigen eine Selbstberedung, die sich fälschlich wie der Glaube gebärdet [mentitur fidem] (man sehe Nr. 482), welche Selbstberedung nicht im Leben des Menschen, sondern außerhalb desselben ist; denn sie trennt sich vom Menschen ab, wenn sie nicht mit der Liebe zusammenhängt. Ferner sagten sie, daß die, welche in solchem Grundsatz in betreff des wesentlichen Heilmittels beim Menschen sind, nicht anders können, als an eine unmittelbare Barmherzigkeit glauben, weil sie aus dem natürlichen Licht und auch aus anschaulicher Erfahrung erkennen, daß der getrennte Glaube das Leben des Menschen nicht ausmacht, da ja auch die, welche ein böses Leben führen, ebenso denken und sich einreden können, wovon denn die Folge ist, daß man glaubt, die Bösen können ebensowohl selig werden als die Guten, wenn sie nur in der Todesstunde mit Zuversicht von der Fürbitte und von der durch dieselbe zu erlangenden Barmherzigkeit reden. Die Engel bekannten, noch niemand gesehen zu haben, der böse gelebt hatte und dennoch aus unmittelbarer Barmherzigkeit in den Himmel aufgenommen worden wäre, wie sehr er auch mit der Zuversicht oder dem Vertrauen, das man unter dem Glauben in vornehmlichem Sinn versteht, in der Welt geredet hatte. Auf die Frage nach Abraham, Isaak, Jakob und David und nach den Aposteln, ob nicht diese aus unmittelbarer Barmherzigkeit in den Himmel aufgenommen worden seien, antworteten sie: Keiner derselben, sondern jeder von ihnen je nach seinem Leben in der Welt; auch wissen sie, wo jene seien, und daß sie daselbst nicht in höherem Ansehen als andere stehen; daß ihrer im Wort in Ehren gedacht werde, davon sei, sagten sie, der Grund, daß unter ihnen im inneren Sinn des Wortes der Herr verstanden werde; unter Abraham, Isaak und Jakob der Herr hinsichtlich des Göttlich-Menschlichen; unter David der Herr hinsichtlich des Göttlich-Königlichen; und unter den Aposteln der Herr hinsichtlich der göttlichen Wahrheiten; und sie [die Engel] würden von denselben gar nichts inne, wenn das Wort von einem Menschen gelesen wird, weil ihre Namen nicht in den Himmel eindringen, sondern statt derselben vernehmen sie, wie soeben gesagt worden, den Herrn; und darum sei ihrer in dem Wort, das im Himmel ist und von dem Nr. 259 die Rede war, nirgends gedacht, weil dieses Wort der innere Sinn des Wortes sei, das in der Welt ist
284.

(527)
Daß es unmöglich ist, das Leben des Himmels solchen einzuflößen, die in der Welt ein dem Leben des Himmels entgegengesetztes Leben geführt haben, kann ich aus vielfältiger Erfahrung bezeugen; es waren nämlich solche, die geglaubt hatten, sie würden nach dem Tode die göttlichen Wahrheiten, sobald sie solche von den Engeln hörten, mit Leichtigkeit annehmen, und würden glauben und infolgedessen auch anders leben, und könnten so in den Himmel aufgenommen werden; allein dies wurde mit sehr vielen versucht, jedoch nur von seiten solcher, die in ähnlichem Glauben waren und denen es zu dem Ende zugelassen wurde, damit sie wüßten, daß es keine Buße nach dem Tode gibt; einige nun von denen, mit denen der Versuch gemacht wurde, begriffen die Wahrheiten und schienen sie anzunehmen; sobald sie sich aber dem Leben ihrer Liebe zugewendet hatten, verwarfen sie dieselben und sprachen sogar dagegen; einige verwarfen dieselben im ersten Augenblick und wollten sie gar nicht hören; einige wollten, daß das Leben der Liebe, das sie in der Welt sich angebildet hatten, ihnen genommen und statt desselben das engelische oder das Leben des Himmels eingegossen werde; dies geschah auch mit ihnen aus Zulassung; sobald aber das Leben ihrer Liebe weggenommen war, lagen sie wie tot da und waren ihrer selbst nicht mehr mächtig. Hierdurch und durch andere Erfahrungsweisen wurden die einfältig Guten belehrt, daß nach dem Tod bei keinem einzigen das Leben verändert werden kann, und daß in keiner Weise das böse Leben in ein gutes, noch das höllische in ein engelisches umgesetzt werden kann; weil jeglicher Geist vom Haupt bis zur Fußsohle so ist wie seine Liebe, mithin wie sein Leben, und dieses in ein entgegengesetztes verwandeln, so viel wäre, als den Geist gänzlich vernichten; die Engel gestehen, daß es leichter wäre, eine Nachteule in eine Taube und einen Uhu in einen Paradiesvogel umzuwandeln, als einen höllischen Geist in einen Engel des Himmels. Daß der Mensch nach dem Tode so bleibt, wie sein Leben in der Welt war, sehe man in seinem Abschnitt, Nr. 470-484. Hieraus kann nun erhellen, daß aus unmittelbarer Barmherzigkeit niemand in den Himmel aufgenommen werden kann.

(58)

DAß ES NICHT SO SCHWER SEI,
ALS MAN GLAUBT, EIN LEBEN ZU FÜHREN,
DAS IN DEN HIMMEL BRINGT

(528)
Einige glauben, ein Leben zu führen, das in den Himmel bringt, und das man das geistige Leben nennt, sei schwer, und zwar darum, weil sie gehört hatten, daß der Mensch der Welt entsagen und sich der Lüste, die man die des Körpers und des Fleisches nennt, entschlagen und als geistig Gesinnter leben müsse; wovon sie sich keinen anderen Begriff machen, als daß sie müßten die weltlichen Dinge, welche besonders Reichtümer und Ehrenstellen sind, verwerfen, beständig in frommer Betrachtung über Gott, über das Seelenheil und über das ewige Leben einhergehen und das Leben in Gebeten, in Lesung des Wortes und frommer Bücher zubringen; dieses, meinen sie, heiße der Welt entsagen, und nach dem Geist, nicht nach dem Fleische leben; daß aber die Sache sich ganz anders verhält, ist [mir] durch vielfältige Erfahrung und durch Unterredung mit den Engeln zu wissen gegeben worden; ja sogar, daß die, welche der Welt entsagen und nach dem Geiste leben in jener Weise, sich ein trauriges Leben bereiten, das für die himmlische Freude nicht empfänglich ist, da jeglichen sein Leben erwartet; daß aber der Mensch, um das Leben des Himmels in sich aufzunehmen, vielmehr gerade in der Welt und in Ämtern und Geschäften in ihr leben muß, und daß er dann durch ein sittlich und bürgerlich gutes Leben das geistige in sich aufnimmt, und daß nicht auf andere Weise das geistige Leben beim Menschen gebildet oder sein Geist zum Himmel zubereitet werden kann; denn ein inneres Leben leben ohne ein äußeres, ist wie in einem Haus wohnen, das keinen Grund hat und dann allmählich sich senkt oder Risse bekommt und berstet oder schwankt, bis es zusammenfällt.

(529)
Betrachtet und erforscht man das Leben des Menschen durch Vernunftanschauung, so findet man, daß es ein dreifaches ist, nämlich ein geistiges Leben, ein sittliches Leben und ein bürgerliches Leben, und daß diese Leben voneinander unterschieden sind; denn es gibt Menschen, die ein bürgerlich [gutes] Leben und doch nicht ein sittliches und geistiges leben; und es gibt solche, die ein sittliches und doch nicht ein geistiges leben; und es gibt wieder solche, die sowohl ein bürgerlich [gutes] als ein sittliches und zugleich geistiges Leben leben; diese sind es, die ein Leben des Himmels führen, jene aber, die ein vom Leben des Himmels getrenntes Weltleben führen. Schon hieraus kann erhellen, daß das geistige Leben nicht getrennt ist vom natürlichen Leben, oder vom Weltleben, sondern daß es mit diesem verbunden ist wie die Seele mit ihrem Leib, und daß es, wenn man es trennen würde, wie oben gesagt worden, dem Wohnen in einem Haus gliche, das keinen Grund hat. Das sittliche und das bürgerliche Leben ist nämlich das Tätige des geistigen Lebens; denn Sache des geistigen Lebens ist gut wollen, und Sache des sittlichen und bürgerlichen Lebens ist gut handeln; wird dieses von jenem getrennt, so besteht das geistige Leben bloß im Denken und Reden, und der Wille tritt zurück, weil er keine Unterlage hat; und dennoch ist der Wille das eigentlich Geistige des Menschen.

(530)
Daß es nicht so schwer ist, als man glaubt, ein Leben zu führen, das in den Himmel bringt, kann man aus dem, was nun folgt, ersehen. Wer kann nicht ein bürgerlich- und sittlich-gutes Leben führen ? Jeder wird ja von Kindheit an in dasselbe eingeleitet und kennt es aus dem Leben in der Welt; jeder führt es auch, sowohl der Böse als der Gute, denn wer will nicht redlich heißen und wer nicht gerecht ? Beinahe alle üben die Redlichkeit und Gerechtigkeit im Äußeren so streng, daß es den Anschein hat, als wären sie von Herzen sowohl redlich als gerecht oder als ob sie aus der Redlichkeit und Gerechtigkeit selbst heraus handelten; ebenso nun muß der geistige Mensch leben, was er ebenso leicht als der natürliche Mensch kann, jedoch mit dem alleinigen Unterschied, daß der geistige Mensch an das Göttliche glaubt, und daß er redlich und gerecht handelt, nicht bloß darum, weil es den bürgerlichen und moralischen Gesetzen gemäß ist, sondern auch, weil es den göttlichen Gesetzen gemäß ist; denn weil er beim Handeln an das Göttliche denkt, so setzt er sich mit den Engeln des Himmels in Gemeinschaft, und inwieweit er dies tut, wird er mit ihnen verbunden, und so wird sein innerer Mensch aufgeschlossen, der an sich betrachtet der geistige Mensch ist; ist der Mensch ein solcher, dann wird er vom Herrn an Kindes Statt angenommen und geführt, ohne es zu wissen, und dann tut er das Redliche und Gerechte, die dem sittlichen und bürgerlichen Leben, das er führt, angehören, aus geistigem Ursprung; und das Redliche und Gerechte aus geistigem Ursprung tun, heißt, es aus dem Redlichen und Gerechten selbst heraus tun oder es von Herzen tun. Seine Gerechtigkeit und Redlichkeit erscheint in der äußeren Form ganz gleich der Gerechtigkeit und Redlichkeit bei den natürlichen Menschen, ja selbst den bösen und höllischen, allein in der inneren Form sind sie ganz ungleich; denn die Bösen handeln gerecht und redlich bloß um ihret- und der Welt willen, würden sie daher nicht die Gesetze und Strafen und dann auch den Verlust des guten Namens, der Ehre, des Erwerbs und des Lebens fürchten, so würden sie ganz ungerecht und unredlich handeln, weil sie weder Gott noch irgendein göttliches Gesetz fürchten, somit kein inneres Band da ist, das sie zurückhält; weshalb sie dann, soweit sie könnten, andere betrügen, berauben und plündern würden, und zwar dies mit Lust; daß sie inwendig so beschaffen sind, zeigt sich besonders an Ähnlichen im anderen Leben, wo jedem das Äußere genommen und das Innere bloßgelegt wird, in dem sie dann in Ewigkeit leben (man sehe Nr. 499-511), und weil sie alsdann ohne äußere Bande handeln, welche, wie oben gesagt worden, sind die Furcht vor dem Gesetz, vor dem Verlust des guten Rufs, der Ehre, des Erwerbs und des Lebens, so handelen sie unsinnig und lachen über die Redlichkeit und Gerechtigkeit. Jene aber, die um der göttlichen Gesetze willen redlich und gerecht gehandelt haben, handeln, wenn das Äußere weggenommen ist und sie dem Inneren überlassen worden sind, weise, weil sie mit den Engeln des Himmels verbunden sind, von denen ihnen Weisheit mitgeteilt wird. Hieraus kann nun zuvörderst erhellen, daß der geistige Mensch hinsichtlich des bürgerlichen und sittlichen Lebens ganz so handeln kann wie der natürliche Mensch, sofern er nur dem inneren Menschen nach oder dem Wollen und Denken nach mit dem Göttlichen verbunden ist (man sehe Nr. 358-360).

(531)
Die Gesetze des geistigen Lebens, die Gesetze des bürgerlichen Lebens und die Gesetze des sittlichen Lebens werden auch in den Zehn Geboten des Dekalogs gelehrt; in den drei ersten die Gesetze des geistigen Lebens, in den vier folgenden die Gesetze des bürgerlichen Lebens und in den drei letzten die Gesetze des sittlichen Lebens; der bloß natürliche Mensch lebt in der äußeren Form nach denselben Geboten wie der geistige Mensch, denn er ehrt in gleicher Weise das Göttliche, geht in die Kirche, hört die Predigten an, nimmt eine andächtige Miene an, er tötet nicht, begeht keine Ehebrüche, stiehlt nicht, legt kein falsches Zeugnis ab, beraubt die Genossen nicht ihrer Güter; allein dies tut er bloß um seinet- und der Welt willen, um zu scheinen; ebenderselbe aber ist in der inneren Gestalt das Gegenteil von dem was er in der äußeren zu sein scheint, weil er im Herzen das Göttliche leugnet, er spielt im Gottesdienst den Heuchler, wenn er sich selbst überlassen denkt, so lacht er über die heiligen Dinge der Kirche und meint, sie dienen bloß zur Fessel für den einfältigen Haufen; daher kommt, daß er vom Himmel ganz geschieden ist; weshalb er denn, weil er nicht geistig ist, auch kein sittlicher Mensch, noch ein bürgerlich guter Mensch ist; denn obgleich er nicht tötet, so haßt er doch jeden, der sich [ihm] widersetzt und brennt aus Haß von Rachgier; weshalb er denn auch töten würde, wenn ihn nicht die bürgerlichen Gesetze und die äußeren Bande, welche die Besorgnisse sind, zurückhielten, und weil dies sein Gelüsten ist, so folgt, daß er fortwährend tötet; obgleich er keine Ehebrüche begeht, so ist er doch, weil er sie für erlaubt hält, beständig ein Ehebrecher, denn soweit er kann, und so oft er darf, begeht er sie; ebenderselbe, obwohl er nicht stiehlt, stiehlt doch, weil ihn nach den Gütern anderer gelüstet und er die Betrügereien und bösen Kunstgriffe nicht für widerrechtlich hält, ist er in seiner Gesinnung beständig ein Dieb
285; gleiche Bewandtnis hat es auch mit den Geboten des sittlichen Lebens, welche sind, kein falsches Zeugnis zu reden und sich nicht gelüsten zu lassen nach den Gütern anderer; von solcher Art ist jeder Mensch, der das Göttliche leugnet und nicht aus Religion einiges Gewissen hat; daß sie so sind, zeigt sich deutlich an ähnlichen im anderen Leben; wenn sie nach Hinwegnahme des Äußeren in ihr Inneres versetzt sind, so machen sie dann, weil sie vom Himmel geschieden sind, eins aus mit der Hölle; weshalb sie denen, die daselbst sind, beigesellt werden. Anders diejenigen, die im Herzen das Göttliche anerkannt und bei den Handlungen ihres Lebens die göttlichen Gesetze im Auge gehabt und nach den drei ersten Geboten des Dekalogs ebensowohl als nach den übrigen gelebt hatten; wenn diese nach Wegnahme des Äußeren in ihr Inneres versetzt werden, so sind sie weiser als in der Welt; ihr Übertritt in ihr Inwendiges ist wie vom Schatten ins Licht, von der Unwissenheit in die Weisheit und von einem traurigen Leben in ein seliges, weil sie im Göttlichen, somit im Himmel sind. Dies ist gesagt worden, damit man wisse, wie der eine und wie der andere beschaffen ist, obgleich beide das gleiche äußere Leben geführt hatten.

(532)
Jedermann kann wissen, daß die Gedanken Gang und Richtung je nach den Absichten nehmen oder dahin gehen, wohin des Menschen Absicht zielt; denn das Denken ist des Menschen inneres Sehen, welches sich ebenso verhält wie das äußere Sehen, daß es nämlich dahin sich wendet und da verweilt, wohin es gelenkt und gerichtet wird; wird nun das innere Sehen oder das Denken der Welt zugewendet und weilt in ihr, so ist die Folge, daß das Denken weltlich wird; wird es dem eigenen Selbst und der eigenen Ehre zugewendet, [so ist die Folge], daß es fleischlich wird, wenn aber dem Himmel zu, daß es himmlisch wird; es wird also, wenn himmelwärts gerichtet, erhoben; dagegen wird es, wenn auf das eigene Selbst gerichtet, vom Himmel abgezogen und ins Fleischliche versenkt; und wenn auf die Welt gerichtet, muß es auch vom Himmel abgelenkt werden und sich in die Dinge zerstreuen, die vor Augen sind. Die Liebe des Menschen ist es, welche die Absicht macht und dem inneren Sehen oder dem Denken des Menschen die Richtung auf seine Gegenstände gibt; somit die Selbstliebe auf ihn selbst und das Seinige, die Weltliebe auf das Weltliche, und die Liebe zum Himmel auf das Himmlische; woraus man wissen kann, in welchem Zustand das Inwendige des Menschen, das seinem Gemüt angehört, sich befindet, sobald man nur seine Liebe kennt, daß nämlich das Inwendige dessen, der den Himmel liebt, gegen den Himmel zu erhoben und nach oben aufgeschlossen ist; daß aber das Inwendige dessen, der die Welt und sich selber liebt, nach oben verschlossen und nach außen geöffnet ist; daraus kann man schließen, daß, wenn die oberen Regionen, nämlich die des Gemüts, nach oben verschlossen sind, der Mensch die Gegenstände, die dem Himmel und der Kirche angehören, nicht mehr sehen kann, und daß sie bei ihm im Finstern sind, und was im Finstern ist, entweder geleugnet oder nicht verstanden wird; daher kommt, daß die, welche sich und die Welt über alles lieben, weil bei ihnen die oberen Gebiete des Gemütes verschlossen sind, im Herzen die göttlichen Wahrheiten leugnen, und wenn sie auch etwas davon aus dem Gedächtnis hersagen, es doch nicht verstehen; sie sehen auch dieselben nicht anders an, als sie die weltlichen und körperlichen Dinge ansehen; und weil sie so sind, so können sie auch im Gemüt mit nichts anderem sich beschäftigen, als mit Dingen, die durch die Körpersinne eindringen, an denen sie auch einzig ihre Freude haben; unter denen auch viele Dinge sind, die sogar unflätig, unzüchtig, gemein und verbrecherisch sind, und von diesen können sie nicht abgebracht werden, weil bei ihnen kein Einfluß aus dem Himmel in ihre Gemüter statthat, da diese, wie gesagt, nach oben zu verschlossen sind. Die Absicht des Menschen, durch die sein inneres Sehen oder sein Denken bestimmt wird, ist sein Wille; denn was der Mensch will, das beabsichtigt er, und was er beabsichtigt, das denkt er; geht also seine Absicht auf den Himmel, so richtet sich dahin sein Denken und mit diesem sein ganzes Gemüt, das so im Himmel ist; und von da aus betrachtet er nachher die Dinge, die zur Welt gehören, als unter sich, wie jemand vom Dach herab die Häuser; daher kommt, daß der Mensch, dem das Inwendige, das seinem Gemüt angehört, aufgeschlossen ist, das Böse und Falsche, das bei ihm ist, sehen kann, denn dies ist unterhalb seines geistigen Gemüts; und umgekehrt, daß ein Mensch, dem das Inwendige nicht aufgeschlossen ist, sein Böses und Falsches nicht sehen kann, weil er in diesem und nicht über ihm ist; hieraus läßt sich nun schließen, woher dem Menschen Weisheit und woher ihm Torheit kommt, sowie auch wie der Mensch nach dem Tode beschaffen sein wird, wo [ihm] überlassen wird, seinem Inwendigen gemäß zu wollen und zu denken und ebenso auch zu handeln und zu reden. Dies ist auch gesagt worden, damit man wisse, wie der Mensch inwendig beschaffen ist, wie sehr er auch äußerlich einem anderen gleich erscheinen mag.

(533)
Daß es nicht so schwer ist, wie man glaubt, ein Leben des Himmels zu führen, erhellt jetzt daraus, daß der Mensch nichts weiter zu tun braucht, als wenn ihm etwas vorkommt, wovon er weiß, daß es unredlich und ungerecht ist, wohin aber seine Sinnesart sich neigt, zu denken, daß er es nicht tun dürfe, weil es wider die göttlichen Gebote ist; gewöhnt er sich daran, so zu denken, und erlangt er durch die Angewöhnung einige Fertigkeit, so wird er allmählich mit dem Himmel verbunden; und inwieweit er mit dem Himmel verbunden wird, insoweit werden die oberen Gebiete seines Gemütes aufgeschlossen, und in dem Maß als diese aufgeschlossen werden, sieht er, was unredlich und ungerecht ist, und inwieweit er dies sieht, kann es ausgetrieben werden; denn nichts Böses kann eher ausgetrieben werden, als nachdem man es gesehen hat; dies ist der Zustand, in den der Mensch vermöge seiner Freiheit eintreten kann; denn wer kann nicht mit Freiheit so denken ? Ist er aber eingeleitet, dann wirkt der Herr alles Gute bei ihm und macht, daß er nicht bloß das Böse sieht, sondern auch es nicht will und endlich es verabscheut; dies wird verstanden unter den Worten des Herrn:

„Mein Joch ist sanft, und Meine Last ist leicht“: Matth.11/30.

Man muß jedoch wissen, daß die Schwierigkeit, so zu denken, und auch dem Bösen zu widerstehen, in dem Maße wächst, als der Mensch mit Willen das Böse tut; denn insoweit gewöhnt er sich daran, so daß er es zuletzt nicht sieht und hierauf es liebt und infolge der Lust der Liebe es entschuldigt und durch allerlei Trugschlüsse begründet und es für erlaubt und gut erklärt; allein dies geschieht bei denen, die sich im jugendlichen Alter wie zügellos ins Böse stürzen und zugleich dann auch im Herzen die göttlichen Dinge verwerfen.

(534)
Einst ward mir ein Weg vorgebildet, der zum Himmel und auch zur Hölle führt; es war ein breiter Weg, der sich linkshin oder gegen Norden zog; es erschienen viele Geister, die denselben gingen; in der Ferne aber, wo der breite Weg sich endigte, sah man einen ziemlich großen Stein; von diesem Stein gingen hernach zwei Wege aus, der eine links hin und der andere in der entgegengesetzten Richtung nach rechts; der Weg, der sich linkshin zog, war eng oder schmal und führte durch den Westen nach Süden und so ins Licht des Himmels; der Weg, der rechtshin ging, war breit und geräumig und führte schräg abwärts zur Hölle. Zuerst schienen alle denselben Weg zu gehen bis zu dem großen Stein am Scheideweg; als sie aber dahin gekommen waren, trennten sie sich, die Guten wandten sich zur Linken und gingen den schmalen Weg, der zum Himmel führte; die Bösen hingegen sahen den Stein am Scheideweg nicht und fielen auf ihn und verletzten sich und liefen, nachdem sie wieder aufgestanden waren, auf dem breiten Weg nach rechts, der zur Hölle führte. Nachher wurde mir erklärt, was dies alles bedeutete; daß nämlich durch den ersten Weg, der breit war, und den viele, sowohl Gute als Böse zugleich gingen und wie Freunde miteinander sprachen, weil kein Unterschied zwischen ihnen zu sehen war, diejenigen vorgebildet wurden, die im Äußeren in gleicher Weise redlich und gerecht leben und sich vor dem Auge nicht unterscheiden; durch den Stein am Scheidewege oder den Eckstein, auf den die Bösen fielen und von dem aus sie nachher auf dem Weg fortliefen, der zur Hölle führte, wurde das göttliche Wahre vorgebildet, das von denen, die zur Hölle hinsehen, geleugnet wird; im höchsten Sinn wurde durch eben diesen Stein das Göttlich-Menschliche des Herrn vorgebildet; die aber das göttlich Wahre anerkannten und zugleich das Göttliche des Herrn, wurden auf dem Weg fortgezogen, der zum Himmel führte. Hieraus ging wieder hervor, daß die Bösen ganz dasselbe Leben im Äußeren führen wie die Guten, oder denselben Weg gehen, mithin der eine so leicht wie der andere, und doch wieder, daß die, welche das Göttliche von Herzen anerkennen und besonders die innerhalb der Kirche, welche das Göttliche des Herrn anerkennen, zum Himmel geführt, und die es nicht anerkennen, zur Hölle hingezogen werden. Die Gedanken des Menschen, die aus der Absicht oder dem Willen hervorgehen, werden im anderen Leben durch Wege vorgebildet; es stellen sich daselbst auch wirklich in der Erscheinung Wege dar, ganz nach den Gedanken der Absicht, und jeder wandelt auch nach seinen Gedanken, die aus der Absicht hervorgehen; daher kommt, daß die Geister an ihren Wegen erkannt werden, wie sie und wie ihre Gedanken beschaffen sind; daraus ward auch klar, was verstanden wird unter den Worten des Herrn:

„Gehet ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und ihrer sind viele, die auf ihm wandeln; schmal ist der Weg und eng die Pforte, die zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden“: Matth.7/13,14;

schmal heißt der Weg, der zum Leben führt, nicht weil er beschwerlich ist, sondern weil, wie die Worte lauten, wenige sind, die ihn finden. An jenem Stein, der an der Ecke erschien, wo der breite und gemeinsame Weg sich endigte und von dem aus die zwei nach entgegengesetzten Gegenden gehenden Wege erschienen, stellte sich heraus, was bezeichnet wird durch die Worte des Herrn:

„Habt ihr nicht gelesen, was geschrieben steht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Haupt der Ecke geworden; jeder, der auf diesen Stein fällt, wird sich zerstoßen“: Luk.20/17,18.

Der Stein bezeichnet das göttliche Wahre, und der Stein Israels den Herrn hinsichtlich des Göttlich-Menschlichen; die Bauleute sind die von der Kirche; das Haupt der Ecke ist, wo sich der Scheideweg befindet; fallen und zerstoßen werden heißt, leugnen und untergehen286.

(535)
Es ward mir gegeben, mit einigen im anderen Leben zu reden, die sich von den Geschäften der Welt zurückgezogen hatten, um fromm und heilig zu leben, und auch mit einigen, die sich in mannigfacher Weise kasteit hatten, weil sie glaubten, dies heiße der Welt entsagen und die Lüste des Fleisches zähmen; allein da die meisten von diesen sich dadurch ein trauriges Leben schufen und vom Leben der Liebtätigkeit sich entfernten, welches Leben nur in der Welt geführt werden kann, so können sie den Engeln nicht beigesellt werden, weil das Leben der Engel infolge der Seligkeit ein fröhliches ist und in Leistung des Guten besteht, das in den Werken der Liebtätigkeit besteht; überdies brennen die, welche ein von weltlichen Dingen zurückgezogenes Leben geführt haben, von der Sucht zu verdienen [flagrant merito], und verlangen daher unablässig nach dem Himmel und denken an die himmlische Freude als einen Lohn, indem sie ganz und gar nicht wissen, was himmlische Freude ist; und wenn sie unter die Engel und in deren Freude versetzt werden, die ohne Verdienstlichkeit ist und in Leistungen und handgreiflichen Berufsgeschäften [exercitiis et manifestis officiis], sowie in der Seligkeit aus dem Guten besteht, das sie durch jene stiften, so wundern sie sich, wie die, welche etwas dem Glauben Fremdes sehen, und weil sie für diese Freude nicht empfänglich sind, so gehen sie weg und gesellen sich zu den Ihrigen, die in der Welt in gleichem Leben gewesen waren. Diejenigen aber, die im Äußeren heilig gelebt, beständig in den Kirchen und da in Gebeten gelegen und ihre Seelen geängstigt, zugleich aber stets an sich gedacht hatten, daß sie mehr als andere geachtet und geehrt und nach dem Tode für Heilige gehalten werden müßten, die sind im anderen Leben nicht im Himmel, weil sie dergleichen um ihrer selbst willen getan hatten, und weil sie die göttlichen Wahrheiten durch die Liebe zu sich befleckt und in diese sie versenkt hatten, so sind einige von ihnen so wahnsinnig, daß sie sich für Götter halten, weshalb sie unter dergleichen in der Hölle sind; einige sind schlau und trügerisch und in den Höllen der Betrüger [dolosorum], welche diejenigen sind, die der gleichen Dinge durch Kunstgriffe und Schlauheiten äußerlich dargestellt und durch diese das gemeine Volk zu dem Wahn verleitet hatten, daß in ihnen göttliche Heiligkeit wohne. Von dieser Art sind viele von den Heiligen der päpstlichen Religion; mit einigen ward mir auch zu reden gegeben, und es wurde dann ihr Leben deutlich beschrieben, wie es in der Welt und wie es nachher beschaffen war. Dies ist gesagt worden, damit man wisse, daß das Leben, das zum Himmel führt, nicht ein von der Welt zurückgezogenes, sondern ein Leben in der Welt ist, und daß ein Leben der Frömmigkeit ohne ein Leben der Liebtätigkeit, welches letztere allein in der Welt möglich ist, nicht in den Himmel führt, sondern das Leben der tätigen Liebe, welches Leben darin besteht, daß man in jedem Beruf, in jedem Geschäft und in jedem Werk redlich und gerecht handelt aus dem Inwendigen, somit aus himmlischem Ursprung, welcher Ursprung jenem Leben innewohnt, wenn der Mensch redlich und gerecht handelt, weil es den göttlichen Gesetzen gemäß ist; dieses Leben ist nicht schwer, aber ein Leben der vom Leben der Liebtätigkeit zurückgezogenen Frömmigkeit ist schwer, während doch dieses Leben in demselben Maß vom Himmel abführt, als man glaubt, es führe zum Himmel
287.

(III)

VON DER HÖLLE

(59)

DER HERR REGIERT DIE HÖLLEN

(536)
Oben, wo vom Himmel gehandelt wurde, ist überall, insbesondere aber Nr. 2-6, gezeigt worden, daß der Herr der Gott des Himmels ist, somit, daß alle Regierung der Himmel dem Herrn zukommt, und weil das Verhältnis des Himmels zur Hölle und der Hölle zum Himmel gerade ist wie das zwischen zwei Entgegengesetzten, die gegenseitig widereinander wirken und aus deren Wirkung und Gegenwirkung ein Gleichgewicht hervorgeht, in dem alles seinen Bestand findet, so ist, damit alles und jedes im Gleichgewicht gehalten werde, notwendig, daß, wer den Himmel regiert, auch die Hölle regiert; denn sofern nicht derselbe Herr die feindlichen Angriffe von seiten der Höllen im Zaum hielte und die Rasereien in ihr zähmte, würde das Gleichgewicht und mit dem Gleichgewicht das Ganze zugrunde gehen.

(537)
Doch hier soll zuerst etwas vom Gleichgewicht gesagt werden. Es ist bekannt, daß wenn zwei gegenseitig widereinander wirken und der eine in demselben Maß rückwirkt und widersteht, in dem der andere wirkt und andringt, beide keine Kraft haben, weil auf beiden Seiten die gleiche Macht ist, und daß dann jeder von einem Dritten nach Belieben in Bewegung gesetzt werden kann; denn wenn infolge des gleichen Widerstandes beide keine Kraft haben, so tut die Kraft des Dritten alles, und zwar so leicht, wie wenn gar kein Widerstand wäre. Ein solches Gleichgewicht besteht zwischen Hölle und Himmel; es ist aber nicht ein Gleichgewicht wie zwischen zweien, die mit dem Körper kämpfen und von welchen die Kraft des einen der Kraft des anderen gleichkommt, sondern es ist ein geistiges Gleichgewicht, nämlich des Falschen wider das Wahre und des Bösen wider das Gute; aus der Hölle strömt fortwährend Falsches aus Bösem hervor und aus dem Himmel fortwährend Wahres aus Gutem; dieses geistige Gleichgewicht ist es, welches macht, daß der Mensch in der Freiheit des Denkens und Wollens ist; denn alles, was der Mensch denkt und will, bezieht sich entweder auf Böses und das Falsche aus diesem oder auf Gutes und das Wahre aus diesem; ist er also in diesem Gleichgewicht, so ist er in der Freiheit, entweder das Böse und das Falsche aus diesem aus der Hölle zuzulassen und in sich aufzunehmen, oder das Gute und das Wahre aus diesem aus dem Himmel zuzulassen und in sich aufzunehmen; in diesem Gleichgewicht wird jeder Mensch aus dem Herrn gehalten, weil Er beide, sowohl den Himmel als die Hölle regiert. Warum aber der Mensch durch das Gleichgewicht in dieser Freiheit gehalten und nicht durch göttliche Macht ihm das Böse und Falsche genommen und das Gute und Wahre beigebracht wird, wird im folgenden in seinem Abschnitt gesagt werden.

(538)
Es ward [mir] einige Male gegeben, die von der Hölle ausströmende Sphäre des Falschen aus dem Bösen zu empfinden, sie war wie ein beständiges Streben, alles Gute und Wahre zu zerstören, verbunden mit Zorn und einer gewissen Wut, daß sie es nicht konnte; besonders ein Streben, das Göttliche des Herrn zu vernichten und zu zerstören, und dies darum, weil von Ihm alles Gute und Wahre kommt. Vom Himmel her aber ward die Sphäre des Wahren aus dem Guten empfunden, durch welche die Wut des aus der Hölle aufsteigenden Strebens zurückgehalten wurde; daher das Gleichgewicht; diese vom Himmel her empfundene Strömung war vom Herrn allein, obgleich sie aus den Engeln zu kommen schien; sie kam aber vom Herrn allein und nicht von den Engeln, weil jeder Engel im Himmel anerkennt, daß nichts Gutes und Wahres von ihm selbst kommt, sondern alles vom Herrn.

(539)
Alle Macht gehört in der geistigen Welt dem Wahren aus dem Guten und gar keine Macht dem Falschen aus dem Bösen an; daß alle Macht dem Wahren aus dem Guten angehört, hat seinen Grund darin, daß das Göttliche Selbst im Himmel das göttlich Gute und das göttlich Wahre ist und das Göttliche alle Macht hat; das Falsche aus dem Bösen aber hat gar keine Macht, eben weil diese ganz dem Wahren aus dem Guten angehört, und im Falschen aus dem Bösen nichts Wahres aus Gutem ist; daher kommt, daß alle Macht im Himmel ist und keine in der Hölle; denn jeder im Himmel ist in den Wahrheiten aus dem Guten, und jeder in der Hölle ist in Falschem aus Bösem; denn nicht früher wird jemand in den Himmel eingelassen, als bis er in den Wahrheiten aus dem Guten ist; und nicht eher wird jemand in die Hölle geworfen, als bis er in dem Falschen aus Bösem ist; daß dem so sei, sehe man in den Abschnitten, in denen vom ersten, zweiten und dritten Zustand des Menschen nach dem Tode gehandelt worden ist, Nr. 491-520; und daß alle Macht dem Wahren aus dem Guten angehöre, im Abschnitt von der Macht der Engel des Himmels, Nr. 228-233.

(540)
Dies ist nun das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle; diejenigen, die sich in der Geisterwelt befinden, sind in diesem Gleichgewicht; denn die Geisterwelt ist in der Mitte zwischen Himmel und Hölle; und von daher werden auch alle Menschen in der Welt in ähnlichem Gleichgewicht gehalten; denn die Menschen in der Welt werden vom Herrn durch Geister regiert, die in der Geisterwelt sind, wovon unten in seinem Abschnitt gehandelt werden soll. Ein solches Gleichgewicht könnte nicht stattfinden, wenn nicht der Herr beide, sowohl den Himmel als die Hölle, regierte und nicht in beiden Maß und Ziel setzte; sonst würde das Falsche aus dem Bösen das Übergewicht bekommen und die einfältig Guten, die im Untersten des Himmels sind und leichter als die Engel selbst verderbt werden können, anstecken, und so würde dann das Gleichgewicht und mit dem Gleichgewicht auch die Freiheit bei den Menschen untergehen.

(541)
Die Hölle ist ebenso in Gesellschaften abgeteilt wie der Himmel und auch in so viele Gesellschaften wie der Himmel; denn jede Gesellschaft im Himmel hat sich gegenüber eine Gesellschaft in der Hölle, und dies ist um des Gleichgewichts willen. Allein die Gesellschaften in der Hölle sind unterschieden nach dem Bösen und dem Falschen aus diesem, weil die Gesellschaften im Himmel nach dem Guten und den Wahrheiten aus diesem unterschieden sind; daß jeglichem Guten ein Böses entgegengesetzt ist, und jeglichem Wahren ein Falsches entgegensteht, kann man daraus wissen, daß es kein Etwas gibt ohne Beziehung auf sein Entgegengesetztes, und daß aus dem Entgegengesetzten erkannt wird, wie es beschaffen ist und auf welcher Stufe es steht und daß davon alle Wahrnehmung und Empfindung kommt. Der Herr tut daher fortwährend Vorsehung, daß jede Gesellschaft des Himmels ihren Gegensatz in einer Gesellschaft der Hölle habe und daß zwischen ihnen ein Gleichgewicht bestehe.

(542)
Weil die Hölle in ebenso viele Gesellschaften abgeteilt ist wie der Himmel, darum gibt es auch ebenso viele Höllen wie Gesellschaften des Himmels; denn jede Gesellschaft des Himmels ist ein Himmel in verjüngter Gestalt, man sehe Nr. 51-58, somit auch jede Gesellschaft der Hölle eine Hölle in verjüngter Gestalt. Weil es im allgemeinen drei Himmel gibt, so gibt es auch im allgemeinen drei Höllen; eine unterste, die dem innersten oder dritten Himmel entgegengesetzt ist, eine mittlere, die dem mittleren oder zweiten Himmel entgegengesetzt ist, und eine obere, die dem äußersten oder ersten Himmel entgegengesetzt ist.

(543)
Wie aber die Höllen vom Herrn regiert werden, soll auch mit wenigem gesagt werden; die Höllen werden im allgemeinen durch den allgemeinen Anfluß [Zustrom] des göttlich Guten und des göttlich Wahren aus den Himmeln regiert, durch den das von den Höllen ausströmende allgemeine Streben in Schranken gehalten und gezähmt wird, und dann auch durch einen besonderen Anfluß aus jedem Himmel und aus jeder Gesellschaft des Himmels. Die Höllen werden im besonderen regiert durch Engel, denen gegeben wird, in die Höllen hineinzusehen und die Rasereien und Rotten darin im Zaum zu halten; zuweilen werden auch Engel dahin abgesandt und setzen ihnen durch ihre Gegenwart Maß und Ziel. Durchwegs aber werden alle, die in den Höllen sind, durch Befürchtungen regiert, einige durch die von der Welt her ihnen eingepflanzten und noch anhängenden; weil aber diese Befürchtungen nicht mehr hinreichen und auch allmählich nachlassen, so werden sie durch die Furcht vor Strafen regiert, durch die sie besonders vom Tun des Bösen abgeschreckt werden; die Strafen sind dort vielfach, gelinder und härter je nach dem Bösen; meistens werden Bösartigere über die anderen gesetzt, denen sie an Schlauheit und Kunstgriffen überlegen sind und die sie durch Strafen und die daher rührenden Schrecken in Gehorsam und Knechtschaft halten können; diese Vorgesetzten wagen nicht, die ihnen vorgezeichneten Grenzen zu überschreiten. Man muß wissen, daß das einzige Mittel, die Gewalttätigkeiten und Wutausbrüche derer, die in den Höllen sind, zu zähmen, die Furcht vor Strafe ist; es gibt kein anderes Mittel.

(544)
Man hat bisher in der Welt geglaubt, es gebe einen bestimmten Teufel, der die Höllen beherrsche, und dieser sei als Engel des Lichts erschaffen, nachdem er aber ein Empörer geworden war, und mit seiner Rotte in die Hölle hinabgestoßen wurde; daß man so glaubte, kam daher, daß im Wort ein Teufel und Satan und auch ein Lichtbringer [Luzifer] genannt wird und das Wort hier nach seinem Buchstabensinn verstanden wurde, während doch unter dem Teufel und Satan dort die Hölle verstanden wird; unter dem Teufel diejenige Hölle, die nach hinten zu liegt und wo die Schlimmsten sind, welche böse Engel [mali genii] genannt werden; und unter dem Satan diejenige Hölle, die vorne ist, wo nicht so Bösartige sind, welche böse Geister genannt werden; und unter Luzifer werden diejenigen verstanden, die aus Babel oder Babylonien sind, solche nämlich, die ihre Herrschgebiete bis in den Himmel ausdehnen. Daß es nicht irgendeinen Teufel gibt, dem die Höllen unterworfen wären, erhellt auch daraus, daß alle, die in den Höllen sind, sowie auch alle, die in den Himmeln sind, aus dem menschlichen Geschlecht stammen (man sehe Nr. 311-317) und daß dort Myriaden von Myriaden vom Anfang der Schöpfung an bis auf diese Zeit sind, und jeder von ihnen ein solcher Teufel ist, wie er es in der Welt gegen das Göttliche gewesen war; man sehe hierüber Nr. 311, 312.

(60)

DAß DER HERR
NIEMAND IN DIE HÖLLE WERFE,
SONDERN DER GEIST SICH SELBST

(545)
Bei manchem kam die Meinung auf, daß Gott Sein Angesicht vom Menschen abwende, ihn von Sich stoße und in die Hölle werfe und des Bösen wegen über ihn zürne; und bei manchen noch weiter, daß Gott den Menschen strafe und ihm Böses zufüge; in dieser Meinung bestärken sie sich durch den Buchstabensinn des Wortes, in dem ähnliches gesagt wird, nicht wissend, daß der geistige Sinn des Wortes, der den Buchstabensinn erklärt, ein ganz anderer ist; und daß daher die reine Lehre der Kirche, die aus dem geistigen Sinn des Wortes ist, anderes lehrt; daß nämlich Gott niemals Sein Angesicht vom Menschen abwendet, noch ihn von Sich stößt, daß Er niemand in die Hölle wirft, noch zürnt
288. Dies erkennt auch jeder, dessen Gemüt in der Erleuchtung ist, wenn er das Wort liest, schon daraus, daß Gott das Gute selbst, die Liebe selbst und die Barmherzigkeit selbst ist; und daß das Gute selbst niemandem Böses zufügen und die Liebe selbst und die Barmherzigkeit selbst den Menschen nicht von sich stoßen kann, weil dies wider das eigentliche Wesen der Barmherzigkeit und Liebe, somit wider das Göttliche Selbst ist; weshalb die, welche aus erleuchtetem Gemüt denken, wenn sie das Wort lesen, klar erkennen, daß Gott Sich niemals vom Menschen abwendet, und weil Er Sich nicht von ihm abwendet, daß Er aus dem Guten, aus der Liebe und Barmherzigkeit mit ihm handelt, das heißt, daß Er sein Bestes will, ihn liebt und Sich seiner erbarmt. Daraus sehen sie auch, daß der Buchstabensinn des Wortes, in dem dergleichen gesagt wird, einen geistigen Sinn in sich birgt, nach welchem dasjenige erklärt werden muß, was im Buchstabensinn gemäß der Fassungskraft des Menschen und nach dessen ersten und allgemeinen Vorstellungen gesagt worden ist.

(546)
Die in der Erleuchtung sind, sehen noch weiter, daß das Gute und Böse zwei Entgegengesetzte sind, und daß sie ebenso entgegengesetzt sind wie Himmel und Hölle, und daß alles Gute aus dem Himmel und alles Böse aus der Hölle ist; und daß, weil das Göttliche des Herrn den Himmel macht (Nr. 7-12), vom Herrn nichts als Gutes beim Menschen einfließt, und von der Hölle nichts als Böses; und daß so der Herr den Menschen fortwährend vom Bösen abführt und ihn zum Guten hinführt, und daß die Hölle den Menschen beständig ins Böse hineinführt; wäre der Mensch nicht zwischen beiden, so hätte er gar kein Denken, noch ein Wollen, noch irgendwelche Freiheit und Wahl; denn dies alles hat der Mensch infolge des Gleichgewichts zwischen Gutem und Bösem; würde daher der Herr Sich abwenden und wäre der Mensch bloß seinem Bösen überlassen, so wäre er nicht mehr Mensch. Hieraus erhellt, daß der Herr mit dem Guten bei jeglichem Menschen, beim Bösen ebensowohl als beim Guten, einfließt, jedoch mit dem Unterschied, daß Er den bösen Menschen fortwährend vom Bösen abzieht und den guten Menschen unausgesetzt zum Guten hinführt und daß der Grund dieses Unterschieds beim Menschen liegt, sofern er der Aufnehmende ist.

(547)
Hieraus kann nun klar sein, daß der Mensch das Böse von der Hölle her tut, und daß er das Gute aus dem Herrn tut; daß aber, weil der Mensch glaubt, daß er alles, was er tut, aus sich tue, darum das Böse, das er tut, ihm als das Seinige anhängt; daher kommt, daß der Mensch der Urheber seines Bösen ist und in keiner Weise der Herr; das Böse beim Menschen ist die Hölle bei ihm; denn ob man sagt, das Böse oder die Hölle, ist einerlei; weil nun der Mensch der Urheber seines Bösen ist, so ist auch er es, der sich selbst in die Hölle bringt und nicht der Herr, ja der Herr ist so weit entfernt, den Menschen in die Hölle zu führen, daß Er vielmehr den Menschen von der Hölle befreit, soweit der Mensch nicht in seinem Bösen sein will und darin zu sein liebt; alles, was zum Willen und zur Liebe des Menschen gehört, bleibt bei ihm nach dem Tode, Nr. 470-484; wer das Böse will und liebt in der Welt, der will und liebt es auch im anderen Leben und läßt sich dann nicht mehr davon abbringen; daher kommt, daß der Mensch, der im Bösen ist, an die Hölle gekettet ist und auch wirklich seinem Geist nach daselbst ist und nach dem Tode nichts sehnlicher wünscht, als dort zu sein, wo sein Böses ist; weshalb denn der Mensch nach dem Tode sich selbst in die Hölle stürzt, und nicht der Herr.

(548)
Wie dies geschieht, soll auch gesagt werden; wenn der Mensch ins andere Leben eintritt, so wird er zuerst von Engeln empfangen, die ihm alle Dienste leisten und auch mit ihm reden vom Herrn, vom Himmel, vom Engelleben und ihn im Guten und Wahren unterrichten; ist aber der Mensch, nunmehr Geist, so geartet, daß er in der Welt dergleichen Dinge zwar gekannt, aber im Herzen geleugnet oder verachtet hatte, so sehnt er sich nach einiger Unterredung von ihnen weg und sucht auch wirklich wegzukommen; sobald die Engel dies bemerken, verlassen sie ihn; er aber gesellt sich nach einigem Zusammensein mit anderen, endlich solchen bei, die in dem gleichen Bösen mit ihm sind (man sehe Nr. 445-452); indem dies geschieht, wendet er sich vom Herrn ab und kehrt sein Angesicht der Hölle zu, mit der er in der Welt verbunden war und in der sich diejenigen befinden, die in der gleichen Liebe zum Bösen sind. Hieraus erhellt, daß der Herr jeden Geist zu Sich zieht durch Engel und auch durch einen Einfluß aus dem Himmel, daß aber Geister, die im Bösen sind, ganz und gar widerstreben und sich gleichsam vom Herrn losreißen und von ihrem Bösen, somit von der Hölle, wie am Strick gezogen werden, und weil sie gezogen werden und aus Liebe zum Bösen auch folgen wollen, so ist offenbar, daß sie sich freiwillig in die Hölle stürzen. Daß dem so sei, kann man in der Welt nicht glauben, infolge der Vorstellung von der Hölle; ja es erscheint auch im anderen Leben nicht anders vor den Augen derer, die außerhalb der Hölle sind, nicht jedoch bei denen, die sich in sie hinabstürzen; denn diese gehen von selbst hinein, und diejenigen, die aus brennender Liebe zum Bösen hineingehen, erscheinen, wie wenn sie rücklings den Kopf nach unten und die Füße nach oben hinabgeworfen würden; infolge dieser Erscheinung sieht es so aus, als ob sie durch göttliche Gewalt in die Hölle hinabgestürzt würden (hierüber sehe man mehreres weiter unten Nr. 574). Hieraus kann nun ersehen werden, daß der Herr niemand in die Hölle wirft, sondern jeglicher sich selbst, nicht nur während er in der Welt lebt, sondern auch nach dem Tode, wenn er unter die Geister kommt.

(549)
Daß der Herr vermöge Seines göttlichen Wesens, welches das Gute, die Liebe und Barmherzigkeit selbst ist, nicht gleichmäßig mit jedem Menschen verfahren kann, hat seinen Grund darin, daß das Böse und das Falsche aus diesem hindernd im Wege steht und Seinen göttlichen Einfluß nicht nur entkräftet, sondern auch zurückstößt; das Böse und das Falsche aus ihm sind wie schwarze Wolken, die sich zwischen die Sonne und das Auge des Menschen stellen und das Heitere und Helle des Lichtes wegnehmen, während gleichwohl die Sonne in dem beständigen Streben ist, die im Wege stehenden Wolken zu zerstreuen, denn sie ist hinter ihnen und wirkt und läßt auch inzwischen durch manche Öffnungen ringsumher einiges schwache Licht ins Auge des Menschen fallen; in der geistigen Welt findet ähnliches statt; die Sonne ist hier der Herr und die göttliche Liebe, Nr. 116-140; das Licht ist hier das göttliche Wahre, Nr. 126-140; die schwarzen Wolken sind hier das Falsche aus dem Bösen; das Auge ist hier der Verstand; inwieweit jemand hier im Falschen aus dem Bösen ist, insoweit ist um ihn eine solche Wolke, schwarz und dicht, je nach dem Grad des Bösen; aus welchem Vergleich man ersehen kann, daß die Gegenwart des Herrn unausgesetzt bei jeglichem statthat, daß sie aber verschiedentlich aufgenommen wird.

(550)
Die bösen Geister in der Geisterwelt werden sehr gestraft, damit sie durch die Strafen vom Tun des Bösen zurückgeschreckt werden; auch dies hat den Anschein, als käme es vom Herrn; dennoch aber rührt daselbst keinerlei Strafübel vom Herrn, sondern vom Bösen selbst her; denn das Böse ist mit seiner Strafe so verbunden, daß sie nicht getrennt werden können; die höllische Rotte wünscht und liebt nämlich nichts mehr, als Böses zu tun, besonders Strafen zu verhängen und zu quälen, und sie fügen auch wirklich Böses und Strafübel jedem zu, der nicht vom Herrn beschützt wird; geschieht nun Böses aus bösem Herzen, so stürzen sich, weil dieses allen Schutz vom Herrn her von sich stößt, die bösen Geister auf den, der dieses Böse tut, und strafen ihn. Dies kann einigermaßen durch das Böse und dessen Strafen in der Welt beleuchtet werden, wo sie auch verbunden sind; denn die Gesetze bestimmen hier für jedes Böse seine Strafe; weshalb wer in das Böse, auch in die Strafe des Bösen rennt; der Unterschied ist bloß, daß das Böse in der Welt verheimlicht werden kann, nicht aber im anderen Leben. Hieraus kann erhellen, daß der Herr keinem Böses zufügt; und daß es sich auch damit ebenso verhält wie in der Welt, daß nicht der König, noch der Richter, noch das Gesetz die Ursache sind, daß der Schuldige gestraft wird, weil sie nicht die Ursache des Bösen beim Übeltäter sind.

(61)

DAß ALLE, DIE SICH
IN DEN HÖLLEN BEFINDEN,
IM BÖSEN UND IM FALSCHEN
AUS DIESEM AUS DER EIGEN -
UND WELTLIEBE SIND

(551)
Alle, die sich in den Höllen befinden, sind im Bösen und in dem aus diesem kommenden Falschen, und keiner ist dort, der im Bösen und zugleich in den Wahrheiten wäre; die meisten Bösen in der Welt kennen die geistigen Wahrheiten, welche die Wahrheiten der Kirche sind; denn sie haben dieselben von Kindheit an gelernt und dann auch aus der Predigt und dem Lesen des Wortes, und haben nachher aus denselben geredet; manche haben auch andere auf den Glauben gebracht, sie seien Christen von Herzen, weil sie aus den Wahrheiten mit erheuchelter Neigung zu reden und auch redlich wie aus geistigem Glauben zu handeln wußten; allein diejenigen von ihnen, die bei sich selbst dagegen gedacht und nur wegen der bürgerlichen Gesetze und um des Rufes, der Ehrenstellen und Vorteile willen sich enthalten hatten, das Böse nach ihren Gedanken zu tun, sind alle im Herzen böse und bloß dem Körper, nicht aber dem Geist nach im Wahren und Guten; daher sie denn, wenn ihnen im anderen Leben das Äußere genommen und das Innere, das ihrem Geist angehört, enthüllt wird, ganz im Bösen und Falschen und in gar keinem Wahren und Guten sind; und es liegt dann offen zutage, daß das Wahre und Gute bloß in ihrem Gedächtnis saß, nicht anders denn als ein Wissen, und daß sie es von da herausnahmen, wenn sie sprachen, und sich den Schein des Guten gaben und als ob dies aus geistiger Liebe und Glauben flöße. Wenn solche in ihr Inneres, folglich in ihr Böses versetzt werden, so können sie nicht mehr Wahrheiten, sondern nur Falsches reden, weil sie aus dem Bösen reden; denn aus Bösem Wahrheiten reden, ist unmöglich, weil alsdann der Geist nichts als sein Böses ist, und aus dem Bösen Falsches hervorgeht. Jeder böse Geist wird in diesen Zustand gebracht, bevor er in die Hölle geworfen wird (man sehe Nr. 499-512); dies heißt abgeödet werden hinsichtlich des Wahren und Guten
289; und die Abödung [vastatio] ist nichts als ein Versetztwerden ins Innere, somit ins Eigene des Geistes oder in den Geist selbst; hierüber sehe man auch nach, Nr. 425.

(552)
Wenn der Mensch nach dem Tode so [geworden] ist, dann ist er nicht mehr Mensch-Geist, wie er es in seinem ersten Zustand ist, wovon Nr. 491-498, sondern er ist nun wahrhaft Geist, denn wahrhaft Geist ist er in seinem Inneren, d.h. seiner Gesinnung entsprechenden Angesicht und Leib, somit in einer Außengestalt, die der Abdruck oder das Abbild seines Inneren ist; so ist der Geist nach vollbrachtem erstem und zweitem Zustand, von denen oben die Rede war; weshalb er nun auf den ersten Blick sogleich als das, was er ist, erkannt wird, nicht nur am Angesicht, sondern auch am Leib und überdies an der Rede und den Gebärden; und weil er nun in sich ist, so kann er nicht anderwärts sein, als wo seinesgleichen sind; denn es findet in der geistigen Welt eine durchgängige Mitteilung der Neigungen und der aus ihnen entspringenden Gedanken statt; weshalb der Geist zu seinesgleichen hingezogen wird wie von selbst, weil aus freier Neigung und deren Lust, ja er wendet sich auch dahin, denn so atmet er sein Leben und zieht Odem aus freier Brust, nicht aber wenn er sich anderswohin wendet; man muß wissen, daß der Verkehr mit anderen in der geistigen Welt sich nach der Hinwendung des Angesichts richtet, und daß vor eines jeden Angesicht beständig diejenigen sind, die mit ihm in gleicher Liebe stehen, und dies bei jeder Wendung des Leibes (man sehe Nr. 151). Daher kommt, daß alle höllischen Geister sich vom Herrn ab- und dem dunkelschwarzen und dem verfinsterten Körper zuwenden, welche dort statt der Sonne und statt des Mondes in der Welt sind, alle Engel des Himmels aber sich dem Herrn als der Sonne des Himmels und dem Mond des Himmels zuwenden (man sehe Nr. 123, 143, 144, 151). Hieraus kann nun erhellen, daß alle, die in den Höllen sind, sich im Bösen und im Falschen aus diesem befinden, und daß sie auch ihren Trieben zugekehrt sind.

(553)
Alle Geister in den Höllen erscheinen, wenn sie in einigem Licht des Himmels betrachtet werden, in der Gestalt ihres Bösen, weil jeder das Abbild seines Bösen ist, denn bei jedem macht das Inwendige und das Auswendige eins aus, und das Inwendige stellt sich sichtbar dar im Auswendigen, nämlich in Gesicht, Leib, Rede und Gebärden; so wurden sie auf den ersten Blick erkannt, wie sie beschaffen sind; im allgemeinen sind sie Gestalten der Verachtung anderer, des Drohens gegen diejenigen, die ihnen nicht Verehrung zollen; sie sind Gestalten des Hasses mannigfacher Art; sie sind Gestalten der Rachgier ebenfalls von mancherlei Art; Wut und Grausamkeit leuchten vom Inwendigen her durch diese hervor; sobald aber andere sie loben, verehren und ehren, zieht sich ihr Angesicht zusammen und bekommt einen Ausdruck des Behagens von befriedigter Lust; wie diese Gestalten alle aussehen, kann nicht mit wenigem beschrieben werden, denn nicht eine ist der anderen gleich; nur zwischen denen, die in ähnlichem Bösen und daher in der gleichen höllischen Gesellschaft sind, ist eine allgemeine Ähnlichkeit, vermöge welcher als der Grundlage der Ableitung die Gesichter der einzelnen daselbst in gewisser Ähnlichkeit erscheinen; im allgemeinen sind ihre Gesichter grausig und leblos wie die der Leichname; bei einigen sind sie glührot wie Feuerbrände, bei einigen durch Blattern, Beulen und Geschwüre verunstaltet; bei vielen ist gar kein Gesicht zu sehen, sondern statt desselben etwas Struppiges oder Knöchernes, bei einigen zeigen sich bloß Zähne; ihre Leiber sind auch mißgestaltet; und ihre Rede wie aus Zorn oder aus Haß oder aus Rachgier hervorgehend, denn jeder redet aus seinem Falschen und tönt aus seinem Bösen; mit einem Wort, sie sind alle Abbilder ihrer Hölle; welche Gestalt die Hölle selbst im Ganzen hat, ist [mir] nicht zu sehen gegeben worden; es wurde nur gesagt, daß wie der ganze Himmel im Gesamtumfang einen Menschen darstellt, Nr. 59-67, so auch die ganze Hölle in ihrem Gesamtumfang einen Teufel vorstelle und auch wirklich im Bilde eines Teufels dargestellt werden könne (man sehe Nr. 544); welche Gestalt aber die Höllen im besonderen oder die höllischen Gesellschaften haben, ist [mir] öfter zu sehen gegeben worden; denn an den Öffnungen derselben, welche die Pforten der Höllen heißen, erscheint meistens ein Scheusal [monstrum], das im allgemeinen das Bild derer darstellt, die darin sind; die Wutausbrüche derer, die darin sind, werden dann auch durch Gräßliches und Entsetzliches vorgestellt, das ich nicht näher berühren will. Zu wissen ist jedoch, daß die höllischen Geister zwar so gestaltet erscheinen im Licht des Himmels, unter sich hingegen als Menschen, und dies aus Barmherzigkeit des Herrn, damit sie nicht auch untereinander die scheußlichen Gestalten [foeditates] seien, als die sie den Engeln erscheinen; allein jene Erscheinung ist eine Täuschung; denn sobald nur ein wenig Licht aus dem Himmel eingelassen wird, verwandeln sich jene menschlichen Gestalten in die Mißgestalten, die sie an sich sind und von denen oben die Rede war; denn im Licht des Himmels erscheint alles, wie es an sich ist; daher kommt auch, daß sie das Licht [lucem] des Himmels fliehen und sich in ihre Helle [lumen] hinabstürzen, die wie die Helle von glühenden Kohlen und hie und da auch wie die von brennendem Schwefel ist; allein auch diese Helle verwandelt sich in lauter Finsternis, sobald etwas Licht aus dem Himmel dahin einfließt; daher kommt, daß es heißt, die Höllen seien im Dunkel und in der Finsternis, und daß das Dunkel und die Finsternis das Falsche aus dem Bösen bedeuten, wie es in der Hölle ist.

(554)
Aus der Betrachtung jener monströsen Gestalten der Geister in den Höllen (die alle, wie gesagt, Gestalten der Verachtung anderer und des Drohens gegen diejenigen sind, die sie nicht ehren und hochachten, dann auch Gestalten des Hasses und der Rachgier gegen die, welche ihnen nicht günstig sind), ging hervor, daß sie alle im allgemeinen Ausgestaltungen der Selbst- und der Weltliebe sind, und daß das Böse, dessen besondere Ausgestaltungen sie sind, in diesen beiden Grundneigungen seinen Ursprung hat; es ist mir auch aus dem Himmel gesagt und überdies durch viele Erfahrungen bestätigt worden, daß diese beiden Grundneigungen [amores], nämlich die Selbst- und die Weltliebe, in den Höllen herrschen und auch die Höllen machen, und daß die Liebe zum Herrn und die Liebe gegen den Nächsten in den Himmeln herrschen und auch die Himmel machen; ferner, daß jene beiden Grundneigungen, welche die Grundtriebe der Hölle sind, und diese beiden Grundneigungen, welche die Grundneigungen des Himmels sind, den vollsten Gegensatz zueinander bilden.

(555)
Zuerst wunderte ich mich, woher es wohl komme, daß die Selbstliebe und die Weltliebe so teuflisch sind, und daß die, welche darin stehen, sich dem Blick als solche Scheusale darstellen, da man doch in der Welt über die Selbstliebe sich wenig Gedanken macht, sondern nur über die Selbsterhebung des Gemüts [elationem animi], die man Hochmut nennt und die, weil sie in die Augen fällt, allein für Selbstliebe gilt; und überdies wird die Selbstliebe, die sich nicht so überhebt, in der Welt für das Feuer des Lebens gehalten, durch das der Mensch angetrieben wird, sich um Ämter zu bewerben und Nutzen zu schaffen, worin der Mensch Ehre und Ruhm erblicken müsse, wenn sein Mut nicht erschlaffen solle; man fragt: wer hat je etwas Großes, Nützliches und Denkwürdiges getan, außer um von anderen oder in den Gedanken der anderen gefeiert und gee